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VG WORTTour 109: Türkische Ägäis: Istanbul - Marmaris (ca. 1250 km)



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Türkische Ägäis: Istanbul - Marmaris (4.-26.11.2021)
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Ausrüstung: Bike & More
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Die Idee: eine kleine Tour an der türkischen Ägäis-Küste entlang. Start in Istanbul und nach der Überquerung der Dardanellen vorbein an Troja, Pergamon und Ephesus bis zur Südwestspitze: Marmaris.


Donnerstag, 4. November 2021: Mainz - Zug - Frankfurt - Flug - Istanbul-Airport - Karaburun (23 km)

Zurück am Flughafen nach anderthalb Pandemie-Jahren. Mit den Rädern. Turkish Airlines hat sich da eigentlich sehr bei uns bewährt. Aber jetzt heißt es plötzlich: die Räder müssen in einen Karton. Angeblich kann man den irgendwo am Terminal erwerben. Ich verweise auf meine vielfältigen positiven Rad-Erfahrungen mit Turkish. Hilft erstmal nicht viel. Als ich zu einer kleinen Erzählung anhebe “Ich war in 120 Ländern…“, zieht sich der Turkish-Mitarbeiter erstmal zurück. Wir packen weiter mit Polyester und Mofahülle. Dann taucht der Mann wieder auf. Wedelt fröhlich mit einem Ausdruck der offiziellen Radtransport-Bedingungen von Turkish. Die ihm natürlich recht geben. Sie würden aber heute noch einmal eine Ausnahme machen. Wir müssten nur unterschreiben, dass wir Turkish von allen Regressansprüchen befreiten. Geht doch. Die Formulare hat er ebenfalls dabei.






Der neue Flughafen von Istanbul liegt imNordwesten der Stadt am Schwarzen Meer. Vor zweieinhalb Jahren war ich noch auf dem Rückflug von Nairobi am innerstädtischen Atatürk-Airport. Jetzt ist eine riesige Fläche zugepflastert worden. Die Wege sind weit. Die Passkontrolle ist schnell. Innerhalb von drei Tagen vor Abflug mussten wir uns Coronamäßig bei der Regierung registrieren. Hier reicht jetzt der Pass.
Der Sperrgepäckschalter ist direkt bei unserem Gepäckband 25. Sperrgepäck von Turkish Airlines aber kommt gegenüber von Band 8 an, ein paar hundert Meter weiter, jenseits von Duty Free. Alles gut angekommen. Aber die Installation zieht sich. Erst in der Dunkelheit radeln wir los. Lange haben wir geschwankt zwischen einem Start in der Stadt, die Miri noch nicht kennt und einem relaxteren Start in Karaburun am Schwarzen Meer beim Flughafen um die Ecke. Dahin radeln wir jetzt in der Dunkelheit. Die Google Maps Strecke ist nicht öffentlich passierbar. Also werden es noch ein paar Kilometer mehr. Fast landen wir auf der Autobahn. Immerhin fahren wir entgegengesetzt auf der Schnellstraße. Als der Muezzin zum ersten Mal loslegt, ereilt uns ein Anruf von jugendlichen Gästen aus der heimatlichen Wohnung nach der besten Verkehrsverbindung nach Wiesbaden. Small world.
Nach zwei Tour-Stunden in der Dunkelheit erreichen wir das Hotel Villa Siesta. Ein Tophotel des Jahrgangs 2021. Mangels Nachfrage für uns zu einem Spottpreis zu haben. Der Niedergang der türkischen Lira tat sein übriges. Schon stehen wir gegenüber am Strand mit den Füßen im Schwarzen Meer.











Freitag, 5. November 2021: Karaburun - Silivri - Marmaraereğlisi (98 km)

Nebel über dem Schwarzen Meer. Dennoch lugt die Sonnenscheibe rötlich hindurch. Und legt eine rote Linie übers Wasser. In dem Miri schon munter schwimmt. Türkisches Frühstück in unserm nagelneuen Hotel. Mit Meerblick. Kurz überlege ich, ob wir die elf Kilometer, die wir auf der gestrigen Strecke zurückfahren müssen mit dem Linienbus bewältigen sollen, dessen Fahrplan sogar Google Maps intus hat. Doch dann radeln wir hinauf zur Fernstraße. Erbaut 2013 zieht sie sich mit sechs Spuren plus Randstreifen in weitem Bogen um Istanbul. Mit wenig Verkehr. Steigungen sind angemessen flach. Am Rande eines Friedhofs Mittagspause in der nun angenehm scheinenden Sonne.




Dann türmt sich vor dem Durchbruch zur Küste ein Höhenzug auf. Wir vertrauen zunächst dem Google Maps Fußgängermodus. Und werden auf Feldwegen an Windrädern vorbeigeführt. Als wir das nach Überquerung der eingleisigen Strecke der Orientbahn??? und der nächsten Hauptstraße fortsetzen möchten, raten uns Einheimische dringend davon ab. Also folgen wir mit sechs Kilometern Umweg der Straße. Die lange ansteigt, sich auf der Höhe hält und dann zum Marmarameer hinabsenkt. Das aber liegt wie die Stadt Silivri im Nebel. Dichtem Nebel. Wir entscheiden uns noch 30 Kilometer auf der engen, dicht befahrenen Küstenstraße hinter uns zu bringen. Die Kilometer hinter Silivri bin ich vor 21 Jahren in die andere Richtung geradelt. Noch Unangenehmer war am nächsten Tag der Höllischste Teil der Tour; die Einfahrt nach Istanbul mit dem schlimmsten Verkehr und riesigen Löchern am Straßenrand, wo einmal Gullideckel waren.
Ich buche über Booking.com das Dallas-Hotel bei Marmara Ereglisi. Was, wie ich erst später erkenne, einerseits überteuert und überbewertet ist, sowie vor allem illegal: Booking.com ist seit 2017 in der Türkei verboten. Es ist eigenartiger Weise das letzte Mal, dass die App funktioniert. Notgedrungen radeln wir in die Dunkelheit. In der wir vom Hotel noch durch einen kaum markierten düsteren Tunnel unter der Schnellstraße zum tiefer gelegenen Strand gehen. Wo Miri nach dem morgendlichen Bad im Schwarzen Meer nun auch noch ins Mittelmeer taucht.





