Tour 65: Kirgisien - Almaty (951 km) 2013
Kirgisien 2013
Chris Tour 68: Strasbourg - Vicenza (1275 km) 2014
Alpen 2014
on the Tour 75: Iran - Persischer Golf (2690 km) 2015
Iran 2015
Bike Tour 82: Karibik: Barbados - Haiti (902 km) 2016
Karibik 2016

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Tour 35: Feldkirch - Nizza (1457 km)


VG WORTSonnenuntergang in der Toskana
Sonnenuntergang in der Toskana


Foto Special: Schweiz & Italien
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Schweiz & Italien
Ausrüstung: Bike & More
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Foto Special: Cinque Terre
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Cinque Terre

Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Feldkirch - Vaduz - San Marino - Monte Carlo - Nizza (14.-28.4.2007)
Mit dem Ebay-Rad über die Alpen: Sieben Länder und Cinque Terre


Die Idee: Ein paar europäische Länder fehlen noch auf meiner Radl-Liste, vor allem kleinere. Drei davon wollen wir auf dieser Frühlingstour erreichen: Liechtenstein, San Marino, Monaco. Auf dem Weg liegen netter Weise ein paar Alpenpässe, der Po-Radweg, Adria, Toskana, Riviera, Cinque Terre, Ligurien, Côte d'Azur...

Die bisherigen Touren bei YouTube


Viele Fotos dieser Tour und vieler vorangegangenen Touren in diesem langen Radio-Interview.
In der Reihe "Die Person in der Region" befragten mich Katja und Anja, Journalistik-Studentinnen der Uni Mainz.
Die Sendung auf Radio RheinWelle 92,5 lief am 13. Juli 2007 und wurde später von mir mit Fotos der Touren bebildert.


Miri und Chris auf dem Rhein-Damm in LiechtensteinStart in Austria
Samstag, 14. April 2007: Feldkirch - Grenze Österreich/Liechtenstein - Vaduz (19 km)
Die Bild-Zeitung titelt: 30 Grad, Mainz wärmer als Rimini 19 Grad, St. Tropez 20 Grad... Unsere Ziele. Gefühlter Sommer in Deutschland. Auch in Österreich, wo wir am späten Nachmittag mit direkter IC-Verbindung in Feldkirch eintreffen.
Trotz Weißem-Sonntags-Stress kommen Anne und Klaus ein paar Meter über die Schweizer Grenze, hinter der sie als Pastoralassistenten im jeweiligen Pfarrhaus wohnen und arbeiten. Kurz vor 19 Uhr schwingen wir uns auf die Räder, um in einem Vorort von Feldkirch anzuhalten, wo Glocken zur Abendmesse läuten. Ein pensionierter 68er-Pfarrer predigt mit Dorothee-Sölle-Zitaten von der angebrochenen Auferstehung.
So ist es dunkel, bis wir über die Liechtensteiner Grenze mit Grenzstation rollen. Kontrolliert werden wir nicht.
Die Jugendherberge in Schaan ist ausgebucht wegen Synchronschwimm-Wettbewerbs. Rollen wir aus der größten Liechtensteiner Stadt (5100 Einwohner) in die Hauptstadt Vaduz (5000 Einwohner). Über der Stadt thront der Fürst des Fürstentums in einer festlich beleuchteten Burg. Unten glänzen Museen, Modegeschäfte und Briefkästen.


Miri am Hang vor Schneeresten
Miri am Hang vor Schneeresten


Im Julia-TalSommerfeeling mit kurzen Hosen
Weißer Sonntag, 15. April 2007: Vaduz - Grenze Liechtenstein/Schweiz - Chur - Lenzerheide-Pass (1549 m) - Savognin (84 km)
Vom Radweg auf dem Rheindeich hat man einen guten Blick auf den tief gebetteten Fluss, der hier graues Wasser führt (Foto links oben). In Balzers drehen wir noch ungewollt eine Ehrenrunde um den Burgberg und verlassen Liechtenstein nach 26 km an der mit Fahnen markierten Grenze. Das schon auf dem Anstieg auf den 713 m hohen Luzi(en)steig, der uns für höhere Pässe präparieren soll. Überall radeln Paare und Familien, meist wie wir in kurzen Hosen. Weiterhin Sommerfeeling.
In Landquart könnten wir nach Davos abbiegen, was uns zum geschlossenen Flüela-Pass führen würde. Bei der Hitze können wir uns nicht vorstellen, dass er tatsächlich auf 2383 m von Schnee blockiert wird. Wir wählen dennoch die Route über Chur, wo wir vor der (Mini-)Kathedrale an einem Brunnen mit eiskaltem Wasser pausieren und nebenan noch eine karolingische Krypta in der Luzi-Kirche mitnehmen.
Schon geht's steil bergauf nach Malix. Serpentinen mit reichlich Wochenend- und Urlaubsverkehr samt vieler Motorräder. Die zweite Hälfte bis zur Pass-Höhe bei Lenzerheide (1549 m) ist wesentlich leichter. Trotzdem schiebe ich ein paar Meter mein 10-Euro-Ebay-Rad, für das ich mich erst gestern morgen kurz vor der Abfahrt entschieden habe. Wir haben uns noch nicht aneinander gewöhnt. Dafür klappt der Wechsel Radln-Schieben-Radln dank tagelanger Sudan-Sand-Strecke perfekt.
Noch leichter und schöner die Abfahrt nach Tiefencastel. Direkt danach steil hinauf ins Julia-Tal.



