Tour 65: Kirgisien - Almaty (951 km) 2013
Kirgisien 2013
Chris Tour 68: Strasbourg - Vicenza (1275 km) 2014
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on the Tour 75: Iran - Persischer Golf (2690 km) 2015
Iran 2015
Bike Tour 82: Karibik: Barbados - Haiti (902 km) 2016
Karibik 2016

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VG WORTTour 82: Karibik: Barbados - Haiti (902 km)


Playa Limon, Dominican Republic
Playa Limon am Morgen

Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Karibik: Barbados - Haiti
In zehn Ländern auf kleinen und großen Antillen-Inseln (29.10.-20.11.2016)

Ausrüstung: Bike & More
Ausrüstung:
Bike & More
Für uns etwas völlig Neues: in der Karibik unterwegs. Und dann noch auf einer Kreuzfahrt. Zumindest in der ersten von drei Wochen. Natürlich wollen wir überall radeln. Dafür brauchen wir jeweils vor Ort Mieträder: auf den kleinen (US-Jungferninseln, Barbados, St. Lucia, St. Kitts, Sint Maarten/St. Martin sowie Anguilla) und großen Antillen-Inseln (Puerto Rico und Hispaniola mit der Dominikanischen Republik und Haiti). Das klappt mal besser, mal ist es etwas schwieriger. Wir genießen das hiesige November-Wetter: sehr warm, gelegentlich Regen und Wolken. Fast immer und überall können wir ins Meer springen. Eine großartige Tour - einschließlich der apokalyptischen Einfahrt in Cap Haitien.
Karibik: Mieträder
Mieträder:
More Bikes

Karibik - Teil 1: Kreuzfahrt
Acht Länder in sieben Tagen

Die erste Woche der Tour: unsere allererste Kreuzfahrt. Von Puerto Ricos Hauptstadt San Juan aus. Mit der Carnival Fascination. Bis nach Barbados und zurück. Mit Stopps auf den US-Jungferninseln, St. Lucia, St. Kitts, St. Maarten und Anguilla. Und überall kommen wir an Fahrräder. Auch, wenn es nicht immer ganz einfach ist...


Karibik - Teil 2: Hispaniola
Dominikanische Republik & Haiti

Die zweite und dritte Woche verbringen wir auf Hispaniola mit den Ländern Dominikanischen Republik und Haiti. An der Nordküste radeln wir von der Ostspitze bis ganz nach Westen. Wo wir in Cap Haitien ein furioses Finale erleben.


Knirschendes Pedal
Montag, 7. November 2016: Flug San Juan (Puerto Rico) - Punta Cana (Dominikanische Republik) - Bávaro (6 km)

...Im Flug können wir durch ein paar Wolkenlücken hindurch noch Strand mit Mangrovenwäldern in Puerto Rico und den grünen Osten der Dominikanischen Republik sehen (Foto unten).


Approaching Punta Cana from above
Anflug auf Punta Cana


Bike Zone Punta Cana: Armano and his assistant Am Flughafen haben die Taxifahrer ein Kartell gebildet. Unter 30 Dollar kommt man nicht in die 15 Kilometer entfernte Touristen-Stadt Bávaro . Für uns endet die Fahrt schon am Ortsrand bei "Bike Zone Punta Cana". Hier habe ich zwei Räder reserviert. Sie werden sofort aus der Werkstatt gerollt. Zwei Giant Revel Mountainbikes. Damit haben wir schon vor drei Jahren in Kirgisien und Kasachstan gute Erfahrungen gemacht. Nicht nur - wie versprochen - ein, sondern beide Räder haben einen Gepäckträger. Das ist klasse. Können wir den mobilen Gepäckträger, den wir aus Deutschland mitgebracht haben (Danke, Andreas!) und der an der Sattelstange montiert würde, gleich im Laden lassen. Die Proberunde fällt auch akzeptabel aus. Wir klären auch grob, was im Falle eines Totalverlustes der Räder auf uns zu kommen würde. Lassen von dem jüngsten Mitarbeiter (links auf dem Foto rechts) die Räder noch mal aufpumpen. Verteilen provisorisch das Gepäck. Und los geht's (Foto unten). Das neunte Radl-Land in neun Tagen. Auf sieben verschiedenen Rädern. Nun geht es auf die mit Abstand längste Strecke: rund 700 Kilometer Nordküste Hispaniola. Und schon nach den ersten Kilometern stadteinwärts nach Bávaro knirscht die linke Pedale an meinem Rad, bevor hinten die Kette abgeht. Die letzten Meter zum Hotel schiebt mich Miri. Morgen früh vor dem Start gibt es also noch einige Arbeit.


Blaue Stunde in Punta Cana: Fahrt auf unseren neuen Mieträdern Richtung Hotel
Blaue Stunde: Fahrt auf unseren neuen Mieträdern Richtung Hotel


Miri & Chris: Selfie bei Ulvero Alto Schönster Radler-Regen
Dienstag, 8. November 2016: Bávaro - Uvero Alto - Playa Limon (89 km)

Das Frühstück ist dürftig. Zu dürftig für Radfahrer. Dafür nette Gäste. Zwei farbige Studentinnen aus North Carolina, die Trump fürchten. Und die Wahl heute Abend online verfolgen wollen.
Kurze Inspektion der Pedale ergibt: das linke Pedal wackelt so stark, dass es ausgetauscht werden muss. Damit ist ein früher Start nicht mehr möglich. Um zehn Uhr, pünktlich zur offiziellen Öffnungszeit, bin ich beim Radladen Bike Zone Punta Cana. Immerhin die junge Kassiererin von gestern ist da. Sonst niemand. In einer halben Stunde komme der Mechaniker.
Ich warte. Nach einer halben Stunde ist nichts passiert. Sie versucht nun auf meine sensiblen Vorgaben hin, die Kollegen telefonisch zu erreichen. Ist aber wohl partout nicht möglich. Und auf die blubbernden Texteingaben an ihrem Smartphone passiert wohl auch nichts. Ein kleiner Junge (ein anderer als gestern) ist immerhin aufgetaucht, der wohl als Gehilfe hier arbeitet. Immerhin kann ich mir mit ihm mal die Werkstatt anschauen. Aussichten auf ein Ersatzfahrrad bietet sie nicht. Endlich hat sie den Mechaniker Armano am Telefon. In zehn Minuten will er da sein. Es dauert noch eine halbe Stunde, bis er auftaucht. Und ein weiterer Mechaniker. In wenigen Minuten ist das Pedal ausgetauscht. Die Sattelbefestigung ist auch hinüber. Wird auch ersetzt. Es kann losgehen.
Vom gestrigen und heutigen Regen stehen weite Teile der Straße durch Bávaro unter Wasser. Wir weichen oft bis weit auf die Gegenfahrbahn aus. Ein mühsames Fahren bei reichlich Verkehr. Alles wird anders, als wir auf die Schnellstraße geleitet werden. Die ist in einem Top-Zustand. Breiter Seitenstreifen. Wenig Verkehr. Und Rückenwind. Der Nordost-Passat zeigt seine Wirkung. Was will man mehr. Es geht nun zügig voran. Dann macht die Schnellstraße D3 einen Bogen nach Süden. Google Maps schlägt vor, den Bogen nach Norden zum Strand hin zu nehmen. Ist uns sowieso lieber. Es kommen die letzten Resorts der Region Punta Cana.


Pferde am Strand von Uvero Alto, Dominikanische Republik
Pferde am Strand von Uvero Alto

Pistenfahrt zwischen Uvero Alto und Las Lagunas de Nisibon, Dominikanische Republik
Pistenfahrt nach Regen