Samstag, 6. November 2021: Marmaraereğlisi - Tekirdag - Ucmakdere (72 km)

Der Nebel ist geblieben. Trotzdem ist Miris Badestelle im Tageslicht noch attraktiver. Nicht mal die Quallenschwärme stören ihr Badeglück. Auf dem Rückweg stürzt sie an Stufen im immer noch dunklen Tunnel unter der Schnellstraße. Auf der wir zügig durch den Morgendunst in zwei Stunden nach Tekirdag gleiten. Heute am Samstag auch mit weniger Verkehr. Auf der Gegenseite winkt uns eine dreiköpfige Fernradlergruppe.
In der Stadt halten wir am ersten Fahrradladen. Auch wenn der von außen geräumig wirkt: das ganze Werkzeug wartet bei den beiden Verkäuferinnen vor dem Haus. Wir können unsere Ketten ölen und ‚‘ne Schraube anziehen. Der große Promenadenpark mit langer Seebrücke hat einen blau markierten Radweg. An dessen Ende ein paar Räder eines Leihsystems stehen. Von Möwen umflogen essen wir im Fischrestaurant am Strand, während sich die Sonne langsam durchsetzt.




Früher als erwartet windet sich nach dem ein oder anderen Ort und Hafen die Straße in das kleine Gebirge, das sich am Ufer des Marmarameeres in unseren Weg geschoben hat. Der Verkehr ist etwas stärker als erwartet. Immerhin ist Wochenende und viele Wagen mit Istanbuler Kennzeichen passieren uns. Einer hält sogar an und bietet uns einen Lift samt Rad an. Das Gepäck hätten wir ihm vielleicht mitgeben sollen. Immer wieder windet sich die Straße auf über 300 Meter über der Küste. Gleitflieger steuern über die Wälder hinab. Ich schiebe ein ums andere Mal. Ab sechs Prozent Steigung ist bei mir und meinem Rad Schluss. Der Weg ist grandios. Die Erschöpfung auch. Bei der Pause dämmere ich dahin, bis eine Katze hartnäckig mit uns interagiert.
Mit Sonnenuntergang erreichen wir unsere Unterkunft, wenige Meter bevor die Straße wieder zum Strand stößt. Per Mailkontakt habe ich erfahren, dass das Hotel Avdimio im November nur noch an Wochenenden geöffnet ist. Mit ein Grund, an den ersten Tagen etwas Tempo zu machen. Es lohnt sich. Eine sehr schöne Anlage im Grünen. Und Bier und Wein gibt es dazu.



   


 


  




Sonntag, 7. November 2021: Uçmakdere - Şarköy - Gelibolu (88 km)

Das türkische Frühstück im Hotel Avdimio (=Himmel) startet türkisch spät. Um halb zehn kommen wir als erste zum Zuge. Miri war da längst im Meer. Zu dem wir die tausend Meter runterrollen. Um dort erstmal die Schraube von Miris Gepäckträger zu erneuern. Ohne dass sie die Gangschaltung blockiert.
Dann pusht uns der Nordostwind. Zum ersten Mal richtiger Rückenwind auf der Tour. Dafür keine Sonne. Eine wunderbare und flache Strecke direkt am Meer. Wenig Sonntagsverkehr. Hier und da werden Oliven geerntet. Die wenigen Weinstöcke haben nur noch ein paar vertrocknete Trauben. Wir kommen gut voran bis Sarköy. Vor einer Bäckerei pausieren wir. Schließlich gesellt sich ein 78jähriger zu uns, der sein Arbeitsleben bei Linde in Aschaffenburg verbracht hat. Jetzt leben die studierten Kinder in Deutschland. Ich frage ihn nach der weiteren Strecke. Die Hauptstraße macht einen großen Umweg. Vom Weg in der Nähe der Küste kennen wir den Zustand nicht. Er meint, der sei möglich und besser, vor allem dank weniger Bussen und LKW.



  



Also los. Das Höhenprofil kündigt relativ bald eine größere Steigung an. So ist es. Im Vergleich zu gestern hält sich alles in Grenzen. Aber der schnelle Rückenwindschwung hilft nicht mehr so recht.
Hinter Kızılcaterzi endet bald der Asphalt. Aber die Piste ist gut. Und die Landschaft großartig. In der Ferne das Marmarameer, links und rechts Felder und Wälder.
Dann ein Sand- oder Betonwerk. Jetzt passieren uns Lkw in beide Richtungen. Meist zu weit. Nach wenigen Kilometern soll unser Weg links abführen. Die bei Guru Maps hochgeladene und bei Google Maps angelegte Route lässt keinen Millimeter Zweifel. Doch uns empfängt Stacheldraht. Mit der typischen vielsprachigen Warnung - auch in Deutsch: Militärischer Sperrbezirk. Das türkische Militär ist nicht für großen Humor bekannt. So folgen wir der Piste und den LKW Richtung Hauptstraße. Überraschend queren wir eine noch nicht freigegebene Autobahnstrecke. Sie führt zur Brücke über die Dardanellen, die hinter Gelibolu fast fertig ist.
Pause bei einer Tanke an der Hauptstraße. Jetzt ist der Wind plötzlich unangenehm. Und ab 15 Uhr wird es immer deutlich kälter. Bei Bolayır verabschieden wir uns wieder von der Schnellstraße und entscheiden wir uns für die Nebenstrecke über die Anhöhe zurück von der Ägäisküste zum Marmarameer. Bald wieder auf der Piste. Es wird dunkler. Die Sonne kam heute nur ganz kurz durch. Es zieht sich bis zum großen Strandhotel in Gelibolu alias Gallipoli, Gockelstadt quasi. Zum ersten Mal in der Türkei werden wir an der Rezeption nach unserer Corona-Registrierung gefragt. Und das Hotelzimmer ist versiegelt: „Hilton CleanStay“.



