Vorsichtig tastete sich Abt Benedikt an die Geschichte des Augenblicks
heran, als er im kleinen Kreis in der runden Kirche den Bundespräsidenten
Horst Köhler „gewissermaßen als Nachfolger von Kaiser Wilhelm II.“ begrüßte.
(Foto links) Dieser hatte bei seiner Palästina-Reise im Jahr 1898 ein
Grundstück vom osmanischen Sultan erhalten, das er den Katholiken zum Bau
der Dormitio-Kirche auf dem Zionsberg schenkte. Zugleich weihte er unweit
der Grabeskirche die evangelische Erlöserkirche. In 106 Jahren hat sich viel
verändert. Die Dormitio-Kirche heißt inzwischen Hagia Maria Sion, der
evangelische Propst der Erlöserkirche, Martin Reyer (auf dem Foto oben
rechts neben dem Abt am Mikrofon) ist Mitveranstalter des Empfangs und das
wiederum protestantische Staatsoberhaupt verteilt keine Geschenke. Köhler
will sehen und hören, was Deutsche, die hier leben, erleben: Volontäre,
Zivildienstleistende, Studenten und eben die Benediktiner.
Endlich
erfährt der Präsident, hier auf der Grenze zwischen Israel und der bis 1967
jordanischen Westbank, auch etwas vom Alltag der Palästinenser, besonders
der Christen unter ihnen. Der Staatsbesuch ist eine rein
israelische-deutsche Veranstaltung, was bei der deutschen Vertretung in
Ramallah nicht gerade auf Begeisterung gestoßen ist. Aber jetzt spricht
Matthäus Friedrich, Zivildienstleistender bei deutschen Salvatorianerinnen
im arabischen El Qubeibe, dem biblischen Emmaus. Er erzählt von dem Leiden,
das die Absperrungen durch Zaun und Mauer für die Bewegungsfreiheit der
Palästinenser bedeuten. Die Umwege, die sie in Kauf nehmen müssen, die
unberechenbaren Wartezeiten an den Checkpoints, die Demütigungen bei den
Kontrollen durch die israelischen Soldaten. Er spricht von einem
„gesetzeslosen Raum“. Und von den mangelhaften Möglichkeiten der
Freizeitgestaltung für die Jugendlichen vor Ort wie für die Zivis.
Auch
Sr. Monika Düllmann erlebt den harten Alltag vieler Menschen im heiligen
Land. Sie leitet das Sankt-Louis.Hospital, ein Hospiz für schwerstkranke
Pflegefälle mit 50 Betten. Sie begleitet Sterbende. Häufig sind es
eingewanderte Russen, die keinerlei Rücklagen mehr haben. Außerdem haben die
Krankenkassen die Tagessätze um 30 Prozent gesenkt. So kämpft sie sich von
Monat zu Monat, um die Finanzen des Hauses im schwarzen Bereich zu
halten.
Sr. Monika Düllmann lernte das Land als Studentin kennen. Mit einem
Förderprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) lebte sie
wie inzwischen 700 weitere Deutsche ein Jahr im Heiligen Land, um vor allem
die Bibelwissenschaften zu vertiefen. Das Programm ist das älteste
existierende DAAD-Stipendium. Unverändert leben die Studierenden (Foto
rechts mit Bundespräsident) auf dem Gelände des Benediktiner-Klosters.
Schließlich kommt auch ihre Sprecherin zu Wort. Christiane Schneider (Foto
unten) berichtet von dem intensiven Studienbetrieb beim gemeinsamem Leben
mit Professoren. Um hinzuzufügen, dass Entscheidende seien „viele
einzigartige Erfahrungen“, die sich in keiner Stastitik erfassen
ließen.
Pater Elias vom Kloster spricht von den auf dem Zionsberg
verehrten Stätten des letzten Abendmahl, der Geistsendung und des Heimgang
Mariens. Diese Orte wollten die Mönche „hüten“. Der Abt hat dem Präsidenten
schon bei der Kirchenführung gesteckt, dass zumindest der Marien-Teil
umstritten ist, weil Maria auch in Ephesus gestorben sein soll. Wichtiger
ist dem Abt daher, „Maria als Mittlerin zwischen den Religionen“ zu verehren
und in diesem Sinne für den Frieden zu beten. Was er dann auch als Vorbeter
für den Bundespräsidenten tat. Er betet, dass sich „Erwartung auf Frieden
und Erlösung erfüllen“ mögen.
Der Präsident nennt all dies „echt
authentisch“. Während in Berlin viel vom Frieden gesprochen und geschrieben
werde, werde hier durch das Engagement für die Menschen in Nächstenliebe
daran gearbeitet. Deshalb habe ihn die ganze Israel-Reise ermutigt. Und er
ist beeindruckt von der evangelisch-katholischen Kooperation: „Hier gibt’s
wirklich keine ökumenischen Probleme.“ Davon gebe es leider in Deutschland
immer noch viel zu viele. Sagt’s und zieht sich mit den Kirchenvertretern
für eine halbe Stunde in die Bibliothek zurück.
Christoph Gocke -
Jerusalem, 4.Feb.2005
Weitere
Fotos
vom Besuch des Bundespräsidenten in Jerusalem
4. Feb.
2005
“Dieser Ort atmet
Frieden"
Bundespräsident Köhler am See Genesaret
3. Feb.
2005
Weitere
Fotos
vom Besuch des Bundespräsidenten in Tabgha
3. Feb.
2005

Christiane Schneider informiert den
Präsidenten über das Theologische Studienjahr in Jerusalem
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Bitte beachten: Ich war von
Dez. 2004 bis Feb. 2005 tätig im Auftrag des Evangelischen Missionswerks in
Südwestdeutschland (EMS) als ein Ökumenischer Friedensdienstler für das
Programm Ecumenical Accompaniment Programme
in Palestine and Israel (EAPPI) des Weltkirchenrates (ÖRK).
Diese Seite gibt nur meine persönlichen Ansichten wieder, die nicht
unbedingt die des EMS und/oder des
ÖRK sind. Wer diese
Informationen verbreiten will unter Berücksichtigung des offiziellen
Standpunkts der Organisationen, kann diese in Erfahrung bringen beim
EMS-Koordinator, Pfr. Andreas Maurer (maurer@ems-online.org), oder beim
EAPPI Communications Officer in englischer Sprache (eappi-co@jrol.com).
Danke.