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VG WORTTour 116: Nancy - Quellen - Nancy (450 km)


Canal des Vosges im Winter
Canal des Vosges

Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Nancy - Quellen - Nancy (2.-6.12.2022)
Ad fontes Mosellae et Mosae zur Nikolauszeit

Seit unserer Tour an der Maas alias Meuse vor knapp fünf Jahren will ich auch zu ihrer Quelle. Damals waren uns die etwa 60 Kilometer von Neufchâteau hinauf zu weit. So entstand der Plan eine Quellentour zu machen: zur Meusequelle und zur Moselquelle von Nancy aus. Der Plan liegt schon einige Zeit auf den Laufwerken, gelegentlich modifiziert. Dann scheiden die Deutschen früh bei der WM in Katar aus: schon ist die Lücke da für eine adventliche Tour im südlichen Lothringen.

Saarbrücken Hbf: Zug nach Forbach Dreifacher Feueralarm im Hotelzimmer
Freitag, 2. Dezember 2022: Mainz - Zug - Nancy

Das Ausscheiden der deutschen Mannschaft bei der Fußball Weltmeisterschaft in Katar am 1. Dezember gibt mir die Gelegenheit, zwei Resturlaubstage zu nehmen. So habe ich überraschend kurzfristig ein langes Wochenende vor mir. Ich schwanke zwischen mehreren Optionen. Kapverden, Irak oder Alpen? Letztlich entscheidet die Wettervorhersage. Das Wetter im Westen, in Frankreich, ist zwar ähnlich wie in der Schweiz und im restlichen Deutschland, aber es soll trockener bleiben.
Also fahre ich nach getaner Arbeit mal wieder Richtung Saarbrücken, Metz und Nancy. Immer noch stellt sich das Problem, dass keine grenzübergreifende Bahn-Tickets im Nahverkehr zu buchen sind. Ich versuche es zunächst in der Bahn-App. Fehlanzeige. Da ich frühzeitig am Bahnhof bin, habe ich sogar Zeit im DB Reisezentrum nach einer Fahrkarte zu fragen. Aber auch der Mitarbeiterin dort ist es nicht möglich, eine durchgehende Fahrkarte von Mainz nach Nancy oder irgendein Ticket nach Nancy zu buchen. Immerhin kommt meine Erinnerung von einer unserer letzten Touren nach Frankreich zurück: Weder in Rheinland-Pfalz noch im Saarland noch in den französischen TER-Zügen brauche ich eine Fahrradkarte. Das Fahrrad ist ok, aber mein Bahn-Ticket geht nur bis Saarbrücken. Ein sehr unbefriedigendes Gefühl, keine gültige Fahrkarte bis zum Zielort zu haben.


Rad im TER
Im TER

Bahnsteig in Forbach
Auf dem Bahnsteig in Forbach


SNCF: Ticket-Abstempeln im Bahnhof Pünktlich bin ich in Saarbrücken. Dort kann ich am Ende des Bahnsteigs den französischen Minizug ins französische Forbach besteigen. Ich habe kein Ticket, aber es ist auch kein Schaffner an Bord. In Forbach lasse ich mein Fahrrad samt Gepäck auf dem Bahnsteig stehen. Ich habe neun Minuten bis zur Abfahrt des Zuges nach Metz. Durch die Unterführung gehe ich in die Bahnhofshalle. Dort stehen zwei Automaten. Beide werden gerade genutzt. Endlich komme ich dran. Schritt für Schritt kämpfe ich mich durch das französische Menü. Schließlich gelingt es mir, eine Fahrkarte nach Nancy zu kaufen. Ich muss nur kurz nach dem PIN von meiner Kreditkarte suchen. Und dann das Ticket abstempeln.
Zurück auf dem Bahnsteig steht mein Rad noch da und auch der Zug nach Metz. Es geht weiter. Im Metz endet der Zug eigentlich. Kaum bin ich ausgestiegen ändert sich die Anzeige. Jetzt fährt derselbe Zug weiter nach Nancy. Also steige ich wieder ein.
Nancy ist vorweihnachtlich beleuchtet. Mein schönes Hotel liegt ganz zentral. So kann ich noch einen kleinen Spaziergang machen und zu später Stunde etwas einkaufen fürs Frühstück. Leider entdecke ich nicht den Nikolaus-Markt, obwohl ein Prospekt auf meinem Bett liegt. Den lese ich erst später.
Noch bevor ich richtig eingeschlafen bin, wird die Alarmanlage im Hotel und damit auch in meinem Zimmer ausgelöst: extrem laut, extrem lang. Ich sehe einige Gäste die Treppe hinunter steigen. Als ich mir selbst etwas übergezogen habe, kommen einige wieder hinauf. Fehlalarm. Doch der wiederholt sich noch zweimal. Mitternacht ist längst vorüber.


