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VG WORTTour 50: Berlin - Rostock (360 km)


Leichte Bewölkung spiegelt sich im Trünnensee bei Neu Canow
Leichte Bewölkung spiegelt sich im Trünnensee bei Neu Canow

Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Berlin - Rostock (8.-12.10.2009)
Durchs unflache Flachland zum Schwebenden

Auf dem 2001 eröffneten Radweg Berlin - Kopenhagen radeln wir den deutschen Teil bis Rostock, hier und da mit ein paar nahe liegenden Abkürzungen. Sonja auf ihrer allerersten, Christoph auf seiner 50. Tour. Zum Mauerfall-Jubiläum auf dem Mauer-Radweg, an der Havel mit defekter Fähre, bei Regen und Kälte auf der Eiszeit-Route, mit Knie-Schmerzen, Kreuzes-Verehrung und dem ruhigsten Ort als schönstem: dem friedlichen Trünnensee bei Neu Canow.


Night Line
Mittwoch, 7. Oktober 2009: Nachtzug Mainz - Berlin

Überraschung bei der Buchung. Die alte Service-Nummer der Deutschen Bahn für Fahrrad-Auskünfte existiert immer noch. Offiziell gibt es nur noch den einen Gateway 01805/996633, aber die Nummer 01805/151415 tut noch ihren Dienst. Bis auf Weiteres, wie mir die Mitarbeiterin am Telefon sagt.
Die Fahrrad-Plätze sind im City Night Line von Frankfurt-Süd nach Berlin zwar fast alle frei, aber die Liegewagenplätze sind so gut wie ausgebucht. Unser Abteil jedenfalls ist es. Vier Leute schlafen schon, als wir um 0:55 Uhr auf die beiden mittleren Etagen klettern.


Havel-Fähre im Abendlicht bei Friedrichsthal
"Defekte" Havel-Fähre im Abendlicht bei Friedrichsthal


Mit defekter Fähre über die Havel
Donnerstag, 8. Oktober 2009: Berlin - Spandau - Oranienburg - Zehdenick - Wesendorf (85 km)

