Tour 65: Kirgisien - Almaty (951 km) 2013
Kirgisien 2013
Chris Tour 68: Strasbourg - Vicenza (1275 km) 2014
Alpen 2014
on the Tour 75: Iran - Persischer Golf (2690 km) 2015
Iran 2015
Bike Tour 82: Karibik: Barbados - Haiti (902 km) 2016
Karibik 2016

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VG WORTTour 86: Riga - Minsk (587 km)


Sonnige Pistenfahrt mit dem Fahrrad kurz vor der lettisch-litauischen Grenze
Sonnige Pistenfahrt kurz vor der lettisch-litauischen Grenze

Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Riga - Vilnius - Minsk (19.-29.5.2017)
Mit Spaß durchs Baltikum und Belarus

Patenkind Hannah (Foto oben) ist überraschend schnell volljährig geworden. Noch überraschender: sie wünscht sich zur Volljährigkeit eine Fahrrad-Tour. Das haben wir im vergangenen Jahr mal getestet. Mit einer Etappe von Berlin nach Joachimsthal. 86 Kilometer. Bei Hitze. Hat funktioniert. Jetzt möchte Hannah nach Osteuropa. Ein Startort ist schnell gefunden: Riga. Dort in der Nähe leitet eine gemeinsame Verwandte ein Kloster. Vor die Wahl gestellt von Riga den Ostsee-Radweg nach Tallin zu fahren oder querfeldein in die weißrussische Hauptstadt Minsk, wählt Hannah das Abenteuer. Schließlich haben wir in Minsk eine gemeinsame Bekannte: Nastia.

Fahrrad-Transport im Bohr-Bus alias Airport-Shuttle (flibco.com) von Mainz zum Flughafen-Hahn Bike on the Bus
Freitag, 19. Mai 2017: Busfahrt Mainz - Flughafen Hahn - Sohren (4 km)

Ich könnte ja auch erst morgen früh um drei Uhr loslegen. Aber wenn das nicht sein muss, lasse ich es neuerdings etwas geruhsamer angehen. Deshalb fahre ich schon heute Abend zum Flughafen, wo morgen um 7.15 Uhr der Flug nach Riga abhebt. Weil nur vier weitere Fahrgäste im Bus sitzen, kann ich das Fahrrad im hinteren Teil des Busses anschnallen (Foto links).
Hier oben auf dem Hunsrück ist es merklich kühler als unten am Rhein. Vom Flughafen rolle ich vier Kilometer mehr oder weniger runter nach Sohren. Unterkünfte gibt es rings um den Flughafen jede Menge.


Morgennebel zwischen Sohren und Lautzenhausen am Flughafen Frankfurt-Hahn
Morgennebel zwischen Sohren und Lautzenhausen

Verpacktes Fahrrad (für RyanAir) und das restliche Gepäck am Flughafen Frankfurt-Hahn
Wrapped Bike & More

Sonnenaufgang im Nebel zwischen Sohren und Lautzenhausen am Flughafen Frankfurt-Hahn
Rising Sun


Riga-Hinweisschild auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn Jugendstil und junges Kloster
Samstag, 20. Mai 2017: Sohren - Flughafen Hahn (4 km) - Flug - Riga - Ikšķile (47 km)

Um viertel vor sechs radle ich über die Höhen des Hunsrück die wenigen Kilometer zum Flughafen. Die Sonne taucht gerade auf aus dem Nebel (Fotos oben). Um 6:09 Uhr bin ich da. Die Schlange am RyanAir-Schalter ist ganz beachtlich. Etwas später als geplant, starte ich die allfällige Fahrradverpackung. Ich will es diesmal einfach machen. Im Grunde nur meine Motorradplane aus Dubai drüberstülpen und festkleben. Ich bin extra ohne Korb unterwegs, um es schneller und einfacher zu machen.
Dann entscheide ich mich doch, mein nagelneues Vorderlicht abzumontieren. Der Sattel passt auch nicht so recht rein in die Folie. Nehme ich den samt Stange zum ersten Mal komplett ab und ins Gepäck. Dann ist die Klemmhülse kurzfristig verschwunden, mit der die Sattelstange fixiert wird. Ein Foto mache ich auch noch (Foto oben). Schließlich muss noch der Rucksack gefüllt werden, mit allem, was ich aufgebe. Und ruckzuck ist es 6:32 Uhr.
Ich gehe davon aus, dass ich das Gepäck bis 6:45 Uhr aufgeben kann. Stehe ja auch direkt vor dem Schalter in Sichtweite des Check-In-Personals. Die Schlange hat sich bedrohlich früh völlig aufgelöst. Die Dame am Schalter lässt mich noch das Rad zum Schalter holen. Mit dem Hinweis wir hätten noch genau eine Minute Zeit. Das reicht. Ist aber wesentlich knapper als von mir kalkuliert. Ich frage noch nach: Gepäckaufgabe endet bei RyanAir am Hahn 40 Minuten vor Abflug. Lucky me.


Lettland


Arrived: Fahrrad am Bulkluggage-Transportband, Airport Riga
Arrived: Hannah & Rad in Riga


Kriegerdenkmal Riga Als ich gerade das Rad wieder beisammen, das Gepäck installiert und einen überraschend neuen Winkelhaken an der Hose genäht habe, taucht Hannah mit ein paar Minuten Verfrühung am Gepäckband auf. Und kurz darauf auch ihr Rad (Foto oben). Der Gepäckträger ist auf einer Seite genauso gebrochen wie vor einem Jahr. Ab da hat er ja auch gehalten. Los geht's.
Der Google-Map-Fußgänger-Modus führt uns bald von der Schnellstraße ab durch sozialistisch gebaute Stadtviertel hin zum großen Denkmal vom Vaterländischen Krieg (Foto rechts). Zu der historischen Lektion bekommt Hannah von mir auch noch Hilfestellung zum interkulturellen Lernen im Bereich "Osteuropäische Autofahrer und ihre Einstellung gegenüber Fahrradfahrern". Kurzversion: Radler haben auf der Straße nix zu suchen. Das muss man nicht nur wissen und akzeptieren, sondern im Zweifelsfall auch noch in aktives Handeln umsetzen: runter von der Fahrbahn - egal wie.
Die Brücke über die Daugava führt auf das Panorama der sensationellen Altstadt von Riga zu. Nach der Pause am Dom haben wir im Handumdrehen einen Großteil des 21-Top-Sehenswürdigkeiten-Prospektes bewältigt. Überwiegend von außen. So wie die Jugendstil-Fassaden in der Alt- und Neustadt an der Alberta- und Elisabethstraße:


Jugendstil-Fassade Riga
Jugendstil-Fassaden in Riga

Jugendstil-Fassade Riga

Jugendstil-Fassade Riga

Jugendstil-Fassade Riga


Kreuzrippengewölbe in der Johanneskirche, Svētā Jāņa, Riga Hinein gehen wir zum Beispiel in die Johanneskirche, wo mich ein riesiges Kreuzrippen-Gewölbe begeistert (Foto rechts). Das es nicht mal auf die Top-Sehenswürdigkeiten-Liste geschafft hat.
Wir machen uns auf den Weg nach Osten. Auf der A 6. Eine Nationalstraße, die vierspurig an der Daugava (deutsch: Düna) entlang führt. Gelegentlich ist Platz für Fahrräder. Meist fahren wir auf der Autospur. Aber der lettische Autofahrer an und für sich scheint uns doch recht wohl gesonnen. Da entdecke ich am Flussufer der Daugava einige Radler in der Ferne. So viele und so konstant, dass wir die paar Hundert Meter dorthin riskieren.
Tatsächlich: ein richtiger, nagelneuer Radweg führt am Fluss entlang. Und wird am Samstagnachmittag in der Mai-Sonne jedenfalls vielfach genutzt. Einige Lettinnen und Letten liegen auch am Ufer auf Decken. Bis der Weg völlig unvermittelt mit einem Baustellenzaun endet. Dahinter wird sicher weiter gebaut. Aber das dauert noch. Wir nehmen die semi-asphaltierten Wege zwischen den Schrebergärten.
Dann weitet sich der Weg zu einer großen Fläche mit Betonplatten. Womöglich die Startbahn für Flugzeuge. Die im Umfeld seinerzeit die getarnten Garagen genutzt haben. Jetzt gibt hier ein mittelalter Mann seiner Frau eine private Fahrstunde. Wir können das Drama mit unserer Frage nach der Rückkehr zur A 6 unterbrechen.
Der kräftige Verkehr hält auch nach der Stadtausfahrt an. Später fahren wir noch einmal auf dem Flussdeich. Wir müssen sehen, dass wir unser Tagesziel rechtzeitig erreichen: das nagelneue Karmelitinnen-Kloster von Ikšķile. Begründet von unserer gemeinsamen Verwandten Sr. Elija (Foto unten links). Die uns sehr herzlich begrüßt. Vom Klosterleben bekommen wir im Nachtgebet der Schwestern, der Komplet, mit seinem großen Gleichklang einen faszinierenden Eindruck.


Ankunft mit dem Fahrrad am Karmel-Kloster von Ikšķile (askāju Karmela ordeņa māsu klostera baznīca)
Ankunft am Karmel-Kloster von Ikšķile


Sr. M. Elija von Jesus mit Gästen vor dem  Karmel-Kloster von Ikšķile (askāju Karmela ordeņa māsu klostera baznīca) Sattelwechsel und doppeltes Schwimmvergnügen
Sonntag, 21. Mai 2017: Ikšķile - Jaunjelgava - Sērene (69 km)

Auch am Morgen bekommen wir noch vielfältige Eindrücke vom Klosterleben der Karmelitinnen. Das es so in Lettland noch nie gab. Zum Abschied dann das allererste Selfie von Sr. Elija. Mit uns (Foto links). Seit fünfzig Jahren lebt sie in diesem "strengen" Frauenorden. Als Kinder konnten wir ihr nur durch Gittern im Besucherzimmer des Klosters begegnen. Jetzt hat sie mit Gottes Hilfe oder Gott mit ihrer Hilfe dieses neue Klosterleben geschaffen. Und nimmt sich Zeit, uns zuzuhören und mit uns zu sprechen. Paldies! Danke!
Ein Radweg führt uns auf dem Deich zunächst hinein nach Ikšķile. Immer wieder versuchen wir unser Glück auch danach direkt am Ufer. Geraten aber so auch in kleinere und eine lange Sackgasse. Ab und zu ist die (inzwischen zweispurige) A 6 nicht zu vermeiden. Hier und heute am Sonntag mit wesentlich weniger Verkehr als gestern. Wir hoffen auf noch weniger Verkehr auf der anderen Flussseite ab Kegumis. Auf dem Damm über die Daugava grüßt uns einer der Bauarbeiter mit "Heil Hitler". Fernradler scheinen hier nur aus einem Land zu kommen. Radler gibt es allerdings einige.


Russisch-orthodoxe Kirche von Jaunjelgava (Frydrychsztat/Friedrichstadt)
Russisch-orthodoxe Kirche von Jaunjelgava


Beschilderung des Fahrrad-Wegs 7 in Lettland in Sērene, drei Kilometer vor Aizkraukle, Lettland Die Straße auf dem südlichen Ufer ist kleiner und führt wunderschön durch die Wälder. Zur Pause radeln wir auf einem Privatgrundstück an den Fluss, wo wir ungestört rasten und schwimmen können.
Alle paar Hundert Meter rutscht Hannah inzwischen auf ihrem Sattel hin und her, oder geht sogar aus ihm heraus. Kein gutes Zeichen. Wir versuchen es mit einem Sattelwechsel. Mein schmaler statt ihrem voluminösem.
In Jaunjelgava (Frydrychsztat/Friedrichstadt), kurz vor dem Ziel, gibt es nicht nur eine sonntägliche Shopping-Möglichkeit in dem kleinen Supermarkt - mit soviet-style Eiskrem - sondern auch eine russisch-orthodoxe Kirche (Foto oben). Noch kürzer vor dem Ziel taucht unvermittelt wieder mal eines der seltenen Schilder vom Radweg 7 auf (Foto rechts). Im Grunde begleitet er uns seit Riga. Aber eben nur gelegentlich.
Kurz dahinter führt ein kleiner Weg rechts ab zu unserer Ferienwohnung mitten in der Natur (Foto unten). Die Vermieterin gibt uns noch den Tipp: runter zum Retschka, zum Flüsschen. In dem kann man wirklich großartig schwimmen (Foto unten). Das Wasser ist etwas kälter als in der Daugava heute Mittag - dafür ist die Luft wärmer geworden. Wenn nur die vielen Mücken ringsum nicht wären...


