
Am Nil
Rad-Reise-Notizen & Routen-Karte &
Etappen-Übersicht Belen (Süd-Türkei) - Assuan
(7.-23.1.2001)
Türkei: Albtraum-Start
Der Traumstart auf der Höhe von Belen an der Mittelmeerküste im
türkisch-syrischen Grenzgebiet platzte. Der Busfahrer weigerte sich
schlicht, mich auf 500 von 750 m Höhe abzusetzen - genau an dem Punkt, an
dem ich im November meine Tour Budapest-Belen beendet hatte. Nicht nur
das. Er hielt auch die Abfahrt vom Pass im Dunklen für zu gefährlich. So
blieben mir nur noch 34 km Fahrt durch ebenes Tal und ich kam so am ersten
Tag von Mainz bis Antakya, früher Antiochien. Die erste richtige
Etappe begann schlecht. Als der Nebel sich gelichtet hatte und der Dunst
der giftigen Heizungs-Abgase im Tal vertrieben war, stürze ich vier km vor
der syrischen Grenze in einer nassen Kurve. Die Schürfwunden wurden
kostenlos in der letzten türkischen Polyklinik gereinigt und verbunden -
blieben mir gleichwohl die ganze Tour über erhalten.
Syrien & Jordanien: Steiniger Weg Ugarit, Tartus, Homs,
Damaskus waren meine Stationen in Syrien. Die vielen uralten Autos, die
hier die Straßen beherrschen, verpesten zwar die Luft aber fahren angenehm
langsam. In Jordanien blieb ich nur 24 Stunden. Kinder warfen mir in der
Regel kleinere Steine hinterher. Ein dänisches Paar riet mir zudem von der
Route über die Königsstraße - die mich zur Hauptattraktion Petra bringen
sollte - ab, da das legendäre Wadi Mujib, wo man etwa tausend Meter bergab
und dann wieder bergauf muss, derzeit eine einzige Baustelle und somit
lebensgefährlich sei. Zudem geriet ich bei der Hotelsuche am ersten
Abend bei Jerash westlich von der Königsstraße ab. Sodass ich am nächsten
Morgen kurz entschlossen ins Jordantal rollte. Drei Kilometer vor dem
Talboden übersah ich leider eine Schwelle. Was abgesehen von einer
markanten Delle im Hinterrad zum Glück ohne größere Folgen blieb.
Allenby-Bridge: Extreme Grenzerfahrung Unter den
rund 20 Grenzüberquerungen mit dem Fahrrad im letzten Jahr war der
jordanisch-israelische der mit Abstand spektakulärste. Zunächst werden
Fahrradfahrer gezwungen, die letzten Kilometer vor der Allenby-Bridge mit
dem jordanischen Bus zu fahren. Ich erwischte den letzten vor
Sabbat-Beginn. Trotz der Wochenend-Stimmung bei den Israelis musste
mein Fahrrad durch das Röntgen-Gerät beim Zoll. Nachdem ich klar gemacht
hatte, dass ich kein Werkzeug besitze, mit dem sich der Lenker abmontieren
lässt, sollte ich das Vorderrad ausbauen. Daraufhin passte das Radl dann
zumindest erst von vorne, dann von hinten zu jeweils fast der Hälfte in
die x-ray-machine. Naja, immerhin kam ich ja aus Syrien. Auch auf
israelischer Seite dürfen Fahrradfahrer zunächst nicht selber fahren. Die
Vermittlung eines israelischen Taxifahrers lehnte ich auch mit Blick auf
mein Fahhrad dankend ab und fuhr zum Entsetzen der israelischen Grenzer
stattdessen mit dem Palästinenser-Bus nach Jericho. Verbunden natürlich
mit weiteren Kontrollen durch die Palestinian Authority.