Mit leichter Verspätung erreichen wir Berlin-Südkreuz und -Hauptbahnhof. Es regnet kräftig. Bis zur Wohnung von Uta und Christoph sind es nur 1.500 Meter, aber die reichen, um gründlich nass zu werden. Christoph schlägt per SMS Bus 240 vor. Unglaublich. Na gut, er hat seit schätzungsweise sechs Uhr an dem famosen Obstsalat geschnibbelt. Es ist trotz des frühen Morgens ein erfrischendes Frühstück in bester Mitte-Lage auf Traufhöhe der Hauptstadt. Und wir können unser Gepäck hier lassen für eine dreistündige Exkursion zur nigerianischen Botschaft, bei der man sich zur Erst-Visum-Beantragung neuerdings persönlich vorstellen muss. Aber das ist eine andere Geschichte.
Sonja auf einer Brücke des Mauer-Radwegs bei Nieder NeuendorfDer Fernradweg Berlin-Kopenhagen ist in der Hauptstadt (noch) nicht beschildert. Wir folgen weitgehend der Strecke im Bikeline-Führer, den mir Sonjas Mutter geschenkt hat. Ein grüner Weg durch die Siemensstadt, ihre Schrebergärten und den Volkspark Jungfernheide nach Spandau. Ein paar Meter vor der Stadt- und ehemaligen DDR-Grenze pausieren wir in Kalle's Café resp. Back-Center. Wo es schon ziemlich zonig zugeht. Wir sind gefühlte Attraktion. Ist das sonst eine geschlossene Gesellschaft?
Kalle will für uns ein paar zusätzliche Stühle draußen aufstellen. Aber wir sind trotz der Sonne, die sich inzwischen durchgesetzt hat, froh, aus der letzten Ecke des warmen Cafés das Geschehen verfolgen zu können.
Jedenfalls sind wir jetzt an der Havel, und der lange, ruhige Fluss wird uns eine Weile begleiten. Hier ist sie vor 20 Jahren Grenzfluss gewesen. Ein Grenzturm ist erhalten geblieben und wirkt deplaziert an dem recht neuen Radweg. Eigenartig, mal auf DDR- mal auf West-Berliner Territorium zu radln. Ein paar Meter folgen wir dem Mauer-Radweg. Jetzt ist auch unser Weg beschildert: Berlin – Kopenhagen. Eigentlich eine willkürliche Zielwahl. Aber sie scheint zu funktionieren. Ein Trail, dem inzwischen viele Radler folgen. Auch, wenn wir kaum einem direkt begegnen. Die Infrastruktur wächst.
Allerdings macht der Weg manchen Schlenker, den nicht jeder nachvollziehen kann oder muss. In Birkenwerder nehmen wir zum ersten Mal einen Shortcut. Nicht im Zickzack durch den Ort sondern über die Industriestraße direkt über die Autobahn und dann ein paar Meter an der Bundesstraße, aber mit Radweg.
Schon sind wir in Oranienburg. Eigentlich ist hier Landesgartenschau, eigentlich wohl auch direkt an der Havel. Wir bekommen davon nichts zu sehen. Es sieht eher nach postsozialistischem Ambiente aus. Ruinen. Dann beginnt der schönste Teil der Tages-Etappe direkt an der Havel. Die Sonne schiebt ihr Abendlicht an den kanalisierten Fluss. Was bei oberflächlichem Betrachten des Radführers mit seiner Detail-Karte als Brücke erschien, erweist sich vor Ort als ein Bauprojekt zur Erneuerung einer Brücke, die vermutlich mindestens seit dem vergangenen Weltkrieg zerstört ist.
Schiffsverkehr auf der Havel bei OranienburgDen Ableger zur winzigen Fähre ein paar Meter weiter ziert ein großes Plakat „Fähre defekt“. Schon kommt der Fährmann um die Ecke. Ja, der Motor sei defekt, aber er könne uns schon irgendwie rüberbringen. Na ja, bei dem minimalen Verkehr und Wasserfluss kann wohl auch nicht viel passieren. Der Motor verbreitet jedenfalls eine reichlich graue Fahne, während wir sanft über den Fluss gleiten.
Im Wald wird es stetig dunkler. Mein Standard-Batterie-Rücklicht ist spurlos verschwunden. Fährt Sonja halt nur mit der Stirn-Gruben-Lampe. Auch wenn deren Batterien mehr als schwach auf der Brust sind. Immer weiter strampelt Sonja über ihren bisherigen Tages-Rekord von 65 Kilometer hinaus.
Wir nähern uns dem Ort ihrer Kindheit: Wesendorf bei Zehdenick. In Liebenwalde jedoch weicht ihre Ortsvorstellung von einem lokalen Passanten deutlich ab. So oder so setzen wir unsere Fahrt durch die Dunkelheit auf dem westlichen Havel-Ufer fort, durch die Lichter von Krewelin auf der anderen Flussseite bestärkt. Von Zehdenick aus sind es noch ein paar Meter mit Shortcut durch den Wald zu Sonjas Elternhaus, wo wir mit selbst gezogenen Weintrauben und Röhren-Makkaroni aufgepeppelt werden. Zählt man die Kilometer, die wir am Morgen in Berlin zurückgelegt haben hinzu, hat Sonja ihren Tagesrekord auf knapp 100 Kilometer gesteigert. Um rund die Hälfte.


