Chris on the Bike mit Miri # Maas: Neufchâteau - Rotterdam
Tour 65: Kirgisien - Almaty (951 km) 2013
Kirgisien 2013
Chris Tour 68: Strasbourg - Vicenza (1275 km) 2014
Alpen 2014
on the Tour 75: Iran - Persischer Golf (2690 km) 2015
Iran 2015
Bike Tour 82: Karibik: Barbados - Haiti (902 km) 2016
Karibik 2016

Home: Alle Touren Karte Bikes Run & Fun Links Kontakt Suchen EA: Palästina/Israel

VG WORTTour 92: Maas: Neufchâteau - Rotterdam (951 km)


Fahrräder in Tulpenfeld bei Den Bommel auf der  Insel Goeree-Overflakke
Tulpenfelder kurz vor Rotterdam

Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Maas: Neufchâteau - Rotterdam (6.-22.4.2018)
Am breiten Strom durch die Ardennen

Die Meuse ist die Maas. Diese fundamentale und zugleich simple Erkenntnis ist in Deutschland nicht sehr weit verbreitet. Auch mir war das bis zwei Tage vor Beginn dieser Tour unbekannt. Meuse war für mich ein Fluss irgendwo in der Nähe der Mosel, die Maas floss halt bei Maastricht und dann irgendwie in Rhein und Nordsee. Dass beide ein und derselbe Fluss sind, der rund tausend Kilometer lang mehr oder weniger parallel zum Rhein fließt und dazu noch wunderbare Fahrradmöglichkeiten bietet, erfuhr ich erst bei Vorbereitung und Durchführung dieser Tour. Ursprünglich hatten wir an eine Fortsetzung der Loire-Tour aus dem letzten Jahr von der Mündung zu den Pyrenäen gedacht, an alle möglichen günstig mit dem Flugzeug zu erreichende Ziele in Bulgarien, Türkei, Griechenland, Italien. Dann lag das Gute einfach ganz nah: ohne allzu großen Aufwand zu erreichen. Und das bei bestem Frühlingswetter.

Die Tour bei YouTube


Die besten Videos und Fotos unserer Tour zu Musik in 12:34 Minuten.
Hier direkt bei YouTube zu sehen.


Damenrad mit Ortlieb-Taschen Gurkenrad wird Tourenrad
Freitag, 6. April 2018: Zug Mainz - Saarbrücken

Ich radle zur Arbeit. Schon seit Wochen mit einem der beiden letzten Damenräder meiner Eltern. Im vergangenen Jahr habe ich sie übernommen. Das eine davon ist das einzige, an dem ich den Lenker so hochstellen kann, dass ich halbwegs aufrecht sitze. Das ist momentan die einzige Möglichkeit für mich, länger zu fahren - ohne dass mich meine Halswirbelsäule ärgert, womit sie seit dem Ende der November-Tour von Jerusalem nach Eilat begonnen hat. So wird das Gurkenrad jetzt zum Tourenrad. Auch, wenn der Rahmen etwas klein für den hohen Lenker und Sattel ist (Foto links).


Intermezzo Bahn-Hotline


Ich versuche, bei der Bahn-Hotline Tickets zu buchen. Es entspannt sich wieder mal ein bizarrer Dialog. "Wo möchten Sie hinfahren?" "Neufchâteau." "Wie schreibt man das?" N... "Den Ort gibt mir das System nicht an." Es geht zunächst um die Internationale Fahrradkarte, bei der es eigentlich egal ist, welches Ziel man angibt. "Dann nehmen wir einfach Toulouse." "Wie wird das geschrieben?" T... "Den Ort gibt mir das System nicht an." Schon komisch. Mit Lissabon kommen wir auch nicht weiter. Dann plötzlich die Lösung - laut Hotline-Lady: "Frankreich erkennt die Internationale Fahrradkarte nicht an." "Ich bin aber schon mehrfach nach Frankreich mit der Internationalen Fahrradkarte gefahren."
Versuchen wir, zumindest die einfache Fahrkarte zu buchen. Also noch mal Neufchâteau. "Ich hab den Ort nicht gefunden." Ich buchstabiere noch mal - diesmal mit Accent aigu. Parallel sehe ich auf meinem Computer die Bahn-Verbindungen zum Ort. "Ich hab auch so den Bahnhof nicht gefunden." Ich erkläre ihr die Verbindung mit TER-Nahverkehrszügen. "Das sind Privatzüge in Frankreich.", behauptet sie. "TER steht für 'Train Express Regional' - die sind von der SNCF", erwidere ich. "SNCF ist eine Privatbahn. TER bekommt man nicht reingebucht. Ich mach den Job schon länger." "Haben Sie schon einmal eine Fahrkarte nach Frankreich verkauft?" muss ich an dieser Stelle einfach fragen. "Ich hab schon Tickets nach Paris verkauft."
Ich versuche, zumindest ein Ticket bis Nancy zu bekommen. "Wie wird der Ort geschrieben?" Wie Reagans Frau. Geht auch nicht. Metz vielleicht? Ja, Metz kann sie mir anbieten. "Da ist aber jetzt doch ein TER-Zug dabei", muss ich einwenden. "Sie haben Glück, dass ich Ihnen das bis Metz anbieten kann." Ich vermute, dass ich Metz-Tickets auch am Automaten bekomme. Da kann ich mir jeden weiteren Dialog mit der offensichtlich inkompetenten Hotline-Dame ersparen. Nach genau 16 Minuten ist das Gespräch beendet.
Da ich an den Auskünften der Dame zweifle wage ich einen zweiten Anlauf. Diesmal wird mein Anruf nach den üblichen, nervenden Automatenansagen sofort angenommen. Die Dame mit ostdeutschem Akzent verbindet mich mit der Auslandsabteilung. Die voraussichtliche Wartezeit dort beträgt angeblich 8 Minuten. Als es 24 Minuten sind, lege ich auf.


Fahrrad-Transport im Vlexx-Zug zwischen Mainz und Saarbrücken Nach ordentlichen Arbeitstagen in Wiesbaden bzw. Mainz sind Miri und ich für den 18-Uhr-Zug nach Saarbrücken verabredet. Um diese Uhrzeit können wir heute nur noch bis Metz kommen. Ich bin schon ein paar Minuten früher am Mainzer Hauptbahnhof und versuche nun, doch noch Tickets zu bekommen. Während der Wartezeit im Reiseinformationszentrum der Bahn checke ich am Automaten, was dort geht. Einzige Möglichkeit ist ein BahnCard-Ticket bis Metz. Darüber hinaus gibt es nur Fahrplanauskünfte aber keine Tickets. Nicht mal bis Nancy.
Ähnlich sieht es dann auch am Schalter aus. Aber warum? Nach den bisherigen Erfahrungen bin ich skeptisch, als ausgerechnet der RMV-Schalter für mich frei wird und die Dame am Schalter ein RMV-Namensschild trägt. Ich äußere meine Skepsis. Sie beantwortet das mit dem Hinweis, morgen stehe sie wieder mit dem DB-Namensschild am DB-Schalter. Alles fake also mit dem RMV-Schalter.
Mit großer Ruhe studiert sie das Kleingedruckte in Sachen Fahrradkarte für unsere Verbindung nach Neufchâteau. Ergebnis: wir brauchen gar keine Internationale Fahrradkarte, weil wir in Frankreich nur TER-Nahverkehrszüge nutzen. Und in Deutschland brauchen wir auch keine Fahrradkarte, weil der Fahrradtransport bei Nahverkehrszügen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland kostenlos ist. Eine gute Nachricht. Die auch der Grund ist, warum die Hotline-Dame nichts Entsprechendes buchen konnte. Sie hat nur falsche Erklärungen dafür zusammengesponnen.
Auch beim Ticket ist es so, dass sie hier am Schalter nicht über Metz hinauskommt. Das sei eben so bei Nahverkehrszügen in Frankreich. Die könne man eben nicht buchen. Damit verlieren wir für die Strecke Metz - Nancy - Neufchâteau unsere "Railplus-Vergünstigung" von 25 Prozent für das Ausland (BahnCard-Werbung: "in bis zu 27 europäische Länder"). In dem Fall fünf Euro pro Person. Also kaufe ich Tickets bis Metz, die ich auch vor gut zehn Minuten schon am Automaten hätte kaufen können. In der DB-Navigator-App ist selbst das nicht möglich. Warum?
Es ist bereits 18 Uhr, als dann auch noch das Papier für den Ticket-Drucker ausgegangen ist und erst nachgelegt werden muss. Zum Glück hat unser Zug Verspätung.
Angesichts der 15 Minuten Rückstand gegenüber dem Fahrplan schon bei der Abfahrt in Mainz sind unsere Chancen, den Anschluss-Zug in Saarbrücken nach Forbach zu bekommen, gering. Auch wenn Schaffner und Bahn-App uns anderes weiß machen wollen. Angeblich kann der Zug die Minuten locker reinfahren. Tut er aber nicht. Am Ende sind es 19 Minuten Verspätung. Wir kommen mit den Rädern definitiv nicht mehr nach Metz heute. Da wäre also eigentlich ein Hotel-Gutschein der Bahn für Saarbrücken fällig. Darum drückt man sich aber im dortigen DB-Reisezentrum mit dem Argument, wir seien ja nicht mit der Deutschen Bahn gereist, sondern einem Zug der Vlexx GmbH, letztlich eine Tochter der italienischen Staatsbahn. Was grotesk ist, angesichts des Streckenmonopols der Deutschen Bahn, die uns ja auch das Ticket verkauft hat.
Um unsere Aussichten auf nachträgliche Erstattung des Hotelpreises zu erhöhen, wählen wir eins der drei Standard-Bahn-Gutschein-Hotels in Saarbrücken, das B&B-Hotel direkt am Hauptbahnhof. (Tatsächlich wurde etwa ein Monat nach Einreichung der Unterlagen beim zentralen Dienstleister verschiedener Bahnbetriebe, dem "Servicecenter Fahrgastrechte", nicht nur die Hälfte des Fahrpreises [wegen Verspätung von mehr als zwei Stunden], sondern auch der Hotelpreis ["angemessene Übernachtungskosten"] übernommen. Laut Mitteilung tatsächlich von der Vlexx GmbH.) Von dem wir noch einen kleinen Spaziergang zum Restaurant Tbilissi machen, um zumindest gefühlt den Abend im Ausland ausklingen zu lassen. Leider, leider, leider ist dort Stalins Lieblingswein ("sehr lieblich") momentan nicht erhältlich. Die Rebsorte sei halt so selten und angesichts der Nachfrage kaum noch erschwinglich.