Bernina-Pass (2328 m): Miris Bett im Schneefeld
Bernina-Pass (2328 m): Ein Bett im Schneefeld


Bernina-Pass (2328 m)30 Stunden Schweiz
Montag, 16. April 2007: Savognin - Julier-Pass (2284 m) - St. Moritz - Bernina-Pass (2328 m) - Grenze Schweiz/Italien - Tirano (100 km)
Traumhaftes Wetter weiterhin. Lange Auffahrt an der Julia entlang, die die Höhe stufenweise erreicht: lange flache Strecken wechseln mit steilen Serpentinen-Passagen.
Der in Savognin viel versprechende Radweg führt zu sehr auf Waldwegen in die Berge. So sind wir bald wieder auf der Straße. Heute mit weit weniger Verkehr. Vor allem kaum Motorräder.
Der erste Gang meines lila Ebay-Rads bleibt mir unreparierbar vorenthalten. Macht das Training härter. Der Julier-Pass mit seinen 2284 m war die Hauptroute der Römer, deren Steine die Passhöhe bis heute markieren.
Bei der Abfahrt reicht eine einzige Kühlt-die-Felgen-Pause. Mittagspause bei Spagetti Bolognese und Pesto auf der Terrasse des Café Hauser im mondänen St. Moritz auf über 1700 m. Stärkung für den nicht mehr viel höheren nächsten Pass: Bernina, 2328 m.
Wir radeln oberhalb der Schneegrenze. Skifahren ist hier nicht mehr möglich. Auch wenn ein Paar aus dem Nichts heraus mit Skiern auftaucht. An der Außenwand des Hospizes kurz vor dem Pass ist in etwa zehn Meter Höhe die Schneehöhe aus dem Mai 1829/1879 markiert. Wohl unumkehrbar unmöglich.
Zu guter Letzt die lange Abfahrt nach Italien. Die rot lackierten Züge der Ferrovia Retica, der Räthischen Bahn, queren die Fahrbahn, die Schiene verlaufen gelegentlich auf der Straße. An den getrennten Grenzstationen werden wir auf beiden Seiten kontrolliert auf dem Weg zurück nach Schengen-Land. Direkt hinter der Grenze finden wir in dem netten italienischen Städtchen Tirano ein B&B. Nur noch auf 475 m über dem Meeresspiegel.



Lago d'Iseo
Pause am Lago d'Iseo


Miri am Lago d'IseoGiro-Gipfel: Un' estate italiana
Dienstag, 17. April 2007: Tirano - Passo Aprica (1175 m) - Edolo - Sulzano (Lago d'Iseo) (110 km)
Unsere Vermieterin mit dem fast-deutschen Frühstück, das wir noch manches Mal in Italien missen werden, preist unsere Tagesroute: den Aprica-Pass und den Iseo-See. Zurecht. Nochmal geht's 700 Höhenmeter aufwärts. Schon fast Routine. Auch der Giro d'Italia kämpfte sich im vergangenen Jahr hier hinauf. Punkt 12 sind wir obenauf, die Alpen "geschafft". Der Weg zirkelt sich nach Edolo hinab, wo er ins größere Oglio-Tal führt. Den Gegenwind spüren wir kaum, da es weiter bergab geht. Er zerrt etwas an den Nerven, mehr aber noch der dichte Verkehr. Obwohl wir, wo immer möglich, Nebenstrecken fahren.
Belohnung: Der Lago d'Iseo (Foto oben). Zwischen Lago Maggiore und Garda-See gelegen, kleiner, feiner. Vor allem dort, wo die alte in den Fels gehauene Straße als Fuß- und Radweg dahinführt (Foto rechts). Alles in bewährter Sonne. Ein italienischer Sommer: "Un' estate italiana". Zimmer mit Seeblick krönt den Tag.

