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Eine rundum schöne, sonnige
Tour: auf Nebenstrecken von der Bretagne via Loire und Burgund nach Lyon.
Besonders morgens ist es kühl. Ich starte erst gegen 9, 10 Uhr, erreiche
das Ziel gegen 19, 20 Uhr, wenn es gerade dunkel wird. Frühling. Mit einem
Platten und der ersten gerissenen Kette auf etwa 50.000 km.
Samstag, 15. März 2003: Brest
(Aéroport) - Landerneau - Sizun - Carhaix - Rostrenen (101 km) Ich
bin einziger Passagier im Canadair Regional Jet von Air France auf der
Strecke Frankfurt - Lyon. Darf mir einen von 54 Plätzen aussuchen. Die
Sicherheitsdemonstration läuft trotzdem. Nur mit der Anrede: "Monsieur..."
Erstmals musste ich mein Lenkrad für den Flug ausbauen. Auch die Pedale
soll ich nach innen montieren, aber ich bekomme sie nicht los. Brauche
keine Luft aus den Reifen zu lassen. In Brest ist die Vorderlampe
abgebrochen. Normal. Start um 11 Uhr. Es ist nicht mehr ganz so kalt.
Finistère ist nicht finster: Sonnig. Heftiger Ost-Gegenwind. Hügeliges Auf
und Ab. Ein Dorf am Wegesrand wirbt damit das höchst gelegene der Bretagne
zu sein. Eine Landschaft wie sie auch in Deutschland häufig vorkommt, aber
ohne den grauen, rauen bretonischen Stein.
Sonntag, 16. März 2003: Rostrenen - Pontivy - Josselin - Canal de
Nantes à Brest - Redon (140 km) Sonnig. Ostwind. Schöne
Fachwerkhäuser. Zur Mittagspause das riesige Schloss von Josselin. Die
zweite Tageshälfte fahre ich am Canal de Nantes à Brest entlang. Kein
echter Fahrradweg. Gelegentlich sehr holperig, aber machbar. Und ruhig.
Einsam. Fast zu einsam, als mich der Hungerast erwischt. Kohlenhydrate
Mangelware. Die Squeezy-Probepackung gibt gar nichts her. Endlich eine
Bar. Cidre wird in der Tasse serviert und acht Pains au chocolat geben
Power für die letzten Kilometer. Redon ist nicht gerade belebt. Die
meisten Hotels sind geschlossen.
Montag, 17. März 2003: Redon -
Nozay - Candé - St.-Clément-de-la-Place - Angers (135 km) Platten
am Morgen. Die meisten Platten bemerke ich zum Glück morgens im Quartier.
Dieser ist wohl eine Folge der Kanalstrecke. Wieder sonnig. Wieder
Ostwind. Ein letzter Menhir (Menhir de Coisbrac, Foto links) und ich stehe
vor dem schwarz-weißen Schloss von Angers an der Maine, kurz vor ihrer
Mündung in die Loire. Hier sind die Hotels fast alle ausgebucht.
Dienstag, 18. März 2003: Angers - Cunault - Saumur - Avoine -
St. Genouph - Tours (126 km) Morgens noch etwas kälter. Fahre heute
den ganzen Tag mit Mütze und Handschuhen. Eiskalt die romanische Kirche
von Cunault. Es ist sonnig. Und flach. Die Loire sehr breit und weit. Ein
Fahrradweg taucht auf: "La Loire à Vélo". Verwandelt sich plötzlich in
eine Rumpelpiste, die Wegweiser zeigen in entgegengesetzte Richtungen und
zu guter Letzt werden die paar Kilometer Radweg als "itinéraire
provisoire" bezeichnet. Bis 2006 soll es einen durchgehenden Radweg
entlang der Loire geben. Für Frankreich erstaunlich, wo Radreisende immer
noch als merkwürdige Spezies betrachtet werden und nur der
Straßenrennradler als normal gilt. Auch in Tours sind die Hotels fast
ausgebucht. Highlight hier: Altstadtviertel rund um die Place Plumereau.