Temple protestant Saint Jean de Nancy
Temple protestant Saint Jean de Nancy

Le Village de Saint-Nicolas à Nancy
Le Village de Saint-Nicolas à Nancy


Canal de jonction de Nancy Mosel-Radweg an Kanälen
Samstag, 3. Dezember 2022: Nancy - Épinal - Saint-Étienne-lès-Remiremont (111 km)

Es ist um die zwei Grad heute Morgen, und daran wird sich im Laufe des Tages nicht viel ändern. Ich ziehe mich warm an. Alles ist auch ein Test, ob mein Equipment ausreicht für die Anden. In der Stadt sehe ich doch noch den Nikolaus-Markt. Es wäre schön gewesen, ihn gestern Abend noch in Betrieb zu sehen. Auch der Stanislas-Platz ist ein Bestandteil des Nikolausfestes. Rundherum sind Security und dicke runde Betonsperren. Offenbar will man einem denkbaren Anschlag zuvorkommen. Sogar am Ufer des Kanals begegnen mir Soldaten. Schwer bewaffnet.
Am Ufer des Canal de la Marne au Rhin geht der Moselradweg entlang. Der heißt hier Boucle de la Moselle, Moselschleife. Die macht einen großen Bogen um Nancy via Toul. Jenseits des Kanals fließt die Meurthe (Mörte), die kurz nördlich von Nancy in die Mosel mündet. Schon am Ortsende von Nancy folgt der Radweg nun dem Verbindungskanal "Canal de jonction de Nancy" rüber zur Mosel. Es geht ein paar Schleusen aufwärts und dann wieder abwärts. Auch an der Mosel folgt der Mosel-Radweg einem Kanal, dem Canal des Vosges (bis 2003 Canal de l'Est). Über lange Strecken läuft der Radweg zwischen Kanal und Fluss, der zum Teil hier als Moselle sauvage (wilde Mosel) bezeichnet wird.
Es ist kalt, aber es regnet nicht, und es herrscht wenig Wind. So ist die Fahrt recht angenehm. Allerdings, wie gewohnt, tangiert der Kanal kaum Sehenswürdigkeiten oder Geschäfte. Ein einsamer Pfad durch die Landschaft. Ab und zu kommt eine Schleuse und ich muss ein paar Höhenmeter gewinnen. Ich fahre ein relativ hohes Tempo, so wie ich es mir bei der Alpen-Tour Anfang November angewöhnt habe. Ein Streckenabschnitt ist gesperrt wegen einer Baustelle. Man kommt trotzdem durch. Und es gibt einen Rastplatz. Obwohl die Bänke aus Holz sind, ist es zu kalt, um sich nieder zu lassen. Pause im Stehen. Baguette mit Käse.


Schild: Voie bleue Moselle Saône à vélo - Épinal 46 km
Moselradweg: der blaue Weg

