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Kirgisien 2013
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VG WORTTour 71: Ostende - Hull (563 km)


Lincolnshire: Radeln am Deich bei Wrangle
Lincolnshire: Radeln am Deich bei Wrangle

Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Ostende - Cambridge - Hull (10.-18.8.2014)
Die lange Tor-Tour mit gebrochenem Schlüsselbein

Ausrüstung: Bike & More
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Bike & More
Zehn Jahre nach unserer ersten großen gemeinsamen Tour ("End to End") sind wir wieder in Großbritannien unterwegs. Wollen diesmal an der Ostküste bis Edinburgh. Am zweiten Tag leider mein heftigster Sturz ever: auf einer schmalen Landstraße gerate ich in Schlaglöcher und Schotter, verliere die Kontrolle übers Rad und werde auf die Straße katapultiert. Der Helm verhindert Schlimmeres. Im Krankenhaus von Canterbury findet man keine größeren Schäden. So geht's mit Schmerzen weiter. Bis Hull. Dann noch eine kleine Extratour auf dem RailTrail von Scarboroguh nach Whitby. Zuletzt nur noch per Rail nach Edinburgh. Zurück in Deutschland dann die Diagnose: Schlüsselbeinbruch.

Die Tour bei YouTube


Die besten 170 Fotos samt einiger Video-Clips zu Beatles-Songs
Falls das Video aus Rechtegründen nicht zu sehen ist,
hier die Fassung mit Cover-Songs sehen.


Detail: Bahnhof von Lüttich/Gare de LiègeOnline, Hotline, Schalter
Prolog: Der lange Weg zum Rad-Bahn-Ticket

Wie schnell und bequem bekomme ich eine Fahrrad-Fahrkarte für die Bahnstrecke Mainz – Ostende? Die Bahn kennt da kein Internet. Nur Hotline oder Schalter. Ich starte am Telefon. Nach zwölf Sekunden drücke ich Nr. 1 für "Fahrkarte". Eine Minute weiter Nr. 6 für "Fahrrad". Als voraussichtliche Wartezeit wird mir fünf Min. vorhergesagt. Doch schon nach wenigen Sekunden, ich hab grad den Lautsprecher angestellt, geht es weiter. Nach insgesamt 3:16 Min. werde ich zum „Ausland“ weitergeleitet. Früher waren gerade die Auslands-Fahrrad-Konditionen das Spezialwissen der exklusiven Bahn-Fahrrad-Hotline. Doch beim „Ausland“, nur von 8 bis 20 Uhr erreichbar, verweisen sie auf die belgischen Bahnen.
Hauptproblem ist übrigens, dass bei den belgischen Zügen (Foto links und unten: Bahnhof von Lüttich/Liège) im Online-Fahrplan überwiegend keine Angaben erscheinen, ob sie Räder befördern. Nach nunmehr vier Minuten wähle ich nun die Europa-Hotline der Belgischen Bahngesellschaft SNCB +32-70797979. Unter „4“ (= Deutsch) ist man „Willkommen im SNCB Kontakt Center“. Unter „1“ (= Ticket) heißt es nach 1:11: „Wir leiten den Anruf an einen unseren Mitarbeiter weiter“. Gefolgt von (für Bahn-Verhältnisse) außergewöhnlich lebhafter Musik. Bei 2:22 Freizeichen, bei 2:33 meldet sich ein Deutscher aus Brüssel. Sehr freundlich. Schon erfahre ich, dass Fahrradtransporte auch im IC in Belgien kein Problem seien. Die Tickets bekäme ich natürlich in Deutschland. Nach insgesamt acht Minuten weiß ich nun: ich muss doch zum Schalter.
An einem (gewöhnlich verkehrsarmen) Samstagnachmittag ziehe ich im Mainzer Hauptbahnhof ein Warteticket. 18 potentielle Fahrgäste sind vor mir dran. Bei vier geöffneten Schaltern muss ich 25, in einem Wort: „fünfundzwanzig“, Minuten waren. Macht rund sechs Minuten pro Beratung. Ich brauche zehn Minuten. Schließlich will man für die Fahrtkarte unter anderem auch Namen und Adresse beider Fahrrad-Besitzer. Zehn Euro kostet die internationale Fahrradkarte. BahnCard-Ermäßigung gibt es nicht. Auch die „Service“-Frau am Bahn-Schalter kann übrigens nicht erkennen, auf welchen Zügen ich in Belgien Fahrräder befördern kann. Also: Ohne Hotline und Schalter keine Fahrrad-Zugfahrt nach Belgien.
Warum hatten wir Ostende als Ziel unserer Bahn- und Start unserer Rad-Tour gewählt? Weil es im Vergleich zu allen anderen Orten an der Kanalküste am einfachsten mit der Bahn zu erreichen schien.
Als ich kurz vor der Abfahrt dann auch die Fahrkarten kaufen wollte, waren mehr als 30 Leute vor mir mit ihrer Wartenummer. Ich hab's dann am Automaten versucht. Und siehe da: "Oostende"-Tickets gibt's dort. Zum Preis von 100,60 Euro (zwei Personen mit BahnCard 50). Am Schalter hatten sie mir beim Kauf der Fahrrad-Tickets gesagt, das koste 116 Euro...


Bahnhof von Lüttich/Gare de Liège
Im Bahnhof von Lüttich/Liège


Chris on the Bike an der Strand-Promenade von Ostende, Belgien Mit der Straßenbahn am Strand
Sonntag, 10. August 2014: Zugfahrt Mainz - Ostende - Tram - De Panne - Grenze Belgien/Frankreich - Dunkerque (26 km)

Es sind nur wenige Sekunden. Die Schaffnerin hat uns im Kölner Hauptbahnhof "vormerken lassen" für den Regional-Express nach Aachen. Unser Zug kommt durch Rumstehen vor dem Bonner Hauptbahnhof in derselben Minute an, in der der Zug nach Aachen fahrplanmäßig abfahren soll. Und abfährt. Da hilft auch kein Spurt mit den Rädern. Die Folge: zwei Stunden Verspätung in Ostende. Durch die Bescheinigung der Bahn bekommen wir vielleicht die Hälfte des Ticketpreises zurückerstattet, nur die beiden Stunden Fahrt am Strand sind weg.

