CHRIS & EAPPI
Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel (EAPPI) Dec. 2004 - Feb. 2005


Chronik
Donnerstag, 9. Dez. 2004
117 Olivenbäume ausgerissen


beobachtet und dokumentiert vom Ökumenischen Begleiter Christoph Gocke


Höhere Auflösung der Fotos bei Bedarf gern bei mir per Mail anfordern.
Alle Fotos sind frei zur weiteren Verbreitung und Veröffentlichung.
Bitte mit Angabe des Fotografen "Christoph Gocke (EAPPI)".


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Teil 1: Am Morgen


8:57 h: Der Ökumenische Begleiter Christoph Gocke wirft einen Blick auf die Arbeiten im Steinbruch, der von der Firma "Leader" ausgebeutet wird. Rechter Hand hinter dem Steinbruch begannen Bulldozer vor ein paar Tagen die Oberfläche zu planieren für eine neue Siedlung, die als eine Erweiterung der bestehenden Siedlung Zufim bezeichnet wird. Der Steinbruch ist umgeben von Feldern der palästinensischen Fellachen, hauptsächlich aus dem Ort Jayyous. Die Fellachen sind von ihrem Land durch den neuen Zaun getrennt. Sie müssen durch ein Tor, das vier Mal am Tag für eine Stunde von israelischen Soldaten geöffnet wird. Viele Fellachen und Landarbeiter bekommen jedoch nicht den notwendigen Passierschein. Mitten im Steinbruch ist ein massiver Felsblock ausgelassen worden, offenbar der Olivenhain zweier Brüder der Familie Salim aus Jayyous.


8:59 h: Zusätzlich zu den beiden Bulldozern, die schon ein paar Tage hier arbeiten, entdeckt Christoph Gocke einen Bagger. Es ist nicht genau zu erkennen aus der Entfernung, aber offensichtlich werden damit Olivenbäume ausgerissen.


9:33 h: Der Ökumenische Begleiter erreicht den Olivenhain in Begleitung des schwedischen Fotografen Donald Bostroem und des Israeli Eran Brin, die zufällig hier sind anlässlich einer Hilfsaktion für die palästinensische Oliven-Ernte an den Hängen der bestehenden Siedlung Zufim. Die drei dokumentieren das Entwurzeln der Olivenbäume mit ihren Kameras. Zu diesem Zeitpunkt sind etwa 20 Olivenbäume ausgerissen.


10:00 h: Christoph Gocke bleibt allein vor Ort, bewacht und bedroht von zwei bewaffneten Siedlern, die erzählen, sie kämen aus dem Jordantal. Der Caterpillar-Bagger CAT 330B reißt einen Olivenbaum nach dem andern aus. Der Ökumenische Begleiter informiert die EAPPI-Koordinatorin in Jerusalem, die verschiedene Friedensgruppen und andere Institutionen kontaktiert, die sich mit solchen Ereignissen beschäftigen. Über verschiedene Wege versuchen sie Widerstand gegen die Entwurzelungen in Jayyous zu organisieren. Christoph Gocke informiert auch die Menschen in Jayyous, die solange nicht vor Ort kommen können bis das Tor im Zaun um halb eins ein weiteres Mal geöffnet wird. Die Bewohner sagen, dass aus Angst vor den bewaffneten Soldaten kaum jemand kommen werde. Eine Wache des Steinbruchs erzählt dem Ökumenischen Begleiter, dass hier innerhalb von vier Jahren eine neue Siedlung mit “700 Wohneinheiten” gebaut werde. Er bietet dem Ökumenischen Begleiter an, einige der Olivenbäume zu kaufen.


11:26 h: Ein Bulldozer kommt vom Steinbruch und planiert den Weg über die Löcher, wo Minuten zuvor noch Olivenbäume standen. So kann der Bagger wieder an die östliche Seite des Felsplateaus rollen, um die nächste Reihe Bäume auszureißen. Christoph Gocke zählt rund 80 Bäume, die bis zu diesem Zeitpunkt ausgerissen wurden, einige davon für immer zerstört.


11:58 h: Der erste Olivenbaum wird auf einen Laster geladen. Der Fahrer erzählt dem Ökumenischen Begleiter, dass er sie in den Großraum Tel Aviv zum Verkauf bringe.



Fortsetzung der Chronik
Teil 2: Am Nachmittag


Mehr Informationen im ausführlichen Bericht
Der Tag, an dem Tawfik Salim seinen Olivenhain verlor
Wie 117 Bäume für eine jüdische Westbank-Siedlung entwurzelt werden
9. Dez. 2004


Überblick der Chronik
Olivenhain-Zerstörung in Jayyous


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Bitte beachten: Ich war von Dez. 2004 bis Feb. 2005 tätig im Auftrag des Evangelischen Missionswerks in Südwestdeutschland (EMS) als ein Ökumenischer Friedensdienstler für das Programm Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel (EAPPI) des Weltkirchenrates (ÖRK). Diese Seite gibt nur meine persönlichen Ansichten wieder, die nicht unbedingt die des EMS und/oder des ÖRK sind. Wer diese Informationen verbreiten will unter Berücksichtigung des offiziellen Standpunkts der Organisationen, kann diese in Erfahrung bringen beim EMS-Koordinator oder beim EAPPI Communications Officer in englischer Sprache (eappi-co@jrol.com). Danke.