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VG WORTTour 52: Richen - Füssen (670 km)


Chris on the Bike approaching Rothenburg ob der Tauber
Approaching Rothenburg ob der Tauber

Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Richen - Altmühl - Donau - Lech - Füssen (4.-11.4.2010)
An bayrischen Flüssen entlang zum Schloss Neuschwanstein

Nach dem langen Winter eine kühle, gleichwohl trockene Ostertour von Miri & Chris on the Bike durch den deutschen Süden. Kurz hinter Heidelberg vertrauen wir uns dem Kraichgau-Burgen-Radweg an, der uns bis auf die Höhen von Rothenburg ob der Tauber führt. Von dort führt der Altmühlweg ins Altmühltal, das ins Donautal mündet, von dem wir wiederum ins Lechtal radelten. Zuletzt auf der Romantischen Straße zum unromantischen Schloss Neuschwanstein.


Fahrrad verboten: Chris on the Bike in der City von HeilbronnMit Amaretto-Mandelmilch über rolling hills auf den Einkorn
Ostersonntag, 4. April 2010: Richen - Heilbronn - Schwäbisch-Hall (92 km)

Unsere Fahrkarte geht bis Eppingen, der Endstation der Heidelberger S-Bahn. Wir steigen eine Station früher aus: in Richen. Der Bahnhof liegt fast direkt am Kraichgau-Burgen-Radweg, dessen 195 Kilometer wir fast komplett beradeln.
Rolling hills sind das Motto bis Heilbronn. Zuletzt hat man einige Alternativen zum Kraichgau-Burgen-Radweg. Wir wählen eine etwas kürzere (weniger gut beschilderte) Strecke und verbringen ein paar Minuten auf der Hauptstraße durch Heilbronn-Böckingen.
Schön wird Heilbronn ab dem Hauptbahnhof. Wir halten uns in der Fußgängerzone (Foto rechts) an der Bahnstrecke, bis der Weg im Schwung über die Höhe nach Weinsberg führt. Richtig schön. Und die Route bleibt schön. Hügelig nach Hohenlohe. Öhringen ist am Sonntagnachmittag noch etwas winterlich verschlossen. Die schönen Plätze bleiben ungenutzt. Ein Eiscafe soll uns mit heißer Amaretto-Mandelmilch und Schokolade wärmen.

Disce Mori (Lerne zu sterben): Regenpause unter dem Vordach der Evangelischen Stadtkirche von Neuenstein, erbaut von Georg KernAm imposanten Schloss von Neuenstein ereilt uns ein Regenschauer, den wir im Schatten des Regenbogens unter dem Vordach der Evangelischen Stadtkirche abwarten (Foto links). Der Radweg umgeht die von bizarren Wolkenformationen umgebene Höhe von Waldenburg (Foto unten).
Wir verabschieden uns vorübergehend vom Kraichgau-Burgen-Radweg für einen Abstecher nach Schwäbisch-Hall. Der ist leider nicht beschildert. Neubau von Brücken und Straßen machen das Ganze zusätzlich unübersichtlich. Die einbrechende Dämmerung tut das ihre. Aber Schwäbisch-Hall ist nicht zu verfehlen im Kochertal, das wir aber verlassen, um durch den Stadtteil Hessental auf den Hausberg, den Einkorn, vorzudringen.
An einer verrauchten Milieu-Spielhölle vorbei führt die Einkorn-Straße. Die wir etwas voreilig auf der Einkorn-Allee verlassen. Die sich bald in einen steil bergauf führenden Wanderweg verwandelt. Schieben wir bei inzwischen 6 Grad durch den dunklen Wald auf die 512 m hohe Bergspitze. Umso wärmer ist der Empfang durch den Dilger-Clan im Einkorn-Hostel.


