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Miri & Chris in Mumbai: Gateway to India
Mumbai: Gateway to India

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Malé - Colombo - Mumbai - Dschidda - Beirut (5.2.-1.3.2020)
Radeln rund ums Arabische Meer:
Malediven, Sri Lanka, Indien, Saudi-Arabien und Libanon

Ausrüstung: Bike & More
Ausrüstung:
Bike & More
Achtung: Noch UNKORRIGIERTER und UNVOLLSTÄNDIGER TEXT

Teil 2: Saudi-Arabien & Libanon


Teil 1: Malediven, Sri Lanka, Indien


Rucksack auf Sitz in Rhein-Main-S-Bahn
Mittwoch, 5. Februar 2020: Mainz - Zug - Frankfurt - Flug...

Der Condor-Flug um 20:15 Uhr liegt ideal nach Ende des Arbeitstages und bringt mich ohne Umstieg ans Ziel: Malé (Betonung auf langem A), Malediven. Andrea bringt mich wieder zum Hauptbahnhof. Und weil ich mein Powerbank vergessen habe, sogar vorher noch zu Hause vorbei. Weil am Sitz USB-Strom angeboten wird, brauche ich es erstmal nicht. Im Herbst in der Karibik habe ich es nur an langen Flugtagen gebraucht. Aber weil fast alles im Smartphone steckt, möchte ich es nicht ausgehen sehen.
Alle meine Räder habe ich daheim gelassen. Für die Kreuzfahrt wäre eh nur das Faltrad infrage gekommen. Doch meine Schmerzen am Schulterblatt rühren wohl genau daher. Von 2000 Kilometern in der Karibik. Physiotherapeutin Juliane „Jule“ Engelmann hat mich mit ihrer Beharrlichkeit und den richtigen Übungen in der Praxis Behnke auf den Höhen des Hunsrücks den Januar über überraschend deutlich nach vorne gebracht. Mal sehen, wie weit ich auf Mieträdern komme. Nur Handgepäck zur Seite macht die Anreise relaxter. Nur die zwanzig Euro für das Gepäckstück, das ich mitgebucht habe, lösen sich in Kerosin auf.


Condor: Bildschirme im Flugzeug bei Nacht
Nachtflug auf die Malediven


Alte Decke: Thomas Cook Airlines Als die Stewardessen Zigarettenrauch aus dem Washroom riechen, werden sie sehr ernst. Eine hechtet dem vermeintlichen Raucher nach. Die andere unterbricht den Toilettengang seines Nachfolgers („Informieren Sie uns sofort, wenn Sie Rauch bemerken!“) und wühlt im Müll, bis sie den Marlboro-Zigarettenstummel gefunden hat. Der Kapitän wird informiert. Macht aber nur einige Zeit später eine Wohlfühl-Ansage: „Wir möchten Sie noch einmal bitten...“
Das Paar zu meiner Linken aus Berlin und La Palma hat irgendein Resort gebucht, von dem sie nicht wissen wo es liegt. Sie wickelt sich in eine der bereit liegenden Decken mit dem anachronistischen Schriftzug Thomas Cook Airlines. Wenige Tage nach meiner Flugbuchung meldete Thomas Cook seinen Bankrott an. Knapp vierhundert Euro schienen verloren. Condor erhielt eine Bürgschaft??? der Bundesregierung, die Zukunft ist noch nicht entschieden.


Condor: Bunte Beleuchtung im Flugzeug
Farbenfroher Morgen

Deutsche Radlerin mit Helm in den Backwaters von Kottayam, Indien
Miri in den Backwaters von Kottayam


Malediven


Immigration: Long Queue at Malé International Airport
Zwei Stunden Wartezeit bis zum Einreisestempel auf den Malediven


Grand Friday Mosque - Malé
Donnerstag, 6. Februar 2020: ...Flug - Malé - Fähre - Himmafushi (6 km)

Reisen in den Zeiten des Coronavirus. Schon im Flugzeug müssen wir zusätzlich zum Einreisezettel ein Blatt über unseren Gesundheitszustand ausfüllen. Ob die Nase in den letzten Tagen gelaufen ist? Ob ich in den letzten 14 Tagen in China gewesen bin? Die Arrival-Hall ist brechend voll. Offensichtlich sind ein paar Flieger kurz vor uns gelandet. Am Eingang machen Mitarbeiterinnen mit Kopftuch und Mundschutz per Kamera einen Gesundheitscheck. Bald zeigt sich: es geht nur im Schneckentempo voran. Ich komme mit einem jungen Paar aus Köln neben mir ins Gespräch. Bei ihr ist mir der türkische Pass aufgefallen. Sie haben grad geheiratet. Honey Moon auf den Malediven. Ein Wasserflugzeug soll sie ins All-inclusive-Resort bringen. Ihre erste Fernreise. Für schlappe fünfeinhalbtausend Euro. Da wird der Pilot auch die zwei Stunden warten, die wir am Ende für den Einreisestempel brauchen.
Eine Fähre bringt mich rüber nach Malé City. Kleinste und dicht besiedeltste Hauptstadt der Welt. 100.000 Menschen leben auf vier Quadratkilometer. Und fast jeder scheint ein Motorrad zu haben. Sie stehen dicht gedrängt überall am Straßenrand. Google Maps rechnet hier für zwei Kilometer Autofahrt zwölf Minuten. Joggingtempo. Ich suche allerdings ein Fahrrad. Auf der künstlich aufgeschütteten Insel Hulhumale nördlich vom Flughafen habe ich einen aussichtsreichen Shop gefunden. Samt Facebook-Account. Doch auf meine Nachricht haben sie nicht geantwortet. Versuche ich es hier mit dem Laden Cycle Spare. Dafür muss ich quer über die Insel durch die schmalen Straßen. Der Linksverkehr ist kaum zu bemerken, weil die meisten Einbahnstraßen sind. Cycle Spare hat dann tatsächlich eher Ersatzteile. Und ein einziges Fahrrad. Chic in weiß-rosa. Rund 150 Euro soll es kosten. So billig hätte ich es nicht eingeschätzt. Auf den Straßen findet man vereinzelt runtergefahrene indische Räder.


