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Karibik 2016

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VG WORTTour 80: Berlin - Greifswald (500 km)


Hannah freihändig
Hannah freihändig

Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Berlin - Usedom - Rügen - Greifswald (24.-28.7.2016)
Baltic Run: mit Ultra-Marathon-Läufern an die Ostsee

Auf dem Berlin-Usedom-Radweg zur Ostsee haben wir unerwartete Begleitung: die Läuferinnen und Läufer des "Baltic Run 2016" sind fast stets an unserer Seite. Tagelang. Sie laufen einen Ultra-Marathon von Berlin zur Ostsee. Trotz des internationalen Titels bleiben sie auf deutschem Terrain. Der Lauf endet mit einer 59-Kilometer-Etappe auf Usedom. Die ersten drei Tage sind die täglichen Ultra-Marathons fast identisch mit unseren Etappen. Erst dann können wir uns doch noch absetzen und mit schönen Fähr-Fahrten durch die Bodden-Landschaft nach Usedom und Rügen durchstarten. Bevor wir in und um Greifswald alte Jerusalem-Kommilitonen treffen. Von denen mich zwei zum letzten Ziel in Zinnowitz begleiten: wo Touren-Kilometer 98.000 Spuren im Sand hinterlässt.

Fahr grün: Fahrrad-Beförderung beim Fernbus von Flixbus Verflixter Fernbus
Samstag, 23. Juli 2016: Fernbus Mainz - Berlin

Für sensationelle zehn Euro habe ich schon vor Wochen bei Flixbus ein Ticket buchen können. Dazu neun Euro für das Fahrrad. (Die ich eigentlich als ADFC-Mitglied gar nicht hätte zahlen müssen - aber das vergesse ich immer bei der Buchung.) Das muss ich am Mainzer Hauptbahnhof von seinem Korb befreien. Fernbus-Fahren im Jahr 2016 bedeutet: ohne Überdachung im Nieselregen warten, umweht von Zigarettengift der pausierenden Fahrer, die ihren Busmotor weiter laufen lassen. Dann kommt der Berlin-Bus. Während im Frühjahr das Rad aufgehängt wurde, wird es diesmal auf dem Anhänger fixiert (Foto links).
Pünktlich 7.05 Uhr geht's los. Siebeneinhalb Stunden Fahrzeit sind avisiert. Mit dem Zug würde es mindestens eine halbe Stunde länger dauern, weil ich mit dem Rad die ICE nicht nutzen kann. Anders als bei der Busfahrt im Frühjahr von Essen nach Basel informiert der Fahrer ausführlich über die Fahrtstrecke, Haltepunkte. Auch seine Ablösung, der an einer Jet-Tankstelle im Rhein-Main-Gebiet bereits "wegen der Lenkzeiten" zusteigt. Die Lenkzeit-Vorschriften führen dann auch zu einer 45minütigen Pause am Rasthof Osterfeld: mit dem Fahrrad an der Autobahnrast-Stätte (Foto unten).
Schon zuvor hat der Fahrer einen Stau angekündigt. Als wir das Stau-Ende erreichen, wählt der Fahrer die Ausfahrt. Zwei Stunden Wartezeit würde der Stau mit sich bringen. Er dagegen wählt das Abenteuer. Über eine einspurige Straße durch die Felder steuert er den Bus. Ich wechsle nach ganz vorne oben im Doppeldecker. Premium-Sicht auf die Landstraßen von Sachsen-Anhalt (Foto unten). Köthen, Dessau sind ausgeschildert. Ich frage mich, ob der Routenplaner des Busfahrers auch die Höhe des Busses einberechnet hat. Andere Flixbusse begegnen uns. Das beruhigt. Nach etwa einer halben Stunde sind wir zurück auf der A 9. Der Fahrer lässt sich in einer weiteren Ansage feiern für die vermeintliche Zeitersparnis von Stunden.


Fahrrad auf Flixbus an der Autobahn-Raststätte
Fahrrad an der Autobahn-Raststätte

Flixbus: Stau-Vermeidung durch Feldweg-Fahrt in Sachsen-Anhalt
Stau-Vermeidung durch Feldweg-Fahrt


Exkurs: Ein Zehn-Euro-Gutschein von der Bahn und seine Einlösung
Zwei Wochen vor dieser Fahrt bin ich ebenfalls von Mainz nach Berlin gefahren - mit der Deutschen Bahn. Und - eigentlich: mit einem Gutschein über 10 Euro, den ich als BahnCard-Kunde mit der Post erhielt.
Die Gutscheine einzulösen, ist nicht ganz so einfach. Einerseits gelten sie nur vier Wochen, andererseits ist er erst "Einlösbar ab 49 Euro Mindestfahrkartenwert". D.h. bei (m)einer BahnCard 50: schon die reguläre Fahrkarte muss über 100 Euro kosten. Von Mainz muss ich also da schon mal mindestens rund 400 Kilometer fahren. Genau das habe ich heute vor: Berlin ist das Ziel. 64,50 Euro minus zehn macht 54,50 Euro.
Ich versuche es zunächst mal schon vor der Abfahrt zu Hause mit meinem Smartphone. In letzter Sekunde scheitere ich daran, dass ich als Zahlungsmittel "Lastschrift" gewählt habe. Eigentlich auch für die Bahn recht günstig. In Verbindung mit einem Gutschein ist das aber nicht möglich. Am Hauptbahnhof Mainz angekommen, versuche ich es ein zweites Mal am Automaten. Finde dort aber auf die Schnelle überhaupt keine Möglichkeit meinen Gutschein ins Feld zu führen. Da mein Zug nun fährt, bleibt mir - bei nun schlechterer Datenverbindung - nur der dritte Versuch, während ich praktisch schon schwarz fahre. Diesmal wähle ich "Sofort Überweisung" als Zahlungsmittel. Beim ersten Versuch scheitere ich an dem völlig überflüssigen Zwischenschritt für "Reservierungen". Das mehrfach. Scheint mit dem iPhone nicht zu funktionieren.
Was tun? Ich versuche es mit meinem zweiten Smartphone. Um dort in die Bahn-App zu kommen, brauche ich allerdings Name und Passwort. Aus irgendeiner Datei gelingt es mir, die passenden Daten zu besorgen.
Einer der Quälgeister: bei jedem Vorgang muss ich neu eingeben, dass ich Besitzer der BahnCard 50 bin. Warum lässt sich das nicht in der App einmal speichern? Beim zweiten Versuch "Sofort Überweisung" werde ich erfolgreich weitergeleitet. Meine Bank allerdings lässt wie diverse andere Banken "Sofort Überweisung" beim Smartphone nicht zu. Das erfahre ich allerdings erst am Ende des gesamten Eingabeprozesses von Name, Pin, Tan, Bic und den anderen unvermeidlichen Daten. Die Angst vor dem Schaffner wird größer. Die Fahrzeit länger: "Der vor uns liegende Streckenabschnitt ist noch durch einen Zug belegt. Wir setzen unsere Fahrt in Kürze fort." Die Umsteigezeit immer knapper. Versuche ich es doch mit der Kreditkarte auf dem iPhone. Da kassiert die Bahn bei Zahlungen über 50 Euro zusätzlich 50 Cent. (Warum bei hohen Beträgen und nicht bei kleinen Beträgen?) Egal. Bringt mir der Gutschein immer noch 9,50 Euro. Wieder gebe ich den aus lauter Großbuchstaben und einer Zahl bestehenden Gutschein-Code ein. Irgendwie funktioniert es. Allein: auf dem Ticket steht 65 Euro statt 55 Euro. Fuck. Erst die Kreditkartenabrechung zeigt mir: Es wurden tatsächlich "nur" 55 Euro abgebucht. So oder so: beim nächsten Mal nehme ich den Fernbus. Für zehn Euro - insgesamt.


