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VG WORTTour 78: Mainz - Jagst - Kocher (528 km)


Auf der Altrhein-Fähre bei Mannheim
Auf der Altrhein-Fähre bei Mannheim

Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Mainz - Jagst - Kocher (4.-8.5.2016)
An Rhein und Neckar nach Hohenlohe

Auf dem Weg zum Tauber-Radweg sind wir vor Jahren zum ersten Mal auf den Kocher-Jagst-Radweg aufmerksam geworden. Er tauchte dann immer wieder auf. Bis ich mich mal näher damit beschäftigt habe: zwei Flüsse, die in Bad Friedrichshall in den Neckar münden und von den Quellen an parallel durch Hohenlohe verlaufen (Karte weiter unten). Warum also nicht diesen Rundkurs mit seinen 332 Kilometern in Angriff nehmen? Besonders verheißungsvoll: obwohl die Flüsse nicht allzu lang und breit sind, soll der Radweg weitgehend im Tal verlaufen. Und er soll weitgehend asphaltiert sein. Auch das für kleinere Radwege alles andere als selbstverständlich. Das lange Wochenende über Christi Himmelfahrt bot da eine gute Gelegenheit. Mit Anfahrt von Mainz über Rhein und Neckar. Wobei der Kocher-Jagst-Radweg für uns zu einem Jagst-Kocher-Radweg wird.

Deuter- und Ortlieb-Rucksack im Fahrradkorb an einem Rapsfeld bei Mainz-Bretzenheim Rhein revisited
Mittwoch, 4. Mai 2016: Mainz - Gustavsburg - Gernsheim (59 km)

Im Anschluss an die Arbeit machen wir eine Sternfahrt zum Bahnhof Gustavsburg. Miri aus den Höhen von Wiesbaden, ich aus den Höhen von Mainz. Wie durch ein Wunder treffen wir zeitgleich vor dem kleinen Bahnhof ein. Heute folgen wir dem Rhein-Radweg rechtsrheinisch aufwärts. Hier identisch mit dem Hessischen Fernradweg R6. Im Grunde kennen wir die Strecke, weil wir sie vor einigen Jahren schon einmal bzw. mehrfach gefahren sind. Aber das ist eben schon eine Weile her. Es hat sich tatsächlich was geändert: inzwischen ist der erste Teil fast durchgängig asphaltiert. Vor Jahren sind wir noch im Schlamm stecken geblieben, nachdem wir auf den Dämmen und Deichen von der richtigen Strecke abgekommen waren.

Chris on the Bike an einem Rapsfeld am rechtsrheinischen Rhein-Radweg zwischen Gustavsburg und Erfelden Heute läuft alles wie am Schnürchen. Auch wenn irgendwann der neue Asphalt wechselt mit älteren Platten. Auf denen lässt sich aber auch ganz gut fahren. Bei meiner Gabel ist inzwischen mehr Dämpfung eingestellt. Auch die neuen Handschuhe von der jüngsten Tour nach Passau dämpfen die Erschütterungen. Und: Sonne. Nicht extrem warm heute, aber sehr, sehr sonnig. Nur ein paar Schönwetterwolken am Himmel. Und überall blüht der Raps (Fotos links und rechts).
In Gernsheim haben wir nach 59 Kilometern genug für heute. Das Hotel Rheingold liegt direkt an Fähre und Fluss. Auf der Terrasse vor dem Hotel und direkt am Wasser genießen wir mit vielen anderen die tief stehende Sonne bei Fischsuppe und dem ein oder anderen Gläschen Wein. So schön kann ein Mini-Kurz-Urlaub sein (Fotos unten).


