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VG WORTTour 91: Jerusalem - Dan - Eilat (ca. 1200 km)



Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Jerusalem - Dan - Eilat (5.-26.11.2017)
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Jerusalem - hier haben wir beide ein Jahr lang studiert. Hier haben wir uns kennengelernt. Hier ist so viel in unseren Leben passiert. Hier sind wir beide zwölf Jahre lang nicht mehr gewesen. Ich war hier als Student, als Wissenschaftler zur Arbeit an meiner Magisterarbeit, als Journalist für RTL, Sat.1, die Katholische Nachrichtenagentur KNA, als Menschenrechtsbeobachter für das Weltkirchenratsprogramm EAPPI - und als Fahrradfahrer. Beim ersten Mal reichte es 2001 nur von Jordanien her bis Jericho und es ging dann weiter im Tal bis Eilat und auf den Sinai. Noch im selben Jahr fuhr ich von Tunesien durch Libyen, Ägypten, den Gaza-Streifen und schließlich in die Berge bis in Sichtweise des Felsendoms. Am selben Tag lernte ich Miri kennen.
Diesmal soll es eine Tour im Land werden. Mit seinen vielen sichtbaren und unsichtbaren Grenzen. Radrouten sind vor allem für Mountainbikes geschaffen worden. Mal sehen, wie weit sie uns tragen. Aber den Anfang wollen wir in Jerusalem machen.

Ein sündhaft billiger Flug nach Israel
Sonntag, 5. November 2017: Mainz - Bus - Hahn - Flug - Tel Aviv - Bus - Jerusalem

Mittelstarker Regen ergießt sich über uns, als wir in Mainz auf die Räder steigen. Bis zum Hauptbahnhof legt er noch ein bisschen zu. Am Bahnhof lässt er nach. Wir sind ausreichend nass. Und bekommen Gepäck und Räder im Bus zum Flughafen Hahn unter. Seit einer Woche. dem Beginn des Winterflugplans, bietet RyanAir von dort Direktflüge nach Israel an. Eigentlich gehen sie nach "Eilat-Owda", etwa 60 Kilometer nördlich des Urlaubsortes am Roten Meer. Aber weil der Flughafen gerade gesperrt ist, landen wir heute in Tel Aviv. Noch besser. Zumal bei einem Preis von 16,99 Euro. Was Freund Christian K. zurecht einen "sündhaft billigen Flug" nennt.
Schon im Bus hören wir die ersten hebräischen Wortfetzen. Während wir unsere Räder für den Flug einpacken wird am Check-In-Schalter klar: viele Israelis nutzen diese neue Flugmöglichkeit. Für die Räder haben wir neue, dünne Plastiküberzüge, die hoffentlich halten. Für das Sammelsurium der Ortlieb-Fahrradtaschen eine große Hülle, die eigentlich für ein Faltrad gedacht ist. Für unsere Verhältnisse geben wir heuer rekordverdächtige 33 Kilogramm Gepäck auf. Das gesammelte Camping-Equipment soll mit an Board.
Die Destination Israel manifestiert sich auch in schwer bewaffneten Sicherheitskräften in allen Flughafen-Bereichen. Die Leibsvisitation ist sehr genau. Dann stockt es noch vor dem Gang aufs Rollfeld. Der ein oder andere orthodoxe Jude nutzt die und legt noch Gebetsriemen an. Der direkt neben uns betet mit Hilfe seines Smartphones. Während im Flugzeug eher das klassische Sidur-Gebetbuch genutzt wird - bis wenige Momente vor dem Abflug.




Einige Deutsche werden bei der Passkontrolle zur Sonderbefragung ausgegliedert. Wir zum Glück nicht. Räder, Korb und Fahrradtaschen sind in ganz ordentlichem Zustand eingetroffen. Da der RyanAir-Flug ursprünglich nach Eilat-Owda gebucht war, bietet die Fluggesellschaft einen Bustransfer nach Eilat an. Wir nehmen auch einen Bus. Den nach Jerusalem. Für die Größe des Flughafens wirkt die düstere Bushaltestelle etwas mikrig. Egal. Wir können beide Räder kostenlos unten in die Gepäckfächer schieben. Und sind ein paar Staus später am Central Bus Stop in Jerusalem.
Jetzt erst machen wir die Räder fahrtüchtig. Bei Miris klappt das nicht ganz. Bei den Lowriders am Vorderrad fehlen Schrauben. Auch das Schutzblech ist nicht mehr richtig befestigt. Wir verteilen die beiden Lowrider-Taschen auf die Gepäckträger. Dennoch kann Miri nicht optimal fahren. Auch egal. Es ist für uns eine bewegende Fahrt hinab die Jaffa-Street auf der Trasse der neuen Straßenbahn.
Noch ein kleiner Schlenker zur Ben Yehuda. Und mit der Tram dann am New Gate hinunter zum Damascus Gate. Hier auf dem Terrain der deutschen Schmidt-Schule für arabische Mädchen können wir dank Uschi und Georg übernachten. Und mit ihnen gleich am ersten Abend anstoßen. Und feststellen, dass noch weitere Freunde von uns in Jerusalem sind. Es ist sofort so wie es immer für uns war: jeder Tag hat 48 Stunden und steckt voller Überraschungen.





Montag, 6. November 2017: Jerusalem

Zuallererst versuche ich Miris Lowrider wieder in Form zu bringen. Die beiden fehlenden Schrauben sind schnell aus meinem Reservoir ersetzt. Nur die Verbindung zum Schutzblech ist gestern beim Transport oder bei der Fahrt abgebrochen. Die alte Schraube bekomme ich aber nur zum Teil rausgedreht. Auch Fadi, der Hausmeister der Schmidtschule, kommt mit normalem Werkzeug nicht zum Ziel. Er holt die Riesenzange aus seiner Werkstatt. Und bricht damit den Widerstand der kleinen Schraube. Dann hat er noch die Idee, ein Loch in das Plastikende zu bohren. Und so verbindet er das Schutzblech wieder mit Kabelbinder und Draht mit dem Rahmen. Alle Probleme gelöst.
Zwei Freundinnen aus Bonn und Mainz kann ich auf dem Gelände der Schule überraschen. Martina arbeitet hier als Lehrerin, Ursula ist mit ihrer deutschen Schülerinnen hier zum Austauschbesuch. Ein sonniger Morgen in Holyland.
Jerusalem ist für uns beide so voller Erinnerungen, dass wir an jeder Ecke im Grunde in alle Richtungen laufen möchten. Die Altstadt ist so vertraut und dennoch die asiatischen, osteuropäischen und afrikanischen Reisegruppen ungewohnt. Vor allem deren Gesamtmasse. Und die Ebikes, mit denen die Menschen durch die Gassen rasen. Echte Ebikes, keine Pedelecs, wie sie in Deutschland verbreitet sind. Hier fahren sie, ohne dass der Fahrer trampeln muss.
Zum Mittagsgebet sind wir in der deutschen Dormitio-Abtei. Hier, wo wir beide ein Jahr studiert haben. Und uns kennengelernt haben. Der Gebetskreis ist heute klein. Aber, trotz der Geräuschkulisse der Pilgermassen rings um die Kirche herum, fein.






