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VG WORTTour 40: Nürnberg - Prag (440 km)


Max, Chris und Günter beim Start in Nürnberg
Max, Chris und Günter beim Start in Nürnberg


Die Filme über die vier Etappen


Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Paneuropa-Radweg: Nürnberg - Prag (12.4.-15.4.2008)
Durch Feld, Wald und Wiese in Bayern und Böhmen

Foto Special: Diamant-Bike
Foto Special
Diamant-Rad
Am 12. April 2008 ist in Nürnberg der Paneuropa-Radweg freigegeben worden. Er verbindet Paris mit Prag auf 1570 Kilometer. Am selben Tag starteten wir von Nürnberg nach Prag, um diesen Teil des Paneuropa-Radwegs unter die Lupe zu nehmen. Mit dabei Max und Günter, zwei bayrische Radler, sowie mein Kamera-Equipment samt Stativ. Foto Special: Paneuropa-Radweg in Tschechien
Foto Special
Paneuropa

Paneuropa-Station: Christoph Gocke in Nürnberg
Paneuropa-Station: Christoph Gocke in Nürnberg


Karte Paneuropa-RadwegProlog: Paneuropa-Radweg
Ein neuer Fernradweg verbindet Metropolen in Europa. Auf 1570 km kann man der Trasse des Paneuropa-Radwegs von Paris nach Prag folgen: von Frankreich durch Deutschland nach Tschechien. Bei diesen drei Ländern schon von Paneuropa zu sprechen, was so viel wie All-Europa bedeutet, ist natürlich reichlich selbstbewusst. Aber nicht auszuschließen, dass der Paneuropa-Radweg eines Tages noch paneuropäischer wird.
Das Wort Paneuropa geht auf ein gleichnamiges Buch des damals 29 Jahre alten Adligen Graf Richard N. Coudenhove-Kalergi (1894-1973) zurück. Er beschrieb darin 1923 die Vision einer europäischen Einigung. Er avancierte zum Gründer und Präsidenten der Paneuropa-Union, der einst auch Albert Einstein, Thomas Mann und Franz Werfel angehörten. Der deutsche Zweig steht heute der CSU nahe.
Paneuropa nennen sich aber auch Logistik- und Reise-Unternehmen. Internationale Verträge bestimmen Paneuropäische Verkehrskorridore und ein Paneuropa-Mittelmeer-Ursprungsprotokoll für Zoll-Abfertigungen in einem gemeinsamen Wirtschaftsraum. So führt dann eines Tages vielleicht auch der Paneuropa-Radweg noch durch Algerien, Libyen, den Gaza-Streifen und die Türkei rund ums Mittelmeer...


Beim Hammerwerk in Laufamholz, Nürnberg
Beim Hammerwerk in Laufamholz, Nürnberg


Radl-Comeback: Nach 25 Jahren wieder in Nürnberg - und was sich alles geändert hat

Günter GschwinderSamstag, 12. April 2008: Nürnberg - Lauf an der Pegnitz - Gebenbach (90 km)
Durch Nürnberg bin ich zuletzt vor 25 Jahren und 12,5 Tagen geradelt: Am 31.3.1983 auf dem Weg nach Budapest. Radwege waren damals weitgehend unbekannt, Rad-Tourismus unvorstellbar und gegen die Einbahnstraßen radeln nirgendwo erlaubt. Heute gibt es rund um die Lorenzkirche in Nürnberg nur ein Thema: der Paneuropa-Radweg wird hier und heute feierlich freigegeben.
Viele Regionen, die an der Strecke liegen, präsentieren sich mit Ständen. Ein buntes Folklore-Programm läuft auf der Bühne. Ganz am Rande stehe ich mit Max und Günter vor meiner Kamera. Wir wollen die Jungfernfahrt machen. Zumindest auf dem Streckenabschnitt von Nürnberg nach Prag. Mehr lässt die Zeit nicht zu. Und die Kamera kommt samt Stativ und Ausrüstung mit. 30 Kilo hab ich, der Gepäckminimalist, auf dem Rad. Damals, vor 25 Jahren war es ein winziger Rucksack, der wohl zwei bis drei Kilog wog. Zur Orientierung diente ein kleiner Notizzettel, auf dem Informationen standen wie: Aschaffenburg - Passau B8. Und ich hatte keinen Fotoapparat, geschweige denn eine Video-Kamera.
Diesmal habe ich für das Gepäck extra vier Bar in beiden Reifen. Das Stativ ragt weit aus dem Korb heraus auf die Fahrbahn. So halten die Autos wenigstens besser Abstand.

