s Chris on the Bike mit Miri # Samarkand - Kashgar # Usbekistan & Tadschikistan
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Samarkand - Kashgar
Teil 1: Usbekistan & Tadschikistan


Bus im Serafschan-Tal, Tadschikistan
Im Serafschan-Tal


Bike-Blog Teil 1
Usbekistan & Tadschikistan

Sackgasse im Islamisten-Tal
Neue Route auf alter Seidenstraße


Summary Usbekistan & Tadschikistan
Von Samarkand aus radeln wir nach Tadschikistan, wo wir durch das traumhafte Serafschan-Tal und über den Ansob-Pass (3373 m) in die Hauptstadt Duschanbe kommen. Dort erfahren wir, dass der von uns avisierte Grenzübergang Karamyk nach Kirgistan derzeit nicht für Ausländer passierbar ist. Wir müssen umplanen. Fahren zurück mit dem Taxi über den Ansob-Pass und weiter in den Norden des Landes nach Chudschand. Von dort radeln wir durchs Fergana-Tal und erreichen Kirgistan beim Grenzübergang Osch.


Fahrräder in Plastikfolie, Frankfurt FlughafenProlog-Premiere: verpackte Räder
Samstag, 2. September 2006: Flug Frankfurt - Moskau - Taschkent
In der länglichen Warteschlange für Aeroflot-Flug SU106, ein Kürzel, das immer noch an sowjetische Zeiten erinnert, sorgen wir für erstklassige Unterhaltung. Wir verpacken unsere Räder fluggerecht. Variante 1: In eine riesige, 2 cm dicke Plastikplane, die Andrea (Danke, Andrea!) hinter dem Büro-Kopierer gefunden hat und die wir im Gelben Sack unterm Arm zum Flughafen befördert haben. Variante 2: Mit 120 m Frischhaltefolie, die ich x-fach um das Fahrrad herumlaufend abrolle bzw. unten drunter durchschiebe.
Als wir uns nach einer Stunde Artistik bis zum Schalter vorgeschoben haben, ist es fast geschafft. Die Flughafen-Mitarbeiter bemerken genauso wenig wie ich, dass ich um das überflüssige gleichwohl stetig verlangte Entlüften der Reifen herumkomme. Das Ganze sieht gar nicht mal total amateurhaft aus (Foto rechts: linkes Fahrrad in Frischhaltefolie, rechtes Fahrrad in Kopierer-Plastik, Koffer nicht von uns -do not leave your luggage unattended- oben links Miri). Anstandslos werden beide Räder eingecheckt. Ohne Waage, ohne Aufpreis.
Der enge Abflug- bzw. Transit-Bereich in Moskaus Flughafen Sheremetsevo 2 ist reichlich voll. Da nützen auch die über die Bildschirm flimmernden Animationen vom Neubau Sheremetsevo 3 wenig, dessen Rohbau wir bei der Busfahrt übers Rollfeld in der diesigen Ferne erahnen. Wir machen es uns auf einer Treppe gemütlich. Mein Versuch, einen Prospekt über das Geländer gleiten zu lassen, gelingt über Erwarten gut und haut daher leider eine unten angelehnte Krücke weg, die sofort von einem hilfsbereiten Menschen wieder aufgestellt wird (ohne nach dem Verursacher Ausschau zu halten). Beim Weiterflug von Moskau nach Taschkent bietet die Tupolew recht bescheidenen Sitzkomfort...

Fahrräder in Plastikfolie im Kofferraum, Samarkand, UsbekistanSonntag, 3. September 2006: Taxifahrt Taschkent - Samarkand
...schlimmer ist nur noch die Weiterfahrt mit dem Auto, das wir über unser bewährtes Bahodir-Hostel in Samarkand telefonisch (weil weder Email noch Fax von Bahodirs Visitenkarte funktionierten) für 4:30 Uhr an den Flughafen beordert haben. Um 4:35 Uhr verlassen wir tatsächlich den Terminal, 70 Minuten nach der Landung. Die Zwischenzeit ging drauf mit Bus, Passkontrolle, Devisenerklärung, Warten aufs Gepäck in zentralasiatischem Tempo.
Eigentlich hatten wir Adil erwartet, der uns im letzten Jahr samt Rädern zum Flughafen transportiert hat. Stattdessen steht Hatim mit einem "Kris"-Schild vor uns. Nachdem wir die Fahrräder in ihrer inzwischen leicht lädierten Verpackung (wobei die Frischhaltefolie keineswegs schlecht abschneidet) über den gesamten Flughafen-Parkplatz (Hatim hat halt außerhalb geparkt) geschleift haben, entpuppt sich Hatims Kofferraum dank eines eingebauten Tanks als relativ schmal, was den Radtransport nach Samarkand nicht gerade erleichtert.
Wir entpacken die Vorderräder, die Folie polstert die Rahmen, die Expander halten alles zusammen (Foto links bei der Ankunft in Samarkand), schon brausen wir in der aufgehenden Sonne durch Baumwollfelder in den Süden. Müssen, weil ein Zipfel Kasachstan die alte, direkt verlaufende sowjetische Motor-Straße blockiert, einen Umweg über Gullistan fahren, bis schließlich die braunen, kahlen Berge beginnen. Dann erscheint die blau gekachelte Skyline von Samarkand, der großen, weiten Stadt.