Kusttram: die 68 KM lange Straßenbahn an der belgischen Küste mit Blick auf Strand und Wellen Als wir erst um halb sieben abends in Ostende loslegen können (Foto rechts und unten), weht uns auch noch ein sehr kräftiger Westwind entgegen. Wir gurken ein bisschen am Strand entlang und dann unentschlossen in der Stadt herum. Ich springe kurz in ein Cyber Café. Dann erkundigen wir uns nach der Fahrradmitnahme in der legendären Küsten-Straßenbahn "Kusttram", die an der gesamten belgischen Nordseeküste entlangfährt. Tatsächlich: ein Fahrrad lässt sich für zwei Euro mitnehmen und pro Person zahlen wir auch nur zwei Euro Standardpreis. In unserm Fall für rund 30 Kilometer bis zum letzten belgischen Ort: De Panne. Eine Stunde braucht die Tram. Immer wieder mit Panoramablick auf Meer, Dünen, Promenaden (Foto links). Vor acht Jahren bin ich entlang der ganzen belgischen Küstenstrecke bereits geradelt.
Der Weg am Strand von De Panne bis zur Grenze, den Google Maps als Fahrrad-Weg ausgibt, ist wohl mehr eine Sandpiste. Wir bekommen dringend die Straße empfohlen. Die auch ganz ruhig und angenehm zu fahren ist. Miri fährt voran. Und das bedeutet viel, sehr viel, bei diesem Gegenwind der Stärke 6. Ich kann mühsam folgen. Seit der Einfahrt der Zuges in Ostende ist mir schlecht. Ab und zu klingel ich, um Miri zum Langsamfahren zu bewegen. Bei Tageskilometer 11,11 rollen wir über die Grenze. Bei Kilometer 20 kehren wir zurück an den Strand. Gegen die französische Promenade ist die belgische richtig schnuckelig. Im Halbdunkel erreichen wir die Jugendherberge von Dunkerque/Dünkirchen. Hier hatten wir schon lange ein Zimmer gebucht. Und nun auch glücklich erreicht.


Miri on the Bike fährt durch die Installation Rock Strangers in Oostende von Arne Quinze
Fahrt durch die Installation Rock Strangers in Oostende von Arne Quinze


Miri on the Bike im Hafen von Dunkerque vor der Kulisse dunkler WolkenHeftigster Sturz ever
Montag, 11. August 2014: Dunkerque - Fähre = Grenze Frankreich/England - Dover - Shepherdswell (37 km)

Auf dem Weg zum Frühstück kommt uns die Deutsche entgegen, mit der Miri gestern Abend schon gesprochen hat. Sie hat gerade eine England-Fahrrad-Tour hinter sich. Zum Glück fragen wir nach dem Weg zur Fähre. Sie hat vergeblich versucht, auf dem Damm dahin zu fahren. Eine Brücke ist seit zwei Monaten gesperrt. Es bleibt nur der Weg durch die Stadt.
Das sind rund zwanzig Kilometer. Denn die Dünkirchen-Dover-Fähre fährt erst jenseits einiger kleinerer Orte und größerer Rafinerien. Die wir mit Hilfe eines Stadtplans vom Bahnhofsschalter (die Touri-Info öffnet erst um zehn...) durchqueren und umrunden. Die Schnellstraße ist für Räder gesperrt.
Zuletzt wölbt sich eine dunkle Wolkenkette über der vor unsern Augen liegenden Fähre (Foto rechts). Auf unseren letzten Metern zur Fährstation kommt die Wolkenkette als heftiger Schauer herunter. Passagier und Rad kosten 39 Euro. Wir müssen trotz Regens den großen Bogen mit den Autos um die Station fahren durch all die Kontrollen. Auch die "UK Border Control" findet bereits hier statt. Und stimmt uns ein auf britische Sitten. Unter den letzten Tropfen und drohenden dunklen Wolken steuern wir (genauso wie an vielen, vielen Grenzstaus zuvor) an den wartenden Autos vorbei auf die Border Control zu. Das ist nicht sehr british, wie uns der Controler gleich klar macht. Ganz hinten anstellen, meint er. Zurück auf Los. Ich kann grad noch einwenden, dass wir etwas vulnerabler gegenüber dem Regen sind als all die Autofahrer, die wir grade überholt haben. Nutzt nichts. Wir rollen drei Autos zurück und wenden uns eine Control-Station weiter links. Dort kontrolliert uns eine nette junge Dame problemlos.


Die weißen Klippen von Dover
Die weißen Klippen von Dover


Hinweisschild 'National Cycle Network Route 16' zwischen Whitfield und Shepherdswell, Kent, UK mit Panther Dominance Trekking und englischem Briefkasten Dann tauchen die White Cliffs von Dover auf (Foto oben). Eine halbe Stunde später als geplant legen wir an. Der Grund: Stau im Hafen. Dann sind wir die allerersten, die von Bord der riesigen Fähre rollen. Eine rote Linie weist den Radlern den Weg zu Linksverkehr und raus aus dem Hafen. Bei der Touri-Infos gibt's kostenlos gute Radkarten von Dover und Umgebung sowie ganz Kent. Wir folgen der "National (Cycle Network) [NCN] Route 16", der eine typisch englische, schmale Straße hinaufführt. Verpassen aber eine Abzweigung und landen auf dem hier "unsurfaced" Fernwanderweg "North Downs Way". Der weiter bergauf führt, aber eine matschige Ansammlung tiefer Rillen ist. Schuhe und Räder verschlammen (Foto Equipment-Seite). Am Ende müssen wir quer über einen Acker, um wieder in die richtige Richtung zu kommen. Bei Tesco nutzen wir die Tanke für eine Fahrrad-Wäsche.
In Whitfield taucht die Radweg-16-Beschilderung (Foto links) wieder auf. Und ist nun meist eine einspurige schmale Nebenstraße ("Little Haynes") mit ihrem Rauf und Runter. Eigentlich alles asphaltiert. Nur in einer Senke ist der Asphalt durch Schlagloch und reichlich Schotter weitgehend verdeckt. Da das alles im nachmittäglichen Schatten liegt, erkenne ich es erst sehr spät. Zu spät. Schon schlenkert mein Lenker. Und an viel mehr kann ich mich nicht erinnern. Nur wie ich mich Sekunden später torkelnd vor einem Gatter ins Gras fallen lasse (Foto unten). Ich blute merkwürdigerweise auf allen Seiten. Primär bin ich auf die rechte Seite gefallen. Schürfwunden an Knie, Gesäß, Brustkorb, Arm und Hand zeigen das genauso wie Prellungen an Oberschenkel und Schulter sowie die Macke, die mein Helm auf der rechten Stirnseite hinterlassen hat. Durch das Innere des Helms ziehen sich nun auch einige Risse. Aber auch links hat Miri einige Schürfwunden zu desinfizieren. Mein Kopf ist ein bisschen neben der Spur. Immerhin mein heftigster Sturz ever. Ich esse ein bisschen. Das Wasser geht weitgehend bei der Wundreinigung drauf. Das Vorderlicht ist abgebrochen, ein Bremszug gerissen, der Lenker verstellt, aber die Schäden am Rad scheinen sich in Grenzen zu halten. Irgendwann schiebe ich weiter. Die nächsten Häuser sind nicht weit. Shepherdswell. Miri entdeckt eine Filiale des "The White Cliffs Medical Centre". So bekommen wir doch mehr von den weißen Klippen zu sehen. Allerdings ist die letzte Krankenschwester gerade gegangen. Tun könne man nichts für uns. Wir erkundigen uns noch einmal nach dem Weg zum einzigen B & B weit und breit. Oast Cottage, hier nur als Oast House bekannt. Miri macht eine Vortour. Dann rollen wir beide zum "de luxe B & B". Mal sehen, was morgen alles wieder funktioniert.


