 
Mid summer night dreams
Live-Ticker-Diary & Routen-Karte &
Etappen-Übersicht Mainz - Nordkap - Lofoten (23.6.-18.7.2001)
Deutschland:
Mittelgebirgs-Hopping und Kanal-Leinpfade
Samstag, 23. Juni
2001: Mainz - Idstein - Grävenwiesbach - Gießen - Marburg - Gilserberg
(154 km) Frühstück in Idstein. Bei Heinrich. "Diesmal hast du aber
ein stabileres Fahrrad gekauft." Sekunden später bricht beim Abschied der
Fahrradständer. In Gießen bekommt das Rad einen neuen. Der Händler
analysiert Materialschaden.
Sonntag, 24. Juni 2001: Gilserberg -
Wabern - Kassel - Hannoversch Gmünden - Göttingen - Northeim (137
km) Sonntag, Tankstellen-Ernährungstag. Dankbarkeit für die
Auto-Infrastruktur. Aus der Serie "Schilder, die es nur in Deutschland
gibt": "Grillplatz Ausfahrt".
Montag, 25. Juni 2001: Northeim -
Salzgitter - Zweigkanal - Mittellandkanal - Elbeseitenkanal - Uelzen (180
km) Im Laufe des Tages brechen mehrere Speichen des Hinterrads. Am
Nachmittag auf den Leinpfaden entlang der Kanäle bricht die Halterung des
Vorderlichts. Schild des Tages: "Mäharbeiten".
Dienstag, 26.
Juni 2001: Uelzen - Elbeseitenkanal - Elbe - Lübeckelbekanal - Lübeck -
Scharbeutz (149 km) Uelzen, "in the middle of nowhere": Henrik und
Dörtes Fahrradhändler um die Ecke ist im Urlaub; bleibt mir der
Innenstadt-Händler. Er montiert ein neues Hinterrad (alle entstandenen
Kosten wurden übrigens von der Firma Staiger später beglichen), ich schaue
mir den Hundertwasser-Bahnhof samt Ausstellung an. Der Lübeckelbekanal ist
der schönste, endet nur leider an einem unüberwindlichen Bauzaun.
Der Elsässer in
Dänemark
Mittwoch, 27. Juni 2001: Scharbeutz - Grömitz -
Burg auf Fehmarn - Puttgarden - Fähre - Rodbyhavn - Vordingburg (156
km) 715 km Deutschland gehen zu Ende. Nach Mittelgebirgs-Hopping
und 230 km autofreier Kanalstrecke Fähre nach Dänemark. Schöne, breite
Fahrradwege, bestens beschildert. In der Jugendherberge analysiert ein
elsässischer Rentner bei mir einen Mangel an technischer
Leidenschaftlichkeit, souffrance technologique. Steh ich
zu.
Donnerstag, 28. Juni 2001: Vordingburg - Kopenhagen -
Helsingör - Fähre - Helsingborg (151 km) Nach ein paar gemeinsamen
Kilometern mit dem Elsässer samt Fahrradtausch bin ich mit meinem Velo
glücklich und werde von ihm zum Abschied gefilmt. Wegen der extraordinären
Haltung. Fototermin bei der Meerjungfrau und nach 202 km Dänemark geht's
mit der Fähre nach Schweden. Zur Einstimmung kostet die erste Nacht in der
Jugendherberge 100 Mark. Ohne Bettzeug oder Handtuch, versteht
sich.
Ikea-Country
Freitag, 29. Juni 2001:
Helsingborg - Värnamo (176 km) Südwind. Ich fliege. Die erste Woche
ist um. 1100 km, genau eine halbe Million Radumdrehungen. Alles im
Plan.
Samstag, 30. Juni 2001: Värnamo - Jönköping - Hjo (144
km) Die Frischluft-Dauertherapie macht allergisch gegen die Raucher
auf der Tanzfläche unterm Baum.
Sonntag, 1. Juli 2001: Hjo -
Askersund - Nora (170 km) Die Jugendherberge besteht aus drei
Nachtwagen-Eisenbahnwaggons direkt am See. Stretching auf dem Bootssteg
und dann per Kopfsprung ins Wasser. Obwohl ich erst auf der Höhe von
Stockholm bin, ist es die ganze Nacht taghell. Und der erste
Mückenstich.
