|
Als ich das Museum von Taxila samt seinem Park nach 40 km erreiche, ist für mich gefühlter später Vormittag. Überall schwirren Leute umher. Den Kartenkäufer kann ich nur zu einem "It's closed" bewegen. Zum Glück kommt ein anderer herbei und meint, in fünf Minuten würden Museum und Kartenverkauf geöffnet. Das ist doch mal 'ne echte Inforamtion. Logo, es ist ja auch erst fünf vor acht. Jetzt überkommt mich die Müdigkeit von zwei durchflogenen Nächten. Ich lasse das Rad samt Gepäck neben dem Kassenhäuschen stehen und sinke vor dem Museumsgebäude auf eine Parkbank. Drei Stunden schlafe ich hier, nur gelegentlich aufschreckend, wenn ich jemanden höre, der sich mir nähert.
Ich erhebe mich langsam aus meinem komatösen Schlaf. Fahrrad und Gepäck sind vollzählig. Sonntagsausflügler um mich herum. Und im Museum. Das ist nicht groß aber buddhistisch. Die ersten nicht-islamischen Seiten des islamischen Pakistan. Die zugehörigen Ausgrabungsstätten liegen ein bisschen verstreut ganz in der Nähe. Mich lähmt schon die Mittagshitze.
Ein paar ausgegrabene Tempel schaue ich mir an (Foto rechts) und nehme dann eine Querstraße, die am Ende wieder asphaltiert zum Fuße des alten Klosters Jaulian führt. Über einen Kanal, in dem Jungen spielend und schreiend baden, erklimme ich den Klosterhügel. Oben gibt es ungebeten eine Einzelführung: so bekomme ich einen lachenden und viele andere Buddhas, teils aus dem fünften Jahrhundert, zu sehen (Foto links). Leider sind die Buddhas überdacht eingezäunt, sodass das Gefühl des unbegrenzten Nirwana sich nicht einzustellen vermag.
Taxila ist das Portal zu einer Nebenstrecke, die kürzer, weniger befahren, wunderschön und wild ist. Die Straße führt oberhalb eines Flusses entlang, gegenüber liegende Ortschaften per Seilwinde verbindend. Das ändert sich erst wieder nach Hapira auf der Hauptstrecke.
Richtig steil wird es auf den letzten Metern nach Abbottabad. Und richtig heiß. Wegen meines Morgenschlafs bin ich die ganze Mittags- und Nachtmittagshitze hindurch gefahren, aber erst jetzt verlangt der Körper in immer kürzeren Abständen nach eisgekühlten Soft Drinks. In einer Serpentinenkurve liegt ein Restaurant mit Terrasse. SevenUp mit Blick auf die Niederungen. Auch Mango-Juice bringt voran. Am Straßenrand kommt mir ein Mädchen entgegen. Sicher nicht reich, aber in Orange gekleidet, aufrecht gehend, schreitet mehr, als dass sie geht, auf den Boden schauend, nachdenklich, hebt sie plötzlich ihren Kopf, sieht mich, schreit, dreht sich um, rennt weg, genau in den Weg rein, aus dem sie gerade gekommen ist. Ich folge der Hauptstraße im Bogen. Sie gibt einen Blick dorthin, wo das Mädchen verschwunden ist. Eine riesige, qualmende, stinkende Müllhalde, ihr Zuhause. Abbottabad liegt auf 1200 m. Die Engländer liebten es wegen seines erträglichen Sommerklimas und siedelten hier eine Garnison an. Eine Art Burgberg liegt ganz am Anfang. Hier fahre ich eine Ehrenrunde um eine ganze Reihe Hotels. Das vom Reiseführer empfohlene
ist dreckig und angeblich voll, das nicht empfohlene sauber und leer. Ohne dass ich verhandel, geht der Hotelier um ein Drittel runter auf etwa zehn Dollar. Ein Riesenzimmer mit großer Terrasse, weitab vom Staub der Straße. Mit Platz fürs Fahrrad. An dem das Rücklicht durch den überhängenden Korb zerbrochen ist. Aber noch funktioniert. Und einem Politiker samt Frau und attraktivster aber schweigenden Tochter, der Angst hat. Und mir Angst macht. Besham, mein nächstes Ziel, ist ihm schon zu gefährlich. "Wir fühlen uns nirgendwo mehr sicher." Ich mache die Gegenprobe beim Hotelier. "Besham? Kein Problem!"
Das Abendessen. Meine ersten pakistanischen Essversuche. Reis, Kichererbsen, Mais. Exzellent. Samt Getränke weniger als ein Dollar. Schräg gegenüber das Internet-Café im Keller. Schließt leider um neun Uhr. Das erleichtert es mir, den Wecker auf 5 Uhr zu stellen. Ab morgen soll es eine Mittagspause zur heißen Mittagszeit geben.
|