Nach einer Falafel-Pause am Jaffa-Gate setzen wir uns in die für uns noch neue Straßenbahn. Und fahren in den Osten. Durch uns kaum bekannte Viertel bis zur Endhaltestelle. Und zurück.
Ich steige auf dem "Ammunition Hill" aus. Um an der Hebrew University auf dem Mount Scopus vor zum Augusta Victoria Hospital zu laufen. Dort war beim Lutherischen Weltbund das Sekretariat angesiedelt, das uns vor zwölf Jahren beim Einsatz als Ökumenische Begleiter betreut hat. Es ist längst nicht mehr hier, wie ich jetzt erfahre, sondern in der Altstadt.
Ich laufe weiter über den Ölberg. Die Kulisse von Felsendom und Altstadt schwankt zwischen Sonne und Schatten. Kurz darauf bin ich in der Grabes- oder noch besser Auferstehungskirche. Der Kuliminationspunkt der Pilgermassen. Rund um das vermeintliche Grab ist kaum ein Durchkommen. Die Geräuschkulisse enorm. Die Wartezeit am Eingang zum Grab endlos. Ich fliehe. Hinauf zu den Ähtiopiern auf dem Dach der Grabeskirche. Mit ihren ärmlichen Behausungen und der schlichten Kirche. Obwohl auch hier der Lärm aus der Tiefe hinaufdringt, doch ein ruhiger und beruhigender Ort, wo ich endlich eine Kerze anzünden kann.
Zurück am Damascus Gate treffen wir uns am Abend mit Uschi, Georg und Philipp. Ein echter Ruhrgebietsabend im Orient.





Dienstag, 7. November 2017: Jerusalem - En Gedi (77 km)

Noch einmal bin ich Fahrgast in der neuen Tram. Am Busbahnhof will ich eine SIM-Card kaufen. In dem kleinen Shop im Busbahnhof-Einkaufszentrum werde ich zum Anbieter 019 überredet. Kostet 25 Euro. Die Hälfte für die Karte und die andere Hälfte für einen Monat 9 GB und so. Hatten wir noch nie, so eine lokale SIM-Card. Hier ist es total unkompliziert. Ohne Ausweis. Einfach gegen Cash.
Hat alles in allem eine Stunde gedauert. Gibt unterwegs mehr Möglichkeiten. Gegen kurz nach zehn können wir losradeln. Bei einem Sonnenaufgang um 6 Uhr und einem Sonnenuntergang gegen 16.40 Uhr ist das schon recht spät. Also warm. Vor allem, wenn man in die Wüste fährt. Das geht in Jerusalem recht schnell. Einmal über die Hügelkette von Ölberg und Mount Scopus. Schon geht der Blick in die Wüste. Bei dem klaren Wetter sogar bis nach Jordanien.
Im Vorort Iswaxyz rät uns ein arabischer Passant ab, der von Google Maps vorgeschlagenen Route zur Nationalstraße 1 zu folgen. Wir biegen also schon vorher ab. Ob es wirklich nötig ist, können wir nicht überprüfen. - Es könnte mit der unsäglichen Beton-Mauer zu tun haben, die sich auch hier durch die Landschaft zieht, um Palästinenser von Israelis fernzuhalten und den Landraub an den Palästinensern voranzutreiben. Vor zwölf Jahren habe ich drei Monate hier gelebt, um vor allem gegen diese Mauer und ihren Verlauf zu kämpfen. Leider steht sie noch immer.
Auf der großen Straße fährt er sich ganz gut bergab. Auch wenn der Seitenstreife nicht sehr zuverlässig breit oder eben ist. Mit gelegentlich fast 60 Stundenkilometern rollen wir ins Jordantal. Vorbei an jüdischen Siedlungen, an ärmlichen Behausungen mit herumlaufenden Hühnern, Eseln und Kindern.




Dann der Sea Level. Markiert von einem Stein und einem Denkmal. Und einem Kamel, das auf Touristen wartet. Für uns steht der Kameltreiber gar nicht erst auf.
Dann die Abzweigung ins offiziell palästinensisch selbst verwaltete Jericho. An dieser Kreuzung vollendet sich meine Mittelmeer-Umrundung mit dem Rad. Eigentlich habe ich sie schon vor 15 Jahren für vollendet erklärt. Aber genau genommen fehlten mir noch diese 20, 30 Kilometer: der Weg von Jerusalem nach Jericho. Der Weg des barmherzigen Samariters.
Wir biegen heute rechts ab. Wieder eine Google-Fußgänger-Empfehlung. Der Asphalt endet bei der Siedlung Amog ??? Es gibt mehrere Möglichkeiten auf Pisten weiter zu fahren. Wir machen erst mal eine Pause. Im Schatten. Denn hier unten unterm Meeresspiegel ist es auch um diese Zeit sehr heiß. Wir blicken auf das Wadi Og, das wir mit frischer Energie schnell durchqueren. Kurz vor Qumran kommen wir wieder auf Asphalt. Und spüren jetzt den Rückenwind: der hier recht zuverlässige Nordwind, der sich mindestens bis zur sudanesischen Küste des Roten Meeres hinzieht.
Das Tote Meer liegt vor uns. Wie jede andere offene Wasserfläche auch. Ein paar Kilometer von En Gedi geht es mal kräftig bergauf. Aber alles in allem ist es flach. Die Hitze setzt uns zu. Ich kippe auch Wasser über den Kopf.
In En Gedi suchen wir zunächst einen offiziellen Strand vergeblich. Der Wasserspiegel ist stark gesunken und hat hier überall Löcher hinterlassen. Der Typ an der Camp Lodge meint, wir könnten trotzdem da schwimmen. So fahren wir ohne Gepäck noch mal hinab. An den tiefsten Punkt der Erde. Wo zwei deutsche Mädels und ein polnischer Mann sich nicht so recht ins Wasser trauen. Den Polen können wir überzeugen. Eine der Deutschen macht Fotos von uns. Früher hatte man hier meist eine Tageszeitung in der Hand. Ich 1985 auf jordanischer Seite.
Die Stimmung in der Camp Lodge ist sehr relaxt. Während wir unser Zelt aufbauen, begleitet uns Gitarren-Musik. Leider wird der Wind aus dem Seitental Wadi Arugot stärker. Unsern Nachbarn ist heute das Zelt weggeweht. Wir beschweren es auf dem Betonboden mit Steinen und Taschen.








Mittwoch, 8. November 2017: En Gedi - Jericho - Auja (75 km)

Fast der gesamte Campingplatz mit den ausgebuchten fest installierten Zelten und der Handvoll mitgebrachten Zelten ist schon um sechs Uhr auf. Im Grunde ist die ganze Anlage ausgerichtet auf das erste Highlight des Tages: Der Sonnenaufgang über den Bergen Jordaniens auf der andern Seite des Toten Meeres. Wenige Minuten nach sechs schiebt sich die Sonnenscheibe über dem Horizont in den Himmel. Es ist angenehm warm. Und wer will, macht jetzt seine Joga-Übungen.
Wir machen einen Spaziergang in den Kibbutz En Gedi. Eigentlich wollen wir in das Wadi Arugot. Aber ist komplizierter als gedacht. Deshalb schaffen wir es erst im zweiten Versuch mit den Rädern, nachdem Miri noch einmal im Toten Meer war und wir unser Zeltlager abgebaut haben. Am Eingang zum Wadi müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Wanderung doch aufwändiger wäre als gedacht. Also nutzen wir die Picnic-Area fürs Frühstück. Und wandern kurz darauf durch das Wadi David zu den obligatorischen Wasserfällen.
Kleine und große Touristengruppen sind unterwegs. Der Weg ist eine Einbahnstraße: auf der rechten Seite des Tals hin, auf der andern zurück. Wir gehören zu den wenigen, die das ganze für ein Bad nutzen. Es ist immer noch Morgen - aber schon richtig heiß.
Wir fahren die Strecke am Toten Meer zurück, die wir gestern gekommen sind. Zu Beginn sind da Steigungen, die uns gestern am Ende der Etappe sehr schwer fielen. Jetzt geht es leichter voran. Auch, wenn man sie sich wahrscheinlich mit der Dirt Road am Ufer ersparen könnte.
Kathi und Florian kommen uns entgegen. Die beiden Deutschen folgen dem Bikepacking Trail/Race???. Ich sehe zum ersten Mal "Bikepacking" in freier Wildbahn: Auf ihren Mountainbikes haben sie spezielle eng anliegende Fahrradtaschen, in denen das stark reduzierte Gepäck auch sehr raue Strecken übersteht. So sind sie gestern von Jerusalem ins Jordantal über den Sugartrail gefahren - voller Steine und Stufen, die maximal für Esel konzipiert sind.