Chris on the Bike nach dem Sturz vom Rad am Weide-Gatter
Nach dem Sturz

Satelitten-Ansicht Little Haynes bei Shepherdswell mit Höhenprofil
Die Strecke vor der Sturzstelle (=B) bei Shepherdswell mit Höhenprofil: fünf Prozent Gefälle auf 500 Metern


Stelle des Fahrradsturzes bei Shepherdswell mit Schlagloch und SchotterKeine Röntgen-Aufnahmen im State Hospital
Dienstag, 12. August 2014: Zugfahrt Shepherdswell - Canterbury - Shepherdswell

Der sehr nette Vermieter im Oast House bringt uns mit dem Auto zum Canterbury Hospital. Und erklärt dabei, dass das Oast House früher zum Trocknen der Hopfen, der Hopfendarre, genutzt wurde. In der Kindheit hätten sie in den Sommerferien noch jeden Tag zwei große Kübel Hopfen sammeln müssen. Heute würden das Polen und Russen machen.
Wir sind zunächst die einzigen in der Ambulanz des State Hospital von Canterbury. Müssen ein wenig warten. Dann kümmert sich eine sehr freundliche, ältere Ärztin um uns. Röntgen-Aufnahmen hält sie nach einigen Bewegungs-Checks für unnötig. Eine Stelle am Ellenbogen hätte ihrer Meinung nach eigentlich gestern direkt genäht werden müssen. So kann sie nur noch mehrere großflächige Pflaster verordnen, mit denen der Rest-Dreck in drei Tagen aus den Wunden an Knien, Ellenbogen, Hand und einigen andern Stellen gesogen werden soll. Das macht die ähnlich alte Krankenschwester, die - wie von Beginn an zu merken - gelegentlich andere Vorstellungen als die Ärztin hat. Wunden, die längst getrocknet und nicht dreckig sind, will sie mit ihrem Gummi-Pflaster verschonen. Ganz in meinem Sinne.
Ich fahre mit dem Zug zurück, während Miri sich Canterbury widmet. Bei jedem Schritt spüre ich die Erschütterungen in meinem Kopf. Abgesehen davon kann ich mit meinem rechten Arm heute nicht viel anfangen. Zurück in Shepherdswell pilgere ich nichtsdestotrotz zur Stelle des Sturzes. Der Hang, den ich hinunter kam, ist tatsächlich vergleichsweise flach. Nur 500 Meter lang ist die Abfahrt mit fünf Prozent Gefälle (Luftfoto mit Höhenprofil oben). Ich dürfte maximal etwa 30 Stundenkilometer gefahren sein. Jedenfalls ist in der Talsohle das ein oder andere Schlagloch (Foto rechts und Video unten), vor allem viel Dreck auf der Straße. Irgendwie bin ich da so ungünstig aufgekommen, dass ich letztlich die Kontrolle verloren habe. Ein weiterer Faktor könnte sein: Wegen des Rückfluges habe ich die Lowrider vorne nicht installiert. So ist das gesamte Gepäck hinten und der Schwerpunkt des Rades entsprechend. Der vordere Teil des Rades hat also in kritischen Situationen von vornherein etwas weniger Bodenhaftung.



Die Stelle des Sturzes am Tag danach


Fish & Chips in CanterburyAlles mit Links
Mittwoch, 13. August 2014: Shepherdswell - Canterbury - Gillingham (72 km)

Wir radeln wieder. Weiter auf der National-Route 16. Auf schmalen Straßen durch Kent. Die Schulter meldet jede Erschütterung. Es geht. In der Innenstadt von Canterbury gibt es zwei Fahrradläden. Der eine hat keine "holes" in seinem Reparatur-Zeitplan, aber der am Busbahnhof wird telefonisch befragt und kann. Eine Stunde später ist die Hydraulikbremse, die übrigens keinen Bremszug hat, sondern eben hydraulisch funktioniert und dadurch nicht so ganz einfach zu bearbeiten ist, repariert. Davor ist Zeit für Fish & Chips (Foto links) und eine Porträtfoto-Ausstellung. Die Kathedrale hat Miri gestern schon absolviert. Auf Ersetzen des Vorderlichts und des Fahrrad-Computers sind beide Läden nicht sonderlich erpicht. Bleibt es, wie es ist.
Ab Canterbury könnten wir dem großen Radweg National Cycle Network Route 1 folgen, dem Nordsee-Radweg ("North Sea Cycle Route"), auch EuroVelo-Route 12 (Mehr von mir zu allen EuroVelo-Routen hier). Eigentlich genau unsere Strecke. Aber hier macht er uns zunächst zu viele Umwege. Wir befahren ihn zwar ab und zu, mehr aber die große A 2, die ab dem Abzweig der Autobahn M 2 ganz nett als Straße ist, aber immer noch reichlich Verkehr hat. In Sittingbourne (Foto unten) ist die Beschilderung recht unübersichtlich. Ein Regenschauer lässt uns zu McDonald's flüchten. Hier gibt es auch Wifi. Und schon haben wir die Jugendherberge Medway in Gillingham gebucht. Dazu sind noch ein paar Kilometer A 2 notwendig. Wieder angenehmes Auf und Ab, Sonne, Wolken, Regentropfen. Dann die ein bisschen abgelegene Jugendherberge. Mit Gästen auch aus Bielefeld und Kehl. Alles in allem gewöhne ich mich langsam daran, das meiste mit Links zu machen. Die Knie jedenfalls haben den Sturz anscheinend ganz gut überstanden.


