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VG WORTTour 39: Nizza - Andorra - Nogaro (1085 km)


Grand Canyon du Verdon, Haute-Provence
Grand Canyon du Verdon, Haute-Provence

Bike-Blog & Routen-Karte & Etappen-Übersicht
Nizza - Andorra - Nogaro (24.3.-3.4.2008)
Südfrankreich von der Côte d'Azur zur Gascogne

...das Leben ist vorne,
und wenn man in den Spiegel schaut,
plötzlich ist es hinten...

Max Frisch, Andorra

Ausrüstung: Bike & More
Ausrüstung:
Bike & More
Unsere Frühjahrstour im vergangenen Jahr durch Nord-Italien endete nach Stippvisiten in Liechtenstein, San Marino und Monaco in Nizza. Wenn man da noch ein bisschen weiter fährt, kommt man nach Andorra. Und kann dabei an der Côte d'Azur, durch die Provence, durchs Rhône-Tal, die Camargue, die Pyrenäen und in die Gascogne radln. Dort schloss sich der Kreis zum Santiago-Weg: in dem kleinen Örtchen Nogaro auf dem Camino frances.


Hafen von Antibes, Côte d'Azur, FrankreichProlog: Lufthansa-Schäden
Ostermontag, 24. März 2008: (Flug Frankfurt - Nizza) Nizza - Antibes (17 km)

Monaco, Nizza, Flughafen: sie liegen schön da, als wir noch eine weite Schleife übers Mittelmeer fliegen, um dann gegen den Ostwind zu landen. Auch hier ist es kälter als gewohnt. Warm genug, um die Sonne zu genießen. Philippe, der achtjährige Drei-Käse-Hoch neben mir im Flugzeug, wird von seinen französischen Großeltern abgeholt. Côte d'Azur, die Rentner-Area.
Das Gepäck lässt lange auf sich warten. Und die Räder sind ramponiert wie selten zuvor. Ein Lufthansa-Flug. Mein Rücklicht ist nur noch in Spuren zu erkennen, mein großes Kettenrad völlig verzogen, Miris auch, aber eher justierbar. Beim Flottmachen bricht mir noch die Sattel-Befestigungs-Schraube. Darf ich also im Stehen fahren.
Die Summe der Schäden wirft unsern Plan um. Statt zu dem gebuchten Hotelzimmer in Chagalls langjährigem Wohnort St.-Paul-de-Vence radeln wir au bord de la mer nach Antibes. Côte d'Azur pur. Die Touri-Info ist geöffnet, obwohl sie längst geschlossen ist und hat sogar eine Liste von Fahrradläden. Miri ist happy übers Meer und einen Abendspaziergang im Sonnenuntergang.


Aufstieg in die Haute-Provence, Frankreich
Aufstieg in die Haute-Provonce


Lama-Zucht in der hohen Haute-Provence
Dienstag, 25. März 2008: Antibes - Grasse - Col du Pilon (782 m) - Pas de la Faye (981 m) - Col de Valferrière (1169 m) - Villaute (69 km)

Frühstück auf dem Spielplatz vor dem Hotel nach Morgenshopping. Blick auf verschneite Alpen über dem Hafen. Ab zum Fahrradhändler Cycles Antipolis. Sehr nette Sofort-Reparatur: "dépannage express". Ob es das auch bei uns gebe? Fragt der junge Obermechaniker. Mein Kettenrad muss ausgetauscht werden. Der Kettenschutz wird dadurch unbrauchbar. Miris Kettenrad lässt sich richten. Der Sattel ist kein Problem. Rücklichter haben sie nicht. Nur Batterie-betriebene. So wird es in ganz Süd-Frankreich sein. Nur mit der Frage, ob Antipolis der antike Name für Antibes sei, kann der Mechaniker nichts anfangen. Es ist so.
Kapelle Notre Dame de Gratemoine, Kirche eines Benediktiner-Priorats aus dem 11. Jh. in der Haute Provonce, FrankreichÜber eine Nebenstrecke fahren wir nach Grasse. Am Stadtrand enter ich den Decathlon. Kaufe nichts. Weiter zur Kathedrale. Geschlossen. Mittagessen mit Blick aufs Meer. Die Parfum-Fabriken ignorieren wir. Weiter zum Pas de la Faye. 981 Meter tiefer liegt das Meer. Wir können es immer noch in der Ferne sehen. Danach wird es noch schöner. Und gegen 17 Uhr auf 1169 Meter ganz schön kalt. Hohe Haute-Provence. Danach ein wunderschönes breites Tal. Felsen wie in der Sächsischen Schweiz. Die Kappelle Notre Dame de Gratemoine, Kirche eines Benediktiner-Priorats aus dem 11. Jh., steht einsam auf einer Anhöhe (Foto rechts).
Bei drei Grad kehren wir ein. La Pinède. Sehr schönes, leicht abgelegenes Gehöft mit Lama-Zucht. Geschmackvolles Zimmer. Essen dürfen wir darin aber nicht, ermahnt uns die Herbergs-Mutter. Trinken? Und zahlen müssen wir gleich, wegen schlechter Erfahrungen.