Bikes and Beack in Uvero Alto, Dominican Republic
Pause am Strand von Uvero Alto


Pistenfahrt zwischen Uvero Alto und Las Lagunas de Nisibon, Dominikanische Republik Ganz am Ende biegen wir zur Mittagspause an den Strand. Palmen, Sand, Meer (Fotos oben und ganz unten). Nebenan die Gäste einer Ferienanlage und das entsprechende Drumherum an Verkäufern. Die Wellen sind höher als heute morgen in Bávaro. Zum Schwimmen haben wir leider keine Zeit. Weiter geht's. Leider zunächst in eine (schöne, grüne: Foto oben links) Sackgasse an der Küste. Die Abzweigung nach Miches war zwar beschildert, aber nicht asphaltiert. Deshalb von uns nicht richtig wahrgenommen.
Mit der Piste beginnen auch wieder Wasserflächen (Foto oben), die immer größer werden (Foto rechts). Eigentlich aber so flach sind, dass die Füsse nicht total nass werden. Eine wunderschöne Landschaft mit Reisfeldern, Palmen, Bergen. Und ohne Autos. Nach sieben langsamen Kilometern sind wir wieder auf der Hauptstraße. Längst nur noch zweispurig. Mit noch weniger Verkehr. Und sehr wenig Ortschaften. Und immer alles total grün.
Dann beginnt, wie gehabt, der Nachmittagsregen. Erst stellen wir uns zu einem Malzbier bei einem Kiosk unter. Dann müssen wir einfach weiter, um noch halbwegs bei Tageslicht anzukommen. Anderthalb Stunden radeln wir durch den Regen. Schönster Radler-Regen, weil man zwar nass, aber nicht kalt wird. Hinter der Sabana de Nisibon, Las Lisas und der Laguna del Limon endlich die ersehnte Abzweigung zum Playa Limon. Hier habe ich bei der Recherche auf halber Strecke zwischen Punta Cana und der Fähre von Sabana de la Mar das Hotel "Rancho La Cueva" entdeckt. Mehr oder weniger schien es die einzige Möglichkeit weit und breit, zu übernachten.
Deshalb biegen wir hier ab Richtung Meer. Der verheißungsvolle Asphalt endet aber nach wenigen Metern. Es beginnt ein Ab und Auf von fast vier Kilometern Länge: gespickt mit zahlreichen, unvermeidlichen Riesenpfützen. Oft steht uns das Wasser bis weit über die Knöchel. Und rundherum Schlamm. Es ist düster und dunkel. Immerhin begegnet uns hier und da ein Mensch, der uns versichert, auf dem richtigen Weg zu sein. Dann erreichen wir die Ranch. Ein deutschsprachiger Herr ist hier der Chef. Lässt die Preisverhandlungen aber eine Mitarbeiterin führen (die allerings jeden Geldschein sofort persönlich dem Chef aushändigen muss - der ihr dann das Wechselgeld gibt). Zack, zahlen wir schon mal 40 US-Dollar. Hätten wir online bei hostelworld gebucht, wären es nur 30 US-Dollar gewesen. In unserem Zustand ist uns allerdings so gut wie alles egal. Die Anlage ist sehr schön (Foto unten am Morgen). Und hat auch einen Wasserschlauch, mit dem wir versuchen, uns und die Räder halbwegs zu entschlammen. Das angeblich vorhandene Wlan kann ich nicht entdecken. So findet die amerikanische Wahlnacht ohne uns statt.


Gute Seiten, schlechte Seiten: Hotel Rancho La Cueva, Playa Limon
Gute Seiten, schlechte Seiten: die Ranch La Cueva

Playa Limon in the morning
Miri und der Sonnenaufgang am Playa Limon


Dirt Trail und die Folgen: roter Schlamm färbt Rad-Gepäck Presidente-Bier nach Trump-Sieg
Mittwoch, 9. November 2016: Playa Limon - Miches - Sabana de la Mar - Fähre - Samaná (70 km)

Miri hat sich noch gestern Abend und heute Morgen in der Dunkelheit zum Playa Limon durchgekämpft. Auch dabei ist in den Schuhen unweigerlich wieder Land unter. Als ich den Playa Limon erreiche, springt Miri in den Fluten, beschienen von der gerade aufgegangenen Sonne (Foto oben). Es ist ein wilder Traumstrand. Zwischen Ranch und Strand beherrschen Palmen das Bild. Überall liegen Kokosnüsse und Palmzweige herum. Naturstrand. Alles wild. Und doch feiner Sand. Und unglaubliche Wellen. Die auch mich bald umwerfen. Die Strömung treibt uns unweigerlich nach Osten. Ein Naturschauspiel der Ewigkeit.
Das "kreolische Frühstück" in der Rancho La Cueva bringt uns zurück auf den Boden der Tatsachen. Es ist ein Mini-Imbiss, bestehend aus einem Burger-Unterteil, ein bisschen Rührei und zwei Scheiben Wurst, die wir meinten, abbestellt zu haben. Aber auch für die Milch zum Kaffee braucht die Gehilfin des Chefs mehrere Anläufe. Der Kettenrauchende Ranch-Chef behauptet auch noch, Donald Trump hätte die US-Präsidenten-Wahl gewonnen. Aber das ist eine andere Geschichte.
Wir kämpfen mit der Feuchtigkeit unserer Klamotten. Wir haben alles mögliche gestern Abend gewaschen, aber nichts ist trocken geworden. Ganz im Gegenteil: alles im Zimmer ist feucht geworden: selbst mein Buch. In der Sonne können wir manches halbwegs trocken bekommen. Aber die hohe Luftfeuchtigkeit ist enorm.
Als wir von dannen ziehen, ruft uns die Gehilfin noch "La Cuenta" - "Die Rechung" hinterher. Gemeint ist die Frühstücks-Rechnung. Dass das Frühstück etwas kostet, davon war aber überhaupt nicht die Rede. Ganz im Gegenteil: am Abend war der Eindruck erweckt worden, das (super-bescheidene) Frühstück gehöre dazu. Jetzt soll jedes "Frühstück" umgerechnet 5 US-Dollar kosten. Und jeder Tee und Kaffee einen weiteren Dollar. Auf meine Proteste nimmt der Chef zumindest Tee und Kaffee von der Rechnung. Wir ziehen davon, mit dem üblen Nachgeschmack, hier im Paradies des Hotels "Rancho La Cueva" am Playa Limon kräftig gelinkt worden zu sein: erst beim Übernachtungspreis, dann beim Frühstück.


Auf der Straße 104 (Carretera Higüey - Miches) Richtung Sabana de la Mar
Auf der Straße 104 Richtung Sabana de la Mar

Rinder auf der Straße 104: Carretera Higüey - Miches
Rinder-Auftrieb

Chris und kleine Palmen am Straßenrand
Kleine Palmen am Straßenrand


Sabana de la Mar: Ferry to Samaná Der Weg zurück zur Straße ist weniger mühsam als gestern Abend: die Pfützen sind flacher, und wir sehen besser, wohin wir treten. Dennoch müssen wir die Räder am Ende erstmal provisorisch putzen (das Gepäck bleibt dreckig: Foto links oben). Dann geht es weiter auf der hügeligen Küstenstraße. Schon nach ein paar Metern die Abfahrt zur "Rancho ecologico Tio Pepe" - vermutlich die bessere Alternative zur Rancho La Cueva. Allerdings eben hier vier Kilometer vom Strand entfernt.
Es ist wenig Verkehr. Und die Fahrer nehmen, wo nötig, Rücksicht. Schöne, grüne Landschaft (Fotos oben). Problem des Tages: um die vermeintlich letzte Fähre um 15 Uhr zwischen Sabana und Samaná zu bekommen, müssen wir uns sputen. Die Straße führt bei Sabana wegen eines Naturschutzgebietes nicht weiter nach Westen. Deshalb wollen wir hier über die Bucht von Samaná setzen. Und unsere Fahrt im Norden Richtung Haiti weiter fortsetzen.
In Miches halten wir kurz, um einzukaufen. Gefragt sind bei der Hitze Flüssigkeiten: Wasser, Wasser, Wasser, Joghurt, O-Saft, Malzbier. Literweise trinken wir direkt. Dabei haben wir noch Glück: auch heute ist es überwiegend bedeckt, manchmal ein paar Regentropfen. Die Grundwärme um 28 Grad bleibt.
Um 14.57 Uhr biegen wir in Sabana de la Mar auf die Zielgerade. Ein Mann auf einem Moped fragt uns, ob wir zur Fähre wollen. Er sei der Kapitän. Nun gut. Wir finden auch ohne ihn zum Hafen. Und die Fähre liegt noch da. Anders als erwartet: auf YouTube hatten wir uns einen Film von der Überfahrt angesehen: da wurden noch kleine Beiboote eingesetzt, die die Passagiere zur eigentliche Fähre brachten. Wir zweifelten schon, ob da überhaupt Fahrräder rüberbalanciert werden könnten. Inzwischen gibt es einen Steg, der rund hundert Meter über das seichte Wasser führt. Am Ende des Steges gehen nicht nur unsere Räder (Foto rechts), sondern auch noch zwei Mopeds an Bord, die fest angeseilt werden. Der Seegang ist nicht schlecht. Die Gischt treibt ins Boot.
Auf der andern Seite (Foto unten: Palmen-Hang) liegt die Aida Diva vor Anker. Mit Tenderbooten sind die Kreuzfahrt-Passagiere zum Tagesausflug nach Samaná geschippert worden. Wir treffen noch einige vor der Kirche. Zuvor nimmt uns ein einbeiniger Mann in Empfang, der uns für das Ho(s)tel Docia begeistern will. Wir sind vorsichtig. Versuchen es erstmal selbst mit dem Spring Hotel, mit dem wir sehr zufrieden sind.
Abendausflug zum Schwimmstrand des großen Hotels "Grand Bahia Principe Cayacoa". Danach noch Abendessen mit Pina Colada und dem lokalen Presidente-Bier - beides wohl mit wenig Alkohol - in einem netten, Bast-gedeckten Restaurant. Nice day.