Der Mittagshitze weichen wir für eine Stunde in den Schatten einer Bushaltestelle aus. Die hydraulisch betriebene Schranke des militärischen Checkpoints neben an mit ihren messerscharfen Barrieren, die immer wieder aus dem Asphalt gefahren werden, geben dem eine eher unangenehme Geräuschkulisse.
Schließlich fahren wir nach Jericho rein - Teil der palästinensischen Autonomiegebiete. Für israelische Staatsbürger ist das Gebiet "strictly forbidden" - wie eine rote Tafel an der Stastgrenze warnt. Wir sind in einer andern Welt. Die Kinder jubeln uns begeistert zu. Fahren neben uns her, um mit uns zu reden. Jugendliche fahren mit Ebikes ohne Batterie. In der Stadt ist wieder sehr viel gebaut worden. Der Eingang zum viel bewanderten Wadi Qelt kaum noch in der Ferne zu sehen. Bei den obligatorischen frisch gepressten Säften entscheiden wir uns für Granatapfel und Orange-Grapefruit.
Bei der Quartiersuche sind wir zunächst nicht so erfolgreich. Das Auberginn am Tell es Sultan ist ausgebucht. Bleibt nur Auja, zehn Kilometer nördlich der Stadt. In der Dunkelheit, die schon um 17 Uhr einsetzt, begegnet uns ein weiteres deutschsprachiges Paar: Sie suchen ebenfalls ein Quartier. Sie aber Richtung Süden unterwegs. Da können wir mit unseren Jericho-Recherche-Ergebnissen helfen. Jetzt erst hat der Wind gedreht und macht uns aus Norden die Fahrt zusätzlich schwer.
Auja ist ein Zipfel der palästinensichen Autonomiegebiete, der über die Nationalstraße 90 hinausragt. Während also der israelische Verkehr durch die Stadt rollt, israelische Autofahrer die preiswerten palästinensischen Autowerkstätten nutzen, steht vor den Seitenstraßen auch hier die Warnung für israelische Staatsbürger: "strictly forbidden".
In einer der Nebenstraßen liegt unser Hotel: das Auja Eco Center. Mit US-amerikanischen Fördergeldern samt Solaranlage gebaut. Allerdings schon etwas in die Jahre gekommen. Heißwasser jedenfalls funktioniert nicht.





Donnerstag, 9. November 2017: Auja - Bet Schean - Ein Hugga (75 km)

Ich montiere Miris vorderes Schutzblech ab. Das Montag erst durch Hausmeister Fadi mit einem Provisorium auf der linken Seite gerettet hat. Gestern hat ein Schlagloch der rechten Seite den Rest gegeben. Ein palästinensischer Fahrradmonteur in Jericho hat es etwas lieblos und vor allem wirkungslos zusammengeklebt. Zuletzt ist das Schutzblech auch noch hinten rausgebrochen. Weg damit.
Beim Frühstück im dritten Stock sind wir erwartungsgemäß allein. Das ganze Land steckt voller Touristen, aber dieses Hotel hat nichts davon. Oder will nichts davon haben.
Dreißig Kilometer fahren wir durch belebtes, begrüntes Land. Dort, wo in meiner Erinnerung vor dreißig Jahren nur Wüste war, haben sich riesige Dattelpalmen-Plantagen ausgedehnt. Viele Ortschaften. Jüdische wie arabische. Danach verläuft die Straße durch wüsteres Gebiet, fast stetig direkt am Grenzzaun entlang. Der hat noch eine eigene einspurige asphaltierte Straße für Militärfahrzeuge. Da, wo sie ebener ist als die nun hügeligere Straße, ist man versucht trotz Verbots dorthin zu wechseln.
Auf einer der Anhöhen radelt uns Ingrid entgegen. Sie hat ein superchices Bike. Gemietet. Ihr eigenes Rad musste sie am Flughafen Baden-Baden lassen. Weil sie keine Verpackung dabei hatte. Sie wollte in unserm Hotel in Auja übernachten. Doch obwohl es völlig leer ist, hat man hier abgesagt. Strange. So muss sie heute von Tiberias bis Jericho. Mehr als hundert Kilometer. Ohne Kilometerzähler.






Heute dreht der Wind schon früh. Seit halb zehn kommt er aus Norden. Trotzdem sind wir gut voran gekommen. Aber als wir am Military Checkpoint, der hier genau auf der Grenze zur Westbank steht, nach einer langen Durststrecke endlich eine kleine Raststätte sehen und uns niederlassen, kommt bei mir die ganze Erschöpfung durch die Hitze durch. Apathisch hänge ich auf dem Stuhl. Zum Glück haben wir den längsten Teil der heutigen Strecke hinter uns.
Kurz darauf beginnt überraschend ein zweispuriger Fahrradweg, der uns ein paar Kilometer begleitet. Bevor er genau so überraschen wieder aufhört. Da sind wir schon fast am Stadtrand von Bet Schean. Den Ort hat Ingrid als sehr sauber bezeichnet. Wir müssen ihr recht geben. Zumindest wirkt die Palmen gesäumte Hauptstraße so. Am Ende des Ortes ist ein neuer Busbahnhof, ein alter, geschlossener McDonald's und ein Falafel-Restaurant. Das brauchen wir. Sicherheitshalber nehmen wir auch noch fünf kleine Pita-Brote mit und füllen alle Wasserflaschen. Falls wir am Ende doch wild zelten.
Noch fünf Kilometer sind es bis zu unserm Campingplatz auf dem Gelände des "Erlebnisbad" Ein Hugga. Nach der Abfahrt von den Höhen der Stadt, führt die kleine Straße noch einmal weiter hinab Richtung Jordan. Bevor wir vor einem geschlossenen Tor stehen. Die Saison ist offenbar vorbei. Was tun? Wir schieben uns unter dem Tor durch und entscheiden nach einer kleinen Inspektion: einen besseren Platz können wir kaum finden. Eine waldige Anlage mit Rasen und Picnic-Bänken. Jurtem stehen umher.
Alle Gepäckstücke und Fahrräder heben wir über das Kettenschloss im Tor. Wenige Minuten später haben wir einen schön Wind geschützten Platz für das Zelt gefunden. Wir entdecken auf dem Gelände aber auch einen Käfig mit weißen Tauben, einem Pfau und anderen Tieren. Irgendjemand wird also hier auch ab und zu zum Füttern kommen. Einige Minuten später ist es so weit. Ein weißes Auto fährt auf der Straße in fünfzig Metern Entfernung an uns vorbei. Eine halbe Stunde später fährt es wieder weg. Da haben wir die knalligeren Kleidungsstücke beseite geschafft. Das Zelt ist sowieso grün in grün mit der Umgebung. Jetzt begleiten uns nur noch ein paar Katzen. Und einige wenige Mücken. Über uns Pelikane im Schwarm. Und dann setzt, während ich diese Notizen aufschreibe, plötzlich ein wildes Geschrei, Pfeifen, Johlen ein, als wenn alle Tiere, die sich in der Nähe befinden auf sich aufmerksam machen wollten. Und es wirkt, als wenn die ganze Arche Noah sich gleichzeitig Gute Nacht sagen würde. Oder vor einem Tier warnen wollte. Wir verkriechen uns ins Zelt.