Lavendel-Feld in der Haute-Provonce, Frankreich
Lavendel-Feld in der Haute-Provonce


Felsformation am Einstieg in den Grand Canyon du VerdonCanyon-Spektakel: Gorges du Verdon
Mittwoch, 26. März 2008: Villaute - Col de Luens (1054 m) - Castellane - Grand Canyon du Verdon - Col d'Ayen (1032 m) - Gréoux-les-Bains (101 km)

Ruhige kalte Nacht. Frühstück am offenen Kamin. Sehr schöne Unterkunft. Sonne. Start bei Null Grad (Foto siehe Ausrüstungs-Seite). Auf den ersten Pass. 1054 Meter. Schöne Abfahrt nach Castellane, überragt von dem Felsen mit dem Kapellchen Notre-Dame-du-Roc. Zweites Frühstück.
Und dann der Gorges du Verdon, einer der größten Canyons Europas. Erst entlang des Verdon. Immer spektakulärer (Foto links). Die Straße ist unterm Felsen weggesprengt. Phantastische Ausblicke vom Point Sublime bei Rougon (Foto rechts). La Palud-sur-Verdon. Miri möchte die Route de Crète fahren. Ich schaffe das mental nicht. Nochmal mindestens 700 Höhenmeter - im Kreis. Allein will Miri nicht fahren. Auch nicht ohne Gepäck. Auch nicht per Auto. Wir könnten trampen. Wir finden nichts auf die Schnelle.
Also dann doch weiter. Noch ein Tausender-Pass. Lange Abfahrt, bei der wir auch die Route de Crète an der andern Talseite auf und nieder gehen sehen. Und die Süd-Route des Gorges. Schöne Aussichtspunkte.

Blick in den Grand Canyon du Verdon bei PaludStarker Gegenwind bei der Ausfahrt aus dem Gorges. Dann liegt links der gesammelte Verdon: im Lac de Sainte Croix, Frankreichs zweitgrößtem Stausee. Zu dem wir glücklicher Weise nicht ganz runter müssen. Dann rechts oberhalb Moustiers-Sainte-Marie am Ausgang einer Felsspalte. Dann noch ein Pässle, Riez mit seinem römisch-romanischem Baptisterium, Allemagne-en-Provence mit seinem Schloss in deutscher Hand und schließlich Gréoux-les-Bains mit den Thermen, von denen wir nichts sehen. 101 Kilometer. Und müde.
Trotzdem: dem Hotel gegenüber liegt der Waschsalon Le Lavoir. Einmalige Gelegenheit. Auch wenn wir erst zwei, drei Tage unterwegs sind. 30 Grad werden kaum erreicht, die Schleuder-Wirkung sehr beschränkt und doch ist am nächsten Morgen alles sauberer und trocken. Der Stromausfall kommt erst nach der Waschorgie. Im Regen wander ich noch durch die beleuchtete Szenerie von Kirche und Schloss (Foto unten).


Château von Gréoux-les-Bains bei Nacht
Château von Gréoux-les-Bains bei Nacht


Allee in der Nähe von Aix-en-ProvenceDie gesteinigte Seele und ein Halstuch im Weinglas von Arles
Donnerstag, 27. März 2008: Gréoux-les-Bains - Rognes - Salon-de-Provence - Arles (119 km)

Wieder mehr Verkehr. Und Gegenwind. Die Abfahrt geht zunächst weiter. In Cadarache vorbei an der Großbaustelle des umstrittenen Kern-Fusions-Reaktor Iter (International Thermonuclear Experimental Reactor), der 2016 laufen soll. Am Canal E.D.F. (Électricité de France) entlang. Im Tal der Durance. Weiter. Wärmer. Schöne Gegend. Tolle Alleen (Foto links). Eine kleine, ruhige Berg-Strecke nach Salon-en-Provence. Lebensmittelpunkt von Nostradamus. Das Chateau ist nett. Miri ruht.
Die letzten Kilometer nach Arles dann parallel zur Autobahn. Auf der Karte habe ich einen kleinen Weg südlich der Autobahn entdeckt. Der erweist sich trotz der Nähe zu den Autos als äußerst angenehm, auch wenn wir irgendwann über die Autobahn zurück zur Landstraße müssen. Schon rollen wir an der antiken Arena vorbei durch Arles zur Rhône.

Mit Pate Rainer und Ursula in ArlesHier liegt das Kreuzfahrtschiff Arosa Luna. Von Bord winken mein Pate Rainer und seine Frau Ursula. Sie führen uns noch einmal exzellent zu dem Amphitheater aus dem ersten Jahrhundert, zum Portal von St. Trophime, wo die Seele des gesteinigten Stephanus zum Himmel steigt, und zum Nachbau von van Goghs Café mit der gelben Fassade. Dass der Zipfel vom Halstuch der Bedienung hier in ein Weinglas gerät, ist der jungen Dame, die penetrant in Englisch auf uns einredet, weder eine Entschuldigung geschweige denn einen Austausch wert.
Als die meisten Touristen in ihren Betten liegen, stiefel ich zu einem arabischen Cybercafé, das aber bald seine Pforten schließt. So mache ich noch eine nächtliche Fotosafari rund um das antike Theater (Foto unten).