     


  


 






Montag, 8. November 2021: Gelibolu - Eceabat - Fähre - Çanakkale - Tevfikiye/Troja (79 km)

Alles vom Frühstücksbüffet wird Corona-konform angereicht. Auch hier türkisches Frühstück. Mit Käse, Gurken, Tomaten. Und einigem mehr. Hinterm Hotel setze ich noch den Speichenschlüssel an, damit Miris Hinterrad nicht mehr schleift. Eine sehr schön angelegte Promenade samt Radweg führt uns direkt am Fuß der Felsen am Ufer entlang ins Herz der Stadt, wo russische und andere Lkw mit der Fähre aus Asien anlanden und sich dann durch den Ort quälen. Noch. Denn südlich der Stadt ist die Hängebrücke über die Dardanellen fast fertig. Perserkönig Xerxes hatte 480 v. Chr. mal eine schwimmende Brücke über die Dardanellen aus 300 Schiffen gebaut. Imposant schwingt sich die Konstruktion über die hier etwa zwei Kilometer breite Meerenge. Der Verkehr auf der europäischen Seite der Dardanellen ist jedenfalls sehr gering, während die Schnellstraße zweispurig ausgebaut ist. Gegen Ende vor Eceabat ist sie das noch nicht. Dort werden Tunnel gebaut für die Fahrbahn Richtung Süden.
Als wir um halb eins an der kleinen Fährstation im Hafen von Eceabat ankommen - die großen Fähren, auch für Lkw fahren weiter südlich - legt gerade die interkontinentale Fähre an. Eine halbe Stunde später bringt sie uns samt der Fahrräder für insgesamt weniger als einen Euro von Europa nach Asien.



    


  


 


  


  






Erst von Çanakkale aus sehen wir südlich von Eceabat die große osmanische Festung am strategisch wichtigen Zugang zur Meerenge. Überall ist hier auch heute das türkische Militär präsent. Von der Fähre weg führt ein Radweg. Auch hier mit einigen Mieträdern im Angebot. Bald schlängelt sich der blau markierte Pfad mitten durch den dicht bevölkerten Haupteinkaufsweg. Immerhin finden wir hier eine Handyhülle für Miris neues Smartphone und frisch gepressten Granatapfelsaft. Der Radweg setzt nach Überquerung des Sarıçay neu an und führt uns einige Zeit an der schön gestalteten Promenade entlang. Als wir kurz anhalten kommt ein Mitglied des Radvereins von Canakkale den Hügel heraufgestrampelt. Er schenkt uns kleine Vereinsbänder. Während wir ein Erinnerungsfoto schießen fährt unser abendlicher Vermieter in Troja mit seinem Auto vorbei, wie er uns später erzählt. Ursprünglich wollten wir irgendwann auf die Schnellstraße wechseln. Doch es zeigt sich, dass das gar nicht nötig ist. Wir können bis zur Höhe von Troja immer am Ufer bleiben. Eine wunderbare, kaum befahrene Asphaltstrecke. An der mit Beginn des Troja-Parks wieder ein blau markierter Radweg einsetzt. Auch wenn der Asphalt immer gröber wird. Und Troja noch acht Kilometer jenseits der Anhöhe liegt. Weiterhin wunderbar zu radeln. Aber es ist 17:01 Uhr, bis wir Ausgrabungsstätte und das neue Museum am Ortsrand von Tevfikiye erreichen. Bei beiden ist im Winterhalbjahr Einlass nur bis 17 Uhr. Immerhin dürfen wir noch bis in die Nähe des trojanischen Holzpferdes für ein schlechtes Foto. Dafür ist die schlichte Pension ganz nett und niederländische und ungarische Wohnmobiltouristen machen hier auch noch halt. Im Ort entdecken wir noch einen Raki-Verkäufer. So lässt sich der Platz mit den angeleuchteten griechischen Skulpturen noch besser genießen.




















Dienstag, 9. November 2021: Tevfikiye/Troja - Yeniköy - Geyikli - Tavaklı İskelesi (51 km)

Das neue Troja-Museum, das von außen wie ein verrosteter Container aussieht, bietet innen eine großzügige moderne Präsentation der Siedlungs- und Ausgrabungsgeschichte von Troja, eingebettet in die Umgebung und eingeordnet in die antike Geschichte. Die Ausstellung endet in der obersten Etage mit der klagevollen audiovisuellen Präsentation vom Schatz des Priamos. Den Heinrich Schliemann nach Deutschland schleuste und der in den Nachkriegswirren nach Moskau und Petersburg gelangte. Danach radeln wir nochmal zum trojanischen Pferd. Über einen Holzsteg werden wir durch die Ausgrabungen geführt. Die sind besser als ihr Ruf. Der „Schliemann-Graben“ lässt erahnen, wie seinerzeit vorgegangen wurde. Von der ältesten Stadtmauer vor fast 5.000 Jahren bis zum römischen Odeon ist schon einiges zu sehen. Und eine englischsprachige Besuchergruppe ist auch unterwegs.
Der Tipp unseres Gastgebers ist gut: die Piste nach Yeniköy ist gut zu radeln. Hier kommen wir zurück auf die Küstenstraße. Ein Radweg ist hier nicht mehr markiert, obwohl der Troja-Park erst nach einer Weile endet.



 


  


 





 



Der Asphalt ist rau, die Strecke wenig hügelig. Ganz wenig Verkehr. Es geht nicht so recht voran. Die flachen Küstenstrecken der vergangenen drei Tage samt Rückenwind haben uns verwöhnt. Der späte Start tut sein Übriges. Mittagspause bei 20 Kilometern an einer Viehtränke mit klassischem Windrad. Hinter Geyikli kommen wir wieder direkt ans Ufer. Bei Alexandria Troas setzt die Straße zu einem großen Bogen an. Eine Autofahrer rät uns per Videoübersetzungschat mit seiner Tochter die Fahrt auf der kürzeren Piste über den Hügel fortzusetzen. Gesäumt von Resten der antiken Großstadt. Das spart auch Höhenmeter und ist wunderschön. Schließlich sind wir wieder direkt an der Küste. Bei einer Pause entdecken wir online ein paar Meter weiter ein einsames, chices Hotel. Das nächste würden wir erst in der Dunkelheit erreichen. Nice place to stay. Zumal an einem Pausentag.





Mittwoch, 10. November 2021: Tavaklı İskelesi

Pause.






