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VG WORTTour 46: Rhône: Quelle - Mündung (905 km)


Viviers, Rhône-Tal, Frankreich
Viviers, Rhône-Tal, Frankreich

Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Rhône: Quelle - Mündung (11.-18.4.2009)
Vom Gletscher zum Mittelmeer in acht Tagen

Ausrüstung: Bike & More
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Unsere Ostertour 2009 folgte nur einem Fluss: der Rhône. Wenige Meter entfernt von der noch tief verschneiten Quelle in der Schweiz starteten wir, um nach acht Tagen bis zu ihrer Mündung ins Mittelmeer in der Camargue zu kommen: durch Sion, Lausanne, Genf, Lyon, Avignon - mit einem Abstecher nach Zermatt. In der Schweiz bildet der Rhône-Radweg die erste von neun nationalen Velorouten, die das ganze Land durchziehen. Vom Genfer See an dann noch mehr ein Radweg im Entstehen: das Rad-Projekt du Léman à la mer ("Vom Genfer See zum Mittelmeer") ist teils schon recht weit gediehen, meist aber noch pure Zukunftsmusik.

Der Schaffner kann es nicht so recht fassen
Karfreitag, 10. April 2009: Zug Mainz - Basel - Bern - Brig

Ich will zum Zug. Mit beiden Rädern und dem Großteil unseres Gepäcks. Für den 12.38-Uhr-Zug gab's keine Fahrradplätze mehr. Ich habe jetzt zwei Fahrradreservierungen für den 10.38-Uhr-Zug, Miri kann aber erst um 12.38 Uhr fahren. Muss ich allein vorfahren. Und erst mal zum Bahnhof kommen.
Schloss Stockalper von Brig, SchweizGrundregel: Immer auf dem kleineren Rad fahren. In dem Fall Miris Rad. Das rechte Handgelenk leistet Schwerstarbeit, während es das rechte Rad samt Gepäck führt. Erst auf dem Bahnhofsplatz kippt das Rad. Der Bremshebel am Lenker blieb im Triathlon-Lenker hängen. Der Schaffner kann's nicht so recht fassen, dass ich mit zwei Rädern reise. Warum nicht?
Zweieinhalb Stunden warte ich in Basel auf dem Bahnsteig auf Miri. Ein schöner, sonniger, warmer Tag nach dem langen, kalten Winter. In Brig auf etwa 700 Meter ist es nicht mehr ganz so warm.


Meterhoher Schnee: Miri radelt durch Oberwald, Wallis, Schweiz
Meterhoher Schnee: Miri radelt durch Oberwald, Wallis


Abbruch am Simplon, Abfahrt am Gletscher
Karsamstag, 11. April 2009: Brig - Simplon-Passstraße - Brig - Zug - Oberwald - Brig (60 km)

Zum Warmwerden wollen wir auf den Simplon-Pass fahren. Acht Stunden habe ich vor 27 Jahren auf meiner ersten großen Tour mit Georg und seinem Torpedo-Drei-Gang-Rad gebraucht, um von Brig auf den Pass zu kommen. Anfangs fahrend, weitgehend schiebend. Mit unsern 27-Gang-Rädern scheint es schneller zu gehen. Inzwischen sind Schnellstraße und Autobahn dazugekommen.
Wir wählen die kleinste Straße. Die soll über Rosswald führen. Doch kurz nach der Sessellift-Station mit gleichem Ziel zieren erste Schneestreifen den Straßenbelag. Bald ist gar kein Durchkommen mehr. Wie wenig Schnee ausreicht, um ein Fortkommen auf dem Rad unmöglich zu machen, haben wir bei unserer letztjährigen Ostertour in den Pyrenäen erlebt. Weil sich auch mein linker Oberschenkel nach zu viel Marathon und zu wenig Magnesium bemerkbar macht, kehren wir nach 480 Höhenmetern um. Ganz um. Können noch einem schweizer Paar raten, einen andern Aufstieg zu wählen. Und setzen uns in die Bahn, die uns nach Oberwald auf 1377 m bringt.
Miri auf dem Radweg an der Rhône/Rotten, Wallis, SchweizWir wollen zur Rhône-Quelle. Das Hotel Rhônequelle, in dem wir am liebsten übernachtet hätten, hat geschlossen. Die meisten Unterkünfte sind geschlossen, zahlreiche Häuser stehen zum Verkauf. Und neben den Straßen und auf den Häusern liegt reichlich Schnee (Foto oben).
Auch der drei Kilometer weite Weg zur Quelle ist zum "Winterwanderweg" erklärt. Schneedecke schon hier unten etwa ein Meter. Im Grunde entspringt die Rhône, die die Schweizer hier Rotten nennen, "ewigem Eis": dem Rhône-Gletscher. Kein Wunder, dass die Rhône schon in Oberwald etwa drei Meter breit ist (Foto rechts). Alles andere als ein schmales Rinnsal. Gegenwind lässt uns bei dem Gefälle kalt, bald sind wir wieder in Brig.
Die Osternacht in der völlig überfüllten Pfarrkirche beginnt reichlich früh um 20 Uhr und ohne Osterfeuer. Verziehen wir uns zu den Ursulinen, die eine halbe Stunde später mit ordentlichem Osterfeuer starten. Und himmlischen Stimmen.


