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VG WORTRuhr.2010: Dortmund - Duisburg (113 km)


Sara Bildau und Christoph Gocke
Sara Bildau und Christoph Gocke: 2 Räder & 1 Kamera

Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Ruhr.2010: Dortmund - Duisburg (4.-6.6.2010)
Fußball-, Industrie- und Alltags-Kultur in der Kulturhauptstadt Europas

Foto Special: Diamant-Bike
Foto Special
Diamant-Rad
Tour durch die Kulturhauptstadt Ruhr.2010. Unsere Reporter auf Radwegen über die früher Kohlenzüge donnerten. Rauf auf Kohle-Halden, die es in sich haben. Und die dann einen grandiosen Blick auf eine grün gewordene Industrielandschaft bieten, in der Ruinen veredelt werden. Von Dortmund nach Duisburg: 113 Kilometer mit dem Fahrrad durch die Kultur-Haupstadt Europas auf einem fantastischen Radwege-Netz. Pausen mit Blick auf die Autobahn und Gesprächen mit den Menschen, die an ihr leben. Der Alltag der Ruhris, der Menschen im Ruhrgebiet. Romantisches Radeln zwischen alten Industrie-Giganten verbunden mit Lebenskultur auffem Platz, anne Trinkhalle und auffe Zeche. Foto Special: Panther-Bike
Foto Special
Panther-Bike

Die Tour bei YouTube


Fußballkultur von Dortmund bis Schalke


Industriekultur rund um Zeche Zollverein


Alltagskultur von Essen bis Duisburg


Prolog: Mit zwei Rädern in einem Zug
Donnerstag, 3. Juni 2010: Zug Mainz - Düsseldorf

Kann man alleine mit zwei Rädern im Intercity fahren? Sara hat kein Rad und stößt erst in Düsseldorf dazu. So muss ich mit zwei Rädern im Zug von Mainz nach D'dorf reisen. Nachdem man inzwischen Fahrrad-Karten für Inter- und Euro-City unabhängig von einer Personen-Fahrkarte kaufen kann, eigentlich kein Problem. Mehr ein Sicherheitsproblem, wenn man ein Rad samt Gepäck am Fuß oder Kopf einer Rolltreppe stehen lassen muss, um das andere hinterher zu holen. Der Schaffner guckt natürlich komisch. Aber das ist bereits der Fun-Teil. Es klappt.


Sara Bildau und Christoph Gocke auf der Halde Rheinelbe: Blick aufs nördliche Ruhrgebiet
Halde Rheinelbe: Blick aufs nördliche Ruhrgebiet


Fußball-Kultur zwischen Dortmund und Schalke: "Dat is Gänsehaut..."


Video zur 1. Etappe


Freitag, 4. Juni 2010: Dortmund - Castrop-Rauxel - Herne - Wanne-Eickel - Gelsenkirchen (51 km)

Sara Bildau on the BikeDie Rivalität zwischen den beiden großen Revierclubs BVB und Schalki 04 gehört zum Ruhrgebiet wie der Deckel auf den Pott. Für uns zwei Unparteiische kein Problem: Wir machen uns auf den Weg von Dortmund nach Gelsenkirchen – an der Emscher entlang. Immer wieder kommen wir an Sportplätzen vorbei: Fußball - das ist ein Lebensgefühl – erzählt uns Marc in Castrop-Rauxel: „Also Fußball verbindet vor allem die meisten Menschen hier im Ruhrgebiet. Jeder, glaube ich, fiebert jetzt wo die WM ansteht bei der WM mit." Und schon muss er los – natürlich: Zum Fußballtraining beim Vfl Bochum.
Zehn Kilometer weiter schauen wir uns mal das Treiben abseits eines Spielfeldes an. Seit 1909 existiert der ESV Herne. Das 90-jährige Vereinsmitglied Karl Richter kann selbst nicht mehr spielen, das macht aber nichts: „Freitag da gibt’s keinen Geburtstag oder sonst was, der wird am Samstag oder Sonntag gefeiert. Freitag gibt’s keinen Geburtstag, da bin ich hier im Vereinsheim und nicht zum Biertrinken – natürlich trinke ich auch ein Bier, auch ein Schnäpschen – aber mir geht es um das Schwätzen.“