Sonnenuntergang bei der Ortschaft Süß (Hahnbach)Der Paneuropa-Radweg folgt über weite Strecken bestehenden Radwegen – hinter Nürnberg dem Fünf-Flüsse-Radweg: Zunächst ist es die Pegnitz, die uns Richtung Oberpfalz führt. Gerade jetzt am Wochenende ist dieser typische Fluss-Radweg beliebt bei Radlern, Skatern, Joggern und Spaziergängern. Romantische Örtchen wie Laufamholz (Foto oben) reihen sich aneinander.
Dann wird es hügeliger. Hier treffen Max und Günter Radl-Freunde. Die staunen nicht schlecht über unsere Pläne. In vier Tagen nach Prag. Bald geht's auch mal bergab, was mit dem Kamera-Equipment besonders angenehm ist; auch, weil man dabei wesentlich besser filmen kann als beim Bergauffahren. Günter (Foto links) ist happy: "Es ist wunderbar heute. Das Wetter passt, Steigungen halten sich in Grenzen, die erste Etappe ist wirklich prima."
Noch ein Highlight: Sulzbach-Rosenberg. Hauptstadt jener Gegend, die das "Ruhrgebiet des Mittelalters" genannt wird: Schon vor tausend Jahren wurde hier Eisenerz abgebaut. Zeitweise gab es 300 Hütten und Hammerwerke. Das Rathaus zeugt vom alten Reichtum. Eine letzte Abfahrt in den Ort "Süß" und ein letzter Anstieg in der untergehenden Sonne (Foto rechts) auf dem Paneuropa-Radweg bevor wir endlich das kleine Dörfchen Gebenbach erreichen – 350 Kilometer vor Prag.


Monte Kaolino
Am Monte Kaolino


Oberpfalz-Highlights: Monte Kaolino und der Bockl-Dampf-Obstler

Max Müllhofer, zweiter Bürgermeister von Pleystein, OberpfalzSonntag, 13. April 2008: Gebenbach - Neustadt an der Waldnaab - Bockl-Radweg - Eslarn (113 km)
Goldiges Wetter auf der Goldenen Straße nach Prag. Der Paneuropa-Radweg verläuft hier auf dem Landkreis-Radweg Nummer 4. So kommmen wir in das Tal der Waldnaab, dem wir bis Neustadt an der Waldnaab nach Norden folgen. Von dort soll es über den Bockl-Radweg wieder nach Süden gehen bis zur tschechischen Grenze.
Meine beiden bayrischen Mitfahrer Max und Günter zeigen mir mit einem kleinen Schlenker das Kaolin-Abbaugebiet bei Amberg. Das, was beim Abbau übrigbleibt, ist über Jahrzehnte zu einem großen Sandberg aufgeschüttet worden: der 120 Meter hohe Monte Kaolino (Foto oben): 35 Millionen Tonnen reiner Quarzsand. Im Sommer kann man hier sogar Ski fahren. Auch wenn der Berg Kaolino heißt: das tonhaltige Kaolin ist vorher herausgefiltert und zu Keramik verarbeitet worden. Aus einem Teil des Sandes wird Glas gemacht.
Dann geht’s richtig los; Max (Foto links) fährt meist voran mit seinem Mini-Gepäck: "Auf so einer Tour viel Gepäck mitzuschleppen, belastet einen nur. Es reicht ein bisschen Kleidung zum Umziehen, was für die Nässe und für die Kälte. Und ansonsten sparsamst wie möglich auskommen.“

Wehr in der Waldnaab bei Weiden, OberpfalzDer Landkreis-Radweg scheut auch vor ein paar Kilometern Waldstrecke nicht zurück. So werden wir schon mal auf die Wege in Tschechien eingestimmt. Als wir schon wieder aus Asphalt sind, spüre ich erste Folgen der Holperstrecke durch den Wald: Meine linke Pedale knackt unüberhörbar.
Die Schilder des Paneuropa-Radwegs haben keine Richtungs-Pfeile. Sie leihen sich die Richtung von andern Fahrrad-Wegzeichen. So gibt es meist keine Zweifel, wo es lang geht. Dann geht’s über ein Wehr (Foto rechts) bei Weiden in der Oberpfalz bis Neustadt an der Waldnaab. Hier beginnt der Bockl-Radweg. Der Bockl-Radweg gehört zu den jenen angenehmen Radwegen, die auf einer ehemaligen Bahntrasse verlaufen. So halten sich die Steigungen in jenen Grenzen, die die Loks vor hundert Jahren vorgaben. Ein älteres Ehepaar warnt uns vor den Pflöcken, die an den Straßenüberquerungen die Radler warnen sollen, ihnen aber gelegentlich zum Verhängnis werden. Besonders wenn größere Gruppen unterwegs sind.
Zwei Mädchen erzählen uns, wie sich ihre Griffe verharkt haben und die girlies daraufhin über die Lenker flogen. Zum Glück blieb es bei einer Beule.