Wolken im Sonnenuntergang über Waldenburg am Kraichgau-Burgen-Radweg
Wolken im Sonnenuntergang über Waldenburg


Chris on the Bike im Kochertal bei BraunsbachKocher, Jagst und ein Naturtraum
Ostermontag, 5. April 2010: Schwäbisch-Hall - Braunsbach - Schrozberg (62 km)

Auch heute geht ein schöner Ostergottesdienst dem Radtürle voran. Und Hartmuts runde Geburtstagsfeier voller Erinnerungen an unsere gemeinsame Santiago-Tour 1987. Dann stürzen wir uns am späten Nachmittag bergab ins Kochertal, das in weiten Schwüngen bis Braunsbach führt. Solidarisch mit dem Kocher-Jagst-Weg klettern wir rund 200 Höhenmeter, um ins Jagst-Tal zu kommen. Den Kraichgau-Burgen-Radweg - hier vereint mit dem Paneuropa- und Hohenloher Radweg - beiseite lassend, drehen wir einen Bogen um Langenburg, können aber den auf der Radkarte abgebildeten Shortcut hinter dem Ortsende zurück auf den Radhighway nicht in der Realität entdecken. Wir entscheiden uns, weiter den Bächen folgend, für einen Schlenker über Eberbach ins Rötelbachtal. Gute Entscheidung. Denn dieses Tal mit seinem leicht bergan führenden Radweg ist, selbst wenn die letzten Kilometer nicht asphaltiert sind, ein Naturtraum. Nicht nur der zwei Rehe wegen, die vor uns Reißaus nehmen.
Am Ende steht die Hertensteiner Mühle, unser ersehntes Quartier pünktlich zum Dämmerende um halb neun. Doch die Wirtin hat die Zimmer nicht gemacht, hat morgen Ruhetag und bittet uns, weiterzuziehen. Was wir nolens volens in die stetig kälter werdende Nacht tun. Vor der Mühle haben wohlmeinende Pädagogen ein Schild aufgestellt, das 19 Kilometer Radfahrweg bis Schrozberg ankündigt. Tatsächlich ist die Strecke halb so lang. Die Freude darüber wird etwas kompensiert durch die auf vier, drei Grad sinkende Temperatur. Dann sinkt trotz exzellenten Sternenhimmels im vermeintlichen Zielort die Stimmung, denn die auf der Karte am Ortseingang vermerkten Gasthäuser mit Übernachtung sind längst außer Dienst.
Mehr zufällig werden wir auf das auf der Ortseingang-Karte nicht erwähnte "Gästehaus im Tal" aufmerksam. Bei inzwischen 2 Grad Celsius telefonieren wir die Dame herbei, die das ehemalige Krankenhaus betreut, das jetzt Santiago-Fußpilgern und Fahrradfahrern als Übernachtungsstätte dient. Die Dusche läuft heiß. Wir werden langsam warm. Wieder hat die Nachmittags-Tour bis 22 Uhr gedauert.


Fachwerkwelt von Schwäbisch-Hall
Die Fachwerkwelt von Schwäbisch-Hall


Spitaltor von Rothenburg ob der TauberJogging wegen Knieschmerzen im Taubertal
Diestag, 6. April 2010: Schrozberg - Rothenburg ob der Tauber (23 km)

Der Weg hält sich schön auf der Höhe. Teils ungeteert aber sehr eben durch den Wald. Dann sinkt die Straße ins Taubertal. Unten blicken die Augen hinauf nach Rothenburg. Verlockend ist der direkte Aufstieg links herum. Der Radweg führt erst im Taubertal um die Stadt herum und dann auf einer langen Rampe mit rund sechs Prozent Steigung bergan zum Spitaltor (Foto rechts). Hier begegnen uns zwei Asiatinnen. Einige Touristen bevölkern Rothenburg am Osterdienstag, aber Touri-Läden, -Bars und -Restaurants sind in der Überzahl. Nach einem Spontan-Konzert eines amerikanischen Chors mit Jesus-Liedern verziehen wir uns zur Jakobs-Kirche. Ein Café bietet eine prächtige Sicht auf die Kirche. Noch schöner ist das Innere, vor allem der Riemenschneider-Altar mit seinem Blutbild.
Miris Knie muckt immer mehr. Wir beschließen, in Rothenburg zu bleiben. Finden ein geniales Hotelzimmer mit Blick ins Taubertal. In dessen Lieblichkeit steige ich zu einer Joggingrunde herab. Komme so zum Riemenschneider-Altar von Detwang. Zwei Männer spendieren mir ein Euro Eintrittsgeld, da ich Geld- und Ausweis-frei jogge. Ein paar Kilometer laufe ich weiter Tauberabwärts und zurück, schließlich die 80 Höhenmeter vom Tal hinauf ins Städtchen. Ein Rundgang auf der Stadtmauer rundet unsere Aktivitäten ab, bevor wir uns zur Spezialität "Schneeball" auf dem geschützten Balkon eines Cafés in der prallen Abendsonne der Reiselektüre zuwenden.