Nachtstimmung bei der Arena, dem antiken Amphitheater von Arles
Nachtstimmung bei der Arena, dem antiken Amphitheater von Arles


Camino-Versuch in der Camargue
Freitag, 28. März 2008: Arles - St. Gilles - Vauvert - Montpellier - Sète (116 km)

Im schönen Hotel Voltaire genießen wir das Frühstück mit Blick auf den Platz. Noch einmal St. Trophime. Schließlich radeln wir heute auf dem Camino. Auf dem südlichsten der vier großen mittelalterlichen Pilgerwege in Frankreich: der Via Tolosana, die über Toulouse und den Somport-Pass nach Spanien führt, wo sie bei Pamplona auf die andern drei Pilgerwege stößt. Hier ist es der französische Fernwanderweg GR632. Weiß-rot markiert, häufig ergänzt durch eine stilisierte Pilger-Muschel.
Kleines, robustes Wildpferd: Camargue-SchimmelBis St. Gilles verläuft der Wanderweg auf kleinen Nebenstraßen. Schön zu radeln. Die Kirche von St. Gilles alias Sankt Ägidius/Egidius birgt in der Krypta die Gebeine des Heiligen. Tickets gibt es nur bei der Touri-Info. Bei der warn wir nur schon. Ohne dort einen Hinweis auf die Tickets gesehen zu haben. Wie frustrierend muss das für Fuss-Pilger sein. Stattdessen Großeinkauf bei Lidl. Danach wird der Weg schlechter und schlechter. D.h. immer mehr ein reiner Wanderweg, bei dem wir gelegentlich die Wanderzeichen nicht entdecken. Uns verfahren. Die Schimmel der Camargue entschädigen uns (Foto links).
Bei Nauvert kehren wir zurück zur Straße. Der Camino-Versuch ist beendet. Auf Nebenstrecken erreichen wir Montpellier, vorbei an dem autofreien modernen Zentrum Antigone, das der Architekt Ricardo Bofill im vergangenen Jahrhundert geschaffen hat. Miri besucht das Musée Fabre. Ich lese im Park. Eine schöne, warme Stimmung unter Bäumen.
Frederic von der Touri-Info gab einen guten Tipp: Die D116 schlängelt sich von Montpellier schön zum Meer. Lange fahren wir auf Radwegen am Ufer entlang. Vögel stehen im Licht der untergehenden Sonne im Wasser und picken sich Fische. Sète. Wieder haben wir Glück. Das Hotel schließt gewöhnlich um 20 Uhr, wir treffen um 20.18 Uhr noch den Portier, der gerade das Haus verlassen will. Im Cybercafé checken wir noch mal verschiedene Routen. Plötzlich scheint es möglich, dass wir morgen am Canal du Midi entlang nach Carcassonne kommen. On verra.


Abschied vom Meer bei Agde, Frankreich
Abschied vom Meer bei Agde


Canal du Midi bei Agde, FrankreichZur Festung Carcassonne: Versuch am Canal du Midi
Samstag, 29. März 2008: Sète - Canal du Midi - Béziers - Carcassone (131 km)

Austern-Frühstück in der Markthalle von Sète. Fünf Knochenmuscheln zum unschlagbaren Preis von 0,95 "Öró" - sogar Öffnen inclusive. Miri machen Muscheln munter. Dank der neuen Dammstraße ist die alte Straße ein exzellenter Fahrradweg entlang der Lagune von Thau nach Süden. Schon müssen wir Abschied vom Mittelmeer nehmen (Foto oben). Wir wollen am Wasser bleiben und finden die Mündung des Canal du Midi.
Auf seinem Südufer verengt sich der Weg zusehends zu einem Trampelpfad. Zeitweise können wir die Fahrräder nur vorsichtig balancieren, vorrutschen. Mühseligst gewinnen wir Meter um Meter. Mit den Rädern unter einem Zaun durch. Dann über einen Stacheldrahtzaun. Schließlich weitet sich der Weg wieder. Eine Schleuse erscheint. Und von da an ist es ein typischer französischer Kanal-Weg. Zum Radeln zu schlecht, zum Nicht-Radeln zu schön (Foto links). Gesäumt von Bäumen. Ganz Natur, kein Fremdkörper in der Natur. Als wäre er gar nicht als Verbindung zwischen Mittelmeer und Atlantik künstlich geschaffen worden.
Endlich erreichen wir Agde. Nur vier Kilometer haben wir geschafft. Pause. Touri-Info. Neuorientierung. Im Syndicat d'Initiative empfehlen sie weiterhin das Südufer. Wir rumpeln weiter. An einem Freizeitpark vorbei vorübergehend auf der Straße. Dann wieder am Kanal-Ufer.

Kristian am Canal du MidiKristian (Foto rechts; Foto von ihm von uns unten) hat genau die gleiche Ortlieb-Ausstattung wie ich. Der Maschinenbauer begeht seinen Übergang in die post-graduate Phase mit einer Radtour von Lyon nach Valencia.
Da er die Original-Michelin-Karte hat und nicht wie wir eine Schwarz-Weiß-Kopie, lässt sich erkennen, dass der Uferweg bald ein richtiger Radweg wird. Asphaltiert. Yeah. So können wir uns sogar gut unterhalten.
Leider trennen sich am Ende des Asphaltstreifens in Béziers schon wieder unsere Wege. Wir steigen in die Eisen, um die Kathedrale zu erklimmen. Schöne Aussicht von dort. Die Kirche wurde erbaut nach einem Kreuzfahrer-Gemetzel an 700 Katharern und 7000 Katholiken, die ihre katharischen Mitbürger nicht ausliefern wollten.
Wir entscheiden uns, das Ziel Carcassonne beizubehalten, aber den Weg zu wechseln. Straße statt Kanal. D11. Nach der Pause an der Schleuse von Homps D610. Den Kanal mit seinen romantischen Bootshäusern kreuzen wir immer wieder. Das Gelände ist hügelig. Höchster Punkt heute ist das Ziel, das wir mit Rückenwind schneller erreichen als erhofft. Die riesige Festung Carcasssonne, wo wir mittendrin ein Jugendherbergs-Zimmer kriegen und eine Münze für die Waschmaschine. Zweiter Waschtag. Die Stimmung ist gut. Schon gestern war der turning point, der fühlen ließ: wir schaffen das.