Gläubige im russisch-orthodoxer Kirche, SamarkandIm Hostel Bahodir bekommen wir das gleiche Zimmer wie im Vorjahr und sitzen gleich beim Frühstück wieder mitten unter Travellern aus allen Himmelsrichtungen. Um uns an die Zeitumstellung zu gewöhnen, stürzen wir uns trotz Müdigkeit auf die schon am Vormittag heißen Straßen von Samarkand.
Zunächst zur russisch-orthodoxen Kirche, einer Kathedrale, vor der Bettler auf Gottesdienstbesucher warten, während drinnen etwa zehn Frauen aufmerksam der Predigt des jungen Popen lauschen. Dann zum 11-Uhr-Gottesdienst in der römisch-katholischen Kirche, wo ein polnischer Franziskaner auf Russisch zelebriert, uns zuvor mit englischen Messtexten versorgt, um dann beim Kommunionempfang unmittelbar vor Empfang der eingetauchten Hostie zu fragen: "Are you Catholic?"
Eine französische Jugendgruppe der Points-Coeurs singt dafür noch schöner als zuvor die russich-orthodoxen Frauen. Zwei der Franzosen, Yoann Proteau und Emmanuel Grossetête, haben ihre Weltumradlung weitgehend hinter sich und befinden sich auf der Heimfahrt über die Seidenstraße. Vom kirgisisch-chinesischen Irkeshtam-Pass, über den wir fahren wollen, können sie nur Gutes berichten, abgesehen davon, dass ihnen einige deutsche Radler begegnet seien.
Den Rest des Akklimatisierungs-Tages verbringen wir mit Räder-flott-machen und Wäsche-waschen. Beim Abendessen lernen wir ein Paar aus Barcelona kennen. Wegen verbreiteter Diarrhoe mussten sie ihre Besteigung des - so sein neuster Name - "Pik Unabhängigkeit" (tadschikisch Qullai Istiqlol), 7134 m hoch, abbrechen. Er ist immer noch sehr viel bekannter unter seinem früheren Namen "Pik Lenin", genauer "Pik Lenina". Er und der Muztag Ata in China, 7546 m, gelten als die "leichtesten" Siebentausender.

Christoph Gocke und Mirjam Müller auf dem Registan in SamarkandBei den alten Sogdiern
Montag, 4. September 2006: Samarkand - Grenze Usbekistan/Tadschikistan - Pendschikent (71 km)
Wir lassen es langsam angehen. Schließlich sind es nur 70 km bis zum Tagesziel Pendschikent. Dazwischen liegt allerdings die usbekisch-tadschikische Grenzstation. Nach dem Abschiedsbild vom Registan (Foto links) finden wir am Ortsausgang von Samarkand eine Autowerkstatt, in der das Werks-Team aus einem Metallstreifen einen Aufhänger für Miris Satteltasche modelliert, nachdem der umgedrehte, frisch erworbene Baumarkt-Handtuchhalter den Flugtransport nicht überstanden hat. Nur unsere Kinder-Countries, die wir als Dankeschön dalassen, finden die Handwerker ein bisschen komisch.
Sogar mein Fahrrad-Computer CicloMaster 434 hat sich spontan entschieden, wieder zu funktionieren, was er über die letzten Wochen in Europa standhaft verweigerte. So können wir erstmals die Höhenmeter auf unserer Tour verfolgen, was ganz hilfreich beim Harren auf einen Gipfel sein könnte. Heute kommen auf die Höhe von Samarkand, 725 m, nur rund 300 Meter drauf.

Schülerinnen in Pendschikent, TadschikistanNach zwei Dritteln der Strecke erwarten uns an der noch jungen Grenzstation Abfertigungsgebäude und ein überdachter Auto-Kontrollplatz der Usbeken. Ein Scanner wandelt die Hauptseite der Reisepässe in eine Video-Datei. Danach werden unsere Namen auf einer Liste handschriftlich verewigt, bevor eine Frau unsere Daten noch einmal in einen Computer eingibt. Schließlich setzt sie den Ausreisestempel.
Rund 25 Meter weiter haben die Tadschiken zwischen zwei Schranken nur ein paar Holz-Container stehen. Ruckzuck bekomme ich zwei, Miri einen Stempel in den Pass. Die Zöllnerin im zweiten Container spricht besser Deutsch als ich Russisch. Im dritten Container weint eine Frau mit usbekischem Pass. Vor ihr liegt ein "Protokol" und ein in Taschentücher gewickeltes Päckchen in Größe eines Geldscheinbündels. Mehr können wir nicht in Erfahrung bringen.