Palazzo Ducale in Mantua/MantovaZehn Höhenmeter: Netter Monte Netto
Mittwoch, 18. April 2007: Sulzano (Lago d'Iseo) - Asola - Mantua - Bagnolo San Vito (137 km)
Wir verlassen den Lago d'Iseo nicht durch den großen dunklen Tunnel nach Brescia, sondern in einem Bogen um den letzten Berg, radeln Nebenstraßen fahrend südlich an der Stadt vorbei.
Ein paar Mal geht es hin und her, gelegentlich auch auf dem Feldweg, aber jetzt ist alles flacher und wenn ein Ort Monte Netto heißt, dann bringt er maximal zehn Höhenmeter auf die Route. Nur die letzten zwölf Kilometer vor Mantua verbringen wir mit Lastern auf der Nationalstraße.
Mantua ist eine Offenbarung. So viele geniale Fassaden und ein endloses Labyrinth namens Palazzo Ducale voller Fresken, Kassettendecken, Spiegel (Foto links). Der durch die Besichtigung geschärfte Blick entdeckt nachher in der Stadt noch mehr kunstvolle Details.
Wir finden auf die Schnelle keine vernünftige Unterkunft, radeln deshalb auf dem Damm des Flusses Micino Richtung Mündung in den Po. Der Damm ist als Radweg ausbaufähig, die Beschilderung der B&Bs auch. Jedenfalls finden wir in Bagnato San Vito ein Hotelbett neben einer gigantischen Gelateria und Pasticceria mit Sachertorte.

Chris on the Bike auf dem Po-Radweg 'Destra'Bombastico: Fahrradstadt Ferrara
Donnerstag, 19. April 2007: Bagnolo San Vito - Po-Radweg - Bondeno - Kanal-Burana-Radweg - Ferrara (89 km)
Ein paar verkehrsreiche Meter bis zum Po und dann einsam auf dem in der Regel asphaltierten Po-Radweg "Destra", rechts-poisch, falls es dieses Wort gibt, meist auf dem hohen Damm dem Gegenwind ausgesetzt (Foto rechts).
Es ist mühsam. Und kräftezehrend. Wir machen viele Pausen. Dann führt der Radweg mangels Brücke über einen Zufluss in großem Bogen südlich nach Bondeno. Von dort finden wir mühelos den Radweg am Kanal Burana, den "Itinerario Ciclopedonale Burana". Nagelneu, frisch geteert. Von Bäumen gesäumt, überwiegend auf der Südseite des Kanals. Gelegentlich verläuft der Asphaltstreifen dank einer Kreativphase der Landschaftsarchtitekten in einem kleinen Kunstbogen.
Jedenfalls der ideale Pfad nach Ferrara, das sich offiziell am Ortseingang als Fahrradstadt feiert. Tatsächlich gibt's hier einige, auch viele ältere Radler. Von Städten wie Münster oder Freiburg ist Ferrara aber mindestens so weit entfernt wie Mainz. Vorteil: wir können fahren wie wir wollen.
In der bombastischen Villa Estense, der lange dominierenden Familie Este, decken wir uns mit Infomaterial ein, im Palazzo dei Diamanti - so genannt wegen seiner Diamanten-artigen Fassade - sehen wir "Il Simbolismo" - eine Ausstellung von Moreau bis Gauguin und Klimt. Fantastico (mehr Bilder von Ferrara und anderen Etappen hier: Foto Special: Schweiz & Italien).