Am Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) in Charlottenburg
Am Zentralen Omnibus-Bahnhof in Charlottenburg


Trekking-Fahrrad vor Canisius-Kirche in Berlin-Charlottenburg So sind es am Ende 55 Minuten Verspätung am Zentralen Omnibus-Bahnhof am ICC in Berlin-Charlottenburg (Foto oben). Der ZOB ist für mich so etwas wie die Mutter aller Fernbus-Bahnhöfe in Deutschland. War er doch schon vor der Wende ein Beleg, dass öffentlicher Personen-Fernverkehr noch ein paar Varianten mehr zu bieten hätte, als die damalige "Bundesbahn". Aus der Beschaulichkeit der einstigen Berliner Insellage ist inzwischen ein Verkehrs-Hub geworden. Im Minuten-Takt treffen Busse aus Kopenhagen, Groningen, Weißrussland, Ukraine ein. Fernweh live.
Ich bastle meinen Fahrradkorb wieder auf den Gepäckträger. Die beiden Kilometerzähler vorne und hinten funktionieren. Die kurze Strecke in Berlin führt mich vorbei an der Canisius-Kirche (Foto rechts). Der ähnlich markante Beton-Vorgängerbau aus den fünfziger Jahren fiel vor wenigen Jahren einem Brand zum Opfer. Ein Bruder meines Großvaters, Jesuiten-Pater Paul Gocke, leitete seinerzeit die Gemeinde. Auch die "Mondsichel-Madonna", die heute in einer komplett holzvertäfelten Kapelle in der Kirche steht, hat er in Auftrag gegeben. Ich ergattere die letzte schwarz-weiße Postkarte mit dem alten Kirchbau.


Logo Berlin-Usedom-Radweg
Logo Berlin-Usedom-Radweg

Radverkehrsschilder am Berliner Dom mit Logo Berlin-Usedom-Radweg
Hinter dem Berliner Dom


Chris und Hannah on the Bike am Brandenburger Tor Wie wir eine Rekordmarathonläuferin überholen
Sonntag, 24. Juli 2016 (St. Christophorus): Berlin-Charlottenburg - Bernau - Joachimsthal (86 km)

Fernradeln auf dem Ku'damm. Bis zur Ecke Joachimsthaler. Da wollen wir heute hin: Joachimsthal. Mit dabei: Patenkind, just 18 und Abiturientin Hannah. Vor fünf Jahren ist sie schon mal ein paar Meter mit in Dresden gefahren. Jetzt soll es eine ganze Etappe werden. 75 Kilometer habe ich ihr in Aussicht gestellt. Bei genauerem Streckenstudium zum Frühstück stellt sich heraus: Dazu kommen noch die Kilometer von der Wohnung in Charlottenburg bis zum Berliner Dom, wo die Beschilderung des Berlin-Usedom-Radwegs einsetzt. Sehr schöne Kilometer. Historische Kilometer. Höhepunkt: Fahrt durch das Brandenburger Tor (Foto links).
Vom Dom an führt der Radweg entlang kleiner Nebenstraßen mitten durch die Hauptstadt. Am Sonntagmorgen in den Sommerferien ist eh nicht so viel Verkehr. Mauer-Radweg. Panke-Radweg. Es sind schon einige mit dem Rad unterwegs. Auch eine Familie mit zwei Kindern. Der Vater hantiert mit großer Karte. Sie wollen auch nach Usedom. Haben aber nahezu kein Gepäck dabei. Und was sie dabei haben, hängt beim Vater chaotisch befestigt vom Gepäckträger. Ein paar Meter weiter haben sich die Einzelteile selbstständig gemacht. Das kann noch heiter werden bis Usedom.
Hannahs Rad ist mehr so ein Gurken-Stadt-Rad. Der Gepäckträger ist auf einer Seite abgebrochen. Damit nicht auch noch die andere Seite abbricht, nehme ich mal sicherheitshalber das Gepäck. Damit kann ich es dann nicht mehr als psychologische Hilfe in kritischen Situationen übernehmen. Wir beide tun uns nicht leicht an diesem Morgen mit drückender, schwüler Luft. Am Stadtrand von Berlin machen wir die erste Pause auf einer Bank. Noch kann man in der diesigen Sonne sitzen. Hannah hat Kopfschmerzen. Ich schlage vor, auf den Helm vorerst zu verzichten.


Storch auf gemähter Wiese in Brandenburg
Storch in Brandenburg


Hannah on the Bike auf dem Berlin-Usedom-Radweg in Brandenburg Nächste Pause Bernau. Hannahs Kopf geht es besser. So richtig fit sind wir beide nicht. Sind 85 Kilometer doch ein bisschen viel für den ersten Tag? Erstmal ein großes Heidelbeer- bzw. Waldbeereis. Wir machen noch einen Schlenker um die gotische Marienkirche und die alte Lateinschule. Und plötzlich läuft es besser. Es wird hügeliger. Aber so, dass man mit dem Schwung des ersten Hügels immer schon fast auf den zweiten kommt. Der Weg ist meist recht schattig im Wald (Foto rechts). Kiefern, Birken, Buchen, Eichen. Überwiegend asphaltiert. Aber nicht so viel, dass es langweilig wird.
Ein gelbes Trikot mit der Aufschrift "100 Marathon Club" taucht vor uns auf. Die alte Dame walkt engagiert, aber nicht zu schnell. Bald wird klar: sie befindet sich in einem Wettkampf. Immer häufiger überholen wir Walker, die gelegentlich auch joggen. Auf einem Ultra-Marathon-Lauf mit heute 63 Kilometern. Das ist der Baltic Run 2016. Und die Dame im gelben Trikot wird heute neun Stunden und zehn Minuten brauchen. Vorletzter Platz. Wie wir später erfahren ist sie eine Läufer-Legende: Mit ihren 76 Jahren ist die Berlinerin Sigrid Eichner fast 2000 Marathons und Ultra-Marathons gelaufen. So hat sie es auch ins Guinness Buch der Rekorde geschafft.
Beim "Schleusengraf" am Finowkanal in Marienwerder haben sich einige Läufer-Walker zu einem Bierchen niedergelassen. Und feuern enthusiastisch ihre KonkurrentInnen an. Auch wir genehmigen uns Berliner Weiße - in Rot und Gelb: Holunder. Wir feiern Etappen-Kilometer 60. Sind schneller geworden. Mit 28 Grad ist es nicht so heiß wie vorhergesagt. Das schaffen wir heute.
Irgendwo sehen wir auch einen Storch ein paar Meter vor uns (Foto oben). Idyllisch ist es am Kanal zum Werbellinsee. Dann der See selber. Leider führt der Radweg nicht direkt am Ufer entlang. Immer häufiger sehen wir schwer bepackte Usedom-Radler. Recht locker rollen wir in Joachimsthal ein. Fahren runter zum See in die Kommunität Grimnitz. Wo uns Renate willkommen heißt. Und zu einer Badebucht mitten im Vogel-Naturschutzgebiet führt. Und später noch zu einem Fischessen auf dem Werbellinsee (Fotos unten). Inzwischen ist auch Miri eingetroffen. Morgen ist sie mit von der Partie.