Malé: Thunfisch
Fette Beute: Thunfische in Malé

Kokosnüsse vor Schiff in Malé
Kokosnüsse direkt vom Schiff


Himmafushi: Ferry Naseeb 8 Ich verschiebe das Radeln auf die Insel Himmafushi. Die liegt relativ nah bei Malé. Deshalb hab ich dort ohne große Recherche ein Zimmer im Moodhu Surf House gebucht. Die einzige Fähre, die ich im Internet finde fährt um 15 Uhr. Und erst Samstagmorgen um acht Uhr zurück. Freitags ruht sie. Alle Malediven sind Muslime. Voraussetzung für die Einbürgerung. Tatsächlich legt Naseeb 8 Punkt drei ab. Mit einigen Motorrädern und vielen, vielen Kisten. Gemächlich schippert sie am Flughafen, den nördlich gelegenen Hochhäusern und kleineren Inseln vorbei. Himmafushi steht nicht in Reiseführern. Keine Touristeninsel. Irgendwo steht, dass man für das Betreten nichttouristischer Inseln eine Genehmigung braucht. Scheint jedenfalls hier nicht zu gelten. Wikipedia berichtet von einem Gefängnis auf der Insel und einem kleinen „Bikini-Beach“. Tatsächlich leben hier die Menschen von der Fischfabrik. Eine ganz normales (alkoholfreies) Dorf mit ziemlich wenig Tourismus. Im Surf House sind noch eine Berlinerin und ein Chinese. Von dem wird mir ungefragt versichert, er habe nicht das Coronavirus. Darüberhinaus gibt es drei Fahrräder der Marke Sultans. Gemütliche Räder mit viel zu niedrigem Sattel. Ich fahre sechs Kilometer auf den sandigen Wegen. Dann habe ich so ziemlich alles gesehen. Juist ist etwa zwanzig mal so groß.


Sultans Bike on Himmafushi
Mein Sultans Bike

Sunset on Himmafushi
Sonnenuntergang auf Himmafushi


Straßenszene auf Himmafushi
Freitag, 7. Februar 2020: Himmafushi (12 km)

Freitags ist die Insel noch beschaulicher. Die meisten Geschäfte sind geschlossen. Mittags rufen die Muezzine zu den beiden Moscheen. Und predigen gegeneinander über die Lautsprecher an den Minaretten. Die Dorfstraßen sind verlassen. Hier und da hängt eine Frau in den Seilen der Bänke, die überall stehen.
Ich schlendere zu dem kleinen Sandstrand. Finde das Schild, das es bis in Wikipedia geschafft hat: Bikini Beach. Einheimische Frauen und Männer gehen mit weiter Kleidung, auch am Oberkörper ins Wasser. Das wird auch von den Gästen erwartet, wie ein Schild verrät. Außer eben an dem zwanzig Meter breiten Bikinistrand. Wo sich heute hauptsächlich Polinnen und Polen tummeln, die mit einer eigenen Fähre für ein paar Stunden nach Himmafushi gekommen sind.


Bikini Beach signposted on Himmafushi
Hinweis zum Bikini-Strand

Surfer vor Bikini-Beach, Himmafushi
Surfer vor Bikini-Beach


Chris on the Sultans Bike Im Restaurant um die Ecke nehme ich diesmal einen Imbiss mit ein paar Teigtaschen und so. Für rund 30 Cent. Doch nicht so wahnsinnig teuer die Malediven.
Als es auf den Sonnenuntergang zugeht, steige ich wieder auf mein schwarzes Sultans-Rad. Entdecke noch das frisch mit Stacheldraht verzierte Gefängnis und den Surferspot im Norden. Nix los, weil off season, wie mir gestern schon die Berlinerin sagte. Von dort habe ich Rückenwind, auf dem Rückweg Windschatten durch Fischfabrik, Palmen und Bananenstauden. Bei der Fischfabrik spielen sie Fußball, Baseball und Volleyball. Im Moscowtrading lässt man die Schlappen draußen stehen und geht barfuß shoppen. Ziehe ich meine Schuhe aus und erwerbe ein Magnum Mint, was wie After Eight schmeckt.
Als es dunkel wird, bin ich wieder am Bikini Beach. Stelle einen Plastikstuhl ins Wasser, um darauf diese Zeilen zu schreiben. Während das Wasser steigt und steigt und inzwischen die Sitzfläche unter Wasser setzt, wie wohl eines Tages die ganzen Malediven. Höchste Erhebung: drei Meter über dem Meeresspiegel.


Rad-Schatten am Jailbreaks Surf Point, Himmafushi
Am Jailbreaks Surf Point

Freitags-Spaziergängerinnen mit Kopftuch auf Himmafushi
Freitags-Spaziergängerinnen

Sultans Bike on the Beach
Sultans Bike on the Beach


Presidential Jetty Fährterminal, Malé
Samstag, 8. Februar 2020: Himmafushi - Fähre - Malé (6 km)

In der Radioapp wähle der ich den erstbesten Sender aus Sri Lanka. Während ich meine Sachen zusammenpacke, läuft auf Singhalesisch „Muss i denn, muss i denn zuum Städele hinaus.“ Unbelievable. But true. Mit dem Speedboot ist man in zwanzig Minuten in Malé. Das fährt alle zwei Stunden von Himmafushi. Genau die richtige Insel zum Ankommen in Asien. Kurz vor der Anlegestelle passieren wir die Costa Victoria. Wie von der Hotline geschildert, liegt das Schiff draußen vor Anker. Atoll ist Atoll. Tenderboote bringen die Passagiere an Land. Und uns hoffentlich an Bord. Eigentlich ist das Boarding für uns stressfrei, weil das Schiff bis morgen Abend hier liegen bleibt. Aber der offizielle Check-In-Schluss ist 16 Uhr und Miris Flieger aus Bangalore landet erst eine Viertelstunde vorher.


Costa Victoria vor Malé
Costa Victoria vor Malé

Miri & Chris on Costa Victoria
Together


Kreuzfahrt-Route Malé - Colombo - Mumbai - Malé



Blaue Linie = Touren-Route; schwarze Linie = Kreuzfahrt-Route;
grüner Punkt = Etappen-Start; roter Punkt = Etappen-Ziel

Check-in für Kreuzfahrt am Malé International Airport Die prominente Anlegestelle mit Zeltdach in Form der Sydney Opera schien vorgestern ungenutzt. Heute dient sie den Tenderbooten vom Kreuzfahrtschiff. Die Straße davor ist weiträumig gesperrt. Die riesige, prominente Werbefläche neben der goldenen Moscheekuppel ist nur einem Thema gewidmet: der Warnung vor nCoV: Coronavirus. In Englisch, Maldivisch und einer indischen Sprache ???
Ich darf allerdings überraschender Weise nicht das Tenderboot nutzen. Check-In sei am Flughafen. Das hatte ich den Unterlagen nicht entnommen. Ganz im Gegenteil: die Dame an der Hotline meinte, das sei hier. Schnell schicke ich Miri noch eine SMS, dass sie nicht vom Flughafen hier rüber radelt. Ich eile zum Flughafen, checke ein, werde zum Schiff gebracht und fahre mit zwei Fähren wieder zum Flughafen. So kann ich Miri in Empfang nehmen. Die mit KollegInnen zwei Wochen auf Begegnungstour in Indien war. Das war der Anlass für diese Anschlusstour. Jetzt schippern wir zu unserm Stateroom 90555. Und essen am Abend an Deck mit Blick auf die dicht gedrängten Häuserzeilen von Malé. Aus der die Coronavirus-Warnung jetzt als Leuchtreklame hervorsticht.