Palmen in der Bucht von Samaná
In der Bucht von Samaná


Obst-Verkäuferin am Straßenrand zwischen Samaná und Sanchez Paradies-Radeln
Donnerstag, 10. November 2016: Samaná - Sanchez - Nagua - Cabrera ( 107 km)

Zum ersten Mal sitzen wir früh im Sattel: acht Uhr Start. Wir kommen in den Berufs- und Schulverkehr beim Weg hinaus aus der Stadt, hinauf auf den 200 Meter hohen Pass Richtung Westen. Vor allem Mopedfahrer sind unterwegs. Niemand trägt einen Helm. Oft sitzen drei, vier Leute auf einem Moped.
Der Verkehr bleibt belebt (Foto unten). Die Straße bis Sanchez ist fast durchgehend besiedelt. Überall Geschäfte und Verkaufsstände. An einem Obststand lassen wir uns zwei Kokosnüsse schlachten. Und Miri wird beglückt mit Papaya, Maracuja und einer unbekannten Frucht (Foto links).
In Sanchez unsere ersten Empanada-Versuche. Für uns werden die runden Teiglinge mit Käse bzw. Gemüse gefüllt, gefaltet und dann fritiert. Schmecken bestens. Kurz hinterm Flughafen geht links die Autobahn nach Santo Domingo ab. Die "Autopista del Nordeste" ist benannt nach dem inzwischen heilig gesprochenen Papst Johannes Paul II.: "Carretera Juan Pablo II." - Highway to Heaven, quasi.


Bananen-Transporter mit Schlagseite
Bananen-Transporter mit Schlagseite


Chris on the Bike bei Nagua, Dominikanische Republik Kilometerlang ziehen sich die Strände vor Nagua hin. An einem setzen wir uns auf die bereit stehenden Stühle unter Palmen und Bastschirmchen (Foto unten). Niemand weit und breit. Wir schwimmen und genießen das Früchte-Cocktail von Miri.
Wir wollen heute in unserem Zeitplan einen Teil des verpassten Fluges wieder aufholen. Deshalb fahren wir über Nagua hinaus. Weitgehend flach bleibt es. Oft nah am Meer, das man durch Palmen hindurch sieht. Paradies-Radeln (Foto rechts). Dann führt die Straße von der Küste ab, wo breite Flüsse die Straße unterqueren. Die letzten Kilometer sind etwas mühsam. Alles in allem sind es heute etwas über hundert Kilometer. Bei dem Wetter und den Rädern verlangt es uns einiges ab. Bei meinem Rad knackt nun wieder das vordere Tretlager. Die hintere Bremse schwächelt. Und der Sattel ist ungewohnt. Egal. Solange es rollt, zählt die unglaublich schöne Umgebung.
Kurz vor Cabrera werden im Straßenverkehr um uns herum offenbar gerade Motorradrennen ausgetragen. In der Königsdisziplin fahren zwei Fahrer auf der Maschine liegend gegeneinander. Klar, so ist der Luftwiderstand am niedrigsten. Natürlich ohne Helm.
Wir kommen sicher an. Und unter bei einem ehemaligen italienischen Profi-Radler im B & B El Malecon. Die Steilküste verhindert ein weiteres Bad im Meer. Am Abend kann Miri nicht einschlafen: die sportbegeisterte Mannschaft des Hauses schaut den WM-Qualifikationssieg von Brasilien gegen Argentinien.


Strand von Nagua, Dominikanische Republik
Pause und Meer-Bad am Strand vor Nagua


Fahrrad-Reparatur in Cabrera Mani öffnet uns die Augen
Freitag, 11. November 2016: Cabrera - Rio San Juan - Cabarete - Puerto Plata (111 km)

And you want to travel with her
And you want to travel blind
And you know that she will trust you
For you've touched her perfect body with your mind.

Ein langer Begleiter ist tot. Über Nacht wird bekannt, dass Leonard Cohen gestorben (und schon beigesetzt) ist.
Der Argentinier im Haus muss uns das Frühstück servieren. Er hat Angst, dass sein Team in Russland nicht dabei sein wird. Fahrrad fahren tut er hier nicht. "I have seen too many people dying." Stattdessen fährt er Motorrad...
Vom Start weg schleift Miris Hinterrad. Ich versuche mich mit einer Reparatur (Foto links). Eine Speiche ist gebrochen. Mein Speichenspanner greift leider nicht. Auch mit der Zange kann ich auf die Schnelle nichts ausrichten. Wir stellen die Bremse so, dass sie - solange Miri sie nicht nutzt - nicht schleift. Nach jedem Hinterrad-Bremsen muss sie also neu justiert werden. (Von Tag zu Tag klappt das besser.)
Der Verkehr und die Besiedlung nehmen den ganzen Tag über zu, je mehr wir uns Puerto Plata nähern. Es ist wieder recht flach. Wir haben Glück mit den Wolken. Und der Rückenwind ist eine angenehme Konstante. Von Beginn an fahren wir auch an einer bizarren Felswand entlang. Soweit sie hinter der Botanik zu erkennen ist (Foto unten).


Felsen bei Cabrera
Felsen bei Cabrera


Mani: Manfred Zeitler gibt uns gute Tipps in seiner Wahl-Heimat Cabarete Mittagspause in einem Straßenrestaurant in Sabaneta de Yásica. Wir bestellen irgendwas mit Reis. Schmeckt super. Auch der Salat. Ist ja auch Betrieb hier. Vor allem take-away.
Als wir uns dem Surfer-Paradies Cabarete nähern, gesellt sich von hinten Mani aus Ingolstadt an unsere Seite. Lächelt mit seinem guten Bike über unsere Ausrüstung. Hat ein paar Tipps für die weitere Strecke (Foto rechts). Und weist uns auf provisorische Stände für die Massenspeisung der Flutopfer hin. Die Wasserflächen, die wir teils durchwaten mussten, die sich immer wieder links und rechts der Straße erstrecken, sind nämlich keineswegs normal. Sondern haben viele aus ihrem Zuhause vertrieben.
Mani, alias Manfred Zeitler, lebt hier und erzählt, dass im Süden der Insel sehr viele Leute mit guten Renn- und Mountainbikes unterwegs seien. Wir haben sonst noch keine Radler gesehen. Alle fahren Moped. Heute sogar vereinzelt mit Helm.
Letzte Pause in Sosúa. Wir finden den Zugang zum Playa publico nicht auf die Schnelle. So pausieren wir im Hof eines Edelhotels. Es gibt sehr viele, sehr schöne, klassische Hotels hier.
Dann liegen am 11.11. 111 Kilometer hinter uns Wahl-Mainzern. Längste Etappe, kürzester Bericht.


Fahrrad-Reparatur in Puerto Plata
Erst Aufpumpen...

Fahrrad-Reparatur in Puerto Plata
... dann Flicken


Müllsucher auf einer Müllhalde bei Puerto Plata Dark Side of the Moon: Platten in Puerto Plata
Samstag, 12. November 2016: Puerto Plata - Villa Isabela - Estero Hondo - Punta Rucia (80 km)

Der Patron vom Hotel Gastil ist wirklich sehr nett und hat auch noch eine Idee, wie ich meinen Rucksack noch besser auf dem Gepäckträger befestige. Dabei ist der schon von Tag zu Tag stabiler geworden. Vor allem, seitdem ich mein Notebook als Basis nehme.
Der Fahrradladen nebenan hat schon auf. So kann ich meine Reifen aufpumpen. Lassen (Foto oben links). Vor allem vorne, hinten wäre es eigentlich nicht unbedingt nötig. Mehr als drei Bar traut der junge Mitarbeiter den Schläuchen nicht zu. Zu recht. Wie sich drei Kilometer weiter am Ortsausgang von Puerto Plata zeigt. Platten in Puerto Plata. Hinten. Und zwar innerhalb von Sekunden. Wir schieben zurück zur letzten großen Kreuzung. Jetzt fällt uns auf, wie viele Motorrad-Werkstätten und -Ersatzteilverkäufer es gibt. Bei der Kreuzung soll ein Fahrrad-Spezialist sein. Auch der ist eigentlich Motorrad-Reparateur. Der Chef nimmt sich aber sofort meinen Schlauch vor (Foto oben rechts).
Ich pumpe, er lokalisiert das Loch. Es sind zwei Löcher. Auf beiden Seiten des Schlauches an ein und derselben Stelle. Sieht nach Aufsetzen der Felge auf. Oder Materialermüdung. Und beim nächsten Aufpumpen zeigt sich: ein paar Zentimeter weiter noch ein kleiner Riss. Nach einer Stunde ist alles wieder verstaut. Der Chef freut sich über ein paar Euro, mehr noch über meine Visitenkarte.
Der Berg kann kommen. Auf der Hauptstraße D5 müssen wir bis auf 175 Meter Höhe. Vorbei an der Müllhalde, auf der viele Leute versuchen, noch etwas zu sammeln (Foto links).


