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VG WORTTour 114: Mongolei: Ulaanbaatar - Charchorin (582 km)




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Mongolei: Ulaanbaatar - Charchorin (14.-28.9.2022)
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Ausrüstung: Bike & More
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Urlaub im September ist selten für uns. In diesem Jahr haben wir die Gelegenheit. In der Mongolei ist da die Reisesaison fast vorbei. Aber nur fast. Es kann durchaus ein bisschen frisch werden. Nachtfrost möglich. Der Gedanke kam, als mir meine Schwiegermutter das Buch von Birte Papenhausen gab: "Salz im Tee: Alltag auf Mongolisch - Begegnungen mit Menschen und Gott" aus dem Jahr 2020. Die Theatertherapeutin und Theologin schreibt sehr authentisch von Höhen und Tiefen ihres mehrjährigen Aufenthaltes in verschiedenen Gegenden der Mongolei. Das Interesse war da. Die Suche nach einer organisierten Tour oder zumindest Mieträdern vor Ort verlief leider im mongolischen Sand. So sollte es also eine klassische Tour mit Kochgeschirr, Zelt und eigenen Rädern werden.


Mittwoch, 14. September 2022: Flug Frankfurt - Ulaanbaatar

Es soll mal etwas stressfreier zugehen für uns am Flughafen. Wir wollen die Räder vorschriftsmäßig verpacken. Die Anschaffung eines Pedalschlüssels ist eine Voraussetzung. Auch wenn fürs erste Lockern die Werkstatt gebraucht wird. Bei Fahrrad Franz bekomme ich im alten Haus im Lager Kartons. Die sprengen aber die Größe unseres Autos. Jochen hilft und kommt in der Mittagspause kurz runter mit dem Wagen.
Im Hausflur komplimentieren wir die Räder in die Kartons. Wider Erwarten sprengen beide Lenker etwas die Pappe. Wird zugeklebt. Und noch ein Tipp von Jochen: Sonmerfeld Transfer bietet günstige Transporte zum Flughafen auch mit XXL-Kartons. Pünktlich ist der armenische Fahrer auch. Und am Terminal 2 geht es alles ganz schnell und einfach. Obwohl es mir nicht gelungen ist, die Räder anzumelden und vorab zu bezahlen.







Nach den Turbulenzen an den Flughäfen im wieder auflebenden Fluggeschäft nach Nachlassen der Corona-Infektionen sind drei Stunden Erscheinen vor Abflug das neue zwei Stunden. So gesehen sind wir trotz bester Vorbereitung so früh wie selten mit dem Check-In fertig. Die Schalter von Mongolian Airlines (MIAT) sind auch kurz darauf schon anderweitig belegt. An Terminal 2 kommen wir schnell zu unserem Abfluggate D5. Passkontrolle ist automatisiert, Handgepäck-Kontrolle am Gate D5-8 völlig leer. Unser Gate ist noch von einem Pegasus-Flug nach Istanbul belagert. Dann haben wir schöne Plätze mit Blick aufs Rollfeld. Vietnam Airlines steht da zum Beispiel rum. Erste Unannehmlichkeit: wir müssen das Gate räumen, um es neu zu entern mit Einbehalt der halben Boardkarte. Als wir uns gerade wieder niedergelassen haben die nächste Ansage. Unser Abflug ist von D5 nach D4 verlegt. Obwohl unsere halbstündige Verspätung schon lange angezeigt wird. Eigentlich müssen wir nur auf die andere Seite der Glasscheibe zur Linken. Aber wir müssen zurück aus dem kontrollierten Bereich und neu durch die Handgepäckkontrolle von D1-4. Wo es richtig voll ist. Jetzt stoßen offenbar auch viele Umsteige-Passagiere dazu. So ist die Maschine doch recht voll, überwiegend mongolisch. Das Abendessen allerdings nicht. Masken trägt maximal das Personal. Mit meinem frisch erworbenen Genesenenstatus fühle ich mich relativ immun.
Überraschend: die Route. Wir fliegen über Russland, Moskau. Trotz Kriegsboykott. Aber die Mongolei hat halt nur zwei Nachbarn: China und Russland.




Chinghis Khan International
Donnerstag, 15. September 2022: Ulaanbaatar-Airport - Zuunmod Road - Ulaanbaatar (56 km)

Die Mongolen nennen ihren neuen Flughafen wie den alten: Chinghis Khan International. Auch wenn der neue international New Ulaanbaatar genannt wird. Jedenfalls hinkt auch der neue mit seinen wenigen Gates und vier Gepäckbändern dem Reiche Dschinghis Khan an Monströsität etwas hinterher. Alle unsere Taschen und Räder tauchen auf. Sogar die große Gaskartusche. Was wird aus unseren Kartons? Es wäre ganz praktisch, da wir hier schon eine Rundtour machen, sie am Ende wieder für die Radverpackung zu nutzen. Wir überlegen sogar, mit dem Shuttlebus samt Rädern und Kartons in die Stadt zu fahren. Ich quatsche ein bisschen mit den Shuttlebusleuten. Die bieten an, die Kartons für wenig Geld in ihrer Garage in der Stadt zwischenzulagern und rechtzeitig wieder zum Flughafen zu bringen. Was gibt’s besseres? So können wir direkt am Flughafen starten.
Sich nach einer durchflogenen Nacht aufs Rad zu setzen erfordert schon ein bisschen Chuzpe. Andererseits: was soll man sonst an einem solchen Tag machen? Anfangs kommt eine zähe Steigung hinzu. Der von Google Maps im Fußgängermodus vorgeschlagene Weg verläuft bei genauerem Hinsehen vor Ort auf der Autobahn. Wir schlagen also einen Bogen. Weite, Steppe, sanfte Hügel. Bilderbuch-Mongolei. Hier und da Jurten, Pferde, Kühe, kleine Anwesen.