Miri on the Bike am Stadtrand von Sittingbourne
Am Stadtrand von Sittingbourne


Enges Tor auf der National Cycle Network Route 1 (North Sea Cycle Route, auch EuroVelo 12) zwischen Rochester und GravesendRegen in Essex
Donnersttag, 14. August 2014: Gillingham - Gravesend - Fähre - Tilbury - Stansted - Saffron Walden (112 km)

Der Youth-Hostel-Chef beschreibt netterweise noch einmal den Weg zur Rochester-Bridge, ohne wieder auf die A 2 zu kommen. Wir fahren quer durch Chatham und da, wo wir unter der Eisenbahnbrücke auf die A 2 stoßen, überqueren wir sie und folgen der High Street. Auch wenn sie Fußgängerzone ist. Bis zur Brücke, auf der dann eine Radspur ist. Danach vertrauen wir uns der National Route 1 an. Auch wenn die zunächst unnötigerweise steil über einen Hügel führt, den die Straße umgeht.
Danach ist es ein weitgehend autofreier Weg zur Themse. Hier und da muss man durch mannshohe Gitter (Foto rechts). Ein bisschen umgibt uns auch die Trostlosigkeit der Umgebung der Metropole London. Die kleine Fuß- und Fahrrad-Fähre bei Gravesend ist die erste Möglichkeit über die Themse zu kommen. Problemlos zu finden. Wir sind die einzigen Fahrgäste auf der 11.30-Uhr-Ferry (Foto oben; Video unten).



Fahrt mit der Personenfähre über die Themse von Gravesend nach Tilbury am äußersten Stadtrand von London


Auf der Tilbury-Seite warnt uns jemand vor dem Ort: "Keep to your bike." Vor allem fehlt eine Hinweis-Tafel, wie man nun mit dem Fahrrad weiterkommt. Die NCN-Route 13 quert zwar die Anlegestelle: aber wer weiß, wohin die beiden Richtungen führen? (Eine Recherche bei der nicht ganz leicht zu handelnden aber unverzichtbaren Website der Organisation für "healthier, cleaner and cheaper journeys" Sustrans hätte gezeigt, dass sie von der Londoner Tower Bridge quer zu unserer Route durch Essex nach Colchester führt.)
Mit Hilfe einer Fahrlehrerin, der Taxi-Zentrale und der ehrenamtlichen Oldies in der Bücherei-Tourist-Information von Tilbury finden wir den Weg auf der A 128 Richtung Norden. In Brentwood machen wir Mittagspause. Landen wieder bei McDonald's, weil mein Wlan von gestern 24 Stunden und damit immer noch gilt. Checken die Hotels von Saffron Walden, buchen aber nicht, weil unsicher ist, ob wir bis dahin kommen heute.
Bedrohliche, schwarze Wolken haben sich über dem Ort zusammengezogen. Als wir die Ortsgrenze erreichen, regnet es sich ein. Wir hechten zurück zu Unterstellmöglichkeiten. Dann geht der leichte Regen in einen heftigen Schauer samt Blitz und Donner über. Bäche und Seen entstehen auf Bürgersteig und Straße (Foto links).



Kräftiger Regenschauer in Brentwood


SLOW: Regen auf der Straße von Brentwood Zwei Feuerwehrwagen brechen halsbrecherisch Richtung Norden auf. Bald gefolgt von Polizeiwagen. Bei leichtem Tröpfeln und 13 Grad setzen wir unsere Fahrt fort. Erreichen bald eine Stelle, an der die Straße gesperrt ist. Hier blockieren Feuerwehr- und Polizeiwagen die Strecke, kämpfen um die Insasssen eines Autos, das unter einen LKW geraten ist.
Wir dürfen auf der anderen Straßenseite auf dem Bürgersteig passieren. Ab Chipping Ongar folgen wir kleinen Straßen und dabei auch NCN-Fahrradwegen. Die führen wunderschön um den Flughafen Stansted herum. Leider geht es genau in der Einflugschneise weiter. Alle paar Sekunden braust ein Flieger über uns hin. Gegenüber von der schönen Pfarrkirche von Thaxted (Foto unten) ist das Swan-Hotel ausgebucht. Müssen wir doch nach Saffron Walden. Wählen wieder eine Nebenstrecke: über Debden. Es ist kurz vor 20 Uhr, als wir im gerade wieder einsetzenden Regen Saffron Walden erreichen. Im Hotel Saffron, das heute Mittag ohne Frühstück bei booking.com 60 Pfund gekostet hätte, will man uns das gleiche Zimmer partout für 75 Pfund andrehen. Diskussion unmöglich. Buche ich das Zimmer eben für ein Trinkgeld von einer Pizzeria aus. Leider hat sich der Typ von der Rezeption verkrümelt, als wir zurückkommen. Ein freundlicherer Kollege von der Bar checkt uns ein. Das Zimmer ist noch sehr gut bezahlt. Im Gegensatz zu den bisherigen Unterkünften, lässt sich mit Hilfe des Rasier-Steckers im Bad hier nichts von unseren Geräten laden.


Anglikanische Gemeindekirche St. John the Baptist, Thaxted
Gemeindekirche Johannes der Täufer, 14./15. Jh., Thaxted


Chris schiebt das Fahrradgepäck zum Aufzug im University Arms Hotel, CambridgeRadeln in Englands Fahrradhauptstadt
Freitag, 15. August 2014: Saffron Walden - Cambridge (29 km)

Auf ruhigen Nebenstraßen radeln wir im Tal nach Cambridge. Sehenswert nicht nur Colleges und Churches. Für englische Verhältnisse auch sensationell viel Fahrradverkehr (Fotos unten). Samt Fahrrad-Parkhaus. Fast die Hälfte der Cambridger fährt einmal die Woche Rad. Damit liegt die Uni-Stadt deutlich vor ihrem schärfsten englischen Konkurrenten, Oxford, wo etwa jeder Vierte einmal die Woche radelt. Zum Vergleich: In Münster nutzen 77 Prozent der Bevölkerung das Fahrrad täglich oder mehrmals pro Woche.
Die Kurzetappe reicht uns heute. Wir steigen im "University Arms Hotel" ab (Foto rechts).