Gruppe im TER von Forbach nach Metz
Mit Amélie, Nivethita und Rutuja im Zug nach Metz


Fahrrad-Transport im Bus, Linie 30 von Saarbrücken nach Forbach Ne nous laisse pas entrer en tentation
Samstag, 7. April 2018: Bus - Saarbrücken - Forbach - Zug - Metz - Nancy - Neufchâteau - Domrémy-la-Pucelle (20 km)

Am Bahnsteig 2 im Saarbrücker Hauptbahnhof steht, dass unser Zug nach Metz ausfällt. Von einem Ersatz-Bus ist die Rede. Die Information kann nicht genau sagen, wo der Bus steht. Die Zeit wird knapp. Ersatz-Busse warten bekanntlich selten, sondern fahren meist zur ursprünglichen Fahrplan-Zeit des Zuges ab. Von den angeblich fahrenden kleinen Transportbussen sehen wir nichts. Dafür die reguläre Bus-Linie 30 nach Forbach, grad ein paar Kilometer über die Grenze. Laut Busfahrer können wir den mit unsern Bahntickets sogar benutzen. Die Räder nimmt er auch mit (Foto links).
Eine junge Französin und zwei noch jüngere Inderinnen schließen sich auch noch an. Die frühe Zugverbindung von Forbach weiter via Metz und Nancy nach Neufchâteau an die Meuse ist passé. Es bleibt noch eine zweite. Eigentlich sollen die französischen Eisenbahner heute nicht streiken. Aber der erste Zug des Tages war da ein schlechtes Omen.
Nächste Etappe: etwa eine Stunde Wartezeit im Bahnhof von Forbach. Französin und Inderinnen setzen sich zu uns. Die Französin, Amélie, die mit einem luxemburgischen Mann und zwei gemeinsamen Kindern als Querflötenlehrerin in Saarbrücken lebt, will nach Metz, um sich eine neue Job-Möglichkeit anzusehen. Die Inderinnen, Nivethita und Rutuja, sind gerade seit ein paar Tagen in Deutschland, um zwei Jahre hier Elektrotechnik oder so was zu studieren. Sie machen einen Tagesausflug nach Metz. Das tolle: man kann sich mit den jungen Frauen unterhalten, ohne dass permanent ein Smartphone gezückt wird. Die Französin hat, wie sich später herausstellt, jegliche Handys vor vier Jahren aus ihrem Leben verbannt. Gemeinsam sitzen wir im Zug nach Metz (Foto oben).
Wir steigen in Metz direkt um in den Zug nach Nancy. Dort haben wir rund zweieinhalb Stunden Zeit. Wir machen eine Radl-Tour zu den Jugendstil-Highlights der Stadt (Fotos unten).


Vor dem Bahnhof von Nancy Ville
Miri ruht vor dem Bahnhof von Nancy

Pharmacie Godfrin du Point-Central, Nancy
Christoph vor einer Jugendstil-Apotheke

Villa Majorelle, Nancy
Villa Majorelle


Briefkasten und Fahrradschild 'Nord' de la Meuse à Vélo an einer Hauswand bei Neufchâteau Ich habe mich lange gequält mit der Planung für diese Tour. In der engeren Auswahl waren eine Fortsetzung der Loire-Tour des vergangenen Jahres von der Mündung runter zu den Pyrenäen, ersatzweise der Canal des deux Mers (Canal du Midi + Canal de Garonne), eine Tour an der bulgarischen Schwarzmeerküste, die üblichen verdächtigen Mittelmeerinseln wie Kreta oder Korfu, aber auch viele supergünstige RyanAir-Flugziele rund ums Mittelmeer, inzwischen nicht nur von "Frankfurt"-Hahn sondern auch von Frankfurt International aus. Korfu für 9,99 Euro. Krank. Aber verlockend. Hauptproblem: der Zustand meiner Halswirbelsäule macht ungewiss, wie viel ich pro Tag und überhaupt werde radeln können. Das stellt Rad-Flugtransporte oder Mieträder an mediterranen Destinationen ebenso in Frage, wie Gewalttouren mit dem Auto über tausend und mehr Kilometer.
Am Ende schob sich die Maas ins Visier und die Entdeckung, dass sie in Frankreich Meuse heißt. Vergleichsweise gut erreichbar, heimatnah und doch im geliebten frankophonen Ausland. So entstand vorgestern die Planung und jetzt erreichen wir den Fluss Samstagmittag um 13.30 Uhr in Neufchâteau 50 Kilometer südlich der Quelle. Ein bisschen hatten wir noch auf eine Transportmöglichkeit dorthin gehofft. Aber danach sieht es hier nicht aus. So suchen wir die Strecke. Und finden noch im Ort unerwarteter Weise eine Beschilderung der "Maasfietsroute" (Foto rechts). Einziges Problem: es geht nicht nur bergauf, sondern vor allem gegen starken Südwind. Kaum außerhalb der Stadt prüfe ich die Lage und plädiere für eine 180-Grad-Wende. Also, zurück durch Neufchâteau auf dem Zickzack-Kurs des Maas-Radwegs und Richtung Norden zur Mündung. Wir verzichten auf die Quelle. Bekommen von netten Anwohnern noch Wasser für unsere leeren Flaschen. Es ist warm. Und wir lassen uns vom Wind treiben parallel zum Fluss, der hier schon ein beachtliches Volumen hat. Und fast noch Hochwasser.
Nach ein paar Kilometern entlaste ich meine Halswirbelsäule zusätzlich. Ich setze den Helm ab und lege ihn in den Korb. Ein Käppi muss reichen. Alle möglichen Menschen haben sich in den vergangenen Monaten um eine Verbesserung bemüht. Dr. Klaus Voigt, ein 73 Jahre alter Orthopäde in Frankfurt, hat den obersten Halswirbel, den Atlas, beherzt freigeputzt. Zwei Physiotherapeuten im Reha-Zentrum Mombach haben mit ganz unterschiedlichen Methoden Fortschritte erzielt. Der letzte Durchbruch fehlt noch. Und so komme ich schon in Domrémy, dem Geburtsort von Jeanne d'Arc an meine Grenzen. Die Schmerzen sind, auch durch Zugtransport und Stadtverkehr in Nancy, zu groß.
Kurz vor dem Ort auf den Höhen der ihr gewidmeten Basilika, versuche ich im Gästehaus eine Unterkunft zu erhaschen. Die Zimmer sind aber nur für "Pilger" gedacht. Ich würde uns dazuzählen, die Dame tut es nicht. Unten im Ort finden wir ein sehr schönes Gästezimmer. Und können so die Abendmesse in der Taufkirche von Jeanne d'Arc (Foto unten) mitnehmen. Wo wir erstmals den 2017 veränderten Text des Vater Unser hören: aus "ne nous soumets pas à la tentation" ist "ne nous laisse pas entrer en tentation" geworden.


