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VG WORTTour 56: Dillenburg - Idstein (423 km)


Motorboot schippert auf der Lahn bei Diez
Lahntal bei Diez

Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Dillenburg - Lahn - Rhein - Mainz - Idstein (1.-4.6.2011)
Lahn statt Wlan: Himmlisches Vatertags-Wochenende

Die Lahn scheint genau das richtige Flüsschen für ein schönes, langes Rad-Wochenende. 240 Kilometer liegen vor uns an diesem sehr späten Himmelfahrtsfest. Obwohl sie nur ein paar Meter von der Sieg entfernt entspringt, nimmt sie einen ganz anderen Verlauf, als ihr Schwesterfluss. Wie der Niger führt sie zunächst in eine ganz andere Richtung als zu ihrer Mündung in den Rhein. Wo es noch ein schönes Finale Richtung Mainz gibt. Nicht ohne zwischendurch noch den Stadtlauf von Idstein einzuschieben.


Die Tour bei YouTube
Lahntal-Radweg zwischen Bad Ems & Lahnstein


Die Lahn kurz vor der Mündung:
Eine achtminütige Dauerimpression
auf dem weitgehend asphaltierten Radweg
mit einigem Gegenverkehr und am Ende
einem überzeugenden Überholmanöver


Neunundneunzig Luftballons für Caro & Boris
Mittwoch, 1. Juni 2011: [Zugfahrt Mainz-Kastel - ] Dillenburg - Dietzhölztal - Werthenbach (28 km)

Es beginnt mit einer jener Skurrilitäten, die das Bahnfahren mit dem Fahrrad noch zusätzlich erschweren. In jedem "Regional-Express" kann man eigentlich ein Fahrrad mitnehmen. Das sollte auch für die direkte, schnelle Verbindung mit dem von Saarbrücken kommenden "Regional-Express" nach Frankfurt so sein. Nur die Online-Fahrplanauskunft der Bahn übergeht diesen Zug, wenn man eine Verbindung nach Dillenburg sucht. Wir sollen umständlich eine Viertelstunde früher über Wiesbaden fahren, um dann in Frankfurt den gleichen Zug nach Dillenburg zu bekommen.
Da wir nicht sicher sein können, mit dem direkten "Regional-Express" samt Rädern nach Frankfurt zu kommen, warten wir auf den Zug nach Wiesbaden. Doch der hat Verspätung. So viel Verspätung, dass der Anschluss nach Frankfurt gefährdet ist. Miri hat die Idee, nach Mainz-Kastel zu radeln, um dort den Zug nach Frankfurt abzupassen. Gedacht, gesagt, getan. Ohne Schwierigkeiten erreichen wir die S-Bahn in Kastel. Um dann in Frankfurt jenen Zug zu sehen, der direkt vom Mainzer Hauptbahnhof gefahren wäre. Natürlich mit Fahrradtransportmöglichkeit. Oh, du, Deutsche Bahn, warum musst du uns immer so quälen?
