Tour 82: Karibik: Barbados - Haiti (902 km) 2016
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VG WORTTour 102: Karibik III: Cayenne - Fort-de-France (2250 km)



El Amatillo: auf der Grenzbrücke zwischen Honduras und El Salvador

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Karibik III: Cayenne - Fort-de-France (11.10.-29.11.2019)
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Ausrüstung: Bike & More
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Bike & More
Diesmal geht es rund um die Karibik. Hier live und noch unkorrigiert Eindrücke von der Tour - unplugged
Karibik-Route
Die Route
um die Karibik

Teil 1: Guyanas an der Nordküste Südamerikas:
Französisch-Guyana, Suriname, Guyana

Teil 2: Panamericana in Zentralamerika:
Nicaragua,Honduras, El Salvador

Teil 3: Karibikinseln
Guadeloupe, Antigua, Montserrat, Dominica, Martinique


MIRI IST DA
Samstag, 9. November 2019: Flug Miami/Florida - Pointe-à-Pitre/Guadeloupe - Les Abymes (5 km) - FORTSETZUNG

Bei der Landung sehe ich den Meeresarm, der die Schmetterlingsinsel halbiert. Die Sonne geht gerade unter. Ich habe mir Guadeloupe ein bisschen wie Cayenne vor vier Wochen vorgestellt. Aber Flughafen, Verkehr und Bevölkerungsdichte haben ganz andere Dimensionen. Mein Radkarton ist von der Transportation Security Administration geöffnet, aber ganz ordentlich behandelt worden. Angeblich für meine Sicherheit. Ich will den Karton nicht durch erneutes Zusammenfalten weiter ruinieren. Deshalb nehme ich ihn beim Radeln zur Unterkunft in Flughafennähe in die Hand. Bei der Dunkelheit, dem Verkehr samt Stau, kein Vergnügen. Leider habe ich von unserm Gästezimmer mal wieder weder eine Adresse, noch eine Wegbeschreibung. Nervig. Hier kann ich anrufen. Bin wieder in der EU.
Die nette Vermieterin fährt mich drei Stunden später zurück zum Flughafen. Durch eine Glaswand kann ich sehen, wie Miri, noch in Winterkleidung und mindestens so müde wie ich, zum Baggage Claim hinuntersteigt. Vier Wochen haben wir uns nicht gesehen. Dann ist auch der Radkarton da, den Miri noch in eine Tasche gesteckt hat. Wir feiern unser Wiedersehen mit Miniweinflaschen von unseren beiden Aur-France-Flügen.







Sonntag, 10. November 2019: Les Abymes - Anse des Rochers - Pointe-à-Pitre - Les Abymes (67 km)

Die Frühmesse beginnt um halb sieben. Unsere Vermieterin nimmt uns in ihrem Auto mit. Bei dem heftigen Regen besonders nett. Wir sind die einzigen Weißen. Ein junger, dynamischer Priester. Seine Energie reicht allerdings für neunzig Minuten.
Spontan verlängern wir unsere schöne, großzügige Unterkunft. Und machen einen Ausflug Richtung Südostspitze unserer, kleineren Inselhälfte mit dem Namen Grande Terre. Die D 102 führt uns erst durch eine Schlucht und dann über ein Hochplateau. Wunderschön, aber höllisch viel Verkehr. Am Sonntag. Und die Straße ist sehr eng und karibisch asphaltiert.




Als klar wird, dass wir es nicht ganz zur Inselspitze schaffen, steuern wir die Anse des rochers. Die Bucht macht ihrem Namen alle Ehre. Vor Felsen finden wir keinen Weg zum Wasser. Ein paar Meter zurück und die Anse à la Barque übertrifft alle Erwartungen: eine wunderschöne sandige Bucht ganz für uns alleine. Nur in der Ferne zwei Angler. Danach geht’s mit Rückenwind zurück nach Westen. Der Strand von Sainte Anne ist voller Leute. Später wird die Straße breiter. Der Verkehr bleibt heftig. Die größte Stadt, Pointe-à-Pitre aber wirkt zum Sonnenuntergang hin wie eine öde französische Vorstadt. Ein bisschen unheimlich. Wir sehen uns, dass wir in unser Vorstadtquartier kommen.