Domrémy-la-Pucelle: Taufkirche von Jeanne d'Arc
Taufkirche von Jeanne d'Arc

Denkmal von Jeanne d'Arc vor der Basilique du Bois-Chenu bei Domrémy-la-Pucelle
Denkmal von Jeanne d'Arc vor der Basilique du Bois-Chenu

Brücke über die Meuse/Maas in Domrémy-la-Pucelle
Brücke über die Meuse/Maas in Domrémy-la-Pucelle

Zimmer im Le Clos Domremy
Unser uriges Quartier

Blühende Allee zwischen Domrémy-la-Pucelle und Greux
Blühende Allee Richtung Greux


Jeanne-d'Arc-Kirchenfenster in Chalaines Baguette, Croissants und die Heimat der Madeleines
Sonntag, 8. April 2018: Domrémy-la-Pucelle - Commercy (58 km)

Das größte Drama des Morgens: Miri hat die die Katze, die wie wild an unserer Zimmertür kratzt, aus dem Haus gelassen. Kurz darauf steht der Patron in der Tür, mittelmäßig aufgelöst. Wo denn die Katze sei. Draußen sei sie extrem gefährdet. Miri versucht mit, die Katze zu finden. Anfangs vergebens. Wir frühstücken erst mal. Baguette, Croissants. Wir sind in Frankreich.
Bei dem reduzierten Tagesprogramm von angestrebten 50 Kilometern können wir es uns leisten, erst um viertel nach elf loszufahren. Es ist angenehm warm. Obwohl sich die Sonne meist hinter einer dünnen aber durchgehenden Wolkendecke verbirgt. Das Tal ist weit. Gleichwohl werden wir gelegentlich an der Höhe entlang geführt. Doch die Höhenzüge am Rand sind nicht allzu hoch. Dadurch ist das Tal nicht spektakulär. Dennoch schön. Und ruhig.
Bei einer kleinen Mittagspause an der Kirche von Chalaines zeigt sich die Sonne mal mit ihrer ganzen Frühlingskraft. Da ist sie fast schon zu warm. Gegenüber auf der andern Flußseite in Vaucouleurs gleich der nächste Stopp. Auch dieser Ort ist eine Lebensstation von Jeanne d'Arc. Die uns sowieso sehr zuverlässig nicht nur auf Straßenschildern begleitet. In der großen Pfarrkirche sind ihr zwei Fenster gewidmet. Ein altes mit dem englischen Scheiterhaufen und ein relativ modernes mit dem Wunder der Erweckung eines toten Babys (Foto links). Die der Heiligen gewidmete kleine Kirche oberhalb ist geschlossen, wie Miri nach einem kleinen Anstieg feststellt.


Radeln durch französische Orte
Diesmal besser ohne Helm

Kleines Schlösschen am Wegesrand
Kleines Schlösschen am Wegesrand


Mit Kiefer-Dehnungs-Rohr auf einer Maas-Brücke Schon in Vaucouleurs ist die alte Bahnstrecke mit Schotter zu einem Fußgängerweg umgewandelt worden. Außerhalb des Ortes ist weder alter noch neuer Schotter auf der Strecke, aber richtig präpariert als Radweg ist sie nicht. Nahezu zugewachsen. Was eine vierköpfige Familie nicht davon abhält, sich dadurch zu quälen. Wir bekommen sie von der Straße aus nur kurz zu sehen.
Kurz vor Ourches-sur-Meuse folgen wir nicht mehr dem offiziellen Radweg, der über die Höhen nach Void-Vacon führt. Wir bleiben im Meuse-Tal, auch wenn der Weg hinter Ourches zum Feldweg wird. Ich setze jetzt mal versuchsweise mein kleines Rohr-Eckstück in den Mund (Foto rechts). Ich habe es im Baumarkt für etwa einen Euro erworben. Mit der etwas dünneren Seite dehnt es den Kiefer schon ganz gut, etwas brutaler mit der dickeren Seite. Sofort werden die Halswirbel offenbar so gelockert, dass Nerven kaum noch abgeklemmt werden.
Zurück auf dem Asphalt unterqueren wir den "Canal de la Marne au Rhin", den wir auf anderen Touren schon gelegentlich genutzt haben. Hier überquert er in luftiger Höhe die Meuse. Von ihm zweigt der Canal de l'Est ab, den wir kurz darauf begleiten. Zumindest lauten so die Schilder. Auch wenn er in diesem Bereich schon vor 15 Jahren in Canal de la Meuse (Maas-Kanal) umbenannt wurde. Er wird uns bis zur belgischen Grenze begleiten.
In Commercy rollen wir direkt zum riesigen Schloss (Foto unten). Auch das steht in Verbindung mit dem früheren polnischen König Stanislas, der uns gestern schon in Nancy begegnete. Mit ihm verbunden ist auch die Legende von den kleinen, süßen, typisch französischen "Madeleines". Die sollen hier in Commercy erfunden worden sein. Von einer Köchin, die damit auch bei Stanislas reüssierte. Vor hundert Jahren wurden sie auch am Bahnhof, beim Halt der Züge, am Fenster angeboten. Wir fahren raus zum "Hôtel de la Madeleine". Direkt daneben ist ein kleiner Werksverkauf, wo man die handwerkliche Produktion beobachten kann. Am Sonntagnachmittag eher nicht. Verkauft wird trotzdem. Wir verspeisen sie mit dem dazu gebotenen Rotwein. Nach einer deutlich längeren Etappe, die nach den 20 Kilometern gestern nicht zu erwarten war.


Schild 'La Meuse' bei Commercy
Bei Commercy

Schloss von Commercy
Schloss von Commercy


Radweg am Canal de la Meuse in Commercy Weltkriegs-Erinnerungen
Montag, 9. April 2018: Commercy - Verdun (60 km)

Nicht nur die Madeleine-Bäckerei ist neben dem Hotel. Auch ein Lidl. Der öffnet um 8:30 Uhr. Früh genug, damit Miri Frühstück und Verpflegung besorgen kann. Wir starten wieder erst um viertel nach elf. Da ist es auch heute recht warm. Wenn auch bedeckter als gestern. Den gut asphaltierten Raduferweg, der hier beginnt, haben wir gestern schon entdeckt (Foto links). Leider ist er nur rund fünf Kilometer lang. Von da an folgen wir Landstraßen. Die vor St. Mihiel auf die Höhen führen (Foto unten). Unten in der Stadt sind wir reif für eine Pause. Der Kunde in der Bäckerei will mich davon abhalten, eine Zeitung zu kaufen. Draußen gebe es doch ein kostenloses Anzeigenblatt. Dann schwärmt er draußen an unserer Pausenbank von seinem Ebike. Was uns nicht allzu stark interessiert. Die Einwohnerzahl von 5200 um die Jahrtausendwende hat innerhalb von 15 Jahren um ein Fünftel abgenommen. Entsprechend viele Häuser stehen leer.


Rad-Umweg vor St. Mihiel
Kleiner Umweg durch die Berge vor St. Mihiel

Radler auf Maas-Brücke
Noch eine Maas-Brücke


Birke auf ehemaliger Zugtrasse an der Meuse/Maas Die zweite Etappenhälfte führt nun fast ausschließlich an der D34 entlang. Mit Rückenwind. Das geht zügig. Meist unmittelbar zur Seite wieder eine schon einige Zeit aufgegebene Zugstrecke. Die Gleise liegen noch (Foto rechts). Das würde einen guten Radweg abgeben. Aber die Straße ist wenig befahren.
Die Meuse-Maas bildete im Ersten Weltkrieg in dieser Region lange Zeit in etwa die Frontlinie. St. Mihiel hatten die Deutschen als Vorposten Richtung Westen erobert. In Dugny-sur-Meuse stoßen wir auf den ersten großen französischen Soldatenfriedhof. Auch muslimische Gräber aus dem Zweiten Weltkrieg sind dort (Foto unten). Unsere Unterkunft in Verdun heißt "Les Victoriennes". Direkt an der festungsähnlichen Stadtmauer.
Wir machen noch einen Spaziergang in den Ort. Die Stadt London hat Verdun nach dem Ersten Weltkrieg eine großzügige, nach ihr benannte Uferpromenade spendiert. Ein Kriegsdenkmal mit riesigen Soldaten steht am andern Ufer (Fotos unten). Wir ziehen hinauf zur Kathedrale. Der ehemalige Bischofspalast ist jetzt ein Zentrum für den Frieden. Eine der Ausstellungen ist dem Ende des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren gewidmet. Sie illustriert die Entwicklung auf Gebieten wie Politik, Medizin, Waffen, Taktik, die der Erste Weltkrieg mit sich brachte.


Französischer Soldaten-Friedhof in Dugny-sur-Meuse: muslimische Gräber aus dem Zweiten Weltkrieg
Muslimische Soldatengräber aus dem Zweiten Weltkrieg in Dugny-sur-Meuse

Soldaten-Denkmal am Place de la Nation in Verdun
Soldaten-Denkmal am Place de la Nation...

Soldaten-Denkmal am Place de la Nation in Verdun
...in Verdun

Quai de Londres, Verdun
Quai de Londres


Monument de la Hollande amie, Verdun: Kriegsdenkmal der befreundeten Niederlande zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg Trampend zum Biermuseum
Dienstag, 10. April 2018: Verdun - Mouzay (52 km)

Krönung des Frühstücks, das im Zimmer serviert wird, ist frisch gepresster Orangensaft. Verdanken wir wohl dem angeschlossenen Früchtehandel. Wider die Prognose ist das Wetter sonnig und ähnlich warm wie in den vergangenen Tagen. Noch einmal kommen wir durchs Stadtzentrum von Verdun vorbei am London-Kai und dem Soldatendenkmal (Fotos oben und links).
Wir fahren eine Weile auf der D38. Die führt durch die Trümmer des Ortes Cumières-le-Mort-Homme. Der wurde nach dem Ersten Weltkrieg nicht wieder aufgebaut, weil der Boden durch Blindgänger und Giftgasreste verseucht war. Deshalb ist jetzt ringsherum Wald, in dem wir ein ruhiges Stündchen mit Napp resp. Lektüre der aktuellen Ausgabe des "L'Est Republicain" verbringen. Ansonsten ersparen wir uns heute die nahe gelegenen französischen, amerikanischen und deutschen Soldatenfriedhöfe.
Einen Großteil der Strecke werden wir wieder von der zugewachsenen Bahnstrecke begleitet. Nur in Forges-sur-Meuse wird sie für wenige Kilometer als "Vélo-Rail" mit Draisinen genutzt. Das Rohr nutze ich heute nur kurz zum Kiefer-Dehnen. Die Muskulatur an der Schulter scheint dadurch zu sehr zu verspannen.