Ausgrabungen im sogdischen PendschikentBei unserer ersten tadschikischen Pause schenkt uns eine Bäuerin mehrfach Weintrauben. In Pendschikent (alias Pendjikent, Pendzhikent, Pandschakent, Pandzhikent, Panchekanth) checken wir im Intourist-Hotel ein. Eine einst sehr schön angelegte weite Garten-Anlage, die nicht ganz so heruntergekommen ist, wie es der Lonely Planet schildert. Nachmittags und nachts ohne fließend Wasser, dafür dürfen wir die Räder über den abgewetzten roten Teppich in unseren Bungalow rollen.
Wir raffen uns noch auf zur Besichtigung der Ruinenstätte von Pendschikent. Wir finden sie mit Hilfe von ein paar Jungen (Foto rechts ihr weibliches Pendant), die darin wohl geübt sind, aber kein Geld verlangen. Die Ausgrabungen selbst sind enttäuschend (Foto links), weil die zerfallenden Lehmruinen der Sogdier aus dem 5. bis 8. Jh. kaum etwas erkennen lassen. Unsere Räder wirbeln viel Staub auf. Zurück am Eingang ist inzwischen der Direktor oder Betreuer des Museums, Ismatullo Rachmotullojew, eingetroffen. Er öffnet uns den kleinen Ausstellungsraum, in dem vor allem Wandmalereien zu sehen sind. Die Originale werden in Tashkent und St. Petersburg gezeigt. Ich kann den "Direktor" mit einem Spiegel-Artikel erfreuen, der im Wesentlichen aus seinen Zitaten und nicht gekennzeichneten Informationen aus dem DuMont Zentralasian besteht.

Biegung im Serafschan-TalSerafschan-Tal
Dienstag, 5. September 2006: Pendschikent - Serafschan-Tal - Ayni (102 km)
Es erinnert an das Jordan-Tal. Ein breiter grüner Streifen, der Fluss dazwischen eher zu ahnen als zu sehen, umgeben von kahlen gelben Hügelketten. So präsentiert sich das Serafschan-Tal (alias Zerafshan, Zeravshan, Zarafshan, Zarawschan) von Pendschikent an eine ganze Weile. Und eben wunderschön. Die Straße mutiert gelegentlich zur Schotterpiste, vor allem an den Brücken, die wir im enger werdenden Tal immer häufiger queren müssen. Bald birgt das Tal nur noch den Fluss Serafschan. Die Straße führt über die Berge mit bestem Blick auf die engen Flusswindungen. Dann wird auch die Besiedlung und Bewirtschaftung weniger. Kaum noch Dächer, die mit Apfelstücken zum Trocknen belegt sind.
Die Lage von Ayni, unserem heutigen Ziel, ist auf den verschiedenen Karten nicht richtig auszumachen. Zunächst taucht der Ort linker Hand auf, reicht gerade an die Kreuzung mit der tadschikischen Nord-Süd-Verbindung heran. An der Kreuzung selber Militär und ein paar Geschäfte. Ein Hotel soll es weiter südwärts geben. Tatsächlich: nach ein paar hundert Metern liegt linker Hand der bescheidene Flughafen von Ayni.
Dahinter beginnt der Ort von Neuem. Nicht mehr im Tal sondern ein paar Meter oberhalb. Auch hier fragen wir wieder nach einem Hotel. Ein Mann lässt seinen Sohn zunächst mal sein defektes Fahrrad holen. Ich soll es reparieren. Die Gangschaltung funktioniert gar nicht. Sie sieht sehr chinesisch aus. Ich ziehe die Schaltzüge an und schon lässt sich ein bisschen hin und her schalten. Manchmal dreht aber auch alles durch. Ein Fahrrad mit Leerlauf, wie sich herausstellt.

Chris rollt zu einer Brücke, TadschikistanEine Unterkunft sollen wir weiter Richtung Süden finden. Noch bevor wir wieder eine Ortsgrenze erreicht haben, begegnet uns ein UN-Jeep. Ich versuche halbherzig ihn zu stoppen, nach ein paar Minuten kommt er tatsächlich zurück. Ein tadschikischer UN-Mitarbeiter stellt uns vor die Alternative: Gästehaus der Welthungerhilfe, deren "german-agro-action"-Schilder an den verschiedenen Projekten, besonders Wasser-Gräben, uns seit Pendschikent treu begleitet haben, oder ein privater "Homestay" in einer kleinen Seitengasse.
Wir entscheiden uns für Letzteres. Und radeln dazu in den dritten Ortsteil von Ayni. Finden dort das Haus, das von außen nicht als Herberge zu erkennen ist: ein großes Herrenhaus umgeben von einem Hof, der wiederum von kleineren Gebäuden umrandet ist. Während das Haus mit riesigen leeren Sälen aufwartet, befinden sich Sauna, Bad, Bäckerei etc. in den Außengebäuden. In unserm riesigen Zimmer fühlen wir uns unter einem Berg sauberer Bettwäsche weit wohler in dieser klaren Nacht auf etwa 1400 m Höhe als die Nacht zuvor in dem alten Hotel von Pendschikent. Und noch viel, viel wohler als in der kommenden Nacht...