Tenderboot von Kreuzfahrt aus gesehen, Malé
Tenderboote sind die Verbindung zur Insel

Malé: Sunrise on Cruise ship
Morgenstund vor Malé

Blick auf die dicht besiedelte Insel Malé
Blick auf die dicht besiedelte Insel Malé


Wohnsiedlung auf Hulhumalé
Sonntag, 9. Februar 2020: Malé - Fähre - Hulhumalé - Bus - Malé (10 km)

Unser Ausflugsziel heute: die aufgeschüttete Insel Hulhumalé nördlich vom Flughafen. Miri kann ihr Faltrad problemlos mitnehmen auf dem Tenderboot nach Malé. Anders als bei unserer Kreuzfahrt vor anderthalb Jahren in der Karibik erfragt unser Schiff keine Clearance für das Faltrad bei der Hafenbehörde. Allerdings stellt sich beim Auspacken heraus, dass das Rad durch den Flugtransport in der Tasche gestern erheblich gelitten hat. Die Rollen, auf denen das Rad im eingeklappten Zustand gezogen werden kann, sind fast abgebrochen. Auf beiden Seiten ist der Rahmen praktisch durchgebrochen. Offensichtlich ist die Tasche aus größerer Höhe runtergefallen. Die Fahrtüchtigkeit ist unverändert.
Mit der nächsten Fähre fahren wir am Flughafen vorbei nach Hulhumalé. Hier hatte ich den Laden City Ride entdeckt, der im Schaufenster auch mit Radvermietung warb. Von der Anlegestelle kein Kilometer entfernt. Beim Spaziergang dorthin werfen wir einen Blick auf den Nordteil des Ortes, der noch nicht zugänglich ist, wo aber einige Wolkenkratzer entstanden sind. Die sind demnächst über fünf neue Brücken zu erreichen. City Ride hat seinen Fahrradverleih längst eingestellt. Das hätten sie mir auf meine Facebook-Anfragen ruhig schreiben können. Was sie sofort einsehen.
Wir gehen weiter zum Strand. Miri wirft sich ins flache Wasser. Ich drehe eine Runde mit dem Rad. Es gibt ein paar nette Straßenzüge, auch Wohnhausreihen mit Charme (Foto links). Insgesamt wirkt es aber doch nach Retorte.


Brompton-Faltrad am Strand von Hulhumalé


Mofafahrerinnen mit Kopftuch auf Hulhumalé Jetzt radelt Miri. Auf dem Weg zur großen Brücke von der Flughafeninsel nach Malé wird sie von der Polizei gestoppt. Obwohl ein Fahrradfahrverbot auf der vierspurigen Schnellstraße nicht zu erkennen ist. Gezwungenermaßen nimmt Miri die Fähre. Und versucht die Brücke halt von der anderen Seite hinaufzustrampeln. Auch hier kein Radlverbot zu erkennen. Auch hier wird sie von der Polizei gestoppt. Da hat sie den höchsten Punkt aber schon hinter sich.
Ich fahre undramatischer mit dem Bus zurück. Ein Inder hilft mir nicht nur die Fahrkarte zu kaufen, sondern erzählt auch vom Gastarbeiter-Leben hier. Hindus und Christen, die zuhauf hier Jahrzehnte leben, dürfen keine Tempel oder Kirchen bauen.
Beim Abendessen gehen wir heute nicht zum Buffet, sondern zu dem zugewiesenen Tisch im „Fantasia“-Restaurant zur zugewiesenen Zeit: 18:30 Uhr. Die Latinos sind eher auf die zweite Schicht um 21 Uhr gebucht. An unserm großen Tisch ein älteres Ehepaar aus Radolfzell, Klaus wohnt irgendwo an der A3 zwischen Würzburg und Nürnberg. Dann kommen Boni(fatius) und Klarissa. Ein togoisch-ukrainisches Paar, das in Berlin lebt. Alle sind schon eine Woche von Mumbai aus auf dem Schiff unterwegs. Und waren hier auf verschiedenen Inseln, die wir vielleicht an unserem Rückkehrtag noch in Angriff nehmen können. Klarissa hat einen leichten Sonnenbrand von Gulhi mitgebracht, so wie ich von Himmafushi. Miri hat heute etwas zu viel Sonne auf den Rücken bekommen. Der leichte Seewind lenkt von der Gefahr ab.


Costa Victoria von hinten
Blick auf die Balkone am Heck


Cost Victoria: Über der Lobby
Montag, 10. Februar 2020: Seetag

Der erste von geplanten vier Seetagen. Ich partizipiere inzwischen an Miris Erkältung. Das dämpft den Aktionsradius. Ich bin viel in der Bibliothek. Draußen ist es warm aber windig. Rund um den Pool ist Halligalli. Wir lernen beim Frühstück das Restaurant Sinfonia kennen. Beim Abendessen sitzen wir jetzt mit einem Läuferpaar an einem Tisch. Der Sonnenuntergang ist der erste ohne Wolken. Alles gut und schön für einen Tag. Ich denke mit Bedauern an die fast viertausend Leute die dank Coronavirus auf einem Kreuzfahrtschiff vor Yokohama festsitzen. Mit jedem Kranken beginnt die zweiwöchige Quarantäne von vorne. Im Zweifel in der Innenkabine, die man nicht verlassen kann. Da sind 160 Spiele mit der Doppelkopf-App an einem Seetag doch noch zu verkraften.


Woman taking picture of sunset on Cruise ship
Sonnenuntergang auf dem Weg nach Sri Lanka


Sri Lanka


Hafen von Colombo kurz vor dem Sonnenaufgang
Colombo kurz vor dem Sonnenaufgang


Jami Ul-Alfar Mosque, Colombo, Innenhof
Dienstag, 11. Februar 2020: Colombo (18 km)