Miri und Chris am Canal du Midi (Foto: Kristian Huchtemann)
Am Canal du Midi (Foto: Kristian Huchtemann)


Festungsstadt Carcassonne, Südwest-Frankreich
Kein Spiel: Die Festungsstadt Carcassonne


Weißer "Weißer Sonntag"
Sonntag, 30. März 2008: Carcassone - Quillan - Col de Coudons (883 m) - Col des 7 Frères (1253 m) - Col de Chioula (1431 m) - Ax-les-Thermes (114 km)

Wir könnten einen Ruhetag einlegen. Zumal Zeitumstellung ist. Zumal Sonntag. Zumal in dieser herrlichen Festung Carcassonne. Stattdessen: Wecker wie immer, d.h. eine Stunde früher aufstehen als bisher. Es ist noch dunkel um 7.10 Uhr. JuHe-Frühstück. Das erste Buffet. Wir die ersten. 8.20 Uhr Rolling downtown in die Ville basse auf der Suche nach einem Gottesdienst. Die Kirche in der Burgstadt ist erst ab neun Uhr zu besichtigen. Elf Uhr Gottesdienst. So auch in der Kathedrale. Wir hören Glocken zum Neun-Uhr-Gottesdienst, aber finden die passende Kirche nicht in der menschenleeren Innenstadt von Carcassonne.
Fahren schließlich weiter. An der Aude entlang. In einem der Dörfer, Preixan, erklimmen wir den Gipfel, um um 10.02 Uhr festzustellen, dass der Zehn-Uhr-Gottesdienst in einem Nachbarort stattfindet. Durch den fahren wir als nächstes und bekommen den Gottesdienst vom Evangelium aufwärts mit. Nicht mitreißend, ohne Orgel, aber katholisch. Nächster Stopp bei McDonald's. Ich drücke etwas aufs Tempo. Die Verführung des Rückenwinds.
Näher an die PyrenäenDie erste Tageshälfte im Aude-Tal bis Quillan ist schnell geschafft. Pause daselbst auf dem Dorfplatz, wo englisch sprechende Kids mit einem ferngesteuerten Rennwagen die Nerven belasten. Sich aber bald verziehen.
Schneebedeckte Pyrenäen-Gipfel haben wir schon gesehen. Jetzt geht's auch für uns wieder aufwärts. Auf der "Route des Cols", der Straße der Gebirgspässe. Erst dank Miri einen Schlenker durch Ginoles, dann der längste Anstieg zum Col de Coudons. Hochplateau. Wechselnde Winde. Mühsam. Bei einer schwerhörigen Seniorin nutzen wir die vor dem Haus stehende Parkbank im Windschatten zu einer Pause. Am Col des 7 Frères haben wir die Schneegrenze erreicht. Die Auffahrt auf den höchsten Pass ist danach außergewöhnlich flach.
Unangenehm wird die Abfahrt. Der Schnee geht in Regen über. Miri bravourös. Nasskalt kommen wir in Ax-les-Thermes 800 Meter tiefer an. Hotelsuche bei anhaltendem Regen. Wie schon in den Tagen zuvor eröffnen viele Hotels erst in Kürze die Saison. Das Hotel de France sieht nicht doll aus, Eingang und Restaurant sind mal wieder überraschend nett, das Zimmer mäßig, die Heizung kalt. Für einen potentiellen Ruhetag sind wir weit gekommen, mitten in die Pyrenäen.


Ski-Betrieb auf über 2000 Meter in Pas de la Casa, Andorra
Ski-Betrieb auf über 2000 Meter in Pas de la Casa, Andorra


Ein Zipfelchen Andorra 2000 Meter über dem Meeresspiegel
Montag, 31. März 2008: Ax-les-Thermes - Pas de la Casa (2028 m; Andorra) - Ax-les-Thermes (62 km)