An der leicht bebauten Kreuzung eine Polizeistation. Wir fragen, ob wir uns an der Picnicarea niederlassen können. Das Klohäuschen benutzen wir gleich mit. Die karge Flora schafft wenig Sichtschutz an der Straße… Mit der neuen XXL-Gaskartusche produziert Miri das ein oder andere leckere Heißgetränk. In der Sonne ist es angenehm warm. Laut Wetterbericht der letzte Spätsommertag. Heute Nacht kommt mit der Regenfront ein Temperatursturz von rund zehn Grad.
Nach der Mühsal der ersten Kilometer und einer weiteren Kuppe gleiten wir dann leichter zwischen den nun höheren Bergen dahin. Die Straße hat keinen Randstreifen mehr und der Verkehr Richtung Hauptstadt nimmt zu. Vor allem LKW und SUV überholen uns. Nicht alle mit Wohlfühl-Abstand.
Die Straße unterquert die neue Flughafen-Autobahn und führt dann parallel zu ihr über die letzte Kuppe nach Ulaanbaatar. Weit streckt sich die Stadt mit ihren Hochhäusern samt Dunstglocke von West nach Ost im Tal. Als sich die Straße mit der Autobahn vereinigt wird sie endlich mehrspurig. Viele Neubauten. Auch die Steppe Arena. Steppe st. 18. Jh. Entlehnung aus dem Russischen. Der Verkehr wird dichter. An einer Kreuzung lässt ein Polizist mit rotem Zauberstab endlos den Linksabbiegern Vorfahrt bis hinter uns gehupt wird und wir uns über die Kreuzung mogeln. Dann kreuzen wir die Gleise der südlichen Spange der transsibirischen Eisenbahn. Links geht’s nach Moskau, rechts nach Peking. Rund zwölf Kilometer fahren wir auf der Hauptstraße in die Stadtmitte. Überwiegend auf der Busspur, wo sich Trolleybusse, Ecobus, Stadtbus und Reisebusse neben allen anderem rollenden Verkehr tummeln. Samt einigen wenigen jungen Radlern und einem EScooter-Fahrer. Großen Spaß macht das nicht. Im weitläufigen Zentrum finden wir ein Zimmer in einem angesagten Hostel. Die verdienen ihr Geld auch mit der Vermittlung von Touren ins riesige Land. Da sind wir mit unseren Rädern nicht die richtigen Kunden.
Abendspaziergang um nicht dem Jetlag zu erliegen. Den Transsib-Bahnhof finden wir nicht so richtig auch wenn eine Armada ausrangierter Loks, teils mit Stalin-Konterfei, seine Nähe unterstreichen. Viele Läden und Restaurants sehen nicht sehr einladend aus. Richtung Dschinghis-Khan-Platz wird es besser. Dort sind viele junge Leute unterwegs an diesem wohl letzten lauen Sommerabend des Jahres.








Freitag, 16. September 2022: Ulaanbaatar (19 km)

Blitze gefolgt von heftigen Donnerschlägen geben einen Vorgeschmack auf das, was uns draußen erwarten könnte. Beim Frühstück im Hostel berichtet uns ein Paar aus von Sankt Petersburg von fünf wilden Pferden, die sie in der Weite gesehen haben. Deren Nationalpark ist unser erstes großes Ziel außerhalb der Stadt. Sie sind so gut wie auf dem Heimweg via Zug, Bus, Flug, Bus, Zug. In ihren zwei Wochen hier waren sie vor allem in der Wüste Gobi. Der Türke aus Izmir macht eine Weltreise, die ihn demnächst nach Südkorea und Japan führen soll.
Über Dschinghis-Khan-Platz und Dschinghis-Khan-Museum radeln wir zum großen Komplex des Gandan-Klosters. Eine Ansammlung buddhistischer Tempel und Lehreinrichtungen, die bis ins 19. Jahrhundert zurückgeht. Wir können uns als einige der wenigen Tour relativ frei und ungezwungen bewegen. Miri setzt zahlreiche Gebetsmühlen in Bewegung. Und erwirbt eine mittelgroße Kerze. Überall wird gebetet und rezitiert. Die Mönche wirken unterschiedlich konzentriert. Manche Kinder sind darunter.
Kontrastprogramm auf dem großen ‚Schwarzen Markt‘. Das riesige Areal bietet ziemlich viel Konsum an überdachten Ständen und unter Planen. Wir lassen uns treiben. Auch Reit- und Jurtenzubehör ist zu haben, Instrumente werden uns vorgespielt und in der äußersten Ecke gibt es Fahrräder. Die besten kosten knapp 200 Euro. Nirgendwo ein Gepäckträger zu sehen.








Am Bahnhof schnuppern wir noch ein bisschen Transsibirischen-Luft. Drei Uhren hängen im Warteraum: Moskau, Ulaanbaatar, Beijing. Der Mittagsregen bleibt weg und auch am Nachmittag setzt der angekündigte schwere Dauerregen einfach nicht ein. Wir spazieren noch zum nahen Choijin-Tempel. Als Museum wirken Gebäude und Ausstattung vergleichsweise leblos. Die beiden heulenden Kinder eines mongolisch-schweizerischen Paars bringen noch am meisten Leben in den Ex-Tempel aus dem 19. Jahrhundert. Einige wertvolle Exponate gehen bis ins 17. Jahrhundert zurück. Dann ist Schließung und wir verlagern uns ins danebenliegende Restaurant Veranda. Die Hauptattraktion der Lonely-Planet, die Terrasse mit Blick auf die Museumstempelanlage ist angesichts des Wetters nicht zu nutzen. Creme brulée und Schokokuchen in italienischer Atmosphäre lohnen gleichwohl den Besuch.





Samstag, 17. September 2022: Ulaanbaatar - Altanbulag - 47°42'01.2"N 106°17'40.7"E (64 km)

Noch ein Anti-Jetlag-Tag scheint mir nicht schlecht. Unser Hostel ist allerdings ausgebucht. Also los. Aber erst zur Checkout-Zeit um elf Uhr. Die Regenfront hat tatsächlich Kälte mit sich gebracht. Es ist nur ein paar Grad über Null. Aber trocken. Die höheren Regionen der xy-Berge im Süden von Ulaanbaatar könnten von Schnee gekrönt sein. Aber die Wolken lassen das nicht genau erkennen.
Wir wählen eine etwas südlichere Strecke um wieder Richtung Westen aus der Stadt zu kommen oder. Am Winterpalast von Bodg Khan geht’s rechts auf der Dschinghis-Avenue Allerdings machen hier die Busse und der umfangreiche Samstagsverkehr das Fahren auch nicht leicht. Erst als die Straße hoch über dem Fluss Tuul Gol führt wird’s besser. Jetzt passieren wir riesige Hypermarkets, Malls, Food City. Bei einem Supermarkt halten wir um nochmal Bargeld zu tanken. Schwer zu sagen, was wir in den nächsten Tagen ausgeben können. Die „Bakery“ ist eine Enttäuschung: es gibt nichts wirklich frisches. Wie überall. Und die Preise sind eben zu allermeist Importpreise. Wir kreuzen unsere Strecke von vorgestern und rollen nun am alten Flughafen aus der Stadt. Rund 15 Plattenbau-Kilometer liegen hinter uns.
Wir wollen am Südufer des Flusses bis zum Chustai Nationalpark mit seinen Przewalski-Wildpferden. Den Park wollen wir von seiner Südseite her vom Flusstal über eine Pistenroute, deren GPS-Daten ich im Netz gefunden habe, erreichen.