Fischsuppe am Rhein im Hotel Rheingold in Gernsheim
Fischsuppe am Abend

Fahrräder und Miri im Gegenlicht in der Abendsonne am Rhein in Gernsheim
Ankunft in Gernsheim

Miri et al. in der Abendsonne auf der Terasse vor dem Hotel Rheingold in Gernsheim
Miri in der Abendsonne von Gernsheim


Ankunft der Altrheinfähre bei Mannheim Das Potenzial der Neckar-Mündung
Donnerstag, Christi Himmelfahrt, 5. Mai 2016: Gernsheim - Mannheim - Heidelberg - Eberbach (109 km)

Auch das Frühstück genießen wir mit Blick durch eine durchgehende Glasfront auf den Rhein. Die Sonne scheint auf das Feiertags-Panorama. Zwei weitere Radler stärken sich am Frühstücksbuffet. Sie wollen heute nach Mainz. Haben wir ja gestern auch gemacht. Nach Feierabend.
Eigentlich wollten wir heute an der Bergstraße entlang fahren. Aber der Rhein-Radweg lockt mit seiner Natur- und Wassernähe. Ein ruhiger, sonniger Morgen. Betonplatten weisen uns den Weg. Wo auf meiner Karte noch unbefestigte Passagen markiert sind, ist alles inzwischen asphaltiert. Die besten Teilstrecken. Hier und da ein Storch (Foto ganz unten).
Bei Rosengarten, dem rechtsrheinischen Pendant zu Worms, führt der Radweg ab vom Rhein. Langsam nimmt der Feiertags-Radverkehr zu. Die ersten bierseligen Vatertags-Bollerwagen-Teams tauchen auf. Hält sich aber hier und heute mehr im Rahmen als vor drei Jahren bei unserer 100-Schlösser-Münsterland-Tour an Christi Himmelfahrt.
Mannheim mit Hafen und Industrie lockt uns nicht allzu sehr. Wir entscheiden uns für eine kleine Fähre über den Altrhein (Foto links), die uns auf eine Insel führt. Die Fährfahrt ist Entschleunigung pur. Einige Radler sammeln sich hier. So können wir uns fotografieren lassen (Foto ganz oben).
Die Insel ist wunderbar grün mit Blick auf die Ludwigshafener BASF-Skyline auf der andern Rhein-Seite (Foto unten). So kann man das gut ertragen. Die Neckarmündung naht. Deren touristischer Ausbau hat noch viel Potenzial. Punktum ist immerhin der Start des Neckartal-Radwegs markiert. Der führt bald auf die linke Neckar-Seite. Auf den Ufer-Wiesen haben sich in der Sonne viele Gruppen niedergelassen. Und auf beiden Neckar-Seiten tummeln sich Radler, Jogger und Spaziergänger. Am Stadtrand bleiben vor allem Radler übrig (Foto rechts). Die ganze Strecke bis Heidelberg ist dichter Radler-Verkehr. Die Gartenlokale sind überfüllt. Prächtige Stimmung schon zur Mittagszeit.

Miri unter Platanen auf dem Neckarradweg in Mannheim Wir machen einen Schlenker zum Fuß des Odenwald-Bergmassivs nach Dossenheim. Um an Miris Studien-Domizil in Handschuhsheim vorbeizufahren. Die Ex-Vermieterin ist gerade am Tor des ehemaligen Bauernhofs zugange. Und klagt, wie könnte es im Ländle anders sein, über die ihrer Ansicht nach mangelnde Müllsortierung ihrer Mieter.
Miri führt mich durch ihre Heidelberg-Locations. Das gipfelt in einem Besuch des persischen Imbiss Persepolis. Die Ruinen haben wir gerade vor einem halben Jahr besucht. Zu Miris Studienzeiten 1999 gab es hier nur zwei Gerichte, inzwischen eine ganze Palette. Die persische Bedienung ist sehr nett. Und dann taucht auch noch ein Iraner vom Persischen Golf aus Bushher auf, der in New York City lebt. Er interessiert sich sehr für unsere aktuellen Eindrücke aus seiner Heimat. Und hält unsere Radreisen zwischen New York und dem Persischen Golf für spirituell besonders bereichernd.
Es geht weiter neckaraufwärts. Die zehn Kilometer bis Neckargemünd auf der rechten Neckar-Seite sind etwas mühsam. Der "Radweg" ist ein schmaler Bürgersteig, auf dem im Zweifelsfall auch Radler noch entgegen kommen. Vor allem rauscht jede Menge Verkehr an uns vorbei. In Neckargemünd führt der Neckar-Radweg über die Brücke wieder auf die Süd-Seite des Flusses. Jetzt ist es wesentlich schöner und angenehmer. Weitgehend ist es ein einsamer Radweg durch die Wälder direkt am Fluss entlang. Und immer noch scheint die Sonne. Wärmer als gestern, schon fast sommerlich.
Im Zentrum von Eberbach sammeln sich Radler und andere Feiertags-Bewegten vor dem Eis-Café. Ein wunderschöner Tag klingt aus. Und weiter auf der Neckar-Terrasse unseres Hotels. Und seiner Sauna-Landschaft.