Die Schneegrenze ist über Nacht auf Ortshöhe gefallen. Miri hat sowieso einen Ruhetag ausgerufen und widmet sich den warmen Quellen von Ax-les-Thermes. Ich will rauf nach Andorra, dem 66. Land meiner Rad-Reisen. Ziehe mich entschlossen an, um mich angesichts von kontinuierlichem Schneeregen gleich wieder hinzulegen. Um zehn Uhr starte ich schließlich.
Es ist zunächst "niederschlagsfrei". Aber zwei bis vier Grad den ganzen Tag. Was treibt, ist der Rückenwind. Elf Stundenkilometer kann ich zunächst halten. Habe heute auch kaum Gepäck, weil ich wieder nach Ax-les-Thermes zurück will. Das erste Stück ist etwas steiler, dann wird's flacher. In L'Hospitalet-près-l'Andorre der einzige Laden. Öffnet erst morgen. Daneben die kleine Post-Station. Im Vorzimmer kann ich mich aufwärmen. Trinke einen Liter Wasser. Der Postfahrer, der mich irgendwo überholt hat, staunt, dass ich schon hier bin. Und dass ich zu so einer Jahreszeit hier Fahrrad fahre. Doch die weißen Pyrenäen sind schön. Auch, wenn jetzt wieder Schneefall einsetzt.
Der ein oder andere Fahrer bemitleidet mich. Es gibt keine geschützten Stellen zum Anhalten. Die Füße hängen wie Eisklumpen an den Waden. Zum Glück immer noch Rückenwind. Nur in den Serpentinen sind die gegenläufigen Passagen unangenehm. Winzige Momente lang bricht die Sonne durch. Ringsum Nebel und Wolken. Kaum Sicht. Nach dreieinhalb Stunden französische Zollkontrolle. 300 Meter weiter ruhen die Arbeiten an einer neuen Abfertigungs-Station. Neue Grenzen in Europa.
Chris on the Bike in AndorraDrei Kilometer weiter beginnt auf 2003 Metern Höhe der Tunnel, der den Pass Envalira unterquert. Für Fahrräder Fahren verboten. Aber von dieser Seite kann man offensichtlich problemlos einfahren, weil die Zahl-Station am andern Ende ist. Der gesamte 2002 eröffnete Tunnel ist durch einen Gebietstausch andorranisch. Der höchste Pyrenäen-Pass, der Port d’Envalira (2407 m), ist anscheinend trotz des ganzen Schnees der letzten 24 Stunden offen. Mir reicht's.
Denn auch auf dieser Seite des Passes und Tunnels präsentiert der Ort Pas de la Casa das andorranische Wirtschaftswunder mit seinen Nikotin- und Alkohol-Tempeln, Hotels, Einkaufszentren und weist mit fünf Baukränen in die Zukunft. Ich wärme mich und das Fahrrad bei McDonald's auf - Aufdruck auf der Zuckerpackung: "McDonald's Andorra". Dann gerate ich in einen Kaufrausch. Schokolade, Eau de Toilette, T-Shirt und 30 Prozent WSV-Rabatt für eine Columbia-Winterjacke.
Dass die beim Anprobieren schön warm war, fällt mir ein, als ich mich zur Abfahrt rüste. Dazu kommen Plastiktüten vom Parfum-Palast als Handschuhe (Foto rechts). Die Abfahrt gegen den Wind zieht sich hin. Eisregen peitscht auf die freien Gesichtsstellen. Wird erst kurz vor Ax zu Regen. Wieder kaltnasse Hotel-Ankunft. Ich war in Andorra.
Am Abend versacken wir im Grand Café. Ein Liter Weißwein kostet am Ende den Salzstreuer seine Existenz.


Sackgasse in den Pyrenäen am Port de Lers (1517 m)
Sackgasse in den Pyrenäen am Port de Lers (1517 m)
(Foto: Matthieu alias Matthiou - mit vielen weiteren schönen Pyrenäen-Fotos hier)


Schnee-Sackgasse auf dem Pyrenäen-Pass
Dienstag, 1. April 2008: Ax-les-Thermes - Port de Lers (1517 m) - Tarascon-sur-Ariège - Col de Port (1250 m) - Massat-Biert (114 km)

Miri möchte über den Port de Lers (1517 m). Mir reicht nach zwei Bergtagen der Col de Port (1250 m). Obwohl der Port de Lers am Straßenrand als "fermé" angekündigt wird, lasse ich mich breitschlagen. Nach dem, was wir vorgestern auf 1431 m vorfanden, kann der Pass nicht wirklich zugeschneit sein. Glauben wir.
Von Tarascon-sur-Ariège geht es 15 Kilometer mit Rückenwind leicht bergauf bis Vicdessos. Hier beginnt die schmale Bergstraße. Keine Sperre. Es geht wunderschön aufwärts an Wiesen, Weiden und Wäldern entlang. Auch als wir längst über der Schneehöhe radeln, ist der Neuschnee von gestern tadellos beiseite geräumt.
Immer weiter. Ein grüner Renault überholt uns. Und kehrt nicht zurück. Das ist uns der ultimative Beweis: der Pass ist offen. Wir übersteigen die Baumgrenze. Nur noch Schnee ringsum. Das "Allez" auf dem Asphalt vom letzten großen Radrennen feuert uns an.
Miri in the Snow am Port de Lers (1517 m)Dann steht plötzlich der grüne Renault am Straßenrand, wo die Schneeraupe einen größeren Platz freigeräumt hat. Und neben ihm bereitet ein junger Mann seine Skier für eine kleine Tour vor: Matthieu. Ich bitte ihn gleich, ein Foto von uns zu machen. Um im selben Moment zu erkennen, dass wir in einer Sackgasse stecken. Am Ende der Passhöhe ist der Schnee zusammengeschoben. Ende Gelände.
Matthieu macht ein Sackgassen-Foto von uns. Und gleitet anschließend zur Foto-Safari auf den Pic de Girante. Er meint, mindestens vier Kilometer Schnee-Blockade seien zu erwarten. Wir versuchen's.
Die ersten Meter läuft's ganz gut. Dann sogar über eine Wiese, die stückweise frei von Schnee ist. Wir können ein paar Meter fahren. Dann versacken wir mit den Rädern mehr und mehr im Schnee. Der Blick wird frei: es geht noch einige Kilometer weiter und gegenüber scheint es noch einmal im Schnee bergauf zu gehn. Ich plädiere für Rückmarsch. Verliere zunehmend die Schuhe im tiefen Schnee, weil die Klettverschlüsse wegen des Schnees nicht mehr aneinander haften. Nach einer Stunde für maximal zwei Kilometer sind wir wieder auf der Passhöhe. Befreien die Felgen von Schnee.
Traumhafte Abfahrt auf der Strecke, die wir hochgefahren sind. Jetzt durchqueren wir Tarascon-sur-Ariège. Kräftigen uns gegenüber vom Espace Francois Mitterand, eingeweiht von Danielle Mitterand 1997. Die Touri-Info wirkt hypermodern und kann auch ein paar Unterkünfte nennen. Noch einmal zwei Stunden für 750 Höhenmeter auf den Col de Port (1250 Meter). Wieder ein sehr schöner Pass. Zuletzt nur ganz, ganz flach ansteigend. Dann runter.
Ich ziehe dummerweise nicht meine neue Andorra-Columbia-Jacke an. Bequemlichkeit. So werden Wind und Kälte unbequem. Zumal wir dann Schwierigkeiten haben, in Massat ein Quartier zu finden. Das Hotel Le Globe hat heute und morgen geschlossen, die Hostellerie des Trois Seigneurs öffnet erst Samstag, die Roquefort Cycle Lodge ist voller Biker. Erst im kleinen Ort Biert finden wir ein von Engländern geführtes B&B: das Maison Esmeralda, mit einem schönen Zimmer und noch schönerem Badezimmer. Ein langer Tag mit mehr als 2000 Höhenmetern geht zu Ende. Obwohl wir vom Tagesziel nur noch 20 Kilometer entfernt waren, mussten wir wegen der Schnee-Sackgasse noch 60 Kilometer fahren. Gegenüber den ersten Tagen in der Provence haben wir uns mal wieder beachtlich gesteigert.