Die Straße bleibt aber nicht unten am Ufer. Nach einem ersten kleinen Pass geht die für mongolische Verhältnisse intensive Besiedlung weiter. Sogar kleine Gemüsefelder und Gewächshäuser bekommen wir zu sehen.
Pause an einer Bushaltestelle. Jetzt macht sich die windige Kälte bemerkbar. Immerhin radeln wir mit Rückenwind. Ich verstärke meine Kleidung. Ziehe Sommer- und Winterhandschuhe übernander. In Bayartayn Hiid steht gar eine Fabrik. Dann geht es wieder in die Hügel hinauf. Kaum Verkehr. Entfernt glänzen einzelne weiße Jurten. Meist sind aber Kühe oder Pferde zu sehen, selten Ziegen. In Altinbulag endet überraschend der Asphalt. Da wo auf Google Maps ein breiter gelber Strich unverändert weitergeht, ziehen sich nun gelegentlich sandige Pisten dahin. GPS hilft auch hier, den Kurs zu halten und den richtigen Abzweig zum Fluss zu finden. Im trockenen Bett eines Zuflusses Pause Nummer zwei. Zwei Autos kämpfen sich über die Piste vorbei.
eine Brücke mit holzplanken führt tatsächlich über den Fluss, den wir gemeinsam mit rund 30 Kühlen überqueren. Wegen der Nähe zum Wasser zelten wir hier. Ein himmlischer Platz. Auch der Wind hat nachgelassen. Ein mongolischer Reiter kommt zum Sonnenuntergang vorbei. Miri nimmt ein Flussbad. Dann wärmt das Lagerfeuer. Ein Traum von Mongolei.








Sonntag, 18. September 2022: 47°42'01.2"N 106°17'40.7"E - Ungut-Turk-Grab - 47°26'41.2"N 105°44'28.9"E (62 km)

Mit dem aufgehenden Halbmond ist die Milchstraße nicht mehr in ganzer Pracht zu sehen. Miri schleppt heiße Steine aus der Glut in die Schlafsäcke, die bei null Grad an ihre Grenzen kommen.
Die Sonne lockt am Morgen aus dem Zelt. Wärmt und trocknet bald Zeltplane und Schlafsäcke. Die trockene Luft tut ihr übriges.
Vom Kartenstudium weiß ich, dass wir noch weitere Flussarme überqueren müssen. Wir radeln auf die nächste Brücke zu. Doch sie ist nur noch ein Gerippe aus Holzstämmen. Ein Fahrrad bekommt man da nicht mehr sicher rüber. Miri zieht die Schuhe aus und krempelt die Hose hoch. Erst ein Testlauf durchs kniehohe Wasser. Dann schiebt sie die beiden Räder hindurch. Ich darf über die Brücke klettern.
Kurz darauf eine breitere Furt mit reißenderem Wasser. Ein bisschen tiefer ist sie auch. Als wir gerade mit allem hindurchgekommen sind, treibt ein Hirte seine Pferdeherde mit dem Motorrad auf die Furt zu. Die Pferde haben wenig Lust auf das eiskalte Wasser. Werden letztlich hineingetrieben. Als alle Pferde an uns vorbeigetrabt sind, startet der Motorradfahrer mit hochgekrempelter Hose. Die Maschine wankt, der Motor säuft ab, kann aber am Ufer wieder gestartet werden. Hier kriegste was geboten. Ein wunderbarer Mongolei-Morgen.







Die Pfade durch die Wiesen sind nun unterschiedlich breit. Wir müssen sehen, dass wir die Richtung zur andern Talseite halten. Überall Viehherden und Jurten, denen wir aber eigenartiger Weise kaum nahekommen.
Mittagspause am der Biegung des Flusses. Die Lebensmittel werden langsam absehbar knapp. Wir kommen wegen der Flussquerungen nur langsam voran. Die vorerst letzte steht nun an. Fast schon Routine. Dann erklimmen wir die nördliche Piste. Auf der geht es nun meist besser Richtung West. Auf einem Motorrad kommt ein Mongole von seiner Jurte zu uns gefahren, um uns Tee und Joghurt anzubieten. Noch ist die Lage nicht so, dass wir dafür den weiten Weg zur Jurte auf uns nehmen.
Bei der nächsten Pause kommt eine Reha von SUVs vorbei, aus denen uns Touristen zuwinken. Kurz nachdem wir dann die ein oder andere Anhöhe der Ausläufer der seitlichen Berge genommen haben hält ein SUV mit zwei Deutschen und einem Fahrer. Aun aus Berlin unterrichtet ein Jahr an einer deutschen Schule in Ulaanbaatar. Tim hat als Heidelberger Geograph ein paar Wochen Permafrostböden im Norden des Landes untersucht. Alle drei sind extrem nett und wir plaudern eine Weile kreuz und quer.
Sie warnen uns noch vor Wölfen. Und Dachsen. Mit neuem Elan geht es wieder auf die Strecke. Das Seitental mit den wieder angesiedelten Wildpferden im Chustai Nationalpark lassen wir rechts liegen. Für uns ist auch so alles wild genug. Die Berge sind nun zurückgetreten auf der anderen Seite ist der Fluss recht weit weg. Uns treibt der Wind über die Ebene. Nirgendwo ein kleiner Schutz fürs Zelt. Eine bizarre Steinreihe quert den Weg. An ihrem Ausgangspunkt ein türkisches Grab aus dem 6./7. ??? Jahrhundert mit figürlichen Darstellungen. Rectangular grave and Kurgan stelae at Ungut complex Ungut Grave rectangular tombs The Ungut complex, a Turkik monument ensemble consisting of man stones and numerous tombs from the 6-8th centuries AD, in Hustain Nuruu National Park, Mongolia.
Als die Sonne schon hinter den Bergrücken verschwunden ist und wir schon die Wegbiegung an einer Bergspitze ins Visier genommen haben taucht völlig überraschend rechts ein tieferes ausgetrocknetes Flussbett auf. In dessen Schutz lassen wir uns mit dem Zelt nieder und essen die letzten Nudeln.