Für die folgende Verspätung kann die Bahn nix. Im Zug nach Dillenburg wird erst nach einem Notarzt gefahndet, am nächsten Bahnhof entern Rot-Kreuz-Helfer den Bahnsteig, um einen Kranken in Obhut zu nehmen. Unser Start in Dillenburg verspätet sich entsprechend um rund 20 Minuten. Abendstimmung. Die Fachwerk-Schönheiten von Dillenburg bleiben mir (anders als bei meiner ersten Radl-Durchquerung auf der Strecke von Essen nach Budapest 1983 diesmal verborgen. Wir kreisen auf dem Bahnhofsvorplatz, der kein Platz mehr ist sondern eine Straßenkreuzung, um dann die Ausfallstraße ins Dietzhölze-Tal anzusteuern. Das scheint der flachste Weg zur Lahnquelle zu sein.
Die Straße ist recht breit, der Autoverkehr zahlreich, der Fahrradweg bescheiden. Die schöne Landschaft kommt trotz des abendlichen Sonnenscheins noch nicht recht zur Geltung. Schon in Frohnhausen tritt der nächste Stimmungskiller ein: Fahrradpanne. Miris Hinterrad schleift. Die Felge eiert. Meine Erschöpfung von einem anstrengenden Arbeitstag und mein Eindruck, die Panne sei zurückzuführen auf eine vermeidbare Bordsteinabfahrt, befeuern nicht gerade die Glückshormone. Ich versuche mit dem Speichendreher das Ei so gut wie möglich zu beheben. Doch wir müssen die Bremse lockern, weil ich das Rad nicht gut genug zentriert bekomme. Dann schleift der breite Mantel immer noch am Schutzblech. Als wir auch das gerichtet haben, ist wieder ein Stück Sonnenschein dahin.
Abendstimmung im Tal der Dietzhölze, längster Nebenfluss der DillDer Verkehr lässt nach, die Straße wird schmaler, die Abendsonne noch schöner (Foto links). Die Orte heißen hier alle zusammen Dietzhölztal, eine Kreation der Gemeindegebietsreform vor 40 Jahren. Aus dem Tal verabschieden wir uns Richtung Norden. Rittershausen begrüßt uns mit einer Betttuch-Ankündigungder Hochzeit von Caro & Boris, die das ganze Wochenende über andauern soll. Das zweite Herz-Betttuch hängt dann auf Höhe des Polterabends. Nenas Neunundneunzig Luftballons wummern durch die Abendluft.
Wir fahren im Schatten der Berge. Hinter Rittershausen beginnt die Steigung. Rund sechs Prozent. Die Kilometer-Markierung am Straßenrand verrät die Distanz zum höchsten Punkt, zur Ortsgrenze, zur Landesgrenze von Hessen und Nordrhein-Westfalen. Mitten auf der Hainchener Höhe. Rund 555 Meter hoch. Mit dem Bundesland wechselt der Asphalt.
Noch sind wir mitten im Wald. Nach ein paar Metern Abfahrt weitet sich der Blick über die Hügel des Siegerlandes. Im schönen Abendrot liegend (Foto unten). Die Abfahrt nach Hainchen erfrischt. Die beiden Gasthöfe an der Lahnquelle sind am Vorabend von Christi Himmelfahrt schon ausgebucht. So haben wir uns in Werthenbach ein Zimmer im Gasthof Groos reserviert. Laut Karte liegt Werthenbach in einem Seitental, das uns noch ein paar weitere Höhenmeter bescheren könnte, aber in der Realität liegt der Gasthof direkt an der Hauptstraße. Schneller als erwartet haben wir unseren Schlafplatz erreicht.