Montag, 2. Juli 2001: Nora - Björsjö - Ludvika -
Falun (162 km) Schwedens Nationalfahrradweg "Sverigeleden" führt
mich in den Wald. Ganz schön bergig und Wind von allen Seiten. Meine
Gangschaltung, die trotz mehrfacher Reklamation noch nie hundertprozentig
hinhaute, schränkt ihren Service erheblich ein. Ärger. Am Nachmittag läuft
dann wieder alles leichter, die Gangschaltung brauche ich
kaum.
Dienstag, 3. Juli 2001: Falun - Sundborn - Edsbyn - Färila
- Hovra (181 km) Schön warm. Am Nachmittag 60 km menschenleere
Nebenstrecke. Und überall Seen. Mal links, mal rechts, mal links und
rechts. Endlos. Die Hälfte der Strecke liegt hinter
mir.
Mittwoch, 4. Juli 2001: Hovra - Karböle - Ytterhogdal -
Östersund (202 km) Nach langem Umfahren komme ich am späten
Vormittag auf die Nationalstraße 45, die mich die nächsten Tage bis
Finnland führen soll. Aber auch hier wenig Verkehr. Sonne und Südwind im
Rücken treiben mich 202 km nach Östersund, der letzten großen Stadt
(59.000 Einwohner).
Läppisches
Lappland
Donnerstag, 5. Juli 2001: Östersund - Strömsund -
Dorotea (171 km) Kalter Seitenwind aus den Bergen. Die Fleece-Jacke
mit Windmembran muss raus. Am Abend in Lappland. Die Mückenstiche
verdoppeln sich täglich. Immerhin sind Mücken und Stiche kleiner als bei
uns. Heute versuche ich es mit einer Aura aus Autan.
Freitag, 6.
Juli 2001: Dorotea - Vilhelmina - Storuman - Sorsele (198
km) Rentiere am Straßenrand. Die Strecke bewegt sich kontinuierlich
auf 400 m Höhe, die höchsten Erhebungen sind die Brücken über die
Eisenbahn. Zwei Wochen sind um, zwei Drittel der Strecke auch. Ein Camper
aus Idstein kommt von den Arctic Open auf dem nördlichsten Golfplatz der
Welt in Narvik. Als einziger Ausländer hat er den 24-Stunden-Golf-Marathon
mitgespielt. 
Samstag, 7. Juli 2001: Sorsele - Arvidsjaur -
Kabdalis (181 km) Teilweise mehr Rentiere als Autos auf der Straße.
Auf Hupen reagieren sie nicht, vor mir fliehen sie. Am Nachmittag kann
sich sogar mein Regenzeug profilieren. Nach ungezählten Jugendherbergen,
resp. "Vandrarhemen", die allerdings weder was mit Jugend noch mit Wandern
zu tun haben, meine erste "Stuga" - eine kleine
Holzhütte.
Sonntag, 8. Juli 2001: Kabdalis - Jokkmokk - Porjus -
Gällivare (152 km) Über den Polarkreis. Bis zum Nordkap geht die
Sonne nicht mehr unter. Auf den letzten 50 km vor Gällivare nur eine
einzige Holzhütte am Wegesrand. Geräucherten Fisch gibt's dort.
Exzellent.
Montag, 9. Juli 2001: Gällivare - Vittangi -
Karesuando (209 km) Immer noch Asphalt, aber der Frost hat alle 30
bis 50 Meter Risse quer zur Fahrbahn produziert. Horror für die Felgen. Am
Abend endlich an der schwedisch-finnischen Grenze.
Dienstag, 10.
Juli 2001: Karesuando - Enontekiö - Kautokeino (152 km) Morgens
Schweden, mittags Finnland, abends Norwegen. Tundra. Ein paar
Birkenbäumchen, sonst nichts. Jedes Anhalten wird mit mindestens fünf
Mückenstichen bestraft.
Der Kampf zum
Kap
Mittwoch, 11. Juli 2001: Kautokeino - Alta (133
km) Dauerregen. Eiskalt. Endlich am Meer.