Montag, 19. September 2022: 47°26'41.2"N 105°44'28.9"E - Laden (47°19'14.7"N 105°17'57.2"E) - 47°19'45.7"N 105°13'02.2"E (64 km)

Die Nacht ist kalt. Zu kalt für meine dünne Thermarest-Matte. Die Kälte dringt vom Boden in die Knochen. Erst als ich eine Zeitschrift unterlege, ist es etwas besser. Die Sonne geht auf über dem eiskalten Morgen. Raufreif auf Sattel und Zelt, Eis in den Wasserflächen. Wir liegen auf den Breitengraden von Österreich - ohne den Golfstrom und mit freier Bahn von Sibirien. Miri begrüßt das einsame Schaf, das in unserer Nähe die Nacht verbracht hat.
Wieder ist es fast halb elf, als wir unseren Zeltplatz zurücklassen. Nach wenigen Kilometern führt meine auf Open Street Map zusammengebastelte Pistenroute aus dem Flusstal heraus in ein Seitental. Es geht kontinuierlich aufwärts. Auch hier Jurten und kleinere Viehherden. Plötzlich stelle ich fest, dass wir erheblich von der geplanten Route abgewichen sind. Auf der GuruMap sehe ich eigentlich nur unsere Route und uns selbst als blauen Punkt bzw. Pfeil. Wir hoffen noch zwei Kilometer lang, dass es einen Abzweig in die gewünschte Richtung gibt, aber die Bergrücken sind nicht sehr einladend. Zwei Kilometer zurück. Genau dort ist der ersehnte Abzweig. Acht sehr einsame Kilometer sind es über eine kleine Passhöhe, bis wir wieder on the right track sind. Pause. Miri pilgert mit leeren Flaschen zu einem von frischem Grün umgebenen Unterstand. Do auch hier kein Wasser Wir fragen uns immer mehr, wo das ganze Vieh mal an Wasser kommt. Ein Paar auf einem Motorrad kommt heran. Pro Stunde hatten wir etwa ein Fahrzeug heute Morgen. Die Frau trägt eine Gesichtsmaske, die sie aber bald abnimmt. Es ist inzwischen angenehm warm in der Sonne. Die beiden inspizieren unsere Räder. Wir daraufhin ihr Motorrad mit improvisierter Musikanlage. Leider haben wir keine gemeinsamen Sorachkenntnisse.





ch schmiere einige kleine runde Pumpernickelscheiben mit der Butter aus der Bordverpflegung im Flugzeug. Unsere Lebensmittelvorräte reichen absehbar nicht, das Wasser auch nicht. Obwohl wir inzwischen sparsamst mit allen umgehen. Nach der nächsten Passhöhe erfreut uns eine lange Abfahrt auf passabler Piste. Drei SUVs begegnen uns. In einem sprechen wir mit drei militaristisch gekleideten Russen aus Moskau und Sotchi. Einer hat eine Kamera mit Riesenobjektiv. Schastlivogo puti.
Die Abfahrt endet in einem sehr breiten Tal, in dem wir in der Ferne wieder einen Fluss sehen. Unsere Route bleibt aber zunächst auf dieser Talseite. Wieder Pause. Wieder sparsame Nahrungsaufnahme. Langsam geht die Piste nun durch die talmitte. Völlig untypisch: wir steuern plötzlich auf eine Art Gehöft zu. Kleine Gebäude sind Bretterbuden bilden einen Hof, in dem eine Jurte steht. Trotz der vielen Jurten in der Weite, sind wir noch an keiner direkt vorbeigekommen. Wir haben Hoffnung, hier zumindest Wasser oder Joghurt zu bekommen. Eine Frau taucht auf und reagiert nicht gerade euphorisch auf mein Stichwort Joghurt. Ich rufe Miri zur Verstärkung mit zwei leeren Wasserflaschen. Erst als ich demonstrativ meine Geldbörse zücke, kommt Bewegung in die mongolische Dame. Zu unserer Überraschung öffnet sie einen kleinen Lebensmittelladen. Wir können unser Glück kaum fassen. Völlig unerwartet können wir unsere Vorräte aufstocken für ein bis zwei weitere Tage.
Jetzt führt eine riesigbreite Kiespiste direkt auf den Fluss zu. Neben der Betonbrücke stehen noch Pfähle der früheren Holzbrücke. Auf der anderen Seite erwartet uns eine kräftezehrende sandige Strecke. Immer häufiger steige ich ab und schiebe. Ein Minitruck mit Familie hält bei Miri. Der Fahrer bettelt schließlich um Wasser. An einer Anhöhe entdecken wir hinter einer Kuppe mit Grabhügel einen sichtgeschützten Zeltplatz fast direkt an der Straße. Immerhin kann im sandigen Untergrund gut die Heringe in den Boden bringen. n London ist heute eine Königin beigesetzt worden. Wahrscheinlich. Wir sind seit drei Tagen offline. Teilweise ohne Mobilnetz. Nur GPS verbindet uns mit den globalen Kommunikationsmöglichkeiten.







Dienstag, 20. September 2022: 47°19'45.7"N 105°13'02.2"E - Undurshireet - 47°21'07.8"N 104°50'28.4"E (45 km)

Keine Frostnacht. Trotzdem kalt. Miri geht’s nicht so gut heute Morgen. Irgendwas ist ihr nicht so gut bekommen. Trocken Brot zum Frühstück. Fürs Radeln reicht‘s. Selbst auf dieser Piste. Die Wüste Gobi ist nicht allzu weit entfernt, aber wir sind nicht in ihr. Immer wieder sinken die Räder in den Sand. Wir müssen immer ganz genau gucken, wo der Untergrund am besten scheint und am wenigsten wellblechig. Oft gibt es mehrere Fahrspuren nebeneinander. Miri wählt mal eine näher am Fluss. Ich sehe sie enteilen. Offenbar hat sie die richtige Wahl getroffen. Dann sehe ich sie gar nicht mehr. Ich gurke weiter. Von einem etwas besseren Aussichtspunkt aus schaue ich die ganze Gegend ab. Ganz in der Ferne entdecke ich sie, deren Weg gerade von einer Schaf-Ziegen-Herde gekreuzt wurde. Hoffentlich führen unsere Spuren wieder zusammen. Am Horizont sieht man schon eine Weile einen kleinen Ort. Auf Karten hatte ich ihn nicht entdeckt. In der Nacht sahen wir die Lichter. Jetzt haben wir die zwanzig Kilometer fast geschafft. An der Zusammenführung der Wege entdecke ich Miri wieder kurz voraus.