Auf der Straße 30 von Saballo nach Vuelta Larga
Auf der Straße 30 von Saballo nach Vuelta Larga

Bei Villa Isabela
Bei Villa Isabela


Mango Tree Dann wird alles anders: eine nette Nebenstrecke, kaum Verkehr. Und auch die Landschaft ist anders: weite Weideflächen. Weniger Grün. Andere Bäume. Kaum noch Palmen (Fotos oben; Foto rechts: Mangos). Heute genießen wir das stundenlang. Zumal die Tagesetappe heute nicht so lang ist.
In den vergangenen Tagen haben wir den "verlorenen"Tag durch den verpassten Flug egalisiert. Heute wieder normale Härte. Und morgen Ruhetag. Auch das hebt die Stimmung. Die aber sowieso gut ist. Die Dominikanische Republik erscheint uns bisher - allen Warnungen vor Verkehr und Kriminalität zum Trotz - eher als ein Radlerparadies. Kaum als solches genutzt. Der Verkehr weitgehend rücksichtsvoll. Die Leute sind freundlich, reagieren aber nicht überschwänglich. Eher desinteressiert. Aber wenn man um etwas bittet, nach etwas fragt, wird gern geholfen.
Kurz vor dem Tagesziel Punta Rucia (oder Punta Rusia), hinter dem letzten 50-Meter-Hügel, endet unerwartet der Asphalt. Es geht weiter auf einer Holperstrecke. Auch hier gelegentlich durch Regen-Schlamm-Pfützen als Hindernisparcours konstruiert. Das gibt dem kleinen Ort zusätzlich eine romantische Note. Es gibt viele, kleine Unterkünfte. Teils direkt am Meer (Foto unten). Wäre unsere Reservierung vielleicht nicht nötig gewesen. Unsere Villa Beicaraibi liegt fast am Ende des Ortes: direkt am Wasser. Auch hier ein Italiener als Chef. In meinem Alter. So läuft Pink Floyds ganze Dark Side of the Moon, während ich am Strand meinen Blog schreibe. Und die Sonne untergeht (Foto unten): "The lunatic is on the grass... I'll see you on the dark side of the moon."


Chris approaching the Beach of Punta Rucia
Ankunft in Punta Rucia

Villa Beicaraibi: Sunset in Punta Rucia
Sonnenuntergang


Ruhetag = Waschtag in der Villa Beicaraibi in Punta Rucia Regen, Fisch, Bier und Wein am Ruhetag
Sonntag, 13. November 2016: Punta Rucia

Sonntag. Klassischer Ruhetag. Wäsche waschen (Fotos links und unten). So, wie fast jeden Tag. Wir wollten einen Gottesdienst besuchen. Es scheint zwei protestantische Kirchen zu geben im Ort. Aber bei keiner haben wir gestern Abend halbwegs verlässliche Information bekommen. So verbringen wir den Tag erst einmal in unserer Anlage direkt am Meer. Erstmals kommt unser neues, großes Moskito-Netz voll zum Einsatz (Foto unten). Es gibt viele Moskitos, aber sie machen sich dann doch nicht intensiv bemerkbar.
Wir haben uns ein Zimmer mit Balkon geleistet. So oder so, haben wir das ganze Haus, die Küche in der Vorhalle und den ganzen Hof für uns. Der italienische Chef und eine weitere Gruppe sind im Nachbarhaus. Es ist nicht wahnsinnig sauber hier, aber wir haben unsere Ruhe. Können jederzeit ins Meer. Allerdings ist das Wetter nicht ganz danach. Immer wieder regnet es. Auch nicht schlecht für einen Ruhetag.
So wird auch nichts aus einem Ausflug 15 Kilometer Richtung Osten nach La Isabela. Sie ging Ende 1493 als die zweite von Christoph Kolumbus in Amerika gegründete Siedlung in die Geschichte ein. Sie liegt 80 Kilometer östlich der am Weihnachtstag 1492 gegründeten allerersten Siedlung, La Navidad, im heutigen Haiti, die Kolumbus bei seiner Rückkehr ein Jahr später zerstört und verlassen vorfand. Mir fehlen auch einfach die Kräfte. So wird wohl auch nichts mehr aus Touren-Kilometer 100.000 auf dieser Tour (am Ende sind es 99.906 - nur 94 Kilometer fehlen).


Villa Beicaraibi in Punta Rucia: Wäschetrockner
Wäschetrockner

Bay of Punta Rucia
Die Bucht von Punta Rucia

Moskitonetz (Care Plus Moskitonetz Net Combi Box Long Lasting Impregnation) Villa Beicaraibi: Sunset in Punta Rucia
Moskitonetz in der Villa Beicaraibi in Punta Rucia


Fisch und Kochbananen in Punta Rucia Die große Attraktion von Punta Rucia ist eine winzige Insel draußen in der Bucht, die nur aus Sand besteht und auf der gerade drei, vier Holzbuden Platz haben. Wir können uns nicht dazu aufraffen, auch nur Näheres in Erfahrung zu bringen. Wir sind halt im Ruhetagmodus. Nur die Joghurtflasche nicht. Die explodiert und schießt mit ihrer pinken Creme über mein Notebook. Diese Zeilen sind der Beweis: es funktioniert noch.
Am späten Nachmittag dann der Spaziergang ins Dorf. Die Straßen sind wie gestern bei unserer Ankunft an vielen Stellen von Pfützen übersät. Hier und da kommt man nur mit Mühe trockenen Fußes voran. Am besten man geht in der Bucht am Strand entlang (Foto oben). Da ist es am trockensten.
Immerhin gibt es heute eine tolles Fischgericht. Mit frittierten Kochbananen (Foto rechts). Und dem lokalen Bier Presidente. Dessen grüne Flaschen wir ständig in zertrümmerter Form am Straßenrand vorfinden.
Bei der netten Verkäuferin, die neben vielen anderen Sprachen auch sehr gut Deutsch spricht, versuchen wir es mit einem Wein. Für anderthalb Euro bekommt man ein Drittel Liter. Besonders beeindruckend die Bodybuildenden Männer auf dem Etikett. Süß, wenig Alkohol, lokal.


Vor dem Start in der Villa Beicaraibi in Punta Rucia
Vor dem Start in der Villa Beicaraibi in Punta Rucia


On the dirt road from Punta Rucia to Villa Elisa Die Mücken von Monte Cristi
Montag, 14. November 2016: Punta Rucia - Villa Elisa - San Fernando de Montecristi (70 km)

Wir wissen: vor uns liegen zunächst 21 Kilometer Piste. Und da es am frühen Morgen wieder einiges geregnet hat (Foto oben) und auch als wir starten wieder mal regnet, ist der Weg entsprechend (Foto unten). Ich bin froh, dass ich gestern meine Hinterradbremse angezogen habe. Bei der Reifenpanne in Puerto Plata habe ich überhaupt erst entdeckt, dass die beiden Bremsgummis unterschiedlich lang sind. Jetzt bremsen sie wieder etwas. Und in dem glitschigen Schlamm ist manchmal eine heftige Bremsung die einzige Lösung gegen das Ausrutschen.
Es regnet zunächst leicht und es geht auf 225 Meter hoch. Es ist wunderschön. Praktisch kein Verkehr. Keine Menschen. Nur in den Orten hier und da. Die Steigungen sind eher flach, manchmal aber trotzdem zu viel für mich. Die Gangschaltung hat kein besonders großes Spektrum und mein linkes Knie will ich schonen. Deshalb schiebe ich das Rad relativ oft (Foto links).
In Agua de la Palma die Überraschung: Asphalt. Aber nicht auf unserer Strecke, sondern rechts ab. Ich kontrolliere offline bei Google Maps. Und siehe da: plötzlich wird dort die Asphaltstrecke empfohlen. Wir wissen allerdings nicht, wie viel Höhenmeter und Umweg das mit sich bringt. Wir fragen vor Ort. Und entscheiden uns für die Piste. Es geht ja inzwischen auch bergab. Dann beginnt schon ein paar Kilometer vor Villa Elisa wieder Asphalt. Erst bruchstückhaft, dann durchgehend.


Agua De La Palma
Agua De La Palma


Papayas am Baum In Villa Elisa treffen wir auf die zentrale Ost-West-Verbindung. Der totale Kontrast zu der beschaulichen Bergstrecke. Viele Busse sind unterwegs. Erst mal waschen wir unsere Räder. Machen Pause. Die Sonne kommt heraus. Leider das einzige Mal für heute. Schlimmer noch: der Regen geht erst richtig los. Immer wieder müssen wir Pause machen, um kräftigen Schauern auszuweichen.
Wir werden trotzdem reichlich nass. Und müde. Wie erschöpft wir sind, merken wir, als ich plötzlich anhalte, weil mal wieder meine dominikanische Fahrradtasche zwischen die Speichen geraten ist. Ich vergesse, Miri vorzuwarnen. Wir kollidieren. Miri stürzt. Zum Glück keine Schäden. Alles noch mal gut gegangen.
In San Fernando de Montecristi gelingt es uns, einen Geldautomaten zu erleichtern. Kräftig einzukaufen. Bevor wir durch die Salinenfelder (Foto unten) zu den Hotels am Strand fahren. Rechts liegt die Kulisse des Monte Cristi. Die Straße stößt auf das Hotel Marbella. Hier finden wir eine Unterkunft mit Meer- und Bergblick.