Montag, 11. November 2019: Les Abymes - Deshaies - Thomy (66 km)

Die Franzosen feiern den Sieg gegen Deutschland im Ersten Weltkrieg. Wir hoffen auf weniger Feiertagsverkehr. Am Flughafen wandelt sich unsere vierspurige Straße (und endlich mal dank Seitenstreifen sicher wirkende) in eine Schnellstraße. Unser schlechtes Gewissen lässt nach, als wir von zwei Rennradlern überholt werden. Als die Gendarmerie uns überholt, sind wir schon auf der größeren und höheren Inselhälfte: Basse Terre. Der Verkehr ist trotz Feiertag übel. Dazu gesellen sich nun jede Menge Hügel. Als wir wieder das Ufer erreichen, bleiben wir direkt am Strand. Den Plage Manbiaf nutzen auch einige Autofahrer zum Meeresbad. Die Süßwasserdusche haben sie in der Plastikflasche im Auto.






Jenseits der Nordspitze der Insel lässt der Verkehr nach. Der Rückenwind auch. Aber dank des hohen Gebirgsrücken mit dem 1500 Meter hohen Vulkan La Souffrière im Süden, radeln wir auf der Westseite der Insel windgeschützt.
In Deshaies sitzen wir zum Mittagessen auf einer Holzterrasse über dem Sandstrand der Bucht. Der Karibiktraum nimmt langsam Formen an. Wir buchen eine Regenwaldhütte nahe von einem Wasserfall. Es sollen nur noch 17 Kilometer sein. Die es aber in sich haben. Die Hügel werden heftiger. Und am Ortsausgang von Ferry ??? hab ich plötzlich einen Platten. Der erste nach mehr als zweitausend Kilometern. Vorderrad. Ein massiver Dorn hat sich durch den Schlauch gebohrt. Leicht zu finden. Schwer ist nur, den Mantel wieder drauf zu bekommen. Mit vereinten Kräften gelingt‘s.
Dann müssen wir noch mehr schieben: rauf auf fast dreihundert Meter. Die kleine Straße nur für Anlieger weiter unten ist leider durch eine Baustelle blockiert. Ganz heftig wird dann hinter Pointe Noire der Anstieg zu unserm Quartier in Thomy. Eine gewellte Betonpiste führt fast senkrecht den Berg hinauf. Es sind nur anderthalb Kilometer. Mit zweihundert Höhenmetern. Die durchschnittliche (!) Steigung also 13 (!) Prozent. Der Weg lohnt sich: wir landen in einem traumhaften Holzhäuschen, liebevoll gestaltet, umgeben von tropischen Pflanzen, Vögeln und Tieren. Über dem Bett gibt ein Glasdach den Blick auf den Sternenhimmel frei.







Dienstag, 12. November 2019: Thomy - Wanderung - Cascade le Saut d‘Acomat - Thomy

Wir bleiben. Es ist soo schön. Frühstück auf der überdachten Terrasse umgeben von bunten Vögeln. Die größte Attraktion der Gegend liegt nur zwei Kilometer entfernt: der Wasserfall Acomat. Wieder auf Betonpisten die scheinbar senkrecht auf und ab führen. Auch der Weg, zuletzt über Wurzeln und Felsen hinab, lohnt sich: der Wasserfall bildet eine pittoreske Schlucht. Am Fuß kann man in einem großen natürlichen Becken gegen den Strom erfrischend schwimmen. Ein paar Leute sind da. Nette Stimmung. Und oben bietet ein junger Mann Crèpes an.






Die zweitausend Meter zurück sind leichter, weil sie mehr bergauf führen. Mein Tageswerk geht in Wäsche und Schreiben über. Miri macht noch den Plage Caraibe unsicher. Ein wunderschöner, erholsamer Tag.






Mittwoch, 13. November 2019: Thomy - Col des Mamelles (583 m) - Petit-Bourg (45 km)

Beim Losfahren zeigt sich: der Flicken von vorgestern hat ein winziges Loch. Also noch ein Flicken. Zuerst schieben wir den Berg von unserm schönen Quartier runter. Bald darauf kommt auf der Küstenstraße der Abzweig über die Berge: La Traversée. Rauf von Meereshöhe auf den Col des Mamelles, rund 600 Meter. Meist so steil, dass wir mit dem Brompton schieben. Und ganz grün. Grüner Wald all around. Nach wie vor viel Verkehr. Ein Laster zieht eine Kolonne von rund zehn Autos hinter sich her. Als er vor einer Haarnadelkurve abbremst, rumst es direkt hinter mir: klassischer Auffahrunfall. Weiße Frau fährt auf schwarze Frau. Sie liefern sich direkt ein Wortgefecht.
Die Blicke in alle Richtungen sind spektakulär. Auch beim Regenwaldspaziergang am Maison de la Forêt. Riesige Wurzeln, riesige Bäume, Pflanzen die auf Bäumen wachsen. Dann regnet es. Und wie. Ein bisschen schützt der Wald. Irgendwann ist man nass. Aber nicht kalt. Kurz darauf unser zweiter Wasserfall: Cascade aux Ecrevisses. Von der Straße in wenigen Metern zu erreichen. Ähnlich schön und spektakulär wie gestern Acomat. Aber weniger geeignet zum Schwimmen.