Donnerstag, 12.
Juli 2001: Alta - Skaidi - Olderfjord - Sarnes (198 km) Steigungen,
Gegenwind, Kälte. Ein Odlo-Hemd wird zum Kopftuch unterm Helm. Die Insel,
auf der das Nordkap rumsteht, ist seit zwei Jahren per Tunnel zu
erreichen. 7 km lang, 212 Meter unter dem Meeresspiegel. Bei schwacher
Beleuchtung, Höllenlärm und Eiseskälte geht es erst 3 km mit 9 Prozent
Steigung abwärts, dann 3 km mit 10 Prozent Steigung aufwärts. Ein
begrenztes Vergnügen. 
Freitag, 13. Juli
2001: Sarnes - Honningsvag - Nordkap (40 km) Bleiben 40 km. Mit
tausend Höhenmetern. Und Windstärke 9, 10, 11. Einmal fegt mich der Wind
von der Fahrbahn, das nächste Mal in die Leitplanken. Ich schiebe. Dann
Abfahrten mit 67 Stundenkilometern. Dann wieder Seitenwind, der für
Sekundenbruchteile nachlässt, wenn ein Bus vorbeifährt. Gegenlenken in die
Luftwirbel am Ende, sofort auf die andere Seite werfen, wenn der Wind
wieder mit voller Breitseite über die völlig kahlen Höhen pfeift. Fünf vor
zwölf bin ich am Ziel. Nichts als ein Felsen und ein Besucherzentrum für
50 Millionen Mark. Drei Stunden später beginnt die Rückfahrt per Bus nach
Alta. Jetzt vielleicht noch die Kür: Ein paar Fjorde rüber zu den
Lofoten...?
Extension:
Lofoten
Samstag, 14. Juli 2001: Alta - Soerkjosen (179
km) Nachts um 2 Uhr, bei strahlendem Sonnenschein versteht sich,
nach zwei Gläsern Bier - Kostenpunkt 13 D-Mark, pro Glas - und der
Feststellung, dass das Rad mehr unter dem Bustransport als unter der
Strecke gelitten hat, fällt die Entscheidung, dass das Radeln noch ein
bisschen Richtung Lofoten weiter geht. Sogleich die Belohnung: traumhafte
Fjorde.
Sonntag, 15. Juli 2001: Soerkjosen - Olderdalen - Fähre
- Lyngseidet - Bardufoss (170 km) Eine Fahrt am Meer entlang wie
mitten durch die Alpen. Zig Gletscher kalben mehr oder weniger direkt ins
Meer. Leider liegen zwischen den Fjorden immer mehr oder weniger hohe
Pässe.
Montag, 16. Juli 2001: Bardufoss - Narvik (120 km)
Immer wieder stundenlanger Regen. Zwei Stunden Aufwärmen. Und ein
gnadenloses Auf und Ab; erst über Pässe, selbst nachher entlang des Fjords
nach Narvik. 
Dienstag, 17. Juli 2001: Narvik - Skarberget - Fähre
- Bognes - Skutvik - Fähre - Svolvaer - Kabelvag (142 km) Eine
Engländerin radelt durchs Land mit gebrochenem Bein samt Krücken. Endlich
wieder Sonne. Alles traumhaft. Am Abend auf den Lofoten bei km
4007.
Mittwoch, 18. Juli 2001: Kabelvag - Valberg - Å i Lofoten
(137 km) Ein Tag quer über die Lofoten bis zum ultimativen Ende,
dem Örtchen mit dem Namen A (genauer A mit Kringel drüber: Å).
Enttäuschend nur in sofern, weil nicht noch traumhafter als am Tag zuvor.
Hier geht's nicht mehr weiter. Zurück nun mit Schiff, Zug, Zug, Schiff und
Zug, mit einem kleinen Zwischenstopp in Oslo. 50 Stunden Fahrt in vier
Tagen bringen mich zurück nach Mainz.
Route

Mainz - Nordkap + Extension:
Lofoten
Etappen Mainz - Nordkap - Lofoten
(23.6.-18.7.2001) |