Apsis-Mosaik vom Guten Hirten in der Basilika San Apollinare in Classe (6. Jh.) südlich von RavennaRavenna: ein Mausoleum, zwei Baptisterien und drei Basiliken
Freitag, 20. April 2007: Ferrara - Ravenna - Cervia-Tagliata (111 km)
Wieder massig Verkehr bei der Ausfahrt aus Ferrara. Die einsamen Strecken der Seidenstraße und Sahara haben uns verwöhnt. Novum immerhin nach der Autobahnüberquerung: erste Landstraße mit einem winzigen Seitenstreifen. Sofort können wir den Verkehr viel gleichgültiger vorüberrollen lassen.
Trotzdem zweigen wir bei erstbester Gelegenheit zur Nebenstrecke ab. Als sie sich wieder mit der Hauptstrecke vereint, bietet sich ein begraster Damm des Flusses Reno als eine Art Radweg an. Etwas mühsam. Aber verkehrsfrei. Schließlich noch 33 km nach Ravenna. Stadt voller Mosaiken und antiker Basiliken. Schichtweise schlendern wir durch ein Mausoleum, zwei Baptisterien und drei Basiliken. Alles 5./6. Jahrhundert. Mosaike ohne Ende.
Die letzte Basilika, Basilika San Apollinare in Classe (Foto links), liegt schon fünf Kilometer Richtung Rimini. Nach zehn weiteren Kilometern und dem Ende des Vogelschutzgebietes Po-Delta beginnt die Adria-Touri-Zone. Mirissimi ist sofort im Meer. Nun ziehen sich mehrere fast lückenlose Reihen Hotels am feinen Sandstrand entlang. Las Vegas, Kitty und wie sie alle heißen. Die meisten noch geschlossen, an vielen wird gewerkelt, wir finden ein nettes, kleines mit italienischen Gästen.

Miri mit den beiden Rädern in San MarinoTouri-Scharen im Staats-Bergdorf
Samstag, 21. April 2007: Cervia-Tagliata - Grenzen Italien/San Marino/Italien - Passo di Viamaggio (983 m) - Sansepolcro (140 km)
Weiter am Endlos-Strip Richtung Rimini, das wir links liegen lassen um direkt auf den Berg von San Marino zuzusteuern. Hundert Meter über dem Meeresspiegel begrüßt uns der "älteste Freistaat der Welt". Er ist schon so lang frei, weil unser Höhenmesser noch auf 666 m hoch geht. Trotz bedeckten Wetters und rings um Nebel, bevölkern Touristen-Scharen das Bergdorf mit eigener Filatelie. Dann bleibt uns (Foto rechts) nicht viel mehr, als die selbe Straße wieder runterzurollen. Summa summarum 19 Kilometer in meinem 60. Radl-Land.
Als am späten Nachmittag der Himmel aufklart, so wie von unserm jungen dynamischen Hotelier in Tagliata versprochen, geht's endlich leichter aufwärts. Wir müssen über die etruskischen Appeninnen, am Passo di Viamaggio genau 983 m hoch. Strahlend geht die Sonne hinter den toskanischen Hügeln unter, während wir runter nach Sansepolcro rollen. Ein Tanzwettbewerb erschwert die Quartiersuche. Etwas außerhalb der Altstadt werden wir fündig. Nach der längsten Etappe mit genauso vielen Höhenmetern wie an den Alpentagen.

AnghiariSchwarze Prostituierte und spinnende Römer
Sonntag, 22. April 2007: Sansepolcro - Laterina - Pianella - Siena (113 km)
Endlich wieder ein sonniger Morgen. Das Sommerfeeling geht weiter. Jetzt im Auf und Ab der Toskana. Anghiari, begrüßt uns als erstes Dorf auf exponiertem Berge (Foto links). Am Fuße kreuzen wir einen Pferde-Marathon, bei dem die müden Gäule mit Wasser übergossen werden um weiterzutrotten. So weit ist es bei uns erst am Nachmittag, nachdem die Hitze von Stunde zu Stunde zugenommen hat. Im Ambra-Tal kommen wir zunächst relativ gut voran. Für überschießende Frühlingsgefühle bieten schwarze Prostituierte am Straßenrand ihre Dienste an. Eine hat als diskrete Werbung ihren prallen Busen aus dem Dekolleté gestürzt.
Wir wähnen uns schon fast in Siena, müssen aber vor einer zur Autobahn mutierten Landstraße kapitulieren. Zurück in die Berge. Alle wunderschön toskanisch. Toskanisch mühsam. Auf den letzten fünf Kilometern müssten sich nicht unbedingt noch zwei Höhenzüge dazwischen schieben.
Ebenso wunderschön und ebenso mühsam Siena selbst. Bei 17 Prozent Steigung schieben wir die Räder auf Dom-Höhe. Ein radfreier Tag könnte nicht schaden. Zumal das Ebay-Rad mit seinem tiefen Lenker meine kleinen und Ring-Finger von der Blutzufuhr abschneidet.
Im Internet-Café muss ich mich ausweisen. Der Ausweis wird gescanned, das Geburtsdatum zum Password. Das gibt's selbst in Libyen, China, im Iran oder Sudan nicht. Der Bangladeshi-Besitzer meint, es könne ihn 10.000 Euro Strafe kosten, wenn er mich nicht registriere. Die spinnen, die Römer.