Schon vor Morgengrauen legen wir in Colombo an. Heute ist richtig langer Landgang möglich. Wir sind bald in der Stadt. Erstmal zu Fuß. Das Fort und die Märkte von Pettah liegen ganz nah. Offenbar ist es auch für die Singhalesen noch früh. Der Verkehr kommt langsam in Gang. Leuchtturm und holländisches Hospital sind eher bescheidene Sehenswürdigkeiten. Ein Mann gesellt sich extrem unauffällig an unsere Seite. Stellt sich als ehemaliger Englischlehrer vor. Spricht aber auch sehr gut Deutsch. Will uns mitnehmen zum Morgengebet mit Elefant in einem buddhistischen Tempel. Wir suchen erstmal eine Toilette. Im Bahnhof gibt es eine vorzügliche nur für Touristen. Die Märkte sind noch unbelebt. In der rotweißen Moschee dagegen wird gebetet. Die holländische Kirche im Wolfstal („Wolvendal???“) wird eigens für uns eröffnet. Protestantisch schlicht in Schwarz und Weiß. Außen Gräber mit holländischen Inschriften. Weiterer Höhepunkt: Besuch in einer einfachen Postfiliale. Düsterer Raum im ersten Stock. Throwback Tuesday. Alles scheinbar wie vor hundert Jahren. Rund 22 Cent kostet das Porto für eine Postkarte nach Europa. Mal abwarten, ob sie ankommen. Und wann.
Auch die Pettah Floating Markets bieten kein Gewusel. Sie stellen sich als eine Freizeitanlage rund um eine ehemalige Kanalanlage heraus. Pause. Weitere Highlights: Tuk-Tuk-Fahrt, der buddhistische Tempel Gangaramaya und 15 Minuten Wlan in einem Edelcafé. Der Laden mit dem verheißungsvollen Namen Cyclalogy vermietet entgegen meiner Vorrecherche keine Fahrräder mehr.


Niederländische Wolvendaal-Kirche in Colombo
Wolvendaal-Kirche in Colombo

Gangaramaya Buddhist Temple, Colombo
Gangaramaya Buddhist Temple, Colombo

Miri & Chris in der Rikscha
In der Rikscha

Buddha-Statue im Gangaramaya Buddhist Temple, Colombo
Buddha-Statue im Gangaramaya Buddhist Temple


Chris on the Brompton-Bike im Hafen von Colombo Also lassen wir uns von der nächsten Motorrikscha zurück zum Schiff bringen. Und machen nun nacheinander noch eine anderthalbstündige Radtour durch Colombo, das uns sehr gut gefällt. Auch hier ist das Ausschiffen entgegen der täglichen Schikanen auf der Norwegian xyz in der Karibik völlig undramatisch easy.
Ich radle die Küstenstraße nach Süden. Vorbei an dem Stadtstrand von Galle. Biege zum Viharamahadevi Park, der überraschenderweise außen einen Radweg hat. Und einen Radverleih, der noch schrottiger ist, als er auf den Fotos bei Google Maps aussah. Für 50 Cent kann man eins der Gurkenräder für eine Stunde ausleihen. Darf damit aber den Park nicht verlassen. An der Nordostseite sitzt ein goldener Buddha gegenüber von der Townhall???, deren Kuppel dem Kapitol in Washington nachempfunden ist.
Der Verkehr ist heftig. Vor allem muss man mutig in die sich öffnenden Lücken vorstoßen. Die anderen werden schon halten. Das Ablegen folgt einer großartigen italienischen Costa-Inszenierung: Zu den Klängen von Andrea Bocellis Con Te Partirò legt die Costa Victoria ab. Die Reling am von Deck 11 ist ringsum von Smartphone schwenkenden Menschen belegt. Von Land winken die verbliebenen Verkäufer der Souvenirstände direkt an der Anlegestelle uns nach. Während die Schönheiten der Landschaft mit seinen Teeplantagen leider im Dunst verborgen bleiben. Sei’s drum: Tee aus Ceylon werden wir fürderhin mit besonderem Gedenken an diesen schönen und vielfältigen Tag trinken.


Bike Path im Viharamahadevi Park, Colombo
Radweg im Viharamahadevi Park

Buddha Statue and Colombo Municipal Council
Buddha-Statue vor dem Rathaus im Stil des Capitols von Washington

Uferstraße in Colombo
Uferstraße

Miri packt das Faltrad zusammen in die Tasche
Miri packt das Rad zusammen in die Tasche


Sonne am Horizont im Bullauge gespiegelt
Mittwoch, 12. Februar 2020: Seetag

In der Library gibt es, im Gegensatz zu unserer letzten Kreuzfahrt, keine Musik. Deshalb halte ich mich hier gern auf. Auch wenn hier, wie in allen Räumen, die Temperatur etwas zu kühl ist, insbesondere für meine hartnäckige Erkältung. Wenn auch längst nicht so eisig wie in der Karibik, wo der amerikanische Massengeschmack bestimmend war. Wo auch fast alles mit Musik beschallt wird. Hier dauern nur die Ansagen ewig, weil sie meist in Italienisch, Französisch, Englisch, Deutsch und Spanisch hintereinander kommen. Manchmal auch auf Russisch. Polen hören wir, Israelis, unsere Nachbarin kommen aus Istanbul. Dem Mann, dessen Handtuch ich noch zur Frühstückszeit von einer Liege geräumt habe, ist dagegen Deutscher. Fast alle Liegen im Schatten waren belegt - von Handtüchern. Ich kriege den Seetag erst halbwegs in den Griff, als sich ein Buch aus der Onleihe als brauchbar erweist. Rückblick und Ausblick beschäftigen mich nicht allzu lang. Dann nur noch die Recherche nach dem Port Lecturer. Am ersten Seetag hatte ich zufällig das Ende seiner französischen und den Anfang seiner italienischen Präsentation über Colombo mitbekommen. Sowas steht aber nicht in der deutschen Ausgabe des Diario di Bordo, das wir spätabends an unserer Tür finden. Für die Deutschen gibt es keinen Port Lecturer.


Lady in Black auf Balkon am Heck eines Kreuzfahrtschiffs
Lady in Black


Indien


Balaji Cycle Store, Vasco da Gama, Goa
Donnerstag, 13. Februar 2020: Vasco da Gama [Goa] (16 km)

Goa. Vor 27 Jahren war ich schon einmal hier. Stieg in der Hauptstadt Panjim, heute eher Panaji, ab, obwohl die Attraktion die Strände waren und sind. Gleichwohl: die alten portugiesischen Kirchen in Velha Goa sind heute Unesco-Weltkulturerbe.
Unser Schiff legt auf der Halbinsel??? Marmugao an, wo man im Dunst die Hauptstadt im Norden der Bucht erkennen kann. Wir sind gänzlich unentschlossen, was wir hier tun sollen. Pilgern nach der vergleichsweise zügigen Abfertigung durch die indische Bürokratie erstmal zu einer Franz-Xaver-Kirche und einem Hindu-Tempel in Sichtweite. Wir wissen vor allem nicht, ob wir an ein zweites Rad kommen. Der Taxi-Fahrer des „Tourist Vehicle“ verspricht, uns zu einem Radverleih im Zentrum von Vasco da Gama zu fahren. Hauptsächlich, um seinen überteuerten Fahrpreis zu kassieren. Einen Radverleih gibt es hier nicht. Auch nicht im Balaji Cycle Store.


