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VG WORTTour 90: Hamburg - Rügen (508 km)


Chris und Louisa beim Start in Hamburg
Beim Start in Hamburg

Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Hamburg - Rügen (25.10.-2.11.2017)
Louisas Rekorde und das Reformations-Jubiläum

Semi-Patenkind Louisa möchte gern an die Elfenbeinküste reisen. Irgendwann. Vielleicht sogar mit dem Fahrrad. Da schadet es nicht, wenn man mal mit einer kleinen Tour anfängt. Nun herrscht zu dieser Jahreszeit in Deutschland nicht gerade Tropen-Wetter. Damit es nicht ganz so eisig wird, schieben wir die Entscheidung über unsere Test-Route bis zum letzten Abend vor der Tour auf. Und hoffen auf eine aussagefähige Wettervorhersage. Tendenziell soll es im Rhein-Main-Gebiet in den kommenden Tagen einen Tick wärmer und trockener sein als im Norden. Aber die Unterschiede sind nicht so gravierend, dass wir es nicht doch im Norden versuchen. An der Küste soll es allerdings heftige Windböen geben. Deshalb wählen wir eine Route landeinwärts: auf dem Hamburg-Rügen-Radweg wollen wir uns mit dem Westwind nach Mecklenburg treiben klassen. Auf Louisas allererster Mehrtagestour.

Koga-Rohloff-Rad im InterCity-Fahrradabteil im Rheintal Sonne, Frische und ein neuer Aufkleber
Mittwoch, 25. Oktober 2017: Zugfahrt Mainz - Hamburg

So fahre ich also mit dem Zug von Mainz nach Hamburg. Ein durchgehender InterCity. Fahrzeit planmäßig sechs Stunden. Das Fahrrad-Abteil ist menschen- und fahrradleer (Foto links). Kein Problem, ohne Reservierung hier ein Fahrrad-Ticket zu lösen. Ich brauche es nicht mal ans Fahrrad zu heften.
Neu dabei ein altes Netbook. In der vergangenen Woche auf Ebay-Kleinanzeigen für 40 Euro erstanden. Auch wenn es "Condor-Netbook" heißt: es ähnelt sehr meinem alten, weißen Asus-Netbook. Meine Idee: da mein neues Notebook schon länger kaum noch neue Wlan-Netze akzeptiert, ich so in den Unterkünften kaum noch damit online gehen kann und außerdem das ständige Sicherheits-Kopieren des kompletten Notebooks vor jeder Tour nervt, will ich es mal mit diesem zweiten Netbook versuchen - das nun nur dafür da ist: Homepage schreiben, Fotos sichern, Recherche ermöglichen. Sogar Windows 10 statt Windows XP hat der alte Besitzer noch aufgespielt.


St. Goarshausen in der Herbst-Sonne
Herbst-Sonne bescheint St. Goarshausen


Aufkleber fahrradmainz.de am Schutzblech Mitten in der Woche bleibt der Abend-Zug angenehm leer. Lange nicht mehr in einem so leeren Zug gefahren. Erstmals am Rad ein Fahrradmainz-Aufkleber (Foto rechts). Sechs Stunden sind eine lange Zeit. Zuletzt mache ich Gymnastik.
Hamburg ist kurz vor Mitternacht deutlich frischer als der sonnige Nachmittag im Rheintal (Foto oben). Vom Bahnhof Dammtor schaffe ich es, mich trotz Navi zu verfahren. Louisa wohnt in einer sehr schönen Ecke von Eimsbüttel. Sie hat bis in den späten Abend gearbeitet - dafür die nächsten beiden Tage frei. Die Sachen für die Tour liegen bereit. Hose und Schuhe sind nagelneu. Kann losgehen, morgen.