Sonja auf dem Weg von Wesendorf nach Zehdenick, Brandenburg
Sonja on the Bike am Morgen


Unendlich still und friedlich
Freitag, 9. Oktober 2009: Wesendorf - Zehdenick - Mildenberg - Fürstenberg - Wesenberg (75 km)

Der Tag beginnt mit einem ähnlich famosen Frühstück samt Berliner-Pfannkuchen und einem Ausflug im 4x4-Offroad-Jeep auf brandenburgischen Sandwegen zu Kaiser Wilhelms Forsthaus, in dessen Nähe auch Honecker und Konsorten ihr Wild schussbereit zugeführt bekamen.
Sonjas Vater hat seinen Containerdienst EOS getauft, in Anlehnung an die höhere Schule der DDR, die "Erweiterte Oberschule", aber mit der Bedeutung „Entsorgen ohne Sorgen“, was vielleicht auch für die ganze DDR verstanden werden kann.
Neo-byzantinische Stadtkirche von 1845-48 in Fürstenberg/Havel, Mecklenburg-VorpommernSonjas Mutter begleitet uns auf schmalen Treidelpfaden zwischen Havel und kleinen Seen der ehemaligen Ton-Stiche entlang zum Ziegeleipark Mildenberg, wo noch bis zur Wende Ziegel für Berlin gestochen, geformt und gebrannt wurden. Wir lassen uns im Gasthaus Alter Hafen nieder, umgeben von den Schmalspurbahnen des einstigen Ton-Transportes.
Dann wird es noch sandiger. Bevor der Radweg durch den Weihnachtsmann-Klassiker Himmelpfort und eine ganze Weile am Zaun des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück entlang führt. Nach einer Besichtigung ist uns nicht zumute. Wir lassen uns lieber im grünen Café am Markt in Fürstenberg nieder, mit Blick auf die 1845-48 erbaute neo-byzantiinische Stadtkirche (Foto rechts), die eine gefühlte Nähe zu England vermittelt.

Trünnensee bei Neu Canow, Mecklenburg-VorpommernHinter Fürstenberg werden die Kopenhagen-Radler vor eine Wahl gestellt, die keine ist. Auch wir nehmen den direkten Weg nach Westen ohne den Schlenker nach Süden. Hier und da sind wir auch auf der Eiszeit-Route. Ein See folgt dem nächsten. Kurz hinterm Wartberg rasten wir am Trünnensee bei Neu Canow, der so unendlich still und friedlich ist, dass es auf dieser Seite gleich drei Fotos davon gibt (ganz oben, links und unten). Wir sitzen auf dem einzigen Steg, lassen die Beine baumeln über dem bewegungslosen Wasser. Ringsum ein Saum von Wildgras und Bäumen.
Der Weg führt durch Wald. Bald mit einem Parallelweg, eine Schneise, die neben dem schlecht passierbaren Hauptweg zwischen den Bäumen geschlagen worden ist.
Wir beschließen, dass Wesenberg ein schönes Ziel ist für eine Tages-Etappe, die in Wesendorf begann. Und finden gleich an der Ortseinfahrt ein passendes Zimmer auf einer Art Bauernhof, das neben lebenden Hühnern und einem Storchennest sogar ein Bambi hat, das wir aber nicht zu sehen bekommen.
Ich jogge den Radweg in der Dunkelheit noch ein paar Kilometer zurück. Die Stirnlampe nach wie vor suboptimal mit Batterien ausgestattet. Aber ausreichend, um den Radtrail immer wieder zu finden. Sonja hat genug gepowert. Vor allem die Steigungen und die nicht asphaltierten machen ihr und ihrem Knie zu schaffen. No pain, no glory.


Sonjas Schuhe spiegeln sich im Trünnensee bei Neu Canow, Mecklenburg-Vorpommern
Sonjas Schuhe spiegeln sich im Trünnensee bei Neu Canow


Kekse, Hühnersuppe und die Kartoffelscheune
Samstag, 10. Oktober 2009: Wesenberg - Neustrelitz - Ankershagen - Waren (Müritz) (73 km)