Erzengel und der gekreuzigte Jesus am Tilman Riemenschneider Altar in der St.-Jakobs-Kirche von Rothenburg ob der Tauber
Tilman Riemenschneider Altar
St.-Jakobs-Kirche Rothenburg ob der Tauber
Spätgotische St.-Jakobs-Kirche
Adam an der Außenfassade der St.-Jakobs-Kirche in Rothenburg ob der Tauber
Adam an der Außenfassade

Brunnen in der Herrngasse mit Osterschmuck, Rothenburg ob der Tauber
Brunnen mit Osterschmuck
Blick vom Burggarten auf die Skyline von Rothenburg ob der Tauber
Blick vom Burggarten
Burgtor vom Burggarten aus gesehen, Rothenburg ob der Tauber
Tor zum Burggarten

Auf der Stadtmauer von Rothenburg ob der Tauber
Stadtmauer
Erkerfenster in Rothenburg ob der Tauber
Erkerfenster
Marktplatz zur Blauen Stunde, Rothenburg ob der Tauber
Marktplatz zur Blauen Stunde

Mit Cayenne-Pfeffer ins Altmühltal
Mittwoch, 7. April 2010: Rothenburg ob der Tauber - Treuchtlingen (93 km)

Miris Knie bekommt am Morgen eine Bandage, Diclofenac von außen und innen, hyperämisierende (Wirkstoff Cayenne-Pfeffer) ABC-Wärme-Creme zur lokalen Schmerz-Therapie. All das wirkt. Miri kann wieder richtig strampeln. Und es gibt gleich ein paar Höhenmeter. Schließlich wollen wir vom Tauber- ins Altmühl-Tal. Die Straße bleibt unter der 500-Meter-Marke. Hinderlich ist der Ostwind, der uns sonniges, klares, kaltes Wetter aber auch Gegenwind beschert.
Chris on the Bike am AltmühlseeDas Altmühl-Tal ist zunächst kein rechtes Tal. Meist lässt sich nicht mal erkennen, in welche Richtung die Altmühl fließt. Noch häufiger kann man die Altmühl gar nicht sehen. Auch von den größeren Ortschaften Colmberg, Herrieden, Gunzenhausen nehmen wir nur aus der Ferne Notiz. Da wir zwar zahlreiche Straßenkarten aber keinen Führer im Gepäck haben, erfahren wir auch nicht, welche Highlights wir in den Orten verpassen.
Die Route führt durch Leutershausen, wo wir in der Bäckerei Beck mit seinem Hintertheken-Café Station machen. Die "Chefin" des Ein-Frau-Betriebes meint mitfühlend: "Ich bin auch schon 28, da will man nicht mehr so ins Ausland reisen. Wir bleiben auch lieber in Deutschland." Das lasse ich unkommentiert. Ich bin ja auch keine 28 mehr.
In der unspektakulären Landschaft ist der Altmühlsee ein kleines Highlight. Hier ist auch schon einiges los, schließlich ist das Thermometer auf 20 Grad gestiegen.
Der "Altmühlweg" mutiert in Gunzenhausen zum "Altmühltal-Radweg". Das Tal verdichtet sich zum Zielort Treuchtlingen hin. Wo wir den Tag in der Altmühltherme ausklingen lassen. Miri ist am girls only day in der Sauna willkommen, während ich zuletzt ganz allein meine Runden im Schwimmbecken ziehe.


Burg von Pappenheim im Altmühltal
Burg von Pappenheim


Bayrischer Radler auf dem Altmühltal-RadwegFrühstück mit Bier auf schwimmendem Biergarten in der AltmühlAltmühltal: Radweg und Natur in perfekter Ergänzung
Donnerstag, 8. April 2010: Treuchtlingen - Eichstätt - Riedenburg (118 km)