Sunset-Impressionen: Blick ins Siegerland von der Hainchener Höhe
Sunset-Impressionen: Blick ins Siegerland von der Hainchener Höhe


Himmelfahrt ohne Männerhorden
Donnerstag, Christi Himmelfahrt, 2. Juni 2011: Werthenbach - Lahnquelle - Lahn - Marburg - Gießen (117 km)

Während Miri noch Kräfte sammelt lese ich die Feiertagsausgabe der Westfälischen Rundschau, mit der der WAZ-Konzern seine Fühler bis in diesen entlegenen Teil von NRW ausstreckt. Die Wirtin spricht von Käseblättchen. Als ich es durchhabe bleibt noch Zeit für den Dom, die Kirchenzeitung des Erzbistums Paderborn. Sie stellt ihren Lesern die fünf Weihekandidaten für die pfingstliche Priesterweihe vor. Vom Gruppenfoto her tippe ich auf den Intellektuellen, den Frommen, den Frömmler, den Sakristei-Karrieristen. Die Texte mit der Selbstvorstellung der Weihekandidaten bestätigen weitgehend meine Tipps. Nur den mit dem überzeugendesten, lebensnahen Text habe ich nicht richtig eingeschätzt.
Als wir uns grad auf die Räder schwingen wollen, bemerkt Miri an ihrem Hinterrad einen Morgenplatten. Gut, dass wir gestern abend noch problemlos den Berg rauf und runter gekommen sind. Auf dem Schlauch entdecken wir rund um das Loch eine mysteriöse Spur, als wenn der Schlauch zwischen Mantel und Felge eingeklemmt gewesen wäre. Da wir keine externe Schadensursache entdecken, wechseln wir einfach den Schlauch. Wobei der eine Ersatzschlauch zu schmal zu sein scheint und beim andern der Mantel nur mit Mühe in die Felge zu bringen ist.
Entfernungen auf dem Lahntal-Radweg: Schild am Start im QuellgebietNun also bergauf. Ins Quellgebiet von Lahn, Sieg und Eder, die in drei verschiedene Himmelsrichtungen davonfließen. Ein schmales Sträßchen, das wir an diesem Feiertags-Morgen mit einigen Motorrad-Fahrern teilen. Nach sieben Kilometern sind wir auf 600 Metern, sehen die Lahnquell-Gasthöfe und stehen am Start des Lahntalradwegs. Die Entfernungen bis zur Mündung in Niederlahnstein sind sauber aufgelistet (Foto unten).
Laut Rad-Karte geht der Weg zunächst bergauf, deshalb rechne ich erst in ein paar Metern mit der Quelle. Zwei Kölner, die von ihren Frauen samt Rad heute morgen auf die Höhen des Siegerlandes katapultiert wurden, kommen aus der anderen Richtung. Dass dort, ein paar Meter weiter, bereits die Quelle ist, erfahren wir von ihnen erst, als wir schon 70 Höhenmeter verloren haben. Die Lahn-Quelle bleibt uns also verborgen. Es ist auch so sehr schön hier. Der Waldweg folgt dem Tal, hier und da ein Gehöft. Einige Radler sind unterwegs, die wohl wie wir das lange Himmelfahrts-Wochenende der Lahn widmen. Hier und da auch eine Gruppe mit Bollerwagen. Allerdings fast keine einzige "Vatertags-Truppe", sofern man darunter eine angetrunkene Männerhorde versteht.


Lahntal-Radweg: Miri on the Bike auf der Abfahrt im Quellgebiet
Auf der Abfahrt vom Quellgebiet

Lahntal-Wald-Radweg in der Nähe der Lahn-Quelle
Lahntal-Wald-Radweg


Triathlon-Lenker mit Fachwerkhaus und Deutschlandfahne in Biedenkopf
Am Kirchplatz von Biedenkopf

Miri on the Bike auf dem Lahntalradweg
Miri looking forward


Miri flickt mal wieder den Fahrrad-Schlauch Die Lahn führt zunächst viele Kilometer nach Osten, bevor sie bei Cölbe kurz vor Marburg zurück nach Westen zum Rhein führt. Da der Wind aus Ost, Nord-Ost kommt, haben wir, sobald wir aus dem Wald herauskommen etwas Gegenwind. Angenehme Wärme füllt das Tal. In Biedenkopf strampeln wir bis auf die Höhen der Kirche, um dort die erste Pause zu machen (Fachwerk-Fahnen-Foto oben). Das Ikonen-und Textil-Museum ist so versteckt wie der geöffnete Seiten-Eingang zur neugotischen Kirche, in der die gotischen Reste in einer winzigen Kapelle enttäuschen.
Auch in Marburg verlassen wir den Radweg, um auf den Höhen des Marktplatzes die nächste Pause zu machen. Es ist inzwischen trotz des Windes so warm, dass wir uns in den Schatten setzen. Radler-Massen haben sich in den Cafés niedergelassen. Am Nachbartisch können wir den Bikeline-Führer Lahntal-Radweg ausleihen. Eine veraltete Ausgabe. Wir suchen nach Unterkünften zwischen Gießen und Wetzlar. Es gibt wohl welche, aber offenbar nicht direkt am Wegesrand.
Hinter Marburg weitet sich das Lahn-Tal wieder. Was den Radweg dazu verleitet zu mäandern. Ein Zickzack, der die Vermutung nährt, es könnte vielleicht auch direkter und genauso schön gehen. Als wir Gießen schon am Horizont erahnen, meldet Miri erneut Platten. Am Radweg-Rand nehmen wir uns das Hinterrad vor. Wieder ein relativ großes Loch, die gleichen merkwürdigen Spuren wie heute Morgen ein paar Zentimeter weiter. Wieder finden wir die Ursache nicht. Ist der Schlauch nicht der richtige? Diesmal flicken wir ihn (Foto links).
So haben wir kurz vor Gießen noch einmal Zeit, Kraft und Nerven verloren. Wir können uns nicht so recht entscheiden, ob wir hier bleiben oder weiterfahren. Etwas unschlüssig kurven wir durch die Innenstadt und Bahnhofsgegend. Schauen uns allerhand Hotels an. Im Hotel Adler werden wir sehr freundlich begrüßt. Trotzdem drehen wir noch eine Ehrenrunde, bevor wir uns entschließen, dort zu bleiben. Auch der abendliche Rundgang verbreitet eher Tristesse.