Miri auf dem Weg zum Ansob-PassAuf den Ansob
Mittwoch, 6. September 2006: Ayni - Ansob-Pass (3373 m) (77 km)
Im oberen Hauptsaal wird das Frühstück aufgetragen: ein Gemisch aus Pommes Frites, Erbsen, Teigtaschen, Eiern. Wir brauchen viel Power. Heute soll es auf 3373 m gehen. Im August haben wir trainiert auf der Großglockner-Hochalpenstraße und erreichten dort unser bisheriges all-time-high von 2504 m. Heute also fast tausend Meter höher.
Zu den erwarteten Höhenmetern gesellen sich noch ein paar zusätzliche, da die Straße zu Beginn auf und ab führt. Wieder weil das Tal recht eng ist. Und schon sehr einsam wirkt. Überraschend taucht - im Widerspruch zu manchen Karten - nach 20 km der Ort Serafschan auf der rechten Seite auf. Kurz zuvor führt eine Straße links ab. Sie führt aber nicht zum See Iskander-Kul. Der Abzweig zu diesem touristischen Highlight folgt erst, nachdem die Hauptstraße nach links gedreht hat, dort wo der auf mancher Karte zu findende Ort Rabot ein Phantom bleibt.
Auf den auf 2400 m gelegenen See müssen wir leider verzichten. Schon jetzt bedaure ich, den Zeitplan durch die Festlegung des kirgisischen Visums so eng gezogen zu haben. Andererseits haben wir in den zwei, drei Tagen Fahrt schon so viel spektakuläre Natur gesehen... Und es geht stetig weiter.
Mit ein paar Spitzkehren steigt die Straße von 1800 auf 2000 m, wo sie sich zunächst in einem langen Talkessel entlangzieht, um sich dann wieder durch eine Schlucht zu schlängeln. Am Ende des Örtchens Ansob (bzw. Anzob) beginnt der eigentliche Anstieg auf den Ansob-Pass. Uns ist nur nicht klar, dass dieser Ort, in dem wir mehr zufällig Wasser und Lebensmittel tanken, bereits Ansob ist.
Stattdessen treibt uns die Verheißung dieses Ortes stetig voran. Auf stetig schlechter werdender Strecke. An einer Stelle teilt sich die Straße an einem steilen Teilstück. Wir zögern eine Weile, fragen Leute, bevor sich nach mühseliger Fahrt die zwei Zweige bald wieder vereinen.
Langsam gerät die Straße in den Schatten. Wir sind auf 2800 m, 2900 m - laut barometrischem Höhenmesser. Noch einmal sehen wir Häuser auf der rechten Seite: sie sehen mehr nach Ruinen aus, obwohl auch Fahrer dort halten. Ein paar Meter weiter ein Bauwagen mit zwei Männern. Sollen wir bei denen übernachten? Wir haben keine Ahnung, wann die nächste Unterkunft kommt und ob wir es heute noch auf den Pass schaffen. Denken daran, zur Not uns hierher zurückrollen zu lassen. Dann eine letzte rudimentäre Ruine am Straßenrand. Auch sie könnte ein Notlager hergeben. Weiter.

Am Ansob-PassWährend Miri voranradelt, fällt mir jeder Meter schwerer, ich steige vom Rad, pausiere kurz, schiebe, blicke gebannt auf den Höhenmesser: bis 3000 m will ich durchhalten. Dann merke ich dass ich wanke, mir wird übel, alles im Kopf dreht sich, es geht keinen Schritt weiter. Mir ist zum Heulen. Wir setzen uns an den Straßenrand. Ich könnte nicht mal mehr aufstehen. Ich spüre oder hoffe es vielleicht nur: der Körper braucht Zeit, sich an die Höhe zu gewöhnen.
Und dann beginnt der Kampf mit dem Kopf. Während ich kräftig atme. Ich denke an kritische Momente beim Laufen, beim Radeln. Und wie sich die Situation wieder besserte. Iiiirgendwann wird es immer besser. Warten. Denken. Motivieren.
So hocken wir da. Mindestens eine halbe Stunde. Die Sonne geht unter. Es wird dunkel. Es wird kälter. Und dann stehe ich auf. Gehe. Klappe mit einem Tritt den Ständer zur Seite. Und schiebe. Es sind vier oder fünf km bis zur Passhöhe. Und 400 oder 500 Höhenmeter.
Ich teile den Weg mental in lauter kleine Portionen: zwei mal von unserer Mainzer Wohnung zum Hauptbahnhof und zurück. Hier allerdings mit zehn Prozent Steigung. Spätestens nach jeder dieser Mini-Etappen müssen wir eine Pause machen.
Zum Glück geht es Miri gut, auch wenn sie die Dunkelheit nicht gerade liebt, durch die sich mit lautem Heulen die LKW neben uns hochquälen. Und stetig arbeitet mein Kopf, entwirft Ekstase-Szenarien, die mich nach vorne treiben. Kann kaum noch vernünftige Sätze sprechen.
Und plötzlich sind wir ganz oben. Die allerletzten Meter sind geschenkt: die Strecke ist ein paar hundert Meter kürzer als erwartet und der Höhenmesser steigt auch nicht auf die offizielle Höhe von 3373 m. Wir sind da. Rollen aus dem Bergschatten auf den Mond beschienenen Pass.