Elbphilharmonie in Hamburg von Norden
Fahrt zur Elphi


Louisa radelt auf dem Bahntrassen-Radweg zwischen Hamburg und Lauenburg Käsebrötchen und Twix für die Bestmarke
Donnerstag, 26. Oktober 2017: Hamburg - Lauenburg (63 km)

Louisa hat trainiert. Mit ihrer bisher längsten Tagesetour: von Hamburg nach Stade. Etwa 45 Kilometer. Da streben wir also heute mit der Jugendherberge in Lauenburg eine neue persönliche Bestleistung an. Das sind mindestens 60 Kilometer.
Wir starten mit einem Schlenker zur Elbphilharmonie, dem neuen Touristen-Magneten der Stadt (Foto oben). Es ist trübe, aber über zehn Grad warm und der Wind kommt aus Westen: Rückenwind. Zwei weitere kleine Schlenker führen uns mehr oder weniger bei unseren Arbeitgebern vorbei.
So ist es zwölf Uhr, als wir durchstarten und uns den Weg durch Industriegebiete an der Elbe entlang suchen. Der Hamburg-Rügen-Radweg ist bis Lauenburg identisch mit dem Elbe-Radweg. Die beide nicht gerade perfekt beschildert sind. Jedenfalls haben wir hier und da Mühe, auf dem richtigen Track zu bleiben.
Plötzlich sind wir aber von den unangenehmen Stadt-Straßen weg und auf einer alten Bahntrasse (Foto links). Auf der sind wir viele, viele Kilometer unterwegs. Mit vielen Kühen (Foto unten) und wenig Häusern zur Seite. Louisa entdeckt sogar einen weißen Reiher (auch der auf dem Foto unten zu erkennen).


Schuppen und Kühe auf Wiese
Flaches Land


Louisa beim Klettern Wir sind am frühen Nachmittag schon auf zehn, fünfzehn Kilometer ans Ziel herangekommen und fühlen uns noch frisch und fit. Da kommt ein unauffälliger Kletterpark am Wegesrand gerade recht. Louisa absolviert den Parcours in 90 Minuten (Foto rechts). Und brettert danach munter weiter auf dem Rad.
Es geht nun ein bisschen bergauf in den Wald. Die Elbe hat hier ein Höhenufer. Gelegentlich haben wir den Blick auf den träge daliegenden Fluss (Foto unten). Dann kommen die nächsten Schlenker auf den Laub-bedeckten Wegen.
Eine letzte Stärkung mit unseren Käsebrötchen und Twix. Und noch auf der Höhe führt uns der Radweg früher als erwartet am Ortseingang von Lauenburg vor die Tore der Jugendherberge. Die letzten Kilometer hatten es dann doch etwas in sich. So entfällt der von der Jugendherbergs-Frau empfohlene Gang in die Altstadt. Die 63 Kilometer haben uns beide ganz schön gefordert. Immerhin Louisas neue Bestmarke. Fast eine Steigerung der bisherigen Leistung um die Hälfte.


Elbe-Hochufer vor Lauenburg
Elbe-Hochufer vor Lauenburg


Louisa am Morgen an der Elbe in Lauenburg Sahne-Etappe mit noch 'ner Bestmarke
Freitag, 27. Oktober 2017: Lauenburg - Mölln - Ratzeburg - Gadebusch (90 km)

Unerwarteter Weise am Morgen Sonne über der Elbe (Foto links). Wir drehen in Lauenburg von der Elbe ab nach Norden. Am Elbe-Lübeck-Kanal. Dessen Vorläufer Stecknitzkanal, erbaut 1391-1398, ist eine der ältesten Wasserstraßen Europas. Der Weg am Rand ist nicht asphaltiert. Kann aber als Radweg durchgehen (Foto unten). Der Westwind ist jetzt eher etwas hinderlich. Besonders da, wo keine Bäume am Rande stehen.
Erst in Güster machen wir eine kurze Pause. Und sind kurz darauf in der Till-Eulenspiegel-Stadt Mölln. Das vor ziemlich genau 25 Jahren auch durch Neonazi-Aktionen gegen Türken mit drei Toten von sich reden machte. Wir folgen der Till-Eulenspiegel-Spur. Am Denkmal auf dem Marktplatz (Foto rechts). Am Gedenkstein an der Nicolai-Kirche. Das Museum ist geschlossen. Aber das gemütliche Fachwerk-Café daneben hat auf. Mit Glück bekommen wir noch ein kleines Tischchen. Nur mit den verheißenen Mandel-Waffeln klappt es nicht so recht. Dafür gibt es mehr als reichlich Sahne.