Vor dem Bad im Grimnitzer See
Vor dem Bad im Grimnitzer See

Sonnenuntergang am Werbellinsee
Werbellinsee

Badebucht am Grimnitzer See
Grimnitzer See

Bahnhof Joachimsthal
Bahnhof Joachimsthal

Miri am Morgen im Grimnitzer See
Miri am Morgen


Miri Müller und Renate Ellmenreich in der Kommunität Grimnitz Im Land der Ukranen
Montag, 25. Juli 2016: Joachimsthal - Angermünde - Prenzlau (81 km)

Wir verstärken das Morgengebet in der kleinen Kommunität von Grimnitz. Danach muss Hannah zurück nach Berlin. Die Arbeit ruft. Wir brigen sie zum Bahnhof. Schön war's mit ihr. Sie hat locker durchgehalten gestern und auch heute Morgen zeigen sich keine größeren Deformationen.
Wir erfahren noch einiges über die Ländereien der Kommunität (Foto links: Miri mit Kommunitätlerin Renate Ellmenreich), sehen die Schinkel-Kirche im Ortskern und fahren am späten Vormittag weiter. Bei schon 28 Grad. Heute kommt die Hitze, die gestern vorhergesagt war. Erschwerend kommt hinzu, dass heute die Strecke nicht überwiegend im Wald verläuft wie gestern.
Bei Glambeck überlegen wir, den Shortcut Richtung Warnitz zu nehmen (S. Karte unten). Entscheiden uns dann aber doch dafür, dem Berlin-Usedom-Radweg treu zu bleiben - plus einen Schlenker über Angermünde. So erreichen wir kurz hinter Glambeck auch den "Radlerpoint Kirchenklause". Zu exorbitanten Preisen in bescheidenem Ambiete werden hier Kuchen und Pulverkaffee angeboten. Miri entdeckt aber auch eine Flasche Hirschblut: Fruchtwein aus mehr oder weniger lokalem Anbau.
Ein Reporter, begleitet von einem Fotografen, entert das Café. Auf der Suche nach Sommerlochthema "Ronny". Dieser "Rowdy-Storch" macht ein gewisses Glambeck und seine Autos unsicher, nachdem er den Kampf um eine Störchin gewonnen hat, aber nicht aus dem Kampfmodus rauskommt. So bekämpft er nun sein Spiegelbild im Autolack wie einst seinen Widersacher. Ein Thema, wie gemacht für den Sommer. Die Wirtin beugt sich mit den Reportern über eine Karte und behauptet, sie müssten noch zwei Stunden mit dem Auto fahren. Das stimmt nicht ganz. Aber das gesuchte Storchen-Glambeck befindet sich rund 60 Kilometer westlich vom hiesigen Kirchenklausen-Glambeck.


Karte Berlin-Usedom-Radweg
Berlin-Usedom-Radfernweg auf der Karte

Rathaus Angermünde
Rathaus Angermünde


Fachwerkhaus in Warnitz Weiter geht's nun nach Angermünde. Es ist längst deutlich über 30 Grad. Vor dem historische Rathaus (Foto oben) retten wir uns unter die Sonnenschirme eines Cafés. Ein Schlenk zur ehemaligen Klosterkirche lohnt sich schon allein wegen der Kühle im Innenraum. Zurück durch die pralle Sonne zum Berlin-Usedom-Radweg. Zum zweiten Mal begegnen wir heute einem Vater mit zwei Kindern. Der Junge hat längere blonde Haare als das Mädchen. Und Papa zieht die ganze Zeltausrüstung im Hänger hinter sich her. Folge: Achsenbruch. Repariert inzwischen ebenfalls in Angermünde. Wie wir stürmen die drei angesichts der Hitze den "Großen Peetzigsee". Ein Traum.
Bei den folgenden leichten Anstiegen steigt das Thermometer auf 40 Grad. Wir freuen uns, Jürgen, den wir jüngst in Mainz kennengelernt haben, in Warnitz (Foto rechts) anzutreffen. Er versorgt uns mit kühlen Getränken. Und zieht mit uns noch zur schönen Badestelle mit Boot am Oberuckersee (Foto unten). Jetzt sind wir an der Ucker (sein Brandenburger Name - in der Uckermark) bzw. Uecker (sein Name in Vorpommern). Bis zur Mündung in Ueckermünde ins Stettiner Haff werden wir ihr folgen. Auch, wenn der Radweg den trägen Fluss wenn überhaupt kreutzt, aber nicht an ihm entlang führt. Der Name geht zurück auf den slawischen Volksstamm der Ukranen.
Zwischen Ober- und Unteruckersee (Höhenunterschied: ein Meter) werden wir von der östlichen zur westlichen Uferseite geführt. Obwohl auf der Ostseite auf der Karte die Strecke verheißungsvoll eng am See entlangführt. Am Westufer gibt es dafür einige neu asphaltierte Streckenabschnitte, die auch sehr schön sind. Auch ein Storch steht mal wieder am Wegesrand. Kurz vor Prenzlau ist wieder ein Zugang zum Baden im See, den wir uns nicht entgehen lassen. Hier baut ein Radler gerade sein Zelt auf. Sein zweiter Tourentag ever. Auch er hat die Läufer gesehen, die wir gestern begleitet haben. Morgen werden wir sie also womöglich wieder sehen.
Unser Quartier UckerWelle in Prenzlau erweist sich als ein schickes, neues Jugendgästehaus. Wlan funktioniert hier nicht wirklich. Aber alle sind sehr nett.


