Prolog: Air Malta, das
Call-Center und ein fehlendes Flugticket
Sonntag, 27. Januar 2008: (Flug Frankfurt - Malta) Luqa -
Mdina - St. Paul's Bay (36 km) Ok, ich hatte den Flug erst am
Freitag gebucht. Weil sich erst am Freitag die Gelegenheit ergab, eine
Woche zu radeln. Opodo wollte 16 Euro haben für die Express-Zustellung des
Tickets. Das schien mir ein bisschen knapp. Und warum überhaupt ein
Ticket? Habe ich also die Air Malta Nummer in Frankfurt
gewählt. Unüberhörbar wurde das Gespräch in irgendein Call-Center in
der Weite der maltesischen Welt gerootet. So wurde ich denn gefragt, ob
ich das Gespräch auf Englisch führen wolle. Deutsch schien mir die erste
Wahl, um deutsche Call-Center-Jobs in aller Welt zu fördern. Der Mann
sprach auch ganz gut Deutsch. Und ich bekam meine Buchung. Buchstabierung
von Name, Vorname, Email etc. nahm endlose Zeit in Anspruch. Der Preis war
dann mit dem von Opodo inkl. Express-Zustellung identisch. Doch dafür
bräuchte ich das Ticket nur noch am Sonntag morgen beim Lufthansa-Schalter
abzuholen. Ich habe noch mal zehn Minuten extra für die Ticket-Abholung
einkalkuliert. Die Schlange an dem Schalter für hinterlegte Tickets ist überschaubar,
aber alle drei Lufthansa-Mädels kämpfen mit ihren missgelaunten Computern
am Sonntag Morgen. Die Stimmung schon leicht gereizt. Ich komme dran und
erfahre, dass kein Ticket hinterlegt ist. Meine Buchung ist zwar
dokumentiert, aber es bräuchte ein Ticket. Air Malta ist noch nicht im 21.
Jahrhundert angekommen und kennt kein electronic ticketing. Die nette
LH-Mitarbeiterin telefoniert in der Sonntag-Morgen-Landschaft herum.
"Swiss Promm" stelle normalerweise Air Malta Tickets aus. Nicht aber am
Sonntag. Obwohl die nur ein paar Schalter weiter sitzen. Auch mit dem Air
Malta Call-Center spricht sie. Irgend jemand hat einen Fehler gemacht. Und
niemand kann ihn jetzt beheben. Alles, was mir die LH-Mitarbeiterin
anbietet: Ich könne ja noch ein Ticket kaufen für den Flug und eines der
beiden Tickets später wieder erstatten lassen. Ich meine noch, dass ich
m.E. überhaupt kein Ticket brauche. Zumal dieser Air Malta Flug von der
Lufthansa durchgeführt wird. Mit Lufthansa-Maschine, Lufthansa-Personal,
aber nur mit Air Malta Ticket. Da ist sie ganz anderer Meinung. Das neue
Ticket ist noch einmal sieben Euro teurer. Service-Charges habe ich jetzt
genug gezahlt. Und im Tohuwabohu der immer knapper werdenden Zeit
verschwindet eine Schraube meines Vorderlichts auf nimmer Wiedersehen. Vor
allem kann ich das Licht nicht abmontieren. Bei Lufttransporten werden sie
allzu häufig demoliert. Klebe ich es am Rahmen fest.
Luqa -
Mdina - St. Paul's Bay (36 km)
Malta: Das Fahrrad ist zur
Abwechslung das erste, was auf dem Förderband erscheint, bzw. durch die
Durchreiche gepresst wird. Ich stehe vorgewarnt bereit und bringe das Rad
in Sicherheit. Nachdem alles montiert ist, (das Licht funktioniert
natürlich nicht mehr) schaue ich in der Departure Hall noch beim Air Malta
Schalter vorbei. Der Malta-Mann ruft beim Call-Center an. Dort weiß
man von meiner Existenz und meinen Problemen, könne aber heute nichts für
mich tun. Ich solle doch am Montag nachmittag mal anrufen und mit Roberta
sprechen. Ich zähle es eigentlich nicht zu meinen Ferienvergnügen, Hotlines
von Air Malta anzurufen, aber an Erstattung ist hier am Herzen von Air Malta auf
dem Flughafen von Luqa nicht zu kommen. Auf Malta ist es noch ein
bisschen wärmer als in Mainz. Die Sonne scheint, ein paar Wölkchen sind
auch da, die Autos fahren links und die Straßen sind voll. Man entdeckt
kaum ein grünes Fleckchen auf diesem Teil der Insel. Überbevölkert, meine
erste Diagnose. Bis Mdina quäle ich mich umgeben von Autos. Wie schreibt
der Lonely Planet so schön: "Malta is not a good option for a cycling
holiday." Mdina ist eine schöne Festung mit einem Haufen Kirchen. Mdina
ist unschwer als Arabisch zu identifizieren. Malti, die maltesische
Sprache, ist eigentlich semitisch. Über die Jahrhunderte angereichert mit
Französisch, Italienisch, Englisch. Es klingt fast Arabisch. Sie schreiben
es netter Weise in Latein. Christliche Araber sind viele Maltesen der
Sprache nach. Fast ausschließlich Katholiken, die in Malti zu "Alla" beten.
Hinter Mdina wähle
ich zur Abwechselung kleine Straßen. Verkehr weniger, Asphalt schlechter,
wenn nicht sehr schlecht. Der Westteil der Insel ist etwas weniger
besiedelt. Viele Mauern ziehen sich um kleinste Parzellen. Der Winter ist
die fruchtbare Zeit auf Malta, der Sommer ist zu heiß. Die Mauern sollen
den Ackerboden aufhalten. Nicht nur heute fegt kräftiger Wind über die
Insel. Westwind. Gegenwind. Es ist mühsam. Ich kämpfe mich in die
Paulus-Bucht. Der Apostel soll hier nach einem Schiffbruch notgelandet
sein und sogleich eine Gemeinde gegründet haben. Das Hotel, das ich
gestern bei hrs gebucht habe, suche ich auf der West-Seite der Bucht
vergebens, dafür sehe ich die riesige Paulus-Statue auf einer
vorgelagerten Insel. Zurück durch die Bucht. Das Hotel war auf dem
hrs-Plan schlicht völlig falsch lokalisiert. Da es mitten in dem
unübersichtlichen Straßengewirr von Bugibba liegt, brauche ich nun einige
Zeit, es zu finden. Meine Laune wird auch nicht dadurch aufgebessert, dass
ich an einem Super-Hotel direkt am Meer vorbeikomme, das mit 25 Euro nur
ein Euro teurer gewesen wäre als mein Crown. Beides
Vier-Sterne-Etablissements. Nur beim Crown ist schwer zu sagen, bei
welcher Lotterie sie die ganzen Sterne gewonnen haben. Alles mieft,
ranzig, der Swimming-Pool draußen zu kalt, drinnen zu klein, die Sauna zu
lau. Das Zimmer ist ganz ok. Immerhin mit ARD. Schließlich ist Wahlabend
in Hessen und Niedersachsen. Ein weitgehend misslungener Start.
Inschrift des Tages: "Keep Left!"
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