Sara Bildau mit den Schalke-Fans Alf Neumann und Werner Spannemann an der Glückauf-KampfbahnEs wirkt fast wie ein Familientreffen, aber nicht immer ist Mann sich hier einig, vor allem wenn es um Frage geht: Lieber Dortmund oder lieber Schalke? Auf der einen Seite sitzen die Dortmund-Fans, auf der andern die von Schalke: „Ich habe seit 15 Jahren eine Dauerkarte auf Schalke, aber hier sind auch gleichzeitig Leute, die zu Borussia Dortmund halten. Das ist sehr lustig, wenn die Vereine gegeneinander spielen. Mit Sicherheit keine Feindschaft, wie sie so immer heraus geschrien wird. Die gibt’s, glaube ich, bei einigen wenigen. Aber hier bei uns im Verein natürlich nicht.“
Wir radeln weiter und nach insgesamt 45 Kilometern sind wir im Schalke-Land angekommen. Wir treffen Alf Neumann und Werner Spannemann. Sie nehmen uns mit zur Gelsenkirchener Glückauf-Kampfbahn: Das erste eigene Stadion von Schalke 04. Hier wurde der Verein sieben Mal Deutscher Meister. Was ist das für ein Gefühl für die Fans, hier zu stehen? „Es ist immer schön! Das ist Gänsehaut!“ „Der Puls geht hoch!“ „Ich bin stolz darauf hier in dem Stadion gewesen zu sein. Ich habe das Parkstadion miterlebt, ich habe die Arena miterlebt. Aber hier – wo alles angefangen hat – war alles auf Deutsch gesagt: GEIL!“
Das Fußballfieber hat uns angesteckt – sogar noch am Feierabend. Wir kehren ein in einer Imbissbude in den Vereinsfarben Blau-Weiß. Wir stärken uns für die nächste Etappe auf unserer Tour durchs Ruhrgebiet. (Text: Sara Bildau)


Sara and Chris on the Bike auf der ehemaligen Bahn-Trasse Kray - Wanne in Gelsenkirchen
Grünes Revier: Auf der ehemaligen Bahn-Trasse Kray - Wanne in Gelsenkirchen


Industrie-Kultur: Auf der Suche nach dem "schönen" Ruhrgebiet


Video zur 2. Etappe

Samstag, 5. Juni 2010: Gelsenkirchen - Zeche Zollverein - Essen (28 km)
Bobrodler unterstützen Sara Bildau an der Halde Rheinelbe Wir fahren über einen rundum grünen Fahrradweg in Gelsenkirchen. Was so schön aussieht, ist bereits die erste Industrie-Ruine des Tages: eine stillgelegte Zugstrecke, auf der wir mitten durchs Ruhrgebiet radeln. Schon taucht die nächste Ruine auf: eine Halde – jene Überbleibsel des Kohlen-Abbaus, die sich bis zu hundert Meter über ihre Umgebung erheben. Künstliche Industrie-Berge als Freizeit-Herausforderung. Hügel, die es in sich haben. Glückliche Sara: sie findet Hochleistungs-Helfer: Bobfahrer, die an den steilen Halden-Hängen nicht nur Radlerinnen bergauf schieben, sondern vor allem bei ihrem Sommertraining auf der Halde Rheinelbe immer wieder bergauf spurten. Bobfahrer und Diskuswerfer Roman Stoutjesdijk: "Das ist genau das, was wir brauchen." Sara: "Und, noch Lust?" Roman Stoutjesdijk: "Ach et geht - wir haben es ja gleich geschafft." Die letzten Meter auf die Halde – für uns eine Quälerei. Dann fehlen nur noch die Stufen auf der „Himmelstreppe“, die samt Beton-Kunstwerk von einem Künstler geschaffen wurden. Ganz oben haben wir einen Blick ins grüne Ruhrgebiet, aus dem noch der ein oder andere Schornstein oder Kühlturm aufragt, die Schalker Arena, aber auch die postindustrielle Skyline von Essen.