Montag, 23. April 2007: Siesta in Siena
Ein Tag ohne Fahrrad


Siena mit Dom
Siena mit Dom


Dächer von Siena
Dächer von Siena


Altstadt von Siena
Sienas Altstadt


Oliven-Baum-Plantage in der ToskanaPositive Pisa-Studie: der Chianti-Wein
Dienstag, 24. April 2007: Siena - San Gimignano - Castelfalfi - Pisa (117 km)
Das Gute und Schöne kommt bei Tagebuch-Einträgen meist zu kurz. Zu Unrecht. Heute also: ein traumhafter Toskana-Tag. Warmes Wetter, ruhige Nebenstraßen, San Gimignano - mit seinen Türmen als "Manhattan des Mittelalters" immer noch das Dorf Numero Uno in der Toskana, ein grandioser Blick über die Hügel bis Volterra bei der Pause in Castelfalfi, rasante Abfahrt zum Arno, genau der richtige Bildausschnitt bei dem wir-waren-hier-Bild vor dem schiefen Turm von Pisa (dies und weitere Bilder hier: Foto Special: Schweiz & Italien), Sofort-Glück bei der Quartiersuche mit der Albergo Helvetia, fast alleine bei der Besichtigung des Baptisteriums und des Doms, danach Pisa-Studie des toskanischen Chianti-Weins in "Il Bistrot" an einem romantisch beleuchteten Platz in der Altstadt, dazu feinste Spaghetti und Makkaroni al Dente und ein Internet-Café mit 45 Computern, in dem alles funktioniert und das bis Mitternacht.


Pisa: Dom mit schiefem Glocken-Turm
Pisa: Dom mit schiefem Glocken-Turm


Chris in the Sea bei LericiVernazza: Ein Traum von Cinque Terre
Mittwoch, 25. April 2007: Pisa - Montemarcello - Manarola - Corniglia - Vernazza (114 km)
Nach Pisa fahren wir auf der gleichen Nationalstraße, auf der ich (in anderer Richtung) vor 25 Jahren mit Georg meine erste große Tour nach Rom gefahren bin. Auch diesmal sind wir froh, als wir wieder runterkommen und auf Nebenstrecken an der Riviera fahren können. Von den Dünen, in denen wir damals (ohne Zelt) übernachteten, ist nichts mehr geblieben. Ein 40 km langer Endlos-Strip der Ferienindustrie, großzügiger angelegt als der, durch den wir nördlich von Rimini gefahren sind, und fast durchgehend mit einem passablen Radweg.
Anders als damals kann man weiter nördlich inzwischen näher an der wilden Bergküste entlangfahren. Von Ameglia starten wir den ersten Aufstieg nach Montemarcello. Danach bleiben wir fast auf der Höhe bis Lerici. Überall Feiertagsverkehr. 25. April - "Tag der Befreiung" - Ende des Zweiten Weltkriegs.
Der Strand bei Lerici ist voll. Wir gehen schwimmen. Herrlich kaltes Wasser. In La Spezia hat die Touri-Info seit dem Mittag geschlossen. Feiertag eben. So entscheiden wir uns ohne jede Ahnung für die Küsten-Route durch Cinque Terre.
Cinque Terre klingt viel versprechend. Seit 1997 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Bis vor wenigen Jahren waren die Orte in der rauen Bergwelt nur per Boot oder Bahn zu erreichen. Jetzt trägt uns eine lange Straße hinauf zu einem Gipfel-Tunnel. Immer wieder überholt von lärmenden Motorradfahrern. Viele Mädels. Warum müssen die im T-Shirt fahren? Immerhin tragen fast alle Helm.
Dann klingen die Warnsignale von Rettungskräften hinauf. Mit kreischenden Reifen überholen uns drei Rettungsfahrzeuge, ein Feuerwehrwagen, zuletzt der Notarzt, als wir schon im Tunnel sind, in dem die Sirenen noch gnadenloser auf uns eindringen.
Kurz hinter dem Tunnel: in einer Kurve, die kaum so zu nennen ist, liegt ein Motorrad. Daneben ein oder zwei Mädchen. Jedenfalls ist eine schwer verletzt. Mit Helm.