Während junge Damen endlos Smarthphone-Posing betreiben, radeln wir zu einem weiteren Wasserfall: Saut de La Lézarde. Schon der Einstieg ist schwer zu finden. Ein Münsteraner Erasmus-Student (wenn schon Frankreich, dann Guadeloupe) schwärmt vom Wasserfall und warnt vor zwanzig Minuten Schlammschlacht auf dem Weg dorthin. Den Miri dann mit ihm geht. Auch das lohnt sich.
Ich inspiziere unterdessen meinen Hinterreifen. Das Profil ist nicht nur weg: an zwei Stellen fahre ich schon auf der grünen Zwischenschicht. Vorne sieht der Mantel wie neu aus. Beide sind gut zweitausend Kilometer gelaufen. Ich finde auf der Karte in unserm Zielort Petit-Bourg einen Radladen: Cycles Rixxom. Vor Ort schleppe ich das Rad einige Stufen hinauf. Ungeeignet für einen Radladen - und das ist er längst nicht mehr. Psychiater haben sich im Ladenlokal niedergelassen. Die mich auf einen anderen Radladen verweisen. Den von Gueppois. Vor seinem Laden startet gerade eine Kindergruppe in Edel-Outfit und-Ausstattung zur Trainingsfahrt. Ladenboss Gueppois sitzt auf der Schwelle seines Ladens und betrachtet meinen desolaten Mantel. Mit 16 Zoll hat er aber nur einen breiteren Mantel zu bieten, der kaum passt. Miri schlägt vor, meine beiden Mäntel zu tauschen. Das bekommt Gueppois in einer halben Stunde konzentrierter Arbeit hin. Am Ende kommt er sogar mit der Brompton-Schaltung klar. Nur fünf Euro will er dafür haben. Mitten in Frankreich. Merci, Gueppois.
Dann sind wir wieder im Meer. Am schwarzen Sandstrand von Viard. Ganz in der Nähe unserer geräumigen Ferienwohnung neben der alten Distillerie Montebello.






Donnerstag, 14. November 2019: Petit-Bourg - Aéroport Pointe-à-Pitre/Guadeloupe - Flug - St. John/Antigua - Shuttle - Dickenson Bay (23 km)

Highlight des Morgens: ein Besuch bei der Rum-Distillery direkt nebenan. Das was am Abend, wie eine Industrieruine wirkte, ist nun in vollem Betrieb. Ein Bagger schaufelt Zuckerrohr in den großen Trichter und über Bänder, Pressen, Silos wird Rum draus. Nichts außer der Empfehlung unserer Vermieterin deutet auf Betriebsführungen hin. Wir laufen ein bisschen auf dem Gelände rum, entdecken einen kleinen, geschlossenen Laden und dann auch einen Menschen, der uns rumführt. Der Marketingchef persönlich. Der größte Teil der Anlage ist 150 Jahre alt. Uralte, gut gefettete Dampfmaschinen treiben verschiedene Turbinen an. Der Dampf wird durch das Verbrennen der trockenen Zuckerrohrreste gewonnen. Uralte Barriquefässer lagern in Containern, in denen sie entsprechend aufgeheizt werden. Am Ende sind wir trotz unserer begrenzten Transportkapazitäten reif für den Kauf der ein oder anderen Flasche. Was für ein Erlebnis.
Auf dem Weg zum Flughafen versuche ich noch ein paar Postkarten zu frankieren. In der gut gefüllten Postfiliale werde ich letztlich an den Automaten verwiesen. Dort wird wieder die Carte bancaire verlangt. Ein déjà-vue??? aus dem Suriname-Konsulat in Guyane. Diesmal nehme ich gleich meine Kreditkarte. Der Automat verlangt dann Dinge, die ich ihm nicht geben kann. Ich gebe auf, bevor er aufgibt und nette Menschen mir meine Briefmarken und Quittung hinterher bringen.