Radlerin auf den Höhen bei Verdun
Höhen und Wälder bei Verdun

Radler in einem Wald bei Verdun


Speichen einstellen mit dem Speichenspanner Unsere kurzen Etappen lassen uns schon früh das Tagesziel erreichen. Heute schon vor 15 Uhr. Lisa hat in Mouzay nach einer Weltenwanderung Gästezimmer geschaffen, die dem Namen "Les Beaux Arts" alle Ehre machen. Flügel, Cembalo und andere Instrumente stehen nicht nur herum, sondern werden auch gespielt.
Eine Speiche am Hinterrad ist gebrochen, einer anderen fehlt das Gewinde, das möglicherweise verschwunden ist, als ich vor der Tour einen brauchbaren Mantel aufgezogen habe. Alle Speichen hinten sind extrem locker. Ich kann alles halbwegs reparieren und alle Speichen soweit anziehen, dass das Rad nicht allzu sehr eiert (Foto rechts).
Ich will noch zu dem vier Kilometer entfernten "Europäischen Biermuseum" nach Stenay. Per Auto-Stopp. Ich versuche noch keine fünf Minuten zu trampen, da hält ein kleiner Zweisitzer. Der Fahrer beschleunigt das Mini-Auto bis auf 80 Stundenkilometer. So bin ich in wiederum weniger als fünf Minuten direkt vor dem Museum. Als einer von drei Besuchern schlender ich bis zur Schließung durch die Geschichte der Gärgetränke von der Steinzeit bis ins zwanzigste Jahrhundert (Fotos unten). Bis in eine Taverne, in der man vielerlei Bier trinken und noch mehr kaufen kann.
Das Zurücktrampen zieht sich so lange hin, dass ich schließlich laufe. Am Ortsausgang hält dann doch ein junger Fahrer von sich aus, der mich zuvor hat trampen sehen.


Bierbraukessel im Europäischen Biermuseum von Stenay
Im Europäischen Biermuseum von Stenay

Werbeposter 'Bières de la Meuse' im Europäischen Biermuseum von Stenay
Maas Bier


Kühe auf Weide bei Yonck Elends-Verfilmung am Kriegsschauplatz
Mittwoch, 11. April 2018: Mouzay - Sedan (55 km)

Mit uns im Haus: drei Radler, die das Rennabenteuer "French Divide" vorbereiten. Eine Tour, bei der nach amerikanischem Vorbild im August auf der Jakobsroute Radler mit Bikepacking quer durch Frankreich zu den Pyrenäen radeln.
Miri liegt in der Hängematte. Ich hänge am Computer. Wir zögern unseren Start hinaus. Unser AirBnB-Quartier in Sedan, unser zweites ever, können wir erst um 16 Uhr entern. Um kurz nach elf rollen wir deshalb erst durch Lisas Garagentor.
Es ist wieder schön warm. Bei Stenay fahren wir wieder ans Westufer, zurück zur offiziellen Radweg-Route. Weiterhin auf kleinen Straßen. Allerdings bald nicht mehr direkt an der Meuse. Der Weg macht eigenartige Zickzack-Bewegungen in die Hügel. So kommen wir zu einer Pause in Beaumont-en-Argonne. Wo ich auf dem Friedhof Soldatengräber für französische und deutsche Soldaten entdecke. An einem einzigen Tag, dem 30. August 1870, fielen hier als Vorbereitung der Schlacht von Sedan zwei Tage später (s.u.) 5.700 Franzosen und 3.400 Deutsche.
Etwas unterhalb neben der Kirche des Ortes stehen drei alte Häuser, die den Bürgersteig überdachen (Foto unten). Hier fahren wir nach rechts. Um ein weiteres Zickzack via Yonck abzuradeln. Wunderschönes kleines Tal. Mit Rindern (Foto links). Aber Umweg.
Erst in Mouzon sind wir wieder richtig im Meuse-Tal. Auch hier ist eine Pause fällig. Neben einer der ersten gotischen Kirchen in Frankreich, der Abteikirche der Benediktiner aus dem zwölften Jahrhundert. Nach einer Renovierung im 19. Jahrhundert wieder sehr gotisch rein (Fotos unten).


Im Zentrum von Beaumont-en-Argonne
Im Zentrum von Beaumont-en-Argonne

Abteikirche Notre-Dame in Mouzon
Abteikirche Notre-Dame in Mouzon

Tympanon mit Heimgang Mariens in Mouzon
Tympanon mit Heimgang Mariens in Mouzon

Querschiff: Gotik in Mouzon
Querschiff: Gotik in Mouzon

Radler an der kanalisierten Meuse bei Remilly-Aillicourt
An der kanalisierten Meuse bei Remilly-Aillicourt

Magnolienblüte
Magnolienblüte


Radlerin an der kanalisierten Meuse zwischen Remilly-Aillicourt und Sedan Auf der Straße geht es weiter. In der Ferne sehen wir aber Bauarbeiten mit großen Kränen direkt an der Meuse. Möglicherweise für den Radweg, der bis Mouzon ausgebaut wird. Momentan beginnt er in Remilly-Aillicourt, ein paar Kilometer vor Sedan. Wunderbar asphaltiert, direkt am kanalisierten Fluss. Praktisch bis zur belgischen Grenze.
Punkt 16 Uhr stehen wir im Zentrum vor unserm gebuchten Quartier. Innerhalb von zehn Minuten ist unser Gastgeber Laurent vor Ort. Eine sehr schöne Maisonette-Wohnung übernehmen wir für 19 Stunden. Mit 30-stelligem Wlan-Code.
In der Straße vor dem Haus wird ein Film gedreht. Die BBC produziert eine sechsteilige Neu-Inszenierung von Victor Hugos Klassiker "Les Misérables" (Die Elenden). Entsprechend sind Uniformen, Fahnen und Kostüme aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zu sehen (Foto unten). Wir vermuten angesichts der Barrikaden zunächst, dass die (entscheidende) deutsch-französische Schlacht von Sedan mit rund 3.000 Toten pro Seite und rund 100.000 französischen Kriegsgefangenen, darunter Kaiser Napoleon III., vom 1./2. September 1870 verfilmt wird.
Wir ziehen rauf zur Festung. Werden um 16.59 Uhr, eine Minute vor offizieller Schließung, nicht mehr für den zweistündigen Rundgang reingelassen. Die Frau am Einlass meint unmotiviert, wir wären zu spät. Bleibt ein Rundgang durch den momentan von den Filmaufnahmen geprägten Ort.


Dreharbeiten für die BBC-Verfilmung von 'Les Misérables' in Sedan
Dreharbeiten für die BBC-Verfilmung von 'Les Misérables' in Sedan

Château Fort de Sedan
Die Burg Sedan

Monument aux Morts 1870-1871, Sedan
Impavidus numero victus: Denkmal für die Gefallenen von 1870/71 in Sedan


Kirchenfenster in der Basilika Notre Dame D'Espérance, Charleville-Mézières
Donnerstag, 12. April 2018: Sedan - Monthermé (54 km)

Morgenlob und Morgenmesse starten um 8.30 Uhr nicht wie erwartet in der Hauptkirche direkt neben unserer Wohnung am Place d'Armes. Wir schwingen uns kurzerhand auf die Räder zur Kapelle Johannes XXIII. Vier Ordensschwestern, vier Laien und ein Priester beten die Laudes. Wir gesellen uns dazu. Während der Messe gibt es sogar eine Predigt. Am Ende wünscht uns der Priester auf Deutsch einen "Guten Tag".
Von nun an also der Flussradweg "Voie verte Trans-Ardenne" - der grüne Weg durch die Ardennen. Der perfekt ausgebaute 110 Kilometer lange Radweg von Sedan bis zur französisch-belgischen Grenze. Die ganz extremen Schleifen spart er mit Hilfe der Kanal-Abkürzungen ab. Schon bei Glaire kurz hinter Sedan.
Als der Weg kurz mal nicht direkt am Ufer entlangläuft, holen wir einen Rennradler ein, der uns zuvor überholt hat. Das Hinterrad ist platt. Aber er hat schon Hilfe herbeitelefoniert.