Heute nun das große Hochamt des Altmühltal-Radwegs. Jetzt ist er endlich das, was er ist. Eingerahmt von Jura-Felsen und gesäumt von rund hundert Meter hohen Waldrücken, sich stetig windend zwischen dem Gestein, meist ein solider flacher Talboden, bestens beschildert, asphaltiert oder auf festem Grund. Kurzum, ein Radweg, wie er sein soll und wie er doch nur sein kann, wenn die Natur das Ihre dazu gibt: heute wolkenlose Sonne und angenehmen Nord-West-Wind.
Die Burg von Pappenheim (Foto oben) bekommen wir von allen Seiten zu sehen. Ein paar Bayern stochern auf einem schwimmenden Biergarten in der Altmühl. Frühstück mit Bier. Und Kaffee. Darauf legen sie wert. (Foto rechts). Während ein Landsmann mit Filzhut vor uns auf dem Altmühltal-Radweg unterwegs ist (Foto links).
Eichstätt ist gewissermaßen die Hauptstadt des Altmühltals. Von katholischen Kirchen geschwängert. Da wir uns in Jerusalem kennengelernt haben, darf ein Besuch an der ältesten Heilig-Grab-Darstellung Deutschlands in der Kapuzinerkirche nicht fehlen. Ein Geistlicher erklärt einer Gruppe merkwürdige Phänomene im Umfeld vom Schweißtuch der Veronika. Wir machen uns davon zur glanzvollen neuen Zentralbibliothek der katholischen Universität Eichstätt. Und sind schon wieder auf dem Altmühltal-Radweg.


Einfahrt in Eichstätt
Einfahrt in Eichstätt
Dom von Eichstätt mit Kreuzgang
Dom von Eichstätt mit Kreuzgang
Domplatz in Eichstätt mit Marienstatue
Domplatz in Eichstätt mit Marienstatue

Miri on the Bike
Miri
Kreuzgang im Dom von Eichstätt
Kreuzgang im Dom von Eichstätt
Neue Zentralbibliothek der Katholischen Universität Eichstätt
Neue Zentralbibliothek der Katholischen Universität Eichstätt

ArnsbergKipfenbergSchöne Burgen liegen auf den Höhen: Arnsberg (Foto links), Kipfenberg (Foto rechts). Miris Knie macht sich wieder bemerkbar. Gegen Abend etwas weniger. Da wird aus der Altmühl ein großer Fluss, besser gesagt der Main-Donau-Kanal. Auf Radreise-Wiki heißt es "Dietfurt: Von hier an verläuft der Kanal auf der einst idyllischen Altmühl. Trauriges Beispiel einer gigantischen Naturzerstörung." Der Radtourist bemerkt es zu Anfang kaum. Er wird von Dietfurt aus in einem Bogen um den Wolfsberg herumgeführt. Wo dann ein paar Alt-Arme der Altmühl noch recht romantisch aussehen. Nur die Riesenpötte, die plötzlich im stillen Wasser dahintuckern, wirken befremdlich. Bis sich der Ausbau der Altmühl in seiner ganzen grotesken Breite und Weite offenbart.
Da sind wir schon am Tagesziel Riedenburg. Ein winziges Städtchen, das uns richtig gut gefällt.


Miri on the Bike auf dem Altmühltal-Radweg vor Eichstätt
Miri auf dem Altmühltal-Radweg vor Eichstätt


Bikes im Wald bei WeltenburgDie enttäuschende Mutter aller Radwege
Freitag, 9. April 2010: Riedenburg - Kelheim - Ingolstadt - Neuburg an der Donau (94 km)

Breit fließt die Altmühl der Mündung in die Donau entgegen. Die Kilometerzählung bestimmt inzwischen der Main-Donau-Kanal. In Kelheim verlieren wir den bis dato hervorragend beschilderten Altmühltal-Radweg aus den Augen. Eine Verzahnung von Altmühl- und Donau-Radweg ist nicht zu erkennen. Wie auch: der Donau-Durchbruch durchbricht auch seinen Radweg.
Auf der südlichen Donau-Seite klärt uns ein Fahrlehrer, der um seine Motorrad-Kandidaten fürchtet, die orangene Verkehrshüte umschiffen, ein wenig über unsere vermeintlichen Alternativen auf: Über die Höhen auf dem Waldweg oder der Straße auf dieser Seite oder mit der halbstündig fahrenden Fähre durch den Donau-Durchbruch zum Kloster Weltenburg.
Zurück auf der Nordseite ist die Elf-Uhr-Fähre nur von hinten zu sehen, die nächste Fähre fährt erst um 12.30 Uhr. Ein Wanderzeichen lockt uns auf den Uferweg Richtung Weltenburg, auf dem wir bald die Fähre überholen. Als der Uferweg nach der Hälfte der Strecke vor Felsen endet und in die Höhen steigt, ist plötzlich ein Fahrrad-Wegzeichen dabei. Steigung und Walduntergrund machen Radfahren kaum möglich. 80, 90 Höhenmeter geht es steil bergauf. Dann hält sich der Weg auf der Höhe. Der Radweg führt auf schnellstem Wege wieder bergab, aber der Wanderweg führt über die Klippen oberhalb des Donau-Durchbruchs.
Den Blick auf den Donau-Durchbruch samt der Elf-Uhr-Fähre gönnen wir uns. Auch wenn der Abstieg über viele Stufen führt. Am Ufer jenseits der Weltenburger Enge setzt gerade ein kleines Boot Wanderer ab. Wir können mit auf die Klosterseite.
Das Kloster ist naturgemäß von Donaufluten bedroht, was einen Pater im Film des Info-Zentrums an Gottes Gerechtigkeit zweifeln lässt. Das größere Wunder ist die barocke Gesamtwirkung des Baus der Brüder Cosmas Damian Asam (1686–1739) und Egid Quirin Asam (1692–1750). Eine Kirche aus einem genialen Guss.