Die rund 50 Gebäude des Ortes sind großzügig in der Fläche verteilt, viele sind von einem Bretterzaun umgeben. Eine Hauptstraße ist nicht zu erkennen. Ein Motorradfahrer führt uns zu einem Lebensmittelladen. Wir haben schon wieder Shoppingbedarf. Viele deutsche Waren sind im Angebot. Die Nuss-Nougat-Creme ist seit einem Jahr abgelaufen. In der Mitte eines Platzes steht die Wasserstation. Die Wirtin aus dem gegenüberliegenden kleinen Restaurant, das wir dem Ort gar nicht zugetraut hätten, holt extra Wasser um uns als Gäste zu gewinnen. Sie hält eine KeyCard an ein Lesegerät und kann dann den Wasser-Marsch-Knopf drücken. Anscheinend ist es die einzige Wasserquelle im Ort. Die Bank davor ist ideal für unsere Mittagspause. Vögel nutzen die kleine Pfütze, die die Wasserholer zurückgelassen haben Schweine tauchen auf und suhlen sich darin. Hier und da werden wir mit Hi gegrüßt. Aber damit scheinen die Englischkenntnisse erschöpft. Das GPS weist uns zwischen den vielen Spuren aus dem Ort auf die richtige Piste. Weniger sandig, dafür ansteigend bei heftigstem Gegenwind. Der bleibt uns bis zum Abend erhalten. Tagesdurchschnittsgeschwindigkeit: acht Stundenkilometer. Trotzdem fährt sich angenehmer als am Morgen. Die Piste ist viel fester. Eine Schlange sonnt sich darauf. Miri geht es besser. Dann stundenlang kein Fahrzeug. Am Talrand hier sind da in der Ferne noch eine Jurte.
Plötzlich sind wir etwas abgekommen von der GPS-Route. Wir machen eine Pause. Und könnten über Nacht hier bleiben, wenn wir einen guten Zeltplatz fänden. Nach vielen Kilometern auf freier Ebene ist hier überhaupt die Aussicht auf einen wind- und/oder sichtgeschützten Platz. Wir fahren ein paar hundert Meter zurück zur letzten Kreuzung. Doch auch die andere Strecke weicht von der GPS-Route ab. Möglicherweise stört die Stromleitung entlang der Strecke das Signal. Wir folgen der Piste an der Stromleitung und entscheiden uns dann doch noch für einen Zeltplatz hier. Weitere Stunden ohne Auto.







Mittwoch, 21. September 2022: 47°21'07.8"N 104°50'28.4"E - Erdenesant - 47°21'50.0"N 104°03'57.4"E (65 km)

Leise tröpfelt es aufs Zeltdach. Ein Blick nach draußen lässt uns sonnenverwöhnte schaudern: düstere Wolken allüberall. Schlafen wir weiter. Als es aufgehört hat beginnt die Morgenzeltroutine. Alles etwas langsamer, schließlich soll alles noch halbwegs trocken werden vor dem Einpacken. Die trockene Luft und der leichte Wind helfen. Und die ganze Zeit kein einziges Fahrzeug, das vorbeikommt. So gut wie keine Autospuren begleiten uns bergauf und bergab. Wir kommen immer wieder über 1400 Meter. Unregelmäßig gibt es Kilometersteine. Ich entdecke, dass die Gegenschraube vom Lenker locker oder weg ist. Vor Abflug hab ich sie nicht losbekommen, jetzt hat sie sich möglicherweise verselbstständigt. Jedenfalls wackelt der Lenker.
Wieder ein Blick in ein Tal: Riesige Felder überraschen uns. Noch nicht geerntet, obwohl die Kälte schon eingesetzt hat. Bevor wir zwischen den Feldern hindurchradeln müssen wir den Zaun, der sehr konsequent befestigt ist, öffnen. Hinter dem Ausgangstor liegt ein Gehöft mit riesiger Scheune. Die Wolken werden wieder düsterer. Schließlich machen wir alles regenfertig, obwohl wir dann doch kaum nass werden. Da sehen wir schon Erdenesant. Unsere erste „Stadt“ und das vorläufige Ende der Pistenfahrt. An dem Ort führt die Fernstraße von Ulaanbaatar nach xyz entlang. Im Ort heißt es erst, der Supermarkt sei geschlossen. Immerhin ist er auf. Und bald kommt Leben in den Laden. Eine Englisch sprechende junge Frau wird aus der anliegenden Wohnung herbeigerufen. Wir werden in der Küche hinterm Laden zum mongolischen Nationalgericht eingeladen: Bot??? Große Teigtaschen mit Fleischfüllung. Dazu Salat. Und es ist warm. Kein Wunder: hinter der Küche kommt eine kleine Backstube. Das frische Brot hatten wir schon vorne im Laden begeistert entdeckt.








An den Zufahrten der Fernstraße rein nach Erdenesant haben sich Tankstellen, Läden, Restaurants und sogar ein Hotel angesiedelt. Nicht zuletzt, weil viel Verkehr herrscht auf der zweispurigen Strecke. Schlimmer für uns: es fegt ein grimmiger Westwind und entgegen. Obwohl wir endlich wieder auf Asphalt sind, kommen wir nur im Schneckentempo voran.
Pause im Windschatten der ganz wenigen Felsen. Wir sind ein paar Meter hochgeklettert, während unten der Verkehr vorbeirauscht. Ein Sattelschlepper mit Container, Rückenwind und hoher Geschwindigkeit reißt mein relativ stabil stehendes Rad auf der Gegenseite um. Vorderes Schutzblech ist gespalten.






Donnerstag, 22. September 2022: 47°21'50.0"N 104°03'57.4"E - Ulaanshiveet - Khaan Urtuu - Elsen Tasarchai (31 km)

Der Schlaf bis neun tut gut. Es ist unsere bisher kälteste Zeitnacht. Mich retten zwei Wärmepflaster von Miri. Mein Test mit ihrer aufblasbaren Matratze ist kältetechnisch keine Verbesserung. Jetzt scheint die Sonne seit zwei Stunden aufs Zelt. Das Eis verschwindet. Ein älteres Paar kommt auf einem Motorrad vorbei. Wollen nur mal sehen, wer so da ist. Und kehren wieder um. Das passiert uns immer wieder mal bei Pausen. Der Nachbar von der anderen Seite des Feldes neben uns kommt mit seinem Auto vorbei. Gibt uns zu verstehen, dass seine Hunde unsere nächtliche Ankunft mit längerem Bellen begleitet haben. Als ich später eine Packung Kekse als kleine Wiedergutmachung vorbeibringen will, bellen sie mich an, lassen mich aber die Kekse mit einer Visitenkarte ins Auto legen. Der Bauer hat den Bauwagen mit den darum gruppierten Heuballenpyramiden offenbar zu Fuß verlassen.
Neun weitere Kilometer entdecken wir am Morgen am Rande von Ulaanshiveet ein Hotel. (A0301 - A0601 Rashaant???) Noch überraschender: die Raststätte Khaan Urtuu - Elsen tasarkhai. Wir sind plötzlich in der heimischen Konsumwelt. Fast Food, Service, Massen. Was für ein Kontrast. Wir genießen auf der Terrasse koreanische Gerichte. Hinter der Raststätte stehen Jurten und kleine Holzhäuser als Unterkünfte. Sehen sehr gut aus.