    


  


 


 




Donnerstag, 11. November 2021: Tavaklı İskelesi - Gülpınar - Assos - Küçükkuyu (67 km)

Der Nordostwind verstärkt anfangs unseren Pausentagsschwung. Auch der erste Anstieg lässt sich gut an. Heiße Quellen dampfen am Straßenrand. Während wir sie erkunden, bläst der Wind mein Rad um. Zum ersten Mal. Die Shortcut-Straße oder Piste sieht nicht so verlockend aus. Außerdem zieht es mich zum Apollontempel Smintheion nach Gülpınar. Die Küstenstraße nimmt einen weiteren Anlauf bergan. Nach vielen Olivenbäumen kommen jetzt Olivenölfabriken. Eine ist gelabelt oliveoilorder.com. Der Tempel ragt anständig in den Himmel. Dahinter stehen die Trümmer der Thermen. Der Ort bietet theoretisch sogar eine Post für die Ruhetagspostkarten. Aber der Mitarbeiter ist irgendwo Teetrinken.
Nach dem Ort erklimmt die Küstenstraße immer neue Höhen. Eine Traumstrecke im Grünen. Mehr als 300 Meter sind wir über dem nahegelegenen Meer, das wir erst vor der Silhouette der Insel Lesbos wiedersehen. In den Dörfern entdecken wir hier und da Container. Möglicherweise für Flüchtlinge. Momentan stehen sie wohl leer.



  



Seit der Drehung nach Osten haben wir Gegenwind. Bei der Pause in Korubaşı??? finden wir eine windgeschützte Bank. Ich erklimme das schlanke Minarett. Mit Zustimmung der Cafégäste gegenüber. So eine tolle Landschaft. Wir rollen auf der Höhe dahin. Schließlich auf Assos zu. Die Akropolis thront weithin über den Hügeln. Der zusätzliche Anstieg reizt uns zunächst nicht. Aber als eine Weile nach dem Ort ein zivilisiert wirkender Zugang lockt, erklimmen wir auch diese Höhe noch. Die letzten Meter zum Athenatempel allerdings zu Fuß. Die vielen geschlossenen Cafés, Unterkünfte und Souvenirläden lassen erahnen, was hier los sein könnte. Auch der Blick auf Hafen, Küste und Lesbos belohnt uns.
Es geht noch ein bisschen bei Gegenwind auf der Höhe weiter, bevor die rasante Abfahrt zur kleinen Küstenstraße einsetzt. Am Meer reihen sich Hotels, Restaurants und Campingplätze aneinander. Fast lückenlos. Dennoch wirkt es nicht nach Massentourismus. Alles flach gehalten. Spontan halten wir kurz vor Küçükkuyu bei den Zytun Bungalows. Wo wir die nette Anlage direkt am Kiesstrand fast für uns alleine haben. Endlich gehe auch ich im Meer schwimmen. Luft und Wasser sind angenehm temperiert. In der untergehenden Sonne genießen wir das Abendessen.



  


   




Freitag, 12. November 2021: Küçükkuyu - Akçay - Ayvalık (80 km)

Sensationelles türkisches Frühstück in den Zytun-Bungalows zum Sonnenaufgang. Die Nacht war kalt. Ich habe an der Klimaanlage keinen Erfolg. Dann noch ein paar Meter bis Küçükkuyu auf der kleinen Küstenstraße. Im Ort am Ufer mal wieder ein Radweg. Die Händler bereiten den großen Freitagsmarkt vor. In der Post versuche ich, die Ruhetagspostkarten frankieren zu lassen. Keine große Begeisterung. Ich solle sie doch in einen Briefumschlag tun. Sehr lustig. Das würde sowieso einen Monat dauern, bis die ankämen. Inzwischen dolmetscht eine Kundin vom Nachbarschalter, die in München gelebt hat. Knapp zwei Euro soll eine Karte kosten. Mehr als doppelt so viel wie andersrum. Die Ex-Münchenerin erklärt den hohen Preis mit der Privatisierung der türkischen Post durch die Regierung. Eine israelische Firma habe gekauft. In vielen Bereichen habe die Privatisierung solche Folgen. Sie würde die Postkarten in Deutschland einwerfen. Ich google: bisher kostete eine Postkarte knapp 40 Cent. Obwohl ich dem Kauf zugestimmt habe, kommt die privatisierte Postmitarbeiterin nicht in die Gänge. So breche ich das irgendwann ab.
Nun geht es wieder auf der Schnellstraße weiter. Drei bestens asphaltierte Spuren in unsere Richtung am dicht besiedelten Nordufer des Golf von Edremit. Kräftiger Gegenwind lähmt das Vorankommen.



   



In Akçay macht die Fernstraße D xyz einen großen Bogen um die Bucht. Wir können in der Nähe des Ufers bleiben, bis sich Stück für Stück die Richtung dreht und damit der Ostwind zum Rückenwind wird. Dafür kürzt die südliche Golfstrecke ein paar Buchten ab, indem sie über Hügel führt. Zuletzt können wir ab zur Küste und auf einer sehr kleinen, netten Straße immer weiter hinein nach Ayvalık. Am Anfang der Altstadt entdecken wir ein neues Hotel, stilvoll in einem alten restaurierten Haus: Rebetiko.
Wir bummeln durch die engen Gassen. Alte griechisch-orthodoxe Kirchen sind hier zu Moscheen und Museen umgewandelt. Minarett neben Kirchturm. Ein deutsch-türkischer Architekt spricht uns von seinem E-Mobil aus an und erzählt von seinen Bemühungen, die alte Bausubstanz im Ort in Ferienwohnungen umzuwandeln. Dann shoppen wir noch kräftig. Ein toller Ort.



   


      


  




Samstag, 13. November 2021: Ayvalık - Dikili - Bergama (80 km)

Wochenend und Sonnenschein. Ein paar lokale Radler machen sich auf zu einer Tour mit einem Räder-Mix. Den Feiertag am 10.11. ??? haben sie gekrönt mit der Umrundung einer Atatürk-Statue in irgendwo. Wir umrunden sehr schön am Wasser die Berge und stoßen erst dann wieder auf die Schnellstraße. Längst nur noch zweispurig. Der Nordwind gibt uns Schub. Und bald können wir parallel in Küstennähe fahren. Ein Maschine erntet ein Baumwollfeld. Als die Ernte umgeladen wird, lassen sich die Männer in meterhohe Watte fallen, um sie ein bisschen zu komprimieren. Eine weitere Ferienhaussiedlung wird gebaut. Verlockend die ruhige Lage direkt am Meer. Wir gehen schwimmen. In der Ferne ist im Dunst wieder die Silhouette von Lesbos zu sehen. Hier sind wir auf Höhe des Ex-? Flüchtlingslagers Moria.