Radler am Elbe-Lübeck-Kanal
Elbe-Lübeck-Kanal


Louisa und Chris mit Till Eulenspiegel Von nun an geht es im Zickzack querfeldein. Die ersten Kilometer sind sehr, sehr mühsam. Morastiger Waldboden macht uns das Radeln schwer. In dem schmalen Spalt zwischen Louisas Hinterrad und Schutzblech bleibt der Dreck stecken. Später versuchen wir mit dem Versetzen des Schutzblechs Abhilfe zu schaffen. So ist schon nach zwölf Kilometern am Ratzeburger Dom die nächste Pause fälig. Louisa möchte eigentlich heute bis Lützow. Das wären wohl mindestens hundert Kilometer. Ich plädiere mehr für Gadebusch. Immer noch mehr als 85 Kilometer. Immer noch ein neuer Rekord für Louisa.
Nach den Wald-Erfahrungen schwanken wir etwas, ob wir uns weiterhin dem Hamburg-Rügen-Radweg anvertrauen sollen. Die Bundesstraße wäre eine Alternative. Der Zickzack auf der Karte lässt nichts Gutes erwarten. Wir bleiben trotzdem unserm Radweg treu. Und nach ein paar mühsamen Metern am Ratzeburger See, erweist er sich dann fast durchgehend als asphaltiert.
Über die ehemalige deutsch-deutsche Grenze begleiten uns der Iron-Curtain-Trail und mehrere deutsch-deutsche Wege. Für die Besichtigung des "Grenzhus" ist es zu spät. Wir müssen sehen, dass wir bei Tageslicht noch möglichst viele Kilometer hinter uns bringen. Denn an Unterkünften entdecken wir praktisch nichts.
Ein wunderschöner Abendhimmel geleitet uns in die Dunkelheit (Foto unten). In der wir dank kräftigem Rückenwind schon bald Gadebusch erreichen. Einziges Quartier hier: ein Schlafwagen-Waggon der Deutschen Reichsbahn (Foto unten). Im ehemaligen Bahnhof, der liebe- und zugleich stilvoll zu einem Bahn-Museums-Restaurant umgestaltet ist, bekommen wir den Schlüssel. Und nachdem wir uns im Restaurant noch eine Weile an der Wärme, an Speisen und Getränken sowie interessanten Gedanken erfreuen, haben wir und die Fahrräder dann den Schlafwagen ganz für uns allein. Auf dem Weg dahin dreht Louisa auf meinem Rad mit dem "offiziellen" Kilometerzähler eine Ehrenrunde, um auf über 90 Kilometer zu kommen. Eine weitere enorme Steigerung ihrer gestrigen Bestleistung.


Abendrot und Radlerin mit Warnweste
Nachglühen der Sonne

Schlafwagenhotel in Gadebusch mit Fahrrädern
Der Hotel- Schlafwagen von Gadebusch


Schweriner See Trübe Mühen und Sanddorn-Secco
Samstag, 28. Oktober 2017: Gadebusch - Schwerin (45 km)

Der ganze Schlafwagen ist ausgekühlt am Morgen. Nicht zuletzt unser Abteil. Louisa hat die Heizung im Laufe der Nacht runtergedreht, damit die Luft nicht ganz so trocken ist. So oder so steckt ihr die Rekordfahrt von gestern in den Knochen. So richtig wild auf den Radstart ist sie heute nicht. Das Frühstück im nahe gelegenen Café gibt eine weitere Gnadenfrist.
Bei der Fahrt aus der Stadt können wir unseren Hamburg-Rügen-Radweg nicht so recht wiederfinden. Aber wir haben ja die offizielle GPS-Datei des Radwegs. Die führt im Grunde ein Stück zurück, um dann nach Lützow wieder Richtung Osten zu weisen. Dort braucht Louisa dringend einen Immun-Booster: Ingwer-Tee. Das kombinierte Kneipen-Restaurant-Eiscafé-Lokal sieht zwar nicht danach aus. Aber es gibt hier ein exzellentes Säckchen Ingwertee im Angebot.
Ich versuche unterdessen im schräg gegenüberliegenden Laden ein paar Besorgungen zu erledigen. Doch was jüngst noch eine Art Edeka war, bietet jetzt nur noch eine Art Mini-Getränke-Markt. Immerhin mit Post-Station. So bekomme ich immerhin Briefmarken. Und erkenne auf einer Info-Tafel, dass der Hamburg-Rügen-Weg neuerdings anders geführt wird - ohne die Schleife, die uns heute Morgen solche Mühen gemacht hat.
Die Einfahrt nach Schwerin zieht sich. Das Wetter ist trüb. Die Stimmung auch. In einem Lidl-Markt bekommen wir Batterien für Louisas Rücklicht, dessen Schalter aber nicht mehr funktionieren will. Und Snickers, Louisas eiserne Reserve.