Kanu-Paddler am frühen Morgen auf der Lahn bei Gießen
Kanu-Paddler am frühen Morgen auf der Lahn bei Gießen


Lahnbrücke am Selters-Weg in Löhnberg mit LaneburgDer Pannen-Mantel und ein Stadtlauf der Superlative
Freitag, 3. Juni 2011: Gießen - Lahn - Limburg - [Zugfahrt] - Idstein - Mainz (122 km)

Wir starten nicht sehr früh, haben aber dennoch den Radweg zunächst fast für uns allein. Auch die Kanu-Fahrer (Foto oben) sind noch rar. Das Zick-Zack geht weiter. Der Lahntalradweg zwingt die Radler durch Heuchelheim. Auf unserer veralteten Karte führte der Weg früher stringenter am Südufer der Lahn entlang. Dann folgen wieder sehr romantische Abschnitte direkt an der Lahn. Durch Wetzlar führt der Weg wieder zick-zack-mäßig. Es ist noch viel zu früh für eine Pause. So ziehen wir weiter.
Löhnberg erweist sich als die Heimat von Selters und gleichnamigem Mineralwasser, im Osten geradezu das Synonym von Mineralwasser. Nicht das nahe gelegene Selters im Taunus, durch das wir heute auch noch radeln wollen. In Löhnberg führt auch eine schöne Fußgängerbrücke im Eisenbahnstil über die Lahn vor der Silouhette der Laneburg (Foto rechts). Die Brücke erlaubt auch einen Blick auf die KanufahrerInnen unter uns (Foto weiter unten) und die Warteschlange an der Schleuse. Jetzt ist es wieder so richtig schön an der Lahn.
In Weilburg kann mich Miri überreden, wieder den Anstieg in den alten Ortskern in Angriff zu nehmen. Wir erreichen das Schloss und genießen an der Brüstung des Schlossparks (Fotos unten) die Pause.


Chris on the Lahntalradweg
Chris on the Lahntalradweg

Brüstung vom Schlosspark Weilburg
Brüstung vom Schlosspark Weilburg


Schlosspark Weilburg
Schlosspark Weilburg

Chris on the Bike an der Lahn
Chris on the Bike an der Lahn


Miri on the Bike auf der Lahnbrücke (15. Jh.) in Runkel mit Burgschloss und Bannmühle Wir sind noch in Sichtweite des Schlosses als wieder Miris Hinterrad plötzlich ganz schnell alle Luft verliert. Das Flicken wird immer mehr Routine, aber diesmal findet Miri die Ursache für den Dauerplatten. Der Mantel hat an einer Stelle eine Kombination mehrerer Löcher. Daher jedesmal die lange Schadspur auf dem Schlauch. Wir kleben den Mantel von innen mit ein bisschen Klebeband. Vielleicht hilfts.
Der Lahntalradweg wird nun immer schöner. Aber auch schmaler. Zugleich voller. Hier und da ist Kolonne fahren angesagt (Foto ganz unten). Wenn Gegenverkehr kommt, wird es noch enger.
In Aumenau müssen wir uns entscheiden. Entweder den direkten Weg nach Idstein, wo ich am Nachmittag am alljährlichen Stadtlauf teilnehmen möchte oder weiter an der Lahn nach Limburg und von dort mit dem Zug zum Lauf. Zum Glück entscheiden wir uns für die Bahn. Denn nur ein paar Meter hinter Aumenau die nächste Panne an Miris Rad. Gleiche Ursache. Neue Gegenstrategie. Miri verklebt den Mantel von innen mit einem länglichen Flicken. Das hält für den Rest des Tages.
Die Entscheidung für die Lahn ist auch deshalb glücklich, weil der Weg nicht mehr - wie auf meiner Karte verzeichnet - über die Höhen bis Villmar führt sondern in den vergangenen Jahren so ausgebaut wurde, dass man immer an der Lahn entlang fahren kann. In dieser Landschaft fährt man gern die Bögen des Flussverlaufs. So auch in Runkel, wo die Lahn auf einer Brücke aus dem 15. Jahrhundert überquert wird (Foto links mit Blick auf Burgschloss und Bannmühle).