Hügellandschaft bei Mauvezin, Pyrenäen
Abendstimmung in der Hügellandschaft bei Mauvezin, Pyrenäen


Lourdes aus eigener Kraft
Mittwoch, 2. April 2008: Massat-Biert - St. Girons - Mauvezin - Lourdes (148 km)

Full English Breakfast in Frankreich. Die Esmeraldas sind eigentlich Milch-Bauern, die erst aus England flohen, weil dort die Höfe immer größer werden müssten, um zu überleben, dann in Zentral-Frankreich, was sich auch nicht recht gelohnt hat. Jetzt steht nur noch eine Metall-Kuh vor der B&B-Tür und ein Gite in den Bergen, das sie im Sommer bewirtschaften.
Detail im Kreuzgang von St. LizierWeiter abwärts durch das schmale Tal des Arac. Durch die Gorges de Ribaouto kann man auf beiden Seiten fahren. Wir wählen die schmalere, südliche. Mit ein paar Tunneln, die für Fahrräder ohne Licht gesperrt sind. Meine LED-Lampe schwächelt erstaunlich bei Tageslicht. Wegen unserer gestrigen Sackgassen-Fahrt müssen wir heute schwer ackern, um bis Lourdes zu kommen. Lohnenswerter Stopp in St. Lizier mit Kreuzgang (Foto links) und Kirche, ein klassischer Jakobsweg-Stopp auf der Nebenstrecke "Chemin du Piémont Ariège-Pyrénées" mit römischen Spuren.
Die Gegenwind-Arbeit beginnt. Heute geht's nur über Hügel. 1200 Höhenmeter in vielen kleinen Häppchen. Miri zieht mich viele, viele Kilometer. Ein alter Mann deutet mir, ich müsse doch so eine Frau längst überholt haben. Können. Dann zieh ich wieder an. Jeder Kilometer zieht sich wie Gummi. Mittags reichen die Wolken so tief, dass die Pyrenäen verschwunden sind. Erst kurz vor ihrem Untergang scheint die Sonne wieder. Die Schneefelder in den Bergen sind zu sehen. Steigungen bis zum Schluss. Nur die letzten zwölf Kilometer führen bergab in großen Bögen um alle Hügel herum. Tiefer und tiefer zur Grotte von Lourdes, wo ein Wächter uns die Einfahrt in den menschenleeren Wallfahrtsbereich verwehrt: "privé".
Trotten wir zurück über den Grotto-Boulevard. Nehmen ein Hotelzimmer, vielleicht auch Pilgerzimmer. Jedenfalls wenig luxuriös. Der übergewichtige Patron klebt an seinem Stuhl im Keller-Restaurant. Als die kleine Lichterprozession am Hotel vorbeizieht, will Miri doch noch mal runter.
Die Prozessionen aus allen Ecken der Stadt führen vor dem Wallfahrts-Heiligtum zusammen. Wo eine ausführliche Marien-Rosenkranz-Andacht vollendet wird. Jedes "Avé" des unvermeidlichen Lourdes-Klassikers "Avé, Avé, Avé Maria" von Abbé Gaignet aus dem Jahr 1874 (Kurt Tucholsky in seinem Pyrenäenbuch: "Es hat unzählige Strophen.") wird mit dem Hochreißen aller verfügbaren Kerzen gewürdigt. Irgendwann werden die Kerzen verstärkt durch Scheinwerfer, die die Wallfahrtskirche erleuchten. Ein polyglottes Zeremoniell. An dem zu Tucholskys Zeiten Mitte der zwanziger Jahre wegen des Ersten Weltkriegs keine deutschen Gruppen teilnahmen. Was wäre, wenn alle diese Menschen so an ihre eigene Kraft glaubten, wie sie auf ein Wunder hoffen?


Morgenstimmung in Lourdes, Frankreich
Morgenstimmung in Lourdes


Arblade-le-HautArmagnac vom Feinsten
Donnerstag, 3. April 2008: Lourdes - Termes d'Armagnac - Nogaro (94 km)