Christoph, Günter und Max mit Bockl-Dampf-Obstler in der Raststation Floss am Bockl-Radweg, OberpfalzDer Bockl-Radweg hat eine eigene Radl-Raststation Floss. Hier bringt uns Renate Schaller den Salat – und mit ihrem Mann Harald bildet sie so etwas wie ein paneuropäisches Liebespaar. Sie ist Tschechin, er ist Deutscher, die zwei Töchter haben beide Staatsbürgerschaften. So können auch tschechische Gäste in eigener Sprache bedient werden. Zum Beispiel mit der Schnaps-Pfeife für den Bockl-Dampf-Obstler (Foto links).
Weiter führt der Bockl-Radweg mit seinen ganz sanften Steigungen auf angenehmste Weise durch das hügelige Oberpfälzer Land. Auf halber Strecke etwa kommt allerdings ein kleiner Wechsel von Aspahlt auf Asche. Aber auf der fährt es sich fast genauso gut.

Wallfahrtskirche auf dem Kreuzberg in Pleystein, OberpfalzWir nähern uns der Heimat von Max: dem Örtchen Pleystein. Im Schatten der Wallfahrtskirche ist Max aufgewachsen und dort lebt er auch heute noch. Als Bub habe er schon mal Angst davor gehabt, dass die Kirche vom 38 Meter hohen Rosenquarzfelsen (Foto rechts) herabstürze. Heute ist nicht nur diese Angst vergessen, sondern auch die Befürchtung, dass die Grenzöffnung nach Tschechien die örtliche Wirtschaft untergrabe. Manche Ortsansässige finden inzwischen sogar Arbeit in Böhmen.
Zuletzt zieht sich der Bockl-Radweg ein wenig dahin, muss die Autobahn A6 kreuzen, bevor wir endlich um 21 Uhr das Etappenziel Eslarn erreichen. Zwei, drei Kilometer noch und wir sind in Tschechien.


Schatten am Abend auf dem Bockl-Radweg
Schatten am Abend auf dem Bockl-Radweg


Tschechien: Pavel und Radka bringen uns zur Mutter aller Pils-Biere

Schatten am Abend auf dem Bockl-Radweg
Panslawistische Farben der tschechischen Fahne auf dem Paneuropa-Radweg

Mit Pavel auf der Brücke in seiner Heimatstadt Bela nad Radbuzou (Weißensulz)Christoph Gocke: VJ 22 in Böhmen mit Stativ im Fahrradkorb (Foto: Günter Gschwindler)Montag, 14. April 2008: Eslarn - Grenze Deutschland/Tschechien - Železná - Kladruby - Pilsen (Plzeň) (98 km)
Bevor wir über die tschechische Grenze fahren, schenkt uns Garbiele Buchbinder von der deutschen Grenz-Gemeinde Eslarn ein halbes Pfund Schokolade. Geschmückt mit der eigenen und der tschechischen Fahne.
Ruckzuck sind wir an der tschechischen Grenze, wo seit ein paar Monaten nicht mehr kontrolliert wird. Schon treffen wir Pavel – unseren ersten Guide in Tschechien. Pavel fährt voran, damit wir nicht vom Paneuropa-Radweg abkommen, und er zeigt uns seine Heimat.
Wir fahren am Flüsschen Radbusa entlang. Die fließt bis Pilsen – aber noch ist es nicht möglich, ihr den ganzen Weg über zu folgen. Es geht durch Wälder, und bald fordern die ruckeligen Wege ihr erstes Opfer Der Gepäckträger an meinem Fahrrad hat sich in seine Bestandteile aufgelöst. Es hilft nichts: Dreißig Kilogramm Gepäck müssen runter. Mit vereinten Kräften ist der Schaden schnell behoben. Fünf Minuten später sitzen wir schon wieder im Sattel.
Wir stärken uns mit der Schokolade aus Deutschland in Bela nad Radbuzou (Weißensulz), wo die Brücke über die Radbusa mit Heiligen-Figuren wie die vom Heiligen Wenzel schon an die Karlsbrücke in Prag erinnert (Foto links).

