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Trier, Porta Nigra
Live-Ticker-Diary & Routen-Karte &
Etappen-Übersicht Rhein - Mosel - Lahn - Aar - Saar - Nahe
(19.-21.3.; 28.3.; 10.-13.4.2004) Radln mit Rahmenbruch
Zwei kleine Frühlingstouren am
Mittelrhein und seinen Nebenflüssen: Zunächst allein eine Umkreisung des
Mittelrheins, dann mit Miri rheinabwärts, mosel- und saaraufwärts, zuletzt
80 km naheabwärts mit gebrochenem Rahmen bis Bingen.
Tour 1: Mainz - Hunsrück - Mosel - Lahn - Aar - Idstein
- Mainz (19.-21.3.2004)
Freitag, 19. März 2004: Mainz
- Bingen - Argenthal (60 km) Ein düsterer, nasser Frühlingsabend.
Ich fahre vom Lerchenberg aus nach Arbeitsschluss in den dunklen Regen gen
Westen. Runter ins Rheintal, in dem von oben die langen Lichterkolonnen
der Autos dahinschleichen. Schon stecke ich mittendrin. Bei Bingen kann
ich sie hinter mit lassen. Es geht aufwärts durch den Binger Wald. An der
einen oder andern Tankstelle stärke und wärme ich mich. Die Schließ-Zeit
der Jugendherberge rückt bedrohlich näher. Runter nach Stromberg, rauf
über den Schanzerkopf. Einsame Nebenstrecke. Als ich bei Argenthal den
Schutz von Wald und Tal verliere, wirft sich mir der stürmisch-nasse Wind
entgegen. Und: Die Strecke, die Fahrradkarte und Routenplaner als fahrbar
ausweisen, ist zur Schnellstraße ausgebaut - für Radler gesperrt. Im
peitschenden Wind zerre ich das Handy heraus, der Herbergsvater verlängert
für mich die Öffnungszeiten, eine einfache und gute Wegbeschreibung kann
er nicht bieten. Jedenfalls fahre ich zurück nach Argenthal. Vor einem
Haus sehe ich in der Dunkelheit ein kleinen Transporter, der gerade
ausgeladen wird. Ich frage nach dem Weg, der Fahrer meint, die JH liege
sowieso auf seinem Weg. Ich flüchte mich und das Fahrrad in den Wagen. Der
Transporteur hatte früher ein Bodybuilder-Studio für Amerikaner am
Flughafen Hahn, jetzt schlägt er sich durch mit Verteilen von
Anzeigenblättern. Und bringt mich wirklich zur Herberge.
Samstag, 20. März 2004: Sargothausen - Cochem - Koblenz - Bad Ems (120
km) Wind und Regen haben nachgelassen. Über die Hunsrück-Höhen
radle ich Richtung Moseltal. In das ich mich kurz vor Cochem
hinunterstürze. Ich treffe Ulrich. Kulturprogramm: Eine Führung durch die
Reichsburg Cochem. Danach: Musicalgeneralprobe mit Ulrich's Freundin,
Daniela. Beide bringen mich zurück zum Fahrrad, das an ein Verkehrsschild
zwischen Parkplatz und Rhein gekettet ist. Wetter besser. Der Radweg
wechselt bis Koblenz ein paar Mal die Uferseite, ohne dass der Grund zu
erkennen ist. In Koblenz umgehe ich das Deutsche Eck mit einer Abkürzung.
Komme so noch fast bei Tageslicht in Bad Ems an, wo die JH wie gewohnt
hoch am Berg liegt. Dort bemerke ich, dass ich den Schlüssel für's Schloss
verloren habe. So kommt das Rad in den JH-Keller und ich suche noch einmal
die Strecke in Bad Ems ab. Ohne Ergebnis. Ich versuche Ulrich anzurufen,
weil ich ihn beim Losfahren in Cochem verloren haben könnte. Erreiche nur
den AB.
Sonntag, 21. März 2004: Bad Ems - Diez - Hahnstätten -
Strinz-Trinitatis - Eschenhahn - Idstein - Mainz (110 km) Sonniger
Sonntag. An der Lahn mal unten mal ganz oben entlang. Ohne Schlüssel lässt
sich in den Pausen noch weniger machen. Ganz schlimm ist Coca-Cola light.
Der Magen spürt Zucker, aber es ist keiner. Das Hungerloch wird größer.
Zumal nach dem Aartal wieder Berge kommen, in denen sich der Fahrradweg
auf der Karte in Wäldern verliert. Dafür gibt es bei Sabine's Geburtstag
in Idstein leckeren Kuchen. Stärkung für den Heimweg, an dessen Ende
Ulrich meldet, dass Daniela noch einmal am Verkehrsschild nach meinem
Schlüssel gesucht, und einen mit dem grünen Ampelmännchen als Anhänger
gefunden hat. Meinen.
Prolog Tour 2: Mainz - Loreley (28.3.2004)
Sonntag, 28. März 2004: Mainz
- Loreley - St. Goarshausen (57 km) Ein kleiner Sonntagsausflug von
Rheinkilometer 500 in Mainz durch das Unesco-Weltkulturerbe Mittelrheintal
zum Rheinkilometer 555 an der Loreley. Die Schranke ist kurz hinter Bingen
heruntergefallen. Sie lässt genug Platz zum Umfahren. Miri will gleich
über die Gleise auf die andere Seite. Ist ja auch nur eine ICE-Strecke.