    


    



Fünf Stunden? dauerte seinerzeit der Transport des Pergamon-Frieses zur Verschiffung in Dikili. Wir fahren die Strecke nun in umgekehrter Richtung. Carl Humann, der Ingenieur, ging hier vor 160 Jahren an Land um seinem älteren Bruder beim Straßenbau im Osmanischen Reich zu assistieren. Vor 40 Jahren verbrachte ich mein letztes Schuljahr auf dem Carl-Humann-Gymnasium in seiner Heimat Essen-Steele. Heute säumen Olivenhaine, Baumwollfelder und Windparks die Schnellstraße Richtung Bergama alias Pergamon. Nur ganz leicht führt sie zunächst bergan. Auch nachdem die Schnellstraße nach Izmir abgezweigt ist. Bergama erstreckt sich inzwischen kilometerlang im Tal. Dann erhebt sich vor uns die Akropolis: mehrere hundert Meter über der Stadt erkennt man eine Sammlung aufrecht stehender antiker Marmorsäulen. Wir checken in einem Hotelzimmer mit Blick auf den Berg. Ohne Gepäck machen wir uns auf den steilen Weg. Besonders steil in der Passage an der Talstation der Seilbahn von xyz. „“Loshoppdallikerl“ höre ich meinen früheren Klassenlehrer Otto Lippek sagen. Das schmale Asphaltband windet sich nun in einem dreiviertel Bogen um den Berg. Die Stadt verschwimmt etwas im Dunst. Auf der anderen Seite blickt man hinab auf den halbleeren Stausee von 2013. Am Eingang zum Archäologischen Park ist Schluss mit dem Radeln. Der Ticketverkäufer kann helfen: Das Grab von Carl Humann ist da hinten am Baum. Schon 1998 war ich hier auf einer Nicht-Radtour. Erst im Nachhinein erzählte mir mein Ex-Reli-Lehrer Heinz-Josef Tillmann vom Grab. Auf Google Maps ist es eine eigene Location: „Carl Humann Mezarı“. Richtig platziert (?). Der Ausgräber und Abenteurer, der an viel Stellen im Osmanischen Reich wirkte, hatte seinen Wohnsitz in Izmir, damals? Smyrna, wo er nach seinem Tod 1896 bestattet wurde. Als der dortige katholische Friedhof aufgelassen wurde, kam es 1967 zur Umbettung. Im Stil dieser Zeit auch die schlichte Grabplatte, etwas unterhalb von den Resten des Zeus-Tempels, dessen Fries eben entsprechend den damaligen Verträgen nach Berlin gelangte. Jetzt setze ich Carl Humanns Grabstätte ein kleines digitales Denkmal. Ich lade zwei Fotos vom Grab bei Google Maps hoch.



        


     


    


  


   


  




Sonntag, 14. November 2021: Bergama - Aliağa - Izmir-Karşıyaka - Fähre - Izmir-Konak (100 km)

Bei der Abfahrt von der Pergamon-Akropolis haben wir sie gestern Abend erstmals entdeckt und auch heute begegnen wir ihr mehrfach. Die EuroVelo-Route 8, die Mittelmeerroute, hat hier eine kleine östliche Erweiterung. Auf Betreiben der Stadt Izmir schlängelt es sich etwa von Dikili bis Ephesos an der türkischen Ägäisküste entlang in unmittelbarer Nähe zu den griechischen Inseln. Manche Passagen auch auf unserer Schnellstraße. Explizite Radwege scheint es (noch) nicht zu geben. Immerhin die Beschilderung ist ein Anfang. Offenbar verläuft die Strecke hier und da auch offroad.
Nur in Aliağa haben wir heute Pause von der Schnellstraße. Die ganze Bucht hat eine Strandpromenade mit Radweg. Und am Sonntag ist hier auch einiges los. Der Verkehr wird Richtung Izmir stärker, aber letztlich profitieren wir auch da vom freien Sonntag. Man kann gut radeln am Straßenrand, auch wenn der manchmal ganz schmal ausfällt. Die drittgrößte Stadt der Türkei ufert immer mehr aus. Schon nach der letzten Pause in Menemen spüren wir die Metropole.




Einige Stadtkilometer sparen wir uns, indem wir in Karşıyaka die Fährstation ansteuern. Hier kann man mit Fußgängerfähren kreuz und quer über die Bucht von Izmir kommen. Wir können direkt ins Herz der Stadt nach Konak übersetzen. Fahrradständer gibt es auch.
Das Schiff legt am Meydan Konak an. Kaiser Wilhelm II. hat seinen Kumpel, den Sultan, hier am zentralsten Platz mit einem Uhrturm beglückt, der auch orientalische Elemente hat. Etwas abseits auf dem Platz eine schnuckelige Moschee aus dem 18. Jahrhundert.
Das moderne Großstadtleben samt Escooter und Promenadenradweg pulsiert am Sonntagabend. Der rote Sonnenball verschwindet hinter dem Berg. Wir lassen uns in einem der vielen Uferrestaurants nieder. Mit größter Höflichkeit versuchen die Kellner die Armada der Rosen- und sonstigen Verkäufer, Geigenspieler und kindliche Bettler zu vertreiben.



         


   


    


   


 



Montag, 15. November 2021: Izmir-Konak - Ahmetbeyli - Ephesus - Kuşadası (95 km)

Montagmorgen in der 4,5 Millionen Einwohner Stadt. Mehr als Berlin. Im Zentrum ist es relativ ruhig. Wir kommen an der katholischen Polycarp-Kirche vorbei. Wegen Corona und Renovierung geschlossen. Hier stand schon… Ein paar Meter weiter jenseits der Straßenbahn die alte Agora. Durch das Tonnengewölbe gehe ich unter der ehemaligen Basilika dahin. Nebenan wird ein weiteres großes Gebiet ausgegraben. Ansonsten ist vom antiken Smyrna wenig zu sehen. Wir werden uns wieder zur Schnellstraße D 550. Sie führt sanft auf die Höhen südlich der Stadt. Begleitet von einer schier endlosen Schlange von Fahrzeugen und entsprechenden Abgasen kommen wir bis zur großen Mall mit Decathlon, MediaMarkt und Zara. Jetzt sind wir obenauf und bald auch die Schnellstraße los.
In Menderes liegt direkt am Wegesrand eine Pausenoase: der ummauerte Garten und Friedhof rund um die osmanische Moschee von 1552. ??? Genau der Stil, den man auch in Jerusalem findet. Süleiman I., der Prächtige. Der Schlüssel zum Gotteshaus steckt im Schloss.