Donau-Durchbruch bei Weltenburg
Donau-Durchbruch bei Weltenburg
Deckengemälde von Asam in der Klosterkirche von Weltenburg
Deckengemälde von Asam in Weltenburg
Fähre bei Weltenburg mit Miri
Fähre bei Weltenburg mit Miri

Unsere Erwartung an den Donau-Radweg als Mutter aller Radwege ist groß. Die Enttäuschung donau-aufwärts hinter Weltenburg umso größer. Zunächst führt der Weg vom Fluss weg in die Höhen. Was noch ganz schön ist. Doch in Bad Gögging und Neustadt an der Donau führt der Weg ein Schattendasein. Ist schlecht beschildert. Oft ist unklar, ob er auf der Fahrbahn oder den schmalen, teils mit Kopfstein zugepflasterten Bürgersteigen verläuft. Lieblos geht es um beliebig viele Ecken durch die Ortschaften.
Nach der Donau-Überquerung hält er sich ein paar Kilometer am Damm. Allerdings auf einem schlechten Nebenweg, der sich alle paar Meter auf die Höhe des Damms schwingt, auf der gerade die Krone erneuert wird. In Pförring verlieren wir völlig unseren Glauben an den Donau-Radweg. Um endlose Ecken wird der Radler scheinbar willkürlich gezerrt, dann haben wir ihn wieder verloren. Nehmen den direkten Weg über kleine Straßen und finden bei Dünzing wieder gelegentlich Donau-Radweg-Zeichen.
Zurück auf der Süd-Seite lässt sich ab Vohburg ganz gut fahren. Bevor direkt nach Rückkehr auf die Nordseite bei Kleinmehring der offizielle Weg einen völlig unnötigen Schlenker am Ortsrand entlang macht, während man schlicht und sehr gut auf dem Damm fahren kann. Leicht genervt erreichen wir Ingolstadt. In einer Buchhandlung versuche ich Klarheit über die kommenden Kilometer zu bekommen. Schließlich kaufe ich den bikeline-Führer Donau-Radweg Teil 1. Nur dank genauen Studiums der topographischen Karten weiß ich, dass wir die ganze Strecke bis Neuburg direkt am Nordufer der Donau fahren können. Ein wunderschöner Weg (Foto unten). Aber weder mit bikeline noch mit dem offiziellen Donau-Radweg-Zeichen zu finden.
Das monumentale Schloss und die angelehnte Altstadt nehmen uns für Neuburg ein, wo wir auch sofort ein schönes Zimmer finden. Im Gasthaus zur Blauben Traube stehen uns alle neun Zimmer zur Besichtigung offen, wir entscheiden uns für Nummer 8.


Radfahren auf dem Donau-Deich bei Josberg, Bayern
Abendstimmung auf dem Donau-Deich bei Josberg


Blick auf Alte Bibliothek in der Altstadt von Neuburg an der Donau, Bayern Romantische Wege an der Romantischen Straße
Samstag, 10. April 2010: Neuburg an der Donau - Marxheim - Augsburg - Landsberg am Lech (111 km)