Wir sind auf der Seite des Gebirges von Guadeloupe, wo der Ostwind die Regenwolken heranführt und zum Ausregnen bringt. Der ein oder andere Schauer ereilt uns nun auf dem Weg zum Flughafen. Auf der Schnellstraße kommt die Brücke über den natürlichen Kanal zwischen den Inseln: Rivière salé ??? genannt. Wie auf der Hinfahrt am Montag kann man ganz sanft auf einer Betonrampe auf den Bürgersteig fahren. Nur kann man am Ende nicht wie auf der andern Seite wieder sanft abfahren. Das merke ich im Regen aber relativ spät. Bremsen funktioniert nur noch begrenzt. So leg ich mich hin. Bemerke ein paar Schürfwunden. Und als nächstes, dass der Vorderreifen platt ist. Keine Ahnung warum. Miri bietet an, die letzten fünf Kilometer mein Rad zu schieben. So kann ich mein Knie schonen und schon mal am Flughafen alles ein bisschen reinigen. Mit dem Taxi hol ich die in unserm Quartier zurückgelassenen Klamotten. Dann ist Geduld angesagt am kleinen Terminal 2 des Flughafens Pointe-à-Pitre, der hier bescheiden als Pôle Caraībe ausgeschildert ist. Unser Flug mit Liat nach Antigua, Flugdauer zwanzig Minuten, hat eine Stunde Verspätung.
Trotzdem kommen wir grad noch bei Tageslicht in unserem Airbnb in St. John auf Antigua an. Eine grandiose Ferienwohnung mit allem und jedem samt Pool und Blick auf die Dickenson Bay. In der Miri natürlich noch schwimmen geht. Leider von einer Feuerqualle großflächig attackiert wird. Davor wurde nirgendwo gewarnt.
Die Analyse meines Vorderrads ergibt: ein Schnitt in dem am Vorabend vom Hinter-zum Vorderrad getauschten Mantel. Zwei Schnitte im Schlauch. Der große Flicken hält nicht. Der Mantel ist besonders stark abgefahren auf der Seite, auf der ich in Honduras und El Salvador immer wieder vom niedrigeren Randstreifen bei Ausfahrten und ähnlichem auf die höhere Fahrbahn rauf und wieder runter musste. Das Rad übernachtet als Wrack.





Freitag, 15. November 2019: Dickenson Bay - St. John’s - Fähre - Little Bay/Montserrat - St Peter’s - Little Bay/Montserrat - Fähre - St. John‘s - Dickenson Bay (17 km)

Mein Rad ein Wrack. Miri hat eh kein großes Interesse an Montserrat. Nehm ich ihr Rad für einen Daytrip auf die britische Insel. Der ist von den Fährzeiten für uns nur heute möglich. Um halb neun hin, um fünf Uhr nachmittags zurück. Plus Ticketkauf, Passkontrolle etc. Unser Speedboat liegt neben zwei kleineren Kreuzfahrtschiffen, darunter die „Hamburg“ mit maximal 400 Passagieren. Im gekühlten Innenraum, den man nicht verlassen kann, gibt es anfangs immerhin Wlan. Die beiden Inseln liegen in Sichtweite. Der große Vulkan auf der Südhälfte von Montserrat ist von Wolken umhüllt. Keine 50 Fahrgäste verlieren sich in den Sitzreihen. Entsprechend schnell sind wir durch den Zoll von Montserrat, der einen Kleeblatt-Stempel in meinem Pass hinterlässt.
Zwischen die auf Kunds wartenden Tourguides haben sich zwei Zeugen Jehovas mit ihrem mobilen Stand gemischt. Fast in allen Ländern meiner Tour hab ich sie gesehen. Die beiden jungen Deutschen sprechen mich dank meines Passes an. Nathalie und Alexander wirken total locker. Total nett. Seit vier Jahren leben sie auf der Miniinsel. Wurden über Barbados hierhin vermittelt, als sie sich für einen Dienst im Ausland interessierten. Mit 18 Followern auf Montserrat galten die Glaubensgenossen hier als unterstützungswürdig. Als ich ein gemeinsames Gebet vorschlage, wird es kompliziert. Mit Verweis auf die Vaterunser-Einleitung im Matthäusevangelium („Sagt beim Beten nicht immer und immer wieder dasselbe“ Neue-Welt-Übersetzung der Zeugen Jehovas) lehnen sie vorliegende Gebetstexte, auch die von mir vorgeschlagenen Psalmen als Gebet ab. Gegen einen Psalm als Bibeltext haben sie nichts einzuwenden. Alexander ist bei seiner kontinuierlichen Bibellektüre heute sowieso bei Psalm 108. Nehmen wir den: „Ich werde die Morgenröte wecken... Denn groß ist deine loyale Liebe, so hoch wie der Himmel, und deine Treue, sie reicht bis zu den Wolken.“ (gleiche Übersetzung) Als wir schließlich loslegen, gehe ich von dieser Reihenfolge aus: Psalm, freies Gebet von uns Dreien, mündend in das Vaterunser, hier „Unser Vater“. Alexander trägt den Psalm vor, spricht ein persönliches Gebet, ich folge. Nathalie nicht. Kein Problem. Aber auch das Unser Vater entfällt. Denn selbst das wäre ja „ immer und immer wieder dasselbe“. Um unsern Minigottesdienst zu einem harmonischen und gendergerechten Abschluss zu bringen, schlage ich vor, dass Nathalie einen abschließenden Segen spricht. Ganz falsch. Das Wort Segen scheint in der Welt Jehovas nicht vorgesehen. Außerdem sieht sich Nathalie, die jederzeit als Reinkarnation der Königin von Saba durchgehen würde, schöpfungstheologisch nicht in der Position, bei Anwesenheit ihres Mannes vorzubeten, denn: „Die Frauen sollen sich ihren Männern unterordne wie dem Herrn. Denn ein Mann ist das Haupt seiner Frau,„ (Brief an die Epheser)