    



       


 



Nun senkt sich die Straße wieder peu à peu zum Meer hin. Vorbei am Tahtalı-Stausee. Eine schöne Abfahrt durchs Tal bis Ahmetbeyli. Die dortige Meeresbucht lädt zur nächsten Pause. Auf ein Meeresbad, wie einige andere es genießen, verzichten wir. Luft und Wasser sind deutlich wärmer geworden. Aber wir wollen noch einen Schlenker über Ephesus machen. Doch erstmal präsentiert die Küstenstraße einige Highlights. Anstiege mit wunderbaren Blicken in die zerklüfteten Buchten mit Wäldern und Felsen.
Beim Abzweig nach Ephesus ist es schon wieder flach. Kilometerweit ist der ehemalige Hafen der antiken Stadt versandet und hat der Stadt damit eine Lebensgrundlage geraubt. Noch vor dem heutigen Selcuk geht es rechts ab zum archäologischen Park. Aus der Ferne sieht man schon das riesige Theater im Berghang liegen. Von dort führt die antike Hauptstraße zur Celsus-Bibliothek mit ihrer eiederaufgebauten Fassade. Danach geht es links weiter zu allen möglichen gut erkennbaren Elementen einer antiken Großstadt. Zuletzt noch ein Schlenker zur byzantinischen Marienkirche. Hier kulminierten die Dramen um das Konzil von 431. Erschöpft sitze ich wieder im Sattel. Wir müssen zurück zur Küstenstraße, und die geht nochmal kräftig aufwärts. Kuşadası ist der größte Ferienort an der türkischen Ägäisküste. Ein Angebot hier für drei Wochen mit Flug für 700 € hat letztlich die Entscheidung zu diesem Trip ausgelöst. Fast landen wir jetzt in dem Hotel, radeln dann aber doch hinunter in den Ortskern. Checken versehentlich wegen Namensgleichheit nicht im beabsichtigten Hotel ein. Aber auch dieses Ilyada ist ok. Von der Dachterrasse sehen wir das Regent-Kreuzfahrtschiff in See stechen.





Dienstag, 16. November 2021: Kuşadası

P ause. Das nächste Kreuzfahrtschiff legt an: Norwegian Jade. Spaziergang zur Burginsel vor der Stadt. Alte Fotos zeigen: vor 50 Jahren war hier ein Dorf, was heute fast schon Großstadt ist.



    







Mittwoch, 17. November 2021: Kuşadası - Priene - Milet - Didim (87 km)

Die Stadt wächst die Hänge hinauf. So begleiten uns die Wohnblocks bei der Ausfahrt. Nach Söke müssen wir einen Minipass von 279 Metern überwinden. In der Stadt pausieren wir am zentralen Platz mit Denkmal im Nachkriegsstil. Das Leben wirkt auch am Werktag relaxt. Wir verlassen die Hauptstraße, um auf einer kleinen Straße zur Küste zurückzukehren. Wie meist ist der Asphalt hier rauer. Der Verkehr lässt immer mehr nach.
Nach dem Pass sind wir jetzt auf der Südseite des Gebirgs-Naturparks. Einen Abstecher machen wir aufwärts zu einer griechisch-orthodoxen Nikolaus-Kirche aus dem 19. Jahrhundert. Die Ausgrabungsstätte Priene dagegen lassen wir rechts am Hang liegen.




Durch das versandete riesige antike Buchtgebiet, in dem vor allem Baumwolle hervorragend wächst, steuern wir die Ausgrabungen von Miletos an. Nachdem wir uns morgens noch einmal die Winkelberechnungen im Kreis des Thales von Milet vergegenwärtigt haben. Beeindruckend vor Ort sind das Theater und die Weitläufigkeit der früheren Hafenstadt.
Zum Meer hin müssen wir noch einmal ein paar Meter ansteigen, bevor wir die Sonne sich immer mehr dem Meer zuneigen sehen. In der Marina von Didim ergattern wir im Yacht Club Hotel tatsächlich ein riesiges “Standard-Zimmer“ zum Spottpreis aus der Hotels.com-App. Miri nutzt Swimmingpool und Sauna. Hier lässt es sich aushalten.












Donnerstag, 18. November 2021: Didim: Marina - Apollon-Tempel - Marina (17 km)

Unsere luxuriöse Unterkunft samt Frühstück veranlasst uns spontan zu bleiben. So bleibt Zeit für das wichtigste Orakel nach Delphi. In Didyma begrüßt uns am Apollon-Tempel Medusa. In der Post bekomme ich endlich die Postkarten aufgegeben. Und an der besonders be Brite beliEnten Strandpromenade von Altinkum gibt es Fish & Chips. Tamam.










Freitag, 19. November 2021: Didim - Kıyıkışlacık (53 km)

Unsere Gemächer samt begehbarem Kleiderschrank sind so groß, dass wir beinahe ein paar Klamotten vergessen. Über die Höhe führt die Straße von Didim nach Denizköy. Dort kommen wir von der großen Straße ab zur Uferpromenade. Hier ist es noch halbwegs beschaulich, doch dann folgen Bettenburgen, und an den Hängen ziehen sich die Feriensiedlungen hinauf. Wir stärken uns am Strand von Akbük. Die Tagesetappe ist nicht ganz so lang. Dafür kommen nun zwei kleine Passhöhen über 300 Meter.
Begleitet von Olivenbäumen schlängelt sich die kleine Straße mit bis zu acht Prozent Steigung hinauf und direkt wieder hinunter nach Kazıklı. Durch dieses Dorf können wir auf der Dorfstraße rollen. Das andersartige, aber ebenfalls schöne Gürçamlar durchqueren wir wieder mit dem bescheidenen Hauptverkehr.