Entrance Christ's College, South Court, St Andrew St, 1505-11, Cambridge
Portal Christ's College (1505-11)

Fahrräder in der St. Edward's Passage vor dem King's College, Cambridge
In der St. Edward's Passage vor dem King's College

Master's Lodge Clare College am River Cam, Cambridge
Auf dem River Cam beim Clare College


Spurbus (Busway) zwischen Cambrdige und St. Ives mit Miri on the BikeHochzeits-Lauf im kühlen Sommer
Samstag, 16. August 2014: Cambridge - St. Ives - Whittlesey - Spalding - Boston (115 km)

Bei der Touri-Info haben wir immerhin eine Fahrrad-Karte der näheren Umgebung von Cambridge ergattert. Ansonsten ist - auch im Buchhandel - Fehlanzeige. Die Karte allerdings weist die Route, die wir aus der Stadt nehmen, nicht als die NCN-Route 51 aus, als die sie aber in der Realität beschildert ist. Etwas außerhalb wechseln wir dann auf die auf der Karte ausgewiesene 51. Und siehe da: Sie verläuft am Rande einer Spurbusbahn (Foto links). Auf der Busse bis St. Ives rollen. Durch eine sehr schöne Seenlandschaft.
Viele Rennradler sind hier an diesem Samstagmorgen unterwegs. Aber auch sehr viele Busse. Bei Kings Ripton dreht unser Weg nach Norden und damit gewinnen wir ein bisschen Rückenwind für den Rest des Tages. Alles ist flach, auch Orte wie Upwood (mit einer schönen Pausen-Parkbank) und selbst "Ramsey Heights".
Hinter Whittlesey werden wir vor einem Hochzeits-Lauf gewarnt. Bald überholen wir tatsächlich eine winzige Läufergruppe, zu der zumindest die Braut zu gehören scheint, begleitet von einem Fahrradfahrer mit weißem Luftballon. Sie jubeln gerade über das Erreichen des höchsten Punktes ihres 10-km-Lauf: die Brücke über einen der vielen Kanäle. Kurz darauf wartet ein Verpflegungsstand mit doppelt so vielen Leuten.

Ruinen Crowland Abbey In Crowland stoßen wir auf die Reste einer bedeutenden Abtei, die zum Teil als Ruine dasteht (Foto rechts), zum Teil als Pfarrkirche genutzt wird. Hinter dem Ort beginnt der schönste Teil des heutigen Tages: auf dem westlichen Damm des Flusses Welland können wir einsam dahingleiten. Spalding hat zwar zahlreiche von uns herbeigesehnte Indian Take-Aways. Die sind allerdings am frühen Nachmittag alle geschlossen. Machen wir self-catering auf dem Holland-Market.
Trotz Rückenwind ereilen mich Müdigkeit und Erschöpfung. Ich raffe mich noch mal auf zu den letzten Kilometern nach Boston. Puritaner des Ortes gaben dem inzwischen etwas bekannteren gleichnamigen Ort in den Vereinigten Staaten seinen Namen. Obwohl noch einige Kilometer vom Meer entfernt, zeichnen sich die Gezeiten in den Flussadern rund um die Altstadt ab. Wir raffen uns auf zu einem abendlichen Spaziergang. Leicht bekleidete Girlies verwundern uns angesichts des anhaltend windigen, kühlen Wetters. Vor dem White Hart Hotel ist sogar ein Salsa-Abend mit Live-Musik im Freien. Die Engländer betrachten das Ganze hier offenbar als Sommer.


Lincolnshire: Chris on the Bike radelt am Deich bei Wrangle zwischen Boston und Skegness
Am Deich bei Wrangle zwischen Boston und Skegness


Auf der Strandpromenade von Sutton on SeaWindstill im Seashells
Sonntag, 17. August 2014: Boston - Skegness - Sutton on Sea (70 km)

Im Regen laufen wir zur großen anglikanischen Kirche St. Botolph mit noch größerem Turm. Um acht Uhr wird hier "Said Eucharist" gefeiert. Im Gegensatz zur "Sung Eucharist" um 10.30 Uhr erklingt hier kein einziger Ton. Nicht mal eine Predigt bringt die Pfarrerin zur Aufführung. Rund zehn ältere Menschen sitzen um einen Altar im rechten Seitenschiff.
Im Rahmen unseres Frühstücks reenacten wir im New England (!) Hotel eine Boston Tea Party. Neben zahlreichen "Cereals" und vegetarischem "Full English Breakfast". Als wir mit den Rädern in See stechen, scheint ein bischen die Sonne. Die Titelseite der lokalen Sonntagszeitung lässt uns in Verbindung mit dem sehr starken Westwind gen Osten nach Skegness rollen. Dort gibt's heute einen Karnevalsumzug. Der vor kurzem einem Hurricane zum Opfer fiel.
Das verdammt uns im Wesentlichen dazu, auf der A 52 zu fahren. Zweimal versuchen wir es mit kleineren Parallelstraßen, die sich im Gegensatz zum Kartenanblick nicht so wahnsinnig parallel zur A 52 verhalten. Beim ersten Mal geraten wir auf einen Weg jenseits des Damms (Fotos oben und ganz oben). Beim zweiten Mal zu einem schönen Pausenplatz im Zentrum von Wainfleet All Saints. Beide Eskapaden bedingen kurze Gegenwindpassagen, die mich schon an den Rand meiner immer noch von Schulter- und Kopfschmerzen geplagten Konstitution bringen.
In Skegness geraten wir in den sich gerade in Bewegung setzenden Karnevalsumzug. Eine Mischung aus Kinderspaß und Kommerz der lokalen Ferienindustrie. Und die erweist sich als überaus umtriebig. Der gesamte Strandbereich des Seebades wird dominiert von Riesen-Karussell, -Rutsche, -Wasserbahn etc. Vor der Kulisse einiger Heerscharen Windräder wenige Meter vor der Küste. Nach einer windigen Pause am Strand, die Miri nutzt, um zumindest mit den Füßen im Meer zu stehen, geht's nun weiter Richtung Norden am Meer entlang mit starkem Seitenwind.
Die kommerzielle Beach-Dominanz steigert sich hin zu Fantasy-Island, von der wir in der Ferne im Wesentlichen eine gigantomanische Achterbahn wahrnehmen. Nach 15 Kilometern führt die Straße wieder ans Meer, das nun richtige Dünen und einsame Strände hat. Bis wir bei Sandlands die Ausläufer des nächsten Touristen-Eldorados, Mablethorpe, erreichen. Kleine Holzhäuser säumen die Strandpromenade. Auf der man teils ganz gut Fahrrad fahren kann (Fotos links und unten). In Sutton on Sea das erlösende Schild: "Rooms available" bei Seashells. Ein schönes, kleines, neu eingerichtetes Zimmer. Windstill.