Place Ducale in Charleville-Mézières
Pause auf dem Place Ducale in Charleville-Mézières


Passerelle du Mont Olympe vor dem Musée Rimbaud in Charleville-Mézières Pause in der Doppelstadt Charleville-Mézières. Im ersten Ortsteil erklimmen wir den Berg mit der Basilika und ihren interessanten Kirchenfenstern (Foto links). Im andern Ortsteil lassen wir uns auf dem herzoglichen Platz aus dem 17. Jahrhundert nieder (Foto oben). Sehr schöner, sehr großer Platz. Bevor es um das Musée Rimbault herum weiter nach Norden geht (Foto rechts). Jetzt beginnen die Ardennen so richtig. Die Meuse-Maas ist schon seit Neufchâteau recht mächtig. Dass sie sich einen Weg durch die Ardennen gebahnt hat, ist beachtlich. Der breite Fluss schiebt sich durch das jetzt enge Tal.
Eine tolle Szenerie, und doch wirken die Orte mit ihren kleinen Industriebetrieben angenehm untouristisch. Auch unser heutiger Zielort Monthermé (Fotos unten). Die Orte sind größer, als sie mit ihrem schmalen Besiedlungsband am Ufer zunächst wirken. Am frühen Abend laufen wir noch eine ganze Weile in alle Richtungen. Kirche, Rathaus, alte Prämonstratenser-Abtei, Supermarkt: alles findet sich über längere Wege verstreut.


Abendstimmung an der Maas-Schleife in Monthermé
Abendstimmung an der Maas-Schleife in Monthermé


Im Wald oberhalb von Monthermé Wanderung und Übernachtung im Yoga-Studio
Freitag, 13. April 2018: Monthermé - Givet (61 km)

Beim morgendlichen Gang zum Croissants- und Zeitungskauf entdecke ich die wahren Attraktionen von Monthermé auf den Postkarten im Presseladen: die "Roche de 7 heures" und die "Longue Roches": Felsen auf den Ardennenhöhen über der Stadt. Wir hieven unser Gepäck auf die Räder, lassen sie im Hotel stehen und steigen den Berg hinauf. Anfangs auf der Straße. Dann beginnt auf der Höhe ein wunderschöner, schmaler Wanderweg durch den Wald, immer wieder unterbrochen von kleinen Felspartien, mit grandiosen Blicken auf den Ort im Tal (Fotos links und unten). Die Felsen, die um sieben Uhr morgens mit ihrem Quarzit so toll aussehen sollen, können wir nicht identifizieren. Bei den "langen Felsen" führt der Rundweg für uns wieder ins Tal. Ein sehr schöner zweistündiger Spaziergang, fast eine Wanderung bereichert diesen Tourtag.


Maas-Schleife in Monthermé von oben
Maas-Schleife in Monthermé von oben


Fahrt in den Maas-Tunnel von Revin Dann genießen wir das Tal wieder von der glatten Asphaltpiste am Rande der Meuse aus. In langen Schleifen zieht sich der Fluss durch die Ardennen. Der Bogen um Revin bleibt uns erspart. Dank eines Tunnels, in dem sowohl Kanal als auch Radweg verlaufen (Foto rechts). Kurz darauf führt der Radweg ausnahmsweise mal ein wenig vom Ufer weg. Die detaillierte Karte der Departement-Verwaltung der Ardennen hat jeden einzelnen Kilometerstein markiert, den wir passieren. Da lässt sich gar nichts mehr verfehlen.
In Chooz machen wir noch eine Pause kurz vor dem Ziel. Stört bei der Anfahrt etwas das nahe gelegene Atomkraftwerk, so ist der Ort selbst eine harmonische Einheit. Der Felsstein, mit dem Häuser und Kirchen gebaut sind, ist ein wenig heller als bisher. So erscheint der Ort noch freundlicher und gleichzeitig urig.
Bei Kilometerstein 1 des französischen Ardennen-Radwegs sind wir im Grenzort Givet. Das französische Gebiet bildet hier mit dem Meusetal einen Einschnitt in das umliegende belgische Staatsgebiet. Wir haben ein ungewöhnliches AirBnB gewählt: unsere Unterkunft ist Teil eines Yoga-Studios. Um halb sieben ist noch ein Yoga-Kurs. Da verdünnisieren wir uns zu einem Rundgang durch Givet. Trinken belgisches Bier mit Himbeer-, Kirsch- und Pfirsich-Geschmack. Und essen einen Fisch-Salat im Restaurant am Flussufer (Fotos unten).


Kirsch- und Pfirsichbier: Kriek und Pecheresse
Kirsch- und Pfirsichbier am Abend in Givet

Leckerer Abendsnack im Restaurant Giv' & Mouettes, Givet
Leckerer Abendsnack im Restaurant Giv' & Mouettes


Radfahrt über die französisch-belgische Grenze bei Heer-Agimont Belgische Schönheiten
Samstag, 14. April 2018: Givet - Grenze Frankreich/Belgien - Namur (61 km)

Auch das Frühstück neben unserm runden Yoga-Bett ist formidabel. Vor dem ersten Yoga-Kurs von Florence um halb zehn sitzen wir bereits in den Sätteln. Ungewöhnlich für diese Tour. Und daher auch ungewöhnlich kalt.
Auch wenn der Radweg zum Grenzübergang hin merkwürdigerweise vom Fluss wegführt, bleiben wir auf der wenig befahrenen Straße an der Meuse. Nach knapp vier Kilometern kommt der Grenzübergang (Foto links).
Der belgische Radweg ist zunächst etwas holpriger. Wenn er am Ufer entlang führt, dann meist so, dass die Piste direkt ans Wasser ranreicht. Schon nach ein paar Kilometern führen Fluss, Radweg, Straße und ehemalige Eisenbahnschienen am Schloss Freÿr vorbei. Wir pausieren zunächst auf den Pontonbrettern am Fluss, bis das Schloss um elf Uhr öffnet. Dann werden wir mit den Rädern ganz freundlich hereingebeten in den Schlosshof. Schloss und Garten erinnern uns ein bisschen an unsere Loire-Tour vor genau einem Jahr (Foto unten).


Die Gärten von Schloss Freÿr
Gärten von Schloss Freÿr


Zitadelle und Kirche von Dinant mit belgischer Fahne Schon ein paar Kilometer weiter ist die nächste Kulturpause angesagt. Unterhalb der Zitadelle von Dinant hat die gotische Kirche (Foto rechts) ein riesiges Querschifffenster mit vielen sehr schönen biblischen Motiven zu bieten.
Die Ardennen-Felsen am östlichen Flussufer schaffen nun immer wieder eine tolle Szenerie (Fotos unten). Es ist die bisher schönste Etappe. Zumal auch meist die Sonne scheint.
Meine Pedale samt Kugellager vorne geben merkwürdige Laute von sich. Das kann ich zunächst in einer Fahrradwerkstatt am Wegesrand durch Anziehen der Schrauben beheben. Aber ein bisschen knackt es auch danach noch. Das rechte Pedal ist wohl hinüber. Noch kann ich damit fahren.
In Sichtweite der Zitadelle von Namur führt uns Google Maps auf die Höhe. Durch ein Seitental erklimmen wir die Höhe unseres Quartiers. Im Villenviertel am Rand der Zitadelle haben wir ein Zimmer über AirBnB gebucht. In der Villa einer Rechtsanwältin haben wir das Souterrain abbekommen, das durch die großen Glasfenster wie mitten im Wald wirkt (Foto unten).


Zufahrt auf Houx
Zufahrt auf Houx

Radschilder RAVeL Meuse - La Meuse à vélo - Maasfietsroute, EuroVelo-Route 5
Auf der EuroVelo-Route 5: Via Romea: London - Brindisi

Felsen an der Meuse
Viele schöne Felsen am Ufer


Miriam, Mirjam und Chris in Namur: Le panorama an der Zitadelle Nicht-Radl-Tag
Sonntag, 15. April 2018: Namur

Der Sonntag ist mal wieder ein Nicht-Radl-Tag. In der nahe gelegenen Chapelle St. Albert, die eher einer ganz gewöhnlich großen Pfarrkirche gleicht, feiert ein sehr junger Priester mit einigen Pfadfindern und wenigen Gemeindegliedern den Sonntagsgottesdienst.
Viertel nach elf ist heute mal nicht die Abfahrtszeit sondern die Ankunftszeit von Groß-Nichte Miriam am Bahnhof. Zweimal haben wir sie auf unseren Touren während ihres Studiums in Edinburgh getroffen, jetzt volontiert sie bei einer Behindertenorganisation in Brüssel. Mit ihr machen wir einen Stadtrundgang, erklimmen die Zitadelle und stoßen mit belgischem Fruchtbier (Foto links) auf den 20. Geburtstag ihrer Schwester Hannah an, mit der ich im vergangenen Mai von Riga nach Minsk geradelt bin.
Den Rest des Tages genießen wir unser AirBnB-Zimmer am Waldesrand im Villenviertel (Foto unten).