Frühstück im Wintergarten des Bauernhofs. Nach den ersten Kilometern reißt ein Schaltkabel. Während wir reparieren, passiert ein umfangreicher Fuchsjagd-Tross die Bushaltestelle, an der wir uns niedergelassen haben. Kutschen und Reiter ohne Ende. Mit Fanfaren aus dem Hintergrund.
Neustrelitz ist eine prächtige barocke Anlage, auch wenn das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Schloss erst virtuell erstanden ist, als Folien-Aufdruck an einer Gerüst-Konstruktion. Die Kirche ähnelt sehr der von Fürstenberg und ist auch nur ein paar Jahre später gebaut. Die Parks spiegeln den neuen ganz anderen Kosmos der barocken Stadtanlage, die jenseits der traditionellen Metropolen eine eigene heile Welt schafft. Sorgsam angepasst die Wasserspiele auf dem Markt, der so kein Markt mehr sein kann. Sonja radelt mittendurch (Foto oben). Noch scheint Sonne.
Bald wird das Wetter schlechter. Wolkiger, kälter, regnerischer. Neustrelitz ist eigentlich konzipiert als Sackgasse des Berlin-Kopenhagen-Radwegs. Wir sollen ein paar Kilometer zurückfahren und einen großen Bogen nach Südwesten fahren.
Sonja auf der Rutsche des Trojanischen Pferds von Heinrich Schliemanns Geburtsstadt Ankershagen, MecklenburgDas machen wir nicht mit. Nehmen dafür ein paar Kilometer Bundesstraße 193 in Kauf. Teilweise ohne Radweg. Stoßen in Krotzeburg wieder auf den großen Weg und einen Zugang zum Müritz-Nationalpark. Mittendrin auch die Havelquelle. Sensationell, dass die Havel hier im hohen Norden nicht direkt ins Meer sondern zuerst nach Süden fließt, um in Sachsen-Anhalt bei Havelberg in die Elbe zu münden. Da das Bistro von Krotzeburg erst um 14 Uhr öffnet knuspert Sonja zu viele Kekse. Eine Art Zucker-Overkill. Woran auch eine Hühnersuppe ein paar Meter hinter dem Trojanischen Pferd am Heinrich-Schliemann-Museum in Ankershagen nichts mehr recht ändern kann.
Vergleichsweise früh sind wir in Waren an der Müritz. Andererseits genau richtig, denn jetzt setzt der Regen richtig ein. Wir bleiben. Können uns für die Abendmesse mehr begeistern als für das Kino-Programm des Cinemaxx. Nicht ahnend, dass der Gottesdienst in dreistophiges Lob des "Heilgen Kreuzes" als "Denkmal, Fahne, Siegeszeichen" mündet. So oder so taugt Sonjas Knie nicht mal mehr für eine einzige Kniebeuge.
Wir stapfen am Abend stetig durch Regen. Verlassen die etwas schäbbige Kartoffelscheune, um uns im Ristorante Rialto, das notfalls auch Gyros anbietet, niederzulassen. Die VIP-Cards unserer Vermieter für Jennys Eis müssen ungenutzt bleiben. Aber erstaunlich, was in 20 Jahren aus dem damals recht toten Waren geworden ist.


Sonja on the Bike zwischen den Wasserspielen auf dem Marktplatz von Neustrelitz, Mecklenburg
Sonja on the Bike zwischen den Wasserspielen auf dem Markt von Neustrelitz


Sonjas Sorgen
Sonntag, 11. Oktober 2009: Waren (Müritz) - Krakow am See - Bellin - Güstrow (73 km)