Chris schläft in Mäuse-geplagter Meteorologen-StationDrei, vier Häuser stehen hier rum. In einem Fenster brennt Licht. Mirjam stürzt sofort darauf zu. Ich fühle mich mehr nach einer Abfahrt. Miri ist nicht zu bremsen. Auf unsere anscheinend deplatzierte Frage, wo hier ein Hotel sei, antwortet der Mann in der Tür mit einem unglaublichen: "JA."
In dem Zwei-Zimmer-Haus sollen wir den größeren Raum bekommen, der außer ein paar auf dem Boden liegende Decken völlig leer ist. Im andern Raum, der Küche, drängen sich drei Jungen und vier Männer. Der Vater der Kinder ist Betreuer der Meterologie-Station, die neben dem Haus steht. Drei Männer sind auf der Durchreise, Viehwirtschafts-Kontrolleure, so weit wir verstehen. Sie bieten auch uns etwas zu essen an. Ich lehne mit Verweis auf meine Übelkeit dankend ab, auch wenn es mir längst wieder ganz gut geht. Miri lässt sich erweichen mit einem ekeligen Löffel Dosenfleisch, das uns zu Ehren in den Kochtopf wanderte, zu essen. Wirklich klasse dagegen ist die lange Honig-Melone, die einer der Männer liebevoll (und sehr hygienisch) in kleine Stücke schneidet.
Uns zieht es ziemlich schnell aufs Nachtlager. Ein paar Decken bekommen wir zugeteilt, der Rest bleibt in der Ecke liegen, wo wir uns bedienen. So gehen die andern leider leer aus, als der Vater später noch ein paar in die Küche holen möchte.
Kaum liegen wir auf dem harten aber warmen Untergrund, beginnen die Mäuse zu tanzen. Im Gebälk über uns. Früher oder später raschelt es auch in unserm Zimmer. Das ganze Haus steckt voller Ungeziefer. Wir sind reichlich müde. Schrecken dennoch immer wieder aus dem Schlaf. Gegen halb drei piept ein Wecker. Ohne Unterlass. Obwohl er im Nachbarraum steht, wo die andern schlafen, nervt er auch uns. Irgendwann hat Miri genug, geht ins Nachbarzimmer und stoppt den Wecker inmitten der schlafenden Kinder und ihrem Vater. Drei Stunden später ist wieder Mess-Alarm in der Station. Diesmal wacht der Vater auf. Die Mess-Werte verbreitet er danach lautstark auf Russisch via Telefon in die weite Welt.


Chris & Miri auf dem Ansob-Pass (3373 m)

Auf dem Ansob-Pass (3373 m)


Meteorologe mit drei Söhnen auf dem Ansob-Pass, Tadschikistan Geräderte Radler
Donnerstag, 7. September 2006: Ansob-Pass (3373 m) - Duschanbe (90 km)
Wir fühlen uns gerädert. Als eine Maus über meinen Schlafsack klettert, erleichtert das das Aufstehen ungemein. Schnell alles zusammenpacken. Dankend das Frühstück ablehnen. Das Dosenfleisch murrt schon etwas in Miris Magen. Aber nicht ohne ein paar Fotos an diesem höchsten Punkt: Der Vater und seine drei Söhne (Foto links), die Meteorologie-Station, mit amerikanischen Instrumenten, die automatisch abgelesen werden und die Pass-Höhe: ein Blick zurück und eine fantastische Abfahrt Richtung Duschanbe.
Die Straße ist zwar so schlecht, dass man das Rad nie richtig rollen lassen kann, aber der Blick entschädigt für die Straße, die Steigung und die Nacht. Es wäre noch sehr, sehr weit und lang gewesen zum nächsten Ort. Und ob wir dort ein besseres Quartier bekommen hätten, lässt sich nicht sagen. Immerhin gibt es einige offene Straßencafés: Holzpodeste, die mit Teppichen rundum bespannt sind. Hier frühstücken wir.

Ahmadinejad eröffnet Tunnel unter dem Ansob-PassDirekt hinterm Dorfende kommt endlich, wonach wir gestern vergebens Ausschau gehalten haben: der Tunnel. Kurz vor unserer Abreise habe ich einen Hinweis gefunden, dass Irans Präsident Ahmadineschad einen von seinem Land finanzierten und gebauten Tunnel feierlich eingeweiht habe (kleines Foto rechts).
Tadschikistan und Persien sind sprachlich und ethnisch verwandt. Wir hatten in den ersten Tagen schon erfahren, dass der Tunnel noch nicht für den Verkehr freigegeben sei. Ein Stück Resthoffnung war geblieben, dass wir den Pass samt meteorologischer Mäuse auf 2000 m unterqueren könnten. Doch wie wir später erfahren, liegt die Tunnelöffnung auf der Nordseite nicht direkt an der bisherigen Straße. Deshalb hatten wir vergeblich Ausschau gehalten.
Hier auf der Südseite dagegen liegt der Tunnel direkt an der Straße und wird bald die Dorf-Cafés überflüssigmachen. Eine Gruppe ausländischer Hilfskräfte verhandelt von ihrem Auto aus an dem Kontroll-Häuschen, ob sie durchfahren können. Wir haben kein Interesse mehr daran. Genießen die Abfahrt auf der allmählich besser werdenden Straße.

Miri und Schafe auf der Abfahrt nach DushanbeChinesische Bautrupps arbeiten offenbar daran, die Straße bis zum Tunnel durchgängig zu asphaltieren. An den zahlreichen Baustellen müssen wir immer wieder durch Staubwolken hindurch. Und dann können wir wirklich rollen. Im Tal stehen einige neu gebaute Paläste mit bester Aussicht. Ein Komplex gehört - wie wir am nächsten Tag erfahren - dem tadschikischen Präsidenten, der auf dem Gründstück auch Wladimir Putin eine Villa geschenkt hat.
Soldaten ohne jeden Schutz fällen kurz vor Duschanbe einen Baum, der mit großer Wucht auf die Fahrbahn knallt, ohne dass der Verkehr zurückgehalten worden wäre. Mehr zufällig passiert nichts.
Tadschikistans Hauptstadt Duschanbe (bzw. Dushanbe) kommt sehr unspektakulär daher. Wir sind im Zentrum, bevor wir es richtig merken. Wir haben Schwierigkeiten uns zu orientieren, weil die großen repräsentativen Gebäude einige Nummern kleiner sind als erwartet. Eine grüne Stadt, weiträumig geplant.
In einem Straßencafé essen wir am Abend. Vor uns sammeln sich verschiedenstePolizei- und Militärtrupps und ziehen Richtung Zentrum. Sinn und Zweck der Übung erschließt sich uns erst in den folgenden Tagen.
Ich mache noch kurz einen Schlenker zum Internet-Café, wo ich über unsere weitere Strecke lese, dass das von uns in Aussicht genommene Garm-Tal mit dem Fluss Kyzylsu (Kyzyl Suu) eine Islamisten-Hochburg, ein Rückzugsgebiet für Schläfer sei, in dem schwer bewaffnete Mujaheddin den Alltag prägen. Das verspricht Spannung.