Christoph Gocke mit Maria und Thomas Schild aus Bad Kreuznach auf der Halde RheinelbeMaria und Thomas Schild erklimmen die Höhen der Halde mit vereinten Kräften auf einem Tandem. Die beiden sind aus Bad Kreuznach bei Mainz gekommen, um ein langes Wochenende durch Europas größtes Industriegebiet zu radeln. Thomas Schild: "Total begeistert, so schön hätt ich mir das nicht vorgestellt. Natürlich kommt dieses traumhafte Wetter dazu. Passt hundertprozentig."
Weiter geht’s auf dem Fahrradweg Industriekultur - der ehemaligen Eisenbahnstrecke von Essen-Kray nach Wanne-Eickel. Die Gleise wurden damals nur gebaut, um damit Kohle von fünf umliegenden Zechen in das Netz der Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft zu befördern. Irgendwann muss also ein altes Stellwerk kommen. Und auch diese Industrie-Ruine ist inzwischen veredelt worden. Gerd Petermeyer hat aus dem einst verrotteten Stellwerk sein Atelier geschaffen. Hier hat er genau die Atmosphäre gesucht und gefunden, um die Motive zu malen, die ihn seit seiner Kindheit beschäftigen: die Schönheit der verlassenen Industrielandschaften an der Ruhr: "Mich fasziniert vor allem , wenn es ein bisschen morbide ist; wenns rostig ist; wenn alte Werke überwuchtert werden. Das find ich ungeheuer ästhetisch."

Unesco-Weltkulturerbe Zeche Zollverein: Tischtennisspielen in Industrie-Ruinen Wir nähern uns dem Epizentrum der Kulturhauptstadt Ruhr.2010: dem weitläufigen Gelände der Zeche Zollverein in Essen. Hier ist die Bergmannswelt schon längst zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt worden. Und trotz der vielen Besucher, die jetzt jeden Tag hier einfallen, finden sich noch Ecken, wo Ruhrgebietsmenschen ihr kleines Idyll gefunden haben. Ein Pärchen spielt Tischtennis. Sie besitzen weder Balkon noch Schrebergarten. Das wäre ihnen auch viel zu klein. Sie lieben die riesigen Dimensionen von Zeche und Kokerei: "Ja, das ist idyllisch. Abends ist es noch schöner, dann leuchtet das alles. Das ist romantisch und ein bisschen Ruhe von dem ganzen Stadtleben ein bissel weg."
Wir fahren weiter ins Zentrum der inoffiziellen Ruhr-Hauptstadt. Direkt an die Essener City grenzt das Areal von Krupp. In den Werkshallen haben sich Möbelhäuser breit gemacht. Doch ein paar Meter weiter entsteht das Thyssen-Krupp-Quartier – der neue Hauptsitz des Großkonzerns. Eine Welt zum Arbeiten, Wohnen und Leben. Industrie-Kultur der Zukunft. Ist das Ruhrgebiet nun ein schönes Industriegebiet? Es ist schon viel erreicht und hier wird weiter an der neuen Schönheit gebaut.


Sara Bildau on the Bike am Rhein-Herne-Kanal beim Gasometer in Oberhausen
Am Rhein-Herne-Kanal beim Gasometer in Oberhausen


Alltags-Kultur: Leben an der Autobahn mit Flüsterasphalt


Video zur 3. Etappe

Sonntag, 6. Juni 2010: Essen - Oberhausen - Duisburg (34 km)
Sara Bildau an der Trinkhalle von Willi Göken in Essen-Altendorf Essen-Frohnhausen: Eine Autobahn mitten in der Stadt. Die A 40, der Ruhrschnellweg, führt in der einen Richtung nach Bochum, Dortmund, in der anderen nach Mühlheim, Duisburg. Wer will hier wohnen? Ist das Leben an der A 40 tatsächlich so schlimm, wie wir es uns vorstellen? Wir fragen jemanden, der es wissen muss. Für Hans-Dieter Habner gibt es keinen schöneren Ort zum Wohnen – und das seit 50 Jahren - trotz Autoabgasen und Lärm: „Wir schlafen seitdem wir hier wohnen nachts ununterbrochen mit offenem Fenster. Gewohnheitssache! Wir haben ja jetzt hier den Flüsterasphalt. Das ist jetzt natürlich etwas ruhiger geworden. Aber wenn dann die Raser kommen mit 120, 130 oder mal ein Motorradfahrer, der aufdreht, der fährt dann mit 200 hier durch, dann schreckt man natürlich doch hoch.“ Er sei eben ein richtiger Stadtmensch – sagt der 75-jährige. Umziehen kommt für ihn nicht in Frage.
Wir radeln weiter durch Essen, um noch ein wenig Proviant für unsere Fahrradtour einzukaufen. Willi Göken betreibt seit 1963 seine Trinkhalle in Essen. Das Geschäft läuft schleppend seitdem die Supermärkte längere Öffnungszeiten haben. Viel Geld verdienen kann er mit seiner Trinkhalle also nicht mehr, und dennoch ist sie sein ganzer Stolz: „Die Atmosphäre, die hier ist, die finden Sie – glaube ich – in Essen kein zweites Mal. Meiner Ansicht nach. Von der Atmosphäre her, vom Publikum her, selbst von den Stammkunden. Hier kennt sich jeder. Hier wird geduzt meistens, nee, hier gibt’s kein Sie. Im Großen und Ganzen ist das schon eine Gemeinschaft hier.“