Kanu-Fahrerinnen auf der Lahn blicken ans Ufer bei Löhnberg
Kanu-Fahrerinnen blicken ans Ufer bei Löhnberg


Blick von der Alten Lahnbrücke (14. Jh.) mit einer Skulptur des heiligen Johann von Nepomuk auf den Limburger DomAls wir nach Limburg einfahren überholen wir zwei junge Männer, die wir schon den ganzen Tag über immer wieder gesehen haben. Jetzt tut es das hintere Schaltwerk an einem ihrer Räder nicht mehr. Schlimmer noch, die Kette steckt zwischen Zahnrädern und Speichen fest. Meine Blitz-Analyse: ich ziehe an dem Schaltzug - gerissen. Ich habe zwar einen Ersatzzug dabei, kann ihn aber nicht installieren, weil es langsam knapp wird mit der Zugfahrt nach Idstein. Die beiden entscheiden sich für einen Besuch beim Fahrradhändler. Wir überqueren schon wieder die Lahn. Diesmal ist die Brücke aus dem 14. Jahrhundert, später gekrönt mit einer Skulptur des Brücken-Heiligen Johann von Nepomuk, der die Silouhette des Limburger Doms noch verschönt (Foto rechts).
Der Stadtlauf von Idstein bietet vermutlich den kürzesten 5-km-Lauf der Welt. Er ist zudem sehr schön. Rund tausend Läufer bewältigen die Strecke aus dem Ort hinaus ins Grüne, um nach einer kleinen Steigung wieder hinunter in den schönen historischen Stadtkern zu laufen. Ich mache mich ordentlich warm samt ein paar Sprintläufen, um die Verletzungswahrscheinlichkeit in angemessenen Grenzen zu halten. Gleichwohl zieht mein Freund Heinrich schon vom Start weg davon. Eine Weile sehe ich ihn noch, am Ende ist er fast anderthalb Minuten schneller als ich (Vor-nachher-Fotos unten). Glückwunsch! Von der Terrasse des Café zum Löwen mit seiner außerordentlich sympathisch-frechen Bedienung verfolgen wir die nicht enden wollende SiegerInnen-Ehrung durch den Bürgermeister.
Da Miris Hinterrad weiterhin stabil ist und Mainz ansonsten nur noch mit Zügen über Frankfurt zu erreichen ist, entscheiden wir uns in fast der gleichen Zeit, die die Züge brauchen, nach Mainz zu radeln. Die 33 Kilometer über den Wiesbadener Sonnenberg bieten noch einmal reichlich Höhenmeter. Doch so erreichen wir aus eigener Kraft kurz vor Mitternacht unsere kleine Basisstation am Rhein.


Chris & Heinrich vor dem Idsteiner Stadtlauf 2011 (5 km)
Chris & Heinrich vor dem Idsteiner Stadtlauf (5 km)...