Badebucht in Warnitz
Badebucht in Warnitz

Chris on the Bike auf dem Berlin-Usedom-Radweg in Brandenburg
Berlin-Usedom-Radweg in Brandenburg


Miri und Läufer auf dem Baltic Run 2016 nördlich von Prenzlau Der lange Ostsee-Tag
Dienstag, 26. Juli 2016: Prenzlau - Ueckermünde - Fähre - Kamminke - Grenze Deutschland/Polen - Swinemünde - Grenze Polen/Deutschland - Ahlbeck - Karlshagen (126 km)

Wir wollen vor den offiziellen Frühstückszeiten los, denn um 14:50 Uhr fährt die letzte der drei Fähren pro Tag von Ueckermünde nach Kamminke auf Usedom. So stoßen wir schon kurz nach acht auf die Läufer des Baltic Run 2016 (Foto links). Unglaubliche 60 Kilometer werden sie uns begleiten. D.h.: wir sind kaum schneller als die Topläufer. Zuallererst begegnet uns aber wieder Marathon-Legende Sigrid Eichner, die alte Dame im gelben 100-Marathon-Club-Trikot.
Es gibt zwei Startzeiten für die Ultra-Läufer: um 7 Uhr für die Langsamen, um 8 Uhr für die Schnellen. Die erreichen fast unser heutiges Tempo: rund 15 Stundenkilometer. Da wir in Pasewalk eine Pause einlegen, gibt es ein ständiges gegenseitiges Überholen. Im Vorbeifahren versuchen wir die Läuferinnen und Läufer anzufeuern. In Eggesin drehen sie ab zu ihrer spartanischen Unterkunft in einer Grundschule. Um morgen dann den weiten Bogen um das Stettiner Haff hinüber nach Usedom zu laufen und übermorgen dann quer über die Insel. Ersteres wollen wir uns ersparen, indem wir mit der Fähre nach Kammminke übersetzen.
Wir sind rechtzeitig da, doch nicht mal die Polizei weiß, wo die Fähre genau abfährt. Ob im Stadthafen oder am Strand, wohin es sicher noch rund fünf weitere Kilometer sind. Schauen wir erst einmal im Stadthafen: da legen tatsächlich einige Fähren ab, auch der "Shuttle" nach Kamminke. Vorher ist noch Zeit für die Besichtigung von Kirche und Markt sowie für einen Backfisch mit Bratkartoffeln direkt am Fähranleger.


Chris on the Bike in der Uckermark
In der Uckermark

Heu auf einem Acker am Wegesrand bei Pasewalk
Ernte vor Pasewalk

Fähre Ueckermünde - Kamminke/Usedom
Fähre nach Usedom: kaum Durchblick für den Kapitän


Deutsch-polnische Grenze bei Kamminke auf Usedom Die Fähre ist eine Personenfähre, auf deren Spitze mehr als zehn Räder Platz haben (Foto oben). Da unsere Räder als letzte geladen werden, sind sie die ersten, die im Kamminke wieder von Bord gehievt werden. Bis dahin hat Miri ein Powernap genommen und auch die Akkus meine Handys sind wieder geladen.
Der Tag wird noch lang werden, wie sich zeigt. Hauptschwierigkeit: die Unterkünfte auf Usedom sind praktisch ausgebucht. Kamminke liegt direkt an der deutsch-polnischen Grenze auf Usedom. So machen wir noch einen acht Kilometer langen Schlenker durchs Nachbarland (Grenz-Foto rechts). Swinemünde/Swinousice ist eine richtige Stadt. Mit vielen, vielen Plattenbauten (Foto unten). Erst zum Strand hin setzt sich die Urlauberszene durch. Die Quartiere sind allerdings komplett ausgebucht.
Also geht's auf der Fahrrad-Autobahn Ostsee-Radweg zurück nach Deutschland. Ahlbeck begrüßt uns mit Urlaubermassen. Trotzdem kann man noch ganz gut fahren auf dem Promenaden-Radweg. Bei der Zimmervermittlung halten wir. Patricia meint, dass es Unterkünfte nur noch ab 150 Euro gebe. Aber sie schaut mal. Wir wollen so weit nach Norden wie möglich, weil morgen um neun in Peenemünde eine Fähre nach Rügen ablegt, die die optimale Fortführung wäre. Und tatsächlich: in Karlshagen findet sie noch eine Ferienwohnung für 100 Euro, 30 davon für die Endreinigung. Ich könnte Patricia küssen..


Plattenbauten in Swinemünde / Swinousice auf Usedom
Vor den Plattenbauten von Swinemünde / Swinousice auf Usedom

Seebrücke in Heringsdorf / Usedom
Seebrücke in Heringsdorf: mit 508 Meter die längste in Deutschland

Dünen und Strand in Heringsdorf
Dünen und Strand in Heringsdorf

Kölpinsee / Usedom
Kölpinsee bei Ückeritz

Räder auf der Seebrücke von Koserow
Auf der Seebrücke von Koserow

Miri & Chris in der Abendsonne
In der Abendsonne auf der Seebrücke von Koserow


Grillmeister Toralf und Chris auf dem Areal B5 des Campingplatzes Sandfeld in Koserow Jetzt geht es entspannter weiter. Dort, wo die Strandpromenade in Bansin endet und der Steilküste Platz macht, beginnt der FKK-Strand. Dort schmeißen wir uns in die Brandung. Heute ist es nicht ganz so heiß wie gestern. Hier an der Ostee schon gar nicht. Trotzdem ist es eine grandiose Erfrichung. Bei 19 Grad Wassertemperatur
Dann weiter auf dem tolle Ostsee-Radweg über die Höhen der Steilküste. Irgendwann entlang eines kilometerlangen Campingplatzes. Dann der Kölpinsee (Foto oben). Auch ein Meerestraum. Und die Klinik Ückeritz. Wo Katja ein paar Wintertage verbracht hat. Die Patientinnen in der Abendsonne vor dem Eingang sind sehr gut drauf.
Kurz darauf Koserow. Hier treffen wir meinen Kollegen Toralf (Foto rechts) mit Familie auf dem Campingplatz. Es wird gegrillt in angenehmster Atmosphäre. Wir müssen aber weiter, um nicht ganz in die Dunkelheit zu kommen. Die Ferienwohnung in Karlshagen liegt direkt an der Strandpromenade. Ich gehe noch ans Wasser. Um elf Uhr steht noch das allerletzte Tageslicht über dem Meer vor Rügen.