Auch am Vormittag studieren wir den Pilgerbetrieb. Mittags machen wir uns auf zu den letzten Kilometern. Es geht im Allgemeinen bergab. Vorbei am kleinen, prosperierenden Flughafen Tarbes-Lourdes-Pyrénées. Bei Tarbes sitzen wir mal wieder im McDonald's. Ein Vorteil: Man hat die Räder immer gut im Blick. Kann auch die eigenen Lebensmittelreserven nutzen. Es ist zwischen Midi et Deux. Um uns das geballte Geschnatter von Teenie-Gruppen aus einer nahe gelegenen Schule.
Dann die D935 Richtung Norden. Hier und da wählen wir noch ruhigere Parallel-Routen. Alles flach. Wo die Straße nach Westen abzweigt, stoßen wir gradeaus durch über ein paar Hügel nach Termes d'Armagnac. Der Name jedenfalls ist schon mal Garantie, dass wir im Armagnac sind. Ein 36 Meter hoher Turm, wo um 18 Uhr grad das Museum und die Turmbesteigung beendet werden, bestimmt die Landschaft.
Von hier soll es laut Karte querfeldein gehen nach Arblade-le-Haut. Die Michelin-Karte hilft bei den schmalen Feldwegen nicht so richtig weiter. Eine Frau drückt sich etwas missverständlich aus. Schon drehen wir noch eine Extra-Runde, berühren fast Nogaro. Und fahren wieder ein Stück zurück, bis wir zwischen St.-Martin-d'Armagnac und Arblade-le-Haut jenes kleine Gehöft entdecken, in dem meine Studienkollegin Maria sich niedergelassen hat (Foto rechts). Ein alter Bauernhof, den sie sich zunächst als Feriendomizil zugelegt hat und wohin sie vor zwei Jahren ganz gezogen ist. Zwei Katzen und eine Hündin sind inzwischen auch dabei. Das schlichte Gebäude hat eine tolle Atmosphäre. Und die Landschaft drumherum ist Armagnac vom Feinsten.


Arblade-le-Haut
Blick am Morgen aus unserm Schlafzimmer in Arblade-le-Haut


Maria und MiriRad-los
Freitag, 4. April 2008: Arblade-le-Haut

Idealer Ort für einen ruhigen Räder-losen Tag, sieht man davon ab, dass wir die beiden Räder von Maria ein bisschen nach vorne bringen. Und es ist, wie stets, nach so vielen Tagen Radeln: der Aktionsradius strebt gegen Null, ein kleiner Spaziergang durch die Umgebung und schon sitzen wir wieder im Bauernhaus oder davor im grenzenlosen Garten (Foto links). Schreiben Postkarten. Relaxen. Dinieren in Nogaro, wo auch der nächste Aldi steht. Und freuen uns, ein so schönes Ziel gewählt zu haben. Das ich vor gut 20 Jahren schon einmal mit Hartmut auf dem Weg nach Compostella durchquert habe.


Marias Katze Mirabelle vor dem Start auf unsern Rädern in Arblade-le-Haut
Marias Katze Mirabelle vor dem Start auf unsern Rädern in Arblade-le-Haut


Straße durch die Hügel der Gascogne, FrankreichFatal Error auf bahn.de
Samstag, 5. April 2008: Arblade-le-Haut - Mont-de-Marsan (48 km); Zugfahrt Mont-de-Marsan - Bordeaux - Toulouse

Roll-out über die Hügel der Gascogne (Foto rechts). Bei dem üblichen Lebensmittel-Stopp organisieren wir auch zwei Flaschen Floc de Gascogne, eine Mischung von Traubensaft und Armagnac, die von demselben Weingut stammen müssen. Un petit souvenir.
Mont-de-Marsan ist ein schönes Provinz-Nest. Wir haben es gewählt wegen der günstigen Verbindungen, die ich bei bahn.de ausgedruckt habe. Doch am Bahnhof gibt es ein böses Erwachen. Sie existieren nicht. Absolut nicht. Später daheim hab ich es noch einmal versucht zu rekonstruieren. Aber keine Erklärung gefunden. Wiederholte Versuche auf bahn.de haben immer nur die Verbindungen ergeben, die wir dann tatsächlich auch gefahren sind: von Mont-de-Marsan über Bordeaux (die Wartezeit reicht für eine Radl-Rund-Tour) nach Toulouse.
Da hätte es von Arblade-le-Haut wesentlich bessere Verbindungen gegeben (was allein schon ein Blick auf die Karte s.u. zeigt). Eine Fahrrad-Reservierung für den TGV ist nun auch nicht mehr möglich, so dass wir erst am späten Abend in Toulouse eintreffen. Die Studi-Stadt ist noch auf den Beinen. Wir radeln schon mal die touristischen Highlights der Innenstadt ab. Und wählen ein schönes Hotel an der Basilika Saint Sernin.


Chor der hochgotischen Kirche des Jakobinerkonvents (Eglise, Ensemble Conventuel des Jacobins), ToulouseMonsieur Gocke, bitte zum Lufthansa-Schalter!
Sonntag, 6. April 2008: Flug Toulouse - Frankfurt