Chris (23:26) & Heinrich (22:08) nach dem Zieleinlauf des Idsteiner Stadtlauf 2011 (5 km)
...und nachher: Chris (23:26), Heinrich (22:08)


Mohnblumen am Lahntalradweg bei Wetzlar
Mohnblumen am Lahntalradwegesrand bei Wetzlar


Panther Dominance Trekking auf einem romantischen Streckenabschnitt des Lahntalradwegs bei LimburgFinale an Lahn und Rhein
Samstag, 4. Juni 2011: [Zugfahrt Mainz - ] Limburg - Lahnstein - Rüdesheim - Mainz (156 km)

Also denn, schwinge ich mich um 7.13 Uhr in den Zug zurück nach Limburg, um die Tour dort fortzusetzen, wo wir sie gestern unterbrochen haben und die "Lücke" zwischen Limburg und Mainz zu schließen. Die Lahn hinunter und den Rhein hinauf. Miri muss leider arbeiten und kann nicht mitfahren.
Schon bald nach Limburg mäandert der Weg durch die Felder. Obwohl es schon neun Uhr ist, ist alles ruhig. Ein Paar Schwäne segelt auf der spiegelglatten Oberfläche der Lahn. Es ist sonnig, nicht heiß. Ein verheißungsvoller Morgen. Zumal, als die Lahn wieder eintritt in schmalere Täler. Ohne Straßenverkehr (Foto links). Wäre da nicht die legendäre Steigung hinter Balduinstein. Auf dem offiziellen Radweg-Schild, das mich an der Grenze von Hessen zu Rheinland-Pfalz begrüßt hat, ist sie auf dem Höhenprofil überdeutlich zu erkennen (Foto rechts).
Mal eben 200 Höhenmeter. Auf der darüber dargestellten Radweglinie ist die Strecke grau dargestellt - quasi ausgesetzt. Ich sehe plötzlich auch keine Lahntal-Schilder mehr am Wegesrand. Nur "Radweg" heißt es noch, als der Uferweg plötzlich vor einem umzäunten Häuschen endet. Rechts ab geht es direkt in den Wald. Der Untergrund typisch Waldweg. Da ich auf diesen Berg schon seit der Quelle quasi brenne, bin ich mental optimal vorbereitet und fahre mit größter Lust bergan. Überhole ein Pärchen, das mich kurz zuvor in der Ebene überholte. Nach hundert Höhenmetern verlässt der Weg den Wald und windet sich zwischen Feldern an den Ortsrand von Scheidt. Insgesamt allerdings nur 250 statt der angekündigten 300 Höhenmeter.
Höhenprofil Lahntalradweg zwischen Diez und Laurenburg Dann geht's direkt auf Asphalt bergab in Serpentinen nach Laurenburg. Genau 22 Minuten hab ich für das Auf und Ab gebraucht. Alles halb so wild, wenn man nicht zu alt, zu schwer oder zu jung ist für das Hügelchen.
In Laurenburg wünsche ich entgegen kommenden Radlern einen frohen Aufstieg, bevor mich einer fragt, ob man unmittelbar am Ufer der Lahn durchkomme. Nach allem, was ich weiß und was ich mal vom Zug aus gesehen habe : Nein. Der Herr aber meint, es werde an einem Weg gebaut und auch jetzt schon komme man durch, wenn man denn wolle. Eine kleine Internet-Recherche ergibt später, dass tatsächlich eine Anfang des Jahres gegründete Bürgerinitiave Pro Lahntalradweg in Eigenarbeit einen zugewachsenen alten Leinpfad wieder begehbar gemacht hat, der aber nicht offiziell als Wander- oder gar Radweg beschildert werden dürfe. Zugleich hat im April das Oberverwaltungsgericht Koblenz dem BUND Recht gegeben. Die Umweltschützer hatten gegen den Planfeststellungsbeschluss vom Dezember 2009 geklagt, der den Bau eines Radwegs samt zweier Brücken vorsah - unter Enteignung eines Bauern. Das nun - befand das Gericht - sei nicht durch die Verfassung von Rheinland-Pfalz gedeckt. Danach könne man sehr wohl für Straßenbau enteignen, nicht aber für einen Radweg. Die Zukunft offen.
Logo Lahntalradweg Ich radle weiter wunderschön ruhig. Beim einzigen Lahn-Weindorf, Obernhof, wartet eine weitere Steigung. Mit bis 14 % Anstieg derjenigen von Laurenburg kaum nachstehend. Auf der Spitze habe ich das Kloster Arnstein erreicht. Und einen schönen Blick ins Tal.
Immer wieder sind jetzt mal ein paar Höhenmeter drin. Romantische Passagen wechseln mit verkehrsreicheren. Kurz nach Nassau folgt Bad Ems. Ich lasse mich vor dem großen Kurhotel nieder. Genieße Radler, Lachs-Shrimps-Flammkuchen und Zeitung. Im Schatten der Sonnenschirme. Denn die Sonne knallt jetzt kräftig. Ein schönes Stündchen im Bäder-Ambiente.
Alles vielleicht ein bisschen zu schön, denn danach geht's mir nicht mehr wirklich gut. Es ist heiß und schwül. Zum Lahn-Abschied filme ich mal acht Minuten nonstop die Fahrt auf den letzten Lahntal-Radweg-Kilometern, dessen Logo (Bild links) mich gleich verlässt. Anfang und Ende des Lahntalradwegs sind großartig, die mittlere Passage von Marburg bis nach Wetzlar nicht ganz so schön. Die Steigung hinter Balduinstein vielleicht bald Geschichte. Schön ist die Begleitung durch Kanus, später mehr Ruderboote und Ausflugsschifffahrt.
Ich erreiche Lahnstein und die Mündung (Foto unten). Drei Jungs, die mich gegen Ende meines Filmchens grad überholt haben, machen we-made-it-Fotos am Rhein. Sie sind am Donnerstag etwa ein Stunde nach uns an der Quelle gewesen. Jetzt haben sie erstmal genug vom Radfahren. Für mich geht's weiter heim am Rhein.