Mittwoch, 19. März 2003:
Tours - Chenonceau - Ancien Canal du Berry - Villefranche-sur-Cher -
St.-Julien-sur-Cher - Vierzon - Quincy - Marmagne - Bourges (159
km) Ein goldiger Tag. Zunächst in der Kathedrale von Tours und dem
Art-Déco-Café Molière. Heute am Flüsschen Cher entlang. Bald am Schloss
Chenonceau, dem "Schloss der Damen", das alle Erwartungen an
Loire-Schlösser befriedigt: Weite Gartenanlagen, Architektur, die den
Fluss integriert, Lustschloss (Foto rechts). Der Wind kommt nicht mehr
direkt entgegen. Gemeinsam im Jugendherbergs-Zimmer mit zwei Deutschen:
Der eine pilgert von Compostella zurück und ist asketisch auch in der
Kommunikation. Der andere arbeitsloser Berliner, so beredet wie
übergewichtig, will mit dem Mofa nach Portugal. Nach mehreren
Herzinfarkten. Will nie mehr arbeiten, lebt von 650 Euro Arbeitslosenhilfe
im Monat.
Donnerstag, 20. März 2003: Bourges - Baugy - Nevers -
Chevenon - Canal latéral à la Loire - Gannay-sur-Loire (120
km) Schöne Kathedrale. Schöner Palast Jacques Coeur. Schönes
Bourges. Versuche es mit kurzen Ärmeln und Beinen heute. Ist nicht so ganz
das Wahre. Entscheide mich endlich gegen eine Streckenvariante über Autun
und fahre wieder entlang der Loire, die hier recht untouristisch
daherfließt. Bin daher froh über eine Gästezimmer, das in Gannay-sur-Loire
auftaucht. Ein holländisches Paar hat einen Bauernhof in eine sehr nette
Herberge
verwandelt.
Freitag, 21. März 2003: Gannay-sur-Loire - Bourbon-Lancy -
Génelard - St.-Bonnet-de-Joux - Salornay-sur-Guye - Taizé - Cluny -
Mazille (135 km) Richtiges Frühstück. Die ersten Wolken der Tour.
Den ganzen Tag über ist es bedeckt. Schon kurz nach dem Start entdecke
ich, dass ein Kettenglied auf einer Seite gerissen ist. Ich kann noch
weiterradeln zum nächsten Fahrradladen. Burgund. Jetzt geht's richtig rauf
und runter. Auf einsamen Straßen. Traumhaft. Taizé. Königsblaue Zelte am
Hang schon von Weitem zu erkennen. Noch sind wenige hier, kann man die
Stille genießen, auch wenn hier und da Ostervorbereitungen laufen. Die
alte Bahnstrecke ist neuerdings ein Fahrradweg nach Cluny. Bei den
Karmelitinnen in Mazille (Foto links) rolle ich direkt in die Klausur. Bin
trotzdem herzlichst willkommen.
Samstag, 22. März 2003: Mazille
- Col de Crie - Lamure-sur-Azergues - Lozanne - Dommartin - Dardilly -
Ecully - Lyon (102 km) Wieder wolkenlos. Warm. Zwei unerwartete
600er Pässe. Im Beaujolais. Mit vielen Kellereien aber wenig Weinbergen.
Für die Stadteinfahrt von Lyon wähle ich eine Nebenstrecke, die dann über
den allerhöchsten Hügel weit und breit führt. Auf der Terrasse der
Jugendherberge kann man fast bis Mitternacht sitzend über die Hügel und
Insel der Stadt blicken. Mit der kanadischen Astronomin Natalie über
Sterne und Welt redend. Im Zimmer mit einem Honduraner aus Hannover und
ein Pole aus einem französischen Pilgerzentrum.
Sonntag, 23.
März 2003: Flug Lyon - Frankfurt Im gallisch-römischen Museum muss
ich feststellen, dass meine Route kaum auf der alten Römerstraße verlief.
Das Institut Lumière präsentiert die allerersten Filme, die die
Filmpioniere und ihre Opérateurs aus Lyon drehten. Radle zum Flughafen.
Länger und weniger klar beschildert als erwartet. Es wird knapp, aber
klappt.
Route
Lila = Gefahren; Grün =
Etappenziel; Gelb = Santiago-Tour
1987
Etappen Brest - Angers - Tours - Bourges - Taizé
- Lyon (15.-22.3.2003) |