Frau auf dem Fischmarkt von Vasco da Gama
Auf dem Fischmarkt von Vasco da Gama

Kuh mitten auf der Straße in Vasco da Gama, Goa, Indien
Heilige Kuh

Hochzeitspaar neben Auto in Vasco da Gama
Hochzeitspaar

Baina Beach, Mormugao, Goa
Am Baina Beach

Inder und Deutsche mit einem Faltrad
Die wollten ein Foto mit uns und unserm Rad


Kuh auf Müllhalde, Vasco da Gama, Goa Ein Internet-Café oder ähnliches mit Wlan übrigens auch nicht. Da haben wir schon die 50-Cent-Busfahrkarten nach Morgao verfallen lassen. Wollen einfach hier bleiben, wo zumindest auf der Karte der Baina Beach lockt. Hier lässt es sich tatsächlich aushalten. Mal fährt der eine, mal die andere auf unserm Faltrad. Und gewinnt Eindrücke von Indien in der gemilderten Form der ehemaligen portugiesischen Kolonie Goa. Heilige Kühe stehen auch hier mitten auf der Straße und am Rand der Müllkippe. Kinder und Erwachsene können sich gleichermaßen für das Faltrad, besonders die Falttechnik begeistern. Und begehren im Extremfall ein Gruppenbild mit Rad und Radlern. Zuletzt radle ich auf Umwegen zum Schiff zurück. Indien war neben Nigeria bisher das einzige Land in dem ich war, ohne dass es zugleich auch Teil einer Radtour war. Das hat sich mit dieser weiteren Mini-Etappe heute geändert. Auf unserer Luxusinsel reisen wir weiter nach Bombay, das inzwischen Mumbai genannt wird. Was sich in 27 Jahren so alles verändert hat.


Costa Victoria in the Port of Mormugao
Unser Schiff im Hafen von Mormugao

Costa Victoria: Rückkehr der Passagiere
Rückkehr der Passagiere

Costa Victoria: Seitenansicht vorne
In italienischen Farben

Sonnenaufgang bei der Anfahrt auf Mumbai
Ankunft am Morgen in Mumbai

Chhatrapati Shivaji Maharaj Terminus (bis 1996 Victoria Terminus) & Municipal Corporation Building, Mumbai
Chhatrapati Shivaji Maharaj Terminus & Municipal Corporation Building


Patel Cycle Service, Mumbai
Freitag, 14. Februar 2020: Mumbai [Maharashtra] (33 km)

Diese Nachtfahrt wollte ich vor 27 Jahren in umgekehrter Richtung machen. Als ich mitten in der Nacht am Flughafen von Bombay ankam und mich die Armada der Schlepper und Nepper mit Angeboten wie Geldwechsel, Hotel und Taxi umwarb, versuchte ich sie alle abzuweisen mit dem Hinweis auf meinen Plan, direkt nach der Ankunft in Indien mit der Nachtfähre in das beschauliche Goa zu reisen. Bis der erste meinte, die Fähre sei gesunken. Ich habe ihm geglaubt. Und mit direkt weitergeflogen. Zum Glück. Es war der 6.2.1992. An dem militante Hindus die Moschee von Ayodhya zerstörten und damit eine neue politische Ära einläuteten, die, inzwischen an die Macht gewählt, versucht, die nicht-hinduistischen Minderheiten einzuschränken. Der Tag damals war gefolgt von Unruhen im ganzen Land, mit vielen Toten, auch in Bombay.
Statt mit einer sinkenden Fähre, erreichen wir Mumbai mit dem luxuriösen Kreuzfahrtschiff. Das direkt am Herzen der Stadt anlegt. Keine zwei Kilometer von Gateway to India und Taj Mahal Hotel. Die lange Fahrt durch den Flaschenhals der Halbinsel bleibt uns erspart. Unsere „e-Landing Card“ ermöglicht uns schnelles Anlandgehen. Wo wir zu Fuß erstmal den Bahnhof „ Chhatrapati Shivaji Maharaj Terminus“ erkunden, immerhin Weltkulturerbe. Ganz in der Nähe hatte ich ein Fahrradgeschäft bei Google Maps ausfindig gemacht: Patel Cycling Service. Als wir vor Ort danach fragen, stehen wir schon mittendrin. Im Kern besteht das Geschäft aus einer kleinen Werkzeugkiste von Mandi. Der kleine Mann hat aber ein Rad, das mit hochgeschraubtem Sattel für Miri halbwegs geeignet ist. Zusammen mit dem Faltrad vom Schiff können wir nun erstmals auf dieser Tour zu zweit radeln.


Radlerin am Chowpatty Seaface
Miri on the Mietbike

Chowpatty Beach mit Rädern
Chowpatty Beach

Cyclist on Chowpatty Seaface with Malabar Hill
Chris on the Brompton-Bike

Chowpatty Seaface: Jungs im Wasser
Wir schwimmen hier nicht...

Inderinnen am Gateway of India
Am Gateway of India

Taj Mahal Palace Hotel, Mumbai
Taj Mahal Palace Hotel


Selfie-Gruppe: Junge Inder An der Back Bay entlang zum Westteil und zurück. Bis zum Gateway to India. Dessen Umfeld nur durch eine Kontrolle betreten werden kann. Auch am Taj Mahal Palace Hotel ist naturgemäß mehr Security. Dafür gibt es weniger Postkarten. Und beim Wlan bin ich wieder nicht erfolgreich. Überall muss man sich mit seiner Handynummer anmelden. Zum ersten Mal bekomme ich hier wenigstens den Freischalt-Code per SMS. Als ich ihn rüberkopieren will, beginnt das Wlan-Menü wieder von vorne. Keine Chance.
Der Verkehr ist heftig, aber radlbar. Es gibt nur sehr wenige Radler. Sehr wenige Bettler. Und dreckig, wie manche Deutsche uns warnten, ist es wirklich nicht. Als wir bei Mandi das Rad abgeben, für das er von uns keine echte Sicherheit bekommen hatte, spreche ich ihn noch auf die durch den Flugtransport fast abgebrochenen Rädchen an. Mandi bringt mich zu einem Elektroschweißer in der Nähe. Dank Andreas Ehrhardt von den Radgebern in Mainz weiß ich, worauf ich achten muss: die Plastik- und Gummiteile müssen abgeschraubt werden. Damit sie überleben. Der Schweißer schützt sein Augenlicht mit einem kleinen schwarzen Glasstück. Er muss einige Male mit dem Lötkolben??? ansetzen, bevor er die Stellen dann noch streicht. Fürs erste scheint das Rad wieder auf den Rollen zu rollen. Dank einer rund einen Euro teuren Reparatur und dem Rat der Radgeber.