Ferienhaus Brīvdienu Māja Trīs istabas in Sērene
Unsere Unterkunft in Sērene...

Brīvdienu Māja Trīs istabas in Sērene: Badestelle im Flüsschen
...mit Badestelle im Flüsschen


Pegasus-Fahrrad mit defektem Rücklicht und Reflektor in Lettland Hannahs erste Hundert-Kilometer-Etappe
Montag, 22. Mai 2017: Sērene - Grenze Lettland/Litauen - Kvetkai - Kupiškis (102 km)

Über Nacht ist es wolkig geworden. Und als ich am Morgen ein paar Postkarten vor dem Ferienhaus schreiben möchte, fallen ein paar Tropfen. Der Sattelwechsel hat sich nicht bewährt. Ich tausche sie wieder aus.
Wir können auf der Piste vor dem Haus weiterfahren. Nach sechs Kilometern kommen wir wieder auf die Straße. Die nächsten drei Tage soll es nur Richtung Süden gehen - nach Vilnius.
Es ist auch kälter geworden. Jacken wärmen uns. Die Landstraße Richtung Nereta ist erstaunlich leer (Foto links). Wir können meist nebeneinander fahren. Winzige Orte durchqueren wir. Vor einem verlassenenen Schlösschen in Zalve machen wir Pause. Eine ärmliche Umgebung.
An einem der riesigen Kreisel sollten wir rechts fahren. Das merken wir erst nach ein paar Hundert Metern. Kleines Zusatz-Training. Und kurz darauf geht es ab von der Straße. Wieder eine Piste. Diesmal für sehr viele Kilometer.
Eine wunderschöne, einsame Landschaft. Dominiert von Löwenzahn-Wiesen. Ein kleines bisschen hügelig. Die Piste führt uns auch über die Grenze von Lettland nach Litauen. Ein winziger Grenzübergang (Foto unten). Alle paar Meter stehen an dem Grenzbach Grenzsteine auf beiden Seiten. Wir sind allein weit und breit. Und über uns scheint längst die Sonne (Fotos unten).


Litauen


Fahrrad-Fahrt über die Grenze zwischen Lettland und Litauen bei Kvetkai
Grüne Grenze mit Storch zwischen Lettland und Litauen

19jährige bei der ersten Fahrrad-Fahrt über 100 Kilometer
Hannah auf ihrer ersten Etappe über 100 KM

Die Holz-Kirche des Heiligen Johannes des Täufers (1875) von Kvetkai, Litauen
Frisch restaurierte Holzkirche von Kevtkai

Feldweg bei Alizava, Litauen
Diesen Weg präsentiert uns Google-Maps-Fußgänger


Bad im Stausee von Kupiškis (Kupiškio tvenkinys) bei Palėvenėlė Schon bald der erste litauische Ort. Kvetkai. Die Holzkirche vom Ende des 18. Jahrhunderts ist mit EU-Mitteln frisch renoviert. Wirkt allerdings so, als wenn sie kaum genützt würde.
Nebenan ein alter, kleiner Laden soviet-style. Man findet all das, was man überall findet zwischen hier und Kirgistan. Auch ein Stück Heimat für mich. Und die Verkäuferin kramt ihr letztes Russisch raus. So wie ich.
Kurze Zeit sind wir auf Asphalt. Im Gegenwind. Die Straße schwenkt unnötigerweise nach Westen. Auf der nächsten Piste geht es mit Rückenwind zurück. Durch eine Kiesgrubenansammlung. Wirklich off the beaten track. Den ganzen Tag über kein einziges Restaurant, keine einzige Unterkunft, kein Radweg. Dafür jede, jede Menge Störche. Dann eine Piste, die schon keine Piste mehr ist. Eine winzige Träcker-Route (Foto oben). Empfohlen von Goole Maps. Schließlich endlich wieder Asphalt kurz vor Alizava.
Mit Schwung geht es zum Stausee von Kupiškis. Ein Zeltplatz-Zeichen bei Palėvenėlė lockt uns zum Ufer. Ein paar Bänke und ein traumhaftes Ambiente für ein abendliches, erfrischendes Bad im kalten Wasser. Ein riesiger See. Nur für uns (Foto rechts).
Wir kommen nach Kupiškis. Wissen von einem billigen Hotel. Hannah hat einen Couchsurfer in der Nähe kontaktiert, der auch behilflich wäre. An der großen Backstein-Kirche frage ich eine ältere Frau auf Russisch. Letzlich ruft sie zwei neon-gekleidete Radler herbei, die den Kirchberg gerade erklommen haben. Sie erklären uns, dass Camping-Bungalows auf der andern See-Seite leider momentan noch nicht geöffnet sind. Aber am Ortsausgang Richtung Rokiškis sei auch ein gutes Hotel.
Dann begleiten sie uns doch dorthin (Foto unten). Die Gleise am Bahnhof sind von einem Güterzug blockiert. Müssen wir über die Fußgängerbrücke, die die Strecke Moskau - Kaliningrad überquert. Das Hotel an der Tankstellen ist sehr neu. Das Zimmer kostet 25 Euro, und unten im Restaurant gibt es gutes Essen. Ganz zu schweigen vom Borjomi-Mineralwasser in der Tankstelle. Great day. Und Hannah ist tatsächlich zum ersten Mal in ihrem Leben mehr als hundert Kilometer an einem Tag gefahren. Einen Großteil davon auf Piste. Unbelievable.