Christoph Gocke und Sara Bildau radeln an der Moschee in Duisburg-Marxloh entlangWeiter geht’s für uns: Am Rhein-Herne-Kanal entlang nach Oberhausen - vorbei am Gasometer. Unseren nächsten Stopp machen wir bei einer Kleingartenanlage. Seit 30 Jahren bauen Vera und Alois Ilas hier Gemüse an. Ihren Garten bezeichnen sie als ihr eigenes Fitnesszentrum: „Man hat immer Bewegung, wenn man im Garten ist. Man sieht, was man gestern gemacht hat, wie sich Pflanzen erholt haben und wir brauchen nie was kaufen. Da ist Broccoli, eine Reihe Blumenkohl, Rotkohl und Wirsing und Weißkohl. Und diese Pflanzen sind dieses Jahr super schön.“ Vera Ilas lässt nichts auf ihr Gemüse kommen. Deshalb muss Christoph sofort zum Geschmackstest antreten: Es gibt selbstgemachten Rhabarber-Kompott. Ein Traum, nicht zu süß, aber sehr fruchtig. Natur pur.
Wir machen uns auf den Weg nach Duisburg zur größten Moschee Deutschlands. Hier im Stadtteil Marxloh beträgt der Ausländeranteil etwa 35 Prozent. Wir lernen Mario mit seiner Freundin Kirsten kennen. Er lebt seit 20 Jahren in Marxloh und hat inzwischen mehr türkische als deutsche Freunde: "Die sind offen und ehrlich hier die Leute. Das ist schon richtig so. Hier gehöre ich hin! Herzensgute Menschen hier, gastfreundlich alle. Das ist das wichtigste. Hier kriegt man mal einen Kaffee ausgegeben ohne zu bezahlen oder Döner essen ohne zu bezahlen. Das gibt es nicht überall."
Nach weiteren fünf Kilometern auf dem Rad kommen wir im Duisburger Landschaftspark Nord an. Rauf auf den Hochofen – hier endet unsere Tour durchs Ruhrgebiet. Überzeut haben uns vor allem die Menschen. Hart im Nehmen, herzlich im Geben. Ihretwegen hat sich die Anstrengung bei der Fahrradtour gelohnt. Absolut! (Text: Sara Bildau)


VJ-Kamera Panasonic DVX-100 mit drei Mikrofonen und einem Kopfhörer
VJ-Kamera mit drei Mikrofonen und einem Kopfhörer


Route Ruhr.2010: Dortmund - Duisburg

Routen-Karte Ruhr.2010: Dortmund - Duisburg
Rot = Fahrt-Route; Blau = Etappen-Start/-Ziel


Etappen Ruhr.2010: Dortmund - Duisburg (4.-6.6.2010)

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 4.6.2010 Dortmund Castrop-Rauxel - Herne - Wanne-Eickel Gelsenkirchen 51
2. 5.6.2010 Gelsenkirchen Zeche Zollverein Essen 28
3. 6.6.2010 Essen Oberhausen Duisburg 34
Summe 113

Sara in der Straßenbahn, Duisburg
Endstation Straßenbahn: Rettung vor dem Regen in Duisburg


Anschluss Tour 24 Stunden Ruhr: Quelle - Mündung (226 km) Aug. 2010
Den ganzen Fluss non-stop in einem Nacht-Tag-Marathon


Nächste Tour: Jerewan - Noworossijsk (1460 km) Aug. 2010

Vorherige Tour: Richen - Füssen (670 km) April 2010


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Tour 48: Karakorum-Highway (1010 km) 2009
Karakorum 2009
Chris Tour 51: Khartum - Addis Abeba (1760 km) 2010
Äthiopien 2010
on the Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) 2011
Moldau 2011
Bike Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
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