Beim Gang unterm Sonnenschirm zu ihrem Auto, wohl älter als sie selbst, landen wir wieder bei vermeintlich einfacheren Themen wie dem aktuellen UV-Faktor. Die sehr nette Begegnung setzt sich noch fort, als wir auf dem winzigen Straßennetz noch zweimal winkend aneinander (und einem anderen Zeugen-Jehovas-Stand) vorbeifahren. Die Südhälfte der Insel ist nach dem letzten großen Ausbruch von Soufrière mit der Vernichtung der 10.000-Einwohner-Hauptstadt Plymouth gesperrt. Im Grunde bleiben mir nur die zehn Kilometer bis zur Vulkanbeobachtungsstation. Der Weg übertrifft das googelsche Höhenprofil in punkto Hügelligkeit aber deutlich. Und weil ich durch den gestrigen Sturz mit der linken Hand nicht so recht bremsen kann, schiebe ich schließlich das Rad bergauf und bergab. Funradeln sieht anders aus. In der anglikanischen Kirche St. Peter pausiere ich über einen Schauer hinweg. Weitere Wolken drohen. Ich drehe. Makes no sense. Schiebe zurück. Eine junge Manchester-Master-Absolventin hält aus Mitleid an. Jetzt brechen die letzten Dämme: ich lasse mich drei Kilometer weit mitnehmen und mir erzählen, dass sie hofft, mit ihrer Expertise über ökologische Raumentwicklung hier einen adäquaten Job zu bekommen. Am Montag sind Wahlen. Die rund 4000 verbliebenen Einwohner werden von allenmöglichen Kandidaten mit großspurigen Versprechen umworben.
Versöhnliches Ende im Strandlokal: Presidente-Bier aus der Dominikanischen Republik und Süßkartoffel-Pommes. Bevor die Security von Montserrat, British West Indies, selbst das Werkzeug in meiner Satteltasche betrachtet. Auf der Hinfahrt gab es überhaupt keine Kontrolle.





Samstag, 16. November 2019: Dickenson Bay

Wir genießen unsere wundervolle Wohnung oberhalb der Dickenson Bay. Nachmittags versucht Miri im Fahrradladen einen neuen Schlauch und Mantel zu bekommen. Der Schlauch ist kein Problem, aber den Mantel gibt es wie schon auf Guadeloupe nur in 16x1,75 statt 16x1,35. Stattdessen kauft Miri Silikonkleber, mit dem der alte Schlauch in den Mantel geklebt werden soll. Auf Kanal 1541 kann ich bei ESPN2 das EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Belarus sehen. Mit britisch-englischem Kommentar.







Sonntag, 17. November 2019: Dickenson Bay - St. John - Dickenson Bay (16 km)

Dickenson Bay - St. John - Dickenson Bay (16 km) Wir kleben den alten Schlauch von innen in den kaputten Mantel. Ein Flicken außendrauf hält nur ein paar Meter. Immerhin reicht das, um zum Gottesdienst in die katholische Kathedrale zu kommen. Ein polnischer Priester aus Posen zelebriert auf Spanisch. Danach gurken wir noch ein bisschen durch St. John, das am Sonntag ausgestorben wirkt. Zumal kein Kreuzfahrtschiff angelegt hat. In der Dickenson Bay will ich in dem Edel-Resort Sandals nach einem Fahrradverleih fragen. Die Security lässt mich nicht die zehn Meter zur Rezeption gehen. Das müsse ich online machen. Wo ein Call-Center-Chat mir mehrfach derart schwachsinnig auf die einfache Frage nach einem Rad antwortet, dass ich mir versichern lasse, nicht mit einer Maschine zu kommunizieren. Wie verlässlich ist die Antwort: „I am a real person“?