Salinas de San Fernando de Montecristi
Salinenfelder und der Monte Cristi

'Super-Vollmond' im Nebel des Sonnenaufgangs
"Super-Vollmond" im Nebel des Sonnenaufgangs

Hotel Marbella San Fernando de Montecristi: Blick auf den Monte Cristi
Zweites Frühstück mit Blick auf den Monte Cristi


Geflutete Flächen zwischen San Fernando de Montecristi und Dajabón Fahrt zu Haitis Grenze
Dienstag, 15. November 2016: San Fernando de Montecristi - Dajabón (38 km)

Nach dem vielen Regen, auch in der Nacht, am Morgen Nebel. All around. Der volle Mond sieht im Dunst aus wie der Sonnenaufgang (Foto oben). Der Nebel lichtet sich. Nur nicht rund um den Monte Cristi. Das Felsmassiv, das wie ein erratischer Block in der Ferne an der Küste steht (Foto oben). Verlängert durch kleinere Felsen im Meer. In dem bald auch Miri zu finden ist. Wie all die Tage bis heute - nur am Tag auf Hoher See hatte sie keine Chance. Meist mehrfach am Tag. Ein Rad- und Bad-Urlaub.
Das Hotel Marbella ist eine schöne Anlage am und im Meer. Samt Swimming-Pool. Und da wir es heute nicht allzu weit haben, lassen wir es langsam angehen. Ein letzter, langwieriger Recherche-Versuch bringt keine Hotellösung auf der haitianischen Seite der Grenze zu Tage. So reicht uns heute die Grenzstadt Dajabón als Ziel.
Ganz eben und schnurgerade führt die Straße am Naturschutzgebiet Monte Cristi mit seinen Mangrovenwäldern entlang (Fotos links und unten). Überall steht Wasser. Kein Wunder, dass uns an vielen Orten eine Armada von Mücken erwartet. Die Hotel-Mücken gestern hatten erstaunlichen Respekt vor unseren Anti-Mücken-Mitteln No-bite und Anti-brumm - das wirkungsvollste, was man so kriegen kann. Gestochen werden wir trotzdem. Aber die Zika-Infektionsgefahr ist wohl nicht so groß, wie von uns angenommen.


Gras, Dominikanische Republik
Gras


Adapter für amerikanische Steckdose: Tauchsieder in Sigg-Flasche In Dajabón fahren wir erst mal zur Grenze zwischen der Dominikanischen Republik und Haiti. In den letzten Tagen haben wir schon häufiger Haitianer gesehen und deren Kreolisch gehört. Die Befestigungen am Grenzfluss "Dajabón River" bzw. "Rio Massacre" (benannt nach verschiedenen spanisch-französischen und dominikanisch-haitianischen Metzeleien) wirken ein bisschen provisorisch.
Zwischen den Ländern gibt es wohl einen Grenzmarkt. Dessen Ausbau die Europäische Union gefördert hat. Aber den bekommen wir frühestens morgen zu sehen. Denn nach einem Mittagessen in einem chicen Semi-Selbstbedienungs-Restaurant an der Grenze entscheiden wir uns endgültig, für heute in Dajabón zu bleiben. War es gestern der Regen, so raubt uns heute die Sonne ähnlich die Kräfte.
Vor dem Restaurant bekommen wir einen Eindruck vom haitianischen Temprament: als ein kleiner Bus seine haitianische Klientel entlädt, entbrennt ein heftiger Streit um die Eigentumsrechte an einer der Gepäckstücke, von denen die meisten mehr nach Mülltüten aussehen. Der Streit wird lautstark und voller Emotionen ausgetragen, bis er vertagt wird, indem die Streithähne samt Streitobjekt auf den nächsten Kleintransporter verfrachtet werden. So entern wir am frühen Nachmittag ein Hotel. Es trägt ebenfalls den schönen Namen Masacre. In dem Miri mal wieder ihren Tauchsieder und unseren Steckdosen-Adapter zum Einsatz bringt (Foto rechts).
Die Straße runter ist ein Motorrad-Händler, der auch Fahrrad-Ersatzteile hat. Ich kaufe neue Bremsbeläge. Der Händler, Ernesto Gilberto Sanchez Peña, zeigt mir Videos von seinen Touren auf dem Smartphone. Die Straße nach Cap Haitien, meint er, sei super zu befahren. Wir werden sehen.


Cycling in Ouanaminthe, Haiti
Die ersten Meter Haiti in Ouanaminthe

Total-Nutzung der Fahrzeuge in Haiti
Total-Nutzung der Fahrzeuge

Students along the street in Haiti
Gespräch mit Schülern


Frau kocht am Straßenrand in Haiti "Von Reisen nach Haiti wird derzeit dringend abgeraten."
Mittwoch, 16. November 2016: Dajabón - Grenze Dominikanische Republik / Haiti - Fort Liberté - Milot - Cap Haitien (100 km)

Die Hotel-Masacre-Nacht ist ein Horror. Lärm im Gang bis Mitternacht und danach ein zweistündiger Film, dem man akustisch nicht ausweichen kann. Egal. Am Morgen ist Morgen. Ein neuer Tag. Die finale Tour-Etappe. Rein nach Haiti. Viele haben uns ermutigt. Das Auswärige Amt nicht: "Von Reisen nach Haiti wird derzeit dringend abgeraten." (Das ist aber eine Ebene unter der offiziellen ”Reisewarnung”, wie sie derzeit für Afghanistan, Irak, Jemen, Libyen, Somalia, Südsudan, Syrien und die Zentralafrikanische Republik gilt und ist auch keine ”Teilreisewarnung” wie für Teile vieler anderer Staaaten.)
Kurz nach acht stehen wir an der Grenze. Kurz darauf wird das Grenztor geöffnet. Eine offizielle dominikanische Ausreise ist uns nicht vergönnt. Unkontrolliert können wir sogar in haitianisches Territorium einfahren. Niemand kontrolliert, niemand hindert uns. Außer unser preußischer Anspruch auf einen Einreisestempel. Also, aus Haiti zurück und den Bogen durch die haitianische Immigration. Ein Beamter nimmt sich unserer an. Ich kann die beiden grünen Einreise-Karten ausfüllen, während Miri draußen auf die Räder aufpasst. Auch wenn der Beamte vier Jahre jünger ist als ich, kann er sich an 1974 erinnern: die einzige WM-Teilnahme von Haiti. In Deutschland. Ich habe damals alle WM-Spieler für mein Album gesammelt. Auch die von Haiti. Und weil die alle so schwarz waren, war für mich klar, dass Haiti in Afrika liegt. Was ich ziemlich lang als Gewissheit mit mir herumgetragen habe. Ein Stück Afrika aber auch hier: ich will rausgehen, um Miri auf der Einreise-Karte unterschreiben zu lassen. Der Beamte hält das für völlig überflüssig und lässt mich für sie unterschreiben. Ich zahle mit einem 20-Dollar-Schein und erhalte zehn Ein-Dollar-Scheine zurück.
Jetzt fahren wir zum zweiten Mal rein nach Haiti. In die Grenzstadt Ouanaminthe. Eine neue Welt (Foto oben). Miri meint, sie bekomme wieder mal jede Menge geboten für ihr Geld. Übrigens auch eine Zeitumstellung: hier ist es eine Stunde früher.
Die Straße ist exzellent (Fotos oben). Gebaut von der Europäischen Union. Danke, Brüssel! Hauptsächlich sind Motorräder unterwegs. Auch viel mehr Radler als in der Dom. Rep. Oft stehen sie auf oder hinten auf den Autos. Natürlich lebensgefährlich. Immerhin Motorradhelme gibt es häufiger als in der Dom. Rep. Oft fährt die klassische Familie mit zwei bis vier Kindern helmfrei auf einem Motorrad. Die meisten Autos sind UN-Fahrzeuge. Wir passieren eine urugayisch-peruanische Blauhelm-Station.