Und noch einmal geht es etwa auf die gleiche Höhe. Jetzt wird die Steigung am Straßenrand mit zehn Prozent angegeben. Aber insgesamt ist der Anstieg flacher, unterbrochen durch Plateaus.
Dann sehen wir schon die Bucht von Kıyıkışlacık. Von der Straße müssen wir dorthin rechts ab für unsere Übernachtung. Am Ortseingang pausieren wir in der römischen Gräberanlage, die mit allerlei Antikem nett gestaltet ist. Gegenüber liegt auf der Halbinsel die Akropolis des alten Iasos. Heute prägt ein Fischerhafen die Bucht, an deren Ausfahrt ein byzantinischer??? Turm als Ruine aus dem Wasser ragt. Gegenüber liegt der Flughafen Milas-Bodrum, von dem aus wir in einer Woche heimfliegen möchten. Die wenigen startenden Maschinen düsen genau über unser Airbnb. Die Vermieterin wusste allerdings nichts mehr davon, dass sie ihr Ferienhäuschen dort mal angeboten hatte. So war sie entsprechend überrascht, als ich sie gestern Abend schließlich via WhatsApp kontaktierte. Jetzt ist sie rund hundert Kilometer gefahren, um uns den Schlüssel zu überreichen. Kurz vor Sonnenuntergang gehen wir zum Baden zur kleinen einsamen Sandbucht unterhalb.











Samstag, 20. November 2021: Kıyıkışlacık - Çamovalı - Ören (53 km)

Festfrühstück vor unserer Ferienwohnung über der Bucht. Die ersten Maschinen starten vom nahegelegenen Flughafen Milas-Bodrum über unsere Köpfe. Nächsten Freitag sind wir dabei.
Fürs erste können wir weiter die grandiose Küstenlandschaft genießen. Heute mit absoluten Highlights. Zunächst geht’s zwischen Ölbäumen auf das Gebirge zu zurück zur Küstenstraße. Wunderbar führt die uns durch die duftenden Pinienwälder erneut hinauf auf rund 300 Meter. Ebenso straight folgt die Abfahrt in die Flughafenebene. Die Hauptstraße zwischen Milas und Bodrum kreuzen wir nur. Auch wenn der Wind Richtung Bodrum verlockend ist.







Wir wollen noch eine Ehrenrunde hier im Süden radeln: über Marmaris und Datca nach Bodrum und von dort dann zurück zum Flughafen. Dazu geht’s nun quer über die Berge nach Ören in den Golf von Gökova. Auf der kleinen Landstraße kommen wir nach Ağaçlıhüyük, wo wir unsere Vorräte noch etwas aufstocken. Kurz darauf biegen wir nach Osten ab auf eine noch kleinere Straße. In Çamovalı wird es erstmals auf dieser Tour bei der Pause in der Sonne fast zu heiß. Heute ist der Himmel blau. Und nun schlängelt sich die kleine Straße durch diese traumhafte Landschaft. So unbelievable.
Auf der Verbindungsstraße zwischen Milas und Bodrum ist die Landschaft wieder anders, wirkt herbstlicher durch Laubbäume. Große Steinbrüche und zwei Kohlekraftwerke liegen am Rand. Die Abfahrt zum Meer ist ein weiterer Traum, so wie die letzten Kilometer auf der Küstenstraße nach Ören. In der langgezogenen Bucht finden wir ein nagelneues Hotel. Airbnb-Pläne mussten wir aufgeben, weil die Vermieterinnen nicht vor Ort sind.






 




Sonntag, 21. November 2021: Ören - Akyaka (45 km)

Vom antiken Keramos, auf das Ören zurückgeht, bekommen wir nichts zu sehen. Heimat der Keramik sozusagen. Es geht raus aus der grandios von hohen Felsen umgebenen Bucht an einem ausgetrockneten Flusstal. Es ist schon wieder ganz toll. So wie gestern. Und doch wird heute alles noch viel toller.
Aus dem Tal heraus nehmen wir den Anstieg auf rund 400 Meter in Angriff. Der höchste Punkt der Tour??? Eine Stunde brauchen wir. In dieser Umgebung pures Vergnügen.
In Alatepe haben wir es geschafft. Ein kleines, nettes Bergdorf. Nun bleiben wir ein bisschen auf der Hochebene. Bevor es runtergeht, genießen wir an einem kleinen Atatürk-Piknik-Platz den Blick in die Bergwelt.



  






Aber eben damit längst nicht genug. In weitem Bogen führt die Straße hinab in die Bucht von Akbük. Die sanften, bewaldeten Hügel reichen wie Kraken ringsum ins Meer. Im Dunst die Halbinsel von Datça, auf der wir übermorgen radeln möchten. Und da der Golf von Gökova keinen größeren Hafen hat, liegt die Wasserfläche wie unberührt vor uns unter dem blauen Himmel.
Und nun noch eine Steigerung. Die Küstenstraße zieht sich durch die Pinien am Fuß des Felsmassivs traumhaft dahin. Durch die mit vielen Zapfen bestückten Kiefern ist das klare Meer zu sehen umgeben von den famosen Hügeln. Zwei, drei Inseln toppen das romantische Bild. Pause im Kiefernduft.
Und es bleibt so schön. Erst gegen Akyaka hin wird es etwas belebter. Perla kommt uns entgegengeradelt. Die italienische Schwimmlehrerin schreibt an einem Buch über ihre Iran-Radelreise und ist auf dem Sprung nach Afrika.
Eine Türkin auf dem Mofa hilft uns den Abzweig zur letzten Bucht zu finden. Hier hatten wir das İskelem Butik Otel ausgeguckt. Und während wir auf das Zimmer warten, sitzen wir mit den sehr netten Istanbulern xxx und Axel herrlich am Steg. Die beiden sind mit ihren Top-Rennrädern sehr viel höher hinauf in die Berge geradelt. Und müssen dann zum Ende ihres Wochenendtrips zum Flughafen.



  



Montag, 22. November 2021: Akyaka - Yeşilbelde - Hisarönü (53??? km)

Frühstück am Kai mit Hunden und Katzen. Es geht ein paar Höhenmeter hinauf in den Ort Akyaka. Ein paar Meter mehr als nötig. Wie schon unser Hotel sind auch hier einige Häuser mit viel Holz nett gestaltet. Was auf die Initiative eines lokalen Architekten zurückgeht, wie der Reiseführer meint. Wir kommen noch an ein paar in Felsen gehauenen Heiligtümern vorbei.
Dann sind wir an der Kreuzung der großen Küstenstraße. Hier schließt sich diese Tour nahtlos an meine Tour an der türkischen Südküste 2007 an. Damals kam ich mit der Fähre von Rhodos nach Marmaris. Das wollen wir heute umgehen. Zu viele Höhenmeter. Zu viel Hauptstraße. Deshalb biegen wir nach Gökçe und der ersten Passhöhe Richtung Yeşilbelde ab.