Am Hotel Narjanta (Motelis UAB Narjanta; Motel Janta) von Kupiškis
Mit unsern beiden Guides am Hotel von Kupiškis


Teddy Walter auf dem Gepäckträger von Hannahs Fahrrad Radeln und Klettern mit Walter
Dienstag, 23. Mai 2017: Kupiškis - Anykščiai - Pakeršiai (72 km)

Im Schatten vor dem Hotel bereite ich das Frühstück vor. Dazu Capuccino aus dem Automaten in der Tankstelle. Hannah hilft dabei einer Frau bei der Handhabung des Automaten. Wenige Minuten später bedankt sich die Frau bei Hannah an unserem Frühstückstisch mit einem Teddybär. Den Hannah gleich Walter tauft. Er findet seinen Platz auf dem Gepäckträger (Foto links).
Wir folgen heute nicht der Google-Fußgänger-Strecke. Fahren lieber ein bisschen im Zickzack auf der Straße 175 auf Asphalt. Piste hatten wir gestern genug. Wieder eine sehr wenig befahrene Strecke. Wir können nebeneinander fahren. Und das noch an der Mittellinie.
Ein Mann hockt konsterniert neben seinem auf dem Kopf stehenden Fahrrad an einer Bushaltestelle. Wir halten. Die Kette des Rades ist hinten abgesprungen. Und zwar auf den Rand zwischen Felge und Zahnkranz. Sie sitzt dort felsenfest. Ich lockere das Hinterrad mit meinem Werkzeug. Und schon lässt sich die Kette wieder bewegen. Das Rad eiert natürlich. Aber ich habe nicht die passende Speiche im Gepäck (Foto unten).


On the Road in Litauen
Hannah on the Road I

Fahrrad-Reparatur am Straßenrand in Litauen
Reparatur am Straßenrand

Mit dem Fahrrad unterwegs auf einer Landstraße in Litauen
Hannah on the Road II


Im Hochseilgarten/Kletterwald von AnykščiaiAnykščiai ist der einzige größere Ort des Tages. Wir entdecken zum ersten Mal eine Bäckerei, decken uns im Maxima-Supermarkt ein und frankieren ein paar Postkarten. Bei der Besichtigung der Kirche entdecken wir hinter ihr einen Radweg am Fluss entlang.
Der bringt uns bald zu einem Kletterparcours. Hannah absolviert dort in anderthalb Stunden das volle Programm (Foto rechts). Ein paar Kilometer weiter ist ein Baumwipfel-Hochpfad installiert, den wir uns auch nicht entgehen lassen.
Mit dem Klettern in Arm und Bein geht es bei Hannah naturgemäß nicht mehr ganz so schnell voran. Zumal am Ende auch noch sieben Kilometer Piste auf dem Programm stehen. Dann aber sind wir in einer paradiesischen, kleinen Anlage: Svajonių Dvaras. Wir bekommen ein geräumiges Holzhaus an einem See, den wir beim Baden ganz für uns haben. Rundum von Wald umgeben. Die Mücken rund ums Haus sind zahlreich. Drinnen nehmen wir den Kampf mit ihnen auf.



Baumkronenpfad; Baumwipfelpfad; Treetop walking path; Medžių lajų takas; near Anykščiai, Lithuania
Einziger Baumkronenpfad des Baltikums bei Anykščiai

Kleiner See bei den Ferien-Holzhäusern von Pakeršiai
See für Abend- und Morgenbad in Pakeršiai


Fahrrad-Schieben auf einer Piste in Litauen Hannah zeigt: es ist möglich
Mittwoch, 24. Mai 2017: Pakeršiai - Želva - Paberžė - Vilnius (88 km)

Nebelschwaden über dem See vor unserem Holzhaus, als ich morgens um sechs ins Wasser steige. Danach bin ich richtig wach. Hannahs Handgelenk schmerzt ein bisschen vom Klettern, aber Weiterfahren ist möglich (und nötig...).
Ein paar Regentropfen begleiten uns auf den ersten Metern. Nach rund einem Kilometer holprigem Weg sind wir wieder auf der holprigen Piste. Die ersten Stunden geht es heute nur sehr mühsam voran. Durchschnittsgeschwindigkeit elf Stundenkilometer. Mehr lassen Kiesel, Wellblech und Sand nicht zu. Dafür sind wir einsam unterwegs. Gelegentlich müssen wir schieben (Foto links). Die ein oder andere Baustelle passieren wir. Die Pisten werden peu à peu zu Asphaltstrecken.
Nach der halben Strecke etwa wird es dann flacher und asphaltiger. Jetzt geht es straight nach Süden. Irgendwann begegnet uns Wen (Foto unten). Der Chinese, der in Europa lebt, will zum Nordkap (Er hat's auch geschafft - innerhalb von einem Monat; und wollte danach noch an den norwegischen Fjorden weiter nach Oslo). Er hat gerade von Vilnius die ersten dreißig Kilometer mit seinem chicen und guten Rad zurück gelegt. Aber die Gangschaltung gibt merkwürdige Geräusche von sich, sagt er. Er hofft auf eine Radwerkstatt. Die wird aber nicht so schnell kommen, müssen wir ihm eröffnen.


Chinese Wen mit dem Rad in Litauen auf dem Weg von Vilnius zum Nordkap
Chinese Wen will mit dem Rad zum Nordkap in 78 Tagen

Chinese Wen mit dem Rad in Litauen auf dem Weg von Vilnius zum Nordkap
Wens Selfie mit uns


Radweg am Rand der A14 auf der Fahrt nach Vilnius Schließlich werden wir 17 Kilometer vor Vilnius auf die Fernstraße geführt. Reichlich Verkehr. Und bald eine richtige Schnellstraße. Zum Glück mit Radweg auf einer Seite (Foto rechts). Auf dieser Seite liegt auch ein Schnell-Restaurant der finnischen Hesburger-Kette. Zehn Kilometer vor der Innenstadt stärken wir uns noch einmal.
Dort geht es auf der Sonderspur für Busse, Taxis und E-Autos zwar meist ganz gut voran. Die Busfahrer hupen aber dauernd, wenn wir ihnen nicht ruckzuck ausweichen. Und die Trolleybusse mit ihrer Oberleitung kommen uns näher als gewünscht.
Wie schon bei meinen Touren 2000 und 2002, als Vilnius beides Mal das Ziel war, erschließt sich die Stadt nicht so recht. Es gibt keinen Mittelpunkt. Keine erkennbar eingegrenzte Altstadt. Wir finden unser gleichwohl ideal gelegenes Hostel.
Von Riga sind wir in fünf Tagen bis Vilnius gekommen. Alles andere als selbstverständlich. Zumal bei wackeligem Sattel, kaputtem Gepäckträger, sehr einfachem Fahrrad. Hannah zeigt: es ist möglich (Foto unten).
Wir genießen den Abend auf der Terasse eines georgischen Restaurants. Mit litauischem Bier. Ob wir auch noch den Rest fahren, wollen wir morgen entscheiden. Erst mal bleiben wir hier.