Freitag, 10. November 2017: Ein Hugga - Tiberias - Tabgha (55 km)

Um acht wollen wir wieder alle über das Einfahrtstor zu Ein Hugga bugsieren. Eine Auto, das davor parkt, macht uns etwas nervs. Umso schneller haben wir alles auf der andern Seite. Eine wunderbare Nacht liegt hinter uns.
Munter geht es jetzt wieder hinauf auf die Nationalstraße 90 zum Endspurt Richtung See Genesaret. Die Straße führt über das kleine Flüßlein, das hier so wichtig ist. Und bald beginnt ein Radweg auf den letzten Metern zum See. Durchaus auch von lokalen Radlern genutzt. Und zwei Frauen in einem offenen Golf-Wägelchen. Pause direkt am See.
Auch heute treffen wir wieder zwei Deutsche. Andreas und Elias sind gerade in Tiberias gestartet. Die beiden Badener wollen aber bald rüber nach Jordanien und auf jener Seite der Grenze auf dem King's Highway und eine Piste vom Wadi Rum runter nach Aqaba. Von da zurück zum Flughafen Ben Gurion. Auf den letzten Etappen könnten sich unsere Wege noch einmal kreuzen.
Die nächste Shopping- und Essenspause schon in Tiberias. Auch diese Stadt ist weiter gewachsen. Mit vielen Hotels. Archäologische Neuigkeit am Wegesrand: die Ausgrabungen des antiken Ortes Magdala. Prominenteste Mitbürgerin: Maria Magdalena. Vor wenigen Jahren hat man hier ein Synagoge aus dem ersten Jahrhundert freigelegt. Und darin einen großen Stein mit der ältesten ??? Darstellung eines siebenarmigen Leuchters. Die Legionäre Christi ???, die das Gründstück vor ein paar Jahren gekauft haben, haben auch eine Kirche gebaut, deren Vorhalle den Frauen rund um Jesus gewidmet ist. Der Altar ist in Form eines Segelschiffs gebaut. Dahinter ist der Blick frei auf den See Genesaret.





Jetzt sind es nur noch wenige Kilometer bis Tabgha. ein paradiesischer Ort am Nordufer des See Genesaret. Die dortige Brotvermehrungskirche und die traumhafte Anlage drumherum gehört zur Dormitio-Abtei in Jerusalem, unserm einstigen Studienort. So sind wir schon oft hier gewesen. Miri hat den letzten Hügel, den wir nehmen müssen, genauer in Erinnerung. Dann die kleine Abfahrt, wir biegen in die Einfahrt - und stehen vor verschlossenen Toren. Vorbereitungen für das morgige Brotvermehrungsfest mit arabischen Christen aus Galiläa sind der Grund.
Wir rollen eine Einfahrt zurück. Zum Pilgerhaus Tabgha. Das vom Deutschen Verein vom Heiligen Lande betrieben wird. Wir sind schon am frühen Nachmittag da. Und können so die Anlage, das Bad im See Genesaret, das Abendgebet genießen. Und am Abend, wie schon am Montag in Jerusalem, mit Georg und Philipp beisammen sitzen.






Samstag, 11. November 2017: Tabgha

Ruhig zieht Miri ihre Bahnen durch den See Genesaret, noch bevor über den Golanhöhen die Sonne zum Vorschein kommt. Zum Morgengebet sind wir in der Kirche. Schon ist geprägt von dem heutigen Brotvermehrungsfest. Da der Sabbat auch für viele christliche Araber in Galiläa der freie Tag der Woche ist, wird das Fest am Samstag gefeiert. Sogar das derzeitige Oberhaupt der Katholiken im Heiligen Land, der Apostolische Administrator, ist aus Jerusalem angereist. Der Gottesdienst wird in Arabisch, Englisch, Deutsch und Latein gefeiert. Riesige Brotkörbe visualisieren das Evangelium. Und werden nachher zum Mittagessen geteilt. Wir lernen Julia aus Köln kennen. Sie absolviert das derzeitige Theologische Studienjahr des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Jerusalem. Genau jenes Programm, das Miri und ich vor (unterschiedlich vielen) Jahren durchlaufen haben. Sie lebt hier momentan sogar ohne Handy oder Smartphone. Da ist sie unserer Zeit noch näher.
Georg reist wieder nach Jerusalem. Ihm verdanken wir den Hinweis auf das Brotvermehrungsfest, Magdala und vieles mehr. Vielleicht sehen wir uns im Laufe der Woche ein weiteres Mal.





Sonntag, 12. November 2017: Tabgha - Dan (62 km)

Mit Morgengebet und Sonntagsgottesdienst bei den Benediktinern geben wir uns noch eine volle liturgische Dröhnung. Letzteres am Platz "Dalmanutha". Altar und Bänke unter Strohdach direkt am See Genesaret. Fünfzig, sechszig Menschen und ein sehr schöner Gottesdienst mit Pater Matthias. Der Miri nach dem Morgengebet angesprochen hat, da er sie noch aus der Zeit ihres Studienjahres 2001/2002 kennt. Damals hieß er vorübergehend mit seinem Ordensnamen Stephan. Der gefiel ihm nicht, aber der Orden.
Am späten Vormittag radeln wir dann los. Im Grunde wollen wir am Jordan, der durch den See Genesaret fließt, entlang zu seiner Quelle. Eben Richtung Dan: denn Jordan bedeutet wohl nichts anderes als "der von Dan herunter kommt". ??? Trotzdem stehen fast tausend Höhenmeter auf dem Programm. Zunächst ein paar am See entlang, vorbei an Kapharnaum. Unmittelbar vor der Jordan-Brücke wird von kreuzenden Radlern gewarnt. Aber ist das ein Weg für uns zur Quelle? Ich sehe kein Radwegzeichen, keine Hinweisschilder. Und bei der Online-Recherche habe ich auch nichts gefunden. Google Maps jedenfalls schickt uns, auch im Fußgänger-Modus zwar parallel zum Fluss, aber den Berg hinauf. Auf den Golan. Der gehört nun eigentlich zu Syrien, wird aber von Israel seit 1967 besetzt.
Had Nes ist die erste, eingezäunte, jüdische Siedlung, die wir mühevoll erklimmen. In der Mittagshitze. Ich kippe mir alle paar Kilometer Wasser über den Kopf und in den Mund. Es geht dreizehn Kilometer lang stetig bergauf. Mal etwas steiler, mal etwas flacher. Dann die erlösende Kreuzung. Kurz darauf das Denkmal Gadol ??? - für israelische Soldaten, die im Kreig 1967??? im Golan gefallen sind. Wir nutzen die aufgestellten Steine für eine Pause. Ich bin geschafft - von 24 Kilometern.
Wir verlieren jetzt wieder Höhenmeter, die wir gerade gewonnen hatten: es geht über der Jordan, ein Stück bergauf und dann auf einer Nebenstraße parallel zum Jordan. Bald darauf aber wieder auf die linksjordanische Seite. Hier entdecke ich auch ein kleines Fahhradzeichen: Schwarz auf Dunkelblau ein Rad und die Nummer 1. Der dazu gehörige Weg sieht so kümmerlich aus, dass wir lieber auf der Straße bleiben. Erst jenseits des Jordans sehen wir, dass dort wohl ein frisch angelegter Fahrrad-Pisten-Weg rechtsjordanisch weiter führt. Die Straße ist aber zu verlockend: von Feigenbäumen und riesigen Eukalyptusbäumen gesäumt, fahren wir komplett im Schatten. Tut gut.