Frühling statt Schnee an der Rhône/Rotten im Wallis, Schweiz
Frühling statt Schnee an der Rhône/Rotten im Wallis


Blick auf das Matterhorn (4478 m) von Zermatt, SchweizKrater im Asphalt
Ostersonntag, 12. April 2009: Brig - Visp - Zug - Zermatt - Visp - Sion (102 km)

Mein persönliches Osterei lasse ich beim Osterfrühstück zurück: den roten Fleece-Pulli. Das Schlosshotel will ihn mir nachschicken. Und ist auch wegen perfekter Brote zu empfehlen.
Die Osternacht hat den Wind gedreht. So erwischen wir mit Wind im Rücken um 10.10 Uhr in Visp den Zug nach Zermatt. Auch heute lassen wir uns bergauf fahren. Nicht übermäßig günstig. Jeder Kilometer kostet samt Fahrrad-Transport fast einen Euro. Voller Touristen und Zermatter in Traditions-Tracht ist das (autofreie) Zermatt an diesem Ostermorgen.
Wolken ringsum lassen bei uns nicht die rechte Begeisterung aufkommen. Immerhin: das Matterhorn, laut meinem Gruppenleiter Norbert Drüke seit mindestens 1962 auf jedem Aral-Kalender zu finden, ist zu erkennen. Es zeigt Zermatt seine Steilwand (Foto rechts).

Chris neben dem Bike und vor dem Erdrutsch im Vispertal, Wallis, Schweiz

Bergab rollt sich's gut. Nur als ein Radweg den neuen Tunnel umfährt, geraten wir ins Stocken. Ein Erdrutsch hat tiefe Krater im Asphalt hinterlassen und blockiert den Weg (Foto links). Zumindest bis wir mit den Rädern darüber geklettert sind.
Wieder in Visp lassen wir uns erneut vom Wind treiben. Das leichte Zick-Zack des Radwegs stört nicht. Das breite, schöne Tal lädt dazu ein. Hier ist es frühlingshaft (Foto oben) - nur wenige Kilometer von den Zermatter und sonstigen Skipisten entfernt.
Mit dem heutigen Zielort Sion/Sitten und seinen zwei Burgbergen (Foto unten) erreichen wir in etwa die deutsch-französische Sprachgrenze im Wallis. Wo eine israelische Familie ihre Oster- oder Pessach-Ferien verbringt und die kleinen Kinder hebräische Zahlen in der blauen Stunde (Foto unten) üben. Und nicht alles schweizerisch-harmonisch ist. In der (deutschsprachigen) Zeitung habe ich heute einen Leserbrief gelesen. Eine Frau beschwert sich, das zweisprachige Wallis werde immer mehr von Französisch dominiert. Das aufgeführte Beispiel vermag nur begrenzt Mitleid zu erregen.