Canal des Vosges
Am Canal des Vosges


Wintersonne scheint auf Bauernhaus Épinal ist nach knapp 80 Kilometern das erste größere Ziel. Da der Canal des Vosges mit dem Mosel-Radweg "La Voie Bleue Moselle-Saône" kurz vor der Stadt Richtung Lyon westlich von der Mosel abführt, gibt es einen Stichkanal zur Stadt. Wikipedia schreibt: "Nach seiner Abzweigung überquert er die Mosel mit einer Kanalbrücke und windet sich in engen Kurven zwischen einer steilen Waldkulisse und dem Flussbett der Mosel bis nach Épinal, wo die Befahrbarkeit in einem geräumigen Hafenbecken für kleinere Frachtschiffe und Freizeitboote endet. Der nicht mehr befahrbare Abschnitt quert hier die Mosel auf gleichem Niveau, verläuft weiter durch die Altstadt und erreicht neuerlich die Mosel, deren Flussschleife er abgeschnitten hat."
Auch in Épinal beherrschen Nikolaus-Festivitäten das Stadtbild. Offenbar ist heute ein Umzug. An der Kirche bettelt eine Frau. Nicht die einzige auf dieser Tour. Für mich mehrfach ein Grund, das Fahrrad mit Gepäck nicht unbeaufsichtigt draußen stehen zu lassen. Erst als sie weg ist, gehe ich kurz in die Kirche. Ich wärme mich auf in einem Café. Wie weit soll ich fahren? Noch 30 oder noch knapp 60 Kilometer? Ich schiebe die Entscheidung auf. Hinter Èpinal folge ich nur noch der Mosel. Ich will ja zur Quelle. Sie ist immer noch breit, das Tal schmaler. Rundherum erheben sich die Berge der Vogesen. Statt auf dem asphaltierten Radweg radle ich nun meistens auf kleinen Straßen. Es geht stetig leicht aufwärts. Kurz kommt sogar die Sonne raus.
In Remiremont, genauer gesagt St. Étienne lès Remiremont, habe ich genug vom Radfahren. Es wird auch schon ab vier Uhr deutlich dunkler, kurz vor fünf geht die Sonne unter. Und nach meinem Unfall vor einem Jahr bei Bonn habe ich keinen Bedarf in der Dunkelheit zu radeln. Ich fahre zu einem Gästezimmer, das ich auf booking.com gesehen habe. Aber man kann das Zimmer nur online buchen. Allein das hilft nicht, denn ich brauche den Code für den Schlüsselkasten. Er kommt und kommt nicht, obwohl ich die Gastgeberin anrufe. Ich spreche auf den Anrufbeantworter. Es ist kalt. Und jetzt spüre ich die Kälte umso deutlicher.
Mir bleibt nichts übrig, als ins Städtchen zu gehen. An der Kirche St. Étienne gibt es draußen eine große Krippe. Hier sind bereits die Heiligen Drei Könige eingetroffen. Kurz vor fünf kann ich endlich einchecken in die kleine Wohnung. Ich dusche lange, lange, lange. Eigentlich soll um sechs Uhr die Abendmesse in der großen Kirche sein. Doch ich bin der einzige in der Kirche. Einen Gottesdienst gibt es hier nur noch am Sonntagmorgen.


St. Maurice in Épinal
St. Maurice in Épinal

St. Nicolas Brioche
St. Nicolas Brioche

Rad vor Kirchenfront
Radparkplatz

Saint-Étienne-lès-Remiremont: Außenkrippe mit Heiligen Drei Königen
Saint-Étienne-lès-Remiremont: Außenkrippe mit Heiligen Drei Königen


Bahntrassenradweg: Voie Verte des Hautes Vosges Raureif an der Moselquelle
Sonntag, 4. Dezember 2022: Saint-Étienne-lès-Remiremont - Moselquelle - Saint-Étienne-lès-Remiremont - Plombières-les-Bains - Anjeux (113 km)

Eine Verlängerung des Zimmers ist leider nicht möglich, sonst könnte ich ohne Gepäck rauf in die Vogesen fahren und wieder zurück. Also lade ich mein ganzes Gepäck auf und radle Richtung Moselquelle. Direkt am Bahnhof von Remiremont beginnt überraschenderweise ein Bahntrassen-Radweg. Die "Voie Verte des Hautes Vosges" führt bis Bussang unterhalb der Moselquelle. Es ist bedeckt und wieder um die zwei Grad kalt. Der Bahntrassen-Radweg zieht sich wunderbar durch das Moseltal zwischen den Vogesenbergen. Ich erwarte Steigungen, aber der Radweg geht, wenn überhaupt, sehr sanft bergauf.
Am Bahnhof von Bussang endet der Radweg dort, wo früher offensichtlich auch die Bahnstrecke endete. Von hier sind es noch gut drei Kilometer und hundert Höhenmeter bis zur Quelle. Die liegt etwas unterhalb der Passhöhe von Bussang. Das Quelleareal ist ideal für eine Pause. Allerdings herrscht hier leichter Frost. Raureif rundherum. Das wärmste ist das Quellwasser. Ich fülle eine Flasche für Miri ab. Ein Kartenrelief zeigt den Verlauf der Mosel. Fun fact: Mosel bedeutet kleine Maas alias Meuse. Die Römer tauften die Flüsse Mosa und Mosella.