Zufahrt mit dem Rad auf das Schweriner Schloss
Schweriner Schloss


Louisa und Chris: Grimassen In einem Café in der Altstadt von Schwerin unweit des Schlosses (Foto oben) fällt die Entscheidung: wir bleiben heute hier. Und wollen im Biohof von Schwerin-Medewege (Foto unten) bleiben. Wo ich eigentlich erst am Montag zum 50. Geburtstag von Matthias so richtig erwartet werde. Entsprechend halten wir dort zunächst den ganzen Festtags-Vorbereitungs-Betrieb auf. Während die Ferienwohnung vorbereitet wird, spazieren wir zwischen den Gewächshäusern des Biohofes.
Mit Gastgeber Matthias fahren wir noch (im Auto...) zu einem "Zeitumstellungs-Konzert" zur Kirche St. Anna in die Schweriner Innenstadt. Die Idee: die "geschenkte" Stunde der kommenden Nacht zu einem Konzert nutzen. In diesem Fall eine lustige Mischung von Alphörnern bis zur Oboe.
Louisa und ich lassen die andern in der Stadt zum Essen zurück und laufen zu Fuß die fünf Kilometer hinaus zum Biohof. Die selbe Strecke am Schweriner See entlang, die wir am Nachmittag (Foto links oben) noch geradelt sind. In der Dunkelheit und per pedes ist sie überraschend schnell zu bewältigen. Bevor am späteren Abend nach Rückkehr der anderen und dem Einsatz von Sanddorn-Secco gelöstere Stimmung dem Tag einen lockeren Ausklang gibt. Wozu auch Louisas Vorschlag von Grimassen-Fotos (Foto rechts) das seine zu beiträgt.


Haupthaus auf dem Biohof Schwerin-Medewege
Das Haupthaus auf dem Biohof Schwerin-Medewege


Louisa vor Schloss Willigrad Stürmisches Rund-Tour-Finale am Schweriner See
Sonntag, 29. Oktober 2017: Schwerin - Bad Kleinen - Schwerin (50 km)

Über Nacht hat Sturm "Herwart" in Norddeutschland gewütet. Der Zugverkehr ist nun weitgehend lahmgelegt. Das erschwert unsere Planungen. Nach einem gechillten Zeitumstellungs-Frühstück bei Alenka und Matthias mit exzellenten Biobroten entscheiden wir uns für eine Rundtour um die Nordhälfte des Schweriner Sees. Damit wir zunächst mal auf keinen Zug angewiesen sind. Am Abend muss Louisa dann irgendwie nach Hamburg zurück, damit sie morgen pünktlich bei der Arbeit erscheinen kann.
Anders als angenommen, kommt der stürmische Wind viel stärker aus Norden als aus Westen. So wird die Fahrt am Westufer des Sees Richtung Bad Kleinen zur mühsamen Gegenwindfahrt. Über elf Stundenkilometer im Durchschnitt kommen wir kaum hinaus. Ansonsten ist das Wetter super. Es ziehen nur noch ein paar Restwolken über den Himmel, die gelegentlich einen Schauer produzieren. Weitgehend scheint die Sonne.
Auch über Schloss Willigrad. Einem neoklassizistischen Bau am Ufer des Sees (Foto links). Heute Null Betrieb. Von nun an ist der Waldweg asphaltiert. Was wir sehr genießen. Obwohl der Sturm reichlich kleine Äste und Zweige auf das Laub geschleudert hat.
Auch Bad Kleinen wirkt verwaist. Der Bahnhof wird in großem Stil umgebaut. Aber ein bisschen weiter finden wir am Ufer des Sees das Restaurant Seeblick. Die zahlreichen Besucher irren nicht. Es gibt tolles Essen. Und dazu den Blick auf das sonnenbeschienene Wasser mit seinen grünen Wellen.