Strand-Holzhäuser auf der Promenade von Sutton on Sea am Morgen
Auf der Promenade von Sutton on Sea am Morgen


Rolling Hills bei Great LimberSchüttelfrost auf dem Weg zu Victoria
Montag, 18. August 2014: Sutton on Sea - Mablethorpe - (Kingston upon) Hull (102 km) - Zugfahrt - Scarborough

Der Tag scheint gut zu beginnen mit Full Vegetarian English Breakfast. Auf Wunsch bekomme ich Poached Eggs, die jüngst von meinem Patenkind Hannah nach einem Rezept von Jamie Oliver bei uns zu Hause realisiert wurden (wie bei YouTube zu sehen). Miri war natürlich vorher schon im Meer. Und weiß von Nordwind zu berichten. Kräftiger Gegenwind. Besonders da, wo wir unsere Tour starten: auf der Strandpromenade bis Mablethorpe. Dann drehen wir vom Strand ab und schlagen damit dem Wind ein kleines Schnippchen. Aber Wind und Wolken sind heute gegen uns. Die erste von drei ordentlichen Regenpausen verbringen wir bei einem Bauern unterm Vordach. Wir fahren nur Nebenstrecken und umgehen alle mittelgroßen Ortschaften (Fotos rechts). Quer rüber durch die Hügel der Lincolnshire Wolds (Fotos unten) zur unvermeidlichen Brücke über den River Humber.
Früher als erwartet stoßen wir mal wieder auf den Nordsee-Umrundungs-Radweg NCN 1. Sogar 33 Meilen (etwa 53 Kilometer) bis Hull sind angegeben. Die braucht der Weg, weil er sich bei Great Limber weigert, ein paar Kilometer die A 18 zu nutzen. Stattdessen führt er zurück nach Süden. Anfangs machen wir das Spiel mit. Als es zu dolle wird, drehen wir ab nach Norden auf einer weiterhin sehr schönen Nebenstrecke. Auf der uns der zweite Schauer erwischt. Räder und Ortlieb-Taschen werden gesäubert, wir halten uns unter einem schräg gewachsenen Baum halbwegs trocken.

Chris on the Bike auf der Brücke über den Humber River In der Ferne rauchen die Schornsteine von Kingston upon Hull, kurz Hull. "Hull is dull", sagt der Engländer. Aus der Ferne scheint sich das zu bestätigen. Auch die Anfahrt zur riesigen Humber-Bridge ist alles andere als lieblich. Der Fluss ist hier schon fast Meer. Die Hängebrücke verlangt uns 50 Höhenmeter ab (Foto links). Als wir die wieder verloren haben, kommt der nächste Schauer, den wir unter der immer noch nicht lieblichen Humber-Brücke verbringen. Von nun an geht's ganz nett durch Hessle nach Hull, auch wenn die Beschilderung das nicht immer verrät.
Wir kommen gerade rechtzeitig an der train station von Hull an, um den letzten Zug nach Scarborough nehmen zu können. Ein Nahverkehrszug von Northern Railway. Das Return-Ticket für zwei ist billiger als One-way einzeln. Nehmen wir das. Fahrrad koscht nix. Kaum sitzen wir im Zug, verschlechtert sich mein Zustand Minute um Minute. Meine Verdauung streikt oder streikt eben nicht seit dem Nachmittag. Und jetzt kommen Magenkrämpfe dazu. Und Schüttelfrost. Ich schlottere, was Arme und Beine hergeben. Übergebe mich und ähnliches auf der Bordtoilette. Starre stur nach vorne. Hoffe auf ein Ende dieser Fahrt. Das erst in Scarborough kommt. Schräg gegenüber auf dem Bahnhofsvorplatz ist ein Hotel. Sie haben ein Zimmer für uns. Victoria.


In den Lincolnshire Wolds
In den Lincolnshire Wolds


Skultpur 'The Diving Belle' und Leuchtturm in ScarboroughSalzstangen und Coca-Cola
Dienstag, 19. August 2014: Scarborough

Nach der wenig erquicklichen Nacht entspannt sich Miri bei gefühlten sechs Grad Lufttemperatur durch ein Bad in der Nordsee. Und kehrt als Scarborough-Fan an den Frühstückstisch im Hotel Victoria zurück. Ich bestücke mein Frühstück nur mit polnischen Salzstangen und 500 ml Coca-Cola aus dem nahe gelegenen polnischen Kioskladen. Die Kraft reicht, um aufs Rad mit Gepäck zu steigen. Die viel besungene "Scarborough Fair" existiert schon ein paar Jahrhunderte nicht mehr. Muss also auch nicht besichtigt werden. Weit komme ich heute sowieso nicht. Nach ein paar Metern durch die wirklich sehr schöne Südbucht und Nordbucht von Scarborough (Fotos rechts und unten) landen wir beim nächsten B & B. Ich muss warten, bis die Zimmer so weit sind. Sitze schlafend auf der Couch im Eingangsbereich. Am späten Nachmittag immerhin ein Spaziergang zum Strand.


Castle von Scarborough im Sonnenschein
Die Schlossruine von Scarborough

Steilküste im Norden von Scarborough
Steilküste im Norden von Scarborough


Ehemaliger Bahnhof (train station) von Staintondale an der RailTrail-Strecke Scarborough - WhitbyEpilog: RailTrail "Cinder Track"
Mittwoch, 20. August 2014: Scarborough - Whitby (40 km) - Zugfahrt - Darlington

Mir geht's besser, Miri geht ins Meer. Bei heute sehr viel wärmerem Wetter. Ich kaufe Coca-Cola und ergänze meine Salzstangen-Diät um Hafer-Kekse. Doch wir können nicht umhin, wenigstens noch ein Kleinod unseres ursprünglichen Restprogramms zwischen Hull und Edinburgh zu beradeln: den Cinder Track auf der ehemaligen Bahnstrecke zwischen Scarborough und Whitby (Foto links: ehemaliger Bahnhof von Staintondale). Hier identisch mit dem Nordsee-Umrundungs-Radweg NCN 1.
Die Sonne scheint weitgehend. Und viele Radler, Jogger und Spaziergänger sind hier und heute unterwegs. Obwohl es auch noch den Klippen-Wanderweg Cleveland Way gibt. Auch von der Radstrecke sieht man regelmäßig das Meer. Der RailTrail überschreitet zwar die üblichen drei Prozent Steigung nicht, er führt trotzdem auf rund 200 Meter über dem Meeresspiegel. Das ist der Punkt, wo ein winziger Abstecher zu den Klippen das Panorama von Robin Hood's Bay freigibt (Foto unten). Ein phantastisches Bild, das mich schon als Foto in unserem B & B für diese Strecke eingenommen hat.
Nun senkt sich der Zug-Radweg langsam wieder hinab. Er ist übrigens für deutsche Verhältnisse in miserablem Zustand. Nicht nur, dass manche Original-Holz-Schwellen noch quer zur Fahrbahn laufen und viele andere Schwellen-Restspuren zu überwinden sind: die schwarze Asche weist viele Spurrillen und Löcher auf. Vor allem im Schatten nur schwer zu sehen. Dennoch alles in allem ein wunderschöner Weg, auf dem es eben auch bergab nicht allzu schnell voran geht. Ich bin ja froh, dass ich überhaupt noch mal auf dieser Tour auf dem Rad sitzen kann. Auch wenn der Magen, zumal nach jeder leichten Nahrungsaufnahme, rumort.