Beleuchteter Burgberg zur blauen Stunde in Sion/Sitten, Wallis, Schweiz
Beleuchteter Burgberg in Sion/Sitten zur blauen Stunde


Berg-Panorama von Sion/Sitten, Wallis, SchweizOlympische Muskel-Männer
Ostermontag, 13. April 2009: Sion - Montreux - Lausanne (110 km)

Leichter Gegenwind im breiten Rhône-Tal, das auf ein breites Felsmassiv zuführt. Bei Martigny, das ein paar Kilometer zu weit ab vom Weg liegt. Wir drehen vorher ab mit dem Fluss nach Norden. Gelegentlich direkt neben der Autobahn.
Schöne Pause in St. Maurice. Jetzt ist alles französisch. Auch die Mittagspause von zwölf bis zwei. Nur nicht für uns. Der Rhône-Radweg ist zuverlässig beschildert. Bis zum See, zu dem sich das Tal schließlich öffnet.
Nordufer oder Südufer? Das Südufer des Genfer Sees reizt landschaftlich mehr, das Nordufer mit seinen Städten. Wir diskutieren auch eine 50:50-Lösung: Bis Lausanne am Nordufer, von dort mit der Fähre zum Südufer nach Évian-les-Bains, wo das Evian-Mineralwasser gewonnen wird. Das Danone vermarktet. Vor allem in den USA.

Miri und das Château de Chillon am Nordufer des Genfer See / Lac Léman, SchweizDer Feiertag überschwemmt das Nordufer mit Spaziergängern. Die gewissermaßen bilinguale Aufforderung "Fair-play s.v.p." an Fahrradfahrer und Fußgänger ist nur um den Verzicht auf jedes Radln möglich. Wir versuchen voranzukommen, wechseln aber bald auf die Straße. Die Radweg-Kennzeichung verlieren wir in diesem See-Bereich aus den Augen. Auch die Skater werden seit geraumer Zeit mit eigenen Hinweisen bedacht.
Miri entdeckt in Montreux unter den Spaziergängern Eltern einer Freundin. Das Château de Chillon schiebt sich als Wasserschloss schön ins Bild (Foto rechts). Man fährt eine ganze Weile darauf zu. Und an mehreren chicen Nestlé-Zentralen vorbei. Reichlich Privatgrundstücke reichen an den See und verhindern einen durchgehenden Uferweg. Am östlichen Ortsrand von Lausanne ist das Olympische Museum unübersehbar. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat seinen Sitz am andern Ufer-Ende der Stadt.
Die Serpentinen-Auffahrt zum Museum ist gesäumt von muskulösen Denkmalen. Ganz oben rennt Rennlegende Emil Zatopek Richtung Museum. Das mit großen Video-Wänden lockt. Im Shop finden sich Souvenirs von jeglichen Olympischen Spielen der Gegenwart. Ob 1972 München, 1976 Montréal, 1980 Moskau, 1984 Los Angelos bis 2008 Peking oder gar 1936 Berlin: keine Olympia-Veranstaltung ist nur in positiver, rein sportlicher Erinnerung. Immer wieder fällt Schatten auf dieses Mega-Event. Und seine Profiteure am Genfer See.
Die Fähre nach Évian fährt. Ohne uns. Wir entscheiden uns für das großartige Backpacker Guesthouse in Lausanne. Mit Blick aus der Höhe zum See. Auch wenn der Abendspaziergang durch die Stadt bis zur Kathedrale, deren Südportal durch eine Glaswand gesichert wird, noch viel, viel höher führt.


Cluniazenser-Priorat Saint-Sulpice (11. Jh.) am Nordufer des Genfer See / Lac Léman, Schweiz
Cluniazenser-Priorat Saint-Sulpice (11. Jh.) am Nordufer des Genfer See


Morgenstimmung am Genfer See / Lac Léman bei Lausanne, SchweizVive la französische Ess-Kultur
Dienstag, 14. April 2009: Lausanne - Genf - Grenze Schweiz/Frankreich - Seyssel (128 km)