Radlerin klettert mit Rad über umgestürzten Baumstamm auf Radweg
Sturmfolgen


Alleen-Radweg am Schweriner See Für den Rückweg am Ostufer haben wir nun Rückenwind. Werden aber erst mal von Morast ausgebremst. Und der ein oder andere umgefallene Baum legt sich uns in den Weg (Foto oben). Manche scheinen aber schon seit dem letzten Sturm quer zu liegen.
Schließlich radeln wir direkt am Ufer, wo die ein oder andere wilde Badestelle bei dem wilden Wetter besonders romantisch wirkt. Die Zeitumstellung lässt aber auch die Sonne eine Stunde früher untergehen (Fotos rechts und unten). Und so wird es schon dunkel, als wir am Schweriner Bahnhof eintreffen. Alle Hoffnungen auf einen Zug nach Hamburg müssen wir hier begraben. Die Bahn-App ist leider irreführend. Die Bahn-Mitarbeiter wissen ähnlich wenig. Wir radeln in der Blauen Stunde (Foto unten) zurück zum Biohof.
Matthias leiht uns zum Glück das Familien-Auto. Das Rad passt nach Herausnahme der Kopfstützen locker hinein. Und so endet dieser Teil der Tour, wo sie begonnen hat: vor der Haustür von Louisa in Eimsbüttel.
Kurz vor Mitternacht bin ich zurück auf dem Biohof. Gerade rechtzeitig zum Reinfeiern in Matthias 50. Geburtstag. Bei obligatorischem halbtrockenen Rotkäppchen-Sekt. Und Sanddorn- Sahne-Eierlikör, den uns Louisa hinterlassen hat. Neben sehr netten Zeilen, die ich gegen zwei Uhr morgens lese: für "diese tolle Fahrradtour" bedankt sie sich. Für mich ein mindestens ebenso großes Geschenk. Merci, Louisa.


Wolken, Sonne, Radlerin am Schweriner See
Vom Sturm verschont

Happy Louisa
Happy Louisa

Tankstelle zur Blauen Stunde in Schwerin
Tankstellen-Ruhrgebiets-Idyll in Schwerin


Alexandra on the Bike in Bad Kleinen Comeback von Alexandra und Matthias Stasiakte
Montag, 30. Oktober 2017: Schwerin - Bad Kleinen - Bützow - Güstrow (88 km) - Zug - Schwerin

Als ich gerade in der Ferienwohnung auf dem Biohof aufbrechen will, erscheint Alexandra. Wir können die Idee für einen gemeinsamen Fahrrad-Start entwickeln: bis Bad Kleinen will sie mitradeln (Foto links), um von dort mit den inzwischen wieder weitgehend nach Plan verkehrenden Zügen nach Schwerin zurückzukommen. So fahren wir zu Beginn die selbe Strecke, die ich schon gestern mit Louisa geradelt bin: am Westufer des Schweriner Sees nach Bad Kleinen. Der Wind ist allerdings sehr viel schwächer, die Sonne stärker. So wirkt Schloss Willigrad heute noch beschaulicher am See (Foto unten: Löwe vor dem Schloss).
Mit Alexandra bin ich zuletzt vor 17 Jahren eine Etappe gemeinsam gefahren - für sie mehr oder weniger traumatisch. Aus dem Stand hab ich sie damals 110 Kilometer von Leipzig nach Zwickau gequält. Definitiv zu viel.
Heute sind es 20 gemeinsame Kilometer. Die wir bei jeder Menge Kürbissuppe in Bad Kleinen ausklingen lassen. Bevor Alexandra zurückrailt und ich weiter nach Osten radle.


Löwe vor Schloss Willigrad
Löwe vor Schloss Willigrad


Allee in Mecklenburg Jetzt profitiere ich so richtig vom Westwind. Er treibt mich über Höhen und Tiefen. Ich fahre jetzt weitgehend auf der Straße. Kleinen Straßen. Wunderschönen Straßen (Foto rechts). Gelegentlich Kopfsteinpflaster oder Betonplatten. Aber weitgehend gut zu fahren. Uralte Ortsschilder versetzen in vergangene Ost-Zeiten (Foto unten). Abgesehen von zwei Schlenkern nach Süden, die ich mir spare, folge ich weiterhin dem Hamburg-Rügen-Radweg.
Ein Stück hinter Bützow fahre ich eine ganze Weile am Bützow-Güstrow-Kanal entlang (Fotos unten). Fast bis nach Güstrow hinein. Die Barlach-Sehenswürdigkeiten in der Stadt sind schon am frühen Nachmittag geschlossen. Die Hauptsaison ist vorbei. Ich raile jetzt ebenfalls nach Schwerin zurück, um bei Matthias 50. Geburtstagsfeier mitzufeiern. Anfänglich bin ich sehr müde von der Tagesetappe. Aber als Matthias aus seiner Stasi-Akte zu zeitgenössischen Dias vorträgt, ist das megaspannend. Und amüsant. Später singen wir dann am spätherbstlichen Lagerfeuer fast das komplette Liederbuch durch. Das ist auch ein bisschen in die Jahre gekommen.