Um 5:35 Uhr auf der Strandpromenade in Karlshagen/Usedom: Sonne weckt Skulptur 'Die Sonnenbadende' des norddeutschen Künstlers und Bildhauers Ené Slawow alias Eneos.
Um 5:35 Uhr auf der Strandpromenade in Karlshagen: Sonne weckt Skulptur "Die Sonnenbadende"
des norddeutschen Künstlers und Bildhauers Ené Slawow alias Eneos

Chris mit Notebook im Strandkorb kurz nach Sonnenaufgang
Free Beach Wifi: Chris writing the Blog in the morning

Blick auf Peenemünde von der Fähre nach Rügen aus
Peenemünde von der Fähre aus gesehen


Fahrräder auf der Fähre von Peenemünde nach Göhren, Sellin und Binz auf Rügen Regen auf Rügen
Mittwoch, 27. Juli 2016: Karlshagen - Peenemünde - Fähre - Göhren - Binz - Sassnitz (44 km)

Spät zu Bett und früh wieder an den Strand. gegen 5:35 Uhr schlendere ich über den Platz der Strandpromenade und sehe wie die Sonne die "Sonnenbadende" weckt (Foto oben). Unten am Strand sind längst einige Sonnenaufgangs-Enthusiasten mit ihren Kameras zu Gange. Bonus: ein Regenbogen über den ganzen Horizont. Ich entdecke, was ich in der Dunkelheit der Nacht nicht gefunden hatte: einen offenen (vermutlich aufgebrochenen) Strandkorb. In dem ich die Ereignisse der vergangenen beiden Tage festhalten kann (Foto oben). Bei freiem Strand-Wlan.
Um die Fähre in Peenemünde um neun Uhr zu erreichen, müssen wir um acht Uhr los. Immer näher kommen wir den Kriegsindustrie-Ruinen von Peenemünde (Foto oben). Vor dem abfahrbereiten Schiff der "Adler-Schiffe" im Stadthafen von Peenemünde wartet nur ein kleines Grüppchen. Darunter eine deutsche Familie, die in Schweden lebt und mit zwei Kindern im Anhänger stückchenweise rund um die Ostsee radelt. Sie fahren bis Binz und können deshalb unten im Schiff mit ihren Rädern bleiben. Wir müssen unsere Räder durchs Schiff schieben und am andern Ende eine Etage nach oben wuchten (Foto links). Der Ausstieg an der Seebrücke von Göhren ist weiter oben.
Eigentlich ist es eine Ausflugsfähre von Usedom, die samt einer Besichtigungs-Umfahrung der Rügener Kreidefelsen am späten Nachmittag wieder zurück auf Usedom ist. Als Radler kann man sie aber gut als Transportfähre nutzen. Weil der Start sich um fast eine halbe Stunde hinausschiebt, kommen wir entsprechend später an. Auch der mögliche Landgang in Binz verkürzt sich auf zwei Stunden. Das kann uns egal sein.


Käsekuchen mit Himbeereis im Fritz Braugasthaus von Binz, Rügen
Käsekuchen mit Himbeereis im Fritz Braugasthaus von Binz

Neue Strandpromenade von Binz nach Prora
Neue Strandpromenade von Binz nach Prora


Miri sucht Waldbeeren bei Göhren auf Rügen Die Rügener Radwege führen hier überwiegend durch den Wald auf festem Untergrund. Links und rechts Waldbeeren in Hülle und Fülle (Foto rechts). Dann geht's hinauf. Der Weg zum Jagdschloss Granitz zweigt als Wanderweg ab. Später will Miri genau dahin. In kräftigem Auf und Ab erreichen wir das Schloss auf über hundert Metern überm Meer. Ein Mittelalter-Markt formiert sich gerade rundherum. Immerhin geht es danach nur noch runter bis Binz.
Das umfangreich ausgeschilderte "Haus des Gastes" von Binz bietet uns nichts. Denn die Zimmervermittlung befindet sich in dem weniger pompös beschilderten Fremdenverkehrsamt. Die Frau dort macht uns nicht viel Hoffnung auf ein Quartier auf Rügen. Immerhin eine FeWo für 75 Euro ist im Angebot. Das nächstbeste Angebot startet bei 160 Euro. Unser Anruf bei der Verkehrsverwaltung von Hiddensee ergibt, dass auch dort Ebbe bei den offenen Übernachtungsmöglichkeiten ist. Die Dame in der Zimmervermittlung bietet noch mal an, es bei booking.com zu versuchen. Da ist im Gegensatz zu heute Morgen tatsächlich ein Hotel für hundert Euro in Sassnitz zu finden. Nehmen wir das.
Da hat schon längst Regen eingesetzt. Der immer heftiger wird. Ich lasse mich in "Fritz Braugasthaus" zum Notebooken nieder. Bei nicht nur leckerem, sondern auch schönem Kuchen (Foto oben). Nach ein, zwei Stunden ist es wieder trocken. Aber irgendwie ist die Luft raus. Auf der neuen Fortsetzung der Binzer Promenade im Norden (Foto oben) kommen wir nach Prora. Ein interessanter Platz zwischen Umbau, Ruine, fertigen Appartments (Foto unten), Jugendherberge, Museen und andern Attraktionen.
Am Hafen von Neu-Mukran müssen wir uns entscheiden, ob wir direkt nach Sassnitz durchstarten oder noch eine Schleife durch den Norden ziehen. Da wir dort aber nicht so schnell ans Meer kommen, knicken wir das. Und radeln rauf auf 70 Meter, um von dort nach Sassnitz zu rollen. Gestern alle Ziele übertroffen, heute nicht so recht vom Fleck gekommen.


Neue Appartments in Prora auf Rügen
Neue Appartments im ehemaligen KfD-Nazi-Bau von Prora


Miri radelt am frühen Morgen im Hafen von Sassnitz Romantisches Rügen und die Kopfsteinpflaster-Hölle
Donnerstag, 28. Juli 2016: Sassnitz - Putbus - Glewitzer Fähre - Greifswald-Weitenhagen (86 km)

Noch vor dem Frühstück fahren wir über die scheinbar frei schwebende Brücke im großen Bogen von den Höhen der Stadt Sassnitz runter in den Hafen (Foto links). Das Fisch-Business ist entweder schon vorbei oder hat noch nicht begonnen. Nur ein paar Schollen schnappen in einem Plastikbehälter nach Luft. Ein stiller Morgen.
Heute läuft es wieder besser. Wir fahren eine andere Strecke zurück als gestern. Über die Höhen nach Sagard und Lietzow. Von dort über Stock und Stein auf dem Wanderweg nach Ralswiek, wo die "Naturbühne" am Strand die "Störtebeker-Festspiele" beherbergt.
Bei der Ausfahrt aus Bergen verpassen wir zunächst den direkten Anschluss Richtung Putbus. Der Weg dorthin ist dann aber sehr schön. Noch schöner wird es im Schlosspark von Putbus. Danach sind wir wieder am Meer. Und fahren auf einer Rad-Strecke, die "Romantisches Rügen" genannt wird. Sie führt auch romantisch immer möglichst nah am Wasser entlang. Allerdings auf Wegen, die mit einem Radweg nicht viel zu tun haben: Beton-Platten, die kaum aneinander anschließen und auch noch immer eine Einkerbung schräg über die Oberfläche haben (Foto unten). Ansonsten Sand. Aber eben Romantik. Am romantischsten das Bad im flachen Meer vor Schabernack. Angenehm temperiert das Wasser. Wieder wunderbar erfrischend.