Das Haus ist voll und so sitzen wir am Frühstückstisch mit einem älteren Ehepaar beisammen. Auch sie saßen anfänglich auf dem Rad. Aber, wie sagt die Dame so schön: „Man hätte Handschuhe tragen können.“ Äh, wir haben gestern beide Handschuhe getragen. Das Paar hat das Radfahren aufgegeben, wir fahren weiter nach Norden.
Im Dauerniesel-Regen. Und Wald. Nachdem wir kurz vor Jabel wieder mal einen nahe liegenden Shortcut genommen haben, begeben wir uns in den Wald, das "französische Dickicht". Der Weg ist ganz ordentlich und bald auch wieder asphaltiert. Kurz hinter Linstow fragen wir uns, warum nachdem wir hunderte Kilometer durch einsames schönes Branden- und Mecklenburg geradelt sind, das erste Ferien-Ressort ausgerechnet direkt an der Autobahn-Ausfahrt gebaut worden. Ist.
Krakow am See, Binnensee, MecklenburgEin paar Meter weiter entscheiden wir uns auch angesichts des nach wie vor trüben Wetters für den direkten Shortcut nach Krakow am See. Wo wir im Seehotel langsam wieder auftauen. Die Synagoge, eine neo-romanische Kirche ohne Kirchturm, passieren wir bei der Weiterfahrt ein weiteres Mal.
Es wird hügeliger. Stetiges Auf und Ab. Sonjas stetige Sorgen. Mal wieder ein „kleiner Karakorum“. Wir werden mal wieder grad nass, kurz bevor wir die Ernst-Barlach-Gedenkstätte in Güstrow-Schabernack erreichen. Ein moderenes kleines Museum mit ein paar Werken des Güstrower Bildhauers und einer tollen Ausstellung „Nebenwege der klassischen Moderne“.
Sonja ist auch nach dem Museumsbesuch nahezu erfroren, so stürzen wir an der nächsten Kreuzung für zwei Stunden in die Bad- und Saunawelt der „Oase“. Ein idealer Ausgleich. Vor der Wahl zwischen dem Gasthaus am Schloss und der Pension Boulevard im völlig ausgestorbenen Stadtzentrum begeben wir uns wieder in eine italienisches Restaurant: "Café Central" - sehr empfehlenswert.
Die Innenstadt, vielleicht doppelt so groß wie die von Waren aber am Sonntag Abend mindestens zehn mal so tot, verlassen wir Richtung Schloss-Gasthaus.


Der Heilige Sebastian (Plakat der Ausstellung Nebenwege der klassischen Moderne - aus der Sammlung Hermann-Josef Bunte: Der Maler Adolf Hölzel und sein Kreis), Sonja und die Barlach-Gedenkstätte in Güstrow, Mecklenburg
Der Heilige Sebastian, Sonja und die Barlach-Gedenkstätte in Güstrow


Pain & Glory
Montag, 12. Oktober 2009: Güstrow - Bützow - Schwaan - Rostock (54 km)