Abendstimmung zur Blauen Stunde im Hafen von Vernazza, Cinque TerreEine kleine Cinque-Terre-Touri-Info. Der Mensch spricht furchtbar schnell, das Info-Material ist nicht berauschend. Wir verstehen immerhin so viel, dass die fünf Küsten-Dörfer durch Wanderwege verbunden sind, die aber mit dem Fahrrad nicht passierbar seien. Oben die Straße sei halt hoch und längst nicht so spannend.
Wir wollen die gerade erklommene Höhe nicht direkt verlieren und fahren erst mal oben weiter. Sehen unten den Weg zwischen Riomaggiore und Manarola, die "Via dell' Amore", wie wir später erfahren. Sie sieht recht leicht befahrbar aus. Als an der Abzweigung nach Manarola die Höhenstraße noch mal richtig ansteigt, fahren wir doch runter.
Mit kleinen Schwierigkeiten ist der Wanderweg von Manarola nach Corniglia mit dem Rad befahrbar. Und weil die Streckenkontrolle gerade Feierabend macht (18 Uhr), fällt auch nicht auf, dass wir nicht das Wander-Ticket haben.
Der Blick an der Küste entlang immer neu begeisternd. In Corniglia, mit wenig Gastronomie, rät man uns wohl zurecht vom weiteren Wanderweg ab. Quälen wir uns die Straße bergauf und direkt wieder bergab nach Vernazza. Ein Traum von Ort. Autos müssen schon weit vorher auf der schmalen Bergstraße am Rand stehen bleiben.
Der Ort ist eingezwängt in ein schmalstes Tal. Links und rechts türmen sich die Felsen. Hier verbringen viele Italiener ihren Nationalfeiertag. Auch Englisch ist reichlich zu hören. Wir finden über zig Stufen hinauf ein Zimmerchen mit Balkon und Meeresblick. Und genießen die Atmosphäre am kleinen, natürlichen Hafenbecken (Foto rechts: Blaue Stunde in Vernazza; mehr Bilder hier: Foto Special: Cinque Terre).


Cinque Terre: Manarola, Ziel der Via dell' Amore
Cinque Terre: Manarola, Ziel der Via dell' Amore


Fahrrad vor Monterosso, Cinque TerreNoch ein Giro-Gipfel: Basso am Bracco
Donnerstag, 26. April 2007: Vernazza - Levanto - Valico Guaitarola (617 m) - Passo del Bracco (615 m) - Genua (104 km)
Höhenmeter heute: 1888. Der härteste, heftigste Tag. Und ein großartiger. Zuerst der Aufstieg von Vernazza. Vorher noch Miris Meeresbad, Frühstück mit Meeresblick von den Klippen. Dann der Aufstieg mit immer neuem grandiosem Blick auf das so schnell lieb gewonnene Vernazza, Cinque Terre.
Es ist so steil, dass uns ein Kinderwagenschieber ständig einzuholen droht. Wir bringen uns auf 500 m. Dann die Abfahrt nach Levanto. Dort zur Touri-Info: Gibt es eine Möglichkeit, an der Küste entlang weiter zu fahren mit den Fahrrädern? Nach Genua! "Genova? It's far away. You must take the train." Auch härteste Nachfragen, wie man am besten nach Genua radele, ergeben nur eine Antwort: "You must take the train. There is no ferry."
Also wieder bergauf. Auf den 600-er-Doppelpass. Auf dem Asphalt immer wieder befeuert: Ivan Basso, damals noch nicht Doping-belastet. Der Giro d'Italia quälte sich diesen Pass im vergangenen Jahr hinauf. Wie sehr Rennradeln in Italien Volkssport ist, erleben wir täglich mit ständig überholenden oder entgegenkommenden Rennradlern, meist älteren Jahrgangs. Auf der Passhöhe, mitten in lockeren Pinienwäldern, ein Brunnen mit Radler-Relief und marianischem Fahrrad-Denkmal für die Giro-Bergwertung am 617 m hohen Valico Guaitarola.
Ein paar Meter weiter, jetzt wieder auf der sehr leeren Nationalstraße, der Passo del Bracco. Den haben wir auch vor 25 Jahren von Norden kommend abgeradelt. Dann die lange Abfahrt nach Sestri Levante. Von dort an wieder reichlich Verkehr. In Chiavari plündern wir eine Pasticceria. Rechtzeitig. Denn nach dem Ort geht's wieder auf 270 m. Dann sind wir wieder auf Meereshöhe in Rapallo. Netter Bade- und Hafenort, wo schon Freud und Nietzsche (Touri-Info: "Nietsche") kurten.
Wir sind erst 75 km gefahren, aber kaputt. Die Zeit drängt. Deshalb noch eine Extra-Schicht bis Genua. Nochmal auf 275 m, dann ab und auf und ab und auf und ab. Genua, wo wir in einer Vorstadt stranden. Miri hat noch Kräfte zum Wäschewaschen, ich für die Statistik: 1888 Höhenmeter.