Vom Nachbartisch spricht uns Cedric an. Der Franzose ist mit einer Agrar-NGO unterwegs und hat lange hier gearbeitet. Bis Mitte Oktober hätten sie Touren im Land gemacht. Dann seien die Flussdurchquerungen so kalt geworden, dass man nach der ersten nie mehr warm geworden sei. Zuguterletzt sei er dann mit dem Rad von Ulaanbaatar in seine derzeitige Heimat Tbilissi gefahren. Wir wollen noch ein kleines Stück weiter. Wir nähern uns zwei konkurrierenden Attraktionen: dem xyz Gebirge mit Klöstern und den Wanderdünen, vulgo Mini-Gobi genannt - auch wenn die Wüste Gobi nicht primär eine Sandwüste ist. Das Gebirge würde einige Kilometer Piste bedeuten. Wir können uns nicht so recht entscheiden. Dann meine ich am Rand der Wanderdünen, die sich in einem kilometerbreiten Riegel vor uns erheben, ein Touristencamp und Kamele zu entdecken. Wir bekommen (als einzige Gäste) am frühen Nachmittag die Jurte, die dem Sand am nächsten ist. Barfuß können wir aus unsern Quartier auf die Sandberge steigen. Ein weiteres ungeplantes Highlight. Ger, sprich Gihr, doppelte Bedeutung Jurte und heim. Haus Familie










Freitag, 23. September 2022: Elsen Tasarchai - Khugnu Tarna - Khaan Urtuu - Elsen Tasarchai (40 km)

Wir bleiben. Die Sonne scheint, die Lage an den Dünen ist so schön und die erste Bettnacht nach fünf Zeltnächten hat gut getan. Und es gibt ja noch das nahe gelegene Gebirge mit Klöstern. Mittags radeln wir mit Minialgepäck los. Schneller als sonst kommen wir nicht voran. Im sandigen Vorland der Dünen stecken wir immer wieder fest, müssen schieben. Es ist mühsam aber rundherum alles großartig. Sanddünen, Berge, flache Wasserstellen mit Vögeln, Kamele.










Wir kämpfen uns bis zum Gebirge. Die gelbe, nicht richtig platzierte Googlemaps-Karte ist besser als die Sandpisten. Ein grandioses Felspanorama begleitet nun die Strecke. Dann führt eine Stichstraße hinein in die Berge. Am Talende verteilen sich die Gebäude eines Klosters malerisch am Hang. Der zentrale Tempel ist geöffnet. Eine türkis gekleidete Dame entzündet für uns eine Art Weihrauch. Sie scheint die ganze Anlage allein zu betreuen. Sehr schön sind zwei ältere, kleinere Tempel. Miri dreht mal wieder Gebetsmühlen. Auf direktem Weg radeln wir dann zur Fernstraße. Rund vier Kilometer Anstieg nehmen wir dort nochmal in Kauf um zur Raststätte zu kommen, wo wir schon gestern Mittag pausiert haben. Fürs Abendessen gehen wir diesmal zur mongolischen Fastfood-Kette Khaan Buuz ??? Das Bestellen ist schwieriger, das Bestellte bestens. Noch einmal zehn Kilometer bergab zu unserer Jurte. Die Anlage ist plötzlich belebt durch eine mongolisch-koreanische Gruppe, die gerade von einem Pferdeausritt zurückkommen. Nach unserm Radler-Sundowner in den Dünen, werden wir von denen noch zu koreanischem Bier eingeladen







Samstag, 24. September 2022: Elsen Tasarchai - Pass (1579 m) - Charchorin (81 km)

Nordwestwind weht uns heute entgegen. Nach den wenigen Kilometern auf der Straße durch die Sanddünen und dem Abzweig nach Charchorin bläst er uns mit voller Wucht ins Gesicht. Wir fahren konsequent im gegenseitigen Windschatten. Wechseln immer wieder. Es ist mühsam, anstrengend, kräftezehrend. Jede minimale Neigung der Strecke aus der Windrichtung heraus sehnen wir herbei. Aber auch als Seitenwind ist die Mühsal kaum geringer. Herankommende Fahrzeuge von hinten hört man kaum. Der Windlärm nervt. Nirgendwo ein Windschutz, nicht mal für eine Pause. Wir versuchen es im Straßengraben. Dann kündigt Googlemaps ein Hotel an, das nicht wirklich existiert. Pause zwei und drei dann im Windschatten der bis dahin einzigen Gebäude am Straßenrand. Dazwischen geht es mit gemächlicher Steigung auf den höchsten Pass der Tour: 1579 Meter hoch.




Schließlich noch einmal frontal gegen den Wind auf den letzten zwölf Kilometern nach Charchorin. Die weitläufige Stadt, die ein bel Touristenziel ist, ist bei Booking.com bisher nur mit Gaya‘s Guesthouse vertreten. Dank Googlemaps finden wir es etwas abseits der Straße. Gayas Mutter spricht kein Englisch, reicht mir das Telefon mit ihrer Tochter. Wir haben die Wahl zum gleichen Preis in der Jurte oder in einem einfachen Zimmer zu übernachten. Die Treppen zum ersten Stock sind völlig ungewohnt. Wir entscheiden uns für die Jurte. Zwischen den eng beieinander stehenden Rundzelten sitzt eine flämische Familie mit zwei Mädchen. Sie starten gerade eine neunmonatige Weltreise, die sie quer durch Asien und Australien/Neuseeland führen soll. Auch ein französisches Paar taucht auf, das bereits den Pamir-Highway geradelt ist und in wenigen Tagen den Radweg von Seoul nach Busan absolvieren will. Und: zwischen und in den Jurten gibt es Wlan. Eine ganze Woche waren wir offline. Auch das war großartig.