Lenin-Statue kurz vor DuschanbeUmplanung ins Taxi
Freitag, 8. September 2006: Duschanbe - Taxi-Fahrt - Chudschand
Miri geht's nicht gut. Ich kann sie davon überzeugen, im Bett zu bleiben. Ich ziehe los, ein paar Kleinigkeiten zu erledigen und nebenbei bleibt noch Zeit für einige Telefongespräch an der Rezeption. Gerade ist Schichtende für die ältere Dame mit Deutschkenntnissen, Ablösung durch eine jüngere russische Matrone. Sie wirft sofort den Fernseher an. Und schaltet gleich den Ton ab, weil auch auf ihrem Bildschirm die Rede des Präsidenten zum morgigen Nationalfeiertag übertragen wird. Neunzig Minuten wird sie dauern und der optische Eindruck hätte das ZK der SED sicher in Begeisterung versetzt.
Es soll ein reiner Routine-Anruf bei der deutschen Botschaft in Duschanbe sein. Frank-Walter Steinmeier ruft auf seiner Homepage ausdrücklich dazu auf, bei Reisen in Tadschikistan mit der deutschen Botschaft Kontakt zu halten, die Reisedaten zu hinterlegen und sich nach der aktuellen Sicherheitslage zu erkundigen. Vor zwei Monaten hatte ich deshalb schon mit einem Mitarbeiter telefoniert. Jetzt will ich ihn wieder sprechen. Der Mitarbeiter ist inzwischen versetzt. Ich werde mit "Frau Böhme" verbunden. Sie habe vor zwei Wochen versucht, erzählt sie mir, über den Grenzübergang, über den wir nach Kirgisien wollen, mit einem Wagen nach Tadschikistan einzureisen. Das sei sogar für sie als Diplomatin unmöglich gewesen. Nur noch Einheimische dürften dort durch.
Bleibt uns also das Islamisten-Tal erspart. Aber: wie weiter? Eine Alternative wäre der "Pamir-Highway", eine Hochstraße auf dem Pamir-Plateau mit mehreren 4000-m-Pässen. Von dieser Strecke könnte man entweder bei Murgab abzweigen und über den Kulma-Pass (4363 m) direkt nach China auf das letzte Stück des Karakorum-Highways kommen oder nach Kirgisien und von dort über den von uns ins Auge gefassten Irkeshtam-Pass nach China. Allerdings braucht man für den Pamir eine Sondergenehmigung und das dauert gewöhnlich Wochen. Frau Böhme meint noch, die Wartedauer sei wohl auch eine Frage des Geldes. Wir bräuchten den Permit aber sofort und das geht gar nicht.

Taxifahrer kühlt Motor am Ansob-Pass in Tadschikistan Bleibt der Weg durch das breite Fergana-Tal. Einziger Haken: wir müssen dabei unser zweites Usbekistan-Visum verballern, das eigentlich für den etwa 15-stündigen Aufenthalt in Tashkent zwischen den Rückflügen gedacht war, den wir jetzt wohl im Transit-Bereich verbringen müssen.
Nur: die Fergana-Strecke ist nicht zu bewältigen, ohne die Frist unseres Krigisien-Visums zu sprengen. Müssen wir also ein Stück per Flug oder Auto zurücklegen. Eine Rückfahrt mit dem Fahrrad über den Ansob-Pass kommt sowieso nicht in Frage. Auch nördlich von Ayni ist ein gleich hoher Pass, den wir auch nicht mehr schaffen können. Reisen wir also nach Chudschand. Beim Flug mit dem sowjetischen Kleinflugzeug Jak 40 ist unklar, ob auch die Räder mitkommen können. Wählen wir folglich das Taxi.

