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CHRIS & EAPPI Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel (EAPPI) Dec. 2004 - Feb. 2005 |
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Es ist Ruhe eingekehrt in Wahllokal 1 der Khadir-Fatima-Schule
am Rande der Altstadt von Nablus. Sorgsam abgeschirmt vom
Sicherheitspersonal am Eingang soll die Wahlauszählung beginnen. Die Türen
des Klassenzimmers werden verschlossen. Den ganzen Wahl-Sonntag über schoben
sich fast mehr internationale Beobachter als Wähler durch dieses und viele
andere Wahllokale der mit 120.000 Einwohnern größten Westbank-Stadt. Direkt
nebenan, für westeuropäischen Geschmack ein bisschen nah, hat die lokale
Fatah-Wahlkampftruppe ein Zelt aufgebaut (Foto links), rundum beflaggt mit
Mahmud-Abbas-Plakaten, umgeben von Autos mit Mahmud-Abbas-Postern. Hat das
dem aussichtsreichsten Kandidaten den letzten Schub gegeben? Jetzt sind wir
in Wahllokal 1 die einzigen internationalen Beobachter. Die andern
verbliebenen Internationalen verteilen sich in den Nachbarräumen 2 und 3.
Wahllokal 4 und 5 bleiben international unbeobachtet. Genauer betrachtet
haben wir über unser Ökumenisches Begleitprogramm für Palästina und Israel
(EAPPI) vom Weltkirchenrat nicht einmal einen offiziellen Status. Aber wie
schon den ganzen Tag über in den vielen Wahllokalen, meist in Schulen oder
der An-Nadjah-Universität, freuen sich die Wahlkomitees über das
internationale Interesse an einer Wahl, die als eine der wenigen freien
Wahlen in der arabischen Welt gelten kann.
Da wird auch einer Delegation
aus der Ukraine – „Wir haben sehr frische Wahl-Erfahrungen, gute wie
schlechte.“ – gern der ganze Vorgang erklärt (Foto rechts). Von der
Registrierung, die schon Wochen vor Arafats Tod angelaufen war, als
Vorbereitung auf Kommunalwahlen und später auch Parlamentswahlen. Über die
Tinte, die den Wählern vom Fingernagel aus ein Zentimeter lang über den
Daumen gestrichen wird; geprüft von der EU und garantiert 72 Stunden nicht
abwaschbar. Bis zu den vielen Riemen, die die Stimmzettelboxen aus milchigem
Plastik versiegeln.
Eigentlich sollte die Wahl um sieben zu Ende sein. Aber über
Radio, Fernsehen, Minarett und Handy gab die Wahlkommission bekannt, dass
die Stimmabgabe bis neun Uhr verlängert werde. Weil vielerorts noch Fragen
über Registrierung zu klären waren. Warteschlagen haben wir nirgends
gesehen. Was an geringer Beteiligung oder an der Vielzahl der Wahllokale
liegen kann. Das ist die erste Frage, die jetzt in Wahllokal 1 beantwortet
wird: 432 von genau 700 Wahlberechtigten haben gewählt, macht 60
Prozent.
Eifrig notiert von den vier lokalen Wahlbeobachtern, die im
Auftrag von Parteien oder Kandidaten neben uns sitzen. Ausgewiesen durch
Plastikkarten an grünen Bändern um den Hals. Anfangs standen sie um den
Tisch mit der Wahlurne und diskutierten mit über das weitere Vorgehen. Aber
nur, bis die Oberaufseherin in der Khadir-Fatima-Schule auftauchte und alle
Beobachter auf eine Stuhlreihe am Rande verbannte.
Jetzt beginnt die
Auszählung. Eine Frau liest den angekreuzten Kandidaten laut vor, die
nächste zeigt mit nie erlahmendem Gleichmut jeden einzelnen Zettel der
Phalanx der Wahlbeobachter, bevor die dritte Dame den Zettel dem Packen des
gewählten Kandidaten zuordnet. Und alle Männer notieren die Stimmen an der
Tafel bzw. auf ihren Formularen. Anfangs kann der unabhängige Kandidat
Mustafa Barghouthi, der besonders Intellektuelle anspricht und heftig gegen
Korruption in der Autonomiebehörde gewettert hat, fast mit dem haushohen
Favoriten und PLO-Vorsitzenden Mahmud Abbas mithalten. Die andern fünf
Kandidaten spielen überhaupt keine Rolle. Einer muss fast eine Stunde
warten, bis er seine erste und letztlich einzige Stimme verbuchen
kann.
Wie vermutlich in den Wahllokalen in aller Welt bereiten die
ungültigen Stimmen den Stimmzählern die meiste Unterhaltung. Viele Wähler
haben mehrere Kandidaten angekreuzt, andere haben Kommentare zu ihrer
Stimmabgabe verfasst. Auf einem Stimmzettel steht quer über alle Kandidaten
in Arabisch: „Osama bin Laden“. Wenig später bekommt auch „Abu Amar“ alias
Yassir Arafat eine natürlich ungültige Stimme. Am Ende summieren sich
ungültige Stimmen und Enthaltungen in diesem Wahllokal auf fast zehn Prozent
der Stimmen. Eine ganze Menge. Um 22.30 Uhr, anderthalb Stunden nach
Wahlschluss, ist Mahmud Abbas dann auch hier der Sieger. Mit 224 Stimmen
gegen 142 für Mustafa Barghouthi. Mehr als die Hälfte für den
PLO-Vorsitzenden, ein Drittel für den unabhängigen Kandidaten. Alle
Unterlagen werden feierlich versiegelt. Draußen fährt der ein oder andere
kleinere Autokorso vorbei. Irgendwo wird aus Jubel in die Luft geschossen.
Zumindest in dieser Nacht ist nicht mit israelischen Militäreinsätzen in der
Stadt zu rechnen. Vor allem noch nicht mit der Vergeltung für den
palästinensischen Anschlag auf ein Militärfahrzeug, bei dem am Freitag ein
Soldat ums Leben kam und drei weitere verletzt wurden. Schließlich bleiben
viele Wahlbeobachter über Nacht.
Fotos
Nachwahl-Treffen
von Jimmy Carter mit Kirchenführern und dem EAPPI in Jerusalem
10. Jan.
2005
Unabwaschbare Wählermarkierung am Daumen
Dies ist die private Homepage von

Bitte beachten: Ich war von Dez. 2004 bis Feb. 2005 tätig im Auftrag des Evangelischen Missionswerks in Südwestdeutschland (EMS) als ein Ökumenischer Friedensdienstler für das Programm Ecumenical Accompaniment Programme in Palestine and Israel (EAPPI) des Weltkirchenrates (ÖRK). Diese Seite gibt nur meine persönlichen Ansichten wieder, die nicht unbedingt die des EMS und/oder des ÖRK sind. Wer diese Informationen verbreiten will unter Berücksichtigung des offiziellen Standpunkts der Organisationen, kann diese in Erfahrung bringen beim EMS-Koordinator, Pfr. Andreas Maurer (maurer@ems-online.org), oder beim EAPPI Communications Officer in englischer Sprache (eappi-co@jrol.com). Danke.