Sonntag, 25. September 2022: Charchorin: National Monument - Orkhon - .... (20 km)

Die Sonne scheint in den kleinen Frühstücksraum von Gayas Guesthouse. Zum ersten und einzigen Mal in der Mongolei entdecke ich Postkarten. Miri entdeckt ein paar Räume weiter ein paar Souvenirs: ein Gewand, Filzschuhe. Mal sehen. Beim Frühstück tauschen wir uns weiter aus mit der Travellerszene.
Ursprünglich wollten wir morgen noch rund 80 Kilometer nach Norden zum Ögii-See radeln. Doch nach der kräftezehrenden Windschlacht von gestern planen wir die Rückfahrt mit dem Bus für morgen. Haben so noch einen Tag in der Hauptstadt.
Bleibt heute ein Ausflug in und um Charchorin. Wir radeln zum Nationalmuseum von 2004, das deutlich älter wirkt mit den Karten der drei Weltreiche, die von der Mongolei ausgingen. Toll ist der Blick in das Orkhon-Tal. Auch dieser Fluss schlängelt sich in mehreren Armen durchs Tal. In den Auen liegen mehrere schöne Jurten-Camps.





Im Ort ist Sonntagsstimmung. Wenig Verkehr, die meisten Läden geschlossen. Das King Restaurant, die beste Adresse, ist okkupiert durch ein sehenswertes Seniorentreffen in Festtagskleidung. Gayas Mutter wird erst um ein Uhr nachts zurückkehren. Ein paar Meter weiter finden wir ein anderes mongolisches Restaurant. Auch die Xixo Cola schmeckt ok.
Dann das eigentliche Highlight von Charchorin. Als Karakorum war es kurz nach dem Tod von dshingiss Khan Hauptstadt des größten Weltreichs der Geschichte. Das Ausgrabungsfels bietet uns nicht viel, aber direkt daneben ist ein riesiges Klosterarreal, das an die Tradition anknüpfte und heute wiederbelebt wird. In Erdene Dsuu lebten einst 10.000 Mönche. Es gibt immer noch Tempel aus verschiedenen Epochen. Und ein Kloster mit Mönchen und Jungen. Zuguterletzt schaffen wir es auch noch zu einem Felsen in Phallusform, der am Ortsrand in einer kleinen Senke verehrt wird.
Den Sonnenuntergang kann ich heute alleine in Gayas Guesthouse-Camp genießen. Alle weg. Ich soll Jurten vermieten, falls Gäste auftauchen. Als Miri vom Shoppen zurückkommt, feiern wir noch mit Radler in den Geschmacksrichtungen Lime sowie Mango-Peach. Hochzeitstag.









Montag, 26. September 2022: Charchorin - Bus - Ulaanbaatar (12 km)

Die letzte Nacht in der Jurte ist kalt. Das Feuer im Ofen brennt nicht so gleichmäßig ab wie in der ersten Nacht. Aber mit dem Sonnenaufgang wird es schnell warm. Heute um die zwanzig Grad. Morgen noch wärmer.
Unsere Gastgeberin Gaya hat uns zwei Tickets für den einzigen Bus am Tag nach Ulaanbaatar besorgt und auch unsere Räder telefonisch angemeldet. Um 10 Uhr soll er losfahren. Wir sind eine halbe Stunde früher da. Der Busfahrer und sein Gepäckhelfer haben sehr genaue Vorstellungen, wie der Transport zu laufen hat. Leider haben wir auch hier zur Verständigung nur die Zeichensprache. Ich denke, sie wollen die Räder aufs Dach nehmen. Doch sie bestehen hartnäckig darauf, dass die Vorderräder abmontiert werden, um die Räder vor die Rückbank zu stellen. Der Gepäckraum ist sehr begehrt, während einzelne Sitzplätze frei bleiben.
Sechs Stunden dauert die 350-Kilometer-Fahrt. Nach zwei Stunden Pause bei Erdenensant??? In einem kleinen Restaurant gibt’s heiße Milch zum Essen. Die wenigen Milchprodukte in den Geschäften sind nach wie vor rätselhaft für uns. Nach zwei weiteren Stunden Pinkelpause auf offener Strecke.






Der Dragon Bus Stop liegt am westlichen Stadtrand von Ulaanbaatar, obwohl die Stadt längst weiter über ihn hinausgewachsen ist. Auch bei der Gepäckrückgabe hat der Busfahrer seine eigenen Vorstellungen. Taschen und Räder aus dem Innenraum dürfen erst später raus. Das dauert. Beim Installieren meines Fahrradkorbs fehlt eine Schraube. Auf Nachfrage rückt sie der Busfahrer heraus, der immer noch mit der Gepäckverteilung beschäftigt ist.
Wieder radeln wir wie schon am ersten Tag vom Flughafen auf der Peace Avenue die zehn Kilometer ins Zentrum. Bald versuchen wir auf den Bürgersteigen voranzukommen, weil die Fahrt auf der Busspur relativ gefährlich scheint. Die Überquerung mancher Kreuzung dauert ewig, weil Ampelschaltung oder Verkehrspolizisten nur sehr selten die Freigabe wechseln. Der Verkehr ist eine Katastrophe. Auf halber Strecke wechseln wir auf die Seoul-Straße. So kommen wir durch das Viertel unseres ersten Quartiers, dem Vision Tours Hostel. Kurz bevor wir es erreichen, ruft plötzlich in dieser riesigen Millionenstadt: „Christoph! Miri!“. Unglaublich: es ist Nyam, mit dem ich vor drei Monaten über Warmshowers mal Kontakt aufgenommen hatte, um mehr über Radverleihmöglichkeiten in der Stadt in Erfahrung zu bringen.
Im Vision Tours Hostel haben wir kein Zimmer mehr bekommen, aber ich will nach meiner Stirnlampe fragen, die ich hier meine verloren zu haben. Fehlanzeige. Überwiegend junge russische Männer füllen das Hostel bis zum letzten Platz. Die am vergegangenen Mittwoch verkündete Teilmobilisierung der russischen Streitkräfte für ihren Angriffskrieg in der Ukraine hat zu einer weiteren Flüchtlingswelle in die Nachbarländer geführt. Vor allem die mongolisch-stämmigen Buriaten fliehen nach Ulaanbaatar. Deshalb war bei Booking.com die Hostelszene fast komplett ausgebucht. So kommen wir zu einem besseren Hotelzimmer ohne Hostelatmosphäre aber mit besserem Preis-Leistungs—Verhältnis. Ich bin völlig im Eimer, während Miri noch einen Abendspaziergang macht.