Bedauerlicherweise führt die Straße auf Dauer aber nicht nur vom Jordan weg sondern bei Gonen ??? auch noch den Berg hinauf. Und wieder runter. Als sie den Jordan fast wieder erreicht hat, suchen wir nach einem Radweg. Tatsächlich: auf der rechten Jordan-Seite lässt eine Piste hoffen. Nicht mehr in der luxuriösen Variante, wie wir sie zuvor in der Ferne sahen. Aber nicht völlig aussichtlos.
Die Sonne verliert sich langsam im Dunst und insgesamt geht es zügig dem Sonnenuntergang entgegen. Bei Kfur xyz geht es wieder über den Jordan. Und nun wird der Weg romantisch: manchmal als Tunnel unter der üppigen Vegetation, manchmal direkt am Wasser, gesäumt von Rasen, vorbei an spektakulären Sprungmöglichkeiten in den Jordan führt der Radweg nun - immer von einem blauen Pfeil markiert. Der dann kurz rot wird, bevor der Weg unvermittelt an der Straße endet. Von Dan und der Quelle sind wir noch ein paar Kilometer entfernt. Wir wechseln zur Straße. Die bald von einem Betonplatten-Radweg begleitet wird.
An der nächsten Kreuzung ist ein kleiner Naturpark, der uns als Zeltplatz dienen könnte. Leider geschlossen. Sechzehn Uhr ist auch schon durch. Vielleicht ist er aber auch den ganzen Winter geschlossen. Also weiter. Ein Fisch-Restaurant lädt dazu ein, unsere Wasserflaschen, die fast komplett leer sind, zu füllen. Rund sechs, sieben Liter. Jetzt können wir jederzeit und überall zelten. Am Eingang von Shear Yashuv ist in Hebräisch "Kemping" zu lesen. Ich danke all meinen Hebräisch-Lehrern. Wir radeln in die eingezäunte Siedlung. Fragen trotz Hundegebell nach dem Camping. Nach einem guten Kilometer haben wir ihn gefunden. Ruhig, weit ab von der Straße. Laufen tut hier nur ein gläserner Getränke-Kühlschrank.
Etwas unentschlossen wandeln wir über den Platz. Ein junger Mann, der auf der Straße vorbeiläuft, bietet an, bei ihm im Garten zu zelten. Sind wir nicht so scharf drauf. Er will den Campingchef anrufen. Hoffentlich tut er es nicht. Denn wir haben alles, was wir brauchen: Toiletten, Tisch und Bänke, sogar Strom dank des Getränke-Kühlschrank. Und vor allem: Ruhe. Zwei Kilometer von Dan und ein Kilometer vom Jordan entfernt.









Montag, 13. November 2017: Dan - Banyas - Kirjat Schemona - Bar Am (65 km)

Die Nacht ist stürmisch. Windstärke 5. Aber unser Zelt bleibt verschont. Nur eine Katze nutzt den Lärm, um unsere Keksdose zu leeren.
Wir sitzen schon um Viertel nach sechs auf den Rädern. Ohne Gepäck. Um zur Quelle nach Banyas hinauf zu fahren. Vorbei an einer Hundertschaft Pelikane, die in einem Teich ein Päuschen eingelegt haben. Um sieben Uhr haben wir uns gegen den Wind auf die Höhe von Banyas gekämpft. Sind aber die einzigen vor Ort. Erst um acht werden die Quelle, die Ausgrabungen, die Trails geöffnet. Zum Glück ist das Einfahrtstor so gebaut, dass es gerade zum Drüberklettern einlädt. So haben wir den antiken Pan-Tempel ganz für uns allein.
Hier sind wir auf syrischem Staatsgebiet, wie fast der ganze Golan-Höhenzug. Seit dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 ist er von Israel besetzt. Wir radeln an abgezäunten Minenfelder und alten ??? Grenzanlagen vorbei. Erreichen den Zugang zu den Wasserfällen von Banyas. Hier kommt uns um halb Acht ein Angestellter um wenige Momente zuvor. Wir müssen warten bis zur regulären Öffnung. Im Windschatten eines Gebäudes vertilgen wir ein paar Plätzchen. Dann beginnt die kleine Wanderung. Auf einem für uns neuen Steg können wir neben den tosenden Wassern entlang gehen. Dann sind wir an den höchsten Wasserfällen des Landes. xyz Meter stürzen die Wassermassen hinab. Racht kalt, wie Miri mit einem Handtest feststellt. Baden verboten.
Um neun sind wir zurück im Moschaw Shaer Yashuv. Wie ich in der Nacht gelesen habe, ist er so etwas, wie die israelische Geschichte in Miniatur: 1939/40... Und jetzt wirkt alles etwas heruntergekommen, oder einfach lässig. Auch der Laden, in dem wir unsere Vorräte perfekt aufstocken können. Während unsere Frühstücks kommen junge Männer, um den riesigen Sonnenschirm über der Mitte des Platzes abzubauen. Nicht ganz einfach beim dem Sturm.





Nach Kirjat Schemona geht es unerwartet häufiger bergauf. Dort erreichen wir wieder die Nationalstraße 90, der wir diesmal für ein paar Kilometer Richtung Süden folgen. Zunächst bis zu dem Moment, wo Miri Alarm schlägt: ihr Hinterrad ist platt. Wie sich zeigt: ein Nagel ist nicht nur in Mantel und Schlauch eingedrungen, sondern hat den Schlauch auf der Felge ein zweites Mal durchstochen. Nie erlebt, wenn ich mich richtig erinnere. Kann man auch nur nacheinander flicken. Beim Einsetzen geht uns der Schlauch am Ventil kaputt. Der Ersatzschlauch muss ran. Jetzt gibt es keinen Ersatzschlauch mehr für Miris 26er.
Es geht hinauf zur Höhenstraße entlang der israelisch-libanesischen Grenze. Das sind rund 800 Höhenmeter. Bei relativ viel Verkehr. Das alte, kleine Sträßlein, das ich vor 32 Jahren mal gefahren bin, gibt es nicht mehr: es heißt jetzt Old Northern Road und ist zum Teil völlig verdrängt von der gut ausgebauten Straße 899.
Immer wieder bieten beide Straßen einen Blick über die Grenzanlagen hinüber auf die libanesische Seite. Wo auch viel gebaut wird.
An der Straße gibt es zwar Siedlungen, viel Landwirtschaft, vor allem Weinanbau, aber es fehlt der direkte Zugang zu Wasser. Wir brauchen aber noch ein paar Liter für die Nacht. Als ich mich mit einer leeren Flasche an den Straßenrand stelle, hält schon der erste Wagen. Der Fahrer schenkt uns zwei Flaschen Wasser. Später können wir doch noch an einer Farm direkt neben der Straße unsere Vorräte vervollkommnen.
Bar Am heißt unser Tagesziel. Auf der Karte habe ich die davor liegende neue jüdische Siedlung mit gleichem Namen angesteuert. So sind es am Ende noch ein paar Kilometer mehr als erwartet. Auf der Rückseite des Ruinendorfes, in dem bis 1948 libanesische, maronitische Christen lebten, finden wir einen guten Platz, um unser Zelt aufzustellen.





Dienstag, 14. November 2017: Bar Am - Rosch Hanikra - Akko - Ibillin (89 km)

Das christliche Dorf Bar Am wurde erst zu einer Ruinenstadt, als die israelische Armee die Gebäude sprengten, um eine Rückkehr der Einwohner zu verhindern. Die Flüchtlinge hatten vor dem Obersten Gericht in Israel ein Rückkehrrecht erzwungen, was die israelische Armee aber ignorierte. Jetzt zahlt man Eintritt für einen Nationalpark ???, in dessen Mittelpunkt eine Synagoge aus dem 4./5. Jahrhundert steht. Beeindruckend, aber nicht die ganze Geschichte.
Wir radeln weiter durch die, zumindest auf israelischer Seite, sehr waldige Gegend. Bleiben jetzt nur noch auf der 899. Hier und heute viel weniger befahren als gestern. Nach ein paar Aufstiegen, fällt die Straße dann zum Mittelmeer hin ab. Wir steuern nach Rosch Hanikra. Sehen Felsen und Seilbahn an der für Normalbürger geschlossenen Grenzstation mitsamt einiger Touristenbusse. Andere Touristen kommen uns in offenen E-Wägelchen entgegen. Toy train genannt.
Nach einer Essenspause in Sichtweite der Grenze, folgt kurz darauf eine Schwimmpause am Strand von Naharija. Wir sind keineswegs die einzigen. Für die meisten Israelis endet die Schwimmsaison im Mittelmeer mit dem Feiertagsreigen im Oktober. Offenbar nicht für die Russen um uns herum. Dann eine Restaurant-Pause in Akko, die auch dem Aufladen verschiedener Geräte dient. Nach zwei Campingnächten ohne Strom ist das dringend notwendig.