Lahn-Mündung in den Rhein bei Lahnstein
Lahn-Mündung in den Rhein bei Lahnstein


Dazu muss ich erst mal zurück durch Lahnstein. Die Lahn-Brücke ist nach Rudi Geil benannt. Ehemaliger Innenminister in Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern. Ist der schon tot? Offenbar schon, sonst hätte man nicht die - im übrigen keineswegs neu wirkende - Brücke nach ihm benannt. Der Ort auf dieser Lahn-Seite ist so trist wie die Brücke. Die Fahrradbeschilderung lückenhaft. Ich verpasse den Weg zum Rheinufer-Radweg. Passiere aber dafür einen Aldi. Klimatisiert. Ich schleppe mich hinein und hindurch. Hitze und Schwüle haben einen Höhepunkt erreicht, obwohl erste Wolken aufgezogen sind. Ich kaufe tiefgekühlte Getränke, kippe sie in mich hinein. Was meine Gesamtstabilität keineswegs erhöht. Irgendwann muss ich den Klimaladen wieder verlassen. Es ist drückend, wirkt nicht mehr ganz so heiß. Ich trample einfach an der großen Straße entlang. Die noch größere Bundesstraße quert obenauf.
Freiliegende Landzungen: Niedrigwasser am Rhein südlich der Loreley im Juni 2011Erst in Braubach gibt es ein paar Varianten zum Überwinden der Bahnstrecke. Schön ist es hier auch nicht, auch wenn die grünen Unesco-Mittelrhein-Schilder das vermitteln wollen. Irgendwann soll der Radweg auch auf dieser Rhein-Seite durchgängig sein. Hier und da ist er schon vorhanden, hier und da wird er neu gebaut, hier und da ist ein schmaler Streifen, der sich nicht wirklich zum Radeln eignet vorhanden. Alles in allem: Stückwerk. Der Rhein von dieser Seite aber allemal eine Abwechselung gegenüber der Rad-, Zug-, Marathonstrecke linksrheinisch.
Kurz vor und kurz nach der Loreley ereilen mich kurze Gewitter. Beim ersten rette ich mich in einen Hauseingang, beim zweiten zwänge ich mich unter einen Bauwagen. Der Rhein freut sich über Wasser. Der Wasserstand ist seit Wochen extrem niedrig, überall liegen Flächen frei, die sonst unter der Wasseroberfläche unsichtbar bleiben (Foto rechts). Auch an der Loreley (Fotos unten), wo ich den verheißenen Rückenwind habe. Entgegen der Wettervorhersage ist er in der Nähe von Seitentälern und Gewittern heute sehr unzuverlässig.