Dienstag, 27. September 2022: Ulaanbaatar: Winterpalast des Bodg Khaan, Kathedrale St. Peter und Paul (23 km)

Die junge Frau an der Rezeption ist der Meinung, wir bräuchten zwei Taxis, um morgen samt der beiden Räder zum Flughafen zu kommen. Sie macht extra ein Foto von den Rädern für die Taxileute. Also bestellt sie uns zwei für 5:30 Uhr. 
Bleibt der Winterpalast des Bodg Khan, den wir zu Beginn der Tour nur im Vorbeiradeln sahen. Ein schönes Ensemble von Tempeln aus dem 19. Jahrhundert ???, wo besonders die Göttin Tara Miris Aufmerksamkeit auf sich zieht. Und einem russisch-europäischen zweistöckigen Bau von der Jahrhundertwende, dem eigentlichen Winterpalast. Auf einer Kartendarstellung vom Anfang des 20. Jahrhunderts sind auch zwei Radler dargestellt.
Heute ist Welttag des Tourismus. Gegenüber der großen Dschinghis-Khan-Darstellung am xyz-Platz ist eine Bühne aufgebaut für allerlei folkloristische Darstellungen. Die jungen Musiker und Tänzer posieren gern für ein paar Fotos. Drumherum Stände verschiedener touristischer Anbieter. Auch das Rad spielt eine gewisse Rolle. Ich gehe der Frage nicht mehr nach, ob wir nicht doch hätten Räder leihen können.







Mittagessen bei der Kette The New Nomad ??? Salz im Tee war der Titel des Buches, das wesentlich zur Entscheidung für die Mongolei als Reiseziel war. Der Tee erweist sich nun primär als gesalzene Milch mit Wasser und minimalem Teeanteil.
Nyam treffe ich noch am Nachmittag. Er hat lange in Deutschland gelebt und studiert. Er kann wunderbar viele unserer Beobachtungen einordnen und erklären. Ein angenehmer Nachmittag im Halbschatten auf der Terrasse bei deutlich über zwanzig Grad.
Zur Abendmesse radeln wir zwischen Plattenbauten, Jurten und Hochhaus-Baustellen raus zur Kathedrale St. Peter und Paul. Die große Kirche ist in Form einer Jurte gebaut. Von der Fassade grüßt der vor wenigen Wochen zum mit Abstand jüngsten Kardinal gekürte italienische Orts- (und Landes-)Bischof Giorgio Moreno??? Erst seit 30 Jahren existiert die römisch-katholische Kirche in der Mongolei offiziell. Überwiegend bestehen Gemeinde und Klerus aus Ausländern. Die Abendmesse zelebrieren zwei Priester vor allem vor ein paar koreanischen Ordensschwestern. Mit langer Werktagspredigt in Mongolisch.
Zum Abendessen sind wir mit Anu verabredet. Die deutsch-mongolische Sozialarbeiterin erzählt von ihrem faszinierenden Leben zwischen den Welten, angefangen von ihrem Vater, der aus der DDR einst nach Ulaanbaatar geschickt wurde.






Mittwoch, 28. September 2022: Ulaanbaatar - Taxi - Ulaanbaatar-Airport - Flug - Frankfurt - Taxi - Mainz

Die Taxifahrer warten schon, als ich kurz vor halb sechs mit der ersten Gepäckhälfte mit dem Lift hinuntersause. Drei Leute sind gekommen. Ich montiere beide Vorderräder aus und schon passen die Räder gemeinsam in ein Auto.
Wir sitzen im anderen Auto. Wie bei den allermeisten Wagen hier, ist das Steuer auf der rechten Seite trotz Rechtsverkehr. Nyam hat mir erzählt, dass es sich um japanische Gebrauchtwagen handelt. Weil es eine zeitlang subventioniert wurde, sind viele mit Hybrid-Antrieb darunter. Auch hier im Cockpit ist alles auf Japanisch. Der junge Fahrer hat einen anderen Musikgeschmack als der Busfahrer vorgestern.
Im Morgengrauen erreichen wir den Flughafen zu dem eine dreispurige Autobahn führt. Die spannende Frage: Sind unsere Radkartons und die Riesenplastiktasche wie vereinbart da? Nein! Der ganze Taxischalter ist tot. Macht erst um halb elf auf. Sie haben uns komplett verarscht.
Was tun? Wir schieben die Räder zum Wrapping Service, wo viele Fluggäste ihre Koffer oder Pakete meist ohne erkennbaren Sinn vielfach drehend in Zellophan einwickeln (lassen). Jetzt sind wir auf sie angewiesen. Und sie sind wahnsinnig engagiert. Aus unerfindlichen Gründen wollen sie die Vorderräder zurückklappen. Sei‘s drum. Meine Erfahrung von xyz , dass die Wrappingmaschinen nicht taugen für die Verpackung der Räder wird eindrucksvoll widerlegt.




Kein puncture auf all den Pisten und Wüstenstrecken und




Route Mongolei: Ulaanbaatar - Charchorin



Blaue Linie = Touren-Route; Grüne Markierung = Start und Ziel der Etappen

Etappen Mongolei: Ulaanbaatar - Charchorin (15.-27.9.2022)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 15.9.2022 Ulaanbaatar-Airport Ulaanbaatar 56
2. 16.9.2022 Ulaanbaatar 19
3. 17.9.2022 Ulaanbaatar Altanbulag 47°42'01.2"N 106°17'40.7"E 64
4. 18.9.2022 47°42'01.2"N 106°17'40.7"E Ungut-Turk-Grab 47°26'41.2"N 105°44'28.9"E 62
5. 19.9.2022 47°26'41.2"N 105°44'28.9"E Laden (47°19'14.7"N 105°17'57.2"E) 47°19'45.7"N 105°13'02.2"E 64
6. 20.9.2022 47°19'45.7"N 105°13'02.2"E Undurshireet 47°21'07.8"N 104°50'28.4"E 45
7. 21.9.2022 47°21'07.8"N 104°50'28.4"E Erdenesant 47°21'50.0"N 104°03'57.4"E 65
8. 22.9.2022 47°21'50.0"N 104°03'57.4"E Ulaanshiveet - Khaan Urtuu Elsen Tasarchai 31
9. 23.9.2022 Elsen Tasarchai Khugnu Tarna - Khaan Urtuu Elsen Tasarchai 40
10. 24.9.2022 Elsen Tasarchai Pass (1579 m) Charchorin 81
11. 25.9.2022 Charchorin 20
12. 26.9.2022 Charchorin Bus Ulaanbaatar 12
13. 27.9.2022 Ulaanbaatar 23
Summe 582




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