Wir wissen nicht, wo wir heute Abend übernachten. Wollen vor Haifa noch einen Abstecher in den Bergort Ibillin machen? Heimat der Seligen - und seit zwei Jahren Heiligen - Mirjam Bawardi oder eben Mirjam von Abellin. Nach der ich Miri alljährlich am 26.8. eine Art Namenstagfeier ausrichte. Ja, wir wollen.
Auf dem Weg dorthin ist noch der ein oder andere Stau auf den großen Straßen vor Haifa auf dem schmalen Seitenstreifen zu umfahren. Dann der erwartet heftige Anstieg nach Ibillin, bzw. in Ibillin. An vielen Stellen des arabischen Ortes hängt ein Foto der Heiligen Mirjam. Die kleine Kirche im alten Ortskern finden wir trotz vielfachen Fragens nur mit Mühe. Sie konkurriert mit einer großen, neuen Kirche auf der andern Seite eines Tals, neben der noch größeren Mar Elias Schule. Die kleine Kirche ist mit einigen Gebäuden von einer riesigen Mauer umgeben. Alles dunkel. Das Tor kann man überraschend öffnen und auch die Kirche ist offen. Der Kirchhof ist eigentlich ideal für eine weitere Zeltnacht. Ich würde sofort das Zelt aufbauen, Miri schlägt vor zu Warten.
Siehe da, eine Frau mit Rollator erscheint. Wenig begeistert von uns. Noch weniger von unserer Idee, hier zu übernachten. Wir sollen bis 19 Uhr warten. Um 18 Uhr laufen vom Band Kirchenglocken und ein Gesang, der dem Muezzin nicht unähnlich ist. Und stetig füllt sich der Kirchhof mit einzelnen Jugendlichen und Erwachsenen. Ein Student hat es dank Schulpartnerschaft schon bis in die Münchener Allianz-Arena geschafft. Bis auch der Pfarrer auftaucht. Er fragt, wo wir übernachten wollen; wir fragen nach der Heiligen. Die hier Mitte des 19. Jahrhunderts ihre ersten sechs Lebensjahre verbracht hat.
Der Pfarrer versucht irgendein Guest House anzuleiern, wir schauen Kirche, Kapelle und Wohnhaus und einen kitschigen Weihnachts-Deko-Laden an. Als wir zurückkommen formiert sich rund um einen jungen Priester eine neokatechumenale Gruppe zum Bibelgespräch mit Gitarre. Und gerade als wir angesichts der Unübersichtlichkeit der Situation schon die letzten 20 km nach Haifa in Angriff nehmen wollen, taucht jemand auf, der uns zum Guest House bringt. Mit dem Auto fährt er vor uns her ins Tal und auf der andern Seite hinauf. Eine Strecke mit sicher fünfzehn Prozent Steigung. Nur mit Mühe können wir die Räder hier schieben. Auf das Gelände der Mar Elias Schule. Wo im obersten Stockwerk einige Zimmer mit Küche, Esssaal und Wlan auf uns warten. Für 60 Euro. Großartig.






Mittwoch, 15. November 2017: Ibillin - Haifa - Netanya (99 km)

Wir haben Maßgabe, vor den ersten Schülern die Schule zu verlassen. Als wir uns um sieben Uhr auf den Weg machen, tauchen gerade die allerersten Jungs auf dem Schulhof auf. Vor der Stadt ist schon Stau. Richtung Haifa. Manche versuchen, ihn über den parallelen Feldweg zu umgehen.
Zwei Stunden brauchen wir bis in die deutsche Kolonie von Haifa. Im Stadtverkehr geht es nicht so schnell voran. Das wäre gestern Abend noch hart geworden, wenn wir in Ibillin keine Unterkunft bekommen hätten. Im Aroma-Cafe beobachten wir den Morgenbetrieb. Fahren dann auf der Ben-Gurion-Straße Richtung Bahai-Schrein. Und landen wieder auf der Nationalstraße ??? 4. Die ist aber sehr viel angehmer als gestern. Wenig Verkehr und nur zweispurig. Zumindest bis Zikhron Yaakov.
Kurz darauf wollen wir sowieso ab. Von Jisr-az-Zarqa an soll der Israel Trail mehr oder weniger direkt am Meer entlang bis Tel Aviv führen. Das wär doch was. Im Ort gibt es ein paar Wanderzeichen, wir finden auch zum Meer, wo wir einen grandiosen Pausenplatz finden. Aber danach bleibt im Grunde nur das Fahren auf der Naht zwischen Wasser und Sand, da wo das Wasser gerade abgelaufen ist. Wunderschön. Aber mühsam.




So treffen wir am Strand noch eine Israelin, die in Bremen Psychologie studiert hat. Und stehen bald am römischen Aquädukt, das die Stadt Caesarea Maritima mit Süßwasser versorgt hat. Ein bisschen antike Keramik findet sich schon zwischen den Muscheln am Strand. Jetzt kommt kurzfristig auch mal ein sehr schöner Radweg. Und noch einer. Der führt schon nach wenigen Metern zu einem Blumen gesäumten Platz auf einer Anhöhe mit Fahrradständern. Nur geht es nirgendwohin weiter. Auch die Straße, die auf Google Maps als Israel National Trail bezeichnet wird, lässt keine Trail-Fortsetzung erkennen. Es bleibt nur die Fahrt auf die Autobahn oder wieder auf die Nationalstraße 4. Die nehmen wir. Bis zum Abzweig nach Netanjahu.
Hier zieht es uns wieder ans Meer. Und endlich einmal sind wir so früh am Ziel, dass wir den Sonnenuntergang bei einem Bad im Meer entspannt genießen können. Umgeben von einigen Kite-Surfern.





Donnerstag, 16. November 2017: Netanja - Jayyous - Tel Aviv (87 km)