Montag, 18. November 2019: Dickenson Bay - St. John‘s - English Harbour - St. John‘s - Dickenson Bay (31 km)

Wir wollen die Hauptsehenswürdigkeit von Antigua ansteuern: English Harbour mit Nelson‘sDockyard ???? Unesco-Weltkulturerbe. Und weil mir mein Fahrrad nicht ausreichend fit erscheint, wechsel ich es im Bike Plus mit einem Mountainbike. Das sogar einen ausreichend hohen Sattel hat. Trotzdem ist die Fahrt recht mühsam, weil ich, um das linke Handgelenk zu schonen, nur mit der rechten Hand steuere.
Der restaurierte Hafenbereich ist ganz nett. Am überraschendsten: drei Brompton-Räder stehen wie aus dem Nichts neben der Bee, einer der Edelyachten, an Land. Es erscheint zwar abwegig, aber ich frage den Kapitän der Bee, ob er zufällig einen Mantel hat, den er mir verkaufen würde. Noch abwegiger: er hat gerade neue, leichtere Schwalbe Racer aufgezogen. Und die alten Schwalbe Marathon irgendwo im Rumpf des Schiffes eingelagert. Noch bevor ich ihm ein Foto vom aktuellen Zustand meines Reifens gezeigt habe, ist er Feuer und Flamme mir zu helfen. Obwohl er tausend andere Dinge zu tun hat. Lawrence wühlt überall. Leider vergeblich.






Irgendwie scheint mir die Hitze heute stärker zuzusetzen. Habe ich mich nicht ausreichend eingecremt? Zu wenig Wasser über den Kopf geschüttet? Jedenfalls verzichte ich auf die Rückfahrt. Miri übernimmt das Mountainbike. Ich nehme das Faltrad in den Bus. Sinke geschafft auf die Schwelle des Radladens. Miri wickelt alles ab. Ich zockel mit dem Faltrad zu unserm Quartier. Wo ich grad noch unter die Dusche komme. Bevor Fieber und Schüttelfrost meine Nacht bestimmen. Die nur durch die Klimaanlage etwas abgemildert wird. In den anderen Räumen halte ich es gar nicht mehr aus.





Dienstag, 19. November 2019: Dickenson Bay - Taxi - Antigua-Airport- Flug - Melville-Airport/Dominica - Tax - Marigot

Es ist nur Auszuhalten im Bereich der Klimaanlage. Ich kühle den Kopf mit einem Waschlappen. Das Gehirn ist Matsche. Ich kann nichts lesen, tun. Reagiere extrem verlangsamt. Mit Müh und Not packe ich ein paar Sachen. Miri muss unseren Transfer nach Dominica im wesentlichen managen. Am Flughafen muss sie ihre Frucht- und Gemüseschätze umpacken, damit beide Radpakete bei 23 Kilo landen. An Guadeloupe vorbei fliegen wir nach Dominica. Nicht zum Hauptstadtflughafen, sondern Douglas Charles an der Nordostküste. Für drei Kilometer Taxifahrt wollen sie hier 20 US-$. Egal. Hauptsache ich bin bald wieder im Bereich einer Klimaanlage und eines nassen Waschlappens.








Mittwoch, 20. November 2019: Marigot

Miri hat am Abend ein bisschen recherchiert. Und ist auf das Dengue-Fieber gestoßen. Unsere neue Arbeitshypothese. Gegenmittel: Paracetamol. Das Miri in dem winzigen, völlig untouristischen Ort Marigot bekommt. Das wirkt. Miri begeistert sich für den Ort. Entdeckt verschiedene Wege zur einsamen Sandbay.








Donnerstag, 21. November 2019: Marigot; Miri: Marigot - Anse de Mai - Marigot (45 km)

Ich nehme weniger Paracetamol. Entsprechend geht’s mir schlechter. Miri macht einen schönen Radlausflug an der Ostküste bis hinauf zur Anse de Mai.








Freitag, 22. November 2019: Marigot

Am späten Nachmittag gehe ich zum ersten Mal wieder hinaus. Spaziergang rund ums Haus. Es ist nicht so heiß. Und eine tolle Umgebung. Ich entdecke Hühnchenfleisch als Medizin. Miri macht eine Wanderung in die Berge.










Samstag, 23. November 2019: Marigot

Noch ein kleiner Spaziergang. Noch ein bisschen Hühnchen. Noch ein bisschen besser. Miri radelt die Ostküste in südlicher Richtung.