Chris on the Bike vor der Skyline von BASF Ludwigshafen
Vor der Skyline von BASF Ludwigshafen

Chris on the Bike auf dem Neckar-Radweg
Auf dem Neckarradweg

Chris on the Bike auf einer Neckarbrück in Mannheim mit Fernsehturm
Mannheim


Baustelle auf dem Neckar-Radweg zwischen Eberbach und Bad Friedrichshall Rhapsody in Gelb und der Götz
Freitag, 6. Mai 2016: Eberbach - Bad Friedrichshall - Jagsttal - Kloster Schöntal (94 km)

Miri muss heute arbeiten. Ich konnte kurzfristig frei nehmen. Danke, Mike! Miri nimmt um 7.43 Uhr den Zug in die Heimat. So sitze ich auch schon um acht Uhr auf dem Rad. Der Radweg verläuft weiter fast durchgängig auf der linken Neckar-Seite. Zur frühen Morgenstunde ganz leer. Immerhin schon 15 Grad. Ein Tag wärmer als der andere.
Es gibt ein paar Baustellen auf dem Radweg. Eigentlich ist der Radweg da gesperrt. Die Umleitung ausgeschildert. Aber man kommt doch überall durch. Die Bauarbeiten ruhen weitgehend am heutigen Brückentag (Foto links). Ansonsten strotzt der Radweg vor Frühlingsgrün und Ruhe (Fotos unten).
Der Netto von Haßmersheim bereitet mir das Frühstück. Das ich dann am dortigen Neckarufer genieße. Ein Netto-Prospekt bietet eine Kreuzfahrt nach Kuba und Jamaika mit ein paar Tagen Aufenthalt auf den Inseln. Da könnte man dann ja radeln.
Vor dem kleinen Panorama von Bad Friedrichshall auf der andern Neckar-Seite studiere ich die Beschreibungen von Jagst-Radweg und Kocher-Radweg. Die Flüsse münden hier keine drei Kilometer voneinander entfernt in den Neckar. Und sie verlaufen fast parallel nach Süd-Ost. Verlieren sich kaum aus den Augen. Diese geographischen Voraussetzungen hat man für den offiziellen "Kocher-Jagst-Radweg "genutzt. Ein geschlossener Rundkurs. Von daher ist egal, wo man einsteigt. Ich entscheide mich dafür, aus dem Kocher-Jagst-Radweg einen Jagst-Kocher-Radweg zu machen. Das passt von den Etappenlängen her besser.