Herbst-Stimmung am Bützow-Güstrow-Kanal
Herbst-Stimmung am Bützow-Güstrow-Kanal

Klein-Labenz, Groß-Labenz und Groß-Labenz Ausbau: uraltes Straßenschild in Mecklenburg
In die Jahre gekommen

Herbst-Stimmung am Bützow-Güstrow-Kanal
Und nochmal:
Herbst-Stimmung am Bützow-Güstrow-Kanal


Sandiger Feldweg beim Zehlendorfer Moor Keine Taxi-Chance auf Hiddensee an Halloween
Dienstag, 500 Jahre Reformation, 31. Oktober 2017: Schwerin - Zug - Güstrow - Tribsees - Stralsund (99 km) - Zug - Bergen auf Rügen - Zug - Sassnitz

In aller Frühe verlasse ich die Feierreste auf dem Biohof von Schwerin-Medewege. Unnötig früh. Der gewählte Zug hat 40 Minuten Verspätung. Etwas anderes läuft in Schwerin heute Morgen nach Plan: Sicherheitskräfte nehmen einen verdächtigen Bombenbastler aus Syrien in einem südlichen Stadtteil um sechs Uhr morgens fest.
Eine Stunde später als geplant bin ich kurz vor zehn Uhr wieder in Güstrow. Das macht unerwartet Hoffnung, doch noch Barlachs Schwebenden im Dom zu sehen. Doch der bleibt geschlossen. Die reformierten Gläubigen pilgern zur Pfarrkirche St. Marien. Dort beginnt um zehn Uhr der große Gedenkgottesdienst zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Wittenberg. Dem ich - auch als Katholik - den heutigen bundesweiten Feiertag verdanke. Und ein Jahr Studium in Jerusalem. Und meine Frau. Und so vieles mehr.
Schon kurz hinterm Ortsausgang von Güstrow bei Glasewitz bin ich versucht, mal wieder auf eine eigentlich gesperrte Strecke einzuschwenken, die einfach die kürzeste Variante ist. Zum Glück warte ich einen vorbeikommenden Radler ab. Er verrät mir, dass der Grund für die Sperrung eine abgerissene Autobahnbrücke ist. Kein Durchkommen. So nehme ich gern die nach Norden führende Umleitung. Die mich mit Unterstüzung von Google Maps schließlich auf sandige Feldwege führt (Foto links). Ich schiebe. Auch wenn ich eigentlich um 17.01 Uhr einen Zug in Stralsund erreichen will. Mit dem könnte ich heute Abend noch nach Hiddensee kommen, um dann von dort morgen zurück nach Stralsund zu radeln. Ein Plan, den ich dank der langen Zugfahrt heute Morgen ausbaldowert habe.
Eigentlich ist den ganzen Tag über leichter Regen vorhergesagt. Ich bekomme keinen einzigen Tropfen davon ab. Hin und wieder ist die Fahrbahn feucht. In Tribsees kommt sogar die Sonne raus. In der ich vor der St. Thomas Kirche (Foto unten) meine Pause mache.
Jetzt bin ich wieder vereinigt mit dem Hamburg-Rügen-Radweg, dessen südliche Schleife über Teterow und Demin ich mir gespart habe. Er führt nun fast durchgehend auf einer ehemaligen Bahntrasse bis nach Stralsund hinein (Foto rechts).