Sonntag, 24. November 2019: Marigot - Flughafen - Marigot (6 km) - Flughafen - Flug Dominica/Martinique - Taxi - Les Trois-Îlets

Nun will ich ja doch ein paar Kilometer auf Dominica geradelt sein. Am Morgen ist es noch bedeckt. Ich kann einen Blick auf Miris Lieblingsstrand Sandbay werfen. Komme bis zum Flughafen. Schiebe den Berg hinauf. Geht alles erstaunlich gut.
Die Suche nach einem Gottesdienst führt uns wieder die Straße rauf und runter. Kaum Verkehr heute. Da ist Sunday School. Die Katholiken sind zum Christkönigsfest alle in der Hauptstadt. Die Dauerekstase in der New Life ministrie unterhalb unserer Wohnung halten wir nicht lange aus.
Abschied von unserer Casa Philipe, deren Klimaanlage zeitweise meine Rettung war. Philipp bringt uns zum Flughafen, wo er auch im Tower arbeitet. Ursprünglich wollten wir mit der Fähre weiter nach Martinique. Dafür hätten wir beide Inseln überqueren müssen. Da habe ich den Sonntagabendflug mit Air Antilles gebucht. Bei meinem Zustand das beste. Auch auf Martinique lässt uns unsere Gastgeberin abholen. Gegenüber der Hauptstadt Fort-de-France auf der andern Seite der Bucht haben wir eine Ferienwohnung in der Yacht- und Hotellandschaft von Pointe du Bout.








Montag, 25. November 2019:

Nachmittagsausflug nach Fort-de-France. Die Fähre pendelt ständig hinüber. Und bringt uns ins Herz der Stadt. Kathedrale und Bibliothek Schoelcher überzeugen im Weltausstellungsstil. Ganz andere Dimensionen als Pointe-à-Pitre. Und schon sind wir wieder zurück in unserm Ferienort Pointe du Bout.








Dienstag, 26. November 2019:

Miri überredet mich, mit der sechs-Uhr-Fähre zur Frühmesse zu fahren. Gut hundert Leute in der Kathedrale. Ich zu müde. Danach versuchen wir, meine Verletzung an der linken Hand diagnostizieren zu lassen. Nach obskurer Artzpraxissuche schleppen wir uns doch rauf zur Clinic Saint Paul. Anderthalb Stunden warten auf die Sprechstundenärztin, anderthalb Stunden warten rund ums Röntgen. Kein Befund. Immerhin. Einblicke ins französische Gesundheitswesen.










Mittwoch, 27. November 2019: Pointe du Bout - Les Trois-Îlets - Pointe du Bout (11 km)

Ich quäle mich über ein paar Hügel nach Les Trois-Îlets, dem Hauptort. Zurück geht’s schon leichter. Es geht weiter bergauf. Schönes Abendessen zum Abschied am Strand. Fisch.








Donnerstag, 28. November 2019: Pointe du Bout - Fähre - Fort-de-France - Fähre - Pointe du Bout (10 km) - Wanderung L'Anse à L'Âne - Pointe du Bout - Taxi - Flughafen Fort-de-France - Flug

Cayenne - Fort-de-France: so hieß der Arbeitstitel der Tour. Den will ich nun vollenden. Fahre mit der 6:45-Uhr-Fähre hinüber und dann ein bisschen durch die Stadt. Es geht jeden Tag weiter bergauf. So hänge ich an die Tour mein erstes Meerbad seit Guadeloupe. Genau zwei Wochen. Miri schwimmt ohne Unterlass. Und eine sehr schöne Wanderung über die Höhe in die Nachbarbucht L'Anse à L'Âne schließt sich an. Bevor das Reisefieber langsam Besitz ergreift.


Route Karibik III: Inseln



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen
Reihenfolge: Guadeloupe - Antigua mit Montserrat - Dominica - Martinique



Der Check-In bei Air France ist professionell. Keine überflüssigen Fragen. Beim Boarding werden die Zonen auf der Anzeigetafel angegeben und gehen nicht im Genuschel der Ansagen unter. Es bleibt die lange Nacht an Bord. Miri überlässt mir ihren Platz mit Beinfreiheit.





Freitag, 29. November 2019:

Auch auf dem Rückweg müssen wir mit dem Bus durch Paris von Flughafen zu Flughafen. Und dabei unser Gepäck selber mitschleppen. Im Gegensatz zu unseren Hinflügen ist Le Bus Direct diesmal proppenvoll. Terminal 2G in Roissy ist nicht ganz so klein, wie er mir vor sieben Wochen erschien. Der Jetlag macht sich breit, die letzten Etappen zum Frankfurter Fernbahnhof und nach Mainz ziehen sich. Die Sonne scheint. Der Winter ist gleichwohl sieben Wochen weiter.