An der Loreley-Skulptur bei St. Goarshausen
An der Loreley-Skulptur bei St. Goarshausen

Der Loreley-Felsen von Süden
Der Loreley-Felsen von Süden


Ich schleppe mich also so dahin auf dem langen Trail in den Süden. Die Fahrrad-Infrastruktur lässt immer mehr zu wünschen übrig. Beim Knick nach Osten spart man sich ein paar hundert Meter der Rhein-Kilometer-Zählung. Dafür erfasst mich nun der Wind aus Osten. In einer Tankstelle tanke ich noch mal Getränke und Kühle. Verpasse nolens volens den Einstieg in den Rhein-Ufer-Radweg, der schon nicht allzu berühmt ist. Viel schlimmer jetzt der alte, hier und da noch als solcher beschilderte Rhein-Radweg nördlich der unbefahrbaren Bundesstraße.
Nur rudimentär beschildert und in Stand gehalten frustriert der Weg mich noch mehr. Ich will längst in Mainz sein, aber das Durchschnittstempo hat sich immer mehr verlangsamt. In Eltville sind die unvermeidbaren Rosentage. Dann sind Rheinufer und Stadtdurchfahrt für Fahrradfahrer gesperrt. Umleitung Fehlanzeige. Keine rosigen Seiten für Radler. Erst weit hinter dem Ort gelange ich endlich an den Rhein, nehme die große Rheinbrücke, nachdem ich auf einige Fähren seit Lahnstein verzichtet habe. Und vollende die "Lücke" von Lahn, Rhein und Idstein.


Rush hour auf dem Lahntal-Radweg bei Weilburg
Rush hour auf dem Lahntal-Radweg bei Weilburg


Route Dillenburg - Lahn - Rhein - Mainz - Idstein



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen

Etappen Dillenburg - Lahn - Rhein - Mainz - Idstein (1.-4.6.2011)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 1.6.2011 Dillenburg Dietzhölztal Werthenbach 28
2. 2.6.2011 Werthenbach Lahnquelle - Lahn - Marburg Gießen 117
3. 3.6.2011 Gießen Lahn - Limburg - Zug - Idstein Mainz 122
4. 4.6.2011 Limburg Lahnstein - Rüdesheim Mainz 156
Summe 423

Panther Dominance Trekking: Schattenspiele im Wald auf dem Lahntalradweg
Schattenspiele im Wald auf dem Lahntalradweg


Anschluss Tour 83: Mainz - Denkendorf (341 km) Jan. 2017

Anschluss Tour 79: Westerwald - Hunsrück (383 km) Juni 2016

Anschluss Tour 78: Mainz - Jagst - Kocher (528 km) Mai 2016

Anschluss Tour 72: Mainz - Emmerich (416 km) Mai 2015

Anschluss Tour 74: Rheinhessen - Donnersberg (300 km) Aug./Sept. 2015

Anschluss Tour 70: Plettenberg - Rothenburg (467 km) Juli 2014

Anschluss Tour 69: Mainz - Plettenberg (444 km) Juni 2014

Anschluss Tour 24: Mittelrhein und Nebenflüsse (795 km) März/April 2004

Anschluss Tour 14: Mainz - Nordkap - Lofoten (4144 km) Juni/Juli 2001

Anschluss Tour 3: Essen - Zagreb (1680 km) März/April 1983

Anschluss Tour 2: Düsseldorf - Rom (1719 km) Sept. 1982


Nächste Tour: Aschaffenburg - Berlin (800 km) Juli 2011

Vorherige Tour: Mainz - Wissembourg (361 km) April 2011


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Tour 48: Karakorum-Highway (1010 km) 2009
Karakorum 2009
Chris Tour 51: Khartum - Addis Abeba (1760 km) 2010
Äthiopien 2010
on the Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) 2011
Moldau 2011
Bike Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
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