Ligurische Küste: Caps, Buchten, Tunnel...
Ligurische Küste: Caps, Buchten, Tunnel...


Im Hafen von GenuaDer berühmteste Christoph aller Zeiten
Freitag, 27. April 2007: Genua - Imperia - Arma di Taggia (148 km)
Frühstück mal wieder eine italienische Frechheit. Cappuchino und Plastik-Croissant. Sollten wir einfach ein Omelette bestellen. Als ich die Idee hab, sind wir längst auf der Strecke.
Genua durchradeln wir im touristischen Kurzprogramm: Sind von der Via Garibaldi, die uns Marco Polo als die schönste Italiens ankündigt, enttäuscht. Ein altes Holzschiff im Hafen, Rekonstruktion des berühmtesten Schiffs der Entdeckungsgeschichte, beeindruckt mehr: mit der Santa Maria entdeckte Columbus Amerika. Allerorten Columbus-Statuen, Straßen. Er, der bisher berühmteste Christopherus, ist meist die einzige Assoziation in arabischen Ländern, wenn ich mich als Christoph oute.
Die Strecke heute recht leicht. Zumindest sobald wir aus den vollen Straßen Genuas heraus sind. Nur an den Caps gewinnen wir regelmäßig an Höhe: Capo San Martin, Capo di Vado, Capo di Noli, Capo Santa Croce, Capo Mele, Capo Cervo, Capo Berta. Letzteres beschert uns die letzten 150 von 750 Höhenmetern. Überflüssiger Weise. Denn mit dem Fahrrad kann man leicht unten am Ufer bleiben. Das sehen wir aber erst von oben.
Auch heute fahren wir über das Genussradeln hinaus. Die letzten Kilometer morgen nach Nizza sind wegen der vielen Grenzen und Parallelstraßen am Hang schwer einzuschätzen. Als wir endlich halten wollen, gibt's keine Unterkünfte mehr. Oder die es gibt, sind angeblich "completo". Am Ende haben wir Glück in Arma di Taggia. Direkt am Strand. Kann Mirississimi morgen früh wieder schwimmen.



Monaco: Wachsen nach oben, unten und ins Meer
Monaco: Wachsen nach oben, unten und ins Meer


Casino in Monte Carlo, Monaco: Engel mit FahrrädernNach dem Finale Bahn und Rollbahn
Samstag, 28. April 2007: Arma di Taggia - Grenzen Italien/Frankreich/Monaco/Frankreich - Nizza (71 km)
Finale. Gestern schon "Finale Ligure". Ligurien reicht noch ein Weilchen darüber hinaus. Selbst Nizza wurde früher dazu gezählt. "Côte d'Azur" ist erst eine Tourismus-Kreation des 19. Jahrhunderts.
Die Italiener aber kündigen weder Frankreich, Monaco oder Nizza an. "Confine di stato" heißt es nur auf den Verkehrsschildern rund um Ventimiglia. Kurz hinter einem weiteren der vielen, vielen Tunnel, die das Radln an der Küste erleichtern, die Grenze, die dank Schengen kaum mehr eine ist. Ein paar Grenzsoldaten stehen trotzdem rum, genau wie die alten Abfertigungsgebäude. Zögernd rollen die Fahrzeuge weiter.
Zwölf Kilometer kurz ist die französische Küstenstrecke, bevor sie vom Fürstentum Monaco abgelöst wird. Heutzutage primär eine Steuergrenze. Der Stadtstaat wächst in den Himmel, in die Erde und ins Meer. Das Casino von Monte Carlo, das heuer nur noch vier Prozent zum Staatshaushalt beiträgt, ist umgeben von Luxuskarossen wie denen der Marke Maserati. Touris halten alles in Pixeln fest. Wir zelebrieren unsere Lebensmittelreserven im Casino-Schatten. Ich habe mit Monaco nun auch den letzten der acht Alpen-Staaten erreicht.
Weiter geht's. Noch einmal Kurven, Anhöhen, Tunnel, Buchten. Eh voilà: Nice. Nizza. Nice Nizza. Promenade des Anglais. Vor dem legendären Hotel Negresco steigen wir ins erfrischende Mittelmeer. Arrivé. Mit dem Zug rollen wir weiter. Wie oft haben wir die Bahn um ihre Gleise und kleinen Tunnel von den Höhen herab beneidet. Als Passagier nehmen wir das Rollen auf Meereshöhe wie selbstverständlich hin. Im Hafen von Marseille geht die Sonne im Mittelmeer unter. Der Flughafenbus bringt uns zum Hotel in Rollbahn-Nähe.