Wir fahren heute nach Tel Aviv. Allerdings erstmals auf unterschiedlichen Wegen. Miri kämpft sich an der Küste entlang. Sie versucht, dem großen, nationalen Wanderweg "Israel Trail" zu folgen. Der will kein Fahrradweg sein. Ist es auch nicht. So endet die Tour immer wieder im Sand und Miri muss schließlich Gepäck und Fahrrad einzeln eine enge Schlucht hinauf und über einen Stacheldrahtzaun befördern.
Ich möchte nach Jayyous, ein Ort in der Westbank, in dem ich vor zwölf Jahren drei Monate lang gelebt habe. Er wird durch den damals noch neuen Zaun der israelischen Regierung von seinen landwirtschaftlichen Flächen weitgehend abgeschnitten. Ich bin gespannt, wie es heute dort aussieht.
Die Fahrt endet zunächst vor besagtem Zaun. Von Netanja aus ist der palästinensische Ort Tulkarem zwar stetig ausgeschildert, aber das Tor im Zaun ist dauerhaft geschlossen. Ich muss zurück. Fahre durch eine israelische Siedlung. Die ist umzäunt, aber es ist so viel Verkehr durch die Tore an den beiden Enden, dass ich einfach mitfahre, wenn ein Auto sich per Fernbedienung das Tor öffnet.
So erreiche ich den Checkpoint. Durchfahrt in die Westbank ist praktisch unkontrolliert. Ich will auch ein paar Meter weiter rechts auf die Straße Richtung Jayyous. Die Straße für Palästinenser verläuft allerdings unter der Straße für die israelischen Siedler. Kein direkter Übergang möglich. Ich fahre zurück. Bin aber dank meines zweiminütigen Aufenthaltes nun ein Ausreisender. Und mit meinem Reiseziel, einem palästinensichen Ort, verdächtig. Also müssen alle meine Fahrradtaschen durchleuchtet werden. Danach weiß ich immer noch nicht, wie ich nun nach Jayyous komme. Die vielen israelischen Soldatinnen und Soldaten wollen oder können mir nicht helfen. Insbesondere irritiert sie, dass ich eine Straßenkarte aus Papier nutze und keine elektronische. Doch Google Maps ist hier nicht zu gebrauchen: die rein palästinensischen Straßen sind für Google nicht existent. Es lassen sich keine Routen berechnen. So ist der Zugang zu Orten wie Jayyous zwar einerseits Israelis verboten, andererseits sind fast täglich israelische Soldaten zu Einsätzen im Ort, wie mir Einwohner später erzählen.
Durch hartnäckiges Fragen erreiche ich schließlich die gewünschte Auskunft: Eines der vier, fünf Tore ringsherum führt in die richtige Richtung. Und da werde ich schließlich durchgelassen. Palästinenser müssen, wie ich später erfahre, einen sehr viel längeren Umweg nehmen.
Jetzt bin ich weg von der Küstenebene und muss kräftig strampeln. Gegen Mittag erreiche ich Jayyous. Neuste Attraktion: eine Skatepark. Initiator ist Mohammed, vor zwölf Jahren einer der großen Unterstützer und Freunde unseres Teams in Jayyous.








Die Kinder nutzen den Skatepark begeistert. Mohammed lädt mich zu sich nach Hause ein. Ein bewegendes Wiedersehen. Die Perspektiven vor Ort haben sich nicht verbessert. Dennoch wächst der Ort. In alle Richtungen hat er sich ausgedehnt. Wege sind asphaltiert worden. Gerade heute wird die Hauptstraße neu geteert.
Ein paar Kilometer weiter in Azzun ist der Wechsel auf die Siedlerstraße heute problemlos möglich. Solange die Tore offen stehen. So komme ich bei Qalqilja zum Checkpoint. Meine zweite Ausreise heute. Diesmal soll ich nicht nur alle Taschen durchleuchten lassen, sondern auch das Fahrrad. Auch wenn das physikalisch betrachtet nicht möglich, weil es zu groß ist. Also hebe ich mit einem Soldaten zusammen das Rad auf das Band. Um festzustellen, dass es zu groß ist für das Gerät. Was tun? Als ich 2001 einmal von Jordanien und einmal von Libyen und Ägypten kommend eingeradelt bin, musste ich das Rad auseinander nehmen, damit es durch das Gerät passt. Das wird heute nicht verlangt.
Jedenfalls telefoniert eine Soldatin mit meinem Pass in der Hand auf ihrem Smartphone etwa zehn Minuten mit irgendjemand. Bevor sie schließlich meint: You cannot cycle between the borders. Das könnte ich nun der Auftakt für ein längeres Gespräch über völkerrechtliche Grenzen und vieles mehr sein. Ich nicke nur. Bekomme meinen Pass. Und kann weiter fahren. Richtung Tel Aviv.
Der Blick zurück nach Qalqilja geht an Wachtürmen vorbei über die Mauer. Nach vorn zeichnet sich die Skyline der Küstenstädte in der untergehenden Sonne ab. Unerwartet fahre ich noch an einer historischen Städte vorbei: Antipatris, eine Gründung von Herodes dem Großen. Die Festung, die ich von der Straße aus sehe, wurde von den Osmanen gebaut. So fahren wir jeden Tag an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei, die einen Besuch lohnen würden. Jetzt muss ich sehen, dass ich in der Dunkelheit durch den Großstadtverkehr von Petach Tikwa, Bnei Brak und Ramat Gan nach Tel Aviv komme. Viele Radler um mich herum, vor allem auf den typischen kleinen Ebikes. Oft ist für uns kein Durchkommen zwischen all den Autos. Schließlich kreuze ich Dizzengoff komme zum konfortablen Radweg am Meer und treffe fast zeitgleich mit Miri an einem wunderbaren Hostel ein.







Freitag, 17. November 2017: Tel Aviv - Jaffo - Tel Aviv

Unser wunderbares Hostel ist auch sehr nah am Strand. Da bleibt ein Morgenmeeresbad vor der Skyline nicht aus. Leider ist das Hostel so wunderbar, dass es für Nacht, die wir nun noch bleiben wollen, ausgebucht ist. Aber der Hostelmanager kennt jemand, der uns ein Appartment in der Nähe vermietet. In dem wir die allerersten Gäste sind. Bis wir da rein können, gehen wir über den nahe gelegenen Markt mit Freund Avi, der im Frühjahr vier Monate in Deutschland war, und mit Kollege Alon, der mir verrät, dass die ganzen Ebikes, die gerade in Tel Aviv um uns herum schwirren, alle getuned sind: eigentlich dürfen sie, wie in Deutschland die Pedelecs, nur die eigenen Anstrengungen unterstützen. Aber mit einem kleinen Trick werden sie zu selbst fahrenden Ebikes. The Israeli way of life.
Am Abend radeln wir noch nach Jaffa. Den Gottesdienst, den wir ansteuern, gibt es leider nicht. Bleibt ein Spaziergang durch Altstadt und Hafen. Unverändert geprägt von Arabern, die hier leben.










Samstag, 18. November 2017: Tel Aviv - Rehovot - Burma-Road (49 km)

Sabbatmorgen in Tel Aviv. Es ist tatsächlich sehr ruhig. Praktisch kein Autoverkehr. Vermutlich aber nicht weil die Stadt sich der Sabbatruhe verpflichtet fühlt, sondern weil sie sich vom Rausch der Wochenendnacht erholt. Auf diese Ruhe haben wir spekuliert bei unserer Fahrt durch Cholon und Rischon LeZion nach Rehovot. Selbst die breitesten Ausfallstraßen sind bis zum späten Vormittag leer.
Im Arcaffé, einem der wenigen geöffneten Lokale am Sabbat von Rehovot, sind wir verabredet mit Efrat. Die ich seit fast dreißig Jahren kenne. Damals lebte sie noch im Kibbutz Bror Hail, in dem sie aufgewachsen war. Anfangs noch in der damals üblichen Trennung der Kindererziehung vom Elternhaus. Über verschiedene Stationen, wie das Studium in Jerusalem und Arbeit in den USA, lebt sie jetzt in der Stadt des Weizmann-Instituts.
In Matzkeret Batya machen wir eine weitere Pause. In dem kleinen Park haben sich zwei mittelgroße Sabbat-Gesellschaften niedergelassen. Kinder versuchen eien Drachen mit und gegen den Wind steigen zu lassen. Gegen den Wind funktioniert es sogar. Obwohl auch der sehr lau ist.