Schöne Morgenstimmung am See. Schmale Wege und Stege, eigentlich nur für Fußgänger, doch die gibt es kaum, führen direkt am Ufer entlang. Holperig romantisch (Foto links). Auch wenn die Sicht heute schlechter ist. Die Kirchenreste des ehemaligen Cluniazenser-Priorats Saint-Sulpice (Foto oben) geben immer noch eine prächtige calvinistische Rest-Kirche ab.
Wenig später führt die jetzt wieder erkennbare Veloroute 1 etwas unmotiviert in die Weinberge. Und quert gelegentlich Gleise und Autobahn. Das nervt. Wir kehren zurück auf die Uferstraße, die meist einen respektablen Radweg zur Seite hat.
Die Uefa hat ihren Sitz im weniger bekannten Nyon, wo sie grad kräftig ausbaut. Die Uefa ist mit ihren 53 Mitgliedsländern nicht ganz unwichtig für meine Radl-Statistik. Mit der Uefa zähle ich England, Nordirland, Schottland und Wales als eigene Länder. Von den UEFA-Ländern fehlen mir derzeit noch Armenien, Färöer, Kasachstan und Island. Der UEFA fehlt dafür im Gegensatz zu mir der Kosovo, Monaco und der Vatikan...
In Genf potenziert sich die Zahl der internationalen Organisationen, die ihren Hauptsitz am See haben: IKRK, ILO, ÖRK, UNHCR, WHO. Wir machen einen Abstecher durch den Botanischen Garten mit blühenden Magnolien (Foto unten beim 19. April) zum ehemaligen Völkerbund-Gelände, wo die Uno ihren Europa-Sitz hat. Ein nahezu endloses Spalier von Fahnen der Mitgliedsländer. Früh erblicken wir auch die 140 Meter hohe Wasserfontäne über der City. In der Kathedrale durchkreuzt die calvinistisch motivierte Ausrichtung auf die Kanzel die gotische Konstruktion.
In der Touri-Info versuchen wir noch was zu erfahren über das Rad-Projekt du Léman à la mer ("Vom Genfer See zum Mittelmeer"). Die Mitarbeiterin kann aber auch nur die im Aufbau befindliche (und inzwischen wieder verschwundene) Internet-Seite aufrufen. Immerhin bekommen wir eine exzellente Fahrradkarte für Genf und Umgebung, die uns straight aus der Stadt führt. Über die Route de Chancy. Da ein direkter Uferweg an der Rhône nicht zu erkennen ist. In Chancy beginnt dann, wie wir eine Stunde zu spät erfahren, der beschilderte Radweg "du Léman à la mer".
Wir wählen einen andern Weg über die seit Mitte Dezember offene Schengen-Grenze nach Frankreich und den ersten Durchbruch der Rhône durch den Jura nach Bellegarde. Dort ist die Touri-Info richtig fit. Und weiß auch etwas vom Rhône-Radweg. Vor allem von den Unterkünften der Gegend. Das erlaubt uns nach telefonischer Voranmeldung noch bis zum Hotel Beau Séjour in Seyssel zu fahren. Zunächst ein bisschen aufwärts bis Billiat und dann sanft durch Hügelland oberhalb des Rhône-Tals.
Seyssel ist eine geteilte Stadt. Durch die Rhône. Das Westufer gehört zum allerersten französischen Département, durch das wir seit der Grenze fahren, der No. 01: Ain. Das Ostufer, wo wir auch unser frisch renoviertes Hotel finden, zu Haute-Savoie. Endlich testen wir Rhône-Wein. Allerdings nicht in der Westufer-Pizzeria, wo auch gegen 22 Uhr nur Menus aufgetragen werden. Vive la französische Ess-Kultur.


Blick vom Hotel Beau Séjour in Seyssel vom Ostufer der Rhône auf das Westufer mit dem geschlossenen Hôtel du Rhône, Frankreich
Blick vom Hotel Beau Séjour in Seyssel vom Ostufer der Rhône auf das Westufer mit dem Hôtel du Rhône


Fahradweg-Beschilderung 'du Léman à la Mer' in Seyssel, FrankreichEd, Mc und ein englischer Taiwanese
Mittwoch, 15. April 2009: Seyssel - Murs-et-Gélignieux - Montalieu-Vercieu - Lyon (145 km)