Blühender Bärlauch in den Neckarwiesen
Blühender Bärlauch in den Neckarwiesen

Neckarradweg zwischen Eberbach und Bad Friedrichshall
Ruhe auf dem Neckar-Radweg am Morgen

Bühender Bärlauch
Bärlauch

Jagst
Die Jagst

Neudenau: Engel reicht Jesus den Kelch
Neudenau: ein Engel reicht Jesus den Kelch

Rapsfeld mit gelbem Fahrradhelm
Rhapsody in Gelb


Fahrradschilder auf dem Kocher-Jagst-Radweg kurz vor Berlichingen und Krautheim Also geht's von der Neckar-Brücke ein paar Meter zurück und schon ist man in dem nicht allzu breiten Tal der Jagst mit nicht allzu hohen Höhenzügen zu beiden Seiten. Völlig ruhig und still. Und tatsächlich ist der Weg fast durchgehend asphaltiert. Für mich in diesen Tag ein wichtiges Kriterium. Es gibt auch kaum Steigungen. Gerade mal bei Neudenau wird man lohnenswert hinauf in den Ort geführt. Fachwerk, Kirchen, Skulpturen (Foto oben).
Jetzt nimmt die Zahl der Radler zu. Und überall werden die Radler hofiert. Besonders Mockmühl tut sich da hervor. In "einem der schönsten Streckenabschnitte" des Jagsttals wird man willkommen geheißen. Auch hier führt der Radweg durch die beblümte Altstadt.
Im Gegensatz zu meiner alten Fahrradkarte wechselt in Mockmühl der Radweg jetzt auf die linke Jagst-Seite. Führt weiter einsam asphaltiert durch das verschlungene Tal des kleinen Flusses. Götz von Berlichingen wurde hier geboren, begraben und hat auch ein paar seiner Fehden in dieser Gegend durchgezogen. In Jagsthausen erstrahlt die "Götzburg", und kurz hinter Berlichingen (Fahrradschild Foto rechts) erreicht man im Kloster Schöntal seine Grabplatte (Foto unten) im Kreuzgang. Aber nur, wenn man sich durch die Rezeption des Bildungshauses schlägt.
Passend zur "Rhapsody in Gelb" der Rapsfelder (Foto oben), durch die wir seit drei Tagen fahren, gibt es im Klosterladen auch Rapshonig. Mit der Zeit bleibe ich ganz hier hängen für heute. Beziehe ein Zimmer im externen Gästehaus mit Blick aufs Kloster (Foto unten). Es ist erst früher Nachmittag. Aber dafür bin ich ja auch früh gestartet.


Kloster Schöntal
Kloster Schöntal

Grabplatte von Götz von Berlichingen - Detail
Grabplatte von Götz von Berlichingen

Blick auf das Kloster Schöntal
Blick auf das Kloster aus meinem Zimmer


Annen-Kapelle in Mulfingen an der Jagst Höhepunkte und Enttäuschungen
Samstag, 7. Mai 2016: Kloster Schöntal - Jagsttal - Crailsheim - Ellwangen (108 km)

Abend- und Morgengebet im Kloster-Bildungshaus sind eine gute Gelegenheit über Radler-Spiritualität nachzudenken. Liebe deine Gegenwinde! Beim anschließenden Frühstücks-Buffet überesse bzw. übertrinke ich mich etwas. Eine halbstündige Zeitungslektüre sorgt für Normalisierung.
Der Weg ist heute zunächst die lückenlose Fortsetzung von gestern. Das Tal bleibt sich zunächst treu. Der Radweg ist tatsächlich zu mehr als 90 Prozent asphaltiert. Und meistens sehr gut asphaltiert. Und verläuft im Talgrund. Hier und da wird ein kleiner Waldweg auf der linken Jagst-Seite auf halber Höhe angesteuert.
Zu dieser Tour gehört allerdings auch, dass die ganze Zeit über starker Ost-Süd-Ost-Wind herrscht. Im Grunde also permanenter Gegenwind seit Mainz. Auch heute. Nur die Passagen direkt Richtung Süden sind heute etwas leichter. Das ist vor allem ab Dörzbach der Fall, wo die Jagst so was wie ihren nördlichsten Punkt erreicht hat.
Es ist alles wunderschön. Auch die Annen-Pilger-Kapelle bei Mulfingen (Foto links). Der Felsvorsprung von Langenburg wird auf einer schmalen Landstraße umkurvt. Eine Straße wie es sie kaum noch gibt: ohne jegliche Markierung, nackt in der Landschaft.
Am Ende dieser Straßenepisode in Bächlingen mache ich die erste Pause. Es ist heute noch wärmer als gestern. Zumal ich auch eine gute Stunde später losgefahren bin. In Bächlingen sind auch Verbindungs-Radwege zu den Radwegen an Kocher und Tauber ausgeschildert.