Paneuropa-Radweg und der tschechische Fernradweg 37Unter den Schildern der tschechischen Route 37 klebt jetzt fast überall der kleine deutsche Aufkleber „Paneuropa-Radweg“. Eben noch ein ganz neuer Asphalt-Weg in herrlichster Landschaft, dann plötzlich eine kleine Schlammschlacht quer durch die Äcker. Bald sind wir wieder auf Asphalt und ich kann mich mal mit meinem Reiseführer amüsieren – was der über böhmische Dörfer wie Kladruby (Kladrau) mit seinem Benediktinerkloster aus dem 12. Jahrhunder schreibt: 1771 wurden hier alle Häuser nummeriert. 1888 wurde das Postamt an das Telegrafennetz angeschlossen. 1923 gab es elektrische Straßenbeleuchtung. Half aber alles nichts: 1960 verlor Kladruby die Stadtrechte.
Kurz darauf erreichen wir die Radstation in Lhota u Stribra (Elhoten bei Mies). Hier übergibt Pavel das Kommando an unsern neuen Guide Radka. Sie ist hier besonders hilfreich ist, weil dieser Teilabschnitt des Paneuropa-Radwegs noch nicht ganz fertig ist. Bei Schloss Rochlow mit seiner Sammlung uralter Fahrräder, zeigt sie uns eine Fahrradwaschanlage.

Radka ZakovaRadka (Foto rechts) führt uns über kleine Straßen in ihre Heimatstadt Pilsen – doch über dem heutigen Etappenziel liegen bedrohliche Wolken: "I think there are showers, not very good."
Bei Schloss Krimice (Krimitz) begrüßt uns ein Fürst: Jaroslav von Lobkowicz (mit fast allen Namen und Titeln: Jaroslav Franz von Assisi Klemens Alois Gabriel Eleonnora Josef Anton Johann Bosco Joachim Felix Maria 14. Fürst von Lobkowicz, Herzog von Raudnitz, maltesischer Ordens-Ritter, tschechisches Parlaments-Mitglied 1998, 2002) erzählt von seiner Familien-Geschichte und dem Versuch, den alten Familien-Besitz zu sanieren. Das neue Dach schwächelt aber schon wieder und ist doch nur ein kleiner erster Versuch zu retten, was noch zu retten ist.
Als wir den Schlosshof von Krimice verlassen (Foto unten), haben sich die dunklen Wolken zurückgezogen. So erreichen wir regenfrei Pilsen – die Mutter aller Pils-Biere der Welt. Und nach der täglichen Dusche gibt es um 21 Uhr dann endlich auch für Max, Günter und mich ein Pils in Pilsen. Bilanz des ersten Tages in Tschechien: Max: „Sicherlich war es sehr anstrengend; da wir einige Berge zu bewältigen hatten, aber es war auch wunderschön, romantisch, traumhaft.“ Günter: „Die Radwege waren etwas anders, anstrengender als gerechnet. Das Ankommen in Pilsen hat für vieles entschädigt. Der Abend ist sehr schön.“


Radka fährt voran aus dem Hof von Schloss in Křimice (Krimitz)
Radka fährt voran aus dem Hof von Schloss in Křimice (Krimitz)


Mitternachts auf der Karlsbrücke

VJ-Interview bei laufenden Fahrrädern: Chris interviewt Günter (Foto: Radka Zakova)Dienstag, 15. April 2008: Pils (Plzeň) - Rokycany - Karlstein (Karlštejn) - Prag (139 km)
Kurz nach dem Frühstück lassen wir die Quelle aller Pils-Biere dieser Welt links liegen: Pilsner Urquell gehört inzwischen einem Weltkonzern aus Amerika und Südafrika. Vor uns die längste Etappe: noch 130 bis 140 Kilometer von Pilsen nach Prag. Reicht dafür ein Tag?
Radka Zakova ist wieder unser Guide. Wegen ihres Fahrrad-Nummernschildes "CycloRadka" nenne ich sie "Radl-Radka". Sie baut ein Fahrrad-Kommunikationsnetz für Pilsen auf. Ihr Leben dreht sich auf zwei Rädern. Für sie ist Fahrrad fahren Genuss und ein Muss – Passion. “I need it evry day, it’s a kind of discovery of new areas, of new countries.”
Auch heute lernen wir wieder in wenigen Stunden einige schöne Landschaften kennen. Erstaunlich wie weit man an einem Tag auf dem Rad kommen kann – und dadurch happy wird. „Es ist einfach wunderschön, durch die Landschaft zu radeln, mal andere Leute kennenzulernen und andere Gegenden“, sagt mein Mitfahrer Max. Das gilt auch für Rokycany, deren Innenstadt komplett unter Denkmalschutz steht.