Allenby-Grenzübergang:
Die ganze Geschichte
Israel: Totes Meer &
Wadi Araba Zweieinhalb Stunden nach der Ankunft an der Grenze
rollte ich endlich im Sonnenuntergang durch ausgebombte Autowracks aus
Jericho und radelte durch die Dunkelheit am Toten Meer entlang bis zur
Jugendherberge von En Gedi. Ohne jeden Autoverkehr. Traumhaft. Allerdings
nur im Licht einer winzigen Taschenlampe, da die Röntgen-Maschine meinem
gerade neu erworbenen Vorderlicht incl. Standlicht den Garaus gemacht
hatte. Am nächsten Tag folgte gezwungenermaßen eine Rekord-Etappe von
232 km. Zwischen En Gedi und Eilat - von 400 Meter unter dem Meeresspiegel
über ungezählte Hügel bis zum Roten Meer - gibt es kein Hotel, keine
Jugendherberge. Im Januar herrschen hier im Wüstental Wadi Araba zum
Fahrrad fahren optimale Temperaturen. Vom endlosen Regen, der gleichzeitig
im israelischen Bergland niederging, blieb ich verschont.
Ägypten: Afrikanische Verhältnisse Auf dem Sinai legte
ich vier Ruhetage in Dahab ein, um dann nach Afrika mit der Fähre
überzusetzen. Bei der Weiterfahrt zum Nil wurde ich gezwungen, eine Stunde
auf den Militärkonvoi für Touristen zu warten. Was ziemlich unsinnig war,
weil der Konvoi - als er endlich losfuhr - sofort über alle Berge war.
Die Stunde fehlte mir
dann aber, um bei Tageslicht Qena am Nil zu erreichen. Eine Stunde vor
Sonnenuntergang holte mich nach 110 km der Pistenräumdienst des Militärs
von der Straße und zwang mich samt Fahrrad in den Jeep. Mit Blaulicht und
Martins-Horn sicher die gefährlichsten Kilometer meiner Tour. Das
erste Hotel, das sie dann anfuhren, passte mir nicht, das zweite war voll
und im dritten wurde ich dann unter Hinweis auf die überall drohenden
Gefahren abgeliefert. Danach konnte ich den Abend frei in Qena rumlaufen.
Orientalisch konsequent. Ich hatte jedenfalls dazugelernt und näherte
mich seitdem allen Polizei/Militär-Checkpoints grundsätzlich im Schatten
einiger Autos, um dann mit zügigem Tempo durchzufahren. Was in der Regel
gelang. Einmal schickten sie mir einen Wagen hinterher. Ein einziges Mal
noch wurde ich des Nachts durch das Militär zur Weiterfahrt mit dem Taxi
gezwungen. 35 km. Individual-Touristen sind halt aus Angst vor
Islam-Terroristen nicht gern gesehen. Und es ist nicht klar definiert, wo
und wie Fahrradfahrer durchs Land reisen dürfen.
Assuan:
Absturz am Ziel Jedenfalls bin ich entlang des traumhaften Nil bis
Assuan gekommen und seit Belen 1.820 km selbst gefahren. Macht 4.400 km
mit den 2.580 km, die ich zwei Monate zuvor von Budapest nach Belen zurück
legte. Macht 5.714 km auf der Strecke Essen - Assuan mit den 1.314 km, die
ich 1983 von Essen nach Budapest fuhr. Beim obligatorischen Ausflug
zum Assuan-Staudamm fiel bei der Vorbereitung eines letzten Fotos mein
Fahrrad von der größten Staumauer der Welt, überschlug sich einige Male
und blieb dann liegen. Die Wasserflasche kullerte bis unten. Unter Protest
der Soldaten habe ich beides wieder nach oben befördert. Mit einem
Last-Minute vor Ort gebuchten FTI-Flug bin ich von Hurghada nach Frankfurt
zurückgeflogen. Wegen neun Stunden Verspätung bekamen alle Passagiere 200
Mark erstattet. Ich hatte nur 250 Mark gezahlt - bei kostenlosem
Fahrradtransport.
Route Belen - Assuan
Etappen Belen - Assuan
(7.-23.1.2001) |