Radeln zwischen alten DDR-Betonplatten auf dem Romantischen Radweg im Süden von Rügen
Radeln zwischen DDR-Betonplatten: romantischer Radweg an der Südküste von Rügen

Radeln am Meer im Biosphärenreservat Südost-Rügen
Biosphärenreservat Südost-Rügen

Radeln mit Rindern im Biosphärenreservat Südost-Rügen
Radeln mit Rindern


Ostsee-Radweg: Radeln auf Kopfsteinpflaster zwischen Reinberg und Greifswald Am Geburtshaus des umstrittenen Ernst Moritz Arndt in Groß Schoritz vorbei erreichen wir die Glewitzer Fähre. Die dritte Fährfahrt dieser Tour. Jetzt auf einer Autofähre von Rügen wieder aufs Festland. Danach folgen wir der Ostsee-Radweg-Beschilderung. Und landen wieder auf der unsäglichen Kopfstein-Pflaster-Allee (Foto rechts) nach Greifswald. Zwanzig Kilometer fast durchgehend vermutlich Denkmal-geschützte Holper-Strecke.
Greifswald ist voller Geschäftigkeit. Nur nicht in der Touri-Info am Markt (Foto unten). Hier tut man sich etwas schwer mit der Orientierung in der näheren Umgebung. Unsere Frage nach einer Radstrecke in den Vorort Weitenhagen überfordert alle mehr oder weniger. Wir finden den Weg auch allein. Fahren an Miris Studentinnenbude in der Arndtstraße vorbei. An der Bahnstrecke entlang über eine schicke neue Brücke, über die Bundesstraße, durch ein Gewerbegebiet, durch Felder. Ein wunderbarer Radweg - nur ohne ein einziges Rad- oder Richtungs-Schild. Schade.
Wir erreichen das Haus der Stille bei der alten Zisterzienser-Kirche von Weitenhagen (Fotos weiter unten). Dort wollen wir ein paar Tage weniger Stille als Action mit Studienkollegen aus Jerusalemer Tagen erleben.


Panther Dominance Trekking Bike auf dem Marktplatz von Greifswald
Marktplatz von Greifswald


Kartenstudium auf der Glewitzer Fähre nach Rügen Kreidezeit: Putbus und Prora
Freitag, 29. Juli 2016: Ausflug nach Rügen

Zum Teil auf den Strecken von gestern fahren wir mit der Gruppe auf der Glewitzer Fähre (Foto links) rüber nach Rügen. Nach Putbus und Prora. Bis zu den Kreidefelsen (Foto unten).


Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund von Rügen am Königsstuhl
Kreidefelsen am Königsstuhl auf Rügen


Chris on the Bike mit Uli und Andreas Stadt- und Vogelführung
Samstag, 30. Juli 2016: Greifswald-Weitenhagen - Greifswald - Karrendorf - Greifswald - Greifswald-Weitenhagen (28 km)

Andreas und Uli sind mit von Partie heute auf dem Weg (Foto links). Zunächst von unserem Domizil in Weitenhagen in die Altstadt von Greifswald. Wo wir von Kunstgeschichtler Martin Felsch exzellent durch die Stadt geführt werden. Voller Geschichte und Geschichten - alles toll präsentiert.
Am Nachmittag radeln wir raus nach Karrendorf fast bis auf die Insel Koos. Dort zeigt uns Ornithologe Christoph bei einer ebenso exzellenten Wanderung mit Spektiven den Vogelreichtum der Bodden-Landschaft: Bekassine, Graureiher, Kraniche, Rohrweihe, Stare, Wanderfalken, Seeadler, Kiebitze, einen Neuentöter mit toter Maus im Schnabel, Braunkehlchen, Rotschenkel, Wasserläufer, Bartmeisen und Seeschwalben. Mittendrin wie gerufen ein paar Wasserbüffel.
Zurück zur Zisterzienser-Kapelle (Foto unten) dann auf dem gleichen Weg. Dabei reißt der hintere Schaltzug. Zum Glück erst kurz vor dem Ziel. Wo ich die etwas langwierige Reparatur in Angriff nehme. Und mit den Tipps von Josef und Hartmut auch vollende. Über den Tag sind es "nur" 28 Kilometer. Es fühlt sich an, wie eine kräftige Etappe.


Zisterzienserkirche der Evangelischen Kirchgemeinde am Haus der Stille in Greifswald-Weitenhagen
Zisterzienserkirche beim Haus der Stille in Greifswald-Weitenhagen


Zwei Andreas machen Tempo Sunny Sunday Afternoon bei Touren-Kilometer 98.000
Sonntag, 31. Juli 2016: Greifswald-Weitenhagen - Wolgast - Zinnowitz (49 km)

Zwei Andreas (was ist der Plural von Andreas?), einst Studienkollegen in Jerusalem, begleiten mich bei der Krönung dieser Tour und machen kräftig Tempo (Foto links): wir wollen den Kreis von Greifswald nach Usedom schließen. Dunkle Wolken hängen über Vorpommern, als wir am frühen Nachmittag in Weitenhagen starten. Hinterm Haus ist eine Waldpiste, die direkt Richtung Osten führt. Zunächst nach Guest. Sprich: "Gühst".
Bei dem kleinen Dorf überqueren wir die Bahnstrecke, auf der wir später zurückkommen wollen. Weder Rad-Beschilderung noch Wander-Beschilderung gibt es hier weit und breit. Wir fragen die wenigen Spaziergänger. Allzu viel können sie uns nicht helfen. Immerhin: die Richtung Osten können wir weitgehend halten. Auch wenn der Weg zusehends sandiger wird. Und damit mühsamer.
Hier und da muss ich vom Rad springen, um nicht in ihm zu versanden und umzukippen. Über eine Wiese gelangen wir nach Kühlenhagen, wo wir wieder Asphalt entern. Bald radeln wir auf den geschätzten und gefürchteten Alleen. Die Bäume bilden einen grünen Tunnel, begrenzen die Straße aber auch auf einen schmalen Korridor. Ab Pritzier bleibt uns ein Kilometer auf der Bundesstraße 111 nicht erspart. Der Autoverkehr Richtung Usedom am Sonntagnachmittag ist beträchtlich. Bevor wir Richtung Hohendorf und damit Richtung Bodden ausweichen können. Wir entdecken den "Wolgaster Weg" in Hohendorf. Offenbar ein gerade fertig gestellter Edel-Radweg. Mit großer Bike-Station. Es fehlt nur noch die Beschilderung. So sind wir auch hier die einzigen Radler weit und breit. Bevor der Edel-Radweg auf eine Kopfstein-Pflaster-Straße im nächsten Ort mündet. Das ist schon ein Vorort von Wolgast, dem Tor nach Usedom. Über die Ziehbrücke fahren wir bei immer noch bedrückendem Wetter auf die Insel (Foto unten).