La Source de la Moselle
La Source de la Moselle

La Source de la Moselle: Selfie
Lächeln am Gefrierpunkt


Plombières-les-Bains Ich bin entschlossen, bis zum höchsten Punkt der Vogesen zu fahren: den Grand Ballon. Doch Abfüllen des Quellwassers, Fotografieren und Nahrungsaufnahme haben mich durch und durch kalt werden lassen. Das merke ich erst so richtig, als ich den Berg weiter hinauf fahren will. In diesem Moment setzt auch Regen ein. Weiter oberhalb sollen es Schnee und Eis sein. Spontan drehe ich um und radle runter zurück nach Bussang. In einem Café wärme ich mich wieder bei einem Kakao auf. Die Finger sind zu kalt, um die heiße Tasse zu umfassen. Die Tageszeitung Vosges Matin berichtet von all den Nikolaus-Umzügen und -Märkten in der Region. Der Heilige Nikolaus ist Schutzpatron von Lothringen.
Nun geht es wunderbar auf der Bahnstrecke zurück bergab. Ein schier endloser Strom von Wanderern belebt den Radweg: der Téléthon, ein vorweihnachtlicher Spendenmarathon, der mir schon im Fernsehen und auf Plakaten begegnet ist, materialisiert sich hier. Ich weiche zum Teil auf die parallel laufende Straße aus.
Zurück in Remiremont ist wieder Zeit für eine Aufwärmpause. Diesmal mit Subway-Sandwich. Ich buche eine Unterkunft in knapp 40 Kilometern Entfernung. Dafür muss ich nun erst einmal den Berg hinauf zur Nationalstraße. Parallel zur N57 komme ich dort auf über 600 Meter. Dann verläuft die Straße einige Meter auf einem Plateau. Als sie von der Nationalstraße abführt, komme ich in das tolle Tal der Augronne. Die fließt mitten durch Plombières-les-Bains, wo sich trotz des seit der Quelle anhaltenden Regens ein Nikolaus-Umzug formiert. Bläsergruppen schlappen durch die Straßen.
Mein Quartier liegt etwas abseits der direkten Strecke zur Maasquelle. Anjeux ist ein kleines Örtchen, umgeben von sanften Hügeln. Mit dem letzten Tageslicht erreiche ich die Chambres d'hote gegenüber der Kirche. Ich bin etwas durchnässt. Umso mehr freue ich mich über die verschiedenen Elektroheizungen in der Unterkunft. Vieles muss getrocknet werden.


Kirche von Anjeux
Kirche von Anjeux


Straße bei Jasney Ohne Aufwärmen
Montag, 5. Dezember 2022: Anjeux - Ormoy - Maasquelle - Neufchâteau (115 km)

Tolles Frühstück von der schweizer Gastgeberin. Vor allem mit lokalen Produkten: Croissant, Baguette, Milch, Apfelsaft. Die Kirche gegenüber der Unterkunft steht auf am frühen Morgen. Innen entdecke ich interessante Kirchenfenster aus den neunziger Jahren. Ich entscheide mich gegen den kürzesten Weg zurück zur D417. Stattdessen wähle ich eine Route etwas südlicher über kleinere Ortschaften: Jasney, Melincourt, Polaincourt-et-Clairefontaine. Es ist wunderschön. Kaum ein Auto kommt vorbei. In der Ferne reißt sogar die Wolkendecke ein bisschen auf. Es ist hügelig, wieder um die zwei bis drei Grad kalt. Jetzt habe ich mich an die Kälte gewöhnt. Und heute soll es nicht regnen. Und wie an den anderen Tagen ist es nahezu windstill. Man kann wunderbar fahren.
Bei Ormoy kreuze ich wieder den Canal des Vosges, der hier parallel zur Saône verläuft. Erst bei Fresnes-sur-Apance komme ich zurück zur D417. Hier ist sie relativ wenig befahren. In Bourbonne-les-Bains habe ich mehr oder weniger zum ersten und auch letzten Mal die Gelegenheit heute an der Strecke einzukaufen oder mich aufzuwärmen. Ich lasse die Gelegenheit ungenutzt vorübergehen. Hinter dem Ort geht es noch einmal kräftig den Berg hinauf - auf das Plateau von Langres.


