Keine Frage: Dieser Präsident lässt sich nicht hetzen. Erst recht
nicht an dieser paradiesischen Stelle am Nordufer des See Genesaret in
Tabgha. Schon beim Eintrag ins Gästebuch im Kreuzgang der Basilika nimmt er
sich Zeit. (Foto links) Und schreibt über seine Reise in “dieses von Gott
gesegnete Land” in ruhigen, langen Schriftzügen: “Wir wollen einen Eindruck
gewinnen von den Möglichkeiten des Friedens zwischen den Religionen und den
Menschen. Wir hoffen.” Und so ist es denn auch. In jedem Gespräch mit den
deutschen Benediktinern, den Zivis, den Volontären fragt er nach dem Dialog
zwischen den Religionen, dem Frieden und nach Zeichen der Hoffnung.
Er
ist der erste Bundespräsident, der diesen Platz besucht. Hintergrund: Der
Protokollchef des Bundespräsidialamtes, Bernhard von der Planitz (auf dem
Foto oben zwischen Präsident und Pater), war schon einmal hier, als die
Kirche 1982 geweiht wurde. Er brachte Tabgha auf die präsidiale Reiseroute,
weil er fasziniert war von diesem ruhigen Ort mit seinen Zitrus-Plantagen,
Oliven-Bäumen und den still in den See fließenden Gewässern und der Kirche.
Eine junge Kirche, aber möglichst präzise nachempfunden der byzantinischen
Basilika, wie sie hier einmal gestanden haben muss - bevor die Perser sie
614 zerstörten. Bis ins 20. Jahrhundert blieben die Reste mit den
Mosaikböden verschüttet. Als sie wiederentdeckt wurden, gehörte das
Grundstück dem Deutschen Verein vom Heiligen Lande. Der holte die deutschen
Benediktiner hierhin und plante die neue Kirche unter Einbeziehung der
Mosaike, allen voran das Bild mit den fünf Broten und zwei Fischen, direkt
vor einem rohen Felsen. Auf diesem Fels soll Jesus Brot und Fisch gesegnet
und vermehrt haben. Direkt darüber steht der Altar auf vier schlanken
Säulen. Direkt dahinter liegen jetzt vier Fotografen nebeneinander, um das
Bild des Tages in Tabgha zu schießen (Foto rechts): Unter dem Altar hindurch
mit dem Brot-Fisch-Mosaik im Vordergrund auf das Präsidentenpaar samt
Benediktiner-Pater Jonas Trageser (Foto unten), der durch die Kirchen- und
Klosteranlage führt. Und - wieder außer Protokoll - bittet der Präsident
spontan den Mönch darum, ein Gebet zu sprechen. Die Lesung von der
Brotvermehrung aus dem sechsten Kapitel des Markusevangelium muss warten.
Pater Jonas dankt für den Besuch des Präsidenten, bittet um Frieden im
heiligen Land. Um dann noch aus der Bibel vorzutragen von dem Wunder dieses
Ortes.
An
einem konkreten Wunder arbeiten die vier Benediktiner hier am See mit
Begegnungen zwischen palästinensischen und israelischen Behinderten. Häufig
sind es gerade Opfer der Gewalt auf beiden Seiten, die hierhin kommen und
damit den mühevollen Weg der Verständigung beginnen. Horst Köhler ist
begeistert, ermutigt die jungen deutschen Freiwilligen, die das Projekt
unterstützen, weiter zu machen: “Ihr seid für mich ein Zeichen der Hoffnung,
man muss Zuversicht haben.”
Köhler geht wieder ins Freie, wo gestern noch
kalter Regen über den See peitschte und jetzt Sonnenschein wärmt. Das
Staatsoberhaupt spricht vom “Wetter, bei dem die Kaiser reisen”. Der
präsidiale Tross fährt ein paar Meter den benachbarten Berg der
Seligpreisungen hinauf. Eigentlich italienisches Gelände, aber Pater Jonas
Trageser darf auch hier den Präsidenten führen. “Selig die Frieden stiften”
– in Latein stehen die Seligpreisungen in den Glasfenstern der Rotunde. Der
Benediktinerpater bezeichnet sie als “Magna Charta der Christenheit”. Er
würde gern noch mehr über die Beziehung zwischen Politik und Seligpreisungen
mit dem Präsidenten diskutieren, aber jetzt ist der Reiseplan schon zu weit
im Verzug. Vielleicht gibt es eine weitere Gelegenheit für den Mönch, denn
Horst Köhler äußert noch einen Wunsch: Er will wiederkommen nach Tabgha.
Ohne Presse, ohne Protokoll, ohne Sicherheitspersonal. Offensichtlich teilt
er jetzt die Begeisterung seines Protokollchefs und vieler Pilger für diesen
friedvollen Platz in einem konfliktreichen Land. Denn, so sagt er zum
Abschluss zu Pater Jonas: “Dieser Ort atmet
Frieden.”
Korrespondentbericht der Katholischen Nachrichten-Agentur
von Christoph Gocke aus Tabgha, 3.2.2005
Weitere
Fotos
vom Besuch des Bundespräsidenten in Tabgha
3. Feb.
2005
Köhler auf
Kaiser-Spuren in Jerusalem
Der Bundespräsident im deutschen
Benediktiner-Kloster auf dem Zionsberg
4. Feb. 2005
Weitere
Fotos
vom Besuch des Bundespräsidenten in Jerusalem
4. Feb.
2005

Das Präsidentenehepaar vor dem
berühmten Mosaik
Überblick CHRIS &
EAPPI
Offizielle EAPPI-Homepage
Dies ist die private Homepage
von

Bitte beachten: Ich war von
Dez. 2004 bis Feb. 2005 tätig im Auftrag des Evangelischen Missionswerks in
Südwestdeutschland (EMS) als ein Ökumenischer Friedensdienstler für das
Programm Ecumenical Accompaniment Programme
in Palestine and Israel (EAPPI) des Weltkirchenrates (ÖRK).
Diese Seite gibt nur meine persönlichen Ansichten wieder, die nicht
unbedingt die des EMS und/oder des
ÖRK sind. Wer diese
Informationen verbreiten will unter Berücksichtigung des offiziellen
Standpunkts der Organisationen, kann diese in Erfahrung bringen beim
EMS-Koordinator, Pfr. Andreas Maurer (maurer@ems-online.org), oder beim
EAPPI Communications Officer in englischer Sprache (eappi-co@jrol.com).
Danke.