Jagsttal
Impressionen im Jagsttal

Jagsttal

Jagsttal


Basilika St. Vitus und Evangelische Stadtkirche von Ellwangen von Süd-Westen in der untergehenden Sonne Eine gute Möglichkeit, denn bald ist es mit der bisherigen Jagsttal-Herrlichkeit (Fotos oben) vorbei. In Klein Morstein werden die Radler vor eine Alternative gestellt: steil oder ganz steil nach oben. Leofels oder Dörrmenz heißen die damit verbundenen Nahziele. Bald kreuzen sich die Wege wieder und bis Kirchberg macht die Rad-Beschilderung die ein oder andere Pirouette, die nicht wirklich zielführend ist.
Allein Kirchberg selbst, "Perle des Jagsttals", lohnt den Weg. Ganz am Ende des Burgbergs bei der Fahrt durch die Schlosshöfe begegne ich nun nach mehr als tausend Rad-Kilometern durch Deutschland, Österreich und die Schweiz in diesem Jahr bewusst einer Flüchtlings-Unterkunft. Irgendein Eingang wird als "privat" offenbar auch auf Arabisch gekennzeichnet.
Nach Kirchberg gibt es noch einmal eine ganz schöne Passage im Jagsttal. Aber dann führt der Weg hinauf, um auf seinem Gipfel die Autobahn A 6 zu überqueren. Dann wieder eine Pirouette, und plötzlich hat es auch die Jagst rund hundert Meter höher geschafft. Aber wie? Ein Wasserfall? Der Fluss und der Radler sind durch die unterschiedlichen Routen nicht mehr eins. Und Crailsheim ist eine einzige Enttäuschung. Sieht man von dem Wettbüro ab, in dem man Fußball-Bundesliga schauen kann - in kaum verrauchter Luft.
Mehr pflichtschuldig setze ich den geplanten Weg an oder in der Nähe der Jagst fort. Bei Stimpfach führt der Weg über eine schöne neue Brücke hinüber. Aber ich traue ihm nicht. Wohl zu Unrecht. Ich entscheide mich für die Bundesstraße 290. So oder so: die Straße ist kürzer. In Jagstzell verpasse ich wiederum die Rückkehr auf den Radweg. Die Straße ist wieder kürzer. Aber höher. Bis auf 450 Meter überm Meer. Höchster Punkt des Tages.
Die letzten Windungen des Radwegs neben Fluss und Bahn versöhnen mich wieder mit dem Weg. Und Ellwangen belohnt erst recht. Kein Vergleich zu Crailsheim. In der Basilika St. Vitus (Foto rechts) bekomme ich sogar noch die Hälfte eines Alphorn-Posaunen-Orgel-Konzertes mit. Und in den Cafés und Restaurants sitzen die Menschen auch auf dieser Höhe von 430 Metern angenehm in der jetzt tatsächlich sommerlichen Wärme - für die Jahreszeit "viel zu warm", wie der TV-Meteorologe gestern meinte.