Französisches Frühstück. Croissant, Baguette, Café au lait, jus d'orange. Was will man mehr? Von allem. Als Radler.
Sogar der Radweg ist ein paar Meter mit dem "du Léman à la mer"-Logo beschildert (Foto links). Unser Versuch, danach wenigstens dem Ufer-Wanderweg zu folgen, endet an einer geschätzten 20-Prozent-Steigung auf Kiesgrund. Back to the road.
Bei Chanaz öffnen wir schon wieder einen Bauzaun und erreichen so den nagelneuen Radweg, der sich dann fast durchgehend 50 Kilometer lang erstreckt (Foto unten). Bei Belley wechseln er und wir vom Ost- wieder aufs West-Ufer. Nicht ohne Zwischenstopp bei Ed und Mc.
Vergeblich suchen wir an der Südspitze der Rhône-Schleife auf einer Insel die Grotte d'une bonne femme. Dann ist es warm genug für ein Sonnenbad im Gras des Rhône-Ufers (Foto Ausrüstungs-Seite ganz oben). Kurz darauf bei Evieu hört der Radweg auf. "Partageons la route" (Last uns die Straße teilen) heißt es gern auf Schildern, die Auto und Fahrrad schiedlich friedlich nebeneinander zeigen.
Die folgende nördliche Rhône-Schleife kürzen wir über Montalieu-Vercieu ab, um am Abend noch Lyon zu erreichen. Zuletzt gegen immer stärker werdenden Gegenwind und irritierende Beschilderungen. Von den Höhen erblicken wir einmal kurz auf der andern Rhône-Seite einen wohl ganz akzeptablen Radweg.
Jenseits von Rhône & Saône erklimmen wir in Lyon die Höhen der Jugendherberge. Die, ähnlich wie 2003, durch eine 20 bis 21 Uhr Rezeptions-Schließung und grässliche Akustik bei lautester Musik versucht abzuschrecken. Immerhin ist der in Taiwan lebende Engländer, der samt Mini-Notebook und reichlich Gepäck nach Amsterdam geflogen ist, um von dort das europäische Festland aufzurollen, genau so betroffen. Das Frühstück versöhnt dann wieder...


Frisch angelegter Rhône-Radweg bei Belley, Frankreich
Frisch angelegter Rhône-Radweg bei Belley


Sängerschule Manécanterie (12. Jh.) neben der Kathedrale St. Jean in LyonUnbefleckte Empfängnis und 200 Extra-Höhenmeter in der Abenddämmerung
Donnerstag, 16. April 2009: Lyon - Vienne - Tournon-sur-Rhône - Saint-Péray (115 km)

Richtiger Regen. Wir schwanken zwischen einer Zugfahrt nach Arles, um von dort Rhône-aufwärts nach Lyon zu fahren, und dem Warten auf das Regen-Ende. Die wechselnde Windvorhersage für die kommenden Tage spricht nicht für eine Umkehrung der Tour-Richtung. Machen wir einen Regen-Spaziergang über die Höhen von Lyon, widmen mit der Basilika Notre-Dame de Fourvière einige Zeit dem 19. Jahrhundert samt einem Riesen-Mosaik mit Pius IX., der in einer Sänfte 1854 das Dogma der Unbefleckten Empfängnis Mariens verkündet.
Der Regen endet. Fast. Anders als die Einfahrt in die Stadt, ist die Ausfahrt (nach einer Stippvisite bei der Kathedrale: Foto rechts) kurz und schmerzlos. Die Uferstraße ist wegen eines Erdrutsches gesperrt, von daher angenehm zu fahren. Dann geht's linksrhonisch 'ne Weile an der Autobahn und später Schnellstraße entlang. Vienne ist das erste nette Ziel. Und vor Sablons entdecken wir einen frisch produzierten Fahrradweg.
Von Sablons an ist rechtsrhonisch eine gute Wahl. Die ehemalige Nationalstraße N 86 ist herabgestuft zur Département-Straße D 86. Zu Recht. Der Verkehr hält sich in Grenzen. Auch der Gegenwind kann uns nicht so viel anhaben, weil wir wissen, dass er morgen drehen wird.

Miri macht Pause auf den Uferterassen von AndanceAndance bietet einen blütengeschmückten Pausenplatz am Fluss (Foto links). Weil unser Führer nicht gerade von Valence schwärmt, bleiben wir über Nacht rechtsrhonisch in Saint-Péray. Was uns in der Dämmerung eine Abendwanderung mit 200 Extra-Höhenmetern zum Château de Crussol ermöglicht.