Hannah und Chris
Vilnius erreicht


Blick vom Gediminas Castle Tower auf da Zentrum Vilnius mit Neris-Schleife Bizarre: Make everything great again
Donnerstag, 25. Mai 2017: Vilnius

Ein letztlich sonniger, warmer Tag in Litauens Hauptstadt. Beginnend in der einzig verbliebenen von mehr als hundert Synagogen. Über ein Boulangerie-Café. Barocken Kirchen. Die uralte Universität. Deutsche Soldaten auf dem Burgberg. Die sich nicht so recht erschließende "Unabhängige Republik Zarzecza". Die Wandmalerei von Putin und Trump unter dem Slogan "Make everything great again". Und schließlich peruanischem Essen im stylischen Restaurant Bizarre. Wo Hannah, dank ihres halbjährigen Aufenthaltes in Peru, von dem sie gerade erst zurück gekehrt ist, genau die richtige Auswahl trifft (Fotos unten).
Nachdem wir sowohl die Zug- als auch die Bus-Optionen Richtung Minsk gecheckt haben, entscheiden wir uns fürs Weiterfahren. Zwei weitere lange Hundert-Kilometer-Etappen könnten es am Ende werden. Gegen Hannahs Schmerzen an Hand- und Kniegelenk ist Diclofenac im Einsatz.


Vilnius Cathedral; Vilniaus katedra: St. Stanislaus und St. Ladislaus
Kathedrale von Vilnius: St. Stanislaus und St. Ladislaus

Graffiti und Kathedrale der Himmelfahrt der Gottesmutter, Vilnius
Kathedrale der Himmelfahrt der Gottesmutter hinter Graffiti

Putin & Trump: Graffiti gegenüber vom Hauptbahnhof in Vilnius: Make everything great again
Putin & Trump: Make everything great again

Peruanisches Essen im Restaurant Bizarre, Vilnius
Peruanisches Essen im Restaurant Bizarre


Wodka statt Wlan
Freitag, 26. Mai 2017: Vilnius - Grenze Litauen/Belarus - Aschmjany - Zabrezzie (110 km)

Schon um halb acht sind wir wieder in dem Boulangerie-Café. Mit unseren gepackten Rädern, die jetzt ein paar Regentropfen abbekommen. Ein Quartier haben wir genau auf halber Strecke nach Minsk gebucht. Es findet sich erst seit Anfang Mai bei booking.com. Kreditkartenzahlung unmöglich, Internet nicht vorhanden. Also auch kein großes Risiko für uns, wenn wir es nicht schaffen sollten...
Nach dem langen Anstieg aus der Stadt sind wir auf der Höhe und lassen uns vom Westwind nach Osten treiben. Auf der A 3. Die anfangs noch vierspurig ist. Aber auch einen Radweg an der Seite hat. Schon um zehn Uhr sind wir nach 32 Kilometern an der EU-Außengrenze. Goodbye Schengen & Euro.


Belarus (Weißrussland)


Im Grenzkorridor: LKW warten an der EU-Außengrenze im Niemandsland zwischen Litauen und Belarus Die litauische Ausreise dauert nur ein Scannen des Reisepasses lang. Ein paar hundert Meter Niemandsland. Vorbei geht es an wartenden LKW (Foto links). Einen Passierschein gibt es am ersten Schlagbaum. Und per Funk werden zwei Radler an der weißrussischen Grenzkontrolle angekündigt. Wo wir das Grenzformular doppelt ausfüllen. Ein Exemplar bleibt im Pass. Aber erst nachdem der Grenzbeamte uns wieder und wieder mit unserm Passbild abgeglichen hat. Danach wird der Mann vom Zoll zu uns und unseren Rädern rausgeholt. Wir müssen alle Taschen öffnen. Aber in keine schaut er wirklich rein. Alles in allem hat der Grenzübergang eine halbe Stunde gedauert. Für die LKW-Fahrer, die auf der weißrussischen Seite in einer vier Kilometer langen Schlange stehen, sieht das etwas anders aus.
Ganz am Ende der Schlange pausieren wir in einer schützenden Bushaltestelle. Der gegenüber wartende LKW-Fahrer macht das Foto (unten). Es ist kühl, aber Belarus.


Radler machen Pause in der Bushaltestelle Kamenni Log, Belarus
Pause in der Bushaltestelle kurz hinter der Grenze


Holzhaus in Навасёлкі/Navasiolki, Weißrussland/Belarus Was wir überraschender Weise nicht entdeckt haben an der Grenze: die Möglichkeit, Geld zu tauschen oder abzuheben. Außer einem Mini-Café ist weit und breit nichts zu sehen. So radeln wir in die einzige Stadt des Tages, an der die Straße heute vorbei führt. Der Univermag und die vielen anderen alten sozialistischen Gebäude prägen das Stadtbild. Vor rund 25 Jahren waren Litauen und Belarus noch ein Land. Heute ist der Unterschied gravierend. Auf dieser Seite fühlt man sich ein bisschen mehr back in the USSR. Auch wenn das obligatorische Lenin-Denkmal fehlt und die römisch-katholische Kirche renoviert wird. Während uns an der russisch-orthodoxen Kirche einige Hobby-Gartenarbeiter freudig interessiert befragen.
Erst als wir auf einer andern Straße wieder aus der Stadt herausfahren, kommen wir an einer Neubausiedlung vorbei. Wir geraten auf eine Nebenstrecke zur Hauptstraße. Und kommen so durch kleine Dörfer an vielen schönen Holzhäusern vorbei (Foto rechts). Und können hier auch einkaufen. Nicht mehr ganz so billig wie vor zehn Jahren. Straße und Bürgersteige sind in gutem Zustand. Über eine kleine Passage im Wald geht's wieder auf die große Verbindungsstraße von Vilnius nach Minsk. Die kaum befahren ist.