Fischer bei Fort Liberté, Haiti
Fischer bei Fort Liberté

Fort Liberté, Haiti
Ruinen des Fort Bayaha alias Fort Dauphin


Wasser und Bäume am Wegesrand im Norden HaitisWir entschließen uns zu einem Abstecher nach Fort Liberté. Hier wurde die Unabhängigkeit Haitis - die erste von Sklaven erstrittene in Amerika - unterschrieben. Das zugehörige Denkmal ist unvollständig. Wir stoßen vor bis zum Fort Dauphin, von den Spaniern zuvor als Fort Bayaha gegründet. Ein paar Trümmer an strategisch zentraler Position an der großen Lagune. Nebenan Fischer (Fotos oben). Leider fühlt sich ein junger Mann bemüßigt, sich uns als Guide an die Seite zu gesellen. Leider ohne einen Preis für seine Dienstleistung zu nennen. Außerdem vermissen wir eine zuverlässige Betreuung unserer Fahrräder. So gibt es leider keine Besichtigung.
Auf der Rückfahrt durch den Ort sehen wir genau das Hotel, von dem uns gestern ein Lebenszeichen fehlte. Das Hotel Quisqueya lebt. Leider nicht seine Email-Adresse, bei der ich nur sofort eine Fehlermeldung erhielt. Sonst wären wir definitiv gestern durchgestartet bis hierhin.
Auf der Fahrt zurück zur Straße ein Platten an meinem Hinterrad. Im Schatten der Mauer eines wiederum von der EU gesponserten Landwirtschaftsprojekts flicken wir den Schlauch. Ein Mann tut so, als wolle er helfen, tatsächlich will er betteln. Als der bewaffente Projekt-Schutzmann auftaucht, hält er sich zurück.
In Terrier Rouge machen wir Pause auf den Stufen einer Kirche. Die Schüler der benachbarten Schule kehren nach dem Mittagessen zurück in den Unterricht. Und schreiten mit Würde an uns vorbei. Überwiegend gar nicht mager. Im Ort auch Warnungen mit Piktogrammen vor Cholera (Foto unten).
Wir sind so schnell unterwegs - kein Regen und keine extreme Hitze trotz der Sonne - dass wir auch noch einen Abstecher nach Milot zu den Resten von Schloss Sans Souci machen. Das sind elf Kilometer leicht bergauf. Mit Rückenwind. Miri stellt plötzlich fest, dass inzwischen drei Speichen fehlen. Egal. Das Rad rollt noch. Immerhin muss die Hinterradbremse nicht völlig ausgehängt werden.


Warnung vor Cholera mit Piktogrammen in Haiti, November 2016
Warnung vor Cholera mit Piktogrammen

Ruinen von Schloss Sans Souci bei Milot, Haiti
Ruinen von Schloss Sans Souci bei Milot


Wahlplakat von Jude Celestin am Straßenrand im Norden von Haiti im November 2016 In Milot ist im Gegensatz zu Fort Liberté das Touristenbusiness organisiert. Allerdings nicht wahnsinnig transparent. Ein Guide redet von Anfang an auf mich ein. Ich wende mich an den Schalter. Dort werde ich erst aufgefordert, mich in eine Art Gästebuch einzutragen. Anhand dessen heißt es mit Hilfe einer offiziellen Tabelle, das Ganze koste für zwei Personen 40 Dollar. Mit Guide. Und wohl auch mit Transport zur Zitadelle. Nicht völlig unangemessen. Wenn auch für hiesige Verhältnisse relativ viel Geld.
Das Problem: wir haben nicht die Zeit für eine Rundum-Besichtigung. Und auch nicht ausreichend amerikanisches Geld. Das heißt, wir wissen nicht genau, wie viel wir morgen für die Rückfahrt samt Grenzübergang zahlen müssen und in welcher Währung das möglich ist. Haitinische Gourdes haben wir sowieso erst gar nicht angekauft. So ist alles für sie wie für uns unbefriedigend.
Wir würden einfach nur gern hier Sans Souci sorgenfrei besichtigen. Das ist aber wohl irgendwie nicht vorgesehen. So ziehen wir von dem Unesco-Weltkulturerbe-Hightlight einfach wieder ab. Alles gebaut zu Beginn des 19. Jahrhunderts von den ehemaligen Sklaven, die die Unabhängigkeit erstritten hatten. Die Ruinen sind beeindruckend. Die Unverhältnismäßigkeit der Kuppel zu dem mehrstöckigen Gerippe des Schlosses (Foto oben). Die Zitadelle bekommen wir leider nicht mal aus der Ferne zu sehen. Schade. Aber die Sicherheit, bei Tageslicht in Cap Haitien anzukommen, hat Vorrag. Hätten wir gestern von dem Hotel in Fort Liberté gewusst und dort übernachtet, hätte heute alles wunderbar gepasst.
Zurück also die elf Kilometer bis zur Abzweigung. Dann sind es noch zehn Kilometer bis zu unserem Hotel. Die heftigsten Kilometer der Tour. Ging bis jetzt alles gemächlich und gefühlt auch sicher über die Bühne, werden nun die Abstände zu Autos und Mopeds knapper. Der Verkehr nimmt immer mehr zu. Und der Müll am Straßenrand. Stadt. Die zweitgrößte Haitis nach der Hauptstadt Port-au-Prince.

Verkehr in Cap Haitien Mopeds - sowieso weit in der Überzahl - und unsere Räder kommen bald wesentlich schneller voran als PKW und LKW (Foto rechts). Das bedeutet aber ständiges Überholen rechts und links von den breiteren Fahrzeugen. Dazu überall Fußgänger. Und die Impressionen einer Stadt der Dritten Welt. Der Strand ist eine einzige Müllhalde. Man sieht vor lauter Plastikflaschen und Plastiktüten den Sand nicht mehr (Foto unten). Hier und da ist der Müll gruppiert. Dann geht es über den Fluss Mapou. Von der Brücke ein bizarrer Blick auf die Holzhütten, die bis ins Wasser hineingebaut sind. Aber wir müsen uns voll auf den Verkehr konzentrieren und die Stimmung ist nicht danach, das zu fotografieren.
Jenseits der Brücke kommt selbst der Moped-Verkehr zum Erliegen. Rushhour in Cap Haitien. Überall Pfützen, Baustellen, Müll, der das Fahren zum Hindernisparcour macht. Ich will noch zum Gare Routière, dem Busbahnhof. Um zu erfahren, ob von dort morgen unser Bus abfährt. Es dauert ewig. Und am Ende weiß ich nicht, ob wir den Busbahnhof nun gesehen haben oder nicht. Wir drehen ab Richtung Kathedrale. Fahren auf der A-Straße. Die Nord-Süd-Verbindungen haben Buchstaben, die West-Ost-Straßen Nummern. In Rue 11 soll das deutsche Generalkonsulat sein. Kaum vorzustellen. Wir haben nicht die Zeit und Nerven, danach zu sehen. Ein paar Straße weiter entdecken wir die Kathedrale. Hier ist der Verkehr tatsächlich schwächer. Und vor der Kathedrale ist eine Grünfläche. Ich gehe kurz in den riesigen Bau, in dem der Rosenkranz auf Französisch von einer kleinen Gruppe Gläubiger gebetet wird. Miri hält draußen die Räder. Da beide keinen Ständer haben, ist das oft die Notlösung.
Jetzt geht's nur noch darum, möglichst schnell zum Hotel am Ende von Rue 13 zu kommen. Da geht es aber noch kräftig den Berg rauf. Wir nähern uns offensichtlich einem Armenviertel. Plötzlich hat Miri hinten einen Platten. Auf den allerletzten Metern der Tour grundsätzlich zum idealen Zeitpunkt, wenn es so etwas für Platten gäbe. Das Hotel des Lauriers thront über dem Armenviertel. Man weist uns den Weg. Wir schieben die Räder den schmalen Betonstreifen hinauf. Mit sicherlich am Ende 15 Prozent Steigung. Nicht gerade von Sympathie ringsum begleitet.


Strand als Mülldeponie: Einfahrt in Cap Haitien
Strand als Mülldeponie: Einfahrt in Cap Haitien