Das Gasthaus zur Blauen Traube bietet einen tollen Blick (Foto rechts), aber kein Frühstück. Miri hat einen Bäcker mit Buffet und Pauschalpreis entdeckt. Tatsächlich gibt es für 3,95 Euro ein sehr liebevoll zusammengestelltes und gepflegtes Frühstück. Die Besichtigung des ersten nach der Reformation gebauten protestantischen Gotteshauses im Schloss von Neuburg fällt recht knapp aus. Es ist kühl.
Wir radeln auf der nördlichen Donau-Seite. Und zwar fast immer direkt auf oder am Damm. Viel öfter, als es Führer und Karten möglich scheinen lassen. Teils urige Wege vorbei an im Wasser stehenden Gräsern und Bäumen. Ein Donau-Idyll abseits des kanalisierten Flusslaufs (Foto unten).
An der Brücke bei Marxheim müssen wir uns entscheiden. Weiter im leichten Gegenwind Donau-aufwärts oder mit Rückenwind den Lech hinauf. Wir folgen dem Wind. Für ein paar Meter auf der Landstraße. Wo nach den abgelegenen Donau-Wegen der Stress durch Autos und LKW besonders fühlbar ist.

Zerfetztes Schutzblech am FahrradDoch bald radeln wir an dem Lech ebenso nett wie an der Donau. Romantische Straße nennt sich das. Und die hat auch einen Radweg-Bruder, den "Radweg Romantische Straße". Der häufig gerade nicht auf der Straße sondern auf Uferwegen verläuft. Was wiederum sehr romantisch ist. Nur nicht in dem Moment, als ein herumliegender Zweig mein Schutzblech zerfetzt (Foto links).
Jenseits unserer bisherigen Erdkunde-Erkenntnisse fließt der Lech durch Augsburg. In der Innenstadt suchen wir Zuflucht vor dem Wind bei McDonald’s. In den wir Lebensmittel aus den umliegenden Pizza to go und Bäckereien importieren.
Das Wetter lädt nicht recht zum Verweilen. Aber es ist schön genug, um auf Waldpfaden mal näher mal nicht so nah am Lech entlang in den Süden zu strampeln. Es geht nicht ganz so schnell voran. So sind wir in Landsberg nach 111 Kilometern reif für Rast. Finden im Hotel mit dem nicht übermäßig politisch korrekten Namen „Zum Mohren“ - glücklicher Weise ausländisch geführt - eine Bleibe. Und gehen zur blauen Stunde zu dem netten „Bürgerbahnhof“, um verschiedene Rückfahroptionen zu recherchieren.


Seitenarm der Donau bei Stepperg, Bayern
Seitenarm der Donau bei Stepperg


Neuschwanstein: Der enttäuschende Held der Puzzle-Welt
Sonntag, 11. April 2010: Landsberg am Lech - Schloss Neuschwanstein - Füssen (77 km)