Schweißarbeiten am Brompton-Faltrad in Mumbai
Schweißarbeiten am Faltrad

Inder arbeiten am Brompton-Faltrad
Fast fertig


General Post Office Mumbai: innen
Samstag, 15. Februar 2020: Mumbai [Maharashtra]

Der Erwerb von Briefmarken führt uns in das neogotische Hauptpostamt: GPO. Absolut eine Attraktion. Trotz der vielen Attraktionen finden wir allerdings so gut wie keine Postkarten. Auch heute nicht auf der Insel Elephanta. Ebenfalls Unesco-Weltkulturerbe. Diesmal aus dem ersten Jahrtausend christlicher Zeitrechnung. Hinduistische Höhlen sind tief in das Gestein getrieben. Die Anfahrt mit dem Schiff, in dem für geschätzt jeden dritten Passagier eine Rettungsweste vorgehalten wird, beginnt pittoresk am Gateway to India (Foto ganz oben). Dauert aber eine Stunde.


Selfie: junges indisches Paar auf Elephanta
Selfie: junges indisches Paar

Elephanta Cave Shiv Temple With Old Murti
Elephanta: hinduistischer Höhlen-Tempel...

Elephanta Cave Shiv Temple With Old Murti: visitors
...mit Besuchern


Leopold Cafe, Mumbai Ein Inselbähnchen, „toy train“ genannt, bringt uns an den Fuß des von Verkaufsständen gesäumten langen Treppenaufstieg. Angenehm: die allermeisten Ausflügler sind Inder. Rundherum Affen, die besonders gern Nahrungsmittel und Wasserflaschen an sich reißen. Und gleich entleeren.
So bleibt nicht mehr allzu viel Zeit für weitere Highlights der Stadt: das Café Leopold, eine Hochzeit in der katholischen Kathedrale, Ausstellungen in der Jehangir Art Gallery. Die Synagoge ist ähnlich schwer bewacht wie die Börse. Zuletzt kaufen wir einen Saree, in den sich Miri gestern beim Shoppen verliebt hat. Zwischendurch gelingt es uns endlich mal online zu gehen. Nicht alles ist ganz einfach in Indien.


Im Sari-Laden, Mumabi
Miri und die Sari-Auswahl

Miri & Chris in Mumbai
Auf Deck 11


Junge Radlerin startet beim Patel Cycle Service, Mumbai
Sonntag, 16. Februar 2020: Mumbai [Maharashtra]

Die alte Dame hinter uns in der anglikanischen Kirchenbank der Thomas-Kathedrale meint, seit ihrer Ankunft in Bombay 1945 sei es mit der Stadt kontinuierlich bergab gegangen. Luftverschmutzung, Infrastruktur, Überbevölkerung. Die anglikanische Gemeinde dürfte, wenn man von den Geburtstagen dieser Woche hochrechnet, gut 300 Mitglieder haben. Dafür ist der Gottesdienst recht voll. Dauert allerdings mit anderthalb Stunden für meinen Geschmack eindeutig zu lang.
Beim bewährten Fahrradverleiher kommt mir eine Familie zuvor. Die Tochter soll anderthalb Stunden üben. Das tut sie genau dort, wo ich außerhalb des Kreuzfahrthafens auf Miri mit ihrem Faltrad warte. Ich habe nun zu so gut wie nix Lust. Fährt Miri gezwungenermaßen allein los. Ziel: einer der größten Slums der Welt: Dharavi.


Radlerin mit Helm und indische Jungs
Miri and the boys

Hausfront bei Dharavi, Mumbai
Hausfront bei Dharavi

Selfie in Dharavi: Radlerin mit Inder und Kindern
Selfie in Dharavi

Dharavi: Müll-Gewässer
Dharavi: Müll-Gewässer

Doppel-Selfie: Radlerin und Inder
Doppel-Selfie

Barfuß mit Sari
Barfuß mit Sari


Selfie im Chhatrapati Shivaji Maharaj Terminus (bis 1996 Victoria Terminus) Am späten Nachmittag kann ich mich noch zu einem kleinen Spaziergang aufraffen. Geh noch mal zum großen Unesco-Bahnhof in der Nähe. Auch am Sonntagnachmittag ist der Verkehr sehr viel schwächer. Der Bahnhof vergleichsweise überschaubar. Die Nahverkehrszüge mit ihren Frauenabteilen am Zuganfang sind leer, die Fernzüge starten pünktlich. Auch jetzt ist „unser“ Rad beim Fahrradhändler vergeben. Good bye. Bei Rückkehr aufs Schiff entdecke ich Postkarten im Hafengebäude. Miri ist noch nicht zurück. Auch um 19:30 Uhr, der Zeit, von der es im Programm heißt: All on board. Heute gibt es allerdings einen längeren Zeitraum bis zum Ablegen um 21 Uhr. Gegen viertel vor acht klopft es an der Zimmertür. Der Servicemensch will wissen, ob er nochmals die Betten machen oder frische Handtücher bringen soll. Das ist nicht mein zentrales Problem. Ich versuche mit der Doko-App die Zeit zu überbrücken. Kann mich aber nicht so recht konzentrieren. Gehe in Gedanken durch, was ich bei einem Spontanausstieg mit nach Mumbai nehme. Kreuzfahrtschiffe warten nicht. Als ich 19 von 20 Spiele durch habe, höre ich Geräusche an der Tür. Miri steht da. Völlig verschwitzt. Mit Rad. Nach einer interessanten Tour von mindestens 50 Kilometern hat sie den falschen Bahnhof angesteuert: Central. Der in unserer Nähe hieß mal Victoria. Der Name ist einem langen indischen gewichen. Deshalb kannten wir ihn nicht so. Dann wurde es knapp. Das Handy war leer. Die Geldbörse im Grunde auch. Immerhin wartete die Mannschaft noch auf sechs weitere Passagiere, bevor das Schiff dann schon gegen halb neun ablegt.


Treppen im Kreuzfahrt-Schiff
Treppenhaus in Rot

Sunset in Mumbai from Cruise ship
Abschied von Mumbai


Kellner mit bunten Cocktails
Montag, 17. Februar 2020: Seetag

Cocktail-Empfang mit Cäptn. Der Reiseleiter von Polster & Pohl, einem aufstrebenden Reiseveranstalter aus Ostdeutschland, der 33 Passagiere an Bord hat, erzählt, wie er nachts um halb drei mit seinen frisch eingeflogenen Schützlingen zunächst nicht aufs Schiff kam. Ein ungarisches Paar um die 70 ist in 102 Ländern gewesen.
Ich kämpfe mich durch den Tag mit Krimi- und Zeitunglesen, Wäsche, Postkarten und Doppelkopf-App. Die Erkältung bleibt vor allem dank Klimaanlage nicht zu bezwingen.