Miri repariert ihr Rad in der Habitation Hotel des Lauriers, Cap Haitien Die Tore stehen offen und wir sind in einer anderen Welt. Gewählt hatte ich das Hotel wegen der super-positiven Bewertung bei booking.com. Nach unseren Erfahrungen mit ähnlich guten Bewertungen in der Dom. Rep. sind wir aber ein bisschen skeptisch geworden. Doch hier ist von Anfang an klar: es ist ein Traum. Wir werden vom Junior-Chef begrüßt. Und von allen behandelt wie Könige. Der Blick auf die Stadt ist fantastisch (Fotos unten). Unten im Armenviertel machen zwei junge Männer auf sich und ihren vermeintlichen Hunger aufmerksam. Die Kontraste sind bedrückend. Die Ungleichheit auf der Welt ist hier nicht zu verdrängen. Wir leben ganz oben. Unverdient.
Dabei sind die 60 US-Dollar fürs Doppelzimmer mit Frühstück keineswegs die Luxusoption für Cap Haitien. Wir sind auch einfach froh, am Ziel unserer Radltour an der Nordküste von Hispaniola zu sein. Miri macht sich sofort daran, ihren Platten zu flicken (Foto rechts). Dabei stellt sich heraus: unsere heimatliche Luftpumpe, mit der wir die ganze Tour bestreiten, passt gar nicht auf Autoventile, wie sie drei von den vier Schläuchen haben. Sie passt nur auf das französische Ventil: genau dieser Schlauch war bisher der einzige mit Platten. Lucky us.
Fürs Autoventil hat das Haus einen Kompressor. Mit drei Flicken sind die Löcher (Ursache ein kleiner Draht) geflickt. Ich trinke derweil das erste haitianische Bier: Prestige. Wesentlich mehr Alkohol als Presidente im Nachbarland. Nicht ahnend, dass wir vom Juniorchef noch zum Rum-Punch eingeladen werden. Das ist die Krönung. Dann erscheint sein Vater, der Seniorchef samt Dame des Hauses. Mit ihr hatte ich vor Wochen korrespondiert. Über die Möglichkeiten, in Cap Haitien ein Rad zu kaufen oder zu leihen. Was dann nicht mehr notwendig war.
Der Vater kann sich lebhaft an die Spiele von Haitis Mannschaft bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland erinnern. Bis heute der einzige Auftritt des Landes bei einem Endrunden-Turnier. Sie haben sogar zwei Tore geschossen damals, gegen Italien haben sie 1:0 geführt. Höhepunkt der Fußballgeschichte Haitis.
Mitten hinein ereilt uns eine Mail des Auswärtigen Amtes. Wir haben uns entsprechend der Sicherheitsempfehlungen des deutschen Außenministeriums vorgestern für diesen Trip nach Haiti registriert. Deshalb werden wir jetzt im Vorfeld der Wahlen am Sonntag (Foto oben links: Wahlplakat am Straßenrand: Jude Célestin wurde mit rund 19,5 Prozent der Stimmen zweiter) auf Deutsch (Liebe Landsleute, ) und Französisch (Chers Compatriotes, ) gewarnt: "Es wird dringend geraten: - nur absolut notwendige Fahrtbewegungen durchzuführen... - sicherzustellen, dass Sie genügend Proviant und Wasser zu Hause haben und ihr Fahrzeug voll betankt ist..." Sicher berechtigt. Und entspricht doch überhaupt nicht der Stimmung, wie wir sie gerade (er)leben.
Der Junior-Chef zeigt uns noch ein bisschen vom Gelände, das sich wohl weit über den Berg erstreckt. Sie bauen an einem größeren Swimming-Pool und an Dorms, mit denen sie hoffen, Rucksack-Touristen anzuziehen. Von der Stadt herauf klingt die ganze Nacht über Musik, Verkehr, Polizeisirenen. Und dann regnet es immer wieder. Zum Glück sind wir heute tagsüber davon verschont geblieben.


Happy in Haiti: auf der Ballustrade der Habitation Hotel des Lauriers am Ziel der Tour in Cap Haitien
Happy in Haiti: am Ziel der Tour in Cap Haitien

Blick vom Hotel auf ein Armenviertel von Cap Haitien
Blick vom Hotel auf ein Armenviertel von Cap Haitien


Caribe Tours: Busstation in Cap Haitien Doppelte dominikanische Einreise für Miri
Donnerstag, 17. November 2016: Busfahrt: Cap Haitien - Grenze Haiti / Dominikanische Republik - Santo Domingo

Auch das Frühstück sprengt die durch die Dom. Rep. dünn gewordenen Erwartungen. Extra für uns in aller Frühe. Der einzige grenzüberschreitende Bus fährt nämlich um 9 Uhr - dominikanischer Zeit. Das heißt: 8 Uhr Haiti-Zeit.
Miris Rad hat trotz der Reparturen gestern Abend wieder Platten. Deshalb wollen wir das Angebot des Hotels annehmen, uns vom Chauffeur zum Busbahnhof bringen zu lassen. Der ist allerdings auf dem Weg zum Flughafen. Bzw. auf dem Rückweg. Wir warten. Irgendwann meint die Dame des Hauses dann aber doch, es sei Zeit zum Aufbruch.
Miri pumpt den platten Hinterreifen einfach mal auf. Zunächst können wir die 15 Prozent bergab sowieso nur vorsichtig schieben. Unten dann wieder reichlich Verkehr. Gespickt mit den Pfützen der nächtlichen Regenfälle. Wir erreichen die Station der dominikanischen Busgesellschaft Caribe Tours (Foto links) locker. Das hat mit dem Busbahnhof, nach dem wir gestern suchten, nichts zu tun. Es geht relativ entspannt und übersichtlich zu. Fast alle Fahrgäste sind schon da.
Wir kaufen die Tickets für je 50 Dollar. Unsere Pässe werden einbehalten, dann wieder verteilt. Nun sitzt am Fahrkarten-Schalter plötzlich der haitianische Grnezkontrolleur, der auch die grünen Karten, die wir bei der Einreise bekommen haben, einbehält. Schließlich müssen unsere Räder untergebracht werden. Die kosten jeweils 10 Euro. Inlands-Transporte normalerweise nur 3 Euro. Ein Vorderrad müssen wir ausbauen. Die Bahnhofs-Chefin meint, der dominikanische Zoll werde auch noch mal dafür kassieren.
Die Fahrt aus der Stadt führt uns noch mal aus etwas erhöhter Position an unserer gestrigen Route entlang. Jetzt in strömendem Regen. Viele Menschen harren unter Unterständen aus (Foto unten). Es ist ein bisschen apokalyptisch. Und doch sehr lebensfroh.


Cap Haitien: Impressionen am Straßenrand vom Bus aus
Cap Haitien: Impressionen am Straßenrand vom Bus aus

Müll an der Strandpromenade von Cap Haitien
Noch mehr Müll an der Strandpromenade


Caribe Tours: Fernbus Cap Haitien - Santo Domingo mit Wlan Langsam schiebt sich der Bus über die Grenzbrücke. Auf der haitianischen Seite kamen nur die Geldwechsler in den Bus, um ihre Geschäfte anzubieten. Auf der dominikanischen Seite müssen wir aussteigen und uns einzeln ausweisen. Das herumstehende Fingerprint-Gerät bleibt unbenutzt.
Wir haben das Gebäude gestern gar nicht als Grenzstation wahrgenommen. So fehlt uns denn auch der dominikanische Ausreisestempel. Und der ist verbunden mit der Zahlung von 20 Dollar. Bei mir merkt es keiner, Miri muss nachträglich zahlen, ausreisen und kann dann wieder einreisen. Die Pässe bleiben zunächst in der Grenzstation.
Unsere beiden Ortlieb-Taschen müssen noch zum Zoll. Zwei kleine Jungs verdienen sich damit Geld: sie schleppen unsere Taschen um die Ecke, wo symbolisch in eine von beiden ein Blick geworfen wird. Das Handgepäck bleibt sowieso unkontrolliert. Ich gebe den beiden Jungs je einen Dollar. Daraufhin wollen andere auch noch Geld haben. Unsere Räder werden nicht erwähnt. Wir hoffen, dass sie noch unten im Bus sind (Foto unten). Der von der Grenze an nun sensationeller Weise sehr gut funktionierendes Wlan hat (Foto rechts). Deutsch Bahn, Flixbus: can you hear me?
In Santo Domingo ist Miris Rad naturgemäß wieder platt. Wir schieben die zwei Kilometer zum Hotel. In dieser Gegend der Millionen-Metropole ist es entspannt. Auch wenn die Hotel-Tür von innen stets verriegelt ist.


Caribe Tours: Fahrrad-Transport
Ein ganzes Fach für unsere Räder

Einfahrt mit dem Taxi ins Armenviertel Los Guandules in Santo Domingo
Einfahrt mit dem Taxi ins Armenviertel Los Guandules in Santo Domingo


Escuela Santa Filomena, Los Guandules in Santo Domingo, Dominikanische Republik Der überwältigende Morgen in der Schule Santa Filomena
Freitag, 18. November 2016: Santo Domingo - Bus - Punta Cana

Die Klasse 2 c der Maler-Becker-Schule in Mainz-Gonsenheim hat uns etwas ganz Besonderes mitgegeben, das auch nach der langen Reise in meinem Rucksack immer noch toll aussieht: ein Foto, einen bunten Brief von der ganzen Klasse und von jedem ein selbst gemaltes Bild (Fotos links und unten) für ihre Partnerschule in Santo Domingo. Die Escuela Santa Filomena liegt im Armenviertel Los Guandules ganz in der Nähe der Altstadt, die hier Zona Colonial heißt: Santo Domingo war die erste europäische Stadt in Amerika. Ein Bruder von Kolumbus hat sie hier aufgebaut.
Man empfiehlt uns, weder zu Fuß noch mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen. Nehmen wir also ein Taxi. Der Fahrer kennt sich da nicht so recht aus, aber wir haben ja Google Maps. Die letzte Straße ist extrem eng (Foto oben), aber die Autos fahren vor und zurück, um aneinander vorbeizufahren. Es sind niedrige Häuser. Die Armut ist nicht auf den ersten Blick erkennbar.
Das Schultor ist verschlossen, der Schulhof - von einer hohen Mauer mit Stacheldraht umgeben - leer, alles wirkt auf den ersten Blick leblos. Es ist Unterricht, jetzt gegen halb zehn. Ein Torwächter öffnet uns. Und so, als wären wir angemeldet, begrüßt uns die Schulleiterin, Professora Luz Maria. Einen Priester und die Schulleiterin aus Gonsenheim kennt sie schon länger persönlich.
Wir zeigen ihr die Bilder und den Brief der Schüler aus Mainz in Deutsch und Spanisch (Danke, Manuela!). Die Direktorin hat sofort eine Idee, wo alles am besten aufgehoben ist: wir werden in der kleinen, einstöckigen Schule in die Klasse 2a geführt.