Frühmorgen-Shopping beim Stadtbäcker, dm, Norma, Volksbank, bereitet uns ein Zimmer-Frühstück mit Blick aufs Schloss. Wir brauchen noch einmal Barlach. Den gibt’s am Museums-geschlossenen Montag nur im Dom. Der Schwebende. Ein Meisterwerk mit seiner Ruhe, Erhabenheit. Abgehobenheit im besten Sinne (Foto unten).
Sonja am Bützow-Güstrow-Kanal, Radweg Berlin-Kopenhagen in MecklenburgDie letzte Etappe. Nach Regen am Ortsausgang trocknen wir langsam am Kanal zwischen Güstrow und Bützow mit dem originellen Namen Bützow-Güstrow-Kanal. Kurz hinter der Stadt säumen Pflaumenbäume die Straße. Das Fallobst ist so reif und biomäßig, wie es nur sein kann.
Dann spüren wir immer stärker den schrägen Gegenwind aus Nord-West. Sonja versucht in meinem Windschatten zu fahren. Quält sich. Ihr Knie schmerzt heute so stark, dass sie mich schon weit vor dem Ziel-Ort Rostock fragt, ob ich die Diclofenac-Tube auch griffbereit zur Zugfahrt habe.
Mit einem letzten Shortcut über einen Feld-, Wald- und Wiesenweg vor Schwaan können wir dem Gegenwind ein wenig ausweichen. In Wahrstorf, etwa zehn Kilometer vor dem Ziel, weichen wir vorübergehend in eine doppelt überdachte Bushaltestelle aus. Um ein paar windlose Momente zu erleben. Und uns zu stärken. Das ist vor allem psychologisch notwendig, folgen doch kurz darauf widersprüchliche Kilometer-Angaben zum Rostocker Hauptbahnhof: 11,2 km, 12,4 km, 14,5 km, 13,5 km und direkt darauf: 9,5 km.
Die letzte Angabe stimmte übrigens. Soweit wir das angesichts eines streikenden Kilometer-Zählers sagen können. Jedenfalls sind wir eine knappe halbe Stunde vor Abfahrt am Rostocker Hauptbahnhof. Als ich vom Fahrkartenkauf am Automaten zurück komme, glimmt trotz der Strapazen, die die letzte Etappe noch einmal gefordert hat, ein bisschen Begeisterung bei Sonja auf: „Wir sind ja in Rostock. Das hab ich grad erst so richtig realisiert.“ 360 Kilometer seit Berlin. Eine gewaltige Strecke. Mit viel mehr Steigungen als geahnt.
Am Vierertisch im IC setzen sich zwischen Hamburg-Harburg und Bremen zwei sympathische Pendler zu uns. Sie saß in Thailand schon 36 Stunden im Bus, Olli hat Afrika-Pläne von Kilimandscharo, Sansibar und Serengeti.
Dann schläft Sonja. Ihre erste, meine 50. Tour. Was der offizielle Radweg in zehn Etappen teilt, haben wir an fünf Tagen geschafft. Sonja hat sich gleich auf 360 Kilometer katapultiert. Ich habe es bei meiner ersten Radtour in den ersten fünf Tagen nur auf 343 Kilometer gebracht.
Auch diesmal war es eine herrlich-herbstliche Unternehmung. Im gar nicht so flachen Flachland auf einer sehr angenehmen, ausgezeichnet beschilderten Route mit allerbester Infra-Struktur. Begleitet von vielen spannenden Gesprächen und entspannendem Lachen. Danke, Sonja.


Ernst Barlach im Dom zu Güstrow: Schwebender (1927), Mecklenburg
Ernst Barlach im Dom zu Güstrow: Schwebender (1927)


Route Berlin - Rostock



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen


Routen-Karte Berlin - Rostock
Rot = Route und Offizieller Radweg Berlin - Kopenhagen
Dunkelblau = Etappen-Start/-Ziel
Gelb = Tour 42: Lübeck - Danzig (890 km) 2008


Etappen Berlin - Rostock (8.-12.10.2009)

Details als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 8.10.2009 Berlin Spandau - Oranienburg - Zehdenick Wesendorf 85
2. 9.10.2009 Wesendorf Zehdenick - Mildenberg - Fürstenberg Wesenberg 75
3. 10.10.2009 Wesenberg Neustrelitz - Ankershagen Waren (Müritz) 73
4. 11.10.2009 Waren (Müritz) Krakow am See - Bellin Güstrow 73
5. 12.10.2009 Güstrow Bützow - Schwaan Rostock 54
Summe 360

Sonja auf dem Weg nach Rostock, Mecklenburg
Sonja auf dem Weg nach Rostock


Anschluss Tour 80: Berlin - Greifswald (500 km) Juli 2016

Anschluss Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) Aug./Sept. 2011

Anschluss Tour 57: Aschaffenburg - Berlin (800 km) Juli 2011

Anschluss Tour 42: Ostsee: Lübeck - Danzig (890 km) Juli/Aug. 2008


Nächste Tour: Khartum - Addis Abeba (1760 km) März 2010

Vorherige Tour: Färöer & Island (993 km) Aug. 2009


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Tour 48: Karakorum-Highway (1010 km) 2009
Karakorum 2009
Chris Tour 51: Khartum - Addis Abeba (1760 km) 2010
Äthiopien 2010
on the Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) 2011
Moldau 2011
Bike Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
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