Cruise Ship: sunset in the dust
Arabische See im Indischen Ozean


Haus, Mangaluru
Dienstag, 18. Februar 2020: Mangaluru [Karnataka] (31 km)

Das Gute an Mangaluru (Mangalore): es gibt die Taj Cycle Co., die uns Räder leihen will. Das Unpraktische: die entsprechende Filiale liegt zehn Kilometer vom Schiff entfernt. Zu weit, um getrennt dorthin zu kommen. Kämpfen wir uns also durch die Armada der Taxifahrer und Touranbieter im Hafen zur Einfallstraße Richtung Stadt. Erklimmen den erstbesten Bus. Und werden für zehn Rupien (ca. 12 Cent) in die Stadt katapultiert. Frauen vorn, Männer hinten. Am Nordende der City ziehen wir zu Fuß an den Morgengebeten im Devi-Tempel vorbei zur Sultan Battery. Dem schwachen Rest einer Festung. Immerhin Mittelpunkt netter Freizeitanlagen am Fluss. Außerdem Endhaltestelle der Bus-Linie 16, die uns ins Zentrum bringt. Dass die Aloysius-Kapelle an die Sixtinische erinnert, ist nicht ganz nachzuvollziehen. Jedenfalls wimmelt die Stadt von Kirchen, Kapellen, christlichen Schulen und Krankenhäuser.


Ullal Beach: Radler schiebt sein Rad zwischen Mauern
Zu eng zum Radeln

Shri Mariamma Temple, Urwa, Mangaluru
Shri Mariamma Temple 

Miri cycling in Ullal Beach
Ullal Beach

Indischer Poseidon am Gurupura River, Sultan Battery
Indischer Poseidon am Gurupura River 

Cyclist in Ullal Beach Linksverkehr 

Ullal Beach: two bikes and one lady Ullal Beach


Taj Cycle Co., Trupthi Complex, Pumpwell Cir, Kankanady, Mangaluru Schon sind wir bei Taj Cycle in Pumpwell. Die beiden Räder, die uns angeboten werden sind nicht ganz neu aber top in Ordnung. Auch ein Sattel kann richtig hoch montiert werden. Schon sind wir auf dem Weg zum Ullal Beach. Von Lonely Planet empfohlen rund zehn Kilometer südlich der Stadt. Vor allem müssen wir auf der großen Brücke über den Netravathi-Fluss. Schließlich geht es auf winzigen Wegen zwischen Mauern durch die Siedlung am Strand. Die Seeseite wird mit schwerem Gerät und massenweise Beton gesichert. Dann kommt der Sand. In dem ein kleines Auto feststeckt. Wir genießen das Wasser und unseren, genauer Miris Proviant. Dann ist der Abschlepp-LKW da. Aber im ersten Versuch reißt das dünne Seil, nachdem bei beiden Fahrzeugen die Räder durchdrehen. Pappe zum Unterlegen könnte helfen.
Zum Abschluss der große goldene Hindu-Tempel SHREE GOKARNANATHA KSHETHRA KUDROLI. Hier herrscht Nachmittagsruhe. Es ist deutlich wärmer als in Mumbai. Weiter südlich. Deshalb sind wir gut durchgeschwitzt und reif fürs Schiff, als wir die Räder wieder abgeben. Und dabei noch einen indischen Fernradler kennenlernen. Er fährt Mumbai - Kerala. Und ist schon auf dem Rückweg.




Gokarnanatheshwara-Tempel
Goldener Gokarnanatheshwara-Tempel... 

Gokarnanatheshwara-Tempel
...gegründet 1912 

Muslim Teens at busstop in Mangaluru
An der Bushaltestelle 

Sonne spiegelt sich an Seitenfront des Kreuzfahrt-Schiffs
Sailing on


Dutch Palace, Mattancherry, Kochi, Kerala
Mittwoch, 19. Februar 2020: Kochi [Kerala] (34 km)

Auf Willingdon Island legt die Costa Victoria an. In der Mitte der Wasserstraßen und Stadtteile, die das Bild von Kochi prägen. Wir wollen mit der Fähre rüber zum alten Kern, dem Fort Cochin. Wieder müssen wir uns eine Bresche schlagen durch die Wegelagerer. Einer weist uns den Weg zur Fähre, während ein Krankenwagen bis ans Schiff ranfährt. Für 6 Rupien (ca. 7 Cent) setzen wir über. Das Faltrad kostet extra. Bei ocean pride tours hatte ich im Netz Räder für tausend Rupien pro Tag entdeckt. Entsprechend hoch die Erwartungen. Das Rad, das wir angeboten bekommen, ist schlechter als die beiden Räder gestern in Mangaluru. Kostet dann doch nur 200 Rupien. Wir klappern kurz die Sehenswürdigkeiten ab, die Miri von ihrer Kirchentour vor drei Wochen schon kennt: Vasco da Gamas Ex-Grab in der Franziskus-Kirche, der Dutch Palace und die alte Paradesi Synagoge. Dann radeln wir richtig los. Erst durch viel Verkehr an der Ostseite der Halbinsel. Bis Brücken die Fahrzeuge Richtung Ernakulam locken. Jetzt wird es schön. In Kumbalanghi pausieren wir in einem Palmenhain. Höhepunkt wird die Strecke rüber zur Westküste. Vorbei an der malerisch von Wasser umgebenen Kirche John the Baptist.


Radverleih an der Calvathy Road, Cochi, Kerala
Schrotträder4rent 

Letterbox, Cochi, Kerala
Britisch-indisch

St. Antony's Church & St. Joseph's Miraculous Shrine, Kannamaly, Kochi
St. Antony's Church & St. Joseph's Miraculous Shrine

Fishing point, Anjilithara Road
Am Fishing Point


Kommunistische Graffiti in Kochin Ein schmaler Pfad führt uns vorbei an hunderten von Fischernetzen. Auch die Westküstenstraße ist wenig befahren. Weiterhin reiht sich ein interessanter Kirchenbau an den nächsten. Hier und da weht eine kommunistische Fahne. Kerala ist ein besonderer Teil von Indien. Sehr angenehm. Auch die touristische Infrastruktur, von der wir zurück in Fort Cochin weiterhin profitieren. In der untergehenden Sonne manövriert sich das Schiff zurück ins offene Meer. Eine wunderbare Stimmung auf dem offenen Deck 11. Erst als es dunkel ist, kommt eine Ansage im Auftrag des Kapitäns: das Schiff wird schon morgen Abend in Malé vor Anker gehen, damit Zeit für ein Komplettscreening aller Passagiere auf das Coronavirus hin ist.