Chris on the Bike auf dem Weg zur Whitby Abbey Auf die Fahrt über das hohe Viadukt des River Esk verzichten wir zugunsten einer direkten Anfahrt der Whitby Abbey. Eine riesige Ruine (Foto rechts; Video unten mit Musikern) die die Südseite des Flusses dominiert. Und am Rande die Jugendherberge von Whitby beherbergt. Die hat nur noch zwei Damen-Betten zu bieten. Ein Folk-Festival sei diese Woche und damit die busiest week in the year.
Als wir über die steile Rampe von der Abtei runter in den Ort schieben, drängen sich dort die Menschenmassen durch die engen Gassen. Und viele Gitarren- und Geigenspieler beleben die Pubs schon am Nachmittag. Nur Zimmer gibt es nicht. Zumindest keine freien.
Wir unternehmen alles mögliche. Erfolglos. Bleibt der Zug. Miri springt in der Wartezeit noch einmal ins Meer (Foto unten). Um 19.19 Uhr startet der letzte Zug heute nach Middlesbrough durchs North Yorkshire Moor. Ein Traum. Zumal bei Sonnenuntergang. Ein grünes Tal voller Wiesen, eingerahmt von knorrigen Bäumen und Heidelandschaft. Ideal für die nächste Radtour. Umsteigen in Middlesbrough. Auf nach Darlington. Hier fahren die Züge nach Edinburgh durch. Morgen...


Miri und der Blick auf die Robin Hood's Bay bei Ravenscar
Blick auf die Robin's Hood Bay bei Ravenscar


Musikanten vor Whitby Abbey

Miri im Meer bei Whitby
Miri im Meer bei Whitby


Train Station Darlington: EastCoast-Zug nach Edinburgh fährt einIn die Enge der Snoozebox
Donnerstag, 21. August 2014: Darlington - Zugfahrt - Edinburgh

Die Schnellzüge von EastCoast nach Edinburgh - und das sind offensichtlich die einzigen, die da hinfahren - haben Fahrradplätze. Die müssen vorher reserviert werden. Irgendwo steht was von 24 Stunden vorher. Irgendwoanders: möglich bis zur Abfahrt. Wir peilen den Zehn-Uhr-Zug an, sechs Minuten später fährt der nächste. Als wir um zehn vor zehn ankommen, queued eine ziemlich lange Schlange vor den beiden Ticket-Information-Schaltern. Sie schmilzt erstaunlicher Weise schneller dahin als Schnee in der Sahara. Schon stehe ich am Schalter. Zwei, drei Minuten vor dem Zehn-Uhr-Zug ist es dann doch nicht mehr möglich, Fahrradplätze zu reservieren. Aber für den Zehn-Uhr-sechs-Zug.
Nur bei der Zahlung gibt es Schwierigkeiten. Erstmals brauche ich auf dieser Reise den Pin-Code für meine Kreditkarte. Woher soll ich den wissen. Miri bringt das Pin-Code-Speichermedium aus meiner Lenkertasche. Funktioniert. So schnell, dass wir am Bahnsteig noch den winzig verspäteten Zehn-Uhr-Zug einfahrend erleben. Der hat (leere) Fahrradstellplätze im Zug. Die Bahnsteig-Bahnerin bittet uns aber für unseren Zug ganz ans Ende des Bahnsteigs (Foto links). Dort erscheint dann ein klassischer Gepäckwagen. Räder rein, festbinden, Gepäck rein, wir wieder raus, rein in den Erste-Klasse-Wagen. Dazwischen kommen noch zwei Radler, die ihre Räder ausladen wollen. Sechs Stellplätze bietet der Gepäckwagen, in dem sich auch einige Koffer stapeln.
Nicht zuletzt wegen der Fahrrad-Aktion hat der Zug nun auch wenige Minuten Verspätung. Mein Smartphone verkündet, dass wegen der (geringen) Verspätung Wifi heute kostenlos an Board von EastCoast sei. Und es funktioniert auch ganz anständig.

Miri & Chris on the Bike in Edinburgh Teils können wir vom Zug aus die Küste sehen und die potentiellen Fahrrad-Radwege. Die wir dann ein andermal in Angriff nehmen wollen (Was wir dann knapp ein Jahr später auch getan haben: Tour 73: Hull - Glasgow (644 km)). Edinburghs Hauptbahnhof Waverley verlassen wir nach vier Stockwerken Aufstieg: In der Ferne klingen Dudelsäcke, eine Armada von Doppeldeckerbussen schiebt sich voran, die Sonne scheint aufs Castle. Wir sind in Schottland (Foto rechts). Haben es auch nicht weit zu unserm Snoozebox-Hotel. Das erweist sich als eine Ansammlung von Containern auf einer Brachfläche. Die Rezeption befindet sich in einem Zelt. Einchecken können wir aber erst um 14 Uhr. Bis dahin packt Miri den Schlafsack aus, ich den Laptop. Dann Check-In. Im Container-"Zimmer" bleibt eine Grundfläche zum Stehen von geschätzt 80 mal 50 Zentimetern. Der Rest des Zimmers ist das Doppelbett und das Mini-Dusche-Bad. Sensationell klein. Und doch an vieles gedacht.
Zu dritt kann man hier sogar übernachten (nur nicht stehen oder sitzen). Oberhalb des Doppelbetts ist noch ein schmales Etagenbett. Edinburgh im August ist eine Top-Destination, ein Platz im zwölf-Bett-Hostel-Zimmer kostet 59 Pfund. Dafür bekommen wir hier das "Dreibett"-Zimmer...
Wir treffen Miriam, die hier studiert (Foto unten). Und uns exzellent durch das pralle Studenten- und Festivalleben der Stadt führt.



In der engen Snoozebox

Miriam und Chris
Miriam und Chris am Abend


Frühstück vor dem Snoozebox Hotel in Edinburgh Festival-Feeling
Freitag, 22. August 2014: Edinburgh

Die Container-Nacht war gut bis sehr gut. Jedenfalls schlafen wir endlos. Nur an der Tür sammelt sich relativ viel Feuchtigkeit. Der Regen ist mal wieder der Sonne gewichen und so können wir in der Brache-Container-Landschaft wunderbar draußen frühstücken. 24 Stunden kostenlosen Tee-Kaffee gibt es in der Snoozebox sowieso.

