CHRIS & EAPPI
Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel (EAPPI) Dec. 2004 - Feb. 2005


Kritische Fragen: Schüler der Amman National School

Zwischen Irak und Israel
Advocacy bei Öko-Arabern und Schülern in Amman
23./24. Feb. 2005

Eine Million Bäume wollen die Menschen um Architekten-Frau Razan Zuayter von der Arab Group for the Protection of Nature (APN) in Palästina pflanzen. Keine neuen Wälder werden damit geschaffen, sondern lediglich die palästinensischen Bäume ersetzt, die seit dem Beginn der zweiten Intifada im Heiligen Jahr 2000 im Heiligen Land von Israelis zerstört oder ausgerissen worden sind. Angeblich meist aus „Sicherheitsgründen“. Die müssen halt für fast alles herhalten, was in Wirklichkeit dem Landraub dient.

Hunderttausende von Olivenbäumen, Zitrusbäumen, Palmen. Und um Informationen aus erster Hand zu bekommen, haben sie mich eingeladen nach Amman. In den Royal Automobile Club. Eine luxuriöse Freizeitanlage am siebten Verkehrs-Kreisel der Hauptstadt.

Video-Beamer, Leinwand und Laptop sind bestens vorbereitet. Ich brauche nur die Bilder von der mitgebrachten CD auf den Computer runterzuladen und sie mit einem Bildprogramm öffnen. Die jordanischen und internationalen Gäste sitzen an Tischgruppen, eine Amerikanerin am Tisch lebt seit 40 Jahren hier. Aus Begeisterung, wie sie sagt. Meinen Wohnort Mainz versuche ich zu erläutern mit dem Hinweis, George Bush sei heute dort empfangen worden. Ich kann ihre Empörung nur mit Verweis auf die Gegen-Demonstranten mildern.

Meine Bilder helfen wieder mal die Ereignisse des 9. Dezember 2004 in Jayyous in all ihren bedrückenden Einzelheiten von Demütigung und Willkür Revue passieren zu lassen. Schon ist die Zeit um, und zwei meiner Kolleginnen im Ecumencial Accompaniment Programme in Palestine and Israel (EAPPI), Birgit Paul (Foto rechts) und Karin Huber (Foto links), berichten von ihrer Arbeit in Ramallah und dem Dorf Yanoun. Die Menschen hier sind an der Umwelt interessiert. In der arabischen Welt. Wir spüren die steigende Spannung als jemand aus dem Publikum fragt, was denn der Verein APN im Irak tue. Dort hätten die Amerikaner und Briten Tausende Palmen durch Brand oder Bulldozer zerstört. Und was der Ölbaum für die Palästinenser sei die Dattelpalme für die Iraker. Amman zwischen den Fronten zweier Auseinandersetzungen. Razan Zuayter versichtert, dass APN auch dort dabei sei, sich zu engagieren. Und ihre Mission gehe über das Anpflanzen von Bäumen hinaus. Sie wolle am ökologischen Bewusstsein in der arabischen Welt arbeiten. Am liebsten mit grünen Parteien in die Parlamente wachsen. Demokratisierung ernst nehmen.

Und dann die Frage an mich, mit wie viel deutschen Euros die israelische Regierung Mauer und Zaun rund um die Westbank baue. Ich bin überfragt, kann nur darauf verweisen, dass Deutschland auch die palästinensische Autonomiebehörde unterstütze, was den Saal aber nicht recht befriedet. Als ich angesichts der umständlichen heutigen Anreise von Jerusalem über Bet Schean, Ajlun und Jerasch ganz froh bin über das Veranstaltungsende bittet Rami Shawaqfeh von der Jordan Times um ein Interview. Es bestätigt sich in dieser ungewohnten Aufgabenverteilung, dass ich das Interviewen immer für die leichtere Aufgabe gehalten habe. Immerhin erscheint einige Tage später ein Artikel.

Mit dem Abend wird der zweite Teil unseres EAPPI-Einsatzes im Auftrag des Weltkirchenrats fortgesetzt. Manche halten ihn für den wichtigsten. Schon als ich drei Monate im Westbank-Dorf Jayyous gelebt habe, haben wir anreisenden schwedischen Journalisten, amerikanischen Kirchenvertretern, europäischen Politikern und skandinavische Diplomaten, von unseren Eindrücken berichtet. Nach unserer Rückkehr sollen wir das Erlebte in Europa weitervermitteln. „Advocacy“ heißt das auf International-Englisch.