AirBnB-Quartier im Villenviertel von Namur
Unser AirBnB-Quartier im Villenviertel von Namur

Zitadelle von Namur am Zusammenfluss von Sambre und Meuse
Zitadelle von Namur am Zusammenfluss von Sambre und Meuse


Neues Pedal von Pro Velo Namur Mit Westwind durch Wallonien
Montag, 16. April 2018: Namur - Lüttich (75 km)

Zwischenstopp am Bahnhof von Namur: in der Straßenfront des Bahnhofsgebäudes ist ein Fahrradverleih/reparatur/geschäft: Pro Velo Namur. Sie haben genau die richtigen Pedale und installieren sie auch innerhalb von wenigen Minuten (Foto links). Kostenlos. Jetzt knirscht keine einzige Kugel mehr - nirgendwo. Alles rollt rund. Mit Blick zurück auf die Zitadelle (Foto oben) radeln wir rüber auf die Westseite der Meuse, auf der wir heute weitgehend fahren werden. Meistens zunächst unmittelbar an der Kaimauer. Sehr naturnah. Sehr wassernah. Im Fall des Falles könnte das auch zu nah sein.
Der Westwind tut sein übriges. Der Wind, der uns bisher aus Süden unterstützt hat, hat genau im richtigen Moment gedreht. Wie stets bei etwas Rückenwind, spüren wir die Erschöpfung erst bei der Pause. Auf dem Grand' Place von Huy. Dessen Zitadelle drohend über der Stadt liegt (Foto unten). Im Zweiten Weltkrieg haben die Deutschen daraus ein Konzentrationslager gemacht. Für die Elite Walloniens.


Maas-Wehr zwischen Namur und Huy
Maas-Wehr zwischen Namur und Huy

Zufahrt auf Huy mit seiner Zitadelle
Zufahrt auf Huy mit seiner Zitadelle


Skyline von Lüttich mit Tour Paradis oder Tour des Finances de Liège Die zweite Tageshälfte ist bei Weitem nicht so schön wie die erste. Am Ortsausgang von Huy wartet ein großes Atomkraftwerk. Und vielfach müssen wir jetzt auf der Straße fahren. Da sind wir kaum noch dran gewöhnt. Und weitere Industriebetriebe säumen den Weg. Wir nähern uns der Industriestadt Lüttich-Liège (Foto rechts). Die Einfahrt in die Stadt verläuft auch nicht am Fluss. Am schönsten ist noch ein kleiner Seitenkanal, in dem träge unterschiedlichste Schiffe liegen. Drei Kilometer vor unserem "Studio" machen wir hier noch eine kleine Pause.
Der Anbieter der Unterkunft, "Soufiane", wischt gerade den schmalen Flur des schmalen dreistöckigen Gebäudes. Zwei Studios bietet er sowohl über AirBnB als auch booking.com an. Direkt am Quai Bonaparte. So haben wir einen Blick auf den Kanal-Fluss (Foto unten). Die Räder können unten im Gang stehen bleiben.


Blick auf den Quai de la Dérivation am Morgen, Liège/Lüttich
Blick auf den Quai de la Dérivation am Morgen

Radler am Canal Albert
Am Canal Albert


Brücke über den Canal Albert, Rue du Garage, Visé, Wallonische Region Geheimtipp Julianakanal
Dienstag, 17. April 2018: Lüttich - Grenze Belgien/Niederlande - Roermond (92 km)

Die Ausfahrt aus Lüttich ist sehr viel schöner als die Einfahrt. Jetzt können wir wieder direkt am Fluss fahren. Auch durch den großen Hafenbereich. Eine Frau wendet sich etwas verzweifelt an uns. Sie sucht die Brücke Marexhe. Wir schauen nach und können helfen: es ist die nächste Brücke. Immer am Kai lang.
Der Strom hat sich geteilt: in Maas und Canal Albert (Foto links). Dann werden wir auf die Insel zwischen beiden Wasserstraßen geführt. Wohl hauptsächlich, um zur Stadt Visé zu führen. Dafür muss man die ein oder andere Straße überqueren, was unnötig ist. Denn letztlich sind wir wieder am Canal Albert. Unmittelbar vor der Grenze zu den Niederlanden, deren Provinz Limburg mit der Stadt Maastricht sich weit in einen südlichen Zipfel erstreckt, wird der Kanal durch einen der letzten Ardennen-Berge geführt (Foto unten). Für die Kanal-Schneise mussten enorme Felsmassen gesprengt werden. So führt der Kanal auf belgischem Staatsgebiet um den holländischen Limburg-Zipfel herum. Allerdings überqueren wir hier auch die Grenze von Wallonien nach Flandern. Der Canal Albert wird zum Albert-Kanal (Albertkanaal). Die Beschilderung der wallonischen Ravel-Fernradwege verschwindet unvermittelt. Stattdessen befinden wir uns plötzlich auf der "Flandernrundfahrt". Wir machen eine letzte Pause am Canal in Belgien.


Abzweig Canal Albert vor Maastricht
Abzweig Canal Albert vor Maastricht

Radler am Julianakanal in Holland
Am Julianakanal in Holland


Radlerin am Julianakanal in Holland Die Maas beginnt nun zu mäandern. Im Grenzbereich ist sie nicht schiffbar. Und Google Maps schlägt uns eine längere Strecke am Julianakanal (Julianakanaal) vor. Auch der ein Maas-Seitenkanal. Dazu müssen wir vom Albertkanal nur ein kurzes Stück rüberfahren - zuletzt auf der Autobahnbrücke von Belgien in die Niederlande. Nach rund 360 Kilometern Frankreich haben wir 180 Kilometer in Belgien zurückgelegt.
Die ersten Meter am Westufer des Julianakanals sind Baustelle. Hier wird wohl eine Art Radweg gebaut. Vielleicht wird er auch fortgesetzt. Aber bald zeigt sich, dass der Treidelpfad hier nur ganz schmal, meist mit alten Platten - möglicherweise aus der Bauzeit zwischen 1925 und 1935 - belegt ist (Foto rechts). Fahrradfahrer sieht man hier kaum. Hier und da Spaziergänger mit Hunden. Off the beaten track. Dank Google Maps. Rund 25 einmalige Kilometer.
Bei Maasbracht endet der Kanal mit einem großen Schleusensystem. Zeit für die zweite Pause des Tages. Wir sind schon 75 Kilometer gefahren. Touren-Rekord. Meiner Halswirbelsäule geht es nach einer Woche auf dem Rad deutlich besser. Miri massiert meinen Schulterbereich immer wieder, was sehr gut tut.
Für die verbleibenden Kilometer bis Roermond versuchen wir es wieder mit dem Maas-Radweg bzw. deren rudimentärer Beschilderung. Im Zickzack führt uns das unkomfortable niederländische Beschilderungssystem mit seinen Knotenpunkten durch die Orte. Zuletzt fahren wir wieder unterhalb des Deiches. Bevor uns eine weitere Autobahnbrücke in die Stadt Roermond (Foto unten) führt. Wo Schilder nach Düsseldorf, zur A 52 und die vielen deutschen Nummernschilder reichlich desillusionierend sind. Und wo ich am Abend auch noch durch das unvermeidliche Outlet Center mit seinen 200 Läden schlendere.


Blaue Stunde: Abendstimmung an der Munsterkerk (Münsterkirche) im niederländischen Roermond
Blaue Stunde an der Münsterkirche in Roermond


Historisches Rathaus von Venlo Sonnenschirm-Debut des Jahres
Mittwoch, 18. April 2018: Roermond - Venlo - Aijen (67 km)

Roermond spricht sich "Rurmond" aus. Wie sich bei der Touristen-Information herausstellt. Die Festung an (der Mündung) der Rur, die aus der Eifel und dem Venn irgendwie hierhin fließt. Im Gegensatz zu Frankreich und Belgien muss man hier für die Maas-Radkarte zahlen: 2,95 Euro für etwa eine Tagesetappe. Die Karte muss so detailliert sein, weil der Weg unermüdlich im Zickzack verläuft. Er führt selbst da vom Fluss ab, wo man eigentlich wunderbar an ihm radeln könnte. Kurz: wie verfahren uns mehrfach. Schon in Roermond. Und machen bald die sinnlosesten Kapriolen des Weges nicht mehr mit. Dadurch bessert sich meine Stimmung langsam. Das Knotenpunktsystem, das ich noch nie mit Begeisterung betrachtet habe, zeigt mal wieder seine Schwächen. Auf der Karte ist der genaue Straßenverlauf gerade an den Knotenpunkten nicht zu erkennen, weil dort dick die Nummer des Knotenpunktes dargestellt ist. Das schöne Meuse-Maas-Radweg-Zeichen, in dem der Weg zu allererst als "Maasfietsroute" bezeichnet wird, war nur in Frankreich und Wallonien zu sehen.
In Venlo (Foto links) machen wir die erste Pause. Dabei stelle ich fest, dass wir auf der Venloer Seite der Maas durch Steyl gekommen wären, Gründungsort der Steyler Missionare. Hätte ich gern einmal gesehen. Wir brechen nach nicht allzu langer Pause gerne auf, weil es einfach zu heiß ist. 25 Grad sollen es heute werden. Und sind es in der Sonne schon lange.