Zascianak Skrypleu (Guest House) Dom 5, 222354 Zabrezhʼye, Weißrussland/Belarus Schließlich müssen wir wieder über Pisten und kleinere Straßen ab zu unserer Unterkunft. Im letzten Dorf, Городьки-Гарадзечна, weiß man zunächst nichts von einem Ferienhaus. Ein Mann führt uns zu einer Nachbarin. Und die ist sicher, dass da was ist. Und als wir auf die kleine letzte Piste des Tages einbiegen, hält direkt ein Auto an. Iwan dreht und fährt für uns voran. Auf den letzten von letzlich 110 Kilometern - wieder eine sensationelle neue Bestmarke von Hannah.
Iwan führt uns zu dem großen Gehöft, auf dem unser gebuchtes Holzhaus (Foto links und unten) steht. Innen ein riesiges, urgemütliches, altes Bauernhaus mit Folklore-Charakter. Außen gibt es moderne Klettermöglichkeiten. Einen Küchen-Pavillon. Viel Grün. Und als Wassil, unser Host, auftaucht, erfahren wir auch, wie wir zu einer Badestelle am Bach kommen. Ich gehe noch kurz ins Wasser. Mit den herum liegenden Kajaks kann man lückenlos zur Memel und damit zur Kurischen Nehrung an und in die Ostsee paddeln.
Am Ende des Tages lädt uns Wassil noch in sein Haus ein. Es gibt Wodka. Und interessante Geschichten über das Leben in dieser Region, das Selbstverständnis der Weißrussen, die neue Reiseregelung mit dem einfachen Fünf-Tage-Visum für 60 Euro. Und vor allem Wodka.


Kletternetz: Zascianak Skrypleu (Guest House) Dom 5, 222354 Zabrezhʼye, Weißrussland/Belarus
Hannah auch nach 110 Kilometern auf dem Rad noch nicht ausgepowert


Breakfast: Zascianak Skrypleu (Guest House) Dom 5, 222354 Zabrezhʼye, Weißrussland/Belarus Am Ende der Tour eine halbe Stunde im Aufzug
Samstag, 27. Mai 2017: Zabrezzie - Vilnius (99 km)

Zehn Eier mit irgendeinem April-Datum dümpeln im Bauernhaus-Kühlschrank vor sich hin. Wir hauen sie in eine Pfanne in der Open-Air-Küche am Nebengebäude. Hannah, jüngst Salmonellen-befallen im peruanischen Cusco, ist skeptisch. Trotzdem genießen wir das Bauernfrühstück in grünster belarussischer Umgebung (Foto links). Paradiesisch.
Zehn Kilometer sind es zurück zur E28 / M 7 (Foto unten). Heute, am Samstag, eher noch mit weniger Verkehr als gestern. Zur ersten Pause fahren wir abseits zu einem verlassenen Bauernhaus (Foto unten).
Rund 75 Kilometer vor Minsk wird die Straße mit der Zusammenführung der M 6 aus Grodna vierspurig. Der Randstreifen ist noch breiter. Und der Großteil der Strecke ist sehr gut asphaltiert (Foto unten). Verkehr und Lärm nehmen stetig zu. Dann der neue, äußere Autobahnring, die M 14. Schließlich die Skyline von Minsk. Die Stadt fasert an dieser Stellen nicht aus. Sondern der Autobahnring ist wie ein fester Gürtel. An dieser Stelle noch markiert durch viele neue Hochhäuser (Foto unten). Kurz darauf haben wir die Wahl zwischen Burger King, Texas Chicken, Pizza Foot und Kentucky Fried Chicken. Im KFC nutzen wir bei Karamel-Eis das Wlan. 33 Stunden offline. Wuh.
Jetzt gibt es sogar einen Radweg ins Zentrum. Die Übergänge zur Straße sind etwas holperig. So dass Hannah Radtaschen synchron vom Gepäckträger fallen. Zum Glück läuft die Kamera:



Jumping of in Minsk...


Fahrräder mit Gepäck im Grünen, Belarus/Weißrussland
Pause abseits der Straße

Straßenschild in Belarus bei Zabrezzie M7 Minsk
Schild vor Birken



Highway M 7 Richtung Minsk


Junge Fahrrad-Fahrerin Auf der vierspurigen Straße M7/E28 Richtung Minsk
Auf der vierspurigen Straße Richtung Minsk

Einfahrt nach Minsk von Westen auf der M7/E28
Stadtrand von Minsk

Царква імя прападобнай Еўфрасінні Полацкай, Minsk
Orthodoxe Kirchen

Kentucky Fried Chicken, Minsk, Belarus
Nach 33 Stunden offline: KFC-Wlan in Sicht