Wir wollen nun auf den Bike-Trail Tel Aviv - Jerusalem. Ursprünglich wollten wir ihn in ganzer Länge fahren: von der Mündung des Flusses Yarkon, dann am Fuß der Berge entlang und schließlich im engen Tal hinauf nach Jerusalem. Nach den eher ernüchternden Erfahrungen, die wir bisher mit Trails gemacht haben, sparen wir uns mindestens die erste Hälfte davon. Und zielen jetzt darauf, bei Beqoa auf den Trail zu stoßen. Also runter von der Schnellstraße, rauf auf den Ackerweg. Der führt tatsächlich zu dem Trail. Der im Wesentlichen mit weiß-rot-weißen Zeichen markiert ist. Gelegentlich auch mal mit einem Fahrradlogo. Er ist allerdings anfangs genauso mühsam zu fahren, wie der Ackerweg. Die Räder sinken in dem Lehm und Schotter tief ein. Oft muss ich schieben. Mehr ein Schiebradweg als ein Fahrradweg.
Natürlich geht es auch rauf. Deshalb geht es nicht viel schneller voran, als der Weg besser wird. Dann aber verkündet ein Wegweiser den Beginn der "Burma-Road". Sie gehört zu den Gründungsmythen Israels. Im ersten Krieg mit den arabischen Staaten wurde sie in windeseile behelfsweise im Mai/Juni 1948 gebaut, damit die jüdischen Kräfte das belagerte Jerusalem erreichen konnten. Heute ist der Weg weitgehend frisch asphaltiert. Für uns eine Wohltat. Und es reihen sich Gedenk- und Picknick-Plätze aneinander. An einem lassen wir uns unter Bäumen nieder. Nachdem das kurze allabendliche Kollektiv-Geheule die hier lebenden Tiere verstummt ist, haben wir himmlische Ruhe. Keinen Wind, keinen Regen, keine Mücken, keine Kälte. Nahezu Reinraum-Bedingungen zum Zelten.







Sonntag, 19. November 2017: Burma-Road - Bet Schemesch - Bet Guvrin - Rahat - Givot Bar (82 km)

Wir fahren weiter auf dem Tel Aviv - Jerusalem Bike-Trail. Durch Wälder, die durch ihr junges Alter, den großen Abstand zwischen den Bäumen und den felsigen Untergrund zerbrechlich wirken. Auch heute ist es mühsam. Obwohl es auf- wie abwärts geht, kommen wir nur auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von sieben Stundenkilometern. So müssten wir uns den ganzen Tag bis Jerusalem durchkämpfen. Auch die Tücken der Straße hinauf von Bet Schemesch habe ich 2001 kennengelernt. So entscheiden wir uns auf der Straße direkt weiter in den Süden zu fahren und auf einen weiteren Besuch In Jerusalem bei dieser Tour zu verzichten.
Hügelig geht es weiter nach Bet Guvrin. Wo wir nach einem Umweg über Tel Marescha die unvergesslichen riesigen Höhlen ansteuern können. Leider nicht mit den Fahrrädern, die ein paar Meter zurückbleiben müssen. Nur Rollies sind erlaubt.
Bis Tel Lachisch können wir auf der Straße bleiben. Der riesige Ruinenhügel dominiert das Tal. Neben Jerusalem einst wohl die wichtigste judäische Stadt. Vielfach erobert. Und wieder aufgebaut. Hier wollen wir dem Israel Trail eine neue Chance geben. Der Umweg, den die Straße über xyz macht, ist uns zu weit. Wir haben Glück: Hier verläuft der Trail auf einem festen Feldweg. Zunächst einige Zeit zwischen Weinplantagen. Dann entlang eines riesigen Feldes, das gepflügt ist. Hier treffen wir auch mehrere Gruppen, die auf dem Israel Trail wandern. Ein junges Paar ist schon einen Monat unterwegs und hat die Hälfte der tausend Kilometer hinter sich. Die beiden Israelis sind erstaunt, als sie von mir hören, dass für die nächsten Tage Regenfälle auch hier unten in der Negev-Wüste angekündigt sind.






Nach rund zehn Kilometern erreichen wir wieder die Schnellstraße. Doch während auf meiner alten Israel-Karte Pläne zu erkennen sind, die Autobahn parallel zur Schnellstraße zu bauen, ist die Realität eine andere: die beiden Straßen werden zusammengeführt. Zum Glück zunächst nicht als Autobahn. So fahren wir zwar legal, aber die Menge an Autos und LKW um uns herum und ihr Tempo sind nicht das Angenehmste. Völlig unvermittelt wird dann die Straße wieder zur Autobahn. Ohne, dass wir die Fahrbahn verlassen könnten. Das tun wir dann an der ersten Ausfahrt. Von hier gibt es eine gute Alternative zur Fahrt nach Beerscheva, der größten Stadt im Negev. Auf halber Strecke entdecke ich aber auf dem Smartphone noch ein Hotel. Versuchen wir es doch mal damit.
Der Verkehr auf der Parallelstrecke ist auch beeindruckend. Die größere Stadt in der Nähe, Rahat, erweist sich durch die riesigen Minarette als muslimisch geprägt. Wir fahren auf den großzügigen Boulevards hinein. Später lesen wir, dass die Stadt - so wie Miri ab morgen - erst 45 Jahre alt ist. Eine Gründung, mit der Israel die Beduinen im Negev sesshaft machen wollte. Rund 65.000 (ehemalige?) Beduinen leben inzwischen hier. Die größte Beduinen-Stadt soll sich genau zwischen zwischen mehrern Clans aufgliedern. Für uns ist wieder der Wechsel auffallend: hier werden wir von Alt und vor allem Jung wahrgenommen, angefeuert, gefeiert.
Ein paar Kilometer hinter der Stadt erreichen wir das Hotel, indem wir die Öffnung der Eingangstore der eingezäunten Siedlung für ein Auto nutzen und einfach reinradeln. Einat und Yinon, die das kleine Hotel mit Blick in die Wüste betreiben, sind sehr nett und zuvorkommend. So bleiben wir.





Montag, 20. November 2017: ( km)








Dienstag, 21. November 2017: ( km)








Mittwoch, 22. November 2017: ( km)








Donnerstag, 23. November 2017: ( km)








Freitag, 24. November 2017: ( km)








Samstag, 25. November 2017: ( km)








Sonntag, 26. November 2017: ( km)







Route Jerusalem - Dan - Eilat



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen

Etappen Jerusalem - Dan - Eilat (5.-26.11.2017)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 7.11.2017 Jerusalem En Gedi 77
2. 8.11.2017 En Gedi Jericho Auja 75
3. 9.11.2017 Auja Bet Schean Ein Hugga 75
4. 10.11.2017 Ein Hugga Tiberias Tabgha 55
5. 11.11.2017 Tabgha
6. 12.11.2017 Tabgha Dan 62
7. 13.11.2017 Dan Banyas - Kirjat Schemona Bar Am 65
8. 14.11.2017 Bar Am Rosch Hanikra - Akko Ibillin 89
9. 15.11.2017 Ibillin Haifa Netanja 99
10. 16.11.2017 Netanja Jayyous Tel Aviv 87
11. 17.11.2017 Tel Aviv - Jaffo
12. 18.11.2017 Tel Aviv Rehovot Burma-Road 49
13. 19.11.2017 Burma-Road Bet Schemesch - Bet Guvrin - Rahat Givot Bar 82
14. 20.11.2017
15. 21.11.2017
16. 22.11.2017
17. 23.11.2017
18. 24.11.2017
19. 25.11.2017
20. 26.11.2017
Summe sss



Anschluss Tour 15: Jerba - Jerusalem (3300 km) Okt./Nov. 2001

Anschluss Tour 12: Belen - Assuan (1750 km) Jan. 2001


Nächste Tour: Que Sera!

Vorherige Tour: Hamburg - Rügen (508 km) Okt./Nov. 2017


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Tour 48: Karakorum-Highway (1010 km) 2009
Karakorum 2009
Chris Tour 51: Khartum - Addis Abeba (1760 km) 2010
Äthiopien 2010
on the Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) 2011
Moldau 2011
Bike Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
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