Taxifahrer testet Treibstoff an Tankstelle Beim Taxi-Stand am nördlichen Stadtrand von Duschanbe treffe ich Oleg, ein Russe in Diensten von USAid, der auch nach Chudschand muss, schnell. Letzteres kann er bei der Fahrt über zwei 3370-m-hohe Pässe, größtenteils nicht (mehr) asphaltiert, vergessen. Obwohl er tadschikische Helfer hat, muss er feilschen, um den erhöhten Wessi-Fahrpreis in Grenzen zu halten. Zu dritt ist das einfacher, vor allem billiger.
Am Ende zahlen wir für uns und die Fahrräder 100 €, den Rest übernimmt Oleg. Zehn Stunden sollen wir für die 350 km brauchen. Am Ende sind es 15 Stunden, weil Rachim unser tadschikischer Fahrer (Foto rechts im Deutschland-Trikot von letzten WM-Gewinn 1990 in Italien, beim Kühlwasser-Nachfüllen; Räder auf dem Dach) zwar sehr gut fährt, aber die Strecke nicht so gut kennt. Und Straßenschilder gibt es in Tadschikistan praktisch gar nicht. Zwischenzeitlich landen wir an irgendeinem Schlagbaum, werden kontrolliert. Ein Schild besagt: Veterinär-Kontroll-Punkt. Also rückwärts. Nachdem Oleg seinen Flug von Tashkent endgültig abgeschrieben hat, Immerhin amüsieren wir uns mit ihm großartig über die zentralasiatischen Pirouetten unseres Chauffeurs. Allein der nächtliche Besuch einer Tankstelle: Rachim prüft die in großen Gläsern angebotenen Kraftstoffe mit Nase und Zunge, bevor er sie in den Wagen füllen lässt (Foto rechts).

Betriebsgruppe mit Präsidenten-Portrait am Nationalfeiertag in TadschikistanNationalfeiertag der Arier
Samstag, 9. September 2006: Chudschand - Grenze Tadschikistan/Usbekistan - Kokan (142 km)
Es ist 3 Uhr morgens, als wir einchecken im Hotel Leninabad - so hieß Chudschand (alias Khudzhand, Khujand, Chodschent) von 1939 bis 1992. Deshalb steht eine rekordverdächtige 22 m hohe Lenin-Statue heute noch in Sichtweite des Hotels am andern Ufer des Syrdarja herum (abgesehen davon hieß die Stadt ursprünglich "Alexandra Eschate", das eschatologischste also entfernteste Alexandria im Imperium ihres Gründers Alexanders des Großen). D.h. wir schleppen unsere restlos verstaubten Klamotten und Räder vom Wagen ins Hotel, nachdem es mir gelungen ist, einen Nachtwächter zu wecken.
Mit seinem Kollegen spult er das gesamte quälende Ritual der Anmeldung ab. Als der bescheidene Preis bezahlt ist, fordert er noch Geld für das Abstellen unserer Fahrräder in einer Rumpelkammer. Geschult durch Olegs Verhandlungskünste verblüffe ich die Hotelangestellten damit, dass wir durch den schlechten Wechselkurs das schon längst mitgezahlt hätten. Auf ihren Einwand, dass immer noch ein Fehlbetrag übrigbleibe, zauber ich zwei winzige tadschikische Geldmünzen aus meinem Portemonnaie, die den vermeintlichen Fehlbetrag abdecken. Damit ist der Bann gebrochen: Die Nachtwächter lachen, schlagen ein. Sie nehmen uns Ernst.
Das Hotelzimmer ist mal wieder ein post-sowjetisches, das noch heute von der Sowjetunion in ihrem Original-Auflösungs-Zustand kündet. Das Bad samt WC ist versperrt, das Bad im Nachbarzimmer, schon hinreichend heruntergekommen, dient dem (vermutlich ansonsten leeren) Flur als Ausweichörtchen. Genau zwei Stunden nachdem wir uns endlich hinlegen konnten, weckt uns Tschingderassa-Bumm-Parade-Musik von der Straße. Schließlich ist heute Nationalfeiertag. Am 9. September 1991 erklärte sich Tadschikistan kurz nach dem gescheiterten August-Putsch gegen Michail Gorbatschow wie andere Sowjet-Republiken für unabhängig (Foto links: Weibliche Betriebsgruppe posiert mit Präsidenten-Portrait vor Chudschands Moschee). Bevor wir unsere Räder durch die feiernde Menge - fast alle 145000 Einwohner der zweitgrößte Stadt des Landes scheinen auf den Beinen - schieben, brauchen wir Stunden um Räder und Gepäck halbwegs von Staub und Dreck zu befreien.

Am Nationalfeiertag in TadschikistanUm elf Uhr radeln wir auf der weiten Ebene des Fergana-Beckens weiter Richtung Osten. Wir wissen nicht so recht wie weit es genau bis zur Grenze und dann noch bis Kokan ist, weil die Karten sich widersprechen, bzw. nicht zweifelsfrei zu lesen sind. Nach fast hundert Kilometern erreichen wir die Grenze. Die Tadschiken wollen zu unserm Abschied Hitler hochleben lassen, was uns nicht gerade erfreut. Ja, sagen sie daraufhin ergänzend, Faschismus sei natürlich nicht gut, aber die arische Rasse, zu der sich eben Tadschiken wie Deutsche zählen könnten, sei doch eine feine Sache.
Als sich auf der usbekischen Seite der Grenze die Kontrolle dahinschleppt und in tausend Kleinigkeiten verliert, werde ich angesichts der sich neigenden Sonne etwas ungeduldig. Am Ende erreichen wir nach 142 langen Kilometern Kokan (alias Qoqand, Kokand, Chokand, Khokand), einst Hauptstadt des gleichnamigen Khanates, erst in der Dunkelheit. Von der ersten Kreuzung werden wir zu einem kleinen Hotel in der Nähe geleitet. Auch das ex-sowjetisch, aber eins von der kleinen zweistöckigen überall baugleichen Serie. Und die werden meist sehr viel sorgsamer gepflegt als die großen Plattenbau-Kästen. Auch hier in Kokan, wo sie sogar so sorgsam sind, dass sie uns fragen, ob wir denn verheiratet seien und ob wir das mit Dokumenten belegen könnten. Ansonsten dürften sie uns kein Zimmer geben. Sehr sorgsam sind sie auch ständig hinter uns her, sobald wir unser Zimmer verlassen. Das ist nach der langen Etappe und der kurzen Nacht zuvor nicht mehr allzu häufig der Fall.