Château de Crussol bei Saint-Péray in Rhône-Tal am Morgen, Ardèche, Frankreich
Château de Crussol bei Saint-Péray am Morgen


Abteikirche von Cruas, Ardèche, FrankreichDie Kreuzfahrer-Gruppen und überflüssige Schilder-Texte
Freitag, 17. April 2009: Saint-Péray - Cruas - Viviers - Bagnols-sur-Cèze - Roquemaure - Avignon (140 km)

Der kräftig ausgeschlafene Morgen bietet einen Sonnenblick auf das Château de Crussol (Foto oben). Es geht weiter auf der D 86, der Ex-N 86. Das ganze lange Département Ardèche hindurch.
Cruas ist, eingerahmt von Betonwerk und Atomkraftwerk, gleichwohl ein Juwel. Die zentrale Abteikirche aus dem 12. Jahrhundert (Foto links) präsentiert sich überraschend anachronistisch als Charles-de-Foucauld-Kirche.
Der vor ihr eingekaufte und eingenommene Reispudding bekommt mir nicht so gut. Miri fährt vorerst vor. Ein bisschen hügelig. Viviers (Foto unten) toppt dann Cruas et al. Von einem Kreuzfahrtschiff gelassene Reisegruppen werden durch die Altstadt vorbei am Maison des Chevaliers rauf zur Kathedrale geführt. Ein Kurz-Konzert mit Bachs Toccata und Fuge in d-Moll wird den Rhône-Kreuzfahrern geboten. Und mir.
Der dritte schöne Pausenplatz heute liegt vor dem Rathaus von Bagnols-sur-Cèze. Kurz darauf wählen wir die D 980 als ruhige Nebenstrecke. Der Rhône-Damm wäre noch schöner, wenn er asphaltiert wäre. So hält er uns nur wenige Minuten. Trotz nachlassender Kraft halten wir durch bis Avignon. Das ist für Miri ein schöner Ruhetags-Ort und für mich eine gute Basis für die letzten Rhône-Kilometer zum Mittelmeer.
Texte, die man jeden Tag viel zu oft liest: "Cédez le passage" - "Vous n'avez pas la priorité" - "Un train peut en cacher un autre" Alles überflüssig, weil die Verkehrsschilder genau das aussagen sollen und grade dazu da sind, Texte zu vermeiden, weil Bilder schneller aufgenommen werden können.


Dächer der Altstadt von Viviers, Rhône-Tal, Ardèche, Frankreich
Dächer der Altstadt von Viviers, Rhône-Tal


Herrenrad Panther Dominance Trekking mit Kanal und Pappel in der Camargue, FrankreichSehnsüchtiger Blick aufs Mittelmeer
Samstag, 18. April 2009: Avignon - Beaucaire - Fourques - Plage de Piémanson - Salin-de-Giraud (105 km) - Bus - Arles - Zug - Lyon

Im Morgenlicht sehe (und fotografiere: Foto unten) ich jene Brücke, die durch das Lied Sur le pont d'Avignon universal zum Tanz lädt. Übrigens ursprünglich gesungen als "Sous le pont d'Avginon" (Unter der Brücke von Avignon), weil sich dort zu Zeiten des Papst-Exils in Avignon das Rotlicht-Viertel befand.
Heute nur noch kräftiger Nordwind. Fast schon jener Mistral, der einem das Rhône-aufwärts-Fahren vermiesen kann. Weiter rechtsrhonisch. Flach. Hinter Arles ganz flach. Camargue. Kaum Verkehr. Viele Felder stehen unter Wasser. Hier und da Pferde. Schimmel.
Der letzte Ort: Salin-de-Giraud. Die Salinen-Becken zur Salzgewinnung folgen auf den letzten Kilometern zum Meer. Im Office du Tourisme weiß man nichts von einem Radweg "du Léman à la mer". Und ist überhaupt nicht sehr auskunftsfreudig über die andere Seite des Rhône-Deltas. Dort ist von Port-Saint-Louis du Rhône an ein Radweg bis zum Meer schon fertig. Mehr aber auch nicht. Und die Anlagen des großen Hafens sehen von dieser Seite nicht übermäßig einladend aus. Mich hält auf der rechten Rhône-Seite aber auch die Information, dass es keine Brücke sondern nur eine Fähre zur andern Seite gibt.
Ich lasse mich vom Wind die letzten Kilometer zum Meer treiben. Die Straße endet als Sackgasse umgeben von Wohnmobilen. Sonst nichts. Ein paar Gruppen liegen am Strand. Ich bin am Ziel. Das Delta selbst liegt im Naturschutzgebiet unerreichbar.
Der Bus fährt im Hochsommer vom Strand zurück nach Arles. So muss ich die letzten zwölf Kilometer retour nach Salin-de-Giraud. Und weil ich jetzt gegen den Wind den Bus um 13 Uhr kriegen muss, bleibt keine Zeit für ein Bad im Meer. Nur der sehnsüchtige Blick.