Rund um St. Sernin herrscht Flohmarkt. Auch sonst ist es ein belebter Vormittag in der Toulouser Innenstadt. Die Gebeine von Thomas von Aquin ruhen in einem goldenen Schrein in der hochgotischen Kirche des Jakobinerkonvents (Foto links). Ein kleiner Zeitsprung ist es, wenn man mit dem Fahrrad von dort zum Flughafen radelt (was nicht leicht ist; und irgendwann mussten wir doch über ein Stück Schnellstraße): neben dem Flughafen breitet sich das Airbus-Gelände aus.
Die Abfertigung im Flughafen gehört wieder in ein anderes Zeitalter. Zunächst scheint es beim Einchecken samt Rädern kein Problem zu geben. Wir sehen schon den Bus vom Rollfeld auf uns zukommen. Als es auf einmal heißt: Monsieur Gocke, bitte zum Lufthansa-Schalter! Ich denke als erstes daran, dass wir noch nichts für den Radtransport bezahlt haben. Das hat bei Turkish Airlines in Fraport auch schon mal zu einer Flughafen-Durchsage gereicht. Jedenfalls muss ich zurück durch die Handgepäck-Kontrolle.
Am Abfertigungsschalter weiß man von nichts. Also zum Lufthansa-Ticket-Schalter. Dort steht mein Fahrrad rum. Aha. Nur meins. Die Dame am Schalter aber ist die Ruhe selbst. Welche Probleme es gibt, könne sie mir nicht sagen. Ich solle mal mit dem Fahrrad zum Eincheck-Schalter. Unvermittelt taucht hier auch Miris Fahrrad auf. Und es heißt, die könnten nicht durchleuchtet werden. Die seien zu groß. Nun, mein Werkzeug ist längst aufgegeben. Und die Flughafen-Jungs haben wie immer keins. Symbolisch nehme ich Miris Vorderrad per Schnellspanner ab.
Dann heißt es: Allez! Ich mit den zwei Teilen von Miris Rad, der Flughafen-Mensch mit meinem Rad, eine Frau voran. Obwohl sie zum Flughafen gehört, muss auch sie sich überall ausweisen. Wir kommen durch eine Mitarbeiter-Schleuse. Hier wird genau wie bei den Passagieren alles kontrolliert. Also wieder Handy raus, Uhr ab, Gürtel ab, Kleingeld usw. Zum x-ten Mal. Und in zehn Minuten soll der Flieger starten. So stoßen wir endlich zum Kern des Problems vor. Tatsächlich ist das Durchleuchtungs-Gerät für Sperrgut schlicht viel zu klein. Mein Fahrrad geht da überhaupt nicht durch, Miris ohne Vorderrad ginge. Aber aus irgendeinem Grund wollen sie das nicht. Was tun?
Die Zeit drängt. Mein Vorteil: Mein Gepäck ist im Flieger. Und so darf er nicht starten, solange ich nicht im Flugzeug bin. Keine Ahnung, was mit Miri ist. Sie entscheiden sich dann spontan zu einer Hand-Durchsuchung der Fahrräder. Aber es werden nicht mal die Sattel abgeschraubt. Wenn wirklich Sprengstoff im Rahmen wäre: hier hätten sie ihn nicht gefunden. Die eher symbolische Durchsuchung ist jedenfalls negativ. Ich werde von der netten Dame weiter durch die Gepäck-Gegend wieder in die Abflug-Halle gebracht, wo nur noch Miri samt Handgepäck wartet. Wir bekommen eine Extra-Bus-Fahrt zum Flieger.
Die Startzeit ist schon passé. Egal. Wir sind dabei. Die Räder auch. Und wenig später sind wir wieder in Frankfurt respektive Mainz. Ein neuer Höhepunkt bzw. Tiefpunkt in Sache bike & fly.


Route Nizza - Andorra - Nogaro



Blaue Linie = Touren-Route; Buchstaben = Start und Ziel der Etappen

Etappen Nizza - Andorra - Nogaro (24.3.-3.4.2008)

Details mit Geschwindigkeiten, Höhenmetern etc. als Excel-Tabelle

Tag Datum Start Zwischenstationen Ziel km
1. 24.3.2008 Nizza Antibes 17
2. 25.3.2008 Antibes Grasse - Col du Pilon (782 m) - Pas de la Faye (981 m) - Col de Valferrière (1169 m) Villaute 69
3. 26.3.2008 Villaute Col de Luens (1054 m) - Castellane - Grand Canyon du Verdon - Col d'Ayen (1032 m) Gréoux-les-Bains 101
4. 27.3.2008 Gréoux-les-Bains Rognes - Salon-de-Provence Arles 119
5. 28.3.2008 Arles St. Gilles - Vauvert - Montpellier Sète 116
6. 29.3.2008 Sète Canal du Midi - Béziers Carcassone 131
7. 30.3.2008 Carcassone Quillan - Col de Coudons (883 m) - Col des 7 Frères (1253 m) - Col de Chioula (1431 m) Ax-les-Thermes 114
8. 31.3.2008 Ax-les-Thermes Pas de la Casa (2028 m; Andorra) Ax-les-Thermes 62
9. 1.4.2008 Ax-les-Thermes Port de Lers (1517 m) - Tarascon-sur-Ariège - Col de Port (1250 m) Massat-Biert 114
10. 2.4.2008 Massat-Biert St. Girons - Mauvezin Lourdes 148
11. 3.4.2008 Lourdes Termes d'Armagnac Nogaro 94
Summe 1085

Am Canal du Midi bei Béziers: Chris on the Bike
Am Canal du Midi bei Béziers


Mittelmeer-Umrundung
Die mediterrane Mega-Tour


Europas Zwergstaaten und ihre Direkt-Route
Von Liechtenstein via San Marino, Vatikan und Monaco bis Andorra


Anschluss Tour 46: Rhône: Quelle - Mündung (905 km) April 2009

Anschluss Tour 35: Feldkirch - Nizza (1457 km) April 2007

Anschluss Tour 5: Strasbourg - Santiago (2144 km) Sept. 1987


Nächste Tour: Nürnberg - Prag (440 km) April 2008

Vorherige Tour: Malta - Bari (922 km) Jan./Feb. 2008


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Tour 48: Karakorum-Highway (1010 km) 2009
Karakorum 2009
Chris Tour 51: Khartum - Addis Abeba (1760 km) 2010
Äthiopien 2010
on the Tour 58: Alpen - Prag - Berlin (2060 km) 2011
Moldau 2011
Bike Tour 59: Errachidia - Agadir (1005 km) 2012
Marokko 2012
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