Escuela Santa Filomena, Los Guandules in Santo Domingo, Dominikanische Republik:
Schülerin blickt auf Brief und Bilder aus Mainz-Gonsenheim

Escuela Santa Filomena, Los Guandules in Santo Domingo, Dominikanische Republik
Spenden aus Mainz-Gonsenheim: Spielgeräte im Pausenhof

Escuela Santa Filomena, Los Guandules in Santo Domingo, Dominikanische Republik: Gruppenbild mit Gästen und Lehrerin Regina
Gruppenbild mit Gästen und Lehrerin Regina


Escuela Santa Filomena, Los Guandules in Santo Domingo, Dominikanische Republik: Regina in action Im Chor begrüßt uns die Klasse. Und voller Begeisterung trägt die Klassenlehrerin Regina den Brief aus Deutschland vor. Auf jeden Satz reagiert die Klasse euphorisch. Und oft im Chor: "Maler-Becker-Schule..." Am Ende des Briefes kommen viele Fragen der deutschen Schüler nach dem Schulalltag in der Dominikanischen Republik. Und auf jede Frage melden sich stürmisch ganz viele der rund 40 Schülerinnen und Schüler (Foto rechts). Ich zeichne die Antworten mit der Kamera auf.
Schließlich bekommt jeder Schüler ein weißes Blatt Papier, schreibt einige Worte darauf und malt etwas mit dem Bleistift. Die Lehrerin und eine Unterrichts-Helferin verteilen hier und da einen Buntstift zum farbigen Ausmalen. Unterdessen zeigt mir die Schulleiterin die Turngeräte im Pausenhof, die durch Spenden aus Mainz gebaut werden konnten (Foto oben). Die Schüler der Klasse 2c in Gonsenheim hatten dafür im Herbst einen Spendenlauf gemacht, bei dem Sponsoren pro gelaufene Runde Geld zahlen sollten.
Leider lassen meine Spanisch-Kenntnisse kein intensives Gespräch über die Situation in der Schule und dem Stadtviertel zu. Der Austausch ist trotzdem sehr herzlich. Auf allen Seiten glückliche Gesichter. Wir nehmen die liebevoll gestalteten Blätter der Schüler mit. Und Luz Maria übergibt uns noch an zwei Motorradfahrer. Die bringen uns durch den Verkehr der Drei-Millionen-Metropole in touristische Gefilde (Foto unten). Ab und an setzen sie einen Helm auf: offenbar nur in der Nähe von Kontrollen. Für uns gibt es natürlich keinen Helm. Wir schauen uns noch hinter dem Denkmal von Christoph Kolumbus die älteste, erhaltene Kirche Amerikas an (Foto unten): die Kathedrale von Santo Domingo. Ich sitze einfach nur in der Bank. Der Morgen war einfach überwältigend.


Miri on a real Bike in Santo Domingo, Dominican Republic
Miri on a real Bike

Columbus-Park und die Kathedrale Primada de América
Columbus-Park und die Kathedrale Primada de América

Bike Transport: Bávaro  Express in the Bus from Santo Domingo to Punta Cana
Im Bus nach Punta Cana

Zufahrt über den Expreso 27 de Febrero auf die Brücke Presidente Juan Bosch, Santo Domingo
Zufahrt über den Expreso 27 de Febrero auf die Brücke Presidente Juan Bosch

Beach in Bávaro , Dominican Republic
Strand in Bávaro , Punta Cana


Nackte Barbie-Puppe im Swimmingpool des Lodging house Beach in Bávaro , Punta Cana Bodentransport
Samstag, 19. November 2016: Flug Punta Cana - Frankfurt

Zurück in Punta Cana. Die Räder konnten wir gestern Abend gerade noch im Fahrradladen Bike Zone abgeben. Die Mitarbeiter waren schon auf dem Heimweg. Sahen dann aber, wie wir die Räder an der Bushaltestelle in der Nähe wieder zusammengesetzten. Vier Stunden hatte die Fahrt gedauert. Die Rad-Mechaniker fuhren für uns zurück zum Laden. Wo wir zwei Minuten vor dem offiziellen Ladenschluss aufschlugen.
So bleibt heute nur noch Baden, Shoppen, Relaxen. Am Meer, im Meer und im Pool (Fotos oben, links, unten).
Bei der Fahrt zum Flughafen schlagen wir dem Flughafen-Taxi-Kartell mit seinem 30-35-Dollar-Preis ein Schnippchen. Ein anderer Hotelgast hatte uns auf das Start-Up mozio.com mit dem Slogan "Your Ground Transportation" aufmerksam gemacht. Automatisch werde ich zur deutschen Seite ("Ihr Bodentransport") weitergeleitet. Für die angefragte Strecke von unserem Hotel zum Flughafen werden viele Angebote generiert. Samt Luxus-Limousinen. Wir wählen die billigste Variante: zwei mal sechs Dollar. Und kommen so wunderbar zum Flughafen. Müssen keine Räder einchecken. Und fliegen durch die Nacht heim.

Die Zitadelle von Milot haben wir nicht erreicht. Und Touren-Kilometer 100.000 steht weiterhin aus. Ansonsten haben wir sooo viele Ziele dieser Tour erreicht. Sooo viele Inseln. Eindrücke. Menschen. Der Aufwand in der Vorbereitung für diese allererste Kreuzfahrt mit Fahrradfahrten war groß. Er hat sich gelohnt. Von der Kreuzfahrt sind wir begeistert. Von der Karibik. Alles ein einzigartiges, großartiges Geschenk.


Bucht von Bávaro
Bucht von Bávaro


Karibik - Teil 1: Kreuzfahrt
Acht Länder in sieben Tagen

Die erste Woche der Tour: unsere allererste Kreuzfahrt. Von Puerto Ricos Hauptstadt San Juan aus. Mit der Carnival Fascination. Bis nach Barbados und zurück. Mit Stopps auf den US-Jungferninseln, St. Lucia, St. Kitts, St. Maarten und Anguilla. Und überall kommen wir an Fahrräder. Auch, wenn es nicht immer ganz einfach ist...


Route Karibik - Teil 2: Hispaniola
Dominikanische Republik & Haiti


Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen

Gesamt-Route
Karibik: Barbados - Haiti

Routen-Karte Karibik: Barbados - Haiti
Route in Rot mit den Stationen 1 bis 11 in chronologischer Reihenfolge


Etappen Karibik: Barbados - Haiti (30.10.-16.11.2016)

Details als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
Teil 1: Kreuzfahrt
Puerto Rico:
1. 30.10.2016 Viejo San Juan Isla Verde Viejo San Juan 26
US-Jungferninseln: St. Thomas
2. 31.10.2016 Magen's Bay 1
3. 1.11.2016 Karibisches Meer
Barbados:
4. 2.11.2016 Bridgetown North Point - Bathsheba Bridgetown 79
Saint Lucia:
5. 3.11.2016 Anse Mamin 11
Saint Kitts (and Nevis):
6. 4.11.2016 Basseterre Brimstone Hill Fortress - Saddlers Basseterre 56
Sint Maarten & Saint Martin & Anguilla:
7. 5.11.2016 Philipsburg Marigot - Fähre - Blowing Point - The Valley - Sandy Ground - Blowing Point - Fähre - Marigot - Terres Basses Philipsburg 58
8. 6.11.2016 San Juan
Teil 2: Hispaniola
Dominikanische Republik & Haiti:
9. 7.11.2016 Punta Cana Bávaro 6
10. 8.11.2016 Bávaro Uvero Alto Playa Limon 89
11. 9.11.2016 Playa Limon Miches - Sabana de la Mar - Fähre Samaná 70
12. 10.11.2016 Samaná Sanchez - Nagua Cabrera 107
13. 11.11.2016 Cabrera Rio San Juan - Cabarete Puerto Plata 111
14. 12.11.2016 Puerto Plata Villa Isabela - Estero Hondo Punta Rucia 80
15. 13.11.2016 Punta Rucia
16. 14.11.2016 Punta Rucia Villa Elisa Montecristi 70
17. 15.11.2016 Montecristi Dajabón 38
18. 16.11.2016 Dajabón Grenze D.R./Haiti - Fort Liberté - Milot Cap Haitien 100
Summe 902

Uvero Alto: Pushing the Bike to the Beach
Pushing the Bike


Nächste Tour: Mainz - Denkendorf (341 km) Jan. 2017

Vorherige Tour: Bari - Vicenza (1003 km) Sept. 2016


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Tour 48: Karakorum-Highway (1010 km) 2009
Karakorum 2009
Chris Tour 51: Khartum - Addis Abeba (1760 km) 2010
Äthiopien 2010
on the Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) 2011
Moldau 2011
Bike Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
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