Canal des Vosges und Saône bei Ormoy
Canal des Vosges und Saône bei Ormoy

Source de la Meuse
Source de la Meuse

Selfie an der Maasquelle
Selfie an der Maasquelle


Rathaus von Neufchâteau bei Nacht Bald kommt der Abzweig zur Maasquelle. Nach den Erfahrungen an der Moselquelle sehe ich zu, dass ich schnell ein paar Fotos mache, Wasser in die Flasche füllen und ein bisschen esse. Die Source de la Meuse ist aufwändiger gestaltet als die Moselquelle. Sogar ein Pavillon als Windschutz steht dort.
Nun folge ich dem Meuse-Radweg. Er ist sehr gut kontinuierlich beschildert. Allerdings unterscheidet er nur zwischen Nord- und Süd-Richtung. Das reicht. Bei jedem Ort hoffe ich nun auf eine Bäckerei oder einen anderen Ort zum Aufwärmen. Fehlanzeige. Eine ruhige ländliche Gegend mit sehr kleinen Orten. Es geht nun schneller voran. Am Morgen hatte ich bis zur Quelle rund 600 Höhenmeter zu erklimmen. Jetzt ist es flacher, es geht leicht bergab, und es gibt ein bisschen Rückenwind aus Süden.
Erst kurz vor Neufchâteau verlasse ich den Radweg, der bis dahin auf kleinen oder ganz kleinen Straßen verlief. Rund 15 Kilometer vor dem Zielort macht er einen Umweg abseits des Moseltals. Deshalb wende ich mich in Bazoilles-sur-Meuse der etwas größeren Straße D 47 zu. Hier erwarten mich drei Anstiege mit etwa jeweils 50 Höhenmetern. Außerdem rollt der ein oder andere LKW an mir vorbei. Genau diese Höhenmeter - egal ob auf Straße oder auf beschildertem Radweg - haben uns seinerzeit vor fünf Jahren umkehren lassen, als unsere Maas-Tour in Neufchâteau begann und wir eigentlich zunächst von dort zur Quelle wollten. Heute geht es also praktisch ohne richtige Pause, jedenfalls ohne jedes Aufwärmen den ganzen Tag über, bis Neufchâteau. Der Fernsehreporter ist außer sich: "Quart de finale, quart de finale, quart, quart, quart, quart de finale." Frankreich freut sich auf das WM-Viertelfinale gegen England.


Domrémy-la-Pucelle: Jeanne-d'Arc-Kirche
Domrémy-la-Pucelle: Jeanne-d'Arc-Kirche


Neuer Bahntrassenradweg bei Coussey Von der Meuse zurück zur Moselle
Dienstag, 6. Dezember 2022: Neufchâteau - Pagny-sur-Meuse - Toul - Nancy (111 km) - Zug - Mainz

Früh starte ich fast noch im Halbdunkel. Ich will und muss einen Zug bekommen am Nachmittag in Nancy. Also los. Den Weg an der Maas kenne ich von unserer Tour vor knapp fünf Jahren. Er ist beschwerlich. Es geht auf und ab. Das Tal ist breit, aber der Radweg geht oft an der Höhe entlang. Nur an einer Stelle wird gerade ein neues Stück freigegeben. Vor Coussey ist eine ehemalige Bahntrasse zu einem Radweg geworden. Über weite Strecken sehe ich die ehemalige Bahntrasse, wie sie verwildert neben der Straße liegt.
Domrémy-la-Pucelle preist sich als Geburtsort der Nationalheldin Jeanne d'Arc alias Jungfrau von Orléans. In Paugy-sur-Meuse habe ich knapp die Hälfte der Tageskilometer hinter mir. Hier liegen Maas und Mosel nur 15 Kilometer auseinander. Der Canal de la Marne au Rhin nutzt die Verbindung. Hat allerdings keinen Radweg zur Seite.
Meine Fahrradstrecke geht über die Anhöhe von Foug. In Paugny habe ich noch eine Pause an einer Tankstelle gemacht. Eigentlich brauche ich die Indoor-Pause gar nicht mehr, zwei weitere längere Pausen mache ich heute draußen. In Toul komme ich an die Mosel, genauer an die Moselschleife rings um Nancy. Zu dessen Bahnhof kann ich die Nord- und Südseite nehmen. Nachdem ich die tolle Kathedrale samt schönem Kreuzgang von Toul betrachtet habe.