Fachwerkhaus im Jagsttal
Fachwerktraum

Jagsttal
Jagsttal

Karte Kocher-Jagst-Radweg
Kocher-Jagst-Radweg mit meiner Verbindung in Rot


Panther Dominance Trekking Rad am Limes-Tor von Dalkingen Das Kochertal in einem Tag
Sonntag, 8. Mai 2016: Ellwangen - Hüttlingen - Kochertal (Schwäbisch Hall) - Bad Friedrichshall (158 km)

Wie komme ich vom Jagsttal ins Kochertal? Der "offizielle" Kocher-Jagst-Radweg folgt der Jagst bis Lauchheim (s. Karte oben) und führt dann über ein hohes Stück veritable Schwäbische Alb nach Aalen, wo der "Weiße" und der "Schwarze Kocher" zusammenfließen. Das ist mir aber ein bisschen zu aufwändig und die Attraktivität des Jagsttals hier oben nicht so wahnsinnig doll. Der Fluss liegt halt in der hohenlohischen Hochebene. Es gibt schon noch Hügel am Rande. Zum Beispiel den zum Limestor bei Dalkingen (Foto links). Die Gegend ist zugeballert mit Limes-Attraktionen.
Hier stoße ich naturgemäß auch auf den Limes-Radweg. Und der führt beim Stausee "Rainau-Buch" im Ellwanger Seenland ab nach Hüttlingen. An dieser Stelle führt der Weg nur auf knapp 500 Meter und nicht wie ein paar Kilometer weiter nördlich auf knapp 700 Meter. Der Kocher liegt hier fünfzig Meter tiefer als die Jagst. Und bildet infolgedessen ein entsprechend tiefes Tal. Und in diesem Tal kann man wieder wunderbar Fahrrad fahren.
Kurz vor Sulzbach-Laufen wieder mal ein Markstein auf dem Countdowm zu meinem 100.000 Touren-Kilometer. Ich habe 97.000 Kilometer hinter mir und das herumliegende Heu (Anfang Mai schon gemäht!) kommt gerade recht, um die Zahl halbwegs darzustellen. Rad-Passant Johannes Wagenblast kann ich dafür gewinnen, anzuhalten. Und mit seinen 82 Jahren schießt er das Foto (s. unten). Ein weiterer, 13 Jahre jüngerer Rennradler hält, um sich das spektakuläre Ereignis nicht entgehen zu lassen. Nun gut, ich blockiere auch fast den gesamten Radweg mit meinem Kunstwerk. Der Rennradler hat das Radeln erst vor ein paar Jahren entdeckt und schon Tages-Etappen von 176 Kilometern hingelegt.


Chris on the Bike bei Touren-Kilometer 97.000 im Kochertal bei Sulzbach-Laufen
Heu und Stroh: Touren-Kilometer 97.000 im Kochertal bei Sulzbach-Laufen (Foto: Johannes Wagenblast)