Windmühle
Holländischer Klassiker: Windmühle

Radfahrt durchs Blütenmeer
Durchs Blütenmeer


Wasserschloss 'Kasteeltuinen Arcen' Wir bleiben am Nachmittag auf der Venloer Seite der Maas. Die dauernden Wechsel der Seite, teils mit Fähren, erscheinen uns sinnlos. Ebenso die Schlenker in die Umgebung. So verpassen wir möglicherweise eine Fahrt durch die vermutlich wirklich sehenswerten "Maasdünen". Das müsste anders kommuniziert werden.
Immerhin an dem Wasserschloss "Kasteeltuinen Arcen" kommen wir vorbei (Foto rechts). Am See "Leukermeer" machen wir die zweite Pause. Hitze, mühsame Wegfindung, teils Gegenwind führen zu erlahmender Energie. Ich versuche, ein Chalet im Fünf-Sterne-Campingplatz am See zu ergattern. Gibt es aber nur für eine komplette Woche. Radeln wir noch ein bisschen weiter. Dem Schild "B & B Maeszicht" hinterher, das wir kurz vor dem Ortsausgang von Aijen finden. Eine sehr schöne Unterkunft direkt am niedrigen Damm, über den hinweg wir die Lastschiffe sehen, die sich die Maas rauf und runter bewegen (Foto unten). Für mein Amstel-Radler spannt der Chef den Sonnenschirm zum ersten Mal in diesem Jahr auf.


Aijen: Blick auf die Maas mit Lastschiff
Aijen: Blick auf die Maas mit Lastschiff


Rathaus von Gennep Schnell geflickt
Donnerstag, 19. April 2018: Aijen - Heerewaarden (81 km)

Auch beim Frühstück erfreut uns die "Maeszicht". Und die Freundlichkeit des Paares, das dieses B&B betreibt. Die Sonne scheint. Kein Wölkchen am Himmel. Die Schiffe schieben sich in der Morgensonne dahin. Ein perfekter Morgen. Auch der Südostwind kommt uns gerade recht.
In Gennep (Foto links) gibt es einen schnellen Discounter-Einkauf, Geldautomaten-Nutzung - nur die Touristen-Info ist geschlossen. Unsere Roermond-Karte ist fast am Ende. Wir nehmen extra die Fähre bei Cuijk (Foto unten), um dort im Museum mit Touri-Info unser Glück zu versuchen und eine Fortführung der Karte zu ergattern. Ich werde empfangen, als wäre ich der erste, der den verwegenen Plan hatte, die Maas bis zur Mündung zu fahren. Tatsächlich mündete die Maas bis 1904 hier bei Nimwegen in den Rhein-Arm Waal. Entsprechend geht auch ein Maas-Radweg hier am heutigen Kanal weiter via Nimwegen nach Arnheim. Wir aber wollen der Maas folgen, wie sie parallel zum Rhein nach Dordrecht-Rotterdam führt. Erst in Grave bekommen wir ansatzweise eine entsprechende Karte. Auch die Karten an den Knotenpunkten sind eine Hilfe. Von Grave an sind wir wieder am Ostufer, das jetzt das Nordufer ist. Von Maas-Radweg-Beschilderung nix zu sehen, aber wir können stundenlang auf dem Damm Richtung Meer fahren.


Blick auf Cuijk: neue moderne Häuser am Wasser
Blick auf Cuijk

Chris on the Bike an der Maas in den Niederlanden
Happy Chris

An der Kirche von Niftrik
An der Kirche von Niftrik


Miri flickt Fahrradreifen Heute soll es noch einmal wesentlich wärmer werden als gestern. Die Zeitungen sprechen vom ersten Sommertag. Umso wichtiger ist uns ein Pausenplatz mit Schatten. Den suchen wir uns schließlich an Bäumen vor der Kirche von Niftrik (Foto oben). Gegen 14 Uhr werden die Kinder aus dem Kindergarten abgeholt. Kurz darauf radeln wir weiter.
Dann eiert mein Hinterrad plötzlich. Miris Blick analysiert einen Platten. Solange der Reifen noch nicht ganz platt ist, schaffe ich es noch mit letzter Luft zum Hafen von Nieuwe Schans. Im Schatten findet Miri das kleine Loch im Schlauch (Foto rechts). Schnell geflickt.
Auch unser Quartier ist auf dieser Seite der Maas. Und zwar genau dort, wo sie der Waal am nächsten kommt. Keine zwei Kilometer breit ist der Landstreifen bei Heerewaarden zwischen den beiden Flüssen. Etwas unterhalb gibt es einen weiteren Kanal zwischen Maas und Waal. Wir fahren kurz auf dem Waal-Damm, auf dem wir vor einem Jahr in anderer Richtung geradelt sind. Dann kommen wir zum Alten Fährhaus von Heerewaarden. Unser Quartier. Vielleicht bringt uns der alte Fährmann morgen sogar mit seiner rechteckigen Fähre auf die andere Seite.


Radler und Storchenpaar
Frühes Storchenpaar

Radeln im Blütenmeer
Miri im Blütenmeer

Morgenstimmung am Oude Veerhuis in Heerewaarden
Morgenstimmung am Oude Veerhuis in Heerewaarden

Frühstück im Oude Veerhuis in Heerewaarden
Frühstück


Kleine Fußgängerfähre von Heerewaarden nach Kessel Rekordetappe gegen den Wind
Freitag, 20. April 2018: Heerewaarden - Willemstad (101 km)

Ein gigantisches Frühstück erwartet uns auf der Terasse des Alten Fährhaus (Fotos oben). Chefin Loes hat Pannekoeken gebacken. Ungefähr zehn. Nur für uns. Dazu Rührei mit Tomaten und Schnittlauch, Lachs, verschiedene Brotsorten, frisch gepresster Orangensaft und und und.
Nach dem Frühstück bringen uns die beiden Restaurant- und Hotelbetreiber mit ihrer eigenen Fähre für fünf Euro über die hier schon riesig breite Maas auf die südliche Seite (Foto links). Hier starten wir von Kessel aus heute ausnahmsweise gegen den Wind. Es ist der eigentlich hier vorherrschende Westwind, der uns bisher erspart blieb. Wir kommen langsamer voran. Vor allem auf dem Deich, auf dem der Radweg meist verläuft. Wir streifen die Ausläufer der Stadt s'Hertogenbosch und sind sonst nur in kleineren Orten unterwegs.
Kurz vor Heusden geht eine weitere Fähre ans Nordufer. Mit ihr verlässt uns auch der Maas-Radweg. Er führt via Dordrecht und Rotterdam nach Hoek van Holland - letztlich identisch mit dem Rheinweg. Das kennen wir vom letzten Jahr. Wir bleiben den ganzen Tag über auf dem Südufer der Maas - die bald zur "Bergsche Maas" wird - ein künstlich angelegter Flussabschnitt der Maas zwischen Well und Geertruidenberg.
In der Zitadelle Heusden entdeckt Miri "Appelbollen", zunächst von uns als "Appelbommel" verstanden: einen gebratenen Apfel gefüllt mit Marzipan, umhüllt von Teig-Zucker-Nuss-Mantel. Ein Bratapfel deluxe.
Wir kämpfen uns weiter gegen den Wind nach Westen. Auf dem Overdiepse Polder zwischen Bergsche Maas und Oude Maasje glauben wir zu sehr an Google Maps. Wir bleiben fast bis zum Westzipfel auf dieser Insel. Doch die Fähre, die Google Maps dort verortet, fährt frühestens ab Mai. Auch ein holländischer Spontanradler, der angesichts des sommerlichen Wetters heute kurzfristig frei genommen hat, fährt den Steg an, an dem wir leicht frustriert Mittagspause machen. Etwa acht Kilometer Umweg. Und das obwohl wir heute sowieso schon 90 Kilometer geplant hatten - bis zur Zitadelle Willemstad, ganz im Westen des Festlands.


Containerschiff auf der Maas mit Radler
Container schwimmen maasaufwärts

Schaf mit zwei Jungen
Aufmerksame Schafe

Radfahrt mit Blüten und Bäumen an der Maas, Niederlande
Auf dem Deich


Amstel-Radler in De Pastorie von Klundert Langsam wird es nicht mehr so romantisch. Bei Gertruidenbeerg müssen wir Schnellstraßen queren, werden vom Ufer weg geführt. Ein Rennradler übersteht nur mit großem Glück und dank schnellem Ausweichen vor meinen Augen die Ignoranz eines links abbiegenden Autofahrers. Ein paar Meter weiter ist der heiligen Gertrude eine winzige Holzkapelle gewidmet. Jemand hat der Holzfigur der Heiligen einen frischen Donut als Heiligenschein aufgesetzt.
In Drimmelen haben wir eigentlich schon nach 66 Kilometer genug vom Radeln. Nur das lokale B&B ist ausgebucht. Weit und breit ist kaum noch eine passende Unterkunft zu finden. Nur eben im Tagesziel Willemstad. So buchen wir da das teuerste Zimmer der Tour. Wieder geht es über und an Autobahnen entlang. Und an vielen Zufahrten des Port of Moerdijk. Erst Klundert ist wieder schön. Zehn Kilometer vor dem Ziel gönnen wir uns das inzwischen bewährte Amstel Radler (Foto rechts).
Auf den letzten Kilometern sind wir wieder dem unverändert starken Westwind extrem ausgeliefert. Ich kann in Miris Windschatten fahren. Bis endlich die Silhouette von Willemstad auftaucht. Die gleichnamige Hauptstadt der niederländischen Karibik-Insel Curacao gehört noch zu unseren Zielen. Die Zimmertür unseres sehr chicen Hotelzimmers führt direkt in die Kneipe. Nach einem Abendspaziergang durch den kleinen Ort gönnen wir uns dort noch zwei weitere Proben der vielfältigen Bierlandschaft, die die Meuse-Maas durchläuft.