Sur le pont d'Avignon: Rhône-Brücke St. Bénézet (12. Jh.) mit zweistöckiger St. Nicolas-Kapelle, Provence, Frankreich
Sur le pont d'Avignon: Rhône-Brücke St. Bénézet (12. Jh.) mit St. Nicolas-Kapelle
Sous le pont d'Avignon war zu Zeiten des Papst-Exils das Rotlichtviertel


Magnolien-Blüte im Botanischen Garten von Genf, SchweizStressfreie Sympathie
Weißer Sonntag, 19. April 2009: Zug Lyon - Genf - Basel - Mainz

Am Abend sind wir noch von Avignon nach Lyon gefahren. Unser Hotel direkt am Bahnhof Part Dieu ermöglicht einen fast stressfreien Morgen. An vielen Orten unserer Tour fährt uns die Bahn noch einmal vorbei. Und immer wieder die Rhône, eine überaus sympathische Begleiterin unserer Oster-Tour 2009.


Miri and Chris on the Bike
Miri and Chris on the Bike


Route Rhône: Quelle - Mündung



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen

Etappen Rhône: Quelle - Mündung (11.-18.4.2009)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 11.4.2009 Brig Simplon-Passstraße - Brig - Zug - Oberwald Brig 60
2. 12.4.2009 Brig Visp - Zug - Zermatt - Visp Sion 102
3. 13.4.2009 Sion Montreux Lausanne 110
4. 14.4.2009 Lausanne Genf - Grenze Schweiz/Frankreich Seyssel 128
5. 15.4.2009 Seyssel Murs-et-Gélignieux - Montalieu-Vercieu Lyon 145
6. 16.4.2009 Lyon Vienne - Tournon-sur-Rhône Saint-Péray 115
7. 17.4.2009 Saint-Péray Cruas - Viviers - Bagnols-sur-Cèze - Roquemaure Avignon 140
8. 18.4.2009 Avignon Beaucaire - Fourques - Plage de Piémanson Salin-de-Giraud 105
Summe 905

Frühjahrs-Blüte in Stalden an der Verzweigung zum Saas- und Nikolaital, Wallis, Schweiz
Frühjahrs-Blüte in Stalden an der Verzweigung zum Saas- und Nikolaital


Mittelmeer-Umrundung
Die mediterrane Mega-Tour


Anschluss Tour 76: Genfer See - Stuttgart (792 km) März 2016

Anschluss Tour 63: Lago Maggiore - Breisach (450 km) März/April 2013

Anschluss Tour 54: Lyon - Paris (562 km) Nov. 2010

Anschluss Tour 39: Nizza - Nogaro (1085 km) März/April 2008

Anschluss Tour 21: Brest - Lyon (1018 km) März 2003

Anschluss Tour 5: Strasbourg - Santiago (2144 km) Sept. 1987

Anschluss Tour 2: Düsseldorf - Rom (1719 km) Sept. 1982


Nächste Tour: Mulde: Zwickau - Dessau (240km) Juni 2009

Vorherige Tour: Libanon & Zypern (765 km) Feb. 2009


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Tour 48: Karakorum-Highway (1010 km) 2009
Karakorum 2009
Chris Tour 51: Khartum - Addis Abeba (1760 km) 2010
Äthiopien 2010
on the Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) 2011
Moldau 2011
Bike Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
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