Max, Chris und Günter an einer Hinweistafel (Foto: Radka Zakova)Und der Weg ist heute zunächst auch sehr angenehm: allerfeinster Asphalt. Radka meint lächelnd, hier habe der Paneuropa-Radweg (wie er auch von den Tschechen genannt wird) „german standard“. Ein „tschechischer Standard“ besagt: Minderjährige Radler müssen einen Helm tragen. Gerade kommt uns ein junger Mann ohne Helm entgegen. Wir halten ihn an. Pavel ist allerdings schon 22 Jahre. Radka stellt ihn trotzdem zur Rede, warum er nicht mit Helm fahre. Er fahre ja nur ganz kurze Wege zur Arbeit mit dem Fahrrad, da brauche er keinen Helm, meint er. Und schon ist er wieder auf und davon.
Der Paneuropa-Radweg folgt heute zunächst dem tschechischen Radweg Nr.3. Immer wieder findet man Paneuropa-Hinweistafeln (Foto rechts), auf denen die Strecke genau markiert ist. So kann man auch mal über eine Abkürzung nachdenken. Sogar Höhenprofile warnen uns vor den nächsten Abschnitten.

Tschechisches Lokal im HolzhäuschenRadka fährt zügig gut voran. Günter hat allerdings mit Frauen auch andere Erfahrungen gemacht: „Hat sich herausgestellt einfach konditionsmäßig, dass es nicht immer ohne Probleme ist, wenn Männer und Frauen dann gemeinsam Radtouren machen. Daher halte ich es für besser, wenn Frauengruppen getrennt fahren.“
In einem tschechischen Holzhäuschen (Foto links) bekommen wir Knödel und Gulasch für 2 Euro 50. Ein ideales Mittagessen. Dann durchqueren wir wieder Wälder. Diesmal auf einem perfekten Radweg in einer noch perfekteren Landschaft. Eine Kirche, an der wir vorüberfahren, ist ein bisschen so wie Tschechien rund 20 Jahre nach der Revolution: die linke Hälfte kaputt, die rechte bereits saniert.
Schließlich erwischt uns 50, 60 Kilometer vor Prag doch noch Regen (Foto rechts). Tagelang war er vorhergesagt. Aber immer sind wir ihm wie in einer Schönwetter-Glocke entkommen. Jetzt wird alles nass. Erst von oben, dann von der Seite durch die großen LKW und dann von unten durch die Pfützen.

Regen-PfützeKaum ist der Regen vorbei, hat es Günters Rad erwischt: Auch an seinem Gepäckträger war nach dem Dauerrütteln eine Schraube locker und hat sich verabschiedet. Er hat Ersatz dabei.
Etwas Todesmut verlangt direkt danach ein steiler Abhang. Nacheinander fährt jeder von uns langsam mit quietschenden Bremsen nach unten. Ondrej Fabera ist dazugestoßen, ein exzellenter Fahrrad-Profi, der extra für uns aus Liberec angereist ist. Er macht Tourismarketing zum Beispiel für Rabestein (Rabštejn). Und Tomas Havel, stellvertretender Bürgermeister der "Königsstadt Beroun" (Beraun) fährt in vollem Radlerdress mit auf seinen Ort zu.
Dass es jetzt noch wenig komfortabel auf einem Feldweg direkt neben der Autobahn weitergeht, will er ändern. Mit EU-Geldern. Wenn die nicht kämen, aus eigener Kraft. Denn: „Radtourismus ist sehr wichtig für uns, für die Entwicklung unserer Stadt.“ Kurz vor Beroun führt uns der Lokalpolitiker zunächst in einen Hinterhof direkt am Radweg. Jenseits der Trümmerhaufen verbirgt sich ein gastronomisches Juwel der böhmischen Stadt, das uns der zweite Bürgermeister voller Stolz zeigen möchte. Zu einer Probe der örtlichen Brauerei muss er uns nicht lange überreden.