Vater und Tochter: Pamir-Highway-Radlerfamilie in Edinburgh Vor dem Castle treffen wir ein deutsches Fernradler-Paar mit Kleinkind, das hinten im Anhänger mitfährt (Foto rechts). Sie waren gerade auf dem Pamir-Highway in Tadjikistan und in Kirgistan, wo wir vor einem Jahr waren.
Die ganze Stadt ist pickepackevoll mit Künstlern, die an allen Ecken performen oder zu ihrer Performance einladen. Mit Miri und Miriam besuchen wir auch ein Lineup: fünf Comedians machen nacheinander zehn Minuten Programm und werben dabei zum Teil für ihre Komplett-Shows. Etwas ruhiger ist es auf dem Calton Hill (Foto unten). Nach Chinesisch und Indisch essen wir am Abend Japanisch.
Am späten Abend radeln wir dann raus zu unserm Airport-Hotel. Der letzte Schauer des Tages erwischt uns kurz vor dem Ziel. Die Wecker stellen wir auf 4.15 Uhr.


Castle Edinburgh
The Castle

Dudelsackspieler auf der High Street in Edinburgh
Obligatorischer Dudelsackspieler

Blick auf Newtown Edinburgh mit Hafen
Blick auf Newtown Edinburgh mit Hafen

Auf dem Calton Hill, Edinburgh: National Monument of Scotland
Schottisches Nationaldenkmal auf dem Calton Hill


Fahrrad und Fahrradkorb mit Ortlieb-Taschen eingepackt in Klarsichtfolie, Airport Edinburgh Wrapped Fahrradkorb
Samstag, 23. August 2014: Edinburgh - Flug - Bus - Mainz

Wie geplant erreichen wir um fünf Uhr den Flughafen. Abflug 6.40 Uhr. Ein bisschen knapp. Aber immer noch früh genug. Wir versuchen unser Glück wieder mit Frischhaltefolie. Die kommt nicht nur um die Räder. Sondern auch um den Fahrradkorb mit zwei Fahrradtaschen (Foto links). So haben wir Ryanair-kompatibel nur zwei Gepäckstücke aufzugeben - plus die Räder.
Ups, die Korb-Taschen-Kombination wiegt 16 Kilo, eigentlich ein Kilo zu viel. Aber die Dame am Schalter drückt alle Augen zu. Der Typ vor uns mit seinen 16 Kilos musste umpacken. Unsere Folien-Verpackung lässt sich nun aber praktisch auch nicht mehr öffnen. Auch nicht, als wir bei der Abgabe am Bulk-oversize-luggage-Schalter gefragt werden, ob Camping Gaz im Gepäck sei. Sicherheitshalber sagen wir nein.
Unsere vorerst letzte britische Schlange am Security Check ist ewig lang, bewegt sich aber schnell. Immerhin so schnell, dass wir fünf Minuten vor Abflug als letzte Passagiere die Gangway erklimmen, während unser wrapped Fahrradkorb auf dem Fließband ins Flugzeug-Innere trudelt. Made it.


13 Uhr: Salutschuss auf dem Castle von Edinburgh
13 Uhr: Salutschuss auf dem Castle von Edinburgh


Röntgenbild Schlüsselbeinbruch: laterale Klavikulafraktur Epilog

Die ganze Wahrheit: Schlüsselbein-Bruch
Dienstag, 26. August 2014: Beim Orthopäden in Mainz

Als die Schmerzmittel runtergefahren sind und die Schmerzen daraufhin steigen, gehe ich drei Tage nach der Rückkehr doch noch zum Orthopäden. Der lässt sicherheitshalber mal ein Röntgenbild machen. Was sie ja im State Hospital von Canterbury für überflüssig hielten. Siehe da (Röntgenbild-Detail rechts): das Schlüsselbein ist beim Sturz von Shepherdswell gebrochen: laterale Klavikulafraktur. Absolute Ruhe wird verordnet. Der Arm kommt in eine Schlaufe. Das wäre vor zwei Wochen noch besser gewesen...


MRT: subdurales Hämatom Die GANZE Wahrheit: Bluterguss im Kopf
Freitag, 2. Oktober 2014: Beim Radiologen in Mainz

Nach vielen Wochen mit anhaltenden Kopfschmerzen, Übelkeit und Besuchen beim Unfallchirurgen und Neurologen habe ich heute endlich einen MRT-Termin für den Kopf. Ergebnis auf dem Foto links zu sehen: ein Bluterguss der Hirnhaut (subdurales Hämatom). Mein Weg führt über den Neurologen direkt zum Neurochirurgen in der Uniklinik. Der meint, eine OP sei nicht notwendig. Es sei denn, das Hämatom ergreife in absehbarer Zeit mehr Raum im Hirn... Tut es aber nicht.


Route Ostende - Hull



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen

Etappen Ostende - Canterbury - Cambridge - Hull (10.-18.8.2014)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 10.8.2014 [Ostende] De Panne - Grenze B/F Dunkerque 26
2. 11.8.2014 Dunkerque Fähre = Grenze F/E - Dover Shepherdswell 37
3. 12.8.2014 Shepherdswell
4. 13.8.2014 Shepherdswell Canterbury Gillingham 72
5. 14.8.2014 Gillingham Gravesend - Fähre - Tilbury - Stansted Saffron Walden 112
6. 15.8.2014 Saffron Walden Cambridge 29
7. 16.8.2014 Cambridge St. Ives - Whittlesey - Spalding Boston 115
8. 17.8.2014 Boston Skegness Sutton on Sea 70
9. 18.8.2014 Sutton on Sea Mablethorpe Hull 102
Summe 563

Chris on the Bike
Chris on the Bike (Foto: Mirjam Müller)


Anschluss Tour 73: Hull - Glasgow (644 km) Juli 2015

Anschluss Tour 31: Paris - Hamburg (1100 km) Juli/Aug. 2006

Anschluss Tour 25: Nordsee: Brest - End to End - Mainz (4455 km) Aug./Sept. 2004


Nächste Tour: Mainz - Emmerich (416 km) Mai 2015

Vorherige Tour: Plettenberg - Rothenburg (467 km) Juli 2014


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Tour 48: Karakorum-Highway (1010 km) 2009
Karakorum 2009
Chris Tour 51: Khartum - Addis Abeba (1760 km) 2010
Äthiopien 2010
on the Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) 2011
Moldau 2011
Bike Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
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