CHRIS & EAPPI
Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel (EAPPI) Dec. 2004 - Feb. 2005


Köhler auf Kaiser-Spuren in Jerusalem
Der Bundespräsident im deutschen Benediktiner-Kloster auf dem Zionsberg
4. Feb. 2005

Vorsichtig tastete sich Abt Benedikt an die Geschichte des Augenblicks heran, als er im kleinen Kreis in der runden Kirche den Bundespräsidenten Horst Köhler „gewissermaßen als Nachfolger von Kaiser Wilhelm II.“ begrüßte. (Foto links) Dieser hatte bei seiner Palästina-Reise im Jahr 1898 ein Grundstück vom osmanischen Sultan erhalten, das er den Katholiken zum Bau der Dormitio-Kirche auf dem Zionsberg schenkte. Zugleich weihte er unweit der Grabeskirche die evangelische Erlöserkirche. In 106 Jahren hat sich viel verändert. Die Dormitio-Kirche heißt inzwischen Hagia Maria Sion, der evangelische Propst der Erlöserkirche, Martin Reyer (auf dem Foto oben rechts neben dem Abt am Mikrofon) ist Mitveranstalter des Empfangs und das wiederum protestantische Staatsoberhaupt verteilt keine Geschenke. Köhler will sehen und hören, was Deutsche, die hier leben, erleben: Volontäre, Zivildienstleistende, Studenten und eben die Benediktiner.
Endlich erfährt der Präsident, hier auf der Grenze zwischen Israel und der bis 1967 jordanischen Westbank, auch etwas vom Alltag der Palästinenser, besonders der Christen unter ihnen. Der Staatsbesuch ist eine rein israelische-deutsche Veranstaltung, was bei der deutschen Vertretung in Ramallah nicht gerade auf Begeisterung gestoßen ist. Aber jetzt spricht Matthäus Friedrich, Zivildienstleistender bei deutschen Salvatorianerinnen im arabischen El Qubeibe, dem biblischen Emmaus. Er erzählt von dem Leiden, das die Absperrungen durch Zaun und Mauer für die Bewegungsfreiheit der Palästinenser bedeuten. Die Umwege, die sie in Kauf nehmen müssen, die unberechenbaren Wartezeiten an den Checkpoints, die Demütigungen bei den Kontrollen durch die israelischen Soldaten. Er spricht von einem „gesetzeslosen Raum“. Und von den mangelhaften Möglichkeiten der Freizeitgestaltung für die Jugendlichen vor Ort wie für die Zivis.
Auch Sr. Monika Düllmann erlebt den harten Alltag vieler Menschen im heiligen Land. Sie leitet das Sankt-Louis.Hospital, ein Hospiz für schwerstkranke Pflegefälle mit 50 Betten. Sie begleitet Sterbende. Häufig sind es eingewanderte Russen, die keinerlei Rücklagen mehr haben. Außerdem haben die Krankenkassen die Tagessätze um 30 Prozent gesenkt. So kämpft sie sich von Monat zu Monat, um die Finanzen des Hauses im schwarzen Bereich zu halten.
Sr. Monika Düllmann lernte das Land als Studentin kennen. Mit einem Förderprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) lebte sie wie inzwischen 700 weitere Deutsche ein Jahr im Heiligen Land, um vor allem die Bibelwissenschaften zu vertiefen. Das Programm ist das älteste existierende DAAD-Stipendium. (Inzwischen konnte das Jerusalemer Studienjahr am 21. Juni 2014 in Bonn mit einem Festakt sein 40jähriges Bestehen feiern - dabei entstand ein kleiner Film.) Unverändert leben die Studierenden (Foto rechts mit Bundespräsident) auf dem Gelände des Benediktiner-Klosters. Schließlich kommt auch ihre Sprecherin zu Wort. Christiane Schneider (Foto unten) berichtet von dem intensiven Studienbetrieb beim gemeinsamem Leben mit Professoren. Um hinzuzufügen, dass Entscheidende seien „viele einzigartige Erfahrungen“, die sich in keiner Stastitik erfassen ließen.
Pater Elias vom Kloster spricht von den auf dem Zionsberg verehrten Stätten des letzten Abendmahl, der Geistsendung und des Heimgang Mariens. Diese Orte wollten die Mönche „hüten“. Der Abt hat dem Präsidenten schon bei der Kirchenführung gesteckt, dass zumindest der Marien-Teil umstritten ist, weil Maria auch in Ephesus gestorben sein soll. Wichtiger ist dem Abt daher, „Maria als Mittlerin zwischen den Religionen“ zu verehren und in diesem Sinne für den Frieden zu beten. Was er dann auch als Vorbeter für den Bundespräsidenten tat. Er betet, dass sich „Erwartung auf Frieden und Erlösung erfüllen“ mögen.
Der Präsident nennt all dies „echt authentisch“. Während in Berlin viel vom Frieden gesprochen und geschrieben werde, werde hier durch das Engagement für die Menschen in Nächstenliebe daran gearbeitet. Deshalb habe ihn die ganze Israel-Reise ermutigt. Und er ist beeindruckt von der evangelisch-katholischen Kooperation: „Hier gibt’s wirklich keine ökumenischen Probleme.“ Davon gebe es leider in Deutschland immer noch viel zu viele. Sagt’s und zieht sich mit den Kirchenvertretern für eine halbe Stunde in die Bibliothek zurück.

Christoph Gocke - Jerusalem, 4.Feb.2005


Weitere Fotos
vom Besuch des Bundespräsidenten in Jerusalem
Teil 2 - 4. Feb. 2005

Teil 1
“Dieser Ort atmet Frieden"
Bundespräsident Köhler am See Genesaret
3. Feb. 2005

Weitere Fotos
vom Besuch des Bundespräsidenten in Tabgha
Teil 1 - 3. Feb. 2005



Christiane Schneider informiert den Präsidenten über das Theologische Studienjahr in Jerusalem


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Bitte beachten: Ich war von Dez. 2004 bis Feb. 2005 tätig im Auftrag des Evangelischen Missionswerks in Südwestdeutschland (EMS) als ein Ökumenischer Friedensdienstler für das Programm Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel (EAPPI) des Weltkirchenrates (ÖRK). Diese Seite gibt nur meine persönlichen Ansichten wieder, die nicht unbedingt die des EMS und/oder des ÖRK sind. Wer diese Informationen verbreiten will unter Berücksichtigung des offiziellen Standpunkts der Organisationen, kann diese in Erfahrung bringen beim EMS-Koordinator oder beim EAPPI Communications Officer in englischer Sprache (eappi-co@jrol.com). Danke.