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Kirgisien 2013
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Karibik 2016

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VG WORTTour 57: Aschaffenburg - Berlin (800 km)


Fränkische Saale bei Gemünden im 
Abendlicht
Fränkische Saale bei Gemünden im Abendlicht

Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Aschaffenburg - Berlin (22.-29.7.2011)
Deutsch-deutsche Tour mit Harz

Mal wieder von A nach B. Aschaffenburg - Berlin. Im Zick-Zack-Kurs von Fluss zu Fluss: Main, Fränkische Saale, Werra, Leine, Harz, Bode, Saale, Elbe, Havel, Spree. Auf dem Werra-Radweg mit ständigem Wechsel zwischen Ost und West. Und über den Harz. Danach viel Europa-Radweg R1 mit seinen schlechten und guten Seiten. Im kühlen Sommmer 2011. So kühl, dass man am Ende noch locker den Marathon von Bad Pyrmont mitlaufen kann.


Die Tour bei YouTube


Europa-Radweg R1 bei Neu Königsaue


Bode-Brücke bei Gänsefurth


Europa-Radweg R1 bei Beelitz


Ohne Geld in die Welt zum Licht von Bad Kissingen
Freitag, 22. Juli 2011: Zugfahrt Mainz - Aschaffenburg - Lohr am Main - Gemünden - Bad Kissingen (105 km)

Freitag Feierabend. 16.13 Uhr komme ich in Aschaffenburg an. Ein Tag wie der Sommer: kühl, bedeckt, regnerisch. An diesem Nachmittag droht der Regen, aber er macht seine Drohung nicht wahr. Die Wolken hängen tief über dem Main- und Aschafftal. Hier zwängen sich Autobahn, Bundesstraße, Eisenbahn und irgendwie auch noch ein Fahrradweg zwischen Berge und Wohnhäuser.
Weiter durch das Laufachtal. In Laufach führt der Radweg um den Ort am Hang, bevor ich den Radweg verliere und an der B 26 auf 505 Meter klettere. Ich bin voller Elan und Frische trotz eines intensiven Arbeitstages, intensiver Wochen. Vor elf Jahren bin ich hier schon einmal im Sommer nach Prag geradelt. Die Abkürzung für die lange Mainschleife von Miltenberg und Wertheim. Die ich immer noch gerne fahren würde. Die Abfahrt erscheint mal wieder viel länger als die Auffahrt.
Am Main-Radweg bei HofstettenIn Lohr stoße ich auf den Main (Foto rechts). Und einen Geldautomaten. War plötzlich ohne Bargeld, nachdem ich kurzfristig den Geldbeutel gewechselt hatte. Die Sonne kommt hervor. Arbeit und Berg liegen hinter mir. Gemünden lacht. Mit einer weißen Zeltpracht in der Scherenburg-Ruine (Foto unten).
Der Einstieg in den Radweg der Fränkischen Saale (Foto ganz oben) ist etwas erschwert durch eine unübersichtliche Umleitung. Nach ein paar Metern Straße ist alles ok. Ein formidabler Radweg. Mal auf Waldwegen, mal auf Asphalt. Flache Schleifen. In Hammelburg erfasst mich wieder die sommerliche Kälte. Vier, fünf Cafés und Restaurants haben Stühle auf den Marktplatz gestellt. Einzig und allein zwei Stühle des Eiscafés sind besetzt. Auch ich kaufe ein paar Kugeln Eis, bevor ich auf der Bank beginne zu frieren.
Ein paar Höhenmeter wärmen mich wieder auf. Am Ortsrand folgen ein paar Kilometer, die ich schon als Joggingstrecke hinter mich gebracht habe. Bis Bad Kissingen wird's hügeliger. Wieder eine Umleitung. Jetzt ganz in meinem Sinne. Weil sie mich an die B 287 heranführt. Und die Umgehung des Saale-Schlenkers von Elfershausen erleichtert. Nur wenige Meter muss ich auf der Bundesstraße radeln, ansonsten führt mich auch an seiner Seite ein Radweg bis Euerdorf. Jetzt verschluckt der dunkle Wald den Radweg. Hier und da muss die Stirnlampe helfen. Bis das Licht von Bad Kissingen hilft.


Mündung der Fränkischen Saale in 
      den Main bei Gemünden
Mündung der Fränkischen Saale in den Main bei Gemünden


Fränkische Saale in Bad KissingenKisses in Kissingen
Samstag, 23. Juli 2011: Bad Kissingen

Schlafen, Karate mit Geli, Zeitung, Schlafen, Minigolf, Spiele, Schlafen. Die Müdigkeit der vergangenen Wochen bricht durch.


Miri on the Dahon-Mini-Bike in Bad Kissingen
Miri on the Mini-Bike in Bad Kissingen


Miri on the Mini-Bike auf dem Radweg der Fränkischen Saale bei Bad KissingenWeltfriedenskreuz am Christophorus-Tag
Sonntag, 24. Juli 2011: Bad Kissingen - Mellrichstadt - Meiningen - Bad Salzungen (116 km)

Mein Christophorus-Geschenk, der Klavierstimmer von Pascal Mercier, vergnügt mich am Morgen. Es folgt ein langer Brunch und schließlich am späten Vormittag der Aufbruch. Miri fährt voran auf ihrem Dahon-Faltrad (Fotos oben, rechts, links), das man früher als Klapprad bezeichnet hätte, wogegen die Hersteller aber allergisch sind. Sie zieht mich mit 16 Stundenkilometern bei 17 Grad über die flachen Strecken der Fränkischen Saale. Die Pause in "Salz" ist kalt und windig trotz ein paar Sonnenstrahlen. Geschützter wären wir vielleicht in Bad Neustadt an der Saale gewesen, das wir auf dem Radweg umfahren. Was wohl nicht die rechte Lösung ist.


Christophorus-Tag

Christophorus-Statue bei Unsleben im Streu-Tal
Christophorus-Statue...

Christophorus-Statue bei Unsleben im Streu-Tal
...bei Unsleben im Streu-Tal


Dahon-Faltrad auf dem Radweg der Fränkischen Saale Im Streu-Tal (mit Christophorus-Statue bei Unsleben - Fotos oben)dagegen steigt die Stimmung. Und nach einer Pause im extrem toten Mellrichstadt haben wir die Wahl: über den Berg oder um den Berg rum nach Meiningen. Beide Wege gehören zum Main-Werra-Radweg, dem wir schon eine Weile folgen. Wir wählen den Berg. Zum Glück. Ein Tal, dessen einziger Zweck zu sein scheint, dem Radweg und seinem Panorama zu dienen. Eingefasst mit Wäldern. Langsam ansteigend bei Rückenwind. Auf der Spitze erwartet uns der DDR-Grenzturm Hermannsfeld, Baujahr 1976, überragt von einem der sechs Weltfriedenskreuze (1991).
Hinter dem Ort möchte Miri noch zum klassizistischen Jagdschloss Fasanerie. Von 411 Metern geht es hinab nach Meiningen. Vesper auf dem Marktplatz. Miri fährt zurück mit dem Zug. Weil wir uns 17.49 Uhr statt 17.45 Uhr als Abfahrtszeit notiert haben, wird es ein hektischer Abschied in der Zugtür.
Ich lasse mich vom Rückenwind die Werra entlang treiben. Drei Kilometer vor Bad Salzungen erwischt mich schließlich doch noch Regen. Es wird elf Grad. Sommer in Deutschland. Auch in der Jugendherberge, wie stets auf dem Berg gelegen, ist es nicht viel wärmer.


Werratal-Radweg: Steg durch den Schilf bei Dankmarshausen
Steg durch den Schilf bei Dankmarshausen


Malerei Werra-Radwanderweg mit Kali-HaldeSauer vor der Salinen-Sauna
Montag, 25. Juli 2011: Bad Salzungen - Werra - Bad Sooden (134 km)

Die Jugendherberge hat ein passendes Nokia-Ladegerät. Meins hab ich in Bad Kissingen gelassen. Die Mädchen vom Sportcamp müssen noch Frühsport machen, sodass ich das Frühstücksbuffet und die Ruhe für mich habe.
Das Freibad neben der Jugendherberge wirkt leicht deplaziert. Ein paar Meter unterhalb ein Radladen, bei dem ich noch mal ein paar Atü auflegen will. Die professionelle Pumpe lässt reichlich Luft entweichen. Am Fuß des Berges vertraue ich mich der Bundesstraße 62 an, für die ein Schilderwald eine Umgehungsstraße fordert. Der Werra-Radweg macht mir ein paar Schlenker zu viel. Umso schöner und stressfreier, wenn man ihm wieder folgt. Da wirken auch die riesigen Halden des Kali-Bergbaus weniger bedrohlich. Auf einem großen, neuen Gemälde in einem Designer-Hof eigens verewigt (Foto rechts). Highlight ein Steg durch den Schilf bei Dankmarshausen (Foto oben). Nein, es ist wirklich schön, das Werra-Tal. Der stetige Wechsel zwischen Hessen und Thüringen irritiert. Es ist immer noch so ein lächerlicher Mentalitätswechsel von der einen zur andern Seite der Grenze. Hier der gewohnte, gewöhnte, gewöhnliche Westen, da der abenteuerliche, aufregende, skeptisch beäugte Osten.
Der Rennsteig beginnt. Gleich zweimal. In Neuenhof und Hörschel. Kurz darauf eine Rheinländer-Frage: "Wo geht's hier nach Eisenach? Wir laufen den Elisabethpfad." Ist doch nicht schlimm. Wartburg und Eisenach, die ich nur ein paar Kilometer rechts liegen lasse, werfen ihren Schatten auf den Werra-Radweg. In Form des Herkules-Wartburg-Radweges, der jetzt die Beschilderung dominiert. Obwohl er im Werra-Tal im Wesentlichen nur eine Nebenstrecke hat, wie ich im Nachhinein im Netz feststelle.
In Creuzburg habe ich mich allerdings schon an die Doppelbeschilderung gewöhnt, sodass ich plötzlich nur noch dem dominanten Herkules folge. Bemerke es nach ein paar hundert Metern gerade noch rechtzeitig, nicht ohne zu fluchen über mangelnde Hinweise auf die Herkules-Teilung in Creuzburg.
Klosterschänke in Bad Sooden-AllendorfVon nun an ist das Tal mal wieder besonders eng und schön. Am Rande von Mihle gerät nach schätzungsweise 60.000 Kilometern Fahrt mit Held eine Wespe zwischen Helm und Stirn. Was die Wespe mit ihrem Leben bezahlt, ich mit Schmerzen und geschwollenem Auge.
Im wieder hessischen Werra-Tal entblödet man sich nicht mit Kilometer-Angaben nach Kassel. Hessen-Stolz. Die Entfernung zur Werra-Mündung in Hann. Münden wäre von größerem Interesse. Zumal unklar bleibt, für welche Route nach Kassel die Entfernungsangaben gelten. In Eschwege beginnt die Fachwerk-Pracht, die sich in Allendorf und Hann. Münden fortsetzt.
Kurz vor Allendorf verlassen mich meine Kräfte am letzten Hügel. Zeit zu bleiben. Ich rolle hinunter nach Bad Sooden. Um 17.59 Uhr gelingt es mir noch in der Touristen-Info ein paar brauchbare Dinge zu erfahren, um in unmittelbarer in der Klosterschänke (Foto links) abzusteigen und die mühseligen Knochen in die WerratalTherme mit Salinen- Saunaparadies zu schleppen.


Werratal-Radwanderweg bei Lindewerra
Werratal-Radwanderweg bei Lindewerra


Der Harz hat's: die süße Bundesstraße an der Sösetalsperre
Dienstag, 26. Juli 2011: Bad Sooden - Hann. Münden - Göttingen - Northeim - Osterode - Altenau (143 km)

Komme nicht recht los. Lustlos. Aber als das Rad einmal rollt, läufts. Noch ein schneller Hessen-Thüringen-Hessen-Wechsel. Durch ein großes Waldstück am Hang kann man sehen: wo sich einst die Grenze zog, zieht sich ein 20 Jahre junger Wald. Auch heute rolle ich wieder hier und da über das "Grüne Band" oder den ICT, den Iron Curtain Trail.
Dann Hann. Münden (Foto unten). Das eigentlich Hannoversch Münden heißt. Zumindest hieß. Aber davon nichts mehr wissen will, weil es dann für einen Ortsteil von Hannover gehalten wird, das 150 Kilometer entfernt liegt. So sind die Stadtväter und -mütter auf die Idee mit dem Punkt gekommen. Was sie nicht daran hindert, in der Touristen-Info auch eine Postkarte zu verkaufen mit dem großen Schriftzug "Hannoversch Münden". Im Kleingedruckten auf der Rückseite heißt es dann wieder Hann. Münden. Die Touri-Dame erklärt es mir so: Hann. Münden sei die offizielle Abkürzung von Hannoversch Münden. Also doch Hannoversch Münden??? Nein, aber die älteren Leute hätten den Namen immer noch lieber.
Heinz Detlef Wüpper: Stehender Frauenakt, Bronze 1980, Skulpturenpark Doktorwerder Hann. MündenLasse mich auf der Spitze der Werra-Insel nieder, von wo man die Pilgerstätte Weserstein am Zusammenfluss von Werra und Fulda in die Weser gut beobachten kann. Und noch ein paar Skulpturen (Foto rechts) gratis sieht. Ich entschließe mich, rüber nach Göttingen ins Leine-Tal zu fahren. Dass es genau die Strecke ist, die mich vor zehn Jahren zum Nordkap trug, merke ich an den Schleifen hinter Scheden. Nach einem neuen Kreisverkehr samt Netto-Schlecker zieht sich die Straße in Serpentinen auf schließlich 333 Meter. Beim Blick zurück ist es wie gestern. Auch als ich wenig später das Schild "Grillplatz Ausfahrt" sehe, fallen mir die Worte ein, die ich damals, bei meiner ersten Tour mit Online-Tagebuch auf die Homepage stellte: "Aus der Serie 'Schilder, die es nur in Deutschland gibt'". Was für eine Tour, damals, 2001. Auch jetzt wieder der tolle Blick bei der Abfahrt auf das Leine-Tal rund um Göttingen. Dann treibt mich der Wind nach Northeim. Am Ortsrand holt mich ein tiefschwarzes Wolkenband ein. Als ich mich entschieden habe, nicht weiter nach Norden sondern quer durch den Harz zu radeln, bricht der Regen los. Ich stelle mich erst beim Opel, dann im Aldi unter.
Eine knappe Stunde später beginnt die hügelige Tour nach Osterode. In Dorste verliere ich mal wieder den Radweg. In Osterode versuche ich in einem Buchladen noch mal Aktuelles über die Harz-Querungs-Möglichkeiten zu erfahren. Wieder draußen spricht mich eine Raucherin an, ob ich Jugendherberge oder Campingsplatz suche. Ja, aber nicht hier. Sie weist den Weg zur B 498. Eine ganz süße Bundesstraße. Die ich an der Sösetalsperre für den parallelen Fahrradweg auf der andern Seeseite verlasse.
Erst nach dem See wird's steil. Der Rückenwind trägt mit hinauf. Schneller als gedacht kommt der höchste Punkt auf 575 Metern. Nach kurzer Höhenfahrt geht's nach Altenau schon wieder bergab, hundert Höhenmeter. Viele Etablissements haben temporär oder dauerhaft geschlossen. Die anderen sind gefüllt oder wollen nicht mehr vermieten. Erst am "schönsten Imbiss vor Berlin" bekomme ich ein Zimmer in der Sportpension an der Silberhütte. Der Schierker Feuerstein geht aufs Haus. Der Harz hat's.


Fachwerk-Idyll Hann. Münden alias Hannoversch Münden
Fachwerk-Idyll Hann. Münden alias Hannoversch Münden


Okertalsperre im Harz bei Niedrigwasser im Sommer 2011Romanik-Highlights ohne Gottesgnaden
Mittwoch, 27. Juli 2011: Altenau - Wernigerode - Quedlinburg - Staßfurt - Nienburg - Barby (147 km)

Der Tour-Tag beginnt mit zwölf Kilometern Abfahrt. Von der Staumauer der Okertalsperre (Foto links) mit 63 Stundenkilometern. Von nun an wesentlich langsamer im Auf und Ab am Harz entlang. Schon bald ein großes Hinweisschild: Europa-Radweg R1, die mysteriöse Euroroute von Boulogne-sur-Mer bis St. Petersburg. Ganz toll ist vor allem der Etappenkalkulator. Ansonsten irritiert die Wegführung vor allem durch ein unsägliches Zick-Zack auf der Landkarte. Sodass ich schon hier, wo der Weg freiwillig jedes noch so schlechte Stück Wegstrecke in den Harz hinein mitzunehmen scheint, meist lieber auf die Straße ausweiche, meist mit konfortablem Radweg. Folge ich mal dem R1, hab ich Schwierigkeiten seine Schilder richtig zu interpretieren oder übersehe sie einfach.
In Blankenburg, fernab des Harzer Massen-Tourismus, gerät die Dame in der Touri-Info in einen verbalen Orgasmus über den R1, der von der Touri-Info, die sich auf beachtlichem Niveau innerhalb des Ortes befindet, weiter hinauf und hinauf führe. Ich drehe ab nach Quedlinburg. Wo mich nach dem morgendlichen Romanik-Highlight von Kloster Drübeck mit dem Kirchenfenster von Günter Grohs aus dem Jahr 2010 bei der Ortseinfahrt Krypta, Portal und wiederum Grohs-Kirchenfenster der St.-Wiperti-Kirche, einst auch Prämonstratenser-Niederlassung ergötzen (Fotos unten). Im Zentrum von Quedlinburg geht es wesentlich gemächlicher zu als in Wernigerode heute Mittag.


Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt

Glasfenster von Günter Grohs (Wernigerode) aus dem Jahr 2010 in der West-Apsis der Kirche von Kloster Drübeck, Straße der Romanik, Sachsen-Anhalt
Glasfenster im Kloster Drübeck

Außenansicht Kloster Drübeck, Straße der Romanik, Sachsen-Anhalt
Ehemaliges Benediktinerinnenkloster Drübeck

Krypta der St.-Wiperti-Kirche in Quedlinburg
St.-Wiperti-Kirche in Quedlinburg


Blick auf die Bode In Gatersleben schließe ich mich nolens volens wieder dem R1 an. Er führt auch über manch schönen Weg. Häufig aber rumpelig, wie auf der Strecke hinter Neu Königsaue: (sh. YouTube-Video oben). Angenehm wird's, als er mit dem Bode- (Fotos rechts und unten eine Brücke) und einigen andern Radwegen an dieser Brücke (sh. YouTube-Video oben) vereint zur Saale führt.
Die letzten 20 Kilometer des Saale-Radwegs wäre ich gern am Ufer zur Mündung gefahren. Allein, bei Calbe geht's über die Saale-Brücke in den Ort. Ein Fehler. Zumindest nach 18 Uhr, wenn die Fähre in der Ortsmitte zurück ans andere Ufer nach Gottesgnaden nicht mehr fährt.
Gnadenlos nehme ich die Barbyer Straße nach Barby. Der Kunsthof Augustusgabe, wo ich vor fünf Jahren bei meiner Elbe-Tour mit Thomas, Michael, Jan-Peter und Matthias übernachtet hatte, ist leider ausgebucht. Sie rufen aber für mich bei der Pension Zur Galerie (neuerdings auch als "Oma's Heuhotel" bepriesen) an, die auch ein echtes und wunderschönes Radler-Quartier ist, an, wo ich bald darauf absattle.


Brücke über die Bode
Bode-Brücke


Elb-Fähre bei BarbyI'm a Barby Boy
Donnerstag, 28. Juli 2011: Barby

Es ist nicht mehr ganz so warm wie gestern, aber immer noch ganz schön am Morgen. Habe lange überlegt, ob und, wenn ja, wie ich die Tour von Berlin aus fortsetze und ob ich noch einen Marathon dranhänge. Als ich mich nach dem Frühstück noch mal kurz hinlege, stelle ich fest, dass ich gar keine Lust habe heute weiterzufahren. Muss ich ja auch nicht. Nach Berlin komme ich schätzungsweise in einem Tag. Das kann Freitag oder Samstag sein. Und da Oma's Heuhotel alias Pension Zur Galerie ein kostenloses Internet-Terminal hat, kann ich mein Tourtagebuch schreiben, Barby-City durchbummeln, ein bisschen joggen an der Saale-Mündung und den Klavierstimmer lesen. I'm a Barby boy in a Barby world. It's fantastic. Imagination, life is your creation.


Felder im Fläming
Felder im Fläming


Contre la montre: Erreiche ich Berlin vor dem letzten Zug?
Freitag, 29. Juli 2011: Barby - Bad Belzig - Potsdam - Berlin (155 km) Zugfahrt - Bad Pyrmont

Do you wanna go for a ride? wird Barbie Girl gefragt. Heute definitiv nicht. Es ist kälter als gestern und es regnet. Richtig. Immerhin peitscht Rückenwind den Regen übers Land. Und über die Fähre (Foto oben links), die mich zu allererst über die Elbe bringt. Dann lässt der Regen zunächst nach, ich komme in Fahrt. Immer besser, immer schneller.
17.38 Uhr fährt der letzte Zug von Berlin nach Bad Pyrmont. Kann ich das schaffen? Nur, wenn alles optimal läuft. Knapp 160 Kilometer in acht Stunden. Normalerweise pack ich das nicht. Aber die ersten Stunden fahre ich dank des Windes mit über 23 Stundenkilometern. Als der Fläming (Foto oben) mich von rund 40 auf fast 200 Meter katapultiert bin ich sogar am schnellsten. Diese flachen Fläming-Hügel sind reines Radler-Doping.
In Belzig, seit rund 500 Tagen offiziell "Bad Belzig" und damit eigentlich ein idealer Übernachtungsort für diese meine "Bäder-Tour" - wenn ich es denn schon vorher gewusst hätte, will ich wieder auf den Europa-Radweg R1 stoßen. Mit meinem Schwung verfehle ich ihn zunächst, erreiche ihn aber in Schwanebeck. R1 - wie haste dir verändert! Die Streckenführung ist gegenüber meiner Karte begradigt, vor allem aber sind die Wege exzellent. Vielfach sind es exklusive Fahrradstraßen, gut asphaltiert (sh. YouTube-Video oben). So machen Fernradwege Spaß.
Mein Tempo kann ich fast halten.
Wald-Impression in Brandenburg bei Beelitz-Heilstätten Die Chancen für den Zug nach Bad Pyrmont stehen gut. Immer mehr geht es hinein in die Brandenburger Wälder (Foto rechts). Meine Tchibo-Handschuhe "TCM Gel-Rad-Handschuhe L/XL" lösen sich schon wenige Wochen nach dem Kauf am 5. Mai auf, die Vorderbremse will nicht mehr so richtig zurückschnacken. Egal. Kann ich mich heute nicht drum kümmern. Keine Zeit und inzwischen wieder Regen. Tendenz zunehmend. Wenn man einmal im Regen fährt, ist alles halb so schlimm.
Potsdam ist so recht trostlos. Am trostlosesten, wenn man am Kreuz-Bahnhof Potsdam-Pirschheide nicht nur einen völlig heruntergekommenen Bahnhof sieht, sondern kein Fahrradweg-Schild mehr und in strömendem Regen rätselt, wo es weiter geht. Rund um die Großbaustelle für das Neue Stadtschloss am Alten Markt verliert sich der R1 ein weiteres Mal. Hinweisschilder nach Berlin Fehlanzeige. Mit Hilfe meiner Karte finde ich zur Glienicker Brücke und damit zum Berliner Mauerweg. Auf dem hat ein Spaßvogel ein Radschild verdreht, nur gibt es zwei Möglichkeiten, in welche Richtung es einstmals geführt hat. Im treuen Regen entscheide ich mich für die richtige Variante.
Der R1 führt durchs Grüne in die Stadt. Hinauf zum Grunewaldturm. Hinunter nach Charlottenburg. So gut wie Grüne Welle fürs Fahrrad. Ein Mann bedankt sich, dass ich ihn grade noch wegschreie, bevor er auf den Radweg mir ins Rad läuft. "Berlin Mitte" ist für den R1 an der Siegessäule erreicht. Für mich frühestens an Brandenburger Tor. Wo das Fotografieren (Foto unten) im Regen auch keinen großen Spaß macht. Ein paar Meter unter den Linden müssen noch sein.
Dann muss ich abdrehen zum Hauptbahnhof. Zehn Minuten vor der ultimativen Abfahrt erreiche ich ihn. Ticketautomaten finde ich nicht grade en masse, ein englisches Couple vertreibe ich aber vom Automaten, da ich ihnen wenig Hoffnung mache, hier ihr Tagesticket zu bekommen. Am Zug fehlt scheinbar der Fahrradwagen. Er ist aber ganz normal ganz vorne. Was fehlt ist der Fahrrad-Aufkleber außen.
Triefend stehe ich im Zug. Reservierungen konnten heute mal wieder nicht ausgedruckt werden. Von daher auch nicht meine nicht vorhandene Rad-Reservierung. Es gibt aber nur wenige Räder. Dafür zwei Polen, die meine Wasserflaschen leeren und das Pfand kassieren wollen. Meine Flüssigkeitsvorräte sind damit für die nächsten Stunden auf Null gesunken. Die Polen werden in Magdeburg aus dem Zug geworfen, weil sie sich auch bei den Schaffnern unbeliebt gemacht haben. Um zehn Uhr bin ich schließlich in Bad Pyrmont, finde ein Zimmer. Der Marathon kann kommen.


Panther Dominance Trekking am Brandenburger Tor in Berlin bei Regen
Am Brandenburger Tor in Berlin bei Regen


Skulptur im Hylligen Born von Bad PyrmontBadehosen-Marathon im kalten Sommer
Samstag, 30. Juli 2011: Bad Pyrmont Marathon

Der Bad Pyrmonter Marathon hat nicht nur 42,195 Kilometer zu bieten sondern auch noch 690 Höhenmeter. Vom Ort geht es auf die bewaldeten Höhen, dort in verschiedensten Schleifen auf und ab und ganz zuletzt wieder runter in den Ort. Weil die Strecke weitgehend im Wald liegt, soll sie auch bei Sommerwetter zu genießen sein. So aber erst recht bei den typischen Juli-Temperaturen dieses "Sommers". Die Zehn-Kilometer-Walker sind mit am Start und es dauert eine ganze Weile, bis ich meine, alle Walker hinter mir gelassen zu haben. Doch an der Streckenteilung sehe ich, dass mir einer weit voraus ist. Der gewinnt das Walker-Rennen und bekommt mächtig Ärger mit seinen Konkurrenten, die behaupten er habe sich unter die Läufer beim Start gemischt und sei womöglich anfangs auch gelaufen.
Ich halte mich mit meinem Nachbarn Herbert, 73 Jahre, für den momentanen Schlussläufer. Aber auch das ein Irrtum. Herbert berichtet, erst mit Mitte sechzig seinen ersten Marathon gelaufen zu sein. "Viel zu spät." Letztes Jahr hat ihn der hiesige Marathon letzlich in die Herzklinik befördert, wo man ihm einen Katheder gelegt habe. Das war ganz nach seinem Geschmack. "Lieber von der Strecke direkt in die Kiste als als Pflegefall enden." So weit ist es bei mir noch nicht, so überhole ich dann doch den ein oder anderen.
Phänomenal eine Frau, die immer am Berg gut läuft und sobald es flach wird, zu walken beginnt. Die Oldies machen es genau umgekehrt. Als ich die Frau mal wieder überhole, weil es nicht steil genug ist, ruft ihr ein Kind hinterher, was sie wegen ihrer Kopfhörer erst verspätet hört und mich dann fragt, ob das auch wirklich die Strecke von "fourty-two" sei. Ist es.

Christoph Gocke beim Zieleinlauf des Bad Pyrmont Marathon 2011 Heidi aus Mexiko nach ihrem allerersten Marathon und Chris nach seinem 35. Marathon Der 100-Marathon-Club ist gut vertreten. Einen frage ich nach seiner aktuellen Zählung. Es sei sein 199. Marathon, ruft er mir hinterher. Er kann sich also schon eine Weile zu den Vollmitgliedern des Clubs zählen. Für mich ist es der 35. Marathon, der sich erstaunlich gleichmäßig laufen lässt. Die Strecke durch schönsten Wald mit gelegentlichen Blicken über Bad Pyrmont und seine grüne Umgebung, die Verpflegungsstände mit Müsli-Riegeln, Melonen, Bananen, Cola, Iso, Wasser, Schwämmen reichhaltig, reichlich und liebevoll betreut und die Steigungen gerade so, dass sie mit dem regelmäßigen Lerchenberg-Training gut zu bewältigen sind.
Begeisterung löst hier und da meine Badehose (Foto links beim Zieleinlauf)aus, die zum Zuge kommt, weil ich meine Laufsachen eigentlich zu Hause gelassen habe. Nach 4 Stunden und 43 Minuten kehre ich zum Start zurück. Die Siegerehrung läuft gerade. Prämiert wird der Sieger mit neuem Streckenrekord. Ich treffe die Frau wieder, die ich immer wieder überholt habe: Heidi, eine Mexikanerin auf Deutschland-Urlaub. Ihre Schwester mit Kind ist auch da. Es ist ihr allererster Marathon. Und dann gleich einen so schweren. Glückwunsch.


Der Hyllige Born von Bad Pyrmont
Der Hyllige Born von Bad Pyrmont


Wasserfestung am Schloss PyrmontFlexible Response
Sonntag, 30. Juli 2011: Zugfahrt Bad Pyrmont - Mainz

Rolling home. Trotz nachmittäglichem Marathon gestern bin ich heute schon so früh wach, dass ich bereits um acht Uhr in den ersten von vier Zügen rolle. Altenbeken, Warburg, Frankfurt sind die Umsteigestationen. Und Fahrräder sind jeweils mehr als Plätze dabei. Flexibles Ausweichen ist gefragt.


Kurpark Bad Pyrmont
Kurpark Bad Pyrmont


Route Aschaffenburg - Berlin



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen

Etappen Aschaffenburg - Berlin (22.-29.7.2011)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 22.7.2011 Aschaffenburg Lohr am Main - Gemünden Bad Kissingen 105
2. 23.7.2011 Bad Kissingen
3. 24.7.2011 Bad Kissingen Mellrichstadt - Meiningen Bad Salzungen 116
4. 25.7.2011 Bad Salzungen Werra Bad Sooden 134
5. 26.7.2011 Bad Sooden Hann. Münden - Göttingen - Northeim - Osterode Altenau 143
6. 27.7.2011 Altenau Wernigerode - Quedlinburg - Staßfurt - Nienburg Barby 147
7. 28.7.2011 Barby
8. 29.7.2011 Barby Bad Belzig - Potsdam Berlin 155
Summe 800

Chris on the Bike mit der neuen Sonnenbrille Gil 2131 UV400 Filter No.3
Chris on the Bike


Anschluss Tour 80: Berlin - Greifswald (500 km) Juli 2016

Anschluss Tour 70: Plettenberg - Rothenburg (467 km) Juli 2014

Anschluss Tour 60: Mainz - Brocken (455 km) April 2012

Anschluss Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) Aug./Sept. 2011

Anschluss Tour 50: Berlin - Rostock (360 km) Okt. 2009

Anschluss Tour 30: Elbe: Hamburg - Dresden (604 km) Juli 2006

Anschluss Tour 25: Nordsee: Brest - End to End - Mainz (4455 km) Aug./Sept. 2004

Anschluss Tour 14: Mainz - Nordkap - Lofoten (4144 km) Juni/Juli 2001

Anschluss Tour 13: Magdeburg - Naumburg (224 km) April 2001

Anschluss Tour 10: Mainz - Vilnius (2100 km) Aug. 2000

Anschluss Tour 9: Mainz - Dresden (715 km) Juni 2000

Anschluss Tour 3: Essen - Zagreb (1680 km) März/April 1983


Nächste Tour: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) Aug./Sept. 2011

Vorherige Tour: Dillenburg - Idstein (423 km) Juni 2011


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Tour 48: Karakorum-Highway (1010 km) 2009
Karakorum 2009
Chris Tour 51: Khartum - Addis Abeba (1760 km) 2010
Äthiopien 2010
on the Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) 2011
Moldau 2011
Bike Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
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