Blick auf Fort Kochi
Blick auf Fort Kochi vom Schiff aus 

Sonnenstrahlen durch dunkle Wolken auf dem Meer
Auf hoher See


Costa Victoria: Pool
Donnerstag, 20. Februar 2020: Seetag

Letzter Seetag. Seit Mumbai sind die Inder sehr viel dominanter an Bord. Auch durch Männerüberschuss Zunächst war ein ganzer Schönheitschirurgen-Kongress an Bord. Auf der einen Buffetseite gibt es sowieso immer indisch zu essen. Unsere Lieblingsseite. Auch die Inder bezeichnen es als authentisch, eher nordindisch. Dank der Inder wirkten die Landgänge auch nicht so einseitig nach Erster Welt besucht Dritte Welt.
Endlich bin ich fit genug, um auch mal im Gym vorbeizuschauen. Regelmäßige Übungen hätten der lädierten Schulter gut getan. Besser als gar nichts
Wie angekündigt macht das Schiff Tempo, damit wir schon am Abend vor Malé anlegen. So sehe ich die Insel Himmafushi, auf der ich die ersten beiden Nächte verbracht habe jetzt auch von hoher See aus Osten. So wie die nahegelegenen Touriinseln Paradise und Kurumba. Das Fieber-Screening ist dann nur eine Frage von wenigen Minuten.


Malediven


Routenkarte Malediven



Alle Etappen auf den Malediven: Blaue Linie = Touren-Route;
grüner Punkt = Etappen-Start; roter Punkt = Etappen-Ziel

Blick vom Kreuzfahrtschiff: Paradise Island Resort & Spa, Malediven
Paradise Island Resort & Spa 

Blick auf Malé vom Kreuzfahrtschiff
Wieder vor Malé


Radlerin besteigt Fähre am Presidential Jetty Fährterminal, Malé
Freitag, 21. Februar 2020: Malé - Fähre - Thilafushi - Fähre - Malé - Fähre - Villingili - Fähre - Malé (13 km)

Wie vor zwei Wochen geht es mit Tenderbooten an Land. Ich drehe eine Ehrenrunde um Malé, das im Freitagsmodus ist: fast alle Geschäfte geschlossen, kaum Verkehr. Rennradlerinnen stattdessen unterwegs. Gerade noch erreichen wir die Fähre nach Thilafushi. Eine Insel, die wir in der Ferne erahnen. Von der wir aber nichts wissen. Die große Fähre ist sehr leer. Am Ziel gibt es fast nur Kleinindustrie. Bald stehen wir vor der zentralen Mülldeponie der Malediven. Die qualmt zum Glück nicht in unsere Richtung.


Freitags-Radlerinnen auf Malé
Freitags-Radlerinnen auf Malé 

Müllhalde auf Thilafushi
Müllhalde auf Thilafushi 

Tandem-Fahrer auf Villingili
Auf Villingili


Villingili: Beach view to Malé Schnell sind wir wieder zurück in Malé. Starten vom selben Terminal mit der im 10 Minuten Takt fahrenden und gut gefüllten Fähre nach Villingi. Viele Fahrräder hier zu sehen, keine Autos und extrem leise Elektroroller. Dazu schöne Strände. Und sehr nette, autofreie Straßen. Miri ist begeistert von der Fischwelt. Sie schwimmt mit weitem Oberteil. Ähnlich wie die Locals. Hier gibt’s im Gegensatz zu Himmafushi keinen „Bikini Beach“. Auf allen drei Inseln kann ich ein bisschen radeln. Bevor das Rad schon mal in der napcorner deponiert wird: Miris Bleibe morgen in der letzten Nacht, wenn ich schon in Saudi-Arabien sein möchte.


Costa Victoria from behind
Letzte Fahrt zur Costa 

Luftschlangen an der Decke auf Kreuzfahrtschiff
Fastnachts-Wochenende 

Blue light: Nap Corner in Malé
Miri im Blaulicht der Nap Corner


Aerial view: Maledive Island
Samstag, 22. Februar 2020: Flug: Malé - Riad - Dschidda (8 km)

Der Himmel komplett wolkenverhangen. Zum ersten Mal auf dieser Tour. Schon ist der Seegang so, dass der Transport mit den Tenderbooten zum Flughafen hinausgezögert wird. Die meisten bleiben erstaunlich ruhig. Mit einer halben Stunde Verspätung geht es los. Kaum rauer als an den andern Tagen. Um diese halbe Stunde ist mein Flug nach Riad nach hinten verschoben. Die offizielle SMS von Saudi erhalte ich erst in Riad...


Teil 2: Saudi-Arabien & Libanon


Route Malé - Colombo - Mumbai - Dschidda - Beirut



Rote Linie = Rad-Route; schwarze Linie: Kreuzfahrt & Flüge

Etappen Malé - Colombo - Mumbai - Dschidda - Beirut (6.2.-29.2.2020)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 6.2.2019 Malediven: Himmafushi 6
2. 7.2.2019 Himmafushi 12
3. 8.2.2019 Himmafushi 6
4. 9.2.2019 Hulhumalé 10
5. 10.2.2019 Seetag
6. 11.2.2019 Sri Lanka: Colombo 18
7. 12.2.2019 Seetag
8. 13.2.2019 Indien Vasco da Gama (Goa) 16
9. 14.2.2019 Mumbai (Maharashtra) 33
10. 15.2.2019 Mumbai (Maharashtra)
11. 16.2.2019 Mumbai (Maharashtra)
12. 17.2.2019 Seetag
13. 18.2.2019 Mangaluru (Karnataka) 31
14. 19.2.2019 Kochi (Kerala) 34
15. 20.2.2019 Seetag
16. 21.2.2019 Malediven: Malé & Thilafushi & Villingili 13
17. 22.2.2019 Saudi-Arabien: Dschidda 8
18. 23.2.2019 Dschidda Shumaisy 86
19. 24.2.2019 Shumaisy Al Maqrah Al Hasasinah 101
20. 25.2.2019 Al Hasasinah Al Hada (2000 m) Taif 46
21. 26.2.2019 Taif Az Zaymah Al Jumum 147
22. 27.2.2019 Al Jumum Asfan - Khulais Thuwal 129
23. 28.2.2019 Thuwal Dschidda 95
24. 29.2.2019 Libanon: Beirut 17
Summe 808

Chris on the Sultans Bike: Himmafushi, Malediven
Himmafushi, Malediven


Anschluss Tour 45: Libanon & Zypern (765 km) Feb. 2009


Nächste Tour: Que Sera!

Vorherige Tour: Karibik III: Cayenne - Fort-de-France (2250 km) Okt./Nov. 2019


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Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
Chris Tour 65: Kirgisien - Almaty (951 km) 2013
Kirgisien 2013
on the Tour 68: Strasbourg - Vicenza (1275 km) 2014
Alpen 2014
Bike Tour 75: Iran - Persischer Golf (2690 km) 2015
Iran 2015
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