Schwäbisch Hall vom Kocher aus gesehen Der Kocher-Radweg erweist sich tatsächlich als der ebenbürtige Bruder des Jagsttal-Radwegs. Er ist genauso gut asphaltiert, beschildert, befahrbar. Allerdings hat auch er seine Steigungen. Im Wesentlichen eine: bei Rosengarten-Westheim geht's einfach mal auf die hohenlohische Höhe. 75 Höhenmeter. Ich kann am Pfarrhaus einen Zwischenstopp machen und Matthias meint, den Kocher-Radweg werde ich ja wohl an einem Tag schaffen. Danach fühle ich mich aber überhaupt nicht. Beim Aufstieg zur Kirche zeigt mein Bike-Computer schon 31 Grad an. Es ist zu heiß. Ich bin zu schlapp.
Bis Schwäbisch Hall (Foto rechts) geht's noch. Pause im Kebap-Imbiss. Falafel, Ayran und Salz sollen mich wieder fahrtüchtig machen. Und die Gedanken: gut 80 Kilometer am Nachmittag müssen doch machbar sein. Wenn ich mich einfach nicht dabei anstrenge. Größere Steigungen soll es nicht geben. Atmen. Essen. Energie aufsaugen. Harte mentale Arbeit.
Eine kleine Logistik-Recherche ergibt: wenn ich jetzt weiterfahre, gibt es kein Zurück. Auf der ganzen Strecke ist kein einziger Bahnhof mehr in Betrieb. Außer als Biergarten. Wie sich später zeigt. Umso wichtiger: langsam fahren, nicht anstrengen, einfach weiter fahren.
Eine Variabel funktioniert nicht: der Rückenwind. Nachdem ich tagelang gegen den Ost-Süd-Ost-Wind angestrampelt bin, hat Gunther Tiersch für heute noch stärkeren Ost-Süd-Ost-Wind angesagt. Das wäre alles in allem heute Rückenwind für mich. Hinter Schwäbisch Hall mäandert der Kocher aber derart in der Gegend rum, dass daraus reichlich Gegenwindpassagen werden. Mittelfristig setzt sich aber schon vor dem nördlichsten Punkt bei Künzelsau der Wind dann doch als Rückenwind durch. Immer wieder springt das Thermometer über 30 Grad. Aber das ist jetzt ok. Eine Weile kann ich mich auch an eine Radler-Gruppe ohne Gepäck hängen. Im Windschatten kann ich gerade so mithalten.
In Weißbach stoße ich auf einen Bahnhof als Biergarten: der "Bikerbahnhof". Von da an verläuft die Strecke immer mal wieder als Bahntrassenweg. Die erkennt man intuitiv immer schon am ersten Meter. Auch ganz am Ende führt der Bahntrassenweg, hier fuhr einst die "Untere Kochertalbahn", praktischerweise quasi bis in den Bahnhof von Bad Friedrichshall Hauptbahnhof, der bis vor anderthalb Jahren noch Jagstzell hieß. Genau zwischen den Mündungen von Jagst und Kocher.
So bin ich heute seit langer, langer Zeit mal wieder eine sehr lange Etappe gefahren. Mehr oder weniger den ganzen Kocher an einem Tag. Nach dem konditionellen Tief am Mittag aber eigentlich ein easy ride. In wunderschöner Umgebung.


Radweg im Mittleren Kochertal
Impressionen im Mittleren Kochertal

Chris on the Bike: Mittleres Kochertal

Radweg im Mittleren Kochertal


Regional-Express 4482 steht im Worms Hauptbahnhof und sammelt Verspätung Die Ur-Angst des Bahnfahrers
Epilog: Ich wollte diesmal NICHTS über die Bahn-Fahrt zurück nach Mainz schreiben. Es ist mir so über. Dann das: In Worms steige ich noch einmal um. Eigentlich wäre es viel angenehmer, sitzen zu bleiben und weiter an der Homepage zu schreiben. Aber der Umstieg bringt zwanzig Minuten. Theoretisch. Die ersten fünf Minuten davon verliere ich, weil der schnellere Zug später ankommt. In der App war es kurz zuvor nur eine Minute Verspätung. Ich muss mit Rad samt Gepäck eine Treppe hinab und erreiche so als erster den Aufzug hinauf auf das andere Gleis.
Als der Zug angekommen ist, startet er einfach nicht wieder. Ich sitze direkt hinter der Führerkabine. Und höre, wie der Lokomotivführer oder wie immer man ihn inzwischen nennt, radebrecht: "Ich hatte drei Maschine, jetzt habe ich zwei." "Dann mache ich jetzt aus und starte neu. Wie lange muss ich warte? Zwei Minuten?" Totales Dunkel. Totale Stille im Wagen. Nicht tut sich. Reichlich zwei Minuten gehen ins Land.
Neben uns wartet immer noch der Zug, in dem ich saß. Fahrplanmäßig fährt er erst fünf Minuten nach meinem neuen Zug ab. Plötzlich das: er fährt einfach los. Die Ur-Angst des Bahnfahrers wird mal wieder wahr: ich sitze im falschen Zug.
Die Schaffnerin hat das Pech, dass sie genau in diesem Moment neben mir aus der Führerkabine kommt. Ich protestiere vehement, dass niemand uns informiert hat, dass der andere Zug früher fährt. Denn dieser Zug hält nur noch in Mainz und genau da fährt der andere Zug hin. Allen Passagieren hätte der andere Zug geholfen. "Niemand kann das wissen," meint die Schaffnerin, die gerade die Ansage gemacht hat, dass wir noch eine Weile warten müssen. Die junge Frau weiß es wohl tatsächlich nicht. Genau das ist das Problem. Es scheint sie auch nicht zu interessieren. Sie hat sich jedenfalls nicht darum gekümmert. Sie behauptet noch, wir würden den andern Zug wieder überholen. Fantasy. Müll.
Andere Passagier ergreifen in dem immer noch stillen und dunklen Wagen Partei für die Schaffnerin. "Wollen Sie diesen Scheiß-Job machen?" Als ich auch einlenke, meint sie, noch nachschieben zu müssen: "Es kann niemand hellsehen."
Irgendwann hat der Neustart Erfolg. Mit 18 Minuten Verspätung setzen wir die Reise fort. Ich erreiche Mainz mit dem Regional-Express 4482 statt um 21.47 Uhr mit 24 Minuten Verspätung um 22.11 Uhr.