Aéroport de Marseille: Fahrrad wird zum Ryanair-Flugzeug bugsiertHappy Epilog: Nord-Italien und ein bisschen drumherum
Sonntag, 29. April 2007: Heimflug Marseille - Frankfurt Hahn
Premiere für uns bei Ryanair. Mein Ebay-Rad, das tapfer und treu ans Ende der Tour gerollt ist, auch wenn zuletzt die Kette arg oft durchtrat, ist zu groß für die Durchleuchtungs-Anlage. Wird es eben trotzdem mitgenommen. Ohne Verpackung. Nicht mal Pedale oder Lenker müssen wir eindrehen. Dafür mit begrenzter Haftung: "limited release".
Wir sehen die Alpen, auf denen sich der Schnee noch mehr verflüchtigt hat nach diesem Winter, der keiner mehr war. Und einem Frühling, der schon Sommer ist. 1200 km Norditalien und ein bisschen drumherum liegen hinter uns. Wieder sind wir happy, durch wie viele verschiedene faszinierende Landschaften wir in wenigen Tagen radeln konnten. Alpen, Po-Ebene, Adria-Küste, San Marino, etruskische Apenninen, Toskana, Riviera, Cinque Terre, Ligurien, Monaco - ohne einen Tropfen Regen und ohne einen einzigen Defekt.



Route Feldkirch - San Marino - Nizza



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen

Etappen Feldkirch - San Marino - Nizza (14.4.-28.4.2007)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 14.4.2007 Feldkirch Grenze Österreich/Liechtenstein Vaduz 19
2. 15.4.2007 Vaduz Grenze Liechtenstein/Schweiz - Chur - Lenzerheide-Pass (1549 m) Savognin 84
3. 16.4.2007 Savognin Julier-Pass (2284 m) - St. Moritz - Bernina-Pass (2328 m) - Grenze Schweiz/Italien Tirano 100
4. 17.4.2007 Tirano Passo Aprica (1175 m) - Edolo Sulzano (Lago d'Iseo) 110
5. 18.4.2007 Sulzano (Lago d'Iseo) Asola - Mantua Bagnolo San Vito 137
6. 19.4.2007 Bagnolo San Vito Po-Radweg - Bondeno - Kanal-Burana-Radweg Ferrara 89
7. 20.4.2007 Ferrara Ravenna Cervia-Tagliata 111
8. 21.4.2007 Cervia-Tagliata Grenzen Italien/San Marino/Italien - Passo di Viamaggio (983 m) Sansepolcro 140
9. 22.4.2007 Sansepolcro Laterina - Pianella Siena 113
10. 23.4.2007 Siena
11. 24.4.2007 Siena San Gimignano - Castelfalfi Pisa 117
12. 25.4.2007 Pisa Montemarcello - La Spezia - Manarola - Corniglia Vernazza 114
13. 26.4.2007 Vernazza Levanto - Valico Guaitarola (617 m) - Passo del Bracco (615 m) Genua 104
14. 27.4.2007 Genua Imperia Arma di Taggia 148
15. 28.4.2007 Arma di Taggia Grenzen Italien/Frankreich/Monaco/Frankreich Nizza 71
Summe 1457

Felsen im Hafen von Vernazza, Cinque Terre
Felsen im Hafen von Vernazza, Cinque Terre
mehr Bilder hier: Foto Special: Cinque Terre


Mittelmeer-Umrundung
Die mediterrane Mega-Tour


Europas Zwergstaaten und ihre Direkt-Route
Von Liechtenstein via San Marino, Vatikan und Monaco bis Andorra


Anschluss Tour 81: Bari - Vicenza (1003 km) Sept. 2016

Anschluss Tour 68: Strasbourg - Vicenza (1275 km) April/Mai 2014

Anschluss Tour 39: Nizza - Nogaro (1085 km) März/April 2008

Anschluss Tour 19: Alpen: Ravensburg - Zagreb (943 km) Aug./Sept. 2002

Anschluss Tour 2: Düsseldorf - Rom (1719 km) Sept. 1982


Nächste Tour: Belarus - Arvidsjaur (2782 km) Aug. 2007

Vorherige Tour: Assuan - Khartum (969 km) Feb./März 2007


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Tour 48: Karakorum-Highway (1010 km) 2009
Karakorum 2009
Chris Tour 51: Khartum - Addis Abeba (1760 km) 2010
Äthiopien 2010
on the Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) 2011
Moldau 2011
Bike Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
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