APN ist auch die Bewusstmachung bei Kindern und Jugendlichen wichtig. So warten am nächsten Morgen zwei Schülergruppen auf mich. Zwei Schulen, zwei Welten: die „Amman National School“ und die „American Community School“. Beides Privatschulen, die erste mehr für die Mittelklasse. Zwischen 1000 und 3000 Euro kostet hier ein Schuljahr. Englisch ist für die 13-/14-jährigen kein Problem. Hanna weiß sogar, wie der deutsche Außenminister heißt. Kein Wunder, denn die Mutter der christlich getauften Muslimin ist Deutsche: „Ich empfinde keinen Gegensatz zwischen den Religionen.“ Sagt sie mir nachher auf Englisch, das sie genau so perfekt beherrscht wie Arabisch und Deutsch – dank der alljährlichen Sommerferien in Viersen.

Ich bin gebeten worden, kurz meine Fahrrad-Fahrt nach und durch Jordanien zu erwähnen und stelle durch eine Frage fest, dass die meisten der 50, 60 Schüler gar kein eigenes Fahrrad haben. An den Olivenbäumen in Palästina nehmen sie genau so Anteil wie am Fahrrad-Trip. Fast alle Schüler melden sich mit Fragen als ich an das Ende meines Berichtes von den tristen Ereignissen in Jayyous gekommen bin. Viele waren selbst schon einmal in Jerusalem und der Westbank. Und sie gehen der Sache auf den Grund: Ob ich selbst als Soldat auf der palästinensischen oder israelischen Seite kämpfen würde. Ich sage, dass ich in Deutschland den Kriegsdienst verweigert habe und auch im Heiligen Land keine Waffen führen wolle. Enttäuschte Gesichter. Antworten wie diese bringen mir wohl das abschließende Urteil der Schüler ein, von dem mir die APN-Leute nachher erzählen: „balanced“. Es klingt fast wie ein Schimpfwort, aber für mich spiegelt es auch ein Nachdenken, zu dem ich beitragen wollte.

Ganz anders dann zur Mittagszeit in der amerikanischen Schule. Locker sitzen amerikanische und einheimische Jugendliche auf Tischen und Stühlen. Mühsam ringen sich die Schüler nach der Präsentation zwei, drei Fragen ab. Umso erstaunter bin ich, dass sie dann am APN-Stand im Flur zuschlagen. Für je fünf Dollar verspricht APN, einen Olivenbaum zu pflanzen. Inklusive Bewässerung in der Startphase. Die YWCA in Ost-Jerusalem bittet für den gleichen Zweck um das Vierfache. Die Schüler spenden kräftig, kaufen T-Shirts incl. Baum-Spende und ein amerikanischer Schüler wird Mitglied bei der Arab Group for the Protection of Nature. Kleine Beiträge zu einem gerechteren Leben im Heiligen Land.




Zwei weitere Berichte zur gleichen Veranstaltung:

Environmentalists raise awareness on deforestation in Palestinian areas

The World Council of Churches is working with environmentalists in Jordan and the region on a campaign to stop Israel from uprooting trees in Palestinian areas

by Rami Abdelrahman, The Jordan Times
28. Feb. 2005



Events: The Israeli Uprooting of Trees in Palestine
An Eyewitness Account

The Arab Group for the Protection of Nature (APN)
23. Feb. 2005


Das breite Spektrum der Arab Group for the Protection of Nature


Überblick CHRIS & EAPPI

Offizielle EAPPI-Homepage


Dies ist die private Homepage von

Bitte beachten: Ich war von Dez. 2004 bis Feb. 2005 tätig im Auftrag des Evangelischen Missionswerks in Südwestdeutschland (EMS) als ein Ökumenischer Friedensdienstler für das Programm Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel (EAPPI) des Weltkirchenrates (ÖRK). Diese Seite gibt nur meine persönlichen Ansichten wieder, die nicht unbedingt die des EMS und/oder des ÖRK sind. Wer diese Informationen verbreiten will unter Berücksichtigung des offiziellen Standpunkts der Organisationen, kann diese in Erfahrung bringen beim EMS-Koordinator oder beim EAPPI Communications Officer in englischer Sprache (eappi-co@jrol.com). Danke.