Hannah & Chris an der Lenin-Statue in Minsk Im Stadtzentrum suchen wir den zentralen Leninplatz. Ein Wachsoldat wird etwas unruhig, als wir eine kleine Selfie-Session einlegen (Foto links). Dann sind es nur noch zwei, drei Kilometer zu Nastia. Vor drei Jahren haben wir sie in Speyer kennengelernt. Sie lebt mit ihrem Freund Maxim in einem Neubau (Foto unten) im siebten Stock. Tolle Wohnung. Es gibt Buchweizen, Gemüse, Salat, Wodka, moldawischen Wein. Ein wunderbares Finale. Aus dem Stand hat Hannah mit ihrem Gurkenrad 587 Kilometer hingelegt. Wahnsinn.
Wir brechen mit Nastia und Maxim noch zu einem kleinen Spaziergang auf. Fahren mit dem Aufzug, in dem wir vorhin noch unsere Räder hinauf befördert haben, hinab. Als wir ankamen wurde er zunächst noch repariert. Jetzt ruckt er plötzlich. Ich erschrecke. Ein ungeplanter Halt. Die Anzeige zeigt Stock 3 an. Aber nichts bewegt sich mehr. Es gibt eine Sprechtaste. Nach einem Automat meldet sich eine richtige menschliche Stimme. Wir lassen uns auf dem Boden des Aufzugs nieder (Foto unten). Kaum zu glauben. Aber innerhalb einer halben Stunde ist ein Mechaniker da, um uns vier zu befreien. Wir nutzen die Zeit, um auf dem Smartphone die Bilder von unserer Tour zu zeigen. Jeder Tag ist voller Highlights. Seit dem ersten Tag in Riga fürchte ich, dass dieser Level an Highlights nicht zu halten ist. Und dann passiert immer noch was.
Wir gehen am Fluss Swislatsch entlang. Ein paar Fischer angeln. Die Fische sollen nur noch als Tierfutter brauchbar sein. Auf der andern Seite ist ein wunderbarer Radweg angelegt. In beide Richtungen. Viele Radler sind unterwegs. Und Jogger. Und Skater. Es wird gegrillt. Relaxte Wochenend-Atmosphäre. Dann Wodka und moldawischer Wein. Yeah, yeah, yeah. Wir sind happy.


Zwei Räder vor Wohnhaus in Minsk
Am Ziel

Warten im stecken gebliebenen Aufzug eines Wohnhauses in Minsk
Halbe Stunde Warten im stecken gebliebenen Aufzug

Abendstimmung am Wehr der Swislatsch in Minsk
Abendstimmung am Wehr der Swislatsch

Abendstimmung an der Swislatsch in Minsk
Hochhäuser spiegeln sich im Fluss


Römisch-katholische Kirche des Heiligen Simon und der Heiligen Helena; Касцёл Святога Сымона і Святой Алены; Minsk Großartig
Sonntag, 28. Mai 2017: Minsk

Die Frühmesse ist um acht. Ich radle ins Stadtzentrum. Die große rote Kirche am zentralen Platz ist katholisch. Die erste Messe am Morgen auf Polnisch (Foto links). In 40 Minuten. Papst Johannes Paul II. ist hier allgegenwärtig. Vor der Kirche Vorbereitungen für eine Fronleichnamsprozession, die hier offenbar vor Pfingsten begangen wird. Ihr begegnen wir auch später in der Stadt.
Nastia und Maxim sind geniale Gastgeber. Ihre schöne Wohnung wird zu unserem Zuhause. Die beiden zeigen uns die sonnige, sonntägliche Stadt (Fotos unten). Ein mit Souvenirs aus aller Welt voll gepfropftes Keller-Café. In der orthodoxen Kirche werden wir Zeugen einer Hochzeit. In einem Holzhaus das Museum zum ersten kommunistischen Meeting in Minsk. Mit Walter Ulbricht und einem DDR-Wimpel. Wir lernen das einzige vegetarische und vegane Restaurant von Minsk kennen. Und schätzen. Ziehen durch einen riesigen Park. Fahren mit der Metro. Bekommen unsere Bordkarten noch ausgedruckt in einem Copyshop in der Metrostation.
Daheim trifft auch noch Nastias Vater Valeri ein. Der Arzt spricht Deutsch und ist ein toller Erzähler. Voller Humor. Amüsiert sich prächtig über den legendären Cessna-Flug von Mathias Rust auf den Roten Platz, der sich heute zum dreißigsten Mal jährt. Erwähnt aber auch weit verbreitetes Aids in seiner Praxis im Süden des Landes. Dazu jede Menge Wodka, Whisky und moldawischer Wein. Was ausklingt mit russsichen und englischen Liedern zur Ukulele und zum Notebook. Eine großartige Party. Ein großartiger Tag. Eine großartige Tour.


Chris, Hannah, Nastya & Maxim am Venok-Springbrunnen im Yanka Kupala Park, Minsk
Mit Nastya & Maxim am Venok-Springbrunnen

Sieges-Platz mit Säule in Minsk

Sieges-Platz

House Museum of First Congress of the Russian Social Democratic Labour Party; Дом-музей 1-га зʼезду РСДРП; Minsk
Museum des Ersten Kommuninsten-Treffens in Minsk

vulica Majakoŭskaha; Minsk
Straßenfront am Sonntagmorgen


Radweg am Fluss Swislatsch in Minsk Hat Spaß gemacht
Montag, 29. Mai 2017: Minsk - Flug - Frankfurt

Ich bin wieder so früh wach, dass ich wieder zur Frühmesse in die rote Kirche der Heiligen Simon und Helena am Leninplatz gehe. Werktags beginnt die Messe schon um sieben Uhr. Und zwar in Weißrussisch statt Polnisch. Allerdings erscheint der gleiche Priester am Altar. Bei der Beleuchtung wird kräftig gespart. Es verlieren sich zehn Gottesdienstbesucher in den Bänken. Acht Frauen, ein Franziskaner und ich. Die Messe dauert genau 21 Minuten. Danach machen die Frauen alleine weiter mit einem Mariengebet.
Zurück radle ich auf dem Radweg am Swislatsch entlang (Foto links). Am Werktag wird er deutlich weniger genutzt als am Wochenende. Er bietet noch einmal schöne Blicke auf den Grünstreifen und die Häuserzeilen (Fotos unten).
Kurz vor elf machen wir uns auf den Weg zum Flughafen. Hannah nimmt beide Räder mit - denn ich kann auf meinem Flug leider kein Rad mitnehmen:


Hochhäuser am Fluss Swislatsch in Minsk
Abschied von Minsk


Wrapped bike: Klarsichtfolie Exkurs Ich fliege mit LOT über Warschau zurück und rufe wenige Tage für Beginn der Tour kurz an, um mein Fahrrad anzumelden. Beim ersten Mal wähle ich "Deutsch" als Sprache und werde sofort zu einem Englisch sprechenden Call-Center-Mitarbeiter durchgestellt. Wie häufig muss ich Gewicht und Maße angeben. Der Mitarbeiter wartet auf Bestätigung. Die lässt auf sich warten. Ich soll zwei Stunden später anrufen. Dazu komme ich erst am nächsten Morgen. Diesmal wähle ich direkt "English". Die Folge: ich werde durch ein langes Menü geführt und muss warten. Dann ist nichts mehr da von meiner Anfrage. Also eine neue Anfrage. Wieder soll ich in zwei Stunden anrufen. Per Mail geht das nicht. Beim dritten Mal wähle ich wieder "Deutsch" und komme wieder direkt dran: ohne Menü, ohne Wartezeit. Es stellt sich raus: 1,50 wurde vom Mitarbeiter als Breite eingetragen statt als Höhe. Deshalb wurde es naturgemäß abgelehnt. Ich gebe die Maße erneut an und reduziere direkt auf: 1,95 x 1,30 x 0,45 m. Diesmal soll ich in einer Stunde anrufen. Dann ist auch das abgelehnt. Ich frage nach den Maximalmaßen. Zwei Stunden später stellt sich heraus, dass LOT auf beiden Flügen Embraer-Flugzeuge einsetzt. Und die sind einfach zu klein.
Letzter Ausweg: Hannah fliegt via Riga mit baltic air nach Berlin. Auf deren Homepage steht, ein Passagier könne ein Fahrrad mitnehmen. Das hab ich schon gebucht für Hannah. Ich rufe die Hotline an, ob auch ein zweites Rad mitkäme. Sie checken, ob noch Platz ist. Es ist. Und Cousin Uli, Hannahs Vater, ist bereit, das in Berlin in Empfang zu nehmen. Das sind sehr gute Voraussetzungen.


Hannah und Maxim packen das Rad ein Maxim begleitet uns zum Flughafen. Das ist super. Er organisiert nicht nur alles und spricht mit dem Busfahrer - sondern, im Falle eines Falles, kann er zur Not auch ein Rad wieder mit nach Minsk nehmen. Falls es bei der Aufgabe der Räder Probleme geben sollten. Maxim ist auch beim Einpacken eine große Hilfe. Zu dritt ist die Demontage der Räder und vor allem das Wrappen von Frischhaltefolie und Klebenband (Fotos rechts und links) sehr viel einfacher.


Panther Dominance Trekking Epilog Was niemand bemerkt, was mir das ständige Quietschen des Rades aber längst verraten wollte: der Rahmen ist gebrochen. Unterhalb der Sattelstange (Foto links). Das zufällig aufgenommene Foto vom fast total verpackten Fahrrad gibt ausgerechnet den Blick auf den Rahmenbruch frei.
Seit Monaten höre ich, dass etwas nicht stimmt mit meinem Rad. Erst Wochen nach der Tour, als Cousin Ulrich mir das Rad nach Essen gebracht hat, ich noch eine kleine Tour durch Deutschland gemacht habe, wird mir irgendwie klar, dass der Rahmen gebrochen sein muss. Ich finde die Stelle zunächst nicht. Dann entdecke ich sie und nehme das Rad sofort außer Betrieb. Die Sattelstange hatte ich meist etwas über die Markierung hinaus aus dem Rahmen gezogen. Dadurch war die Hebelwirkung auf den oberen Teil des Rahmens zu groß. Das Anfang vom Ende.
Nach grandiosen und unglaublichen 41128 Touren-Kilometern auf 47 Touren in 46 Ländern und sicherlich insgesamt deutlich mehr als 50000 Kilometern in zehn Jahren (2007-2017) bleiben viele, viele Erinnerungen und ein großer DANK.


Dann geht beim Check-In zunächst alles ganz easy voran. Mein Rad wird zwar noch halbwegs gewogen, aber schon kleben die Gepäck-Identifikationsstreifen auf der Verpackung. Wir müssen sie nur noch zum Bulk-Luggage-Schalter nebenan bringen. Da gibt es aber schon Probleme, als das kleine Rad von Hannah versuchsweise aufs Förderband gelegt wird. Ein Security-Chef wird gerufen. Er inspiziert noch einmal die Verpackung und stellt Maxim ein paar Fragen. Nach einer weiteren spannenden Pause hebt der Mann am Bulk-Luggage-Schalter die Räder, eins nach dem anderen, schließlich durch die nächstbeste Tour. Und als er ohne Rad zurück kommt, kann Maxim endlich zur Arbeit gehen. Spacibo.
Hannah und ich essen noch eine Kleinigkeit. Bis zu meinem Flug habe ich noch zwei, drei Stunden in dem Bistro zu überbrücken. Hannah macht sich auf den Weg. "Hat Spaß gemacht", sagt sie noch. Mir mindestens genauso viel, liebe Hannah.


Hochhausfront am Fluss Swislatsch, Minsk
Unser Quartier


Route Riga - Vilnius - Minsk



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen

Etappen Riga - Vilnius - Minsk (20.-27.5.2017)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 20.5.2017 Riga Airport Riga Ikšķile 47
2. 21.5.2017 Ikšķile Jaunjelgava Sērene 69
3. 22.5.2017 Sērene Grenze LV/LT - Kvetkai Kupiškis 102
4. 23.5.2017 Kupiškis Anykščiai Pakeršiai 72
5. 24.5.2017 Pakeršiai Želva - Paberžė Vilnius 88
6. 25.5.2017 Vilnius
7. 26.5.2017 Vilnius Grenze LT/BY - Aschmjany Zabrezzie 110
8. 27.5.2017 Zabrezzie Minsk 99
Summe 587

Radlerin auf dem Damm der Daugava bei Ikšķile
Auf dem Damm der Daugava bei Ikšķile

Fahrrad, Sonne und Schatten in Litauen
Mai-Sonne


Anschluss Tour 18: Nida - Vilnius (505 km) Juli 2002

Anschluss Tour 10: Mainz - Vilnius (2100 km) Aug. 2000

Anschluss Tour 8: Baltikum: Tallinn - Nida (875 km) Aug. 1999


Nächste Tour: Mainz - Münster (400 km) Juni 2017

Vorherige Tour: Loire: Burgund - Atlantik (837 km) April 2017


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Tour 48: Karakorum-Highway (1010 km) 2009
Karakorum 2009
Chris Tour 51: Khartum - Addis Abeba (1760 km) 2010
Äthiopien 2010
on the Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) 2011
Moldau 2011
Bike Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
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