Radeln auf der Ziehbrücke von Wolgast nach Usedom
Auf der Ziehbrücke von Wolgast nach Usedom


Am Ziel der Rad-Tour auf der Seebrücke von Zinnowitz, Usedom Etwas unschlüssig halten wir auf der Usedomer Seite. Ein Rad-Wegweiser verkündet 17 Kilometer bis Zinnowitz. Das wir angesichts der fortgeschrittenen Zeit jetzt zu unserm Tagesziel erklären. Der kürzeste Weg zu dem Badeort dürfte es nicht sein. Aber es ist in etwa das, was wir bis zur Rückfahrt mit dem Zug noch schaffen können. Den Sinnlos-Schlenker über Sauzin ersparen wir uns allerdings.
Hinter dem schönen Dorf Krummin erweist sich der ausgewiesene Radweg jedoch als eine Aneinanderreihung von original DDR-Betonplatten. Davon haben wir in den vergangenen Tagen nun schon reichlich unter den Rädern gehabt. Sofern wir nicht verzweifelt in die Spuren dazwischen oder am Rand ausgewichen sind. Auch heute kein großes Vergnügen. Würde uns nicht die Bodden-Landschaft reichlich entschädigen. Dann haben die Betonplatten auch noch Rillen quer zu unserer Fahrtrichtung. Wir sind schon lange nicht mehr die einzigen, die hier rumradeln.
Zusätzliche Entschädigung dann durch die sich langsam durchsetztende Sonne. Schon haben wir einen nagelneuen Radweg erreicht, der schnurstracks Richtung Norden nach Zinnowitz führt. Unterbrochen nur noch durch eine größere Baustelle in Mölschow, vor der Radler mal wieder zum Absteigen aufgefordert werden. Über die Alte und Neue Strandstraße fahren wir nun genau dorthin: the Beach. Das heißt, wir schlängeln uns zwischen Autos, Radlern und Strandgängern langsam hindurch.
Geradewegs gelangen wir so auf die Seebrücke von Zinnowitz. Ziel erreicht (Foto rechts). Mit schönem Blick auf den langen Sandstrand zu beiden Seiten und die waldige Hinterlandschaft von Usedom. Die Tour steht an dieser Stelle nunmehr bei 499 Kilometern. Und damit meine gesamte Touren-Strecke bei 98.000 Kilometern. Das halten wir im Sand fest (Foto unten). Und während unsere Spuren im Sand von der Flut oder den Strandläufern mitgenommen werden, ist es nur noch noch ein allerletzter Kilometer zum Bahnhof von Zinnowitz. Finale bei Tour-Kilometer 500 und Touren-Kilometer 98.001.


Spuren im Sand: Touren-Kilometer 98.000 von Christoph Gocke alias Chris on the Bike - mit Andreas Michel
Spuren im Sand: Touren-Kilometer 98.000 mit Andreas Michel


Miri mit Hartmut Uni, Wiek und Eldena
Montag, 1. August 2016: In und um Greifswald

Ein Tag mit großer Gruppe und Kleingruppen in und am Rande von Greifswald. Hartmut, mein Bike-Accompanier 1987 auf der Tour nach Santiago de Compostella, ist auf meinem Rad unterwegs, während Miri sein Falt-Rad fährt (Foto links). Ich werde im Auto mitgenommen. Zunächst sind wir am Rubenow-Platz in der Uni, dann an der Klosterruine von Eldena mit einer exzellenten Führung von Theresia und schließlich Siesta im Utkiek in Wiek. Impressionen:


Studiengruppe auf dem Rubenowplatz in Greifswald vor der Evangelisch-theologischen Fakultät
Auf dem Rubenowplatz in Greifswald

Theresia erklärt die Ruine Eldena
Theresia führt durch die Klosterruine von Eldena

Claudia und Theresia in der Klosterruine Eldena von Greifswald
Claudia und Theresia

Theresia führt durch die Kloster-Ruine Eldena mit Mamas Smartphone
Quelle: Mamas Smartphone

Klosterruine Eldena bei Greifswald in der Sonne
Klosterruine Eldena bei Greifswald

Jerusalem-Studienjahr 1984/85 in der Klosterruine von Eldena bei Greifswald
Unsere Jerusalem-Gruppe in der Klosterruine

Chris mit Claudia und Josef in Wiek
Mit Claudia und Josef in Wiek

Siesta mit Kuwait-Käppi im Utkiek in Wiek
Siesta mit Kuwait-Käppi im Utkiek in Wiek

Jerusalem-Studienjahr 1984/85 in der Zisterzienserkirche von Weitenhagen
In der Zisterzienserkirche von Weitenhagen

Noch mehr Fotos vom 32. Treffen des
Jerusalemer Studienjahres 1984/85
in Greifswald 2016

Fahrräder in Morgensonne vor dem Haus der Stille in Greifswald-Weitenhagen
Startbereit in der Morgensonne vor dem Haus der Stille in Greifswald-Weitenhagen


Chris on the Bike auf Feldwegen zwischen Weitenhagen und Greifswald Epilog: mal wieder der Bahn-Hotline-Horror
Dienstag, 2. August 2016: Zug Greifswald - Mainz

Um zwanzig nach sechs nehmen wir in der Frühmorgen-Sonne Abschied vom Haus der Stille in Greifswald-Weitenhagen. Andreas und Uli sind extra aufgestanden, um uns zu verabschieden. Sieben Kilometer sind es bis zum Hauptbahnhof von Greifswald. Um 7:03 Uhr startet hier jeden Tag der einzige Intercity mit direkter Verbindung bis Mainz (und Stuttgart). Sehr komfortabel für eine Zugfahrt quer durch die Republik mit dem Fahrrad. Laut Fahrplan sollen wir um 16:38 Uhr ankommen. Neuneinhalb Stunden Fahrt. In Stralsund steigen die nächsten Radler zu. Auch in Hamburg und Bremen. Damit ist das Fahrrad-Abteil überfüllt. Obwohl es noch ein zweites gibt. Summer in the train. Das Ticket war übrigens diesmal besonders günstig. Doch das ist eine eigene Geschichte:

Bereits vor zwei Monaten habe ich versucht, die Fahrrad-Reservierung bei der Bahn-Hotline wasserdicht zu machen. Zunächst mal nur die Reservierung für den "Fahrrad-Stellplatz". Erste Reaktion der Dame von der Hotline: "Sie können nur mit Ticket buchen." Nein. Das ist ja gerade das Problem. Online kann man nur mit Ticket buchen. Aber am Schalter und in der Hotline auch ohne Ticket. Deshalb rufe ich ja an. Die Dame glaubt mir mehr als sich selbst und schaut mal. 2. August, 7:03 Uhr, Greifswald - Mainz: "Ist ausgebucht."
Ich bitte Sie es doch mal mit einer Teilstrecke zu versuchen: Greifswald - Hamburg. Mein Hintergedanke: wenn wir einmal mit den Rädern drin sind, werden wir uns vielleicht auch bis Mainz halten können. Aber das ist angeblich auch ausgebucht. Ich bitte sie, es mit einer noch kürzeren Teilstrecke zu versuchen: Greifswald - Rostock. Das geht - angeblich. Also versuchen wir es mit einer Reservierung. Das Fahrrad-Ticket muss natürlich trotzdem bis Mainz gehen, auch wenn es sowieso der gleiche Preis ist. Außerdem brauchen wir Fahrradplätze für weitere IC-Verbindungen, um ab Rostock dann weiterzukommen. Die sollen aber alle weit und breit schon jetzt ausgebucht sein.

Fahrräder im Fahrradabteil des Intercity IC 2217 von Greifswald nach Stuttgart Nehmen wir halt den Nahverkehr. Darauf meint die Hotline-Dame: "Da brauchen Sie aber ein Nahverkehrsticket für das Fahrrad." Das gelte dann in ganz Deutschland. Das ist natürlich eine weitere total abstruse Behauptung von ihr, die mit den aktuellen Regelungen der Deutschen Bahn nichts zu tun hat. Ich möchte nicht noch zusätzlich für eine Nahverkehrs-Fahrradkarte zahlen, wenn ich schon sechs Euro pro Rad für die Intercity-Fahrradkarte bezahlt habe. Auch diesmal sieht sie das erstaunlicher Weise wieder ein.
Ich wähle als Zahlungsmittel die Kreditkarte. Die sei aber im Februar 2015 abgelaufen, meint die kundige Hotline-Dame. Das trifft sicher zu. Ich bin aber sicher, seitdem erneut mit einer Kreditkarte gezahlt zu haben. Als ich es gerade mit einer anderen Kreditkarte versuche, drückt die Mitarbeiterin mich offenbar versehentlich aus der Leitung. Nach 13 Minuten und 32 Sekunden bin ich so weit wie vor einer Viertelstunde. Nur um einige Nerven ärmer.
Nach ein, zwei Stunden innerem Abstand, wage ich einen erneuten Anruf. Ich gerate an eine Frau, die erklärt, sie sei für meine Frage nicht ausgebildet. Gut, das war die erste ja offenbar auch nicht. Sie beharrt darauf, dass sie nur fürs Beschwerdemanagement ausgebildet sei. Gut, da hätte ich eigentlich immer was zu debattieren. Nur keine Zeit und Lust dafür. Und: was hätte das bei der Bahn je genutzt?
Warum ich denn überhaupt bei ihr gelandet sei, möchte ich wissen. Ja, die Fahrrad-Hotline bekomme offenbar momentan so viele Anrufe, dass die Anrufe direkt ans Beschwerdemanagement weitergeleitet würden. Sie verbindet mich wieder ins System. "Ihre Wartezeit beträgt mehr als 10 Minuten," höre ich und breche diesen Versuch ab.
Stunden später ein dritter Versuch. Erstaunlicher Weise ist jetzt die Reservierung von Fahrradplätzen auf der gesamten Strecke von Greifswald nach Mainz überhaupt kein Problem. Noch besser: es gibt einen BahnCard-Sparpreis. Wir zahlen zu zweit insgesamt nur 79,50 Euro. Plus zwölf Euro für die beiden Räder. Macht 91,50 Euro für rund 915 Kilometer Bahn-Strecke. Zu zweit.
Jetzt nur noch dieser Dialog mit der sehr freundlichen und humorvollen Dame: "Ich les Ihnen noch mal alle Daten vor: ... 91,50 Euro werden am 7. Juni abgebucht. Es gelten unsere AGB und die Regeln unserer Vertragspartner." "Was wäre denn, wenn ich Sie jetzt bitte, kurz die AGB vorzulesen." "Die stehen unter bahn.de." "Und wenn ich kein Internet habe?" "Haben Sie noch andere Wünsche?" "Ja, viele." "Da reden wir dann ein ander Mal drüber." Nach sechseinhalb Minuten sind wir durch. Ich muss die Tickets nur noch am Automaten abrufen.

Mit nur ein paar Minuten Verspätung erreichen wir schließlich Mainz. Entsprechend der Zugbindung für viele Tickets bei den Fahrgästen sollte es eine Fahrplanbindung bei der Bahn geben.


Fahrrad-Helme spiegeln sich in den Fenstern des Intercity IC 2217 auf der Fahrt von Greifswald nach Stuttgart
Mit Helm im Intercity


Route Berlin - Usedom - Rügen - Greifswald



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen

Etappen Berlin - Usedom - Rügen - Greifswald (24.-31.7.2016)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 24.7.2016 Berlin Bernau Joachimsthal 86
2. 25.7.2016 Joachimsthal Angermünde Prenzlau 81
3. 26.7.2016 Prenzlau Ueckermünde - Fähre - Kamminke - Grenze D/P - Swinemünde - Grenze P/D - Ahlbeck Karlshagen 126
4. 27.7.2016 Karlshagen Peenemünde - Fähre - Göhren - Binz Sassnitz 44
5. 28.7.2016 Sassnitz Putbus - Glewitzer Fähre Greifswald 86
6. 29.7.2016 Greifswald
7. 30.7.2016 Greifswald Karrendorf Greifswald 28
8. 31.7.2016 Greifswald Wolgast Zinnowitz 49
Summe 500

Detail an der Fassade der Zisterzienserkirche der Evangelischen Kirchgemeinde am Haus der Stille in Greifswald-Weitenhagen
Zisterzienserkirche am Haus der Stille in Greifswald-Weitenhagen

Chris on the Bike mit zwei Andreas
Happy Chris


Anschluss Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) Aug./Sept. 2011

Anschluss Tour 57: Aschaffenburg - Berlin (800 km) Juli 2011

Anschluss Tour 50: Berlin - Rostock (360 km) Okt. 2009

Anschluss Tour 42: Ostsee: Lübeck - Danzig (890 km) Juli/Aug. 2008


Nächste Tour: Bari - Vicenza (1003 km) Sept. 2016

Vorherige Tour: Westerwald - Hunsrück (383 km) Juni 2016


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Tour 48: Karakorum-Highway (1010 km) 2009
Karakorum 2009
Chris Tour 51: Khartum - Addis Abeba (1760 km) 2010
Äthiopien 2010
on the Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) 2011
Moldau 2011
Bike Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
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