Route Mainz - Jagst - Kocher



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen

Etappen Mainz - Jagst - Kocher (4.-8.5.2016)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 4.5.2016 Mainz Gustavsburg Gernsheim 59
2. 5.5.2016 Gernsheim Mannheim - Heidelberg Eberbach 109
3. 6.5.2016 Eberbach Bad Friedrichshall - Jagsttal Kloster Schöntal 94
4. 7.5.2016 Kloster Schöntal Jagsttal (Crailsheim) Ellwangen 108
5. 8.5.2016 Ellwangen Hüttlingen - Kochertal (Schwäbisch Hall) Bad Friedrichshall 158
Summe 528

Chris on the Bike und ein Storch im Rheintal bei Gernsheim
Mit Storch im Rheintal


Anschluss Tour 83: Mainz - Denkendorf (341 km) Jan. 2017

Anschluss Tour 79: Westerwald - Hunsrück (383 km) Juni 2016

Anschluss Tour 74: Rheinhessen - Donnersberg (300 km) Aug./Sept. 2015

Anschluss Tour 72: Mainz - Emmerich (416 km) Mai 2015

Anschluss Tour 69: Mainz - Plettenberg (444 km) Juni 2014

Anschluss Tour 66: Bamberg - Neckarelz (856 km) Sept./Okt. 2013

Anschluss Tour 60: Mainz - Brocken (455 km) April 2012

Anschluss Tour 56: Dillenburg - Idstein (423 km) Juni 2011

Anschluss Tour 55: Mainz - Wissembourg (361 km) April 2011

Anschluss Tour 52: Richen - Füssen (670 km) April 2010

Anschluss Tour 25: Nordsee: Brest - End to End - Mainz (4455 km) Aug./Sept. 2004

Anschluss Tour 24: Mittelrhein und Nebenflüsse (795 km) März/April 2004

Anschluss Tour 14: Mainz - Nordkap - Lofoten (4144 km) Juni/Juli 2001

Anschluss Tour 10: Mainz - Vilnius (2100 km) Aug. 2000

Anschluss Tour 9: Mainz - Dresden (715 km) Juni 2000

Anschluss Tour 7: Mainz - Ravensburg (370 km) April 1999

Anschluss Tour 6: Mainz - Strasbourg (428 km) Sept. 1998


Nächste Tour: Westerwald - Hunsrück (383 km) Juni 2016

Vorherige Tour: Salzburg - Passau (792 km) April 2016


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Tour 48: Karakorum-Highway (1010 km) 2009
Karakorum 2009
Chris Tour 51: Khartum - Addis Abeba (1760 km) 2010
Äthiopien 2010
on the Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) 2011
Moldau 2011
Bike Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
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