Am Morgen noch ein kleiner Schlussspurt zum Schloss Neuschwanstein. Miri legt einen Ruhetag ein. Mich zieht's zum Ziel der Romantischen Straße. Etwas unromantisch wähle ich die Bundesstraße 17 als Hauptroute. Das allerdings ist eben die "Romantische Straße", wie auf Deutsch und Chinesisch und/oder Japanisch alle paar Kilometer zu lesen ist. Sie hat die ersten 15 Kilometer hinter Landsberg auch einen sehr guten Radweg zur linken Seite. Null Grad. Die Luft klar und frisch. Einige Bewölkung. Der Verkehr am frühen Sonntagmorgen so gering, dass sich auch nach Ende des Radwegs angenehm radeln lässt.
Nach 30 Kilometern ist es in Schongau immer noch null Grad. Meine Füße haben etwa die selbe Temperatur. Beim Lidl-Bäcker-Frühstück fallen mir die Überschuhe ein. Genau das richtige, um die Füße nicht dem Frost zu überlassen. Eigentlich sind sie gegen Regen gedacht. Gegen Kälte wirken sie mindestens genauso gut.
In Schongau glaube ich, auf der Karte einen schönen Radweg-Shortcut direkt am Lech entdeckt zu haben. Allerdings führt der mich kurzfristig in eine Kraftwerks-Sackgasse, mittelfristig auf eine Staumauer und langfristig auf einen schmalen Wanderweg der Marke Wurzelwucht. Ich holpere über den Waldboden. Es ist natürlich unglaublich schön. Aber average speed und Zeitplan geraten ins Hintertreffen. Und ich bin froh, als ich auf die Umgehungsstraße stoße, auf die ich mich durch einen Zaun zurückschleichen kann.
Dann fliegen die Kilometer im Pfaffenwinkel dahin. Auch wenn es insgesamt ein paar hundert Meter aufwärts geht. Dafür enthüllt sich langsam das Alpenbergpanorama. Hier und da blickt die Sonne durch. Die Wiesen lassen trotz sattem Grün keine Frühlingsgefühle aufkommen.
Neuschwanstein thront am Bergmassiv Schloss Neuschwanstein ist wider Erwarten schon auf Kilometer hin sichtbar. Liegt auf Viertelhöhe am erstbesten Bergmassiv (Foto links). Die Schilder führen nur Richtung "Königsschlösser". Denn Neuschwanstein hat noch eine Schwester, Hohenschwangau, die sich auch über Besuche freut.
Ein Wanderweg lockt mich erst in die Schlucht ums Schloss. Doch angesichts der am späten Vormittag doch schon recht bevölkerten Umgebung des Schlosses erfahre ich, dass es mit dem Fahrrad nur über den Hauptweg am Ticket Verkauf vorbei hinaufgeht.
Zum Raufradeln braucht man kein Ticket. So veranstalte ich mein ganz persönliches Neuschwanstein-Bergfahren. Auf 840 Metern starte ich. 1.600 Meter weiter, 150 Meter höher und zwölfeinhalb Minuten später rolle ich durchs Burgtor. Russische, japanische, chinesische, amerikanische Touristen in Kutschen und zu Fuß hinter mir lassend.
Ich bin: maßlos enttäuscht. Das Schloss hat auf mich keinerlei Ausstrahlung. Ein neoromanisches Bauwerk ohne jegliche Originalität, nicht historisch gewachsen. Ein glanzloses Abbild all der verkitschten Fotos, denen niemand entgeht. Der Held der Puzzle-Welt, Lieblings-Ziel der ausländischen Touristen: eine einzige Enttäuschung. Da mag es drinnen wie auch immer sein. Ich kann dem 150 Jahre alten Bauwerk nichts abgewinnen. Kein Foto mag mir so recht gelingen.
Ich lasse mich den Berg hinunter. Rolle die letzten fünf Kilometer nach Füssen. Das mit seiner Burg und Stadtmauer vor See mehr Charme hat (Foto unten) als Ludiwgs majestätisches Schloss. Ich steige gleich in den Zug, um mich in Augsburg wieder mit Miri zu vereinen. In einem Eurocity, der für unsere nicht reservierten Räder eigentlich keine Stellplätze mehr hat. Und auf einer Seite eine defekte Tür. Der sehr freundliche Schaffner regelt aber all das unaufgeregt.


Blick auf See, Burg und Altstadt von Füssen
Blick auf See, Burg und Altstadt von Füssen


Route Richen - Füssen



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen

Etappen Richen - Altmühl - Donau - Lech - Füssen (4.-11.4.2010)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 4.4.2010 Richen Heilbronn Schwäbisch-Hall 92
2. 5.4.2010 Schwäbisch-Hall Braunsbach Schrozberg 62
3. 6.4.2010 Schrozberg Rothenburg o.d.T. 23
4. 7.4.2010 Rothenburg o.d.T. Treuchtlingen 93
5. 8.4.2010 Treuchtlingen Eichstätt Riedenburg 118
6. 9.4.2010 Riedenburg Kelheim - Ingolstadt Neuburg a.d.D. 94
7. 10.4.2010 Neuburg a.d.D. Marxheim - Augsburg Landsberg a.L. 111
8. 11.4.2010 Landsberg a.L. Neuschwanstein Füssen 77
Summe 670

Miri blickt auf den Donau-Durchbruch bei Weltenburg
Miri blickt auf den Donau-Durchbruch bei Weltenburg


Anschluss Tour 78: Mainz - Jagst - Kocher (528 km) Mai 2016

Anschluss Tour 70: Plettenberg - Rothenburg (467 km) Juli 2014

Anschluss Tour 66: Bamberg - Neckarelz (856 km) Sept./Okt. 2013

Anschluss Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) Aug./Sept. 2011

Anschluss Tour 7: Mainz - Ravensburg (370 km) April 1999


Nächste Tour: Jerewan - Noworossijsk (1460 km) Aug. 2010

Vorherige Tour: Khartum - Addis Abeba (1760 km) März 2010


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Tour 48: Karakorum-Highway (1010 km) 2009
Karakorum 2009
Chris Tour 51: Khartum - Addis Abeba (1760 km) 2010
Äthiopien 2010
on the Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) 2011
Moldau 2011
Bike Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
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