Am Rande eines Baches führt die sehr gut ausgebaute Straße hinauf. Auf halber Höhe Pause. Oben geht der Hauptweg zur Küste. Unsere Straße wird schmaler. Schöner. In Yeşilbelde erntet Miri ein paar Kaktusfrüchte. Wir hätten eine weitere Pause machen sollen. Auch wenn es nur noch bergab geht, sind die letzten Kilometer zurück auf der Hauptstraße stressig. Ich bin müde. Hier und da sind Spuren von Waldbränden zu sehen. Bei unserem dritten Airbnb-Versuch ist wieder nichts richtig vorbereitet. Immerhin, wir können bleiben, obwohl niemand mit uns gerechnet hat. Und der nahe gelegene Strand von Hisarönü präsentiert einen schönen Sonnenuntergang in der Bucht, umgeben von Hügeln.





Dienstag, 23. November 2021: Hisarönü - Datça - Fähre <\i> - Bodrum (60 km)

Frühstück mehr oder weniger im Freien. Etwas frisch. Wolken sind aufgezogen. Nach ein paar Kilometern spüre ich tatsächlich einen einzelnen Regentropfen. Der erste nach Zweieinhalb Wochen Türkei-Tour.
Es ist dann doch recht warm heute. Und 700 Höhenmeter gibt es auch. Ziemlich bald geht’s hinauf auf den höchsten Punkt. Balikasiran Gecidi 350 m verkündet ein Schild auf der Passhöhe. Der erste Teil der Strecke auf die Halbinsel von Datça xyz soll demnächst ausgebaut werden. Im weiteren Verlauf kommen wir dann auf den breiten, ganz glatten Asphalt. Pause mit ein bisschen Wehmut: möglicherweise die letzte Mittagspause on tour.


  




Kleinere Hügel und Rückenwind, obwohl die Regenwolken von Westen kommen. Wir kommen jetzt super voran. Miri erntet noch ein paar Kakteenfrüchte. Datça streifen wir nur, um zum Nordufer zu radeln. Am Ende des kleinen Dorfes liegt ein Yachthafen. Dort soll eine Fähre nach Bodrum ablegen. Im Sommer morgens und nachmittags. Im November immerhin noch um 16 Uhr. Auf den allerletzten Metern flüchten wir uns zweimal ins Trockene. Jetzt regnet es richtig in immer neuen Wellen. Rund acht Euro kostet die Überfahrt samt Rad pro Person. Auch Autos finden Platz. Müssen aber bei der Ankunft rückwärts von Bord.
Nach 90 Minuten, in denen sich sogar die Sonne wieder blicken lässt, liegen Johanniterfestung und Yachthafen vor uns. Ganz in der Nähe finden wir ein schönes Zimmer mitten in der Altstadt und trotzdem direkt am Meer.






Mittwoch, 24. November 2021: Bodrum











Donnerstag, 25. November 2021: Bodrum - Güllük (38 km)

Bei der Ausfahrt aus der Stadt halten wir noch bei einer kleinen Fahrradwerkstatt. Miris Lenkerschraube muss gelöst werden, damit wir wenigstens auf dem Rückflug den Lenker quer stellen können.
Nach den ersten Hügeln sind wir wieder am Meer und sehen verschiedene Riesenhotelanlagen: Titanic zum Beispiel. Der Name ist Programm. Nach dem Abzweig nach Boğaziçi führt uns die GoogleMaps-Fußgängerfunktion nach links ab. Auch mit dem Auto kann man hier angeblich fahren. Aber nach einem kleinen Dorf endet der Asphalt. Das Abenteuer beginnt spätestens an der Schranke, die man mit dem Auto nicht so ohne weiteres umgehen kann. Der Weg ist aufgeweicht von den Regenfällen der letzten Tage. Zunächst fast ebenerdig mit dem Meer. Flamingos staksen durchs flache Wasser. Scheinbar einsam pausieren wir mit Blick auf Boğaziçi. Plötzlich kommt ein junger Mann vorbei. Geht an uns vorbei runter zum Ufer.


  



Wir ziehen einsam Spuren durch den Matsch. Manchmal Pfützen. Im letzten Moment sehe ich eine Schlange vor mir auf dem Weg im Sonnenbad. Sie zischt von dannen. Dann endet die Strecke an einem Tor, verstärkt durch Mauern an beiden Seiten. Aber wir sind fast am Ziel, zurück am Asphalt. Ich steige durch den Pfad rechter Hand. Kann bald die Taschen und dann die Räder entgegennehmen. Kurz darauf sind wir an einem wunderbaren Strandhotel, wo wir uns ein vorerst letztes Mal ins Meer begeben. Einfach grandios. Auch der Spaziergang an den Felsenklippen entlang zum Fischereihafen. Ausklang im Fischrestaurant mit Blick auf unser Quartier in Iasos. Der Kreis schließt sich. Das Taxi bringt uns für einen Euro zurück zum Hotel. Wo ich gerade noch rechtzeitig entdecke, dass der Rückflug etwas früher abhebt als gedacht. Also Wecker auf vier Uhr gestellt.





Freitag, 26. November 2021:







Route Türkische Ägäis: Istanbul - Marmaris



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen

Etappen Türkische Ägäis: Istanbul - Marmaris (4.-26.11.2021)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 4.11.2021
2. 5.11.2021
3. 6.11.2021
4. 7.11.2021
5. 8.11.2021
6. 9.11.2021
7. 10.11.2021
8. 11.11.2021
9. 12.11.2021
10. 13.11.2021
11. 14.11.2021
12. 15.11.2021
13. 16.11.2021
14. 17.11.2021
15. 18.11.2021
16. 19.11.2021
17. 20.11.2021
18. 21.11.2021
19. 22.11.2021
20. 23.11.2021
21. 24.11.2021
22. 25.11.2021
23. 26.11.2021
Summe sss


Erste Radtour in der Türkei im Jahr 2000


Anschluss Tour 29: Athen - Adana (1521 km) Feb./März 2006

Anschluss Tour 11: Budapest - Belen (2584 km) Okt./Nov. 2000


Nächste Tour: Que Sera!

Vorherige Tour: Magdeburg - Jena (251 km) Aug. 2021


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Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
Chris Tour 65: Kirgisien - Almaty (951 km) 2013
Kirgisien 2013
on the Tour 68: Strasbourg - Vicenza (1275 km) 2014
Alpen 2014
Bike Tour 75: Iran - Persischer Golf (2690 km) 2015
Iran 2015
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