CHRIS & EAPPI
Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel (EAPPI) Dec. 2004 - Feb. 2005


Teil 1
“Dieser Ort atmet Frieden"

Bundespräsident Köhler am See Genesaret
3. Feb. 2005

Keine Frage: Dieser Präsident lässt sich nicht hetzen. Erst recht nicht an dieser paradiesischen Stelle am Nordufer des See Genesaret in Tabgha. Schon beim Eintrag ins Gästebuch im Kreuzgang der Basilika nimmt er sich Zeit. (Foto links) Und schreibt über seine Reise in “dieses von Gott gesegnete Land” in ruhigen, langen Schriftzügen: “Wir wollen einen Eindruck gewinnen von den Möglichkeiten des Friedens zwischen den Religionen und den Menschen. Wir hoffen.” Und so ist es denn auch. In jedem Gespräch mit den deutschen Benediktinern, den Zivis, den Volontären fragt er nach dem Dialog zwischen den Religionen, dem Frieden und nach Zeichen der Hoffnung.
Er ist der erste Bundespräsident, der diesen Platz besucht. Hintergrund: Der Protokollchef des Bundespräsidialamtes, Bernhard von der Planitz (auf dem Foto oben zwischen Präsident und Pater), war schon einmal hier, als die Kirche 1982 geweiht wurde. Er brachte Tabgha auf die präsidiale Reiseroute, weil er fasziniert war von diesem ruhigen Ort mit seinen Zitrus-Plantagen, Oliven-Bäumen und den still in den See fließenden Gewässern und der Kirche. Eine junge Kirche, aber möglichst präzise nachempfunden der byzantinischen Basilika, wie sie hier einmal gestanden haben muss - bevor die Perser sie 614 zerstörten. Bis ins 20. Jahrhundert blieben die Reste mit den Mosaikböden verschüttet. Als sie wiederentdeckt wurden, gehörte das Grundstück dem Deutschen Verein vom Heiligen Lande. Der holte die deutschen Benediktiner hierhin und plante die neue Kirche unter Einbeziehung der Mosaike, allen voran das Bild mit den fünf Broten und zwei Fischen, direkt vor einem rohen Felsen. Auf diesem Fels soll Jesus Brot und Fisch gesegnet und vermehrt haben. Direkt darüber steht der Altar auf vier schlanken Säulen. Direkt dahinter liegen jetzt vier Fotografen nebeneinander, um das Bild des Tages in Tabgha zu schießen (Foto rechts): Unter dem Altar hindurch mit dem Brot-Fisch-Mosaik im Vordergrund auf das Präsidentenpaar samt Benediktiner-Pater Jonas Trageser (Foto unten), der durch die Kirchen- und Klosteranlage führt. Und - wieder außer Protokoll - bittet der Präsident spontan den Mönch darum, ein Gebet zu sprechen. Die Lesung von der Brotvermehrung aus dem sechsten Kapitel des Markusevangelium muss warten. Pater Jonas dankt für den Besuch des Präsidenten, bittet um Frieden im heiligen Land. Um dann noch aus der Bibel vorzutragen von dem Wunder dieses Ortes.
An einem konkreten Wunder arbeiten die vier Benediktiner hier am See mit Begegnungen zwischen palästinensischen und israelischen Behinderten. Häufig sind es gerade Opfer der Gewalt auf beiden Seiten, die hierhin kommen und damit den mühevollen Weg der Verständigung beginnen. Horst Köhler ist begeistert, ermutigt die jungen deutschen Freiwilligen, die das Projekt unterstützen, weiter zu machen: “Ihr seid für mich ein Zeichen der Hoffnung, man muss Zuversicht haben.”
Köhler geht wieder ins Freie, wo gestern noch kalter Regen über den See peitschte und jetzt Sonnenschein wärmt. Das Staatsoberhaupt spricht vom “Wetter, bei dem die Kaiser reisen”. Der präsidiale Tross fährt ein paar Meter den benachbarten Berg der Seligpreisungen hinauf. Eigentlich italienisches Gelände, aber Pater Jonas Trageser darf auch hier den Präsidenten führen. “Selig die Frieden stiften” – in Latein stehen die Seligpreisungen in den Glasfenstern der Rotunde. Der Benediktinerpater bezeichnet sie als “Magna Charta der Christenheit”. Er würde gern noch mehr über die Beziehung zwischen Politik und Seligpreisungen mit dem Präsidenten diskutieren, aber jetzt ist der Reiseplan schon zu weit im Verzug. Vielleicht gibt es eine weitere Gelegenheit für den Mönch, denn Horst Köhler äußert noch einen Wunsch: Er will wiederkommen nach Tabgha. Ohne Presse, ohne Protokoll, ohne Sicherheitspersonal. Offensichtlich teilt er jetzt die Begeisterung seines Protokollchefs und vieler Pilger für diesen friedvollen Platz in einem konfliktreichen Land. Denn, so sagt er zum Abschluss zu Pater Jonas: “Dieser Ort atmet Frieden.”

Korrespondentbericht der Katholischen Nachrichten-Agentur von Christoph Gocke aus Tabgha, 3.2.2005


Weitere Fotos
vom Besuch des Bundespräsidenten in Tabgha
Teil 1 - 3. Feb. 2005

Teil 2
Köhler auf Kaiser-Spuren in Jerusalem
Der Bundespräsident im deutschen Benediktiner-Kloster auf dem Zionsberg
4. Feb. 2005

Weitere Fotos
vom Besuch des Bundespräsidenten in Jerusalem
Teil 2 - 4. Feb. 2005



Das Präsidentenehepaar vor dem berühmten Mosaik


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Bitte beachten: Ich war von Dez. 2004 bis Feb. 2005 tätig im Auftrag des Evangelischen Missionswerks in Südwestdeutschland (EMS) als ein Ökumenischer Friedensdienstler für das Programm Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel (EAPPI) des Weltkirchenrates (ÖRK). Diese Seite gibt nur meine persönlichen Ansichten wieder, die nicht unbedingt die des EMS und/oder des ÖRK sind. Wer diese Informationen verbreiten will unter Berücksichtigung des offiziellen Standpunkts der Organisationen, kann diese in Erfahrung bringen beim EMS-Koordinator oder beim EAPPI Communications Officer in englischer Sprache (eappi-co@jrol.com). Danke.