Fahrrad vor Südportal der St. Thomas Kirche in Tribsees
Südportal der St. Thomas Kirche in Tribsees


Umgeknickter Baum blockiert Bahntrassen-Radweg zwischen Tribsees und Stralsund Den 17.01-Uhr-Zug von Stralsund nach Bergen auf Rügen habe ich locker bekommen. Es ist nur etwas kalt geworden gegen Ende. Drei schwer bewaffnete Sicherheitskräfte am Bahnhofs-Eingang sind wohl Folge der Terror-Festnahme vom Morgen.
Die wenigen Minuten Verspätung lassen mich in Bergen auf Rügen zum 200 Meter entfernten Busbahnhof rasen. Tatsächlich: der Fahrer des Busses zum Fährableger in Schaprode setzt schon zum Starten an. Mit der Ruhe und Gelassenheit eines langjährigen Fahrers im mehr oder weniger öffentlichen Dienst weist er mich mit meinem Fahrrad ab. Nur im Sommer, wenn die Busse mit sehr großen Fahrradanhängern über die Insel schippern, gebe es eine Chance auf Fahrrad-Mitnahme. Aber er hat doch Platz im Bus. Ja, aber der sei für Kinderwagen und Schwerbehinderte. Nur wenige Leute verlieren sich im Wagen. Weder ein Kinderwagen noch ein Rollstuhl sind zu sehen. Er könnte mich mitnehmen. Aber: "Ich habe meine Vorschriften." - "Ich tue nur meine Pflicht." Meine scheinbar einzige Hoffnung, heute noch nach Hiddensee zu kommen, rauscht davon.
Ich kehre zurück zum Bahnhof. Hoffe jetzt auf den Taxistand. Kein Taxi da vor dem Taxihäuschen. Der Mann vom türkischen Imbiss daneben gibt mir eine Taxi-Visitenkarte. Als der Taxifahrer am Telefon was von Fahrrad hört, ist das Gespräch schon fast beendet. Das passe nicht in den Wagen. Kein Interesse. Auch ein weiterer Taxifahrer, der jetzt am Bahnhof vorfährt, kann mir letztlich nicht helfen. Als mein Telefongesprächspartner von eben auch noch vor Ort eintrifft, erläutert er, dass Fahräder für ihn nur Dreck bedeuten. Und das Risiko, dass etwas an einem der beiden Fahrzeuge beschädigt wird. Sie haben es offenbar nicht nötig.
Ich versuche noch Plan B zu aktivieren: Kap Arkona. Doch auch da führt heute kein Weg mehr hin. Bleibt Sassnitz, wo ich schon im vergangenen Jahr mit Miri war. Hier ist auch der offizielle Endpunkt des Hamburg-Rügen-Radwegs.
Schwups bin ich im siebten Stock des Hotel Rügen in Sassnitz. Mit Meeresblick. Und später in der Halloween-infizierten Brasserie der Altstadt.


Blick aus dem 7. Stock des Hotels Rügen in Sassnitz auf den Hafen und seine Rad-Fuß-Brücke im November-Nebel
Blick vom Hotelzimmer-Balkon auf den Hafen von Sassnitz


Radweg bei Prora Regnerisches Rügen macht nicht nass
Mittwoch/Donnerstag, Allerheiligen/Allerseelen, 1./2. November 2017: Sassnitz - Binz - Putbus - Garz - Stralsund (73 km) - Zug - Mainz

Trübe ist der Blick aus dem Frühstücks-Restaurant im neunten Stock des ehemaligen DDR-Hotels (Foto unten). Man weiß nicht so recht, ob es Nebel oder Regen ist, der Ort und Hafen umgibt. Vor dem Aufbruch versuche ist es mit einem Anruf bei der Sassnitzer Taxi-Zentrale. Aber auch dort ist der Wille, mich mit Fahrrad die 35 Kilometer bis Kap Arkona zu bringen, sehr begrenzt. Ich könne in einer Dreiviertelstunde noch mal anrufen, dann gebe es vielleicht eine Möglichkeit.
So bin ich schon um kurz vor acht on the Road. Halte anfänglich noch vergeblich nach Transportmöglichkeiten Richtung Kap Arkona aus. Von dort wäre es nicht nur ein neuer Weg, sondern der Weg wäre auch nicht so frontal gegen den heute wieder stärkeren Westwind.
In der Trübnis radle ich an Prora (Fotos links und unten) vorbei nach Binz. Im Grunde regnet es heute den ganzen Tag. Aber ich werde nie so richtig nass. Fühle mich zumindest nicht so. Unangenehmer sind die schmalen Alleen ohne Fahrradweg, die mich jetzt nach Putbus, Garz und weiter führen. Der direkte Weg an der Küste, den wir letztes Jahr genommen haben, erwies sich als extrem rumpelig. Auf den Radweg an der B 96 hab ich noch weniger Lust. So bleibt die Allee, die anfangs auch noch reichlich Kopfsteinpflaster hat.