Hürden-Radweg neben der Autobahn (Foto: Radka Zakova)Inzwischen ist es schon fast dunkel, während jetzt der wohl schönste Teil kommt. Das enge, felsige Tal bei Karlstein. Es wird eine lange Nachtfahrt an Karlstein vorbei in die Prager Innenstadt. Am Ortseingang stoßen Jitka Vrtalova und ihr Mann Vaclav zu uns. Sie baut das tschechische Bett & Bike System auf, genannt: Cyklistevitani. Durch düstere Straßen führt sie uns zu einem der ersten Radler-Unterkünfte von Prag. Der von Ales Marsik, der die "Penzion Na Statku" samt Fahrrad-Werkstatt rund um einen großen Innenhof betreibt. Ideale Bedingungen. Denn inzwischen hat auch noch das Rad von Max einen Erschütterungs-Schaden: Das Rücklicht ist spurlos verschwunden. „Keine Ahnung, wie das paassiert ist; irgendwie hat das durch die starken Erschütterungen die Lampe abgeschlagen; kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie das gehen kann.“ Ales Marsik hat schnell Ersatz montiert. Und dann raffen wir uns noch zu den letzten sieben Kilometern aus dem Vorort Hlubocepy bis zur Karlsbrücke auf. Ein Teil der Brücke ist Baustelle, doch auch danach ist sie menschenleer. Zwei einsame Polizisten ziehen ihre Runden. Es ist 23 Uhr.
Im Hintergrund leuchtet der Hradschin. Die Qualen sind vergessen. Wir haben die Goldene Stadt auf der Goldenen Straße erreicht (Foto unten). Max: „Jetzt ham wers geschafft, an der Jungfernfahrt des Paneuropa-Radweges teilzunehmen. Es ist schon großartig,jetzt auf der Karlsbrücke zu stehen, dieses wunderschöne Ambiente anzuschauen. Prag einmal zu erreichen und das mit dem Fahrrad, das ist das Höchste für mich. Ich wollte schon immer mal hierher. Ich freu mich, dass ich da bin.“ Günter fügt noch hinzu: „Das hat sehr viel Spaß gemacht.“
Jitka (Foto ganz unten) und Pavel bringen uns auch noch die sieben Kilometer wieder zurück ins Quartier nach Hlubocepy. Es ist schon nach Mitternacht. Aber sie bleiben noch zu einem Bier, das in den Zimmern kaltgestellt ist. Übernachtung mit Fahrrad-Garage, Frühstück und tschechischem Bier für sage und schreibe 25 Euro. Wir schlafen himmlisch.

P.S.: "tschechien hat den radweg prag regensburg sehr gut beschildert mittlerweile, ein empfehlenswerter trip" schreibt mir YouTube-User derandere12 im Juli 2010.


Kurz vor Mitternacht Ziel erreicht: Günter, Chris und Max auf der Karlsbrücke vor dem Hradschin in Prag
Kurz vor Mitternacht Ziel erreicht:
Günter, Chris und Max auf der Karlsbrücke vor dem Hradschin in Prag


Route Nürnberg - Prag



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen

Etappen Nürnberg - Prag (12.4.-15.4.2008)

Details als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 12.4.2008 Nürnberg Lauf an der Pegnitz Gebenbach 90
2. 13.4.2008 Gebenbach Neustadt an der Waldnaab - Bockl-Radweg Eslarn 113
3. 14.4.2008 Eslarn Grenze Deutschland/Tschechien - Železná - Kladruby Pilsen (Plzeň) 98
4. 15.4.2008 Pilsen (Plzeň) Rokycany - Karlstein (Karlštejn) Prag 139
Summe 440

Jitka Vrtalova baut das 'Bett & Bike'-System in Tschechien auf
Jitka Vrtalova (Foto: Vaclav Vrtal) baut das
"Bett & Bike"-System in Tschechien auf:
Cyklistevitani - das 'Bett & Bike'-System in Tschechien auf


Anschluss Tour 66: Bamberg - Neckarelz (856 km) Sept./Okt. 2010

Anschluss Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) Aug./Sept. 2011

Anschluss Tour 10: Mainz - Vilnius (2070 km) Aug. 2000

Anschluss Tour 3: Essen - Zagreb (1680 km) März/April 1983


Nächste Tour: Irland & Nordirland: Kerry - Newry (1025 km) Juni/Juli 2008

Vorherige Tour: Nizza - Andorra - Nogaro (1085 km) März/April 2008


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Tour 48: Karakorum-Highway (1010 km) 2009
Karakorum 2009
Chris Tour 51: Khartum - Addis Abeba (1760 km) 2010
Äthiopien 2010
on the Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) 2011
Moldau 2011
Bike Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
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