Khudoyar-Khan-Palast in Kokan

Khudoyar-Khan-Palast in Kokan


Miri bei Pause am Rand eines BaumwollfeldesFlaches Fergana-Tal
Sonntag, 10. September 2006: Kokan - Fergana-Tal - Andischan (133 km)
So sehen wir Kokan erst am Morgen. Wir entdecken keine rechte Stadtmitte, aber halten ausgiebig vor dem Khudoyar-Khan-Palast (Foto oben). Weiter also durchs weite Fergana-Tal, in dem man im Dunst die hohen Berge zu allen Seiten meist nicht erkennen kann. Rückenwind treibt uns durch die Baumwoll-Felder (Foto rechts), längs und quer zu Bewässerungskanälen auf der großen, gelegentlich sechsspurigen Magistrale. Anfangs ist auch einiger Verkehr, bald wird er weniger. Nach wieder fast 140 km erreichen wir Andischan (alias Andijan, Andijon, Andizhan, Andizan). Dieser Ort machte im letzten Jahr Schlagzeilen: "Am Abend des 13. Mai 2005 wurden bei der Niederschlagung massiver Unruhen mehrere hundert Menschen vom Militär und zum größten Teil von Sondereinheiten des Innenministeriums erschossen. In der Nacht zuvor war ein Gefängnis von einer Gruppe Menschen gestürmt worden, die viele der circa 730 zu diesem Zeitpunkt inhaftierten Gefangenen befreiten. Der Auslöser für die Unruhen war ein anstehender Terrorprozess gegen 23 des radikalen Islamismus verdächtigter Personen." (Wikipedia)
Auf uns wirkt der Ort gar nicht wie eine Islamisten-Hochburg. Es gibt einen riesigen Markt und an dessen Rand auch ein Computer- und Internet-Café, in dem die Jugend rumballert - wie überall. Ich kann endlich mal bis nachts um eins Fotos von der ersten Hälfte der Tour ins Netz stellen. Das hat kathartische Wirkung.

Tabak-Anbau in UsbekistanEtäppchen
Montag, 11. September 2006: Andischan - Grenze Usbekistan/Kirgistan - Osch (50 km)
Aus logistischen Gründen heute nur 50 km bis Osch, der zweitgrößten kirgisischen Stadt, direkt hinter der Grenze. Nach Osch warten wieder hohe Pässe und lange Passagen ohne Hotel und Geschäfte - so they say.
Der Weg zur Grenze führt über eine kleine Anhöhe. Danach hält uns nur die Mittagspause auf der kirgisischen Seite der Grenze auf. Ansonsten ist alles easy. Eine frühe Ankunft hat auch ihren Reiz, zumal Osch einen noch berühmteren Bazar hat als Andischan. Wir können noch einmal in ein richtiges Restaurant gehen, in dem nach russischer Art auch getanzt wird. Jetzt warten fünf mehr oder weniger zivilisationslose Etappen auf uns... (Bike-Blog Teil 2: Kirgistan & China)


Route Samarkand - Kashgar



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen

Etappen Samarkand - Kashgar (4.-16.9.2006)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 4.9.2006 Samarkand Grenze Usbekistan/Tadschikistan Pendschikent 71
2. 5.9.2006 Pendschikent Serafschan-Tal Ayni 102
3. 6.9.2006 Ayni Ansob-Pass (3373 m) 77
4. 7.9.2006 Ansob-Pass (3373 m) Duschanbe 90
5. 8.9.2006 Duschanbe - Taxi-Fahrt - Chudschand
6. 9.9.2006 Chudschand Grenze Tadschikistan/Usbekistan Kokan 142
7. 10.9.2006 Kokan Fergana-Tal Andischan 133
8. 11.9.2006 Andischan Grenze Usbekistan/Kirgistan Osch 50
9. 12.9.2006 Osch Chyrchyk-Pass (2406 m) Gulcha 94
10. 13.9.2006 Gulcha Taldyk Doppel-Pass (3615 & 3570 m) Sary Tash 103
11. 14.9.2006 Sary Tash Irkeshtam Pass (3573 m) - Grenze Kirgistan/China Simhana 79
12. 15.9.2006 Simhana Karabel Daban (2930 m) - Akto Mountains Pass (2990 m) - Taktudulak Daban (2850 m) Kansu 122
13. 16.9.2006 Kansu Kashgar 137*
Summe 1200
*davon 17 km Umweg

Foto Special zu Teil 1:
Usbekistan & Tadschikistan

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Bike-Blog Teil 2:
Kirgistan & China

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Foto Special zu Teil 2:
Kirgistan & China

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Karakorum-Highway (KKH): Karakul-See

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Urumqi alias Wulumuqi

* Mit dem Zug zum Flug:
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Zur ganzen Tour 32: Samarkand - Kashgar (1200 km) Sept. 2006


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