Rad an Strandzugang bei Prora
Strandzugang bei Prora

Fassade mit Balkonen in Prora
Neue Appartments in Prora

Stralsund mit Brücke vom Rügendamm in November-Wetter
Blick vom Rügendamm auf Stralsund und Brücke


Fish'n'Chips in Stralsund Kurze Aufwärm-Pause in Putbus mit dem gefühlt hundertsten heißen Kakao dieser Tour. Schließlich geht's über den Rügendamm (Foto oben) und dann, begleitet von permanenter Ozeaneum-Werbung, zu Hafen und Altstadt. Nach Fish'n'Chips (Foto rechts) mehr oder weniger direkt vom Schiff, lande ich schließlich zum Aufwärmen und Klamotten-Wechseln in besagtem Ozeaneum (Foto unten). Jetzt sind trockene Sachen doch ganz angenehm. Mit dem ein oder anderen Erinnerungs-Schlenker an frühere Besuche im jetzigen Unesco-Weltkulturerbe lande ich schließlich am Bahnhof.
Die Fahrt - auch das Ergebnis der langen Zugfahrt-Recherche gestern Morgen - ist eine Bahn-Bonus-Freifahrt. Der Preis: ich komme erst um 2.04 am Morgen in Mainz an. Laut Fahrplan. Knapp elf Stunden Fahrt, inklusive anderthalb Stunden Aufenthalt in Hamburg. Dort hält der ultra-lange Zug nach Basel so, dass die letzte Tür des Zuges jenseits des Bahnsteigs zum Stehen kommt. Und somit die Fahrrad-Stellplätze nur zu erreichen sind, indem ich das Rad durch den ganzen Waggon schiebe. Mit ein bisschen Verspätung verschiebt sich die Ankunftszeit zu Haus auf drei Uhr morgens. Da ist aus Allerheiligen längst Allerseelen geworden: 2. November.

Fazit: Trotz vorhergesagtem stürmischen Wetter, ließ sich eine Woche weitgehend wunderbar Radeln. Unterstützt vom Westwind. Der Hamburg-Rügen-Radweg - so weit wir ihm folgten - ist ein ziemlich flacher, angenehmer Radweg. Er führt nicht auf direktem Weg nach Sassnitz, dafür macht er mit vielen schönen Landschaften bekannt.


Liegebänke vor dem Ozeaneum in Stralsund
Am Ozeaneum in Stralsund


Route Hamburg - Rügen



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen
Gelbe Linie = GPS-Datei vom Hamburg-Rügen-Radweg

Etappen Hamburg - Rügen (26.10.-1.11.2017)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 26.10.2017 Hamburg Lauenburg 63
2. 27.10.2017 Lauenburg Mölln - Ratzeburg Gadebusch 90
3. 28.10.2017 Gadebusch Schwerin 45
4. 29.10.2017 Schwerin Bad Kleinen Schwerin 50
5. 30.10.2017 Schwerin Bad Kleinen - Bützow Güstrow 88
6. 31.10.2017 Güstrow Tribsees Stralsund 99
7. 1.11.2017 Sassnitz Binz - Putbus - Garz Stralsund 73
Summe 508

Zwei Fahrräder auf Waldboden
Unsere beiden Räder von oben...

Logo Hamburg-Rügen-Radweg vor Gustow

Zwei Fahrräder auf Radweg im Wald
...und von hinten.


Anschluss Tour 50: Berlin - Rostock (360 km) Okt. 2009

Anschluss Tour 42: Ostsee: Lübeck - Danzig (890 km) Juli/Aug. 2008

Anschluss Tour 31: Paris - Hamburg (1100 km) Juli/Aug. 2006

Anschluss Tour 30: Hamburg - Dresden (604 km) Juli 2006


Nächste Tour: Que Sera!

Vorherige Tour: Duisburg - Ostende - Saar (772 km) Sept./Okt. 2017


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Tour 48: Karakorum-Highway (1010 km) 2009
Karakorum 2009
Chris Tour 51: Khartum - Addis Abeba (1760 km) 2010
Äthiopien 2010
on the Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) 2011
Moldau 2011
Bike Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
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