Route Karibik III: Cayenne - Fort-de-France



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen

Etappen Karibik III: Cayenne - Fort-de-France (12.10.-28.11.2019)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 12.10.2019 Cayenne Aéroport Cayenne 25
2. 13.10.2019 Cayenne Remire-Montjoly - Cayenne Kourou 112
3. 14.10.2019 Kourou Sinnamary Iracoubo 119
4. 15.10.2019 Iracoubo Mana Awala-Yalimapo 104
5. 16.10.2019 Awala-Yalimapo 13
6. 17.10.2019 Awala-Yalimapo Mana St. Laurent d. M. 67
7. 18.10.2019 Cayenne 13
8. 19.10.2019 St. Laurent d. M. Fähre/Grenze Französisch-Guyana/Suriname - Albina Moengo 55
9. 20.10.2019 Moengo Paramaribo 103
10. 21.10.2019 Paramaribo Groningen Sidoredjo 67
11. 22.10.2019 Sidoredjo Totness 94
12. 23.10.2019 Totness Paradise Nieuw-Nickerie 98
13. 24.10.2019 Nieuw-Nickerie Fähre/Grenze Suriname/Guyana Skeldon 52
14. 25.10.2019 Skeldon New Amsterdam 80
15. 26.10.2019 New Amsterdam Georgetown 113
16. 27.10.2019 Timheri
17. 28.10.2019 Flug Georgetown/Guyana - Piarco/Trinidad - Willemstad/Curacao
18. 29.10.2019 Souax Westpunt - Knip - Sint Willibrordus Souax 76
19. 30.10.2019 Souax Punda - Souax - Flug - Willemstad/Curacao - Panama Managua 26
20. 31.10.2019 Managua Tisma - Granada - Bus Managua 67
21. 1.11.2019 Managua El Tránsito 80
22. 2.11.2019 El Tránsito León 61
23. 3.11.2019 León Chinandega Somotillo 114
24. 4.11.2019 Somotillo Guasaule (= Grenze Nicaragua/Honduras) - Choluteca San Lorenzo 92
25. 5.11.2019 San Lorenzo El Amatillo (= Grenze Honduras/El Salvador) La Unión 98
26. 6.11.2019 La Unión El Delirio Usulután 90
27. 7.11.2019 Usulután Puente de Oro Costa del Sol 102
28. 8.11.2019 Costa del Sol Aeropuerto El Salvador 32
29. 9.11.2019 Flug Miami/Florida - Pointe-à-Pitre/Guadeloupe Les Abymes 5
30. 10.11.2019 Les Abymes Anse des Rochers - Pointe-à-Pitre Les Abymes 67
31. 11.11.2019 Les Abymes Deshaies Thomy 66
32. 12.11.2019 Thomy
33. 13.11.2019 Thomy Col des Mamelles (583 m) Petit-Bourg 45
34. 14.11.2019 Petit-Bourg Aéroport Pointe-à-Pitre 23
35. 15.11.2019 Dickenson Bay St. John’s - Fähre - Little Bay/Montserrat - St Peter’s - Little Bay/Montserrat - Fähre - St. John‘s Dickenson Bay 17
36. 16.11.2019 Dickenson Bay
37. 17.11.2019 Dickenson Bay St. John‘s Dickenson Bay 16
38. 18.11.2019 Dickenson Bay St. John’s - English Harbour - St John‘s Dickenson Bay 31
39. 19.11.2019 Flug Osbourn/Antigua - Marigot/Dominica
40. 20.11.2019 Marigot
41. 21.11.2019 Marigot
42. 22.11.2019 Marigot
43. 23.11.2019 Marigot
44. 24.11.2019 Marigot Flughafen Marigot 6
45. 25.11.2019 Pointe du Bout
46. 26.11.2019 Pointe du Bout
47. 27.11.2019 Pointe du Bout Les Trois-Îlets Pointe du Bout 11
48. 28.11.2019 Pointe du Bout Fähre - Fort-de-France - Fähre Pointe du Bout 10
Summe 2250



Anschluss Tour 96: Karibik II: Havanna - Miami (1560 km) Okt./Nov. 2018

Anschluss Tour 82: Karibik: Barbados - Haiti (902 km) Okt./Nov. 2016

Anschluss Tour 61: New York - Detroit (1369 km) April/Mai 2012


Nächste Tour: Que Sera!

Vorherige Tour: Eder: Kassel - Dillenburg (256 km) Juli 2019


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