All das nur, weil wir übersehen haben, dass eine neue Fahrradbrücke bei
Bingen es neuerdings möglich macht, zwischen Bahn und Fluss zu bleiben.
Schon bei Kaub nehmen wir spontan die gerade ablegende Fähre zur anderen
Rheinseite. Der Radweg ist dort schlechter, wenn überhaupt vorhanden. Aber
wir wollen ja nur bis zur Loreley. Den 135-Höhenmeter-Aufsteig sparen wir
uns. Brentanos Loreley-Mädchen, das den Schiffern Unglück brachte, ist
nach ihrem Verzweiflungssprung in die Tiefe jetzt in Bronze gegossen auf
dem langen Landarm zu besuchen.
Tour 2: Loreley- Rhein - Mosel - Saar - Hunsrück - Nahe
- Bingen (10.-13.4.2004)
Karsamstag, 10.
April 2004: St. Goar - Koblenz - Cochem (90 km) Wir setzen den
sonntäglichen Ausflug zur Loreley fort auf der andern Rheinseite in St.
Goar. Miris Bedingung: Keine Etappen über 100 Kilometer. Bis Koblenz ist
es recht mühsam. Ich bin mürrisch, das Wetter ist stürmisch. Dann ergreift
uns der österliche Ostwind und treibt uns moselaufwärts. Gelegentlich ein
Lichtblick am Himmel. Richtig regnerisch wird es erst, als das Osterfeuer
in Cochem entfacht wird.
Ostersonntag, 11. April 2004: Cochem -
Traben-Trarbach - Bernkastel-Kues - Detzem (108 km) Mit dem
Ostermorgen ist die Sonne da und mit ihr die Wärme. Die Kirschen blühen
und der Wind treibt uns die Moselbögen entlang. Und den Berg hinauf, als
wir einen größeren Bogen abkürzen. Hier halten Miri auf dem Tourenrad und
mein Gurkenrad gleichermaßen gut mit. Eine Geduldsprobe bringt die
Quartiersuche. Erst pocht Miri auf das Erreichen der 100-Kilometer-Marke,
danach kommen keine Zimmer mehr. Wir strampeln weiter - bis sich in Detzem
in der warmen Abendsonne ein nettes Hotel direkt am Ufer findet.
Ostermontag, 12. April 2004: Detzem - Trier - Merzig -
Nonnweiler (134 km) Der wärmste, schönste, längste Tag. Sonnige
Frühlingsstimmung. Mittags an der Porta Nigra (Fotos oben und unten) und
bei Sankt Matthias in Trier. Kurz danach an der Saarmündung nach Süden
drehend. Das Saartal wird noch enger. Heute heißt die Geduldsprobe: Warten
auf die Mittagspause. Nirgendwo ist es zugleich schön, leer, sonnig und
windgeschützt genug. So verschiebt sich die Siesta bis in die Saarschleife
bei Ohrscholz. Trotz der Menschenmassen. Kurz hinter den Keramikwerken von
Villeroy & Boch verlassen wir das Flusstal, um über die Berge zur Nahe
zu kommen. Nonnweiler verheißt auf der Karte mehr als es halten kann. Echt
tot. Immerhin finden wir Gästezimmer.
Dienstag, 13. April 2004: Nonnweiler - Idar-Oberstein - Bad
Kreuznach - Bingen (116 km) Trüber und kühler. Mit kräftigen
Anstiegen. In recht verlassener Gegend. Kaum sind wir an der Nahe kann ich
mit der Torpedo-Drei-Gang-Schaltung am Gurkenrad immer seltener
umschalten. Als ich bei Tageskilometer 39 der Sache auf den Grund gehe,
wieder mal was Neues in Sachen Pannen: Der Rahmen ist gebrochen. Zumindest
angebrochen kurz vor dem Tretlager. Durchgerostet vor allem. Der Zug der
Gangschaltung hält alles noch halbwegs zusammen. Weiter geht's auf der
Megagurke. Als der Naheradweg mal wieder einen echten Anstieg im Programm
hat und ich aus dem Sattel gehe, kommt der endgültige Bruch (Foto links),
Tageskilometer 89. Ich kann ihn abfangen, schiebe den Rest hinauf. Und
wieder hinunter. Wir haben uns schon nach der nächsten Bahnstation
erkundigt, als ich noch einmal versuche ein paar Meter bis dorthin zu
radeln. Das Vorderteil wackelt gehörig hin und her. Mit einem kleinen
Stöckchen versuche ich die Bruchstelle zu stabilisieren. Funktioniert.
Voll konzentriert hocke ich auf der Gigagurke, umkurve jede kleinste
Unebenheit. So erleben wir noch radelnd die Salinen und Stiefmütterchen
von Bad Münster am Stein (Foto unten) sowie die Kurpracht von Bad
Kreuznach. Immer noch ist das Gigagurken-Fahren möglich. Bis Bingen, wo
sich der Kreis unserer Loreley-Tour schließt, bei Tageskilometer 119.
Macht 80 km mit gebrochenem Rahmen. Geht doch.
Route
Grün = Chris im März; Gelb = Miri
und Chris an Ostern; Rotes Kästchen = Übernachtung
Etappen Rhein - Mosel - Lahn - Aar - Saar - Nahe
(19.-21.3.; 28.3.; 10.-13.4.2004) |