Toul: Kathedral-Kreuzgang
Toul: Kathedral-Kreuzgang

Toul: Kathedrale
Toul: La Cathédrale

Toul: Weihnachtsdarstellung
Noël à Toul


Kanalisierte Mosel bei Toul Nun geht es an der breiten, kanalisierten Mosel entlang. Da ich den südlichen Bogen zum größten Teil schon von Samstag kenne nehme ich die nördliche Strecke über Liverdun. Die mittelalterliche Festungsstadt war Sommerresidenz der Bischöfe von Toul und überragt die Moselschleife. Auch hier mache ich eine Pause direkt am Fluss. Der Radweg nach Nancy macht noch einige Kilometer Umweg über den Zusammenfluss von Mosel und Meurthe und dann an dieser flussaufwärts. Er ist sehr schön, auch wenn ringsum die verschiedenen Verkehrswege bemerkbar sind.
Lange scheint es so, als hätte ich noch einige Zeit in Nancy, aber die letzten Erledigungen brauchen ihre Zeit. So komme ich gerade recht zum Bahnsteig, auf den ich das Rad samt Gepäck hochtragen muss. Eine Flasche mit Quellwasser von der Meuse ist abhanden gekommen. Vermutlich hat sie irgendjemand in Nancy weggenommen.
In Metz muss ich leider umsteigen. Ich kann nicht - wie auf der Hinfahrt - im Zug sitzen bleiben. Ich muss sogar auf einen anderen Bahnsteig. Wieder schleppe ich das Rad die Treppe hinunter und eine andere Treppe hinauf. Dieser Zug ist überfüllt. Ich muss zwei junge Frauen bitten, aufzustehen, um das Fahrrad unter zu bringen. Erst jetzt erkenne ich, dass man die Räder eigentlich aufhängen soll. Dafür sind Haken oben angebracht, die ich bisher in den Zügen gleicher Bauart nicht wahrgenommen habe. Ich spüre meine Müdigkeit. Mit letzter Kraft gelingt es mir, das Vorderrad oben einzuhängen.
Wieder konnte ich kein durchgehendes Zugticket lösen. Für die kleine Grenzstrecke zwischen Vorbach und Saarbrücken kann ich überhaupt keine Fahrkarte buchen. Weder am Automaten in Nancy, noch in der Bahn-App. Außerdem habe ich vergessen, das französische Ticket ab zu stempeln. Die Leerzeichen zwischen "ab zu stempeln" stammen von meinem Smartphone. Ich habe erstmals meinen Blog in der Mail-App diktiert. Das verändert die Texte. An das Diktieren muss ich mich noch gewöhnen. Und das System setzt häufig aus: es hört auf zu schreiben, ohne dass ich es bemerke oder weiß warum.


Radaufhängung im TER
Radaufhängung im TER


Route Nancy - Quellen - Nancy



Orange Linie = Touren-Route; Grüne Punkte = Start und Ziel der Etappen

Etappen Nancy - Moselquelle - Maasquelle - Nancy (3.-6.12.2022)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 3.12.2022 Nancy Épinal Remiremont 111
2. 4.12.2022 Remiremont Moselquelle - Remiremont - Plombières-les-Bains Anjeux 113
3. 5.12.2022 Anjeux Ormoy - Maasquelle Neufchâteau 115
4. 6.12.2022 Neufchâteau Pagny-sur-Meuse - Toul Nancy 111
Summe 450

Selfie in Épinal
C'est moi.


Anschluss Tour 92: Maas: Neufchâteau - Rotterdam (951 km) April 2018

Anschluss Tour 6: Mainz - Strasbourg (428 km) Sept. 1998


Nächste Tour: Que Sera!

Vorherige Tour: Alpe-Adria: Salzburg - Grado (421 km) Okt./Nov. 2022


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Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
Chris Tour 65: Kirgisien - Almaty (951 km) 2013
Kirgisien 2013
on the Tour 68: Strasbourg - Vicenza (1275 km) 2014
Alpen 2014
Bike Tour 75: Iran - Persischer Golf (2690 km) 2015
Iran 2015
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