Hafen von Willemstad
Hafen von Willemstad


Schleuse bei Willemstad Tulpen vor Rotterdam
Samstag, 21. April 2018: Willemstad - Den Bommel - Oostvoorne (67 km)

Heute soll es wieder leichter werden. Kürzere Etappe zum Meer und wieder der bewährte Ostwind im Rücken. Das Tagesziel hat die Hotelrecherche gestern Abend vorgegeben. An der ganzen niederländischen Küste war unter 129 Euro nichts mehr zu bekommen - außer einem einzigen Doppelzimmer in Oostvoorne für 68 Euro. Strange - aber warum nicht? Oostvoorne liegt sowohl an der Küste, als auch so nah an Rotterdam, dass wir von dort den Zug am Sonntag gut erreichen können. Allerdings dann quer durch den Rotterdamer Hafen.
Heute radeln wir dafür am Rande einer Autobahnbrücke zunächst auf die Insel Goeree-Overflakke. Auf der wir den größten Teil der Tagesetappe absolvieren. Vorwiegend am Nordufer. Wo man meist auf dem Deich gut voran kommt. Überraschung des Tages: die voll blühenden Tulpen-Felder in verschiedenen Farben (Fotos ganz oben, unten und ganz unten). Die Felder scheinen der Gewinnung von Tulpenzwiebeln zu dienen. Ansonsten wären sie schon zu weit aufgeblüht.
In Stad aan 't Haringvliet müssen wir eine Weile darauf warten, dass eine Fußgängerbrücke wieder freigegeben wird, nachdem einige Segelschiffe die Einfahrt passiert haben.


Tulpenfelder auf der Insel Goeree-Overflakke
Zwischen Tulpenfeldern und Deich

Zandloper: Fahrt in die Dünen auf der Insel Voorne-Putten
Fahrt in die Dünen


Radlerin mit Mädchen auf dem Gepäckträger in den Niederlanden Vor der Fahrt auf die Nachbarinsel Voorne-Putten geht wieder eine Brücke in die Höhe. Wieder müssen wir und einige andere Radler und Autofahrer auf ein kleines Segelschiff warten. Auf der Brücke begegnen uns Fünf- und Zehn-Kilometer-Läuferinnen des "Ladies' Run for Charity" von Stellendam.
Am "Badstrand Rockanje" (Foto unten) nimmt Miri das unvermeidliche erste Seebad des Tages. Der Strand ist voll, aber niemand traut sich so richtig ins Wasser - außer Miri. Dann führt der Radweg, hier identisch mit dem großen Nordsee-Umrundungs-Radweg, sehr schön windgeschützt an der Nordwest-Seite der Insel entlang nach Oostvoorne.
Wir wollen in unserer Unterkunft einchecken. Das vergleichbar günstige Zimmer war aber nur einer kurzfristigen Unachtsamkeit einer Dame an der Rezeption zu verdanken. Die entschuldigt sich wortreich. Kann in ihrer ausgebuchten Unterkunft nichts mehr anbieten, hat aber ein Zimmer im Ort gefunden. Bad und Sauna können wir hier nutzen, Frühstück bekommen wir hier wie dort. Ist doch ok.


Havana-Beachclub am Badestrand von Rockanje
Havana-Beachclub am Badestrand von Rockanje

Panoramablick auf die Dünen von Oostvoorne
Panoramablick auf die Dünen von Oostvoorne


Radfahrt über eine Brücke im Hafen von Rotterdam Rhein-Rolltreppen vor Rotterdam
Sonntag, 22. April 2018: Oostvoorne - Rotterdam (47 km) - Zug - Mainz

Die Nacht war dann doch nicht so toll. Aber dafür das Frühstück im ursprünglich gebuchten Hotel. Für die restlichen Kilometer nach Rotterdam jedenfalls alles ausreichend. Vor dem Frühstück radeln wir noch raus zum Aussichtsturm (Foto oben). Als wir ihn erreichen, kommt die Sonne raus. Seit langem mal wieder viele Wolken zu sehen. Auch dunkle. Der Windwechsel ist heute erst für mittags angesagt. Bis dahin bleibt der Ostwind. Der für uns heute Gegenwind bedeutet. Zwischenzeitlich dann noch von ein paar Regentropfen begleitet.
Als wir die Tristesse der großindustriellen Hafenanlagen und -brücken durchqueren (Foto links) ist das schon wieder vorbei. Viele Rennradler sind heute in größeren und kleineren Gruppen unterwegs. Sonntag.
Die Maas oder den Rhein oder was immer dieser größte aller Deltaflüsse ist, unterqueren wir überraschend in einem Tunnel. Plötzlich taucht ein Fahrstuhl auf. Die Rolltreppen rollen nicht. Es geht in einen tiefen Schlund. Dort rollen wir immer noch eine Weile in der kühlen Betonröhre bergab. Auf der andern Seite ein bisschen bergauf und dann wieder ein Aufzug (Fotos unten). Genial.


Rolltreppe und Aufzug für den Radweg unter der Neuen Maas
Rolltreppe und Aufzug für den Radweg unter der Neuen Maas

Radlerin im Radweg unter der Neuen Maas bei Rotterdam
Im Tunnel


Miri fährt auf Centraal Station in Rotterdam zu Rund um den Bahnhof Rotterdam Centraal glühen die Fans von Feyenoord Rotterdam vor: am frühen Abend ist Pokalfinale und Rotterdam hat quasi ein Heimspiel. Am Ende gewinnen sie auch mit 3:0. Da sind wir schon weit rheinaufwärts nach Umstiegen in Utrecht, Arnheim, Duisburg und Koblenz. Fast ohne Verspätung erreichen wir Mainz.

Die Maas alias Meuse hat sich als großartiger Radl-Fluss erwiesen. Sehr vielseitig. Vor allem landschaftlich, kulturell, sprachlich. Noch nicht überall perfekt mit dem Rad zu begleiten. Aber auch nirgendwo wirklich unangenehm. Überraschender Weise in Frankreich und Belgien besser durchgehend beschildert. In den Niederlanden gibt es viele Varianten. Irgendwie ein Geheimtipp. Von dem wir nichts wussten, nichts ahnten. Und mehr durch Zufall zwei Tage vor Beginn dieser Tour stießen. Merci Meuse, Maas.


Mit Rad im Bahnhof von Arnheim
Im Bahnhof von Arnheim


Route Maas: Neufchâteau - Rotterdam



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen

Etappen Maas: Neufchâteau - Rotterdam (7.-22.4.2018)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 7.4.2018 Neufchâteau Domrémy-la-P. 20
2. 8.4.2018 Domrémy-la-P. Commercy 58
3. 9.4.2018 Commercy Verdun 60
4. 10.4.2018 Verdun Mouzay 52
5. 11.4.2018 Mouzay Sedan 55
6. 12.4.2018 Sedan Monthermé 54
7. 13.4.2018 Monthermé Givet 61
8. 14.4.2018 Givet Grenze F/B Namur 61
9. 15.4.2018 Namur
10. 16.4.2018 Namur Lüttich 75
11. 17.4.2018 Lüttich Grenze B/NL Roermond 92
12. 18.4.2018 Roermond Venlo Aijen 67
13. 19.4.2018 Aijen Heerewaarden 81
14. 20.4.2018 Heerewaarden Willemstad 101
15. 21.4.2018 Willemstad Den Bommel Oostvoorne 67
16. 22.4.2018 Oostvoorne Rotterdam 47
Summe 951

alt=
Tulpenbad

alt=


Anschluss Tour 89: Duisburg - Ostende - Saar (772 km) Okt. 2017

Anschluss Tour 88: Den Haag - Duisburg (299 km) Aug. 2017

Anschluss Tour 31: Paris - Hamburg (1100 km) Juli/Aug. 2006

Anschluss Tour 26: Paris - Trier (477 km) März 2005


Nächste Tour: Mainz - Bad Hersfeld - Fulda (334 km) April/Mai 2018

Vorherige Tour: Jerusalem - Dan - Eilat (1165 km) Nov. 2017


Home: Alle Touren Karte Bikes Run & Fun Links Kontakt Suchen EA: Palästina/Israel

Tour 48: Karakorum-Highway (1010 km) 2009
Karakorum 2009
Chris Tour 51: Khartum - Addis Abeba (1760 km) 2010
Äthiopien 2010
on the Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) 2011
Moldau 2011
Bike Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
© Copyright